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4.5.1931
 
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Rr. W5 Erstes Blatt

181. Jahrgang

Montag. 4. Mai |93|

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UlonatsBejugsDrets: 2.20 Reichsmark und 30 Netchspfenntg für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen emzelnerNummern infolge höherer Gewalt.

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GietzeimAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vni6 und Verlag: vrühl'jche Univerfitülr-Vuch- und Steinörnderei 8. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulfttahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mne Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 \ mehr.

Chefredakteur.

Dr. Friede. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Sieben.

Operettenkrieg im Atlantik.

Don Jorge Eo tez ORico

Wenn der folgende Bericht von dem Auf»' st and auf Madeira auch durch die neue­sten Kabelnachrichten, die von der lieber« gäbe der Rebellen melden, in manchen Einzelheiten überholt ist, konnten wir uns doch nicht entschließen, die amüsante Schil­derung unseren Lesern vorzuenthalten.

Portugals literarischer Nationalheros, Luis de hmoes (15241580), hat in seinen Lusiaden des alten Portugal weltgeschichtliche Ruhmestaten der Nachwelt überliefert; einem nachgeborenen Namens­vetter von ihm, Leutnant Camoes, war es beschie- ben, der Urheber eines Satirspiels zu werden, das als eines der ergötzlichsten Kapitel in der Geschichte Portugals eingehen wird. Es ist der A u f st a n d aus Madeira, der durch Leutnant Camoes in Gang gebracht wurde, welcher zuerst mit einer Hand­voll Soldaten die Regierungsaebäude in Funchal auf Madeira besetzte, dann allerdings das Kom­mando über die Revolution, über dies Revolutiön- chen, auf der paradiesischen Insel im Atlantik an einen rangälteren Kameraden abgeben mußte.

Aus den kümmerlichen, maschinengeschriebenen Ausrufen der Diktatoren von Funchal, die plötzlich am Morgen des 7. April in Funchal an allen Stra­ßenecken klebten, wimmelte es zwar von pathetischen Leschwörungeiz, rollte mächtig der Theaterdonner bcr Lusiaden:Es lebe die Freiheit des Volkes! Nieder mit der Tyrannei! Madeira schmiedet sich (ein Schicksal selbst! ..."

Im übrigen hätte sich kein Mensch so plötzlich um bas Schicksal Madeiras, um Tyrannei und Freiheit gekümmert, wenn nicht einige Offiziere, die in eine ber letzten portugiesischen Revolutionen verstrickt ge­wesen und auf dem Abtransport in die Strafkolonie von Guinea waren, die letzte Chance des Aufeni- " kaltes ihres Transportes in Funchal ausgenutzt hätten. Passieren konnte ihnen ja schließlich doch nichts mehr. Bei der Vertrautheit portugiesischer Machthaber mit Revolutionen braucht niemand, den einmal revolutionäre Gelüste plagen, mit allzu ernsten Folgen zu rechnen, wenn er sie zu verwirk­lichen versucht. Ob das Derbannunqsurkeil auf 5 ober 10 Jahre, oder auf Lebenszeit lautet, ist rela- lii> belanglos. In dem stetigen und beruhigenden Gleichmaß, in dem in Portugal Revolutionen und Diktaturen einander abzulösen pflegen, darf jeder Verbannte mit ziemlicher Sicherheit darauf rechnen, baß er bei einer der nächsten Gelegenheiten dieser Art doch wieder amnestiert wird.

Nachdem also Leutnant Camoes die Angelegen- heit in Gang gebracht hatte, machten die Inha­ber der älteren Osfizierspatente ihre Rechte gel­lend und nach diesem Gesetz des Dienstaltevs avanzierte General Souza Diaz zum Führer Kr Revolution, ohne recht zu wissen, wie er zu der Ghre gekommen war und was er mit dem so plötzlich ihm anvertrauten hohen Timt anfangen sollte.

