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Mittwoch. 4. März 193(

Aießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

Nr. 53 Zweites Blatt

Oer 4. März ein kritischer Tag in der Geschichte Amerikas.

Don (Earl Zimmermann

Die erste aus Grund der DersassungSurkunde für die Vereinigten Staaten von Rordarnerika im Jahre 1788 veranstaltete Wahl eines Staatspräsidenten und eines or­dentlichen Kongresses war am ersten Dienstag des Vovembermonais vorgenom­men worden. Er st am nach st en 4. März sind die oeiden Häuser in der damaligen Bundes­hauptstadt Philadelphia zusammengetre- tcn rmd hat George Washington förmlich das höchste Amt des neuen Bundesstaates über­nommen. Die Verzögerung erklärt sich in der Hauptsache daraus, daß zunächst die Abgeord­neten aus den Südstaaren noch mehrere Wochen durch ihre landwirtschaftlichen Arbeiten die Baumwollernte pflegt in den Rvvemver zu fal­len auf ihren Farmen sestgeha.ten wurden, und dann die elenden Wege jener noch eisen- bahnlosen Zeit in dem schnecreichen Klima einen weiteren Aufschub nötig machten. Auch das noch ganz und gar nicht ..amerikanische Tempo", in dem die verfassungsmäßig vorgelchrievenen Rati­fikationen der Bundesakte durch die dreizehn aufeinander äußerst eifersüchtigen Staaten ein­gingen. wirkte sich in jener Viermonatsspanne aus.

Daß aber die zufälligen Termine von damals noch heute, nach bald hunder.undfünfzig Jah­ren, gewissermaßen als ein Gewohnheitsrecht beibehalten werden, erscheint doch nicht ganz zu recht als ein letzter Zopf. Man muh sich vielmehr erinnern, dah die amerikanische Verfas­sung kerne vorzeitigen Auflösungen der gewähl­ten Parlamente gestattet. Die Rovemberwahlen aber näher an den 4. März hinauszuschieben, etwa auf den Februar zu verlegen, verbietet sich durch die Rotwendigleit. in den Winter­monaten die laufenden Geschäfte, insbesondere die Beratung des Haushaltes, abzuwickeln.

Gin paarmal hat allerdings die verspätete Ablösung einer vom Vertrauen einer Dolks- mehrheit nicht mehr getragenen Regierung durch die schon vor der Tür stehende neugewählte schwere Gafahren für den Bestand des Bundes mit sich ge. rächt. Am schlimm­sten in dem Krisenzahre 18 61. daS die Frage der Regersklaverei zur Entscheidung zu bringen bestimmt war. ES ist bekannt, dah die eingeborene Bevölkerung der westindischen Inseln gerade in dem Zeitpunkte ihrer Entdeckung an einer Krankheit rasch dahin- siechte, die das Schifssvolk des Evlumvus da­mals aus Europa eingeschleppt hatte. D.r Do­minikaner Las C a s a s hatte, um die geschwäch­ten Körper der Eingeborenen vor harter Fron- ar.eit für die spanischen Eroberer zu schonen, als Qlr^ejtet in den Pflanzungen lieber die kräf­tigeren Afrikaner verwandt. 3m Laufe der nächsten drei Jahrhunderte sind dann M.llionen von Schwarzen in die Länder der neuen Welt vor chleppt worden, die sich wegen ihrer klima­tischen Beschaffenheit nicht für die Feldarbeit von Weihen eigneten. C<t gegen Ende des 18. Jahrhunderts lehnte sich die öffentliche Mei­nung Europas gegen das Institut der Sklaverei aus, und zumal das englische Par.ament seht« aus Anirag des Abgeordneten W.lberfvrce die für jene Zetten hohe Summe von zwanzg Mil­lionen Pfund für die Unterdrückung deS Sklaven­handels aus.

Schwier.ger wurde eS den grundsätzlichen Geg­nern der Sklaverei, eine Befreiung der nun einmal angesiedelten Sklaven zu erreichen, deren Rachkommen nach Gewohnheitsrecht gleichfalls dem Stande ihrer Eltern anheimgefallen tonten. Dah die Einwendungen der CmanzipationSfeinde nicht unbegründet waren, zeigt der nach Ab­schaffung der Regertnechtschafl eingetretene Ver­fall der englischen Kolonie Jamaika, die einst die'Perle der Antillen" hieh. Selbst Loslauf durch den Staat oder humanitäre Gesellschaften hob die Rachteile für die früheren Herren nicht

Neuyorker Rummelplatz.

