Ausgabe 
3.9.1931
 
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Nr. 205 Erst« Blatt

M Jahrgang

Donnerstag, 3. September |93I

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

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Dr. Fnedr. Will). Lang». Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lanae; für Feuilleton Dr H.IHyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Fille^ sämtlich in Gießen.

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Landnöten.

ffiie vor einigen Tagen gemeldet wurde, ist auf Grund eines bei der Technischen Hochschule in Darm- Habt eingegangenen Telegramms der Kanadischen Regierung der Führer der Hessischen Grän- landexpedition vom Fahre 1929, Dr. H. ft. * Äruc0er» Darmstadt, mit seinem dänischen Begleiter Pjare als verschollen zu betrachten, und es ist mit dem Tode Kruegers und seines Gefährten zu rechnen. Die beiden anderen Teilnehmer an der Expedition, der Geologe Dr. Drescher (Darm­stadt) und der Mineraloge Dr. N i e l a n d (Heidel- berg), sind orogrammäßig im Herbst 1929 zurückge­kehrt. Die letzte persönliche Nachricht von Krueger stammt, wie man sich erinnert, aus dem Frühjahr 1929. Die Vermutungen über das Schicksal Kruegers stützen sich auf die Tatsache, daß er nach der fana- difchen Meldung bis zum 15. August d. I. noch nicht !u feinem Ausgangspunkt, einer kanadischen Polizei- tation, zurückgekehrt ist, was nach seinen Angaben chon früher zu erwarten gewesen sei; 'nach der yrneren Meldung, daß ein Teil der Wissenschaft- lichen Expeditionsausrüstung von Eskimos gefunden wurde, muhte mit dem Tode Kruegers und feines dänischen Gefährten gerechnet werden.

Nun ist inzwischen von einer, dem Polarforscher Dr. Ärucacr persönlich nahestehenden Seite im Darrn st ädter I a g b l a 11" ein kritischer Kommentar zu der bei der Technischen Hochschule eingegangenen Melduna gegeben worden, wonach immerhin nicht alle Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang der Expedition aufgegeben zu werden braucht: Es wird zunächst darauf aufmerksam ge- macht, daß sich die von Krueger als Ausgangspunkt gewählte Polizeistation auf der Bache-Halbinsel un­ter 79 Grad nördlicher Breite an der Ostfeite von Ellesmere-Land befindet; es handelt sich also nicht um eine Polizeistation Beach, wie in der Meldung angegeben war. Ferner habe Dr. Krueger in einem auf der Polizeistation zurückgelassenen Brief aus­drücklich darauf hinaewiesen, dah mit seiner Rück- kehr dorthin unter Umständen nicht zu rechnen sei, wodurch das erste Argument des kanadischen Tele­gramms einigermaßen fragwürdig werde. Was den Zweiten Punkt angehe, so bestehe vorläufig noch die Möglichkeit, daß ein Teil der Expeditionsausrüstung von dem Forscher absichtlich unterwegs zurückge- laffcn worden sei.

Ferner wird betont, daß Dr. Krueger, der aus Bensheim a. d. Bergstraße gebürtig ist, phasisch und geistig alle Doraussetzungen für die tatkräftige und erfolgreiche Leitung einer schwierigen Polarexpedi- tion milgebracht habe. Wertvolle praktilche Erfah­rungen hat er bereits im Jahre 1925 auf der ersten Hessischen Grönlandexpedition in Begleitung des Gießener Geographen Professor Dr. ft tute sam­meln können. Ferner wird daran erinnert, dah Krueger ein begeisterter Schüler des bekannten kana­dischen Polarforschers Stefansson war und sich für dessen Methode desLebens vom Lande" ein­gesetzt hat; auch weih man, daß von ähnlichen, durchaus erfolgreich verlaufenen Expeditionen in der Arktis oft sehr lange Zeit keinerlei Nachrichten über­mittelt werden konnten. Es sei nicht von der Hand zu weisen, daß Krueger die Verwirklichung eines älteren Expeditionsplanes versucht habe, der eine Reisedauer von insgesamt fünfIahren vor­sah, während ein anderthalbjähriger Aufenthalt in Grönland gewissermaßen als Vorexpedition gedacht war. Bemerkenswert ist, daß etwa gleichzeitig und unabhängig von den Ausführungen imDarm­stadter Taablatt" dieDAZ." eine Mitteilung des deutschen Polarforschers Dr. Max G r o t e w a h l veröffentlicht, die im wesentlichen mit den obigen Ausführungen übereinftimmt und der Ueberzeugung Ausdruck gibt, daß Dr. Krueger noch am Le­ben fei, da die dortige Gegend sehr wildreich und die Polarforscher als gute Jäger befannt seien.

