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3.1.1931
 
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Lounlag, 4. unn.. von 15 bis 17' ,Ubc ihnötiDou'ieliunfl

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(Frau Ho le) Weibnachti-matchea in fünf Alien von "Hlonb ttialch.

Aiuiil von Gustav Liesten».

Lonrttag, 4. Jan., d, lbl:b.oefl.21,'flt .vtembeiiuoifieüuiifl Anbei Abonnement (itmantflie

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h unserer Gegner, vor allen ton» gegenüber war bisher hie man in der deutschen oder im deutschen Volks

link, indem man sich daraus

Wehrpflicht sei für Äüschland nur ein solcher Krieg möglich, von des i Notwendigkeit und Hn-

Vermeidbarkeit das brungen sei.

Krieg ist, nach der von Clausewitz, nur P teln. Was für den Ä radikalste Form der au gilt auch für ö i el] a l s solche. Ihre 58 ruhen auf der Starr nationalen Willens, f konventioneller AusG

aus dem erwachten ischkn Nation Damals ationalen Souve - »um erstenmal entdeckt, in großem Stile wirk-

Kabinettsbeschluß, son Kraftgefühl der sra wurde der Begriff der t ä n i t ä t, wenn nich so doch zum erstenm fam. Cs war auch ein anderung der politis wenn Bismarck sich kannte, unter der

Einh üswille und ausw rtige Politik Don Dr. flaal Rohrbach

0 nze Volk durch-

berühmten Formulierung itik mit veränderten Mit- eg als für die letzte und »wartigen Politik gilt, das uswärtige Politik kfe und ihr Nachdruck be- | und Einheitlichkit des [er hinter ihr steht Ein lud für den nationalen

einander, ohne ! oder Berus, öami

Das stärkste Ak Dingen Franken die Scheidun, öffentlichen Meir willen vornehmen berief Der eine Ades deutschen Bolkes, selbst verständlich der jßsere", ist mit dem gegen.

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Niebuh« erstes Kolleg.

3um 100 Mstage des Historiker ü.

Von Dr.-ermann Dreyhaus

Als im Herbst bti Jahres 1806 der dreißig­jährige Holsteinek darthold Georg Nie buhr aus dem StEimst leiner politischen Hei-

im selben Boot ffl^1 Damit kommen wir den jetzigen SchliMpunkt jeder wirkungs­vollen auswärtigen Postil. also auch der unsrigen. Es gab eine Zeit, Zx ®°r auswärtige Politik sogenannte ÄabinettgpdM h- h sie wurde nach den Erwägungen gemflbt die man im Kabinett des Herrschers an stete Die erste Durch­brechung dieses Systems geschah von Frankreich aus in den Revolution kriegen. Die gewaltige Expansion, die damals)voll den revolutionären Kräften Frankreichs alsging, kam aus keinem

kenntnis zu dieser Ver- ötunöfrjfte in Eurppa, der Ueberzeugung be- chast der allgemeinen

Hjalmar Schacht hat in feiner Münchener Rede am 7. Dezember wenn Deutschland heraus wolle aus demjlurchtbaren Zustand der Einschnürung aller feiBf Lebenskräfte, in den es verseht ist, so gehöre -azu ^i nheit des na­tionalen Wille nt Vorbedingung dazu ist aber die Einsicht, daß kem Volksteil vom natio­nalen Schicksal ausgcn^lknen ist, nach der engli­schen Redensart. Wir müssen wissen, daß wir alle im selben Boot

Willen heißt Oeffcktliche Meinung, aber es ist besser, wir lassen »eses nicht in Deutschland, sondern in Eng land [erfundene Wort bÄseite und bleiben bei unserr Formulierung, daß die auswärtige Politik aus dem nationalen Willen fliehen mut

