jienstag, 5. Februar 1951
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesse!
Nr. 28 Zweites Blatt
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Industrie- und Handelskammer Gießen
Blick in die Haupthalle der Ausstellung
Zwanzig Milliarden hat Deutschland im letzten I verkaufen wollt: alles wird durch Dilder Schau- Jahre für Lebensmittel ausgegeben, aber nur beider und kleine hübsch beleuchtete und bunte q 3 M illiarden kamen davon der einhei- Panoramen gelehrt. .
mitten Landwirtschaft Augutc! Was Die Technik hat hier, tote überall ganz natur'
Nachdruck verboten
35 Fortsetzung
Daß die deutsche Ware nicht schlechter sei als ausländische, zeigen die Bemühungen um Steigerung von Qualität und die Kontrollstationen, die die Gleichwertigkeit und den Geholt z. B. des Käses prüfen und überwachen, von dem eine ganze Musterkollektion - lauter deutsche Markenwaren — gezeigt wird. Was der Landwirt von sich aus dazu tun kann, wird ihm hier vorgeführt : ein Stall lebender Kühe. Rinder. Schafe zeigt ihm —■■ wenn er cs noch nicht wisfen sollte — wie gutes Bich auszusehen hat und wie es zu halten ist. Liber in einem riesigen Kühlschrank, der daneben steht, kann man Fleisch in geschlachtetem Zu st and bewundern, damit auch der Schlächter lerne, wie gesundes Fleisch anzubieten fei — wenn er's noch nicht weiß.
Eine große 2 n d ustrieschau, landwirtschast-
liche Maschinen vom Spaten bis zum Traktor und Dreschsah. Wer mag sie kaufen? Eine Frage weniger des guten Willens als der finanziellen Möglichleiten. Geht weiter. Landwirte, und lernt, wie ihr Garten - und Gemüsebau zu treiben, wie ihr Fischteiche anzulegen und zu halten, wie ihr Geflügel zu züchten habt und wie eure Waren auszusehen haben wenn ihr sie
lich das große Wort. Das Reichskuratorium für Technik in der Landwirtschaft — frei von jeder Firmenwerbung — führt in einer Abteilung vor, was man zu wissen hat. wenn man landwirtschaftliche Maschinen lausen will und wie man sie. wenn man sie gekauft hat. möglichst lange am Leben erhalt. Der Stahl, erfahrt man. bringt auch hier immer weiter vor Wußten Sie. daß es Asphalt-Kühe gibt? Sie haben nie eine Wiese gesehen, biete traurigen Tiere, aber sie ernähren sich aus einem hier ausgestellten sechzehn Meter hohen Silo, in dem das Rohsutter sozusagen emge-
mischen Landwirtschaft zugute I Was kann also geschehen, den Anteil der Landwirtschaft an dieser Summe zu steigern? Schaubilder. Statistiken und Photomontagen zeigen den einen Weg unter der ileberfdjrift: ..Jedes Volk schützt seine Arbeit". Amerika durch die größte Insormations- und Propaganda-Organi- fation der Welt, Italien kämpft unter der Parole: was muß man kaufen, um Qualitätssteigerung zu erreichen? In Indien hat Gandhi ein Volk von dreihundert Millionen mitgerissen
zu sehen." , , .
Herr Kommerzienrat Ramspeck gibt seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß der neue Präsident die Kammer so führen werde, wie diese es erwartet. und spricht den Mitgliedern im Ramcn des Vorstandes den Dank für das durch die Wahl bewiesene Vertrauen aus.
Oer Voranschlag für 1931.
Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1931 der — den Erfordernissen der Zeit entsprechend - Abstriche an den einzelnen Positionen vorsieht, wird genehmigt.
Rückblick auf das Wii-tschastSjahrryZV.