Er tat allerdings immer unter sorgfältige: Schonung der blühenden Fremde nindu st rie von Madeira was er konnte. Er bildete als­bald eine' Regierung, er bepflasterte die Höhen rings um Funchal mit alten Geschützen, denen man immerhin noch zutrauen konnte, daß sie bei mehr oder minder passender Gelegenheit wirklich einmal Ivsgehen würden. Er arrangierte in denk­bar zuvorkommendster Weise Paraden der Ma- deiresker Militärmacht, damit die Pressephvto- graphen etwas zu knipsen hatten. Er bemühte Itd) auch, dem neuen Regime ein besonderes Re­tef zu geben, indem er in Erinnerung an seine Stützen des klassischen Altertums die Republik Atlantis proklamierte, vielleicht in der Hoff­nung, daß sein Herrschaftsbereich plötzlich durch bas Wiederauftauchen des alten Atlantis, ton dem Plato berichtet und von dem man immer roch glaubt, daß es einmal irgendwo zwischen Gibraltar und Madeira gelegen habe, märchen­haft vergrößert werden könnte, Alnd vor allem Lingen er schätzte seine Leute in Lissabon richtig ein. Er ließ sich keines- dcgs durch die Kriegserklärung und durch die Aachricht von der Entsendung eines Expeditions- drps ins Bockshorn jagen.

Seit fast vier Wochen tobt nun der Operetten» krieg um das paradiesische Eiland im Atlantik. .. Über er tobt eigentlich nur in Proklamationen linö in denNoticias da Madeira, der Funchaler Zeitung, der es vor allen Dingen darauf an- lammt, daß bie Fremdensaison nicht ge­hört wird, für die es gerade Zeit war, als die Revolution ausbrach. Selbst unter blühenden Mimosen und Glhcinien lustwandelt es sich nicht smberlich gut, wenn immerhin die Möglichkeit besteht, daß all diese Schönheit doch plötzlich tnmal durch einen oder einige Kanonenschüsse arstört werden könnte. Außerdem sind d i e lassen leer, denn der verantwortliche Leiter bc Rationalbank-Filiale hat den größeren Teil bc Kassenbestände noch rechtzeitig in Sicherheit Erbracht und eine Währung derRepublik Atlan- existiert vorläufig in Ermangelung der not* tenbigen Deckungsmittel noch nicht.

Inzwischen ist aber nun wirklich das portu­giesische Expeditionskorps angekommen uni) es ist ihm gelungen, wenigstens die F u n k - Kation von Madeira zu zerstören, so daß die Icfcolutionäre nicht mehr in Verbindung mit Inn Ausland treten können. Das ist immerhin Igon ein Erfolg und außerdem hat der Korn- vondeur des Expeditionskorps seinerseits auch Paraden veranstaltet, die von den interessier«- tm unb mutigen Pressephotographen der staunen- kn Mitwelt übermittelt sind und erkennen lassen, dis) schließlich der Operettenkrieg doch eine für die revolutionäre etwas bedenkliche Wendung neh-

Frankreich und die europäische Wirischastskrisis.

Oer französische Ministerpräsident beklagt sich über die deutsch-österreichische Zollunion.

Wie Paris die wcrtschastliche Zusammenarbeit Europas organisieren möchte.

Paris, 3. Mai. (WTD.) Ministerpräsident Laval hat heute traditionsgemäß vor Wieder­aufnahme der Parlamentssession einen Rechen­schaftsbericht über die Tätigkeit seines Kabinetts in Form einer Rede in Courneuve gegeben, dabei bie Wirtschaftskrise ausführlich erwähnt und gewisse Maßnahmen zur Abhilfe (Dau von Fabrilen für Petroicuinrasfinerien, Durchführung von Arbeiten des öffentlichen Interesses usw.) angeführt. Der wesentlichste Abschnitt seiner Rede behandelte bie Außenpolitik. Er führte aus, Frankreich wolle unter ber Achtung der Ver­träge eine Politik internationaler Verständigung und eine ausgreifende wirtschaftliche Zusammenarbeit. Das französische Parla­ment habe diese Politik stets mit großer Mehr­heit gebilligt. Alm so mehr habe das französische Volk angesichts eines vor kurzem eingetretenen Ereignisses, bas sich durch die Haltung Frank­reichs weder rechtfertigen noch erklären lasse, tiefgehende Gefühle der Bitterkeit empfunden. Weder in der Sach^ selbst noch hin­sichtlich ber unvermuteten und plötzlichen Vor­gangsweise habe Frankreich biesem Plan zu- stimmen können. Aber dadurch sei i n den inter­nationalen Beziehungen eine Stö­rung entstanden. Briand habe die großen Linien einer internationalen Verständigungspolitik vor­gezeichnet und festgelegt. Sie sei mit der sou­veränen Ausübung ber Frankreich zur Verfügung stehenben Derteibigungsmittel vereinbar. Man müsse bie Achtung der Verträge fordern, weil sie bie sicherste ©arantie zur Der- meibung des Krieges bleiben. Aber man müsse zugeben, daß der Friede nur bann dauer­haft sein könne, wenn er auf der Organisie­rung der Wirtschaftsbeziehungen der Völker begründet sei.