Wie aber, wenn iS in einem Volk keinen einheitlichen nationale! Dil'en gibt? Die Ant­wort daraus heißt fchr einfach die Regierung eines solchen Volle- tarnt, unter den heutigen Weltverhältnissen, überh a u p t keine wirk­same auswärtige Politik machen, am allerwenig­sten. wenn das Voll sich in einer Lage befindet, wie wir nach dem Fiedensdiktat von Versailles Will man sie mit eitern Satze kennzeichnen, so heißt er ganz einfach Der Krieg geht weiter! Einen anteren praktischen Sinn haben weder die uns ousalegten Tributzahlungen noch alle übrigen Enjchrän langen unserer natür­lichen nationalen Lchensbetätigung Wer will, mag diesen Zustand Frieden nennen, aber ihn trifft dann dae D:rt Wehe den^n. die Da rufen Friede! Ftßdc' und ist doch kein Friedel Der Krieg, der g« uns unter der Herrschaft des Versailler Diklsü weitergeht, wird gegen die 20 Millionen Dcmjh geführt, die es. nach dem Worte ©lemenccalan den früh ren englischen Militärbesehlshabs« Köln (er hat es dann in Versailles wieder«, z u viel in der Welt gibt. Den Sinn diMsurchtbaren Sentenz erleben wir alle Tage deiLer. und es handelt sich jetzt darum, ob wir aisdeutsches Gesamtvolk, nicht nur als einzelne,»greisen, daß wir alle mit-

lan dabei in Studien über . r . <x - -.raältntife, weil diese ihm Denen seiner H'Xot Dithmarschen verwandt er- fchionon £Xm -"^Meiner ersten Betätigung ver etwas davon abgekom- Maße, wie er die Erfolglosig-

mat Dänemark aus den Rus des Freiherrn vom Stein in die prechsche Finanzverwaltung über- trat, hatte ihn bic große Aussicht auf politische Betätigung in Dem&aaje Friedrichs des Großen angelockt Er sah in Preußen, das damals vor dem Enlsche-dungskainpfjisij Lapo.eon stand, die Mög­lichkeit zu einer staatsmännischen Entwicklung, die feine leidenschaftliche Aatuc zu der politischen Ge­staltung verholtes, hätte,,Pi? er so oft und nach- haltig in geschichtlichen 6.ubien bargelegt. Statt dessen begann sei« staatsmännische Laufbahn mit der Flucht der Pieihischen Behörden in den äußer­sten Osten des States. Danach durfte er wohl an der Aufbauarbeitd« facifjcrrn vom Stein teil- nehrnen. Aber 311 kbnelf brad) diese ab Und was bann noch für tzbuhr an politischen Aufgaben blieb, war nur cae Kette von Enttäuschungen, so daß er im oomiie ßlO gern aus bem unmittel­baren Staatsdienst schj^ Zer politische Traum war in wenigen Ähren verflogen, doch hatten alle Enttäuschungen mch vermochl ihn von be.n Lande feiner Wahl zu trennens Nein, trotz allen ©tür­men hatte er feilt Durzei geschlagen, ja. er war fogar in bem anfangs |0 hart abgelehnten Berlin brim'sch geworden, undsdieses sollte sogar zur ©tatte krnes ^Itruijnieä werden, zwar nicht durch ferne ft-Wi^en. aber durch feine wmenschcmlichen Leistungen.

03. G. Viebuhu^x ^hn des damals Diel- genannten (ZorschngsrettcnDen Carsten Niebuhr, der sich um dteAufhe^ng der Wüstengebiete Arabiens unD '26ti)attito3 »erdient gemacht hat Dadurch war ihmeine wissenschaftliche Einstellung v°n Haus aus e-.-n, öle ' aud)eben feinem Be- amtenberm ltei»beibebielt und förderte Sein Hauptinterefsen^- -

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 3. Januar Ms

toartigen Zustand einoerftanDen nur bestimmte Kreise, eben der .schlechtere" Teil, ist es der protestiert und droht. An dieser Be­hauptung war leider so viel richtig, daß von hier aus eine unverkennbare Schwä­chung aller Möglichkeiten ausging. eine wirksame deutsche auswar.ige Politik zu betrei­ben. Wenn jetzt der ungeheure Druck der Lage, unter den nacheinander alle V 0 lksteile ge­raten, den Erfolg hat. bah j e b e r Deutsche be­greift ber Krieg geht weiter - bann sind wir wenigstens nicht umsonst in bieses Elenb geraten, benn bann kann enbiich bet einheitliche Volkswille zustanbe kommen, ben wir für unsere auswärtige Politik brauchen.