Don XichaiD OiKlfenaea

Es ist nicht leicht, sich in den Neuyorker Untev= grundbahuen zurea-tzuslnden; aber icylnhlich muß man es ooch einmal lernen, da Das xajifaljien auf die Dauer zu teuer wird. Von der Battery ois zum Central Part zahlt man einen Dollar fünfzig, das fino immerhin über sechs Mark. Nun meinen Die Heugorter allerdings, ihre Taxis feien billig. Wenn man aue anderen Preise Damit vergleicht, stimmt Das sogar. Für ein nicht sehr luxuriöses Hotelzimmer zahlt man vier Dollar und ein Mittagessen unter einem Dollar lohnt gar nicht Der Muhe. Zn Neuyork hat man Das Prinzip Der kleinen Portionen mit großem Eifer ausgebaut, und ich kann sagen, Daß die Leute es Darin zu einer Art Rekord gebracht Haden. Mein Freund ist allerdings sehr entzückt, weil er hofft, durch feinen Neuyorker Aufenthalt zehn Pfund abzunehmen. Bis gestern war er em eifriger Verfechter Der Prohibition, und er krank nichts als Den Sauerkraut-Cocktail oDer Das Orange Juice, den es hier vor jeDer Mahlzeit gibt. Gestern nacht aUerDings ist er Dann mit Dem Baron L., einer Schiffsbekanntschaft, in Das Central-Kafino (im Central Part) geraten Da gilt Die Prohibition nur oberhalb Der Tischplatten; alles was unterhalb Der Tischplatten ist, geht memanDen etwas an unD nur wenn einmal von einer warm geworbenen Sektflasche Der Kork abspringt, wirb gelacht

Kürzlich fuhr ich nach Newark, um Dort einen anDeren Freund aufzusuchen. Der im Dortigen Athle. titklud wohnt. Athletiktlub klingt bei uns sehr^nach Rummelplatz, hier ist Der Athletikklub (jeDe Stabt hat einen) Das Feinste vom Feinen, unD jeder Fremde schätzt sich glücklich, Gast Des Klubs zu sein. Dieser FreunD hatte also Die Einladung, im 'Ne­warker Athletikklub zu wohnen, nicht abgeschlagen, obwohl Newark sehr weit außerhalb liegt. Man fährt oom Central Park bis Manhattan Transfer ungefähr eine halbe Stunde und Dann muß man mit einem anDeren Zug unter Dem HuDfon Durch und Dann ist man noch lange nicht da

Das Untergrundbahnnetz ist wirklich sehr kompli­ziert. obwohl wir Berliner Doch auch keine Dörfler sind. Kürzlich, als ich nach Newark wollte, habe ich mich ganz verfahren und schließlich merkte ich, daß wir anstatt nach New Jersey (in dieser Richtung, also

auf. So kann es denn auch nicht Wunder neh­men, daß die Südstaaten der Union sich nach der LoSreihung von England mit Händen und Füßen gegen Die Aufnahme eines 2er- bots der Sklaverei in die Bundes­verfassung gewehrt haben. BloS diejenigen der dreizehn Staaten, in denen sie noch nicht bcitanb, sollten sie nicht einführen dürfen.

Hebet die Gebiete, die erst später in den Verband der Union ausgenommen wurden, war mit diesem Kompromisse nichts bestimmt. Daß besonders die Landschaften am unteren Mississippi, die um 1803 durch Kaus aus der französischen Hand in nordamerikanischen Besitz übergingen, sich den Sklavenstaaken beigesellten, mochte als Selbstverständlichkeit hingenommen werden. Aber Helle Empörung löste es im Rorden aus, als nach dem für die Südpartei günstigen Ausfall der Wahlen von 1856 ein Gesetz durchgebracht wurde, das auch die aus demwilden Westen" herausgeschälten Territorien Kansas und Re­st r a s k a als Sklavensta ten unter die vollberech­tigten aufnahm. Da wagten auch die sogenannten Demokraten des Rordens. die Partei, die anfangs noch nach dem Abfall von England entsprechend der des Mutterlandes als Tories, also Kon­servative, bezeichnet ward, nicht mehr, den skla­vereifreundlichen Kandidaten des Südens im Wahlgang von 1860 zu unterstützen, um sich nicht für die Zukunft in den Staaten Reuyorl, Main«, Pennsylvanien usw. ihre Aussichten zu verbauen, verschuldeten aber durch die unvermeidlich ge­wordene Zersplitterung der Stimmen nun natür­lich einen überwältigenden Sieg derRepu­blikaner". Der von diesen auf den Schild gehobene radikaleAbolitionist" Abraham Lin­coln, der sogar eine entschädigungslos« Ent­eignung der Sklavenstesiher anstrebte, ging durchs Ziel.

