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Ur. 256 Erster Statt

181. Jahrgang

Montag, 2. November 1931

Erschein» läglrch,auher Sonntags und Feiertags.

Beilagen:

Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild

Die Scholle.

Monats-Vezugspreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Träger­lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummem infolge höherer Gewalt.

Zernsprechanschlüffe anterSammeInummer2251. Anschrift für Drahtnach­richten. Anzeiger Stehen, postscheettonto: Zranlfurlam Main 11686.

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vnlck und Verlag: vrühl'sche llniverfitälr-vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Zchnftleitung und Geschäftsstelle: 5chulstrahe7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher, preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°/ mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.

Der französische Ministerpräsident aus Washington zurülk.

Laval äußert sich befriedigt über feine Amerikareise. - Schon morgen Beginn der Verhandlungen mit Deutschland.

Die Beratungen des wirtschaftlichen Kronrats der Reichsregierung haben ein überraschendes Ende genommen, insofern als die Bildung der ursprünglich in Aussicht genommenen Aus­schüsse bis zur nächsten Woche zurückgestellt ist. Dagegen ist am Samstag bereits ein Son­derausschuß zusammengetreten, der sich mit dem Problem der Stillhaltung aus­schließlich beschäftigen soll. Aach den ursprüng­lichen Dispositionen war natürlich auch schon vor­gesehen, daß der Beirat das ganze Problem der Stillhaltung im inneren Zusammenhang mit den Fragen der Kapitalbeschaffung und der Zinslasten behandeln würde. Wenn es aber jetzt für sich allein vordringlich in den Mittel­punkt der Erörterung gestellt wird, dann muß man dahinter sehr schwerwiegende taktische und politische Gesichtspunkte vermuten. Da die Reichs- regierung auch in diesem Falle sich vollständig ausschweigt und jede Möglichkeit peinlichst ver­meidet, über ihre Absichten etwas in die Oeffent- lichkeit dringen zu lassen, muß man auf Umwegen versuchen, hinter die Gründe zu kommen, die diese Umschaltung veranlaßt und wahrscheinlich not­wendig gemacht haben. Wir sehen sie in erster Linie in den Folgen der Washingtoner Des prechungen.

Was Laval und Hoover tatsächlich vereinbart haben, ist in feinen Einzelheiten an amtlichen deutschen Stellen restlos wohl auch jetzt noch nicht bekannt. Immerhin ist es wohl ziemlich sicher, daß auch die Amerikaner uns die Initiative für den nächsten Schritt zuschieben und daß gleichzeitig die Franzosen darauf drücken möchten, daß dieser Schritt die Einberufung des Sonderausschusses der Dank für in­ternationale Zahlungen auf Grund des TZoungplans ist. Das hat für die Fran­zosen den Borteil, daß dann das Prinzip der Kriegsentschädigung überhaupt nicht angerührt wird, sondern daß alle Lösungsmöglichkeiten s i ch auf d^ie Höhe der geschützten Zah­lungen des Poungplans beschränken müssen, womit also Frankreich erreicht hätte, daß der ungeschützte Teil als ewige Rente für die nächsten beiden Menschenalter weitcrlaufen würde.

Aun wird zwar von Paris aus versichert, daß wir uns an solchen Formeln nicht zu stoßen brauch­ten. Aber frühere Erfahrungen schrecken uns doch, zumal da kein Zweifel darüber bestehen kann, daß auch nach Ablauf des Hoover-Jahrs die deutsche Wirtschaft nicht in der Lage ist, zu zahlen. Im Gegenteil, die Dinge haben sich inzwischen soweit zugespitzt, daß wir vor der Gefahr stehen, auch die Privatschulden nicht mehr verzinsen zu können. Diese Gefahr wird mit dem Ablauf des Stillhalteabkommens Ende Februar akut. Sie ist also die wichtigste Frage. Deshalb wird sie von uns voreingestellt. Wir verlangen dazu eine internationale Konferenz, die sich ganz von selbst auch mit den politischen Schulden wird beschäftigen müssen. Die Bereitwilligkeit, das Stillhalteabkom­men zu verlängern, ist auf der Gegenseite in der Theorie wohl vorhanden, die Pläne aber, wie sie der Belgier F r a n c q u i entwickelt hat, verfolgen doch offenbar das Ziel, die kurzfristigen Schulden langfristig zu machen, 6a,ür aber eine Ga­rantie des Reiches so einzuschalten, daß das Reich eine Ausfallsbürgschaft in Gold auch für die privaten Schulden übernehmen soll. Eine unmögliche Konstruktion, auf die wir uns nicht ein­lassen können. Deshalb ist es notwendig, daß der Wirtschaftsbeirat mit Sachverständigen aus der Dankwelt die Lage besprach und bestimmte Grund­linien ausarbeitete, die Herr von Hoesch Herrn Laval bei feiner Ankunft in Paris als Deutsch­lands Mindestprogramm überreichen kann.

Laval über seine Besprechung mit Hoover.

Heute Landung in Le Havre.