Wir sollten doch endlich begreifen, wie sehr man auf der Gegenseite daran gewöhnt ist, auf die Geschlossenheit der .öffentlichen Meinung" eines Volkes zu achten Vor allen Dingen ist man es in den angelsächsischen Ländern, in Eng- land und in Amerika. Nichts wird dort so sehr respektiert, wie ein wirklicher Volks- w i 11 e. Man sieht das auch Daran, welchen Eindruck die Geschlossenh.it unseres nationalen Standpunktes an den einen Punkt, wo sie wirk­lich vorhanden ist, draußen macht, in der Frage der deutschen Ostgrenze. Von Jahr zu Jahr über­zeugt sich die öffentliche Weltmeinung mehr da­von, daß diese Grenze unhaltbar ist.

Aus alledem folgt, daß es auch für die deutsche Regierung für das deutsche Auswärtige Amt, keine bessere außenpolitische Methode gibt, ja

überhaupt nur diese einzige außenpolitische Me­thode dafür zu sorgen, daß ein einheitlicher nationaler Wille sich formt, daß er durchbricht und daß er als erdrückendes Argument für die Erleichterung unserer Lage verwertet wird.

Was wir brauchen, ist kurz gesagt Wiederher­stellung von so viel nationalem Lebensraum, daß wir existieren können, ohne die zwanzig Mil­lionen Volksgenoslen dem Moloch von Versailles zu opfern. Wir können uns nicht länger dazu her­geben, daß man uns am lZoungplan Weißbluten läßt. Wir brauchen eigene Rohstoffquel­le n in den überseeischen tropischen Vorratskam­mern Wir müssen aus unserem zerstückelten Vaterland wieder einen einheitlichen Staats- und Wirtschaftskörper machen. Soll man uns aber diese Forderungen draußen in der Welt glauben, soll man sie als Forderungen nicht eines Teiles Der deutschen Nation, sondern a l s den Willen des deutschen Ge­sa rn t v 0 l k e s begreifen, dann muß zuvor das Bekenntnis durch alle unsere Reihen gehen, vom Arbeiter bis zum Reichsministerium, vom Jung­volk bis zu den Alten- Wir sitzen wirklich allesamt in einem Boot, wir können nur miteinander gerettet werden, ober gehen miteinanber ßugrunbe. Auf biefem Instru­ment muh bas Spiel unserer auswärtigen Politik gespielt werden, und wer es spielen will, muh nicht nur Staatsmann, sondern auch Volksmann sein

strfachen der annkapilalistrschendewegung.

Von proreffor Or. Moldenhauer, ehern. Reichsrnimster, MdN.

Für viele überraschend, geht eine antikapitalisti- sche Welle heute durch das deutsche Volk, Gegner des Kapitalismus sind immer die Sozialisten ge­wesen, wie es im Wesen des Sozialismus liegt Was aber überrascht, ist, bah heute auch weite Kreise bes Bürgertums, Die sich bewahr als Anti-Marxisten gegen Den Sozialismus wen­den, von der antikapitalistischen Strömung erfaßt werden Hier ist eine Be­wegung vorhanden, bei der die Kritik übermäßig stark ist, während die Vorstellungen darüber, welche Wirtschaftsordnung die kapitalistische ab­lösen soll, ungemein unklar sind. Strömun­gen entstehen nicht von heute auf morgen. Sie werden schon lange, ehe sie sichtbar in Erscheinung treten, aus allen möglichen Quellen gespeist, bis Plötzlich Die Vereinigung aller dieser Quellen in einem starken Strom an Die Oberfläche tritt. Wer deshalb Die M r 1 a d) e n dieser überraschenden Be­wegung ergründen will, muß sich über die Quellen klar werden.