Schon seit langem hatte man sich in dem Bundesgebiet südlich vom Delaware und Potomac moralisch auf eine kommende politische Abson­derung vorbereitet. Die Sklavereifrage war nicht das einzig Trennende. Der wachsende Vor­sprung in der Entwicklung der Industrie und damit in der Vermehrung des beweglichen Kapi­tals im Rorden erweckte bei den^anderen Be­fürchtungen, mit ihren überwiegend landwirt­schaftlichen Betrieben volkswirtschaftlich in das Hintertreffen zu geraten. Und die industriellen Schutzzölle, die der Rorden brauchte, schädigten den auf freien Handelsverkehr mit England an­gewiesenen Süden: ein Gegensatz der Interessen, der auch heute noch wenig von seiner Schärfe verloren hat! Es war natürlich, dah England mit den Sezessionsabsichten sympathisierte.

Die viermonatige Spanne aber zwischen Lincolns Wahlsieg und "feinem Amtsantritt am 4. März 1861 gewährte der unterlegenen Partei eine ausgiebige Frist zu militärischen Rüstungen. Der bisherige Präsident Buchanan, der den Demokraten an­gehörte. drück.e beib? Augen zu, als seine Freunde Kriegsmaterial in Massen nach Richmond in Virginien, das zur Hauptstadt einer neuenKon­föderation" ausersehen war, überführten. Da Lincolns Antrittsbotschaft vom 4. März versöhn­lich abgeftimmt war, blieb es einige Wochen noch ruhig. Aber die Extremisten unter den Süd- demokraten ließen sich von ihrem einmal gefaßten Vorsatz, den Streit mit den Waffen zur Ent­scheidung zu bringen, nicht mehr zurückhalten. Ihr Ueberf all auf das Fort öumter am 13. April bezeichnete den Ausbruch eines vierjährigen Bürgerkrieges. Heber zwei Jahre verlief er erfolgreich für die Seite, die zuerst an daS Schwert appelliert hatte. Der erste Waffengang sah sogar eine schmachvolle Flucht der noch ganz undisziplinierten nordstaallichen Truppen. Und nach einigem Sträuben hatte sich auch der militärisch ausgezeichnet befähigte Gene­ral Lee bewegen lassen, an die Spitze der

jenseits Der Hudson, liegt Newark) über Die Broklyn- brurfe jausten. UnD Dann mente ich weiter. Daß ich im Sea Bea.h Express saß, Der nach Coney Island fuhr. Ich war jo vertieft in Den Anblick meiner Mitreisenden gewefen. Ich hatte sie alle C rigleys Spearmint kauen leben unD war Dabei gewesen, mir auszurechnen, wieviel Kaugummistucke notwen- Dig gewesen sind, Daß sich Wrigley seinen Wolten- kratzer in Chikago bauen konnte. Ich beschloß, sitzen zu bleiben uno nach Coney Island zu fahren, ob­wohl es Winter war und ich wußte, Daß alle Ver- gnugungsgelegenheiten geschlossen waren.

Wer es noch nicht weiß: in Coney IslanD, an Der See, am StranD Des Atlantischen Ozeans amüsiert sich Neuyort an heißen oommertagen. Cs ist eine wüste Vergnügungsstätte, ein Wald von Bretter- buDen, Die mit Plakaten beDetft sind und bei Däm­merung mit grellen Lichtreklamen aufleuchten. Löws Schau hat hier eine Filiale, und wer keine Stunde ohne Girls und Jazzmusik sein kann, wird hier für feinen Drang einen Weg finden. Es gibt va Coney Island Badeanstalten unter offenem Him­mel (jetzt find sie vereist), Tanzlo.ale jeder Art. Teufelsräder und vor allen Dingen Rutschbahnen.

