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Aus der provinzialhauvtstadt.

Gießen, den 3. Dezember 1931.

Oberregierungsrat Welcker t-

Gestern ist nach schwerer Krankheit der frühere langjährige stellvertretende Leiter des Gießener Kreisamts. Oberregierungsrat i. R. Friedrich Welcker. im 66.Lebensjahre verstorben. Der Ver­ewigte war eine Persönlichkeit, die in weiten Kreisen der Stadt Gießen und darüber hinaus bekannt und geschätzt war. Seine Tätigkeit als hessischer Ver­waltungsbeamter führte Friedrich Welcker nach den verschiedensten Gegenden des Hessenlandes. Seine erste dienstliche Verwendung fand er ab 11. April 1896 als Kreisamtmann in Schotten. Am 15. September 1898 wurde er in gleicher Eigenschaft an das Kreisamt in Dieburg versetzt am 1. April 1905 erhielt er den Charakter als Regierungsrat. am 24. März 1906 wurde er zum Kreisamt in Bingen versetzt. Von hier kam er am 20. Oktober 1906 als Regierungsrat bei der Provinzialdirektion Oberhessen nach Gießen. Am 25. November 1916 erhielt er den Charakter als Oberregierungsrat. Als Stellvertreter des Kreisdirektors des Kreises Gießen wirkte er bis zu seiner am 15. Oktober 1924 er­folgten Pensionierung eifrig und erspießlich für die Interessen des Kreises Gießen, wobei er stets be­strebt war, die Aufgaben der Verwaltung in best­möglichster' Weise zum Nutzen der Kreisbevölkerung zu lösen.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt gehörte er vom Jahre 1925 bis 1928 als Mitglied dem Gießener Kreistag an, wo er mit seiner Sach­kenntnis die Arbeit im Kreisvarlament förderlich zu gestalten immer bemüht blieb. Neben seiner amtlichen Tätigkeit, in deren Bereich die Bewäl­tigung der schwierigsten Jahre unseres Bo kes fiel und wobei er stets seine ganze Kraft zur Verfü­gung stellte, war er ehrenamtlich auch auf an­deren Gebieten des gemeinnützigen Schaffens tätig. 11. a. galt seine stete Fürsorge allen Be­strebungen zur Forderung der humanistischen Bil­dung und der auf dieser Grundlage aufgebauten Anstalten, ferner wirkte er nach seinem Hebertritt in den Ruhestand als Rechner der Ortsgruppe Gießen der Deutschnat'.onalen Bolls'-artei, der er seit der Parteigründung im Jahre 19^9 angehörte.

In seiner ganzen ehrenamtlichen Arbeit war er in gleicher Weise wie im Amt bemüht, seinen Ob­liegenheiten mit peinlichster Gewissenhafti5k.it und voller Hingabe feiner Person nachzukommen. Neben dieser strengen Pflichttreue des alten Be­amten zeichneten den Heimgegangenen vorbild­licher Charakter, größte Se'bstlosiare't, persönliche Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit aus, durch die er sich die Zuneigung weiter Kreise in Stadt und Land erwerben konnte. Das Andenken an den Entschlafenen wird in der Stadt und im Kreise Gießen in bester Erinnerung bleiben.

Oie Weihnachts-Ausstellung der Hausfrauenberatung.

Mit der Veranstaltung ihrer hauswirt­schaftlichen Weihnachtsausstellung hat die Hausfrauenberatung Gießen einen großen Wurf mit vollem Erfolg getan. Das zeigt sich täglich an dem ununterbrochenen starken Besuch, der zeitweise sogar ein Gedränge der Schaulusti­gen in den verschiedenen Ausstellungsräumen zur Folge hat, wie man es bei derartigen Veranstal­tungen nicht oft bemerken kann. Die Stände der ausstellenden Firmen werden dabei eingehend be­sichtigt, und die Inhaber dieser Geschäfte dürften wohl auf diese Weise eine Belebung ihres Ab­satzes zu verzeichnen haben. Damit ist der eine Zweck der Veranstaltung erreicht. Aber auch der andere Zweck, den Hausfrauen Anregungen und praktische Hinweise zur wirtschaftlichen Haushalts­führung zu geben, wird in hohem Maße erfüllt. Die Veranstaltungen in den Räumen der Haus- frauenberatung, insbesondere die täglichen K 0 ch - tur f e unter Der Leitung von Frau Oberstudien- Direktor Kalbfleisch weisen einen ungewöhn­lich starken Zuspruch der Damenwelt, aber auch zahlreicher Herren auf. Die Leistungen der Lehr- küche finden allenthalben und mit Recht lebhafte Anerkennung. Wie umfangreich sich dieser Betrieb Der belehrenden Veranstaltung gestaltet, beweist allein die Tatsache, daß vorgestern bei den Fisch- kochkursen 70 Pfund Fische, die vom Fischmarkt in Cuxhaven gestiftet waren, verarbeitet und in kurzer Zeit vollständig abgesetzt wurden. Auch Die Übrigen Erfrischungsgelegenheiten aus der mustergültigen Lehrküche finden verdientermaßen alle Anerkennung und ständig guten Absatz. Es ist eine sehr respektable Leistung, die da von der Hausfrauenberatung und von allen Mitarbei­terinnen, von der leitenden Spitze bis herab zur jüngsten Helferin, in uneigennütziger Tätigkeit zum Besten der Allgemeinheit vollbracht wird, und Die ihre Anerkennung finden sollte in weiterem zahlreichen Besuch der sehenswerten und lehrrei­chen Veranstaltung.