Schauspieler sind, so glaubt man gemeinhin, vor allem Künstler, denen daS Geld ziemlich locker in der Tasche sitzt. Sie verdienen, soweit sie Prominente sind, gut, sehr gut sogar, aber ihr Lebensstandard ist auch entsprechend eingerichtet, so dah sie sich mit Zukunftssorgen nicht allzu sehr belasten. Immerhin, es gibt Ausnahmen, die nicht nur Schauspieler, sondern auch Kauf­leute find. Zu ihnen gehört offenbar Max Pallen berg, der mit seiner Frau Fritzi Massary ein sehr gesundes Sparprogramm aufgcftcllt und weitgehend für seine alten Tage gesorgt hat. Nun ist ihm das Unglück geschehen, dah er trotz aller seiner kaufmännischen Talente sich verspekuliert hat und einen grohen Teil seines auf die hohe Kante gelegten Geldes bei einer Dankpleite verlor.

Selbstverständlich nicht in Deutschland. Er ver­dient zwar sein Geld zusammen mit seiner Frau in Deutschland, aber die deutschen Danken sind offenbar nicht sicher genug. Inflation. Deflation, Wirtschaftskrise und so fort, man weih ja nie, was geschehen kann, also geht ein kluger Mann mit seinem Gelde ins Ausland. Nicht etwa nach Oesterreich, das ja unter einem ähnlichen Da­moklesschwert lebt, auch nicht nach der Tschecho- stowakci, in der Pallenberg ebenso wie seine Frau ursprünglich beheimatet gewesen sein sollen. Nicht einmal Die Schweiz ist kreditwürdig genug, da liegt ohnehin schon so viel deutsches Geld. Also ist Holland der gegebene Nibelungenhort für das schauspielernde Ehepaar, wobei es dann nur das fabelhafte Pech hat, dah es gerade d i e Amstelbank für besonders vertrauenswürdig hält und berauscht von dem Klang des Namens Rothschild einen gröberen oder geringeren Teil seines Überschusses dort unterbringt.

Keine unbeachtliche Summe, eine runde Million, die in den grohen Strudel mit hineingerissen wird und bei der Verteilung der Ueberreste a u f ein Drittel zusammengeschmolzen ist.

Der Reichsfinanzminister über die Aufgaben der nächsten Zukunst

Umwandlung der Auslandsverschuldung in eine langfristige. - Auftechierhaltung des selb« ständigen Unternehmertums. Reorganisierung des Baumarktes.

Derlin, 2.Sept. (WTD.) Auf einer Kund­gebung der Staatspartei hielt der Reichsfinanz­minister Dietrich eine Rede, der wir folgende- entnehmen: Die Ausgaben der Zukunft liegen:

1. In der Ordnung der äuherenDerschul- dung Deutschlands, die in eine langfri­stige umgewandelt werden muh;

2. in der Gestaltung der Kapital- und G e l d w i r t f ch a s t imInnern;

3. in der Ordnung der Finanzen der Länder u n d Ge m e i n d e n.

In der Frage der auswärtigen Verschuldung sind wir durch den Bericht deS Baseler Komitees insofern ein Stück weiter gekommen, als darin anerkannt ist, dah man nicht große Zahlungen von Schuldnerländern verlangen kann, wenn man sich gleichzeitig gegen öle Aufnahme ihrer "Daren, mit denen sie allein zahlen können, ab­sperrt. Es ist auch anerkannt, dah diese Frage un­trennbar zusammenhängt mit der Frage der Re­parationen, und damit ist die Dnindlage zu einer Neuordnung gelegt.

3n der Kapital- und Geldpolilik, die ein Teil der gesamten Wirtschaftspolitik ist, wird man d i e De­flation nicht künstlich fördern dürfen. Line weitere Verstärkung der Kaufkraft des Geldes würde dazu führen, dah eine Unmenge wirtschafis- existenzen vernichtet wird, weil sie ihre Schul­de» nicht mehr bezahlen können. Ls ist zu begrüben, dah die Reichsbank den Diskont herunter- geseht und durch die Erklärung, dah sie Waren­wechsel unbeschränkt hereinnimmt, soweit sie ihren Ansprüchen genügen, einer weiteren Herabdrückung des Geldumlaufs entgegenarbeitet. Das ist um fo notwendiger, als viel Geld irrtümlicherweise gehamstert wurde, obwohl wir nicht in einer Feit leben, in der das Geld zu verfallen droht, son­dern In einer Zeit, in der die Kaufkraft des Geldes Zu gr o h zu werden droht. E» kommt vor allen Dingen darauf an, das verfügbare Kapital und Geld den felbständigen Unternehmern klei­neren, mittleren und größeren Sills zuzuwenden, damit diese, die die eigent­lichen Träger unseres Wirtschaftssystems sind, aufrechterhalten bleiben.