Die kapitalistische Wirtschaftsordnung hat ihren prägnantesten Vertreter im Großbetrieb, der erst durch Die moderne Entwicklung der Ma­schinentechnik und des Verkehrswesens möglich ge­worden ist Dieser Großbetrieb trat, je länger, je mehr, in einen scharsen Wettbewerb mit Den Millionen von Kleinbetrieben, wie sie na­mentlich Das Handwerk Darstellt Auch die Klein­betriebe beruhen auf Dem Privateigentum aber das Typische Des kapitalistischen Großbe­triebs fehlt ihnen. Es lag im Wesen des Groß­betriebs, daß er die kleinen Wirtschas- t e n auf,äugle und verdrängte, obgleich man sich übet diesen Aufsaugungsprozeh vielfach vollkommen falsche Vorstellungen macht. Die große Berufszahlung von 1927 hat ergeben, Daß die Zahl der selbständigen gewerblichen Kleinbetriebe seit 1895 nicht zurückgegangen ist. Rur starke Verschiebungen innerhalb dieserBe­tt i e b e sind entstanden. Tie schwere Wirtschasts- not Der Nachkriegszeit und insbesondere feit 1929 hat Den Aufsaugungsprozeh beschleunigt, ließ namentlich in stärkerem Maße auch mitt­lere InDustriebetriebe untergehen. Alle diese entwurzelten Criste uzen werden zum An­kläger des Kapitalismus, vereinigen sich mit Der notleiDenDen Landwirtschaft und geben sich, da sie an Der heutigen WirtschaftsorDnung ver­zweifeln, einer Wirtschastsromantik hin, Die ihnen

eine Wirtschaftsverfassung vorzaubert, in der es keinen Großbetrieb mehr gibt, aber all den vielen kleinen selbständigen Existenzen Leben und Raum gewährt wird. Eine Romantik ist es, weil das Wunschbild dem Mittelalter entnom­men wird und viele dieser Romantiker vollkom­men übersehen, daß eine jahrhundertelange Entwicklung nicht wieder aus gehoben werden kann und Die Versorgung der in den In­dustriezentren und großen Städten sich drängenden Arbeitermassen ohne die kapitalistischen Großbe­triebe unmöglich ist.

Die Zusammenballungen zu großen Konzernen sind oft weniger für den Kleinbetrieb uno daS Handwerk bedenklich gewesen als für die mitt­leren, ja großen Betriebe selbst. Die ganz großen Konzerne sind aus der Verschmelzung großer Werke entstanden, haben also die kleinen und häu­fig genug selbst die mittleren unberührt ge­lassen Aber sie haben die Aufstiegsmög­lichkeiten für Die Heranwachsende G e- neration, für den neuen Mittelstand der Ange st eilten, verringert. Welche Möglichkeiten bieten sich heute Dem langen Mann, der von der Schule kommt oder nach zurückgeleg­tem akademischem Studium sich dem Wirtschafts­leben zuwendet? 120 000 Studierende zählt das Deutsche Reich, während die Zahl der leitenden Posten in Der Wirtschaft immer geringer wird. So verzweifelt die junge Generation, der auch Der Weg ins Ausland durch die Abschlie- ßungstendenzen versperrt ist, Daran, im Rahmen des heutigen Wirtschaftssystems vorwärts zu kom­men und wirft sich hemmungslos einer radikalen Strömung in die Arme.

Handelt es sich hier im wesentlichen um Stim­mungen, so liegen Die Ursachen Dort tiefer, wo man aus Den Erscheinungen der Zeit Folge­rungen für Die Struktur des Wirt - schaftslebenszu ziehen sucht Der Verein für Sozialpolitik hat auf seiner Tagung in Zürich im Jahre 1928 die Frage Der Wandlungen des Ka­pitalismus zur Debatte gestellt und diese Dis­kussion durch ein Reserat von S 0 mbart ein­geleitet, Der zu Dem Ergebnis gelangte, daß wir bereits in Der Epoche des Spätkapi­talismus angelangt sind. d. h. in einer Zeit, Die zu einer neuen Wirtschaftsform, der sozialistischen, überleitet. Gewiß ist ihm und mit guten Gründen auch von wissenschaftlicher

Die neuen bulgarischen Briefmarke» aus Anlaß der Hochzeit des Königs Boris mit Der Prinzessin Giooanna von Italien.