Oaö Ladengeschäft an den dreiSonntagen vorWeihnachten

Das Polizeiamt Gießen teilt mit: Auf Grund des § 105b Absatz 2 der Reichsgewerbeord- nung ist für alle Gewerbezweiae des Handelsgewer­bes der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen, die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern am

Sonntag, 6. Dezember, Sonntag, 13. Dezember, und Sonntag, 20. Dezember

in der Zeit von 12 bis 18 Uhr gestattet.

Die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern bei der Herstellung von Back- und Kon- ditoreiwaren ist auch an diesen Tagen verboten.

Gießener Wochenmarltpceise.

Gießen, 3. Dez. ES kosteten auf dem heu­tigen Wcchenmarkt: Kochbutter Pfund von 1 Mk. an; Butter 1,20 bis 1 30; Matte 25 bis 35; Wir­sing 7 bis 8; Weißkraut 5 bis 6; Rotkraut 7 bis 8; gelbe Rüben 8 bis 10; rote Rüben 8 bis

Bezirkssparkaffe Gießen.

Die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung.

Am 27. November fand in Anwesenheit des Vertreters der Aufsichtsbehörde, Regierungsrat Schmidt, und des Vorsitzenden des Hessischen Sparkassen- und Giroverbandes, Justizrat Dr. Reh, die diesjährige ordentliche Mit­gliederversammlung der Bezirks­sparkasse Gießen statt. Anwesend waren fast sämtliche Vertreter der Dezirksgemeinden.

Nach Degrüßungsworten des Vorsitzenden, Direktor Zach eis, an die Erschienenen gedachte dieser in ehrenden Worten der verdienstvollen Tätigkeit der beiden Aufsichtsratsmitglieder, Kirchenrat Strack, Gießen, und Bürgermeister Horn, Annerod, die dreißig Jahre dem Auf­sichtsrat der Sparkasse angehören. Auch dem ver­storbenen Aussichtsratsmitglied Bürgermeister Kreiling, sowie dem ebenfalls verstorbenen Vertreter der Gemeinde Heuchelheim, Beigeord­neten Kreiling, wurden Worte des Geden­kens gewidmet.

Die Versammlung genehmigte sodann den von dem Vorsitzenden Dorgetragenen Geschäfts­bericht in allen seinen Teilen. Ebenso wurden vorgetragen die Aufwertungsbilanz und der Aufwertungsrechnungsabschluh für 19 30; beide fanden ebenfalls die Geneh­migung der Versammlung.

Aus dem Geschäftsbericht ergibt sich, daß trotz des im Jahre 1930 bereits einsehenden schweren wirtschaftlichen Niederganges die Ent­wicklung der Sparkasse noch als günstig zu be­zeichnen ist. Die Spareinlagen erfuhren gegen das Vorjahr immer noch eine Zunahme von 2 397 000 Mk., sie sind von rund 11 843 000 Mark auf 14240000 Mk. gestiegen. Im Konto­korrent- (Giro-) Verkehr betrug die Zu­nahme der Debitoren 18 492 Mk., die der Kre­ditoren 455980 Mk. Der Umsatz im Spar­verkehr betrug in 66 578 Posten rund 11 900 000 Mark, im Giro-(Kontokorrent-!Verkehr betrug er im Berichtsjahr in 164 000 Posten 68 400 000 Mark. Gegen das Vorjahr ergab sich somit im Kontokorrentverkehr eine Steigerung des Umsatzes von mehr als 13000000 Mk. Der Gesamtumsatz betrug 178271 000 Mk., er erhöhte sich gegen das Vorjahr um 30 885 000 Mark. Die Bilanzsumme stieg von 14 280 316 Mark auf 17 278 412 Mark, also gegen das Vor­jahr um 2 998 096 Mk. Die Rechnung schließt mit einem Rechnungsrest von 237 638 Mk.

