Ausgabe 
3.7.1931
 
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rechtswirksamen Beschluß auf Auflösung des Landtags erforderliche Mehrheit erreicht werden toiri> Die Frage der Landtagsauflösung wird voraussichtlich am S.3uli im P l enum zur Be- ratung und am 10.3uli zur Abstimmung ge­stellt werden. Man rechnet mit einer großen po­litischen Aussprache, in der das Verbot der Spartakiade eine besondere "Volle spielen wird. Am 10. 3uli will man die Siedlungs­gesetze verabschieden. Auch soll der Gesetz­entwurf über die Studiendauer als Vor­bedingung für die Zulassung zur juristi­schen Promotion verabschiedet werden. Die Sommerferien sollen nach den Vorschlägen, über die der Aeltestenrat zu entscheiden hat, bis zum 13. Oktober anhalten.

Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 2. Juli. (WHP.) 3m Finanz­ausschuß wurde mitgeteilt, daß in der Frage der sogenannten Zehr zu läge für die Beam­ten der Cxekutivpolizei eine ander­weitige Regelung geplant sei, die die süddeut­schen Länder einheitlich treffen wollen. Darauf unterhielt man sich kurz über den Raununangel und Personalmangel in der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Philipps-Hosp» tal bei Goddelau. Es wurde allgemein an­erkannt, daß die Schaffung eines Schwestern- baues unbedingt notwendig, aber in diesem Jahre infolge der gespannten Finanzlage nicht mög­lich sei.

Sieben Eingaben um Baud a riehen, so­genannte Uebergänge aus den 3ahren 1929 und 1930, wurden sämtlich als durch die Regierungs­antwort für erledigt erklärt, wonach diesen Ein­gaben aus rechtlichen Gründen nichtentsprv- chen werden kann. Eine Eingabe der stark ^lasteten Gemeind« Udenhausen (Kreis Als­feld) um einen Staatszuschuh zu den Kosten der Felübereinigung und der Dachregulierung wurde durch die entgegenkommende Regierungs­antwort für erledigt erklärt: die Regierung hat dieser Gemeinde in diesem Jahre außer der Reihe schon 3000 Mark für Zinsverbilligung gewährt. Ein Landbund-Antrag auf A u f - hebungderStempelsteuerfür nicht vor­wiegend landwirtschaftlich oder gewerblich genutzte Federwaagen wurde durch die Regierungs­antwort für erledigt erklärt: doch ersuchte der Ausschuß die Regierung, sie möge ein genau formuliertes Aus sch reiben erlassen, um einzelne Mißstände abzust eilen.

Auf Antrag des inzwischen verstorbenen vvlks- parteilichen Abg. Haury gab zum Schluß ein Regierungsvertreter einen eingehenden Bericht über die Lage der zusammengebrochenen Woh­nung s f ür s or ge g e s e l l s ch a f t (Woge) und der Hegemag. Die Aussprache über den Bericht, der für vertraulich erklärt wurde, findet am kommenden Montag statt.

Handgemenge im Unterhaus.

GewaltsameEnlfernung eines sozialistischen

Abgeordneten.

London, 3. 3uli. (TU.) Am Donnerstag hat sich im englischen Unterhaus« seit langen Jahren zum ersten Male der für englische Ver­hältnisse unerhörte Fall zugetragen, daß ein Mitg lied des Hausesgewalts am ent­fernt werden mußte, nachdem es zu einem Handgemenge ün Sitzungssaal gekommen war. Der Zwischenfall ereignete sich, als der schottische Sozialist Mc. Govern mit einer Antwort des Staatssekretärs für Schottland un­befriedigt unb entgegen dem parlamentarischen Brauch stehen blieb, als sich der Sprecher be­reits erhoben batte. Als er nun auch auf eine . Aufforderung hin sich weigert«, seinen Platz ein* zunchmen, beantragt« der Premier­minister seinen Ausschluß von der Sitzung, welcher Antrag mit 315 gegen 16 Stimmen angenommen wurde. Der Auffor­derung, den Sitzungssaal zu verlassen, kam Mc. Govern gleichfalls nicht nach, so daß der Spre­cher ihn gewaltsam aus dem Saal ent­fernen ließ. Verschiedene unabhängige So­

Ritter der Tiefsee.

Oer Ozeantaucher bei der Arbeit.

Don £. Hill.

3n dreißig Meter Wasser tiefe wird der Tag zur Mondnacht: in siebzig Meter zur Sternen­nacht: in hundert Meter Tiefe ist es so dunkel, daß man die Hand vor den Augen nicht mehr sehen kann.

Kleine, zarte Fische mit eigenen Laternchen an ihrem Körper leben 1500 Meter und mehr un­ter der Meeresoberfläche, in einer Tiefe, wo der Wasserdruck 150 Kilogramm auf den Quadrat­zentimeter gleichkommt. Das Blut zirkuliert ruhig in ihren feinen Kapillaren, alle anderen Körperfunktionen vollzichen sich ungestört unter diesem fürchterlichen Druck weil der Druck von allen Seiten mit gleicher Stärk« wirkt.

Die Menschen leben am Grunde eines Luft­meeres, die Luft drückt mit etwa 1 Kilogramm auf jeden Quadratzentimeter unseres Körpers. Da sich der Druck in unserer Körperflüssigkeit gleich­mäßig verteilt, spüren wir ihn nicht.

Aber der innere und äußere Druck auf benj menschlichen Körper muß eben gleich sein, sonst passiert etwas...

Rackte Austernfischer der Südsee bringen es fer­tig, bis zu 20 Meter Tiefe zu tauchen. Um den Druck der Wassersäule 2 Kilogramm pro Qua­dratzentimeter auszugleichen, atmen sie tief ein und schließen dann Mund und Ras«: eine, zwei Minuten bleiben sie unten und sammeln in aller Hast Austern und Schwämme, dann geben sie ein Signal und werden an einem Tau emporgezogen, bevor die Luft in ihren Lungen verbraucht ist. So ein eingeborener Taucher kann vier bis fünf Minuten unten bleiben, wenn er vorher einige Minuten tief atmet und damit all« Kohlensäure aus seiner Lunge wäscht, sich mit Sauerstoff voll- pmnpt.

Der moderne Taucher mit Helm und wasser­dichtem Anzug kann sich in größere Tiefen wa­gen und dort länger arbeiten. Der Wasser­druck um ihn wird durch den Luftdruck in seinem Anzug ausgeglichen: er befindet sich in einer ste­tig erneuerten Lufthülle, di« den Wasserdruck von ihm abhält. Einlaß- und Auslaßventile an sei­nem Helm sorgen dafür, daß der Luftdruck im Anzug weder zu klein noch zu groß wird.

Auf der Brust, auf dem Buckem an den Füßen hängen dem Taucher schwere Bleigewichte bzw.

zialisten versuchten noch, ihrem Parteifreunde beizustehen, doch wurden auch sie hinauSgesperrt. Kurz nach Ausbruch der Gewalttätigkeiten unter­brach der Sprecher di« Sitzung des Hauses, das den Vorgängen mit eisigem Schweigen gefolgt wcur. Da Gewalt angewendet werden mußte,

bleibt Mc. Govsrn für den Rest der Session bis zum Beginn dar nächsten Session von den Sitzungen ausgeschlossen. Er verliert dadurch 100 Psiind Sterling, da ein ausgeschlossener Ab­geordneter keine Diäten bezieht.

Bombenanschlag in Rom.

Eine Liebesgabe aus Frankreich. Zwei Todesopfer. Große Entrüstung in Italien.

Rom, 2.3u(i. (TU.) Auf dem fleinen Güter- bahnhof im Quartiere Porlonacclo, einem östlichen Arbeileroierlel Roms, ist heute gegen 11.30 Uhr eine Bombe explodiert und hat zwei Tote und einen Verwundeten gefordert. Die Bombe befand sich in einem Güterwagen. Die Wirkung der Explosion war außerordentlich stark, so daß die Fensterscheiben dec umliegenden Häuser gesprungen sind. Der betreffende Güterwagen war heute morgen auf dem Hauptbahnhof in Rom eingegangen. Dem Aufsichtspersonal war dort aus­gefallen, daß von dem Güterwagen sämtliche Siegel entfernt waren. Der wagen wurde daher auf den vorerwähnten kleinen Güterbahnhof abgeschoben, um dort entladen zu werden. Der Wa­gen enthielt Tabak und Unterkleider und kam aus hodane von der französisch-italieni­

schen Grenze her. von den Tätern ist bisher keine Spur vorhanden. Ls ist aber anzunehmen, daß auch dieser Anschlag in den Rahmen der in der letzten Zeit aus Bologna, Turin und Genua gemel­deten Terrorakte gehört.

Der Anschlag Hal in der Bevölkerung Roms er­hebliche Entrüstung hervorgerufen. Die Opfer des Anschlages werden wahrscheinlich auf Staatskosten feierlich beerdigt werden. Die Abendblätter erörtern den Bombenanschlag sehr eingehend mit schar­fen Seitenhieben auf Frankreich. So erklärtGiornale d' Italia" daß auch diese Bombe aus Frankreich flamme, das Blatt rügt scharf, daß der antifaschistische und antiitalienische Terrorismus in Frankreich trotz aller blutigen Er­fahrungen immer noch geduldet werde.

gesamten DolkseinkommLn beteiligt. Für das lau­fende Jahr sei bi« bauwirtschaftliche Produktion! nur auf knapp zwei Drittel der vorjährigen zu schätzen. Mitten im Sommer seren jetzt 70 v. H. der Bauarbeiter arbeitslos. Ein Riesenkapital an Produktionsmitteln und Arbeitskraft liege augen­blicklich brach: es sei volkswirtschaftliche Pflicht, diese Kräfte zu mobilisieren, weil die Belebung der Bauwirtschaft eine sichere Hilf« gegen di« Arbeitslosigkeit bedeutet.

Architekt Schluckebier forderte stärker« Verwendung der. Hauszins st euer- mittel, als Mittel einer Zwecksteuer, für die Bautätigkeit, restlose Einstellung der Regiebe­triebe der öffentlichen Hand, insbesondere auch bei der Reichsbahn, und außerdem eine Verstär­kung der Bauaufträge zu angemessenen Preisen für die freie Dauwirtschaft.

Rach den Vorträgen wurde ein« Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt: Trotz der Rotwen­digkeit äutzerher Sparsamkeit muß die Still­legung der Bautätigkeit unter allen Umständen vermieden werden, weil sie die allgemeine

liche Arbeitslosigkeit sich zu einer höchst bedenk­lichen Gefahr für Staat und GesellfchcHd- auswach­

en kann. Es müssen deshalb die größten An-

-GrasZeppeliir wieder in Friedrichshafen

3n Friedrichshafen traf das LuftschiffGraf Zeppelin" Freitagfrüh gegen 5 Uhr von seiner Rordlandfahrt ein und landete nach dem Ein­treffen der Haltemannschaft um 6.15 Uhr glatt auf dem Werftgelände.

Die Aauwirtschast fordert ein Krisenbanprogramm

Gegen die Zwangsbewirtschastung des Baumarkts und die gänzliche Süll- legung der Bautätigfeit.

rechtigt. Wenn Deutschland die finanzielle Ent­lastung durch das Hooversche Schulden-Feierjahr systematisch zu einer Ueberwindung der inner­deutschen Wirtschastsnot und des Elends der Ar­beitslosigkeit ousnühen wolle, wäre «ine schnelle und großzügige Hilfe für den Baumarkt ein« der wichtigsten Voraussetzungen.

Stadtverordneter Schubert, Mitglied des Preußischen Staatsrates, gab sodann ein plasti- sches Bild von der volkswirtschaftlichen Größe der Bauwirtschaft, die 1928 nahezu 3 Millionen Ar­beitern unmittelbar Deschäftlgung gegeben. Die deutsche Bauwirtschast sei mit einem Achtel am

Krisis in unerträglicher Weise verschärft, weil sie di« Steuerquellen noch weiter verstopft, die Kaufkraft der Bevölkerung sehr ungünstig beeinflußt und weil die zu erwartende ungeheuer-

trengungen gemacht werden, die Bauwirtschaft o stark wie irgend möglich in Betrieb zu sehen. Daß die Verwendung von Kapitalien für die Dauwirtschaft nur zu wirklich produk­tiven Zwecken erfolgen soll, bedarf keiner Her­vorhebung. Rotwendig ist aber auch die Inan­griffnahme längst beschlossener und immer wieder zurückgestellter öffentlicher Bauvorhaben. Rot­wendig ist endlich die baldige Beseitigung der Zwangswirtschaft, die aber nach jahrelanger Dauer unmöglich ohne jeden Ueber- gang erfolgen kann. Die Bauwirtschaft fordert endlich Taten gegen das Versiegen der Bautätig­keit durch ein sofort einsetzendes Krisenbau- programm, damit nicht neues unabsehbares Unheil über groß« Teile unseres Volkes kommt.

Berlin, 2.3uli. (TU.) 3m Hinblick auf den in einigen Wochen drohenden fast völligenS kill­st and der Bautätigkeit haben sich nicht weniger als 45 Verbände der Architektenschaft, des Baugewerbes, der Baustoffindustrie, des Dau- nebengewerbes sowie des Daustoffhandels zu einer großen Kundgebung in der Berliner Phil­harmonie zusammengesunden. 3n seiner Begrü­ßungsansprache wies Dr.-Ing. h. c. Adolf M a ft, der Vorsitzende des Reichsverbandes des Deut­schen Tiefbaugewerbes, auf die Psychose gegen das Bauen hin, die sich im letzten Jahr immer mehr gebildet habe. An dieser Zu­rückhaltung nicht nur des öffentlichen, sondern auch des privaten Kapitals gegenüber der Dau- wirtschaft gehe schließlich nicht nur die Dauwirt­schaft zugrunde, sondern auch bi« gesamte deutsche Volkswirtschaft leide allerschwersten Schaden. Kurzsichtige Sparsamkeit drohe zu allergrößter Verschwendung des schon so kargen Volksvermö­gens zu führen. Die in der Dauwirtschaft künstlich arbeitslos gemachten Arbeitnehmer müßten nun­mehr doch vor dem Verhungern geschützt werden.

Reichsfinanzminister a. D. Dr. Reinhold legte die grundlegende Dedeutung der Dauwirt­schaft für den deutschen Arbeitsmarkt Lar, die, wenn man überhaupt an eine AnLurbelung bet Wirtschaft ernsthaft Herangehen wolle, «ine sy­stematische und organische Hilf« für die Bauwirtschaft unbedingt notwendig mache. Er erkannte die Fehler, die in den letzten Jähren, vor allem auf dem Gebiet des Woh­nungsbaues, Lurch das Eingreifen der öffentlichen Hand gemacht worden find, rückhaltlos an. Vor allem sei zu uns h st « ma - tisch und zu teuer gebaut worden. So­bald wie möglich müsse eine Beseitigung bet öffentlichen Bewirtschaftung b«8 Wohnraumes durchgeführt werden. Umsiedlungen seien infolge der Strukturwandlung unserer Wirtschaft ebenso dringend, wie die Schaffung von Klein st Wohnungen zu einem für die große Masse der erwerbstätigen Bevölkerung erschwing­lichen Mietpreis. 3nsbesondere böte auch der Straßenbau für bie Rvtzeiten ein sehr großes Arbeitsfeld. Ein Ausbau für den modernen Ver­kehr sei wirtschaftlich durchaus nösig und be­

Reiserouten der ältesten und der neuesten Weltumfahrer. Vor 400 Jahren brauchte bas Segelschiff des Portugiesen Magalhaes mehr als 3 Jahre zur Weltumsegelung, 1873 berechnete Jules Verne m fernem phantastischen Roman die schnellstmögliche Weltrundreise auf 80 bzw. 79 -Lage,. 1929 umflog der »®rQT Zeppelin" die Erde in 19 Tagen, jetzt haben die amerikanischen Flieger fast die gleiche Strecke in 8Vi Tagen bewältigt.

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5 FRANCISCO '

Preßluftflaschen zur Ueberwindung des Auf­triebs im Wasser, und der Taucher kann die ihm zugeführte ßuftmeng« so genau regulieren, daß er sich auf dem ®runb bequem bewegen kann. Es ist ein beliebter Taucherscherz, dem Reuling un­ten im Wasser soviel Luft zuzupumpen, daß sich sein Anzug bläht und ihn emportreibt. 3« höher er steigt, desto mehr bläht sich der Anzug, desto unförmiger wird die Figur des Aermsten, der in seiner Angst nie an das Ueberdruckventil denkt: schließlich ist der Anzug steif und hart, der Tau­cher kann nicht Arm noch Dein bewegen und treibt hilflos als gespenstig« Kugel auf der Ober­fläche umher.

Für je 10 Meter Tiefe muß dem Taucher eine Atmosphäre also Lusdruck von einem Kilo­gramm mehr zugepumpt werden, um den Wasserdruck auszugleichen. 3n dreißig Meter Tiefe ahnet der Taucher daher unter vierfachem Druck, in neunzig Meter unter zehnfachem Druck: entsprechend steigt auch die Wenge des gelösten Stickstoffs in seinem Blut und seinem Muskel­gewebe.

Hat der Taucher eine Zeitlang in komprimier­ter Luft gearbeitet, dann ist sein Organismus mit Gas angefüllt wie eine Flasche Delterswasser; kommt er nun zu schnell wieder an die Ober- fläche, so schäumt das Blut in seinem Körper auf wie Brauselimonade. Ein« relativ geringe Menge Gas blasen im Blut kann hinreichen, um bas Herz mit Schaum zu füllen, die Dlutzirku- lation zu unterbinden und den Taucher zu töten: in weniger schweren Fällen verursacht diese Taucherkrankheit" nervös« Beschwerden und Lähmungen. Dagegen gibt eS nur ein Gegenmit­tel: den Taucher so schnell wie möglich wieder in komprimierte Luft zu bringen, damit sich di« Bla­sen wieder lösen, und chn bann langsam zude­komprimieren", langsam an normalen Druck ge­wöhnen, so daß der Gasüberschuh mit dem Blut- ström in die Lunge geschwemmt und von dort nach außen abgegeben werden kann. Früher ließ man den Taucher langsam herabsteigen und schnell her- aufschietzen gerade der richtige Weg, um mög­lichst viele Unglücksfälle zu verursachen! Heute steigt der Taucher stufenweise aufwärts, wie es ihm von oben telephonisch befohlen wird: immer wieder muh er minutenlang unbeweglich an der Grundleine" hängen bleiben, bevor er sich einige weitere Meter der Oberfläche nähern kann.

Ferner muh sich der Taucher stets vor Kohlen­säurevergiftungen hüten. Durch das Tauchen mit Preßlustzuführung hat der Taucher heute jedoch

die Möglichkeit, soviel Luft zu bekommen wie er braucht, ohne daß oben Dutzend« von Leuten an den Handpumpen arbeiten: so kann der Taucher auch seinen Anzug gut durchlüftet halten und alle verbrauchte Luft durch das Ueberdruckventil am Helm entfernen. Außerdem ist es gelungen, die beim Ausatmen gebildete Kohlensäure im Helm chemisch zu binden. Roch vor kurzem galt es für gefährlich, bis zu dreißig Meter zu tauchen: jetzt erreicht man die doppelte Ties« mit gewöhnlichen Taucheranzügen, die ein verhältnismäßig unge­störtes Arbeiten auf dem Grunde zulassen. Ge­schickte und ehrgeizige Taucher können sich mit allen notigen Vorsichtsmaßregeln über 100 Me­ter in diegräuliche Tiefe" wagen.

Ratürlich lassen sich stählerne Deobachtungs- kammern, deren Insasse mit einem Sauerstoff­apparat versehen ist und unter gewöhnlichem At­mosphärendruck atmet, «noch bedeutend weiter Herabfenken kilometertief, wenn geeignet« Hebe­vorrichtungen zu beschaffen sind! Der Mann darin kann durch dicke Glasfenster und mit Hilfe einer Bogenlampe das Tiefseeleben beobachten und pho­tographieren: aber mehr auch nicht. Die Kugel- gelenkglieder dieses klobigen Ozeanritters lassen nur wenige Bewegungen zu, die Haken am Ende seiner Eisenarme können nur leichte Arbeit ver­richten. Jede Bewegung mutz nach den telephoni­schen Instruktionen des Tauchers von oben ge­steuert werden. Im Dunkeln ist der Eisenmann hilflos, während sich der Mann im Taucheranzug zurechttasten kann.

Em neuer Enoch Arden.

Die Geschichte vom heimkehrenden Gatten, ein Motiv der Weltliteratur, das sich nach dem Welt­krieg des öfteren ereignet hat, hat wieder einmal eine kleine französische Stadt in Aufregung ver­setzt. In Baveh ist plötzlich ein moderner Enoch Arden aufgetaucht. Alfred A11 a r t verschwand von der französischen Front im August 1914 und erschien im Rovember desselben Jahres in den Verlustlisten. Aus der Gedächtnistafel, die die toten Krieger des Ortes verzeichnete, ist auch fein Raine zu finden, und sein Grab auf dem Friedhof ist mit seinem Bilde geschmückt. Auf die offiziell« Benachrichtigung von seinem Tode heiratete seine Witwe wieder und hatte mit ihrem zweiten Gatten zwei Kinder. Als sie kürzlich eines Abends ein Cafe besuchte, sah sie hier einen Fremden, bei dessen Anblick sie aufschrie und blaß wurde: sie

bemerkte zu ihrer Umgebung, der Mann sei ihrem (Satten, den sie im Weltkrieg verloren, wie aus dem Gesicht geschnitten. Der Fremde sprach mit ihr ein paar Minuten und lud sie zu einem Glase Wein ein. Auch andere Anwesende bemerkten die auffallende Achnlichkeit und sagten:Wenn wir nicht wüßten, daß Allart tot ist, würden wir schwören, daß er es fei. Ms Allarts Tochter her- beikam, glaubte sie ebenfalls sofort, ihren Vater vor sich zu sehen. Der Mann nahm sie beiseite und erzählte ihr, daß er tatsächlich Allart und ihr Vater sei, bat sie aber, sie solle nichts davon sagen. Ms sie bann ins Cafe zurückkam, zeigte ihm die frühere Frau Mlart Photographien, dar­unter ein« von seiner Tochter als Kind. Er brach daraufhin in Tränen aus, verabschiedete sich rasch und seitdem ist kein« Spur mehr von ihm ge­funden worden.

Ein Schwan klingelt an der Tür...

Der Rektor einer englischen Universität beklagt einen schweren Verlust.Edgar", der Schwan des nahen Parkteiches, ist nach einem geruhsamen lan­gen Leben, das er als Haustier der alma mater führte, ein gegangen. Der über den Verlust trau­ernde Rektor teilte einem Berichterstatter ein paar bemerkenswerte Eigenschaften Edgars mit. Obwohl der Schwan genügend Futter am Teich erhielt, kam er dennoch häufig bis zu der ebenerdig gele­genen Pforte der Rektoratskanzlei, um sich Ein­tritt zu verschaffen, der ihm auch stets gestattet würbe. War bie Pforte einmal verschlossen, so zog Edgar einfach bie Klingel und wartete, bis geöffnet wurde. Es war aber sicher nicht Hunger allein, der das Tier zu diesen Besuchen trieb; der Rektor hatte «her den Eindruck, als wollte Edgarunter Menschen fein. Der Schwan hatte es gern, wenn man ihn streichelte und liebkost«; doch durften dies nur Männer tun. Auf Frauen ging er sofort mit gesträubtem Gefieder in Angriffsstellung los. Dr« Tochter des Rektors verkleidete sich einmal als Mann und wollte den Schwan nun streicheln. Aber Edgar durchschaute die Maskerade und ging auf das Mädchen los. Auch rote Farbe konnte der sonderbare Schwan nicht leiden. Der Briefträger, der ein rotlackiertes Fahrrad besah, wurde von dem Schwan ein gutes Stück verfolgt ünd mit Schnabel und Gefieder attackiert. Autos waren ihm auch nicht sonderlich angenehm; sah er einen Wagen stehen, so versuchte er sich mit dem ©$na- bel an den Gummireifen; sicherlich, um heimtückisch eine Panne zu verursachen.