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Seite, insbesondere auf dieser Tagung selbst non Eckert widersprochen worden Aber Der Zwei­fel. ob es sich nur um Wandlungen oder schon um Untergang handelt, ist in die wissenschaft­lichen Kreise eingejogen. Dazu kommt ein Zwei­tes^ Die Weltwirtschaftskrise, die Arbeits­losigkeit. die heute nicht nur in Deutsch­land, sondern überall in der Welt als äußere» Zeichen der Krise in die Erscheinung tritt, hat Zweifel darüber entstehen lassen, ob der Anler­ne h m e r als Träger des Kapitalismus sei­ner Aufgabe gewachsen gewesen ist (St hätte, über sein Geschäft hinausschauend. Pr 0 » duktionundDedarfinCinklangbrin- gen müssen Wenn er das nicht getan hat, l'k» zeigten sich eben hier Die Fehler des Systems.

Das Gefährliche aller dieser Erwägungen, Stim­mungen und Zweifel liegt Darin, daß sie sich auf Kritik beschränken, ihnen aber die Vor­stellung über das, was an die Stelle deS Kapitalismus treten soll, fehlt. So mün­den schließlich alle Gedankengänge, gewollt oDet ungewollt, im Sozialismus als dem ein- ?igen positiven Gegenvorschlag. Kennzeichnend Da» ür ist die Nationalsozialistische Partei, die sich zunächst rein stimmungsmäßig aus den oben er­wähnten Gründen gegen die kapitalistische Wirt­schaftsordnung auflehnte und mindestens in einem Teil trotz aller Versuche Hitlers, Den BoDen nicht unter Den Füßen zu verlieren, sich immer hem­mungsloser sozialistischen oder, sagen wir besser^ kommunistischen Gedankengängen nähert.

Die große Aufgabe unserer Zeit muh es sein. gegenüber all den verschwommenen Ideeir

ie wirtschaftlichen Zusammenhänge klar zu st eilen, die großen Gefahren, Die der Sozialismus für Wirtschaft und Kultur bedeu­tet, herauszuarbeiten, auf der anderen Seite abel auch die heutige kapitalistische Wirt­schaft mit einem neuen Ethos, Da» den Menschen nicht nur als Wirt­schaft s s a k t 0 r wertet, zu erfüllen st der Glaube an die Notwendigkeit und die Be­deutung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung endgültig im Bürgertum zerstört, dann ist auch diese Wirtschaftsordnung nicht mehr zu halten.

Gewerberat 3 B- $olt Mainz t-

Am Silvesterabend entschlief der Ehrenvor­sitzende der Hessischen Handwe r ks kämm er, Geheim« Gewerberat 3. D. F a l k (Mainz). Eine Perjöir- lichkeit, hochgeehrt und geachtet von dem deutschen Handwerk und allen Berufsschichten, mit denen sie in Berührung tarn, ist mit ihm dahingegangen.

Geheimrat Falt, aus einer alteingesessenen angesehenen Mainzer Handwerkerfamilie stam­mend, hat sich in frühen 3ahren Der Förderung Der Belange seines BerussstanDes zugewandt. Mit anderen bedeutenden Männern stand Det Verstorbene in der vordersten Linie der Kämpfer ür Anerkennung des deutschen Handwerks al» elbständiger Berufsstand, war ein Mitstreiter ür die Erringung der Gleichberechtigung De» Handwerks mit anderen Wirtschaftsgruppen, al» dessen Krönung die Errichtung der Handwerks­kammern im 3ahre 1930 zu bezeichnen ist.