Der Neuyorker, das kann ich wohl ohne lieber* treibung lagen, ist restlos verliebt in Rutschbahnen. Ic mehr gerutscht und gekreischt wird, desto wohler fühlt er sich. Diese Rutschbahnen, die alle elektrisch betrieben sind, und für unser Gemüt in riesige Höhen gehen, sind ein Gewirr von Lotten und Rie­men und Stangen. Jetzt sind sie verlassen; die Kälte, die von der See kommt, hat sie ausgefroren und mit grauem Reif bedeckt. Eine Katze sah ich langsam Di« Bahn hinansteigen, von Der am Ostersonntag zum erstenmal wieder donnernd Die Wagen herab­sausen werben.

Am StranDe hat Der scharfe Wind Die Manner mit den handgeschobenen Wagen nicht verscheuchen können. Die auf alte und junge Damen warten. Mit diesen Wagen (sie werden häufig von Negern ge­schoben) kann man sich angesichts der Wasserweite hin und herkutschieren lassen, und man kann soviel Brise schlucken, wie es einem Spaß macht. Trotz Der Kälte liegen einige Dutzend Unentwegte in Liege­stÜhlen am Master Neuyork ist neben vielem ande­ren Die StaDt Der Gesundheitsfanatiker, unD man­cher. Der seine Nerven im Geschäft gelassen hat, glaubt sie hier Durch eine Stunde Atemübungen wieder zurückerobern zu können. Das ist natürlich

Die zerstörte Hostings-Straße in Napier (Neuseeland). Diese erste Originolousnohme von Der furcht­baren Erdbebenkatastrophe auf Neuseeland hat eine abenteuerliche Reise hinter sich. Von Neuseeland wurde sie durch einen Schnelldampfer noch San Franzisko geschafft, von Dort nach Neuyork telegraphiert, von Neuyork nach London gefunkt unD von Dort mit Flugpost nach Berlin gebracht. Die reguläre Schiffsreise hätte mehr als sieben Wochen gebauert.

conföderierten Armee zu treten. Dem Seehandel des Rordens taten die Kaperschiffe, besonders die gefürchtete, in England ausgerüsteteAla­ba m a wofür John Bull später nach schieds­gerichtlichem Urteil eine schwere Strafsumme er­legen mußte erheblichen Abbruch. Erst seit der dreitägigen Schlacht von Gettysburgh (1. bis 3 Juli 1863) gewann General Grant als Feldherr der Rordarmee allmählich die Ober­hand. Richt allein die Ueberlegenheit des Kapi- tals arbeitete für seine Sache, sondern auch der Idealismus der deutsch-amerikanischen Freiwilli- gen. die die Sklaverei aus Grundsatz verabscheu­ten, aber später für ihre uneigennützige Hilfe zu Wasser und zu Lande meist schlechten Dank geerntet haben. DieAlabama" wurde schließlich nach einer wilden Jagd über den Ozean an der nordfranzösischen Küste vernichtet. Auf dem Land- kriegsschauplah wurde Lee während des ganzen Jahres 1864 langsam Schritt für Schritt gegen den Potomak zurückgedrängt. Rach einer fünf­tägigen Schlacht bei Petersburgh mußte er zu Anfang April 1865 die Waffen strecken Lin» coln, im Herbst zum zweiten Male zum Staats­oberhaupt erwählt, zog als Triumphator in Rich­mond ein. Aber schon am vierzehnten Tage des Monats, unmittelbar nach seiner Rückkehr in die Bundeshauptstadt, traf ihn im Theater die Kugel eines Attentäters tödlich.

Kunst und Wissenschaft.

Die Mainzer Welt-Goethe-Ausgabe.