Man dürfe bie nationale Wirtschaft nicht durch unangebrachte oder verfrühte Initiativen stören. Aber wenn die Völker, die zur Zeit beunruhigt seien, diesen Weg der internationalen Zusammen­arbeit beschreiten würden, werde das Gefühl des Vertrauens gestärkt werden und das Gefühl der Sicherheit in der Welt an Boden gewinnen. Gewisse Operationen finanziellen Beistandes könnten diese notwendige Politik nur fördern und beschleunigen. In Genf werde Frankreich e i n wirtschaftliches Aktionsprogramm in Anregung bringen, dem sich alle anschließen könn­ten. Man könne sich heute nicht mehr mit einer Paradepolitik begnügen. Hinter brüderlichen Worten müsse sich Solidarität der Handlungen zeigen. Es werde fchwer sein, das Gleichgewicht in Europa her­zustellen. Neue Formeln müßten zu einer beson­deren Politik für alle wesentlichen Produkte führen: Getreidepolitik, Petroleumpoli­tik, Kohlenpolitik, Stahlpolitik, Stickstoffpolitik. Das sei gar nicht so leicht; denn jede Nation müsse ihre Sonderinteresfen verteidigen, und auf der anderen Seite an allgemeinen Ententen teilnehmen. Davon hänge der Friede der Welt ab. Die Zauberformeln Sicherheit, Schiedsgerichtsbarkeit und Beschrän kung der st ungen bedeute­ten die Organisierung einer neuen Welt. Diese neue Welt werde aber nur verwirklicht werden, wenn deren materielle Interessen zuerst einmal miteinander in Einklang gebracht werden. Solange es in der Welt Millionen von Arbeitslosen und Menschen im Elend gebe, werde der Friede ungewiß und die alten Zivilisationen allen Gefahren aus­gesetzt fein.

Oie deutsche Antwort.

Praktische Maßnahmen statt unfruchtbare Debatten.

Berlin, 4. Mai. (WTB.) Amtlich. In Kreisen des Berliner Auswärtigen Amtes wirb zu der Rede Lavals erklärt, bah es vollkommen unverständlich sei, wie der französische Minister- präsibent in der geplanten deutsch-österreichischen Zollunion eineStörung der internatio­nalen Beziehungen erblicken kann. Das deutsch-österreichische Vorgehen steht wie immer wieder betont werden muh vollkommen im Einklang mit denbestehendenVer- trägen und Abmachungen. Cs kann sich also nur um eine Verstimmung darüber handeln, dah es Deutschland und Oesterreich unternommen haben, s e l b st ä n d i g einen geeigneten Weg zur Beseitigung der schwierigen Wirtschaftslage geyen zu wollen. Es erscheint der deutschen Regierung notwendig, nun endlich aus den theoretischen Diskussionen über die Scrmerungsmöglich ketten Europas herauszukommen und praktische, schnell wirksame Mahnahmen zu er»

Lindau, 3. Mai. (TU.) Am Sonntagvormitlag hat sich auf dem Bodensee ein furchtbares Unglück ereignet. Lin Kutter des Marinevereins Friedrichshafen fuhr mit 11 Mann Besatzung zu einer Uebungsfahrt in Richtung auf das Schwei­zer Ufer aus. Auf halbem Seeweg kam plötzlich eine sehr starke Böe auf, die das Boot zum kentern brachte. Zehn von den elf In­sassen sind ertrunken. Die Nachricht von dem furchtbaren Unglück kam erst durch einen bayerische_n Dampfer, der am Nachmittag mit einer Notflagge in den Hafen von Lindau ein­fuhr. Der bayerische Dampfer nahm den einzig Ueberlebenden der Katastrophe, einen gewissen Ege von Friedrichshafen, der eine Bordflagge in die höhe gehalten hatte, auf und fischte außerdem noch drei Tote, die mit Korkwesten versehen waren, aus dem Wasser. Der Ueberlebende hatte einen Nerven- chock und mußte ins Krankenhaus eingeliefert wer­den. Er konnte bis jetzt die Namen der folgenden Toten angeben: Vootsführer Schmitt, ferner der Bruder des Ueberlebenden Anton Lge. die Brüder Ludwig und Wilhelm Stricker sowie Egg und Bart. Die übrigen Namen konnten noch nicht fest­gestellt werden. Bei den zehn Todesopfern des furchtbaren Vootsunglücks handelt es sich durchiveg um 16- bis 20jährige junge Leute, von einer Familie sind zwei Brüder ertrunken. In Ror­schach wurden verschiedene Gegenstände, wie Koffer, Ruder, Kleidungsstücke u. a. an Land gespült. Po­lizei- und Zollfutter begaben sich sofort an die Un- glücksstelle, ohne jedoch weitere Leichen bergen zu können.