Die Gesamtausleihungen erfuhren eine Zunahme von rund 3 000 000 Mk., darunter das Hypothekengeschäfk eine solche von nahezu 1 000 000 Mk., während die Bankguthaben eine Erhöhung von über 300 000 Mk. erfuhren. Die Gesamtsumme der fremden Gelder betrug 16 743 000 Mark. Diesen standen, von den täglich kündbaren Kontokorrentkrediten abgesehen, über 3 000 000 Mk. flüssige Mittel gegenüber.

Der Reingewinn betrug nach allen Ab­schreibungen 144 622 Mk. Entsprechend dem An­träge des Vorstandes und des Aufsichtsrates wurden aus diesem Reingewinn dem Fonds für eine anläßlich des 100jährigen Beste­hens der Sparkasse im Jahre 1934 zu errichtende Stiftung 1 0 0 0 0 M k. über­wiesen. Dieser Fonds erreicht damit eine Höhe von 40 000 Mk., über deren Verwendung im Jahre 1934 zu beschließen ist. Ferner wurden überwiesen der Risiko-Rücklage 40 000 Mk. und der Winternothilfe 1 931 /32 der Stadt Gießen und der Landgemein­den des Bezirks der Sparkasse 10 000 Mark, während der Rest der Rücklage zuge­führt wird.

Genehmigt wurde ferner der Voranschlag über die Verwaltungskosten für 1932.

Bei der hieraus vorgenommenen Ersatzwahl zum Aufsichtsrat für das verstorbene Mitglied Bürgermeister Kreiling in Heuchelheim, wurde Bürgermeister Rinn in Heuchelheim gewählt.

Der Vorsitzende des Hessi'chen Sparkassen-und Giroverbandes, Justizrat Dr. Reh, erinnerte an die gegenwärtige schwere Krisenzeit, die über das gesamte deutsche Wirtschaftsleben herein­gebrochen sei, und mahnte die anwesenden Her­ren Vertreter zu eingehender Aufklärungsarbeit für die Sparkasse in ihren Kreisen. Er wies be­sonders darauf hin, daß sowohl die Deichs­regierung als auch der Reichsbankpräsident auf die Unverletzlichkeit der deutschen Währung ihr besonderes Augenmerk richten.

Der Vertreter der Aufsichtsbehörde, Regie­rungsrat Schmidt, sprach alsdann den Or­ganen der Sparkasse Anerkennung und Dank der Aufsichtsbehörde für die Geschäftsführung aus.

Nach kurzen Schlußworten des Vorsitzenden wurde hierauf die Versammlung geschlossen.

10; Spinat 15 bis 20; Unter-Kohlrabi 5 bis 6; Grünkohl 10 bis 12; Rosenkohl 15 b.s 20; Feld­salat 89 bis 1,00: Tomaten 40 bis 50; Zwiebeln 10 bis 12; Meerrettich 35 bis 70; Schwarzwurzeln 25 bis 35; Kartoffeln 4; Aepfel 8 bis 10; Birnen 8 bis 10; Dörrobst 30 bis 35; Enten 80 bis 1,00; Honig 40 bis 50; junge Hähne 80 bis 90; Sup­penhühner 70 bis 80; Gänse 70 bis 80: Nüsse 35 bis 40: Käse (10 Stück, 60 bis 1,40; Tauben Stück 50 bis 60; Eier 13 bis 14; Blumenkohl 20 bis 60; Sallat 8 bis 10; Endivien 8 bis 10; Ober- Kohlrabi 8 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 40; Kartoffeln Zentner 3,CO bis 3,50; Aepsel 4,00 b:8 7,00; Weißkraut 3,00 bis 3.50: Wirsing 4,00 bis 5,00; Rotkraut 4,00 bis 5,00 Mk.

Kanarienvogel-Ausstellung.