3u der Arbeitslosenfrage führte der Redner aus, daß d i e Bauwirtschaft und deren Erliegen ein Hauptteil Arbeitslosigkeit hervorgerufen habe. Man kann aber nicht den Häuserbau in der bis­herigen Art fortführcn, weil man sonst den Alt- Häuserbesitz völlig entwertet und außer- dem die Gefahr besteht, daß das in den Neubau­wohnungen investierte ftapital verloren geht. Der Altbesitz muß aber lebensfähig gemacht werden. Bauen soll man da, wo es vom Standpunkt der Produktion aus zu verantworten ist, nämlich a u f dem Lande durch Herstellung von Siedlungen aller Art, besonders in der Nähe von Großstädten und im Verkehrswesen.

Der btitte Punkt, die Frage der Ordnung der Haushalte von Ländern und Ge­meinden, ist durch die Notverordnung vom 24. August in die Wege geleitet Im übrigen ist man sich im Reiche darüber im klaren, daß man den Gemeinden z u Hilfe kommen muh, damit sie die Wohlfahrtserwerbslosen durchbringen. Für eigentliche Gemeindezwecke kann das Reich kein Geld zur Verfügung stellen.

Der Redner schloß damit, dah noch einmal eine Periode deS unabhängigen und selbständigen Unternehmers kommen werde. Diese Zeit gelte eS zu nufoen im Interesse der Gesamtbevölkerung. Wenn diese Schichten aber wieder zur Geltung kommen woUen, dann müssen sie sich zum Staate bekennen und einsehen, daß sie zwar das Recht zur Kritik haben, daß aber das Anrennen gegen den Staat eine unnötige Kraftverschwendung bedeutet und historisch sinnlos ist. In der S t a a t s b e j a h u n g allein wird das Bürgertum den Weg zu seiner Wiedereinschaltung in die Macht zu fneben haben.

gerade während der Zeit, wo PaUenberg auf einer Weltreise die Sorgen der Gegenwart zu vergessen sucht. Kein Wunder, daß er darüber nach seiner Rückkehr das seelische Gleichgewicht verliert und nun von den Litfaßsäulen Wiens aus zu toben beginnt Er ist nach Amsterdam ge­fahren und hat sichpersönlich" von der grauen­vollen Wirtschaft überzeugt, flieht über vor Verbalinjurien gegen die Schuldigen und kündigt an, dah er einen grohen Vortrag überDie Amstel-Dank, ihre Generaldirektoren und ich" nicht nur in Wien, sondern auch in Derlin und anderen deutschen Städten halten will, dah er sogar ein Theaterstück sich schreiben lassen will, in dem er die Hauptrolle selbst spielt. Ein Gedanke, der gewih nicht unoriginell ist, be­sonders wenn Herr PaUenberg bei den Ver­sammelten einen hohen Eintrittspreis erhebt und einen Teil des Verlustes auf diele Weise wieder einzubringen sucht Aber ernsthaft gesprochen: Wir wissen uns frei von Schadenfreude. Immer­hin wird niemand viel Mitleid übrig haben für Menschen, die ihr Geld in Deutschland verdienen und es dann im Auslande deponieren. Selbst dann nicht wenn es nicht wahr sein sollte, was in Derlin behauptet wird, dah Pallenberg und seine Frau eine neue Heimat im Fürstentum

Keine weiteren Besoldungs­kürzungen.

Veamtcnverlreter beim Rctchsfinanzminister.