Wie aus Mainz gemeldet wird, soll anläß­lich der 100. Wiederkehr von GoethesTodes- tag am 22. März 1932 eine Weltausgabe von Goethes sämtlichen Werken in fünfzig Bänden erscheinen. Trager dieies PlaneS ist Mainz, die Geburtsstadt Gulenbergs. Das Goethe-Archiv in Weimar besorgt die wissensä-a t ich« Herausgabe des Textes. Die Drucklegung, die Anspruch er­hebt. textlich a s Standardausgabe, als endgül­tige wissenschaftliche Festlegung des reinen un­getrübten Goethcschen Textes bettxr.et zu werden, erfolgt in der Mainzer Preise in einer besonders für diese Zwecke geschaffenen Goethe-Welt- letter. Sämtlicye Staaten und Städte, sämtliche Wir.f--afts ü.jrer, säm liche w sjenfcha t i en und literarischen Ceseilschaf en der Erde w r en ge­beten, sich als Prot.kt^ren dieser monumentalen Goethe-Ehrung anzuschliesten. Prot Lor wird, wer mindestens 500 Mark für die Herausgabe ein vergebliches Bemühen; aber es ist rührend zu sehen, mit welch unerschütterlichem Glauben diese angeblich ungläubigen und nur oerftanDes nüfoig lebenden Amerikaner Der Vorschrift chres Arztes am hängen. Sie wollen Die Sache bis zu Ende durch- beißen, selbst auf die Gefahr hm, sich eine Lungen­entzündung zu holen

Augenblicklich liegt nämlich ganz Neuyork an Der Grippe trank unD Die Geschäftsleute lammern, es könne Deshalb keine Besprechung zustanDe kom­men. Das Klima in Neuyork ist wirklich oom Teu­fel; gestern hatten wir eine Art Blizzard, Das Ther­mometer sank bis zu 6 Grad unter Null, und heute hegt Die Sonne auf Der StaDt; es ist Frühling unD Die Vergoldung Der Kuppel von Central Station scheint so aufdringlich, als wollte sie uns Fremde über Das EnDe Der guten Konjunktur und Der be­rühmten Prosperity hinwegtäuschen.

Die sind nämlich wirklich augenblicklich gänzlich verschwunden lind Da Die Neuyorker Hysteriker sind (einmal himmelhoch jauchzend, Dann zu ToDe betrübt) hat man es aufgegeben, sie zu suchen. Die schöne Zeit, Die Hausse Der Jahre 1925 bis 1927, als |«der Geld hatte und es keine Armut mehr gab, sind vorbei. Es wird von jedem Geschästsmann zu­gegeben, Daß Amerika zehn Millionen Arbeitslose hat und Daß augenblicklich für niemanden Die Mög­lichkeit besteht, sich zum Millionär hochzuarbeiten. Abends stehen Die Breadlines. Die Brotlinien, auf Dem Broadway; Das heißt, eine riesige Kette oder mehrere riesige Ketten von Arbeitslosen Drängen sich unter Polizeiaufsicht zu einem Wagen, von dem ihnen-ein Stück Brot gereicht wird In diesem Neu­york, Das an Der siebenunDfünfzigsten Straße einen Wolkenkratzer hat. Der ganz aus rararischem Mar­mor gebaut ist, gibt es also Leute, Die hungern. Die alten Damen und ihre Vereine, Die große Presse setzen sich für Die Arbeitslosen ein; im Radio wird das Problem täglich besprochen, aber es hat sich deswegen noch nichts geändert.

In Coney Island saß Ich bei Childs, Dem Neu- ycrker Aschinaer Wie immer fing ich mit einem Sauerkraut-Cocktail an unD dann ich eine Wurst nach Neuyorker Art. Das fristete nach Deutschem (Selbe Drei Mark, und es war sehr reinlich und ein­wandfrei hygienisch; aber Deswegen noch nicht schmackhaft. Irgendwo kündigte ein Plakat an:Das Gefängnis, Dargestellt von ehemaligen Sträflingen. Wertvoller Einblick in die Strafanstaltsverhältnisse

des Werkes zur Verfügung ftellt Durch daS Werk soll lediglich eine w.ir ig? Ehrung Doelh S und Gutenbergs in aller Welt erfolgen. Ge­winne sind nicht beabsichtigt, sie würden restlos dein Goctye-Archiv zu Weimar und der Pflege des Andenkens Gutenbergs zugute kommen. 3n einem entsprechenden Ausrus wendet sich der hessische Staatspräsident und der Oberbürger­meister der Stadt Mainz an die Oessentlichkeit.

Große Gtrafkammer Gießen.

* Gießen, 3. März Heute begann vor der Großen Strafkammer die Berufungsver­handlung in der Strafsache gegen den Kauf­mann Albert Wacker von Wiefeck.