Der Syndikus Dr. Zeidler erstattet einen Gericht über das Wirtschastsiahr 1 930 aus dem folgendes hervorzuheben ist: „Die deutsche Volkswirtschaft ist im Jahre 1930 einen Leidensweg gegangen, an dessen Seiten, gewissermaßen als Marksteine, die Zahlen der amtlichen und privaten Wirtschaftsstatistik stehen, die erschütterndes Zeugnis von dem Aieberbruch und teilweisen Versal! der deutschen Wirtschait ablegen. Zu den Erscheinungen, welche von außen her schicksalsmäßig auf die Gestaltung des Wirtschaftslebens entscheidenden Einfluß ausubten. sind die Tributzahlungen, die Kapitalknechtschaft des deutschen Unternehmertums gegenüber dem Ausland, die Schutzzollpolitik der Gläubigerstaaten und nicht zuletzt die Krise der Weltwirtschasr zu nennen. Zu diesen Erscheinungen treten hinzu noch schwere innere Lasten und Hemmnisse, welche eine einseitige Macht- und Parteipolitik der deutschen Wirtschaft auferlegt. Da ist es zunächst unsere verhängnisvolle Finanz- und Steuerpolitik. die jahrelang auf Kosten der Wirtschaft
das verhindert, daß die Zugvögel an den Leucht* türmen zerschellen. _ , _
Iagdausstellung seltene Trophäen: ein Alpensteinbock ein Gorilla aus Französisch- Kongo, der stärkste deutsche Hirsch aus freier Wildbahn, Galerie von Gehörnen. Roch langst nicht alles. Es gibt eine Kunstausstellung, auf der zahlreiche Maler Motive aus Jagd. Sport, Landschaft und Landwirtschaft zeigen. C» gibt eine Milchschänke. in der man Roggenbrot essen kann und neben dem S a u p t - reftaurant. das mit grünen Girlanden behängt und. in heiteren Farben Gäste erwartet, die K o ch st u b c „Huhn und E i". denn wir sind aus einer landwirtschaftlichen Schau und sollen lernen, auch beim Ellen lernen, daß die Erzeugnisse der Geflügelzucht gut und schmackhaft sind...
wcfen in der Zeit der Trennung. Die hatte ihnen niemand verwehren können.
Wördehofs nickte vor sich hin.
Ja - er wollte selbst fahren. Heute aber -- heute wollte er, zum erstenmal seit langer Zeit, leichten Herzens durch die laue Abendlust des Waldes wandern, seinem Frohsinn hingegeben. So ging er denn ins Freie.
Wanderte durch die klare Dunkelheit des Grünewalds dahin, in dem schon leise die neuen Säfte quollen, und fühlte sich hineinversunken in diese leise, feine Melodie, die der laue Wind und das Säftesteigen in den Bäumen um ihn herum spielte. Da ergriff ihn mit ememmal Sehnsucht nach schöner Musik. Rach dem hinreißenden. gepflegten Klang eines Orchesters ober nach ber Stimme einer Sängerin.
Er erinnerte sich, daß heute in der Philharmonie ein Konzert gegeben würbe, an b<mt auch bie große Sigrib Onegin mitwirkte. Er hatte sie lange nicht fingen hören. Hingehen? Ja. es sollte ein Festabend für ihn werden! Morgen wollte er dann abfahren - dem Glück entgegen. Er sah hastig nach der Uhr. Ja — es war noch nicht zu spät. Er konnte es noch schaffen, wenn er sich beeilte und vorn an der Straße am Autostand eine Taxe erwischte.
Da wandte er den Schritt und hastete aus dem Kiefernwald zurück, der breiten Hauptstraße zu.
Er hatte Glück, denn er bekam noch ein freies Auto, und in schneller Fahrt ging es der inneren Stadt zu, zur Philharmonie, dem großen Konzertsaal, dicht am Anhalter Bahnhof. Der Saal war brechend voll. ,
Wördehvff hatte noch ein Rangbillett bekommen. Er war zufrieden damit und dachte behaglich und schon festlich gestimmt: Vor einer halben Stunde rannte ich noch durch bie Dunkelheit des Grunewaldes und hörte die kahlen Bäume rauschen und knistern. Run rauschen die verworrenen Stimmen einer zahllosen Menschenmenge um mich, funkelndes Licht strahlt von Decke und Wänden, und da hinten, auf dem Podium, wo der schwarze Flügel so gravitätisch steht und ber Pianist schon bie dunkle Haarmähne zurückwirsi, wird gleich eine schöne tftau in einer schimmernden Toilette stehen und wird uns allen, allen, die wir hier sitzen, die Seele ausrühren. Er faltete das Programm achtlos zusammen. e
Die Sängerin erschien.
Leidenschaftliche Begrüßung empfing sie.
(Fortsetzung folgt.)
„prodMonsnmflellnng uni) Absatzsteigerung."
Das Ziel der Landwirtschafts-Ausstellung der sechsten Grünen Woche.
sie fiel, und es war, als ob der bronzene Kopf mit den listigen Schlitzaugen sich leicht und lächelnd bewege, so, als wolle er anb’uten, was der geheimnisvoll-verschlossene Mund nicht sagen konnte.
Ach bu Rarr, merkst du es denn nicht? Die Küske, bie bu getrunken hast, sind nicht voll Süße. Sie verbrennen dir nur die Seele, und einmal - einmal wirst du wissen, daß es nur die Küsse einer Schauspielerin waren. Rarr, du!'