Derlin, 2. Sept (VDZ ) Reichsfinanzminister Dietrich hatte am Montag eine Besprechung mit den Vertretern deS Deutschen Beam­tenbundes, deren Gegenstand die letzte Not­verordnung und die kommenden Mahnahmen der Reichsregierung waren. Der Reichssinanzminister wies darauf hin, dah die ReichSregierung die mehrfachen Anregungen aus weiteres e- Halls!ürzungen entsprechend seinem Stand­punkt nicht übernommen habe. SS seien aber durch Notverordnung die Länder er­mächtigt worden, bei sich und den Ge­meinden diejenigen Sparmahnahmen zu treffen, die sie für notwendig halten. Auherdem seien von Länderseite her mehrere Vorschläge zur all­gemeinen Einführung gemacht worden, von denen zwei zur Zeit in seinem Ministerium durch- geprüst würden. Es handele sich um die Her­absetzung der Pensionen von 80 auf 75 Prozent und um die Verlängerung derAufrückungSsristbeidenAlterS- zulagen von zwei auf drei Jahre. Nebenher gingen noch llebetlegungen wegen der Festsetzung einer Höch st Pension.

Don den Vertretern des Deamtenbundes wurde darauf hingewiesen, daß der Beamtenstand wohl der einzige Berufsstand in Deutschland sei, dessen ®c- Halter im Lause eines Jahres dreimal gekürzt worden sind. So wenig der Beamtenbund nachweislich überhöhte Gehälter verteidige, so sehr müße er dem Versuch widersprechen, die Gehälter von Länder- und Gemeindebeamten unter die Bezüge vergleichbarer Reichsbeamten hinabzudrücken. Die Beamtenschaft erwarte, daß alles geschehe, die

durch die Notverordnung gefährdete Einheit­lichkeit der Besoldung wiederherzuslellen und zu erhalten. Die Vertreter des Beamtenbunde» wandten sich auch gegen die neuen Vorschläge auf Kürzung der Pensionssatze und Aenderung der Aus- rückungsfristen. Unter Zustimmung des Finanz­ministers wurde noch sestgestellt daß abgesehen von der etwaigen Verlängerung der Aufrückungsfrist eine Aenderung des Besoldungssystem» nicht beabsichtigt sei.

Oie christlichenGewerkschasten zur Lage.

Hannover, 2.Sept. (WTB.) Der Vorstand des Gesamtoerbandes der chrisllichen Gewerkscbasten hat in eingehenden Beratungen zu den wirtschaft­lichen und sozialen Fragen Stellung genommen. Die von Arbeitgeberseite geforderte Einführung eines abdingbaren freien Lohnspielraumes in den Tarifverträgen lehnte der Vorstand ent- schieden ab. In Wirklichkeit sehen die Tarifverträge bereits ein hohes Maß von Beweglichkeit vor, und bedarf es einer gesetzlichen Aenderung nicht. Der Vorstand wandte sich des weiteren gegen eins Ueberspannung der Zollpolitik. $e* Sleunigte Maßnahmen seien erforderlich, um be- ibcrs für eine Reihe von lebensnotwendigen aren zu einem tieferen Preisniveau zu kommen. Uebereinftimmend war man ferner der Meinung, daß die in bezug auf eine Aenderung der Hauszins ft euer geplanten Maßnahmen auch den Interessen der Mieter und des darniederliegenden Baumarktes entsprechend Rechnung tragen müßen. Auf eine weitere Senkung der Zinssätze müsse nachdrücklichst hingearbeitet werden. Sodann wurde u. a. eine Beseitigung der nicht vertretbaren Härten der Not­verordnung vom 5. Juni d. I. und eine durch­greifende Reichs, und Verwaltung«- r e f o r m gefordert.

Oie Landgemeinden fordern Berücksichtigung ihrer besonderen Lage. Oie Verteilung des Steueraufkommens und Abwälzung der Lasten.

Naturalversorgung der Arbeitslosen.

Berlin, 2. Sept. (ENB.) In einer De- sprechung, zu der der Präsident deS Deutschen LandgemeindetageS, Dr. Gereke, eingeladen hatte, entrollte dieser ein Bild von der katastro­phalen Lage der Gemeinden. Die finanzielle Not der ländlichen Gemeinden lasse sich mit Spar­maßnahmen allein nicht mehr behe­ben. Die Richtlinien deS ReichSfinanzministerS für eine .Sparaktion" gingen in erheblichem Um­fange wiederum vongrohstädlischenDer- 1 tnissen aus. Die Finanznot der länd­lichen Gemeinden und Kreise beruhe auf der die ?roßen Städte einseitig bevorzugenden (Beriet- ung deS Steueraufkommens durch die Finanzausgleiche der meisten Länder sowie auf der Ueberbürbung der zwangsläufigen Ausgaben auf den Gebieten der Schule, der Für­sorge und des Straßenbaus. Diese Finanznot werde noch besonders verschärft durch die Sparkassennotverordnung, die den Sparkassen vernietet, den Gemeinden Kredite zu gewähren, und die damit die leistungsschwachen Gemeinden in eine unhaltbare Lage bringe.