greifen. Diesem Bemühen bient ber deutsch-öster­reichische Zollunionsplan, ber, völlig im Sinne ber Dri anbschen Europapoli­tik, eine Wirtschastsentente barst eilt, die auf anbere Staaten auszubehnen ars:rück- lich vorgesehen ist. Im übrigen begrüßt man bas in ber Rebe besi französischen Ministerpräsidenten offenkundig zum Ausdruck kommende Bestreben nach positiver Mitarbeit Frankreichs an dem europäischen Wiederaufbauwerk, wenn auch das hier von Laval gezeichnete Aufbaupvo- gramm noch zu allgemeiner Ratur ist. als daß sich jetzt schon ein Urteil über Tragweite und Auswirkungsmöglichkeiten fällen läßt.

Die Stimmung in Rumänien.

Die Bukarester Geheimkonferenz der Kleinen Entente.

Bukarest. 4. Mai. (TAI.) Die Außen­minister der Kleinen Entente haben am Sonntag zwei Sitzungen abgehalten, zu denen bie Presse nicht zugelassen war. Aleber das bisherige Ergebnis ist noch nichts bekannt. Bemerkenswert

Oer Bericht des einzigen Ueberlebenden.

Verzweifelter Kampf mit den Wellen.

Lindau, 3. Mai. (WTD.) Aleber das furcht­bare Doots Unglück auf dem Dodensee erfährt der Vertreter des Süddeutschen Korresponbenz- bureaus in Lindau von dem einzigen Aleberlebenden noch folgende Einzelheiten: Gegen 10 Alhr geriet das Doot auf der Höhe von Altenrhein plötzlich in einen furchtbaren Fohnsturm. Fortwährend schlug Wasser in das stark besetzte Doot, wobei es nicht gelang, mehr Wasser auszuschöpfen, als eindrang. In­folgedessen sank das Doot langsam und kenterte plötzlich. Sämtliche elf Mann stürzten ins Wasser, versuchten sich aber durch Schwimmen und Festhalten an dem um­gekippten Doot über Wasser zu halten. Vier Mann entschlossen sich, an Land zu schwimmen. Sie kamen aber dort nicht an, sondern sind er­trunken. Die übrigen kämpften noch stunden­lang verzweifelt mit den Wellen, wobei einer nach dem anderen, ermüdet und er­starrt, in den Fluten versank. Der 22jährige Chauffeur Ege blieb a l s einziger Aleberlebenber auf dem Doot, wurde von dem KursdampferRürnberg bemerkt und nachmittags kurz nach 16 Alhr an Dord gen* nommen. Der Gerettete erzählt, daß er seine Rettung nur dem Almftanb verdanke, daß es ihm durch Tauchen gelang, bie Dootsfahne heraus­zuschrauben unb mit biefer 21 o t f i g na l e zu geben, die von dem Dampfer aus bemerkt wur­den. Sämtliche Verunglückten stammen aus Friedrichshafen.

Furchtbare SchWaiastrophe aus dem Zvdeusee.

Ein Friedrichshafener Kutter im Zöhn gekentert. Von elf Mann Besatzung zehn ertrunken.

men könnte. Allein der Dischof von Fun- ch a l hat sich nun der Angelegenheit angenommen, unb wenn auch seine ersten Vermittlungsversuche fruchtlos geblieben finb, so ist doch, wie bie Dinge jetzt liegen, anzunehmen, bah es seinem versöhnlichen Einsluß gelingen wirb, den Krieg, der jetzt, nach fast vier Wochen, so weit gediehen ist. baßein Generalangriff gegen die Auf­ständischen unmittelbar bevorsteht, im Sinne christlicher Nächstenliebe beenden unb vielleicht sogar den Rebellen Vergebung für ihre Künden zu erwirken.

Oer Zusammenbruch der Revolution.

Die -(uf ständischen ergeben sich dem britischen Konsul.