23.
Ter Winter hatte es milde gemeint. Schon im März gab es schöne warme Sonnentage, und man konnte den Atemzug eines frühen Frühlings spüren. Run war der April da, und im Grünewald ritten schon an den wärmeren Vormittagen die Reiter und Reiterinnen aus dem Tattersall.
Roch waren die Bäume kahl, aber die Busche hatten schon einen grünen Schimmer. Und wenn die Sonne weiterhin so warm schien, mußten bald die ersten kleinen Knospen hier und da aufsprin- 9C3)ubert Wördehvff kam von seinem Anwalt nach | Hause.
Er war frohen Mutes. .
Der letzte Scheidungstermin hatte vor einigen Tagen ftattgefunben noch lag das schriftliche Urteil nicht vor. aber der Anwalt hatte bereits die kurze Mitteilung über den Gerichtsspruch erhalten, der die Scheidung aussprach. Das Prozeßverfahren war, da keine der Parteien Schwierigkeiten machte, in wenigen Monaten abgewickelt worden. , . r . ..
Wördehvff stand am Fenster und breitete die Arme weit auseinander. Frei! Ein stiller Jubel war in ihm. , o .
Run wartete das Glück auf ihn. Das Gluck, das aus den Augen Ricolettes leuchten würde.
Er versank in Rachdenken, während draußen der späte Rachmittag schon hämmerte, lieber ein halbes Jahr lang hatte er nichts von Rico- Ictte gehört. Sie hatten beide ihr Gelöbnis gehalten. nicht einander zu schreiben, solange nichts „Besonderes" vorfiel. Kinna war also gesund! Aber nun — lag ja etwas Besonderes vor: Wördehvff war frei!
Er durfte - er mußte schreiben!
Ein frohes Lächeln verklärte sein Gesicht. Wie würbe Ricolettc fubeln. wenn sie biese Zeilen las!
Aber nein - warum schreiben?
Er konnte ja auch hinfahren! Konnte Ricolette selbst die frohe Kunde bringen! Sie toinoe getoiß schon wieder zu Hause auf dem Schloß fein. Und jetzt, da schon leise die Frühlingswinde wehten, würde sie wohl schon zuweilen Aussen halten vom Schlohberg herab. Denn ihre Gedanken — die waren ja immer beieinander ge
weckt wird.
Auch bie Hühner müssen sich an die Industrialisierung gewöhnen. Eier am laufenden Band. Früher brütete die normale Henne 15 bis 16 aus. der elektrische Riesenbrüter bringt es aus achttausend bis zehntausend Eier! Fünftausend Hahne und Hennen machen Krach, zahllose Gänse und Enten schnattern, nur die feisten Kaninchen schweigen und die Brieftauben gurren stolz. Sie haben sämtlich Leistungen von hundert bis zweihundert Kilometer hinter sich. Sie werden bald abgelost, bann werden hier Rassehunde bellen. Peitschen- knall Beisall. Musik und Zirkusatmosphare kommt aus der Halle II Internationales
Er war vor ihr zaghaft - er kannte sie nicht I in if; n tiessten Gedanken - und er fürchtete, sie zu verletzen Er war verstrickt und verloren tn ihrer Gewalt. „ ,
Ta sagte lie leise: „Heute will ich dich befchen- Ih?°Mund stand noch offen. Die Zähne leuchteten. Ihre Augen hatten ein besonderes Flim- metn. . , r h
Heute - Rolf — darfst du mich küssen
Er starrte sie an. Wie oft hatte er um einen Kuh gefleht. Aber nur die Hande hatte sie ihm gelassen. Und nun?
Heute darfst bu mich küssen, Wed bu fo lange gebulbig warst. Rols." Ihr ganzes Wesen lockte und lockte. . ... , .
Dann aber mußt du weiter geduldig sein. Der Kuh soll deinen Durst stillen und dir sagen, daß ^S?e^ beugte sich weiter vor. Ihr Atem strich dustend und heiß über sein Gesicht. Die Seide knisterte. Jetzt war sie ganz Weib
Liebe? Ein Spiel mit der Liebe! (Sine ©en- sation der Sinnei Rorma Relson hatte ihr Leben lang nur Liebe gespielt. •
Bamowskv erhob sich. ,
Wie von einer fremden Gewalt fühlte er sich gezogen
„Rorma!"
Da war er jenseits des Tisches
Stand vor ihr. Sah sie in all chrer nhonheit - sah ihren Mund, den sie ihm lächelnd entgegenreichte.