Die vorgeschlagene Naturalverpsle- flung der Arbeitslosen müsse bald gefor­dert werden, wenn auch durch eine derartige Maßnahme wesentliche Ersparnisse nicht erzielt werden. Einzelne Landkreise sind in dieser Rich­tung bereits mit Erfolg vorgegangen. Erfolge konnten erzielt werden, weil diese Landkreise

ihre Maßnahmen völlig auf die vorhan­denen örtlichen Verhältnisse abge­stellt haben. Zu dieser individuellen Behand­lung des Problems nötigt die Verschieden- helt der Verhältnisse in den einzelnen Landesteilen und der Unterschied zwischen in­dustriellen und ländlichen Gebieten. Don einer zentralen Regelung ober bet Ausübung eineS ZwangeS auf bie Bezirksfürsorgeverbände muh bringen!) gewarnt werden. Die allgemein volks­wirtschaftlichen Bedenken können nur zurückgestellt und die auS der Kriegswirtschaft bekannten un­erfreulichen Nebenerscheinungen nur vermieden werden, wenn es jedem einzelnen Be - zirkSfürsorgeverband überlassen bleibt, ob, in welchem Umfange und auf welch« Weise namentlich in ländlichen Gegenden Geld­leistungen durch Naturalleistungen ersetzt wer­den. Für größere Gemeinden und in Industrie­gegenden empfiehlt sich die Einrichtung von DolkSspeisungen in Anrechnung auf di« Fürsorgeunterstühungen unter weitgehender Zu­sammenarbeit mit der freien Wohlfahrtspflege.

Ls wird erwartet, daß die Verordnung zur Sicherung der Haushalte der Länder und Ge­meinden nicht etwa zu einer überstürzten, die örtlichen Verhältnisse nicht gebührend berück­sichtigenden Zusammenlegung von ftrei- s e n gegen den Willen der Bevölkerung benutzt wird.

Liechtenstein gefunden hätten, um sich gegen Zu­griffe der Steuerbehörden möglichst zu sichern...

Wann kommt die Aeichsresorm. TerLutherbund fordert dieReichsregierung zur Aktivität auf.

Berlin. 2. Sept. (TU) Der Bund zur Erneue­rung des Reiches e. D. beschloß eine Eingabe an Den Reichskanzler, in der es heißt: .^Haupt­fehler der heutigen Konstruktion des Reiches find: Dos unorganische Nebeneinanderar- beiren zweier nicht mehr wie früher personell verbundener Regierungen in der Reichshauptstadt, die Einrichtung zu vieler reichsejge- ner Behörden ohne Verbindung mit den Der- Wallungen der Länder und Provinzen, die Lei- stungsunfähigkeil kleinster und mancher in allzuviele Gebietsteile zerrissener mittle­rer Länder und schließlich die Verwaltung sol- cher Länder durch parlamentarisch jederzeit abberuf- bare Ministerien. Hier liegen die Ursachen des um wirtschaftlichen Behördenwirrwarrs, hier die Haupt- gründe für das Versagen jedes bisherigen Finanzausgleichs.

In Anknüpfung an bie Grunbgebanken ber BiS- marckschen Reichsverfassung hat unser Bund die Angleichung deS Dualismus Reich.Preußen durch Vereinigung ber beiben Berliner Regierungen unb bie Schaffung lei* Ü u ngssähiger Reichsprovinzen in Nordbeulschland vorgeschlagen. Linser Vor­schlag folgt ber geschichtlichen Entwicklung, wie sie in und durch Preußen gegeben ist. Er bedeutet staatsrechtlich bie Herstellung ober Wieder- Herstellung ber Realunion zwischen Reich unbPreuhen und erhält überdies ein engeres Band innerhalb des preußischen Staats­gebietes, zum Tell unter Einbeziehung ber norb- deulschen Mittel- und Kleinstaaten aufrecht. Die­ser Teil unseres Vorschlages findet aber, um ber deutschen Geschichte unb ber natürlichen ReichS- glteberung gerecht zu werden, eine Ergänzung Dar­in, daß Die anderen deutschen Länder, die neben dem Willen auch die Vorausset­zungen für ein gesundes Eigenleben haben, chre heute staatsrechtliche Stellung be­halten. Wir vertrauen darauf, daß die ReichS- regierung in schwerster Zeil nichlzögern wird, die Führung auch für die Durchsetzung dieser Re­form zu übernehmen.