London, 2. Nov. (WTB. Funkspruch.) Der DampferJsle de France" traf heute morgen früh um 1 Uhr in Southampton ein und wird um 9 Uhr in Le Havre erwartet. Mir nisterpräsident Laval äußerte in einem Interview mit einem Vertreter der Associated Preß: Ich freue mich über den persönlichen Erfolg Macdonalds. Ich bin sicher, daß das Ergebnis der engli- fchen Wahlen eine gute Zusammen­arbeit zwischen Großbritannien und Frankreich bedeuten wird. Ich glaube fest, daß die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern ausgezeichnet bleiben werden. Mehr denn je ist direkte Zusammenarbeit zwischen ihnen im Inter­esse der Welt notwendig.

Laval hat sich auch mit verschiedenen französischen Pressevertretern an Bord derJsle de France" unterhalten. Dabei erklärte er, der Bericht über die Washingtoner Ergebnisse sei für die Regierung be­stimmt und könne vorher nicht im einzelnen erörtert werden. Er wolle jedoch jetzt schon betonen, daß Frankreich über seine Sicherheit selbst wachen werde, solange die Völker keine ausreichende Mittel gefunden hatten, um den Frie­den durch eine feste und dauerhafte Einrichtung zu organisieren.. Die Schuldenfrage sei in Washington eingehend geprüft worden. Man habe die Ersetzung des Hoovermoratoriums durch eine Neuregelung auf der Grundlage des Youngp lanes ins Auge

gefaßt. Es sei richtig, daß für die Zeit der Krise und wirtschaftlichen Depressionen eine Neuregelung der zwischenstaatlichen Schulden beschlossen wurde, doch habe man die Bedingungen der Neu­regelung noch nicht festgelegt. Auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten jetzt zum ersten Male der Möglichkeit einer Herabsetzung der französi­schen Schulden grundsätzlich z u g e st i m m t hätten, erwiderte Laval lächelnd, diese Voraussetzung sei keine schlechte Auslegung der amtlichen Verlautbarung.

Der Agentur Havas erklärte Laval vor seiner Ankunft in Frankreich: Als ich abfuhr, gab ich an, daß die Unterredungen, die ich mit dem Prä­sidenten Hoover haben würde, sich weder auf Grund eines Protokolls noch auf Grund eines bestimmten Programms abrollen würden. Bei meiner Rückkehr nach Frankreich kann ich sagen, daß die Aufgabe, die ich übernommen habe, wichtige Folgen haben kann. Die Gegenüberstellung der Ansich­ten der französischen und amerikanischen Regie­rung, die ich mit Präsident Hoover in freier Dis- kussion vorgenommen habe, wird in Zunkunft auf alle Fälle Mißverständnisse vermeiden oder wenig st ens mildern. Dieses Ergeb­nis ist beachtlich, weil nunmehr die französische und die amerikanische Regierung einander besser verstehen werden. Man kann daraus schließen, daß die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Amerika dadurch er­leichtert und gestärkt wird. Ich werde am Dienstag im Ministerrat über meine Unter­redungen Bericht erstatten, und die französische Regierung kann dann darüber befinden, welche praktischen Folgerungen man daraus ziehen kann. Es ist notwendig, daß wir das unvergleichliche Prestige, das Frank­

reich gegenwärtig in der Welt genießt, benutzen, um unsere wesentlichen Interessen zu wahren und den Frieden zu konsolidieren.

Hoesch sprich! morgen mit Laval.

Bringt der Botschafter deutsche Vorschläge mit?

Berlin, 1. Rvo. (TU.) Der deutsche Botschafter in Paris, v o n h o e s ch, der durch feine Besprechun­gen noch am heutigen Sonntag in Berlin zurück- gehalten worden war, ist heute abend n a ch P a r i s zurückgereist, wo er voraussicytlich am Diens­tag eine erste grundlegende Unterredung mit dem französischen Blinisterpräsiden- t e n haben wird. Die Pariser Sonntagspresse spricht die verschiedensten Vermutungen über die angeblichen Absichten der Reichsregierung und die dem Bot­schafter erteilten weisung-n aus. Die Vorschläge Deutschlands würden sich auf die Gesamtheit der Schulden, und Tributfragen erstrecken und eine deutsch-französische Zusammenarbeit zum Ziele haben. Die Reichsregierung widersetze sich der Lin- berusungdesZoungausschufses und sor- dere den beschleunigten Zusammentritt einer internationalen Konferenz. Ls fei sehr fraglich, ob die französische öffentliche Mei­nung einer neuen Herabsetzung der deutschen Schul­den zusiimmen werde. Man müsse wissen, ob Deutsch­land so klug sein werde, nicht nur auf weitere Zah­lungen einzugehen, sondern vonsichausherab- gesehte Zahlungen anzubielen, die in der Form von Sachlieferungen geleistet werden könnten.

Radikale Verwaltungsresorm in Bayern.

Oie neue Notverordnung verfügt Maßnahmen zur Staatsvereinfachung.

München, 1. Nov. (TU.) Die neue Notverord­nung der bayerischen Regierung ist erschienen. Sie bezweckt die Deckung des seit dem Monat August im Staatshaushalt entstandenen neuen Fehl­betrages von vier Millionen Mark. Als erste Notverordnungsmaßnahme ist die mit