London, 3. Mai. (TAI.)Sundah Dispatch meldet, daß sich die Führer ber Aufständischen dem britischen Konsul ergeben hätten, dem sie auch ihre Waffen abgeliefert hätten. Sie wären jetzt in einem Hotel inter­niert worden, wo sie den Einzug ber sieg­reichen Regierungstruppen abwarte­ten. Dcr britische Konsul und der Kapitän des britischen KreuzersLondon hätten sich nach ber Alebergabe ber Aufständischen auf die die Stadt Funchal umgrenzende alte Festung begeben und den portugiesischen Oberlommissar unb die anderen von den Aufständischen festgesetzten Be­amten in Freiheit gesetzt. Cs war den Regierungstruppen am Samstag gelungen, eine Abteilung auf der Ostseite ber Insel zu landen. Zwei Gruppen hatten sich bereits am Mittwoch auf der Westseite festgesetzt, den gemeinschaft­lichen Anstrengungen aller Qlbteilungen gelang es, einige beherrschende Höhenzüge zu nehmen

und so bie Aufstänbischen abzuschnei­den, bie sich bann ergaben. Eine amtliche Er­klärung aus Lissabon besagt-, baß nunmehr auch die Stad Funchal von den Aufständischen den Regierungstruvpen übergeben worden ist. 300 englische Seesoldaten unb Matrosen bewach­ten wahren!» ber militärischen Operationen die neutrale Zone, um das Leben der Aus­länder zu schützen. Die Widerstandskraft der Aufständischen wurde durch das Bombar­dement des portugiesischen Kreu­zers Vasco da Gama gebrochen. Alle Ausländer sind unverletzt geblieben. Aleberhaupt ist keine Zivilperson verletzt worden.

Interessante Hintergründe.

Frankreich als Drahtzieher hinter den Kulissen.

Lissabon, 2. Mai. (TAI.) Der Abenteurer­streich von Madeira kann nunmehr als beendet gelten. Sein hauptsächliches Merkmal war es, daß er im Gegensatz zu gewissen Behauptungen in der ausländischen Presse in der Bevöl­kern ng selbst gar'feinen Widerhall hatte und lediglich von 400 deportierten Gegnern des Regimes angezettelt worden war. Diese hatten bis zum Ianuar d. I. ihren Zwangsaufenthalt in den portugiesischen Kolonien, erkrankten aber und erhielten von der Regierung die Möglichkeit, sich in Madeira zu erholen. Cs handelt sich durchweg um Anhänger der sogenannten Liga de Paris. Diese Liga wird in der Hauptsache geführt von ehemaligen Parlamentariern, die sich als Träger der franzö­sischen Ehrenlegion auszeichnen. Die 400 Revo­lutionäre, die dann in Madeira den Staatsstreich inf geniert en, find zum großen Teil ehemalige

Militärs. Ihre Aktion, so wenig erfolgreich sie verlief, war in der Anlage keineswegs harmlos. Sie stützten sich auf die Annahme, daß ihre poli­tischen Helfer im Mutterlande und in den überseeischen Besitzungen zu gleicher Zeit eine revolutionäre Bewegung zum Ausbruch treiben würden. te die Regierung den taktischen Fehler begangen, zur Bannung dieser Gefahr größere Kräfte ber Armee und der Marine sofort nach den Inseln zu entsenden, -fo hätte ber Plan auch wohl gelingen können. Die Lissaboner Militär­diktatur operierte aber sehr geschickt und mit großer Kaltblütigkeit. Sie setzte sofort eine scharfe Funküberwachung ein und hielt die unter dem Einfluß der Liga de Paris stehende Propaganda im Lande selbst in Schach. Die Agitation der Liga de Paris durch die französische Presse unb burch die Funkorganisationen war so offensichtlich, daß ber französische Gesandte in Lissabon selbst es für nötig hielt, einen Schritt im Sinne ber Beruhigung zu unternehmen.

Die Regierung konnte im übrigen, als sie den Befehl zur Mobilisierung gab, darauf Hinweisen, daß im Zuge der revolutionären Bewegung i n Spanien Bestrebungen zur Schaffungeiner pan iberischen republikanischen 5 ö be­rat i o n im Gange seien, die die portugiesischen Grenzgebiete gefährdeten. Auf eine beruhigende, allerdings nur auf seine Person abgestellte Erklä­rung des Außenministers der revolutionären spani­schen Regierung hin wurde dieses Motiv wieder fallen gelassen. Eine iberische Föderation würde na­türlich schon wegen der Jnselfrage und wegen des Kolonialbesitzes nicht nur zu unlöslichen Konflikten, sondern auch zu internationalen Verwicklungen führen, da das Interesse Frankreichs, beson­ders aber Englands, auf das stärkste davon betroffen würde.