Nachdem auch für Hessen eine besondere Hand­werkskammer im 3ahre 1930 gegründet wurde.

feit seines politischen Tuns einsah, in dem Maße erwachte in ihm Der alte Hang zur Wissenschaft, wenn er auch bei seinem unausgeglichenen Charak­ter Zeit seines Lebens nicht zu einer völligen Klä­rung oder gar Trennung feiner Neigungen ge­kommen ist Ein gewisses Klagen über irgend­welche Mißlichkeilen gehört zu seinem Wesen. In­dessen fühlte er sich Doch beglückt, als er im März 1810 zum MitglieD Der Akademie Der Wissenschaf­ten unD wenige Monate später zum Historiogra­phen des königlichen Hauses ernannt wurde Nur seinem äÖunsche nach einer Professur an Der eben ins Leben trctenDen Universität Berlin kam Der König nicht nach. Wohl aber gab man ihm Die Anregung, als Mitglied der Akademie an Der Universität Vorlesungen zu halten. Solcher Lockung konnte Niebuhr nicht wiverstehen, und so kündigte er im September 1810 ein wöchent­lich zweistündiges öffentliches Kolleg über Rö­mische Geschichte seit ihren Anfängen in dem ersten BerlinerLektionskatalog" an.

Niebuhr ging nicht ohne Sorge an feine erste Vorlesung Heber Den Gegenstand hatte er sich zwar schon Mut gemachtSie Römische Ge­schichte zu schreiben, hätte ich wohl nie unter­nommen. über sie zu lesen, ist schon ein weniger verwegene» Unternehmen." Aber die Universität selbst Sein Pessimismus über Die bestehenden Zustände war so grenzenlos, daß er zu nichts mehr Zutrauen hatteSer Anfang unserer Uni­versität wird offenbar obflut sein", meinte er. Ob aus Diesem Singe, welches ohne Ernst und ohne Zweck unternommen etwas recht Leben­diges werden kann, müssen wir bald sehen" Der Anfang schien ihm recht zu geben. Der zur Ver­fügung gestellte und heute noch benutzte Prinz- Heinrich-Bau wurde mit feiner (Inneneinrichtung nicht rechtzeitig fertig. Dann quälte N'^buhr die Sorge um Zuhörer Er wurde ganz kleinmütig, entschloß sich aber doch zu lesen, «elbsi u?enn nur fünf bis sechs Studenten erscheinen würden.

Und wie ist Dann alles anders gekommen! Die Universität Berlin wurDe bald Die vornehmste Pflegestätte deutscher Wissenschaft. Namen aller­ersten Ranges fanden sich ein. Das fridenzianifche Preußentum hatte noch lange nicht feine An­ziehungskraft verloren, mochte auch Napoleon alles tun, es zu verdunkeln. - Und Niebuhrs Kolleg? Kein Privatdozent hat je kühnere Träume gehabt, als sie sich bd Niebuhr ver­

wirklichten! Wohl gegen zweihundert Hörer waren zu seiner Ueberraschung erschienen, zwar nur zum Teil Studenten, daneben aber solche aus allen Klassen und Ständen, ein paar Prinzen, HoNeute. Offiziere, eine große Zahl Beamte und sogar nicht weniger von Den Professoren und Des Kulturdepartements. Und es war nicht ein Eintagserfolg! Wie Der Heidelberger Pro- fessor Kreuzer nicht sonderlich erfreut berichtet, wurde es geradezu Mode,daß Offiziere, Ge­heimräte usw scharenweise zu Niebuhr liefen". Sachlicher urteilte Der große 3urift Savigny, der neben Schleiermacher, Süvern und anderen geistigen Führern der Hauptstadt zu den treu­sten Hörern zählte, wenn er feine Eindrücke wie folgt zusammenfaht.Niebuhr hatte die ganze Vorlesung niedergcschrieben und las sie vor den Zuhörern ab. Dieses Verfahren, welches in andern Vortragen fast immer die Lebendigkeit des Ein­drucks stört, war hier von der frischesten, fräf- tigften Wirkung begleitet, wie sie sonst nur der freien Rege zuteil wird. Man fühlte sich in die Zeiten des Altertums versetzt, wo die Vorlesung neuer Werke die Stelle unserer gedruckten Bü­cher vertreten mußte, mit geringem Umfang der Verbreitung, aber mit einem wärmeren, per­sönlichen Eindruck. Niemand wird dieses so ver­stehen, als wollte ich dem Qlblefen geschriebener Hefte Das Wort reden, jene glückliche Wirkung war nur möglich unter Den ganz eigentümlichen Bedingungen dieses Falles, worin die Vorlesung als ein Versuch gelten konnte, ein Werk wovoll neuer Gedanken noch vor dem Abdruck öffentlich mitzuteilen."