In der Zeit vom 27. bis 29. November fand, veranstaltet vom Kanarienzucht- und Vogelschutz- Verein Gießen, in der Restauration zumAuer­hahn-Dräu" eine Kanarien-Ausstellung statt, bei der 31 Kollektionen mit insgesamt 124 Vögeln gezeigt wurden. Mit der Ausstellung war eine Prämiierung verbunden, die folgendes Er­gebnis zeitigte:

S e l b st z u ch t k l a s s e: 1. Heinrich Schmidt, Gießen, Stephanstrahe 25, 318 P. (1. Vereins­wanderpreis, 1. Ehrenpreis, große goldene Me­daille); 2. Heinrich Schmidt, Gießen, 312 P. (Damenehrcnpreis, große silberne Medaille); 3. Georg Krug, Lindenstruth, 306 P. (3. Ehren­preis, große silberne Medaille und kleine goldene Medaille für beste Glucke, Spezialtour); 4. Kon­rad Simon, Friedberg, 294 P. (4. Ehrenpreis, silberne Medaille); 5. Hugo Schul, Hattenrod, 291 P. (5. Ehrenpreis, silberne Medaille); 6. Karl Becker, Gießen, 232 P. (6. Ehrenpreis, silberne Medaille); 7. Richard Frenzel, Gießen,279P. (7. Ehrenpreis); 8. Wilhelm Hachenburger, Beienheim, 276 Punkte (8. Ehrenpreis).

Allgemeine Klasse: 1. Hugo Schul, Hattenrod, 327 P. (1. Ehrenpreis, große goldene Medaille); 2. Georg Krug, Lindenstruth, 309 P. (2. Damenehrenpreis, silberne Medaille); 3. Fritz F ö r d e r, Friedberg, 306 P. (3. Ehrenpreis, sil­berne Medaille); 4. Heinrich Simon, Friedberg, 297 P. (4. Ehrenpreis); 5. Heinrich Schmidt, Gießen, 294 P. (5. Ehrenpreis); 6. Georg Ste­phan, Limburg, 291 P. (6. Ehrenpreis).

Futtermittel und Geräte: Samenhaus Heinrich Hahn, Gießen (1.Preis, große goldene Medaille). Die Prämiierung wurde durch die Preisrichter M.Döbrich (Hanau) und I.Ri­chard (Frankfurt a. M.) durchgeführt.

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerstag, ©oethebunb: 20 Uhr, Neue Aula, Dichterabend. Oberhessischer Kunstverein: Oberhessische Künstler- Hilfe, Turmbaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr. Hausfrauenberatung, Palastlichtspiele: Hauswirt­schaftliche Weihnachts-Ausstellung, 20 Uhr, Lustiger Abend. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:v-Zug 13 hat Verspätung . Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: Zwischen den Seilen" undDer Nächste, bitte".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen als 10. Vorstellung im Freitag-Abonnement das musikalische Lustspiel:Ist das nicht nett von Colette?", 20 Uhr bis 22.15 Uhr.

Die Intendanz hat für Samstag und Sonntag das Marionettentheater Münchener Künstler zu einem zweitägigen Gastspiel verpflichtet. Die Vor­stellungen sind die Weiterbildung einer Kunst, die sich wie keine andere einem Ideal dramatischer Dar­bietung nähert. Die Ensemblekunst, das organische Bühnenbild ist der höchste Reiz des Brannschen Marionettentheaters, dabei wird die gute Laune, der Witz und die Satire nicht vergessen.

Himatschal, der Thron der Göt - t e r." Am Samstag, 13 Uhr, und am Sonntag, 11.15 Uhr, finden im Lichtspielhaus Bahnhofstraße durch die Bildstelle Darmstadt (Kreisschulrat L 0 - r e n tz - Lauterbach) in Verbindung mit Dem Goethe- bund und Dem Lichtspielhaus Kulturfilmvorstellun­gen statt, Die Dem besonderen Interesse weiter Kreise begegnen Dürften. Der zur Vorführung gelangende Film betitelt sichHimatschal, Der Thron Der Göt­ter" und hat zur Zeit insofern aktuelle Bedeutung, als in diesen Tagen die zweite deutsche Himalaja- Expedition (Dr. Bauer) zurückkehrt. Der Film ist ein Bildbericht großen Stils von der vor zwei Jah­ren durchgeführten ersten deutschen Himalaja-Expe­dition unter Der Leitung Des Professors Der Geo­graphie an Der Universität Breslau, Dr. G. O. Dyhrenfurt, unD bringt Silber von erhabener Schönheit ber Bergwelt, Bilder von Stätten, bie bisher ben Europäern verschlossen waren (Klöster bes Dalai Lama) unb von bem Leden in Tibet, Jnbien usw. Die Filmbilber erfahren burch Die Be­gleitworte Des Leiters Der Expedition (Tonfilm) eine eingehenDe Erläuterung. Näheres ist aus Der heutigen Anzeige ersichtlich.

" ** Falsche Gerüchte. In der Stabt werben gegenwärtig Gerüchte verbreitet, nach benen bei ber Stabtoerroaltung wieberum Unterschlagungen fest- gestellt worben seien. Es wirb babei von veruntreu­ten Beträgen von 40 000 Mark unb mehr gespro­chen, auch werben hier und ba Namen genannt ober angebeutet. Wie mir hierzu auf Anfrage bei ber Stabtoerroaltung erfahren, ist an biefen Erzäh­lungen fein wahres Wort. Der Stabtverwal- tung ist außer ben bisher bekanntgeworbenen brei Fällen von Unreblichkeiten im Dienst kein einziger neuer Fall zur Kenntnis gekommen.

* * Pfarrer Wilhelm Seemann, seither Assistent ber evangelischen Gesamtgemeinbe Gießen, würbe mit sofortiger Wirkung vom Lanbeskirchen- amt als Verwalter in bie Pfarrstelle zu Schwickarts­hausen, Dekanat Nibba, berufen. Pfarrer See­mann ftubierte in Greifswalb, Tübingen, Kiel unb Rostock, bcstanb bie theologischen Prüfungen Ostern 1925 unb Michaelis 1928 in Mecklenburg, besuchte bas Prebigerseminar in Schwerin unb war von Ostern 1926 bis 1928 Vikar in Kardow (Mecklen­burg), feitbem Hilfsprediger an den Züllchower An­stalten in Stettin und zugleich Religionslehrer an Der pommerschen Diakonenanstalt, bis er am 1. Ja­nuar 1931 nadj Gießen kam.

** Von Der Gießener StuDenten- schäft. Man berichtet uns: In Der letzten Kam- mersitzung bes Allgemeinen Stubentenausschusses ber Universität Gießen vom 25. November 1931 würbe auf Antrag Der GroßDeutschen Arbeits­gemeinschaft einstimmig folgendes beschlossen:Die Hessische Regierung wirb ersucht, an ber Universität Gießen einen Lehrstuhl für Wehrwissenschaft zu errichten."

'* Die Arbeitsgemeinschaft der Militär- und Regimentsvereine Gießen veranstaltet am Montag, 7. Dezember. Gefallenen-Gedenkfeiern verbunden mit Film­vorführungen über die erste Einweihung eines deutschen Kriegerfriedhofes, des größten Sam- melfriedhofs im Somm:g:biet, bei Royc-St. Gilles. Die Feiern finden, um möglichst vielen Inter­essenten und insbesondere den Angehörigen der in dortiger Gegend gefallenen und auf dem Sammelfriedhof bestatteten Krieger der hessischen Regimenter 115, 116, 117, 118 und der kurhessi­schen und nassauischen Regimenter 89, 81, 87 und 88 die Möglichkeit der Teilnahme und der Besich­tigung der Filme zu bieten, um 16, um 18 unb um 20.30 Ähr im Astoria-Lichtspielhaus im Seltersweg statt. Außer diesem Film werden noch besondere Aufnahmen von den Schlacht­feldern gezeigt, auf denen die vorgenannten Re­gimenter ruhmvoll gekämpft haben, so insbeson­dere die heiß umstrittenen Forts um Vcrbun (Douaumont, Baux, Todesschlucht. Fleury) und andere Kampfstätten. Fast allen Mitkämpfern des Weltkrieges ist die Gelegenheit geboten, Kampf­gebiete wiederzusehen, mit denen sie vielfach monate-, ja jahrelanges schwerstes Erleben im Wellkriege verband. Die Gedenkfeiern und Vor­führungen sind öffentlich. Die Vermittlung des Filnies und der sonstigen Aufnahmen erfolgte durch den Verband der ehemaligen Angehörigen des Füsilier-Regiments von Gersdovff (Kurh.) Rr. 80 und dessen Kriegsformationen. Die Einzel­heiten der Filmdarbietungen werden erläutert durch den Vorsitzenden des 80er Verbandes oder den Vorsitzenden der 80er Ortsgruppe Wies­baden. Von keinem, der pietätvoll und in Dank­barkeit der tapf:ren Taten unserer für das Vater­land Gefallenen gedenkt, sollte der Besuch der Veranstaltung versäumt werden. Man beachte die gestrige Anzeige.