Wie seinerzeit berichtet, war Wacker am 25. Ro- vcmber 1930 nach säst dreiwöchiger Verhand­lung von dem Schöffengericht wegen fortge­setzten Betrugs, in zwei Fällen in Tat­einheit mit unlauterem Wettbewerb, zu drei Jahren Gefängnis, abzüglich elf Monaten Untersuchungshaft, und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Das Gericht hatte festgestellt, dah er als Vertreter der Wiener Firma Pavelec Jnternattonaler Ereditschutz" und der von ihm gegründeten KreditschuhvereinigungKreveawa" Geldsuchenden Darlehen jeder Höhe in kürzest.« Zeit zugesagt hatte, obwohl er diese weder aus­zahlen konnte, noch wollte. Gegen dieses Urteil war seitens des Angeklagten und vorsorglich von der Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt worden.

In der heutigen Hauptverhandlung erklärte Wacker, er sei in einer Reihe von Fällen schuldig, er bitte aber um eine mildere Strafe. Die Verlesung des rund 150 Seiten starken Ur­teils nahm den Vormittag in Anspruch. Am Rachmittag erfolgte die allgemeine Vernehmung des Angeklagten. Dann wurde mit der Verlesung der verschiedenen Prospekte begonnen.

Die Verhandlung, in der im wesentlichen Zeugenaussagen und Korrespondenz verlesen wer­den, wird längere Zeit dauern. Wir werden übel ihr Ergebnis demnächst berichten.

Daten für TonnerStag, 5 März.

Sonnenaufgang 6 39 Uhr, Sonnenuntergang 19.29 Uhr. MonDaufgang 17.46 Uhr, 'DlonDuntergang 7.14 Uhr.

1869: KarDinalerzbischof Dr. Michael von Faul­haber geboren.

für Jung und Alt. Tritt ein unD überzeuge Dich für wenig Geld, ehe es zu spät ist."

Zeitschriften.

Das geiftige Bild Des Eiszeitmenschen. daS Artur Reubcrg im Februarheft derZeit­wende" feffelnb und anschau.ich entwirft, zeigt, daß der Mensch der Vorzeit kein rohes Halbtier war, sondern ein vollwertiger Mensch mit hohen geistigen Fähigkeiten. Die Ergebnisse der neueren Forschung haben der früheren Entwicklungslehre einen schweren Stoß versetzt und Den Ahnen des Menschengeschlechts Züge ausgeprägt, deren sich der heutige stolze Mensch nicht zu schämen braucht. Cs beunruhigt Die Zeitwende zu sehen, wie innere und äußere Einflüsse unsere Kultur bedrohen. So zeigt Karl Refer in seinem AussatzDie Bedeutung des Alten Testaments", daß die völkischen Einwände gegen das Alte Testament uns zur ernsten Besinnung Darauf nötigen, was das Alte Testament sür Die christ­liche Kirche bedeutet. Auch Der Aufsatz von Carl Jhmels, dem Leiter der Leipziger Mission, über Schu.en und Schulprogramme in Ostwrika" zeigt, daß nur eine Die Ausbaukraste Des eingeborenen Volkstums verständnisvoll pflegende christliche Erziehung Die Eingeborenen Afr.k^s davor be­wahren kann, Durch äußere Zivi isierung geistig entwurzelt unD Damit zu Trägern des Rihilis- mus und Bolschewismus, D. h. zu einer unge­heuren Gefahr für Die Menschheitskultur zu werden.

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Es sind ernannt worden: Dr. med. Hermann Loeschcke, Prosektor unD Leiter Des Pathologischen Instituts Der StäDtischen Krankenanstalten in Mannheim unD orDenrlicher Honorarprofessor an Der Universität Heidelberg zum ordenllichen Professor der allgemeinen Pathologie und pathologi­schen Anatomie an der Universität Greifswald als Nachfolger von Professor E Leupold, Dr. Ernst Edens, ärztlicher Leiter des Sanatoriums Eben­hausen bei München und außerordentlicher Professor cn der Münchner Universität, zum ordentlichen Professor an der Medizinischen Akademie in Düs­seldorf als Nachfolger von Professor S. Thann­hauser auf Den Lehrstuhl Der inneren Medizin.