Mit dieser Anerkennung berührt Savigny das Wesentliche in Niebuhrs Vorlesungen, das ihn sogar später zu der Aeuherung veranlaßte, mit diesen Vorlesungen beginne eine neue Epoche für Die römische Geschichtsschreibung. Niebuhr hatte als erster Geschichtsforscher es gewagt, Die abso­lute Richtigkeit Der Quellen zu bezweifeln. Er hatte Kritik angelegt und sie erst Dann anerkannt, wenn ihre innere Wahrscheinlichkeit erwiesen war. Zur Würdigung der römischen Verhältnisse blickte er in seine Heimat, wo die Dinge ähnlich lagen, und so schied er Dichtung von Wahrheit, zunächst allerdings mit einer gewissen Unerbittlichkeit und mitunter über das Ziel hinausschießend, aber im ganzen hat er doch die Geschichtsschreibung von ihrer moralisierenden Tendenz abgebracht und zu

der Absicht hingeführt, möglichst die Dinge so zu sehen, wie sie wohl gewesen sind. Darin liegt sein Überzeitliches Verdienst um d i e Geschichtswissenschaft, das feinen Namen in alle Welt trug.

Rie hätte er das geglaubt, als er mit zagendem Herzen sein Kolleg begann. Aber mit dem Erfolg wuchs die Kraft, und gegen Ende des Semester» gesteht er überglücklicheKeine Arbeit hätte ich glücklicher wählen können als den Vortrag Der römischen Geschichte!" Er hat feinen wahren Beruf erkannt, Die Geschichtswissenschaft wird sein Ele­ment. Schon im Sommer 1811 beginnt er mit der Drucklegung des ersten Bandes Der römischen Geschichte und stellt damit sein Werk zur allge­meinen Diskussion. Natürlich hat er viele Gegner gefunden, aber mehr und mehr hat sich seine Methode durchgefetzt, bis sie zur allgemein gül­tigen wurde. Nieouhr selbst ist feiner Wissenschaft nicht ununterbrochen treu gebliebem Vorüber­gehend hat ihn die Politik noch einmal ergriffen. Doch führte sie ihn glücklicherweise als außer­ordentlichen Gesandten nach Rom, wo denn aller­dings wieder der wissenschaftliche Ertrag be­deutender war als der politische. Doch dann führte ihn ein glücklicher Stern als Professor an Die neugegründete Universität nach Bonn, wo er in angeregtem Kreise die letzten 3abrc seines Lebens verbrachte. Hier war ihm das höchste Glück, aus vertiefter Kenntnis über Römische Geschichte zu lesen, über Römische Geschichte, die einstmals seinen Lebensweg entscheidend beeinflußte.

dod)fd)ulnodirtd)fen.

Der in Marburg im Ruhestand lebende frühere langjährige Direktor der Marburger Universitäts­bibliothek, Geh Regierungsrat Dr. Noediger ist ' im Alter von 87 Jahren gestorben. Der ver­blichene hatte im Jahre 1887 die Leitung Der Har­burger Universitätsbibliothek übernommen, die er bis zum Eintritt in Öen Ruhestand innehatte.

Professor Dr Adolf Jarisch, Ordinarius der Pharmakologie an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf hat den an ihn ergangenen Duf an Die Universität Innsbruck angenom­men. Der außerordentliche Professor der Geo­graphie an der Prager Deutschen Universität Zr - «°"^rd Brandt ist zum ordentliche« Professor ebenda ernannt worden.