Erweitertes Vezirksschöffengericht Gießen.

* G i e ß e n, 2. Dez. Durch Habgier und Änaus- richtigkeit haben sich drei angesehene Bauersleute schwer ins Unglück gebracht. Gegen einen etwa 29jährigen Landwirt aus Ober-Roßbach war beim Amtsgericht Friedberg eine Zivilklage auf Unter­halt für fein uneheliches Kind anhängig. Um sich seiner Verpflichtung zu entziehen, verfiel er auf den Gedanken, einen bei ihm tätigen Arbeiter zu verleiten, für ihn einen Meineid zu schworen unb zu behaupten, er habe ebenfalls mit der Kindes­mutter in nahen Beziehungen gestanden. Daß dies nicht der Fall war, wußte er genau; der Ar­beiter hatte ihn nicht im Zweifel darüber gelassen. Diesem wurden allerlei Vorteile in Aussicht ge­stellt; er könne in seiner Stellung bleiben, so lange er wolle, keiner werde ihn verraten, wenn er aber? die falsche Aussage nicht machen wolle, so stünden andere Leute zur Verfügung. Die Mutter des Landwirts und sein Bruder wirkten ebenfalls im gleichen Sinne auf den Arbeiter ein; namentlich redete die Mutter ihm zu: Eine Notlüge sei er­laubt undweß' Brot ich esse, deß' Lied ich finge. Er sollte auch einen neuen Anzug bekommen. Noch auf der Fahrt zum Termin nach Friedberg wurde der Zeuge von dem Bruder ermahnt, er solle standhalten. Als aber der Zeuge vom Gericht vernommen wurde und seine Aussage beeiden muhte, gab er der Wahrheit die Ehre und so kam der Schwindel heraus. Das Amtsgericht über­sandte die Akten der Staatsanwaltschaft, die nach näherer Ermittlung Anklage wegen Verlei­tung zum Meineid erhob. In der heutigen Verhandlung bestritten die Angeklagten die Be­schuldigung; die Mutter gab indessen zu, in ihrer Aufregung über den Änterhaltsprozeß möglicher­weise das von der Notlüge undweh' Vrot ich esse ..." gesagt zu haben. Die Aussage des Ar­beiters, die auf ihren Wahrheitsgehalt genau ge­prüft wurde, erwies sich als einwandfrei. Dir drei Angeklagten wurden zur gesetzlichen Mindest­strafe von je einem Jahr Zuchthaus verurteilt.

Ein Verwaltungsanwärter der Stadt Gießen, der mit Materialbeschaffung betraut war und unbegrenztes Vertrauen genoß, hat mit zwei Geschäftsleuten von hier die Stadt um namhafte Beträge betrogen. Er ließ ihnen für fingierte Aufträge, die nicht ausgeführt wurden, die schein- 6ar- geschuldeten Summen zugehen, die dann ge­teilt wurden. Er erhielt wegen Betrugs ein Jahr Gefängnis; von den beiden Geschäfts­leuten wurde der eine zu sechs Monaten, der andere, der sich um einen nur geringen Be­trag bereichert und den Schaden fast wieder gut- gemacht hat, zu zwei Monaten Gefäng- n i s verurteilt.

Ebenfalls ein Jahr Gefängnis erhielt ein früherer Vottstreckungssekretär der Stadt Gie­ßen, der einen erheblichen Betrag unter­schlagen und zur Verdeckung seiner Tat die Bücher unrichtig geführt hat.

Wegen Unterschlagung von Kunden­geldern und Wechselfälschung erhielt ein Kaufmann von hier sechsMonate Gefäng­nis; strafmildernd kam in Betracht, daß er den Schaden nachträglich fast ganz gedeckt hat.

Rundfunkprogramm.

Jreifag, 4. Dezember.

7.20: Frühkonzert. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.20: Eine halbe Stunde Fröhlichkeit:Kinder- und Schulhumor" Erlebtes, Erlauschtes, Erlese­nes von Studiendirektor Dr. Hartmann. 16.00: Konzert 18.40:Die Landwirtschaft in der Wirt­schaftskrise", Vortrag von Professor Hildenbranb. 19.05: Aerztevortrag:Wechselbeziehung zwischen Diät und Körper". 19.35:Die Landwirtschgft in der Wirtschaftskrise", Vortrag von Dr. HanS Wilbrandt, Berlin. 20.05: Unterhaltungskonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 21.15: Kämpfer und Führer. Musikalisch-llterarische» Programm. 22.00: Heitere Chöre.

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