„Rorma, du schönste Frau -
Sie hob die Arme und legte sie leicht auf feine ^Einmal darfst du mich küssen. Bald bin ich ^Schwer fiel sein^Mund auf die roten Lippen, die selbst den Kuh ersehnten. Sie fühlte, Wie er zitterte, wie er sie fest an sich zog und die Leidenschaft in ihm brannte.
Und in ihren Sinnen klang es. Run habe ich doch Wieder gesiegt I Meine Macht ist noch bie ^Barnowsky stammelte heiße Liebesworte^ Ror- ma lauschte ihnen. Wie oft hatte sie diese Melodie gehört! Aber auch sie wurde heiß bewegt davon.
Doch plötzlich legte sie ihm die Hand auf den Mund und wandte sich aus feiner Umarmung.
.Einen Kuh sagte ich", flüsterte sie. „Du verbrennst mir den Mund —“
Er lieh sie los. „
„Du muht vernünftig sein, Rolf —
I Cr atmete tief auf.
Die kleine japanische Pagode auf dem Kamin» sims funkelte in dem elektrischen Licht, das über
oDu - weiht es, RormaI Ich bin geduldig genug für dich gewesen."
.Und willst deinen Ruhm, deinen Erfolg, deine Erfolge, die noch kommen werden, mit mir tCl^3a das will ich, Rorma! Ich Weih nichts Besseres."
Seine Hand griff nach ihren schlanken Fingern „Du hast Mut. Rolf! Hast du feine Angst, es könnte dir ebenso gehen wie - Hubert Worde» ^Lauernd, forschend sah sie ihn an, erfüllt von her Lust, ihn ein Wenig zu quälen. BarnowM) aber hörte nur aus ihren Worten, dah sie selbst frei Werden Würde.
„Rorma du - Willigst ein?
„Ja - um deinetwillen. Rolf!
Run war sie ganz Schauspielerin. Gewandte, von dem Reiz des neuen Erlebens angefeuerte S^Ichphabe'gestern meinem Anwalt Öen Oluf trag gegeben, alles Rotige zu veranlassen. Ich g aube, daß es endlich Zeit war Das wollte ich dir sagen. Darum lud ich dich ein.'
Bamowsky sah tote in Andacht da und blickte Rorma mit heißen Augen an
.Du - wie weiß deine Haut ist W:e sie glanzt!
Schwärmerei kam über ihn.
Rorma wurde selbst ergriffen davon.
„Heller als meine Augen, Roll <
. Ah - ganz anders, du Rorma — viel lockender! Dieses Locken hat mich zuerst zu dir h^ße- rissen - damals - als ich hinter dir am Spieltisch stand und deinen leuchtenden Racken sah.
Sie hörte seine Worte. ^Fühlte die Glut seiwr Hand in ihren Fingern. Seine Augen ließen sie nicht los
"Dah^ichEch^erob^rt habe - mit meiner Kunst 'Ä^^^kd^chte sllll: Du irrs^tch habe dich erobert, als es sich lohnte. Aber bleib nur in deinem Glauben. Es ist besser so Sie loste die Finger aus seiner Hand
eigenes Lächeln träufelte ihren Mund. Bar- nowsky fühlte fein Herz wie rafenö schlagen. Da sah das Weib vor ihm. Und ihm wurde sie gehören! Ihm dem großen Rolf Barnows^I Die grohe Künstlerin Rorma Relson! Was Wollte er noch mehr?
lieber die erste diesjährige Sitzung der Industrie- und Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach wird uns folgendes berichtet: . , ..
Herr Kommerzienrat Ramfpeck eröffnet bie Sitzung mit folgenden Worten: „In schwerer Zeit ist mir die Aufgabe geworden, die erste Jahres- sihung der Kammer zu leiten. Ich begrüne Sie herzlich und danke Ihnen für Ihr Erscheinen. Die neugewählten Mitglieder, Herrn Dr. Gail und Herrn Kimm, heiße ich herzlich in unserem Kreise willkommen. Ferner möchte ich auch der mit Beginn dieses Jahres ausgeschiedenen Mit- glichet, der Herren Ihring und Leidner. gedenken und ihnen für das im Laufe der Jahre der Kammer gezeigte Interesse danken. — -mir wissen alle, wie schwer die Zeiten sind, in denen wir stehen und denen wir entgegengehen. Deshalb wollen wir mit frischem Mut unsere Arbeit an- fangen und helfen, wo es nur möglich ist. Hoffentlich wird dann auch in den Kreisen von Handel und Industrie die Anerkennung unserer gemeinsamen Arbeit nicht ausbleiben."
Oie Wahl des neuen Vorstandes.
Die durch Zuruf erfolgte einstimmige Wahl des neuen Vorstandes der Kammer hat folgendes Ergebnis: Herr Zigarrenfabrikant Ludwig Rinn als Vorsitzender, die Herren Kommerzienrat Gustav R a m s p e d unb Bankdirektor Ludwig ©rieft bauer als stellvertretende Vorsitzende unb Herr Kaufmann Carl Röhr als Rechner. Herr Kommerzienrat Adolf K l i n g s p o r. der durch Krankheit am Erscheinen verhindert war, hatte die Kammer wissen lassen, dah er wegen seines Gehörleidens in Zukunft keinerlei Amt in der Kammer mehr bekleiden
könne. .
Herr Rinn dankt für die ihm geworbene Ehrung mit folgenden Worten: „Diese Stunde bewegt mich tief und das mir entgegcngebrad)tc Vertrauen erfreut mich sehr. Ich nehme die Wahl mit herzlichem Dank an. Zur Vorgeschichte möchte ich aber einige Ausführungen machen, um auch damit darzutun, dah ich mich zu dem Posten nicht gedrängt habe. Als mir Anfang Dezember ber Antrag unterbreitet wurde, konnte ich mich zur Annahme nicht entschliehen und auch einen für eine Entscheidung vorgesehenen Termin muhte ich ohne endgültige Erklärung verstreichen lassen. Gegen bicT Annahme sprachen meine starke geschäftliche Inanspruchnahme, meine durch ge- schästliche Verpflichtungen häufige Abwesenheit und dann auch eine nicht immer zufriedenstellende Gesundheit. Für die Annahme war die Dankes- pflicht gegenüber der Kammer, der ich nun 31 Jahre angehöre und mit deren Mitgliedern mich meist freundschaftliche, kollegiale Beziehungen
verbinden. So war ich von Zweifel bewegt und erst als mir erneut von sehr geschätzter Seite gesagt wurde: .Sie müssen annehmen', habe ich mich dazu entschlossen. Ich bitte Sie nun bei Führung der Geschäfte um freundliche Unterstützung und hoffe gern, dah es mir gelingen Wirb, die Kammer würdig zu führen und zu vertreten. Die Jetztzeit ist unsagbar schwer, wir leihen alle darunter und es ist besonders drückend, dah für eine Besserung zur Zeit so wenig Aussicht vorhanden ist. Aber über diese wirtschaftlichen Sorgen hinaus müssen unsere Bemühungen unserem deutschen Vaterland gelten, um — auch ohne Politik — dazu beizutragen, ihn, aus seinen Röten zu helfen. Das ist mit wenigen Worten mein Programm, und wenn es der Karniner unter meiner Führung ermöglicht wirb, zur
lichung dieser Pläne beizutragen, so Wird dies meine gröhte Befriedigung sein. Möchten Wir es alle noch erleben, unser armes Vaterland Wieder frei und stolz und Wirtschaftlich stark
Die Heine Bicolette
Boman von paul Dam
Reit- unb Fahrturnier ist in vollem Gange. .
Ein groftec Teil ber Schau wendet sich mit ernster Mahnung an bie Stäbter: die Ratur - schütz-Ausstellung. Um bie Ratur zu betonen, hat man eine ganze Landschaft mit See in eine Halle gebracht unb sie mit Raturschrch- vögeln bevölkert — ein kleiner Junge sieht sich hier erstaunt ben berühmten Storch an — aber die Tiere sind keineswegs erschrocken, denn sie sind an den Umgang mit Menschen gewöhnt und stammen aus dem Berliner Zoologischen Garten. Warum, frage ich. sind sie eigentlich hier? Sie 'gehören eben mit dazu, sie machen Propaganda für Raturschuh, der eindringlich gepredigt wird. Man lasse bie Kreatur nicht leiden, man verschandele die Landschaft nicht durch Grammophone. Plakate und Papiere! Die Rossitter Vogelwarte zeigt ein „angestrahltes" Leuchtfeuer.
Das ist bas Zeichen, unter dem bie soeben in Berlin eröffnete lanbwirtschaftliche Ausstellung der „Grünen Woche" in diesem Jahre steht: „Absatzsteigerung unb Produktionsumstellung". ünks man muh zugeben, dah diese Parole aus- stellungsmähig eindringlich gemacht und anschaulich verarbeitet worden ist. Da ist zunächst das Zwanzi g-M i l l i a r b e n-M o d e l l: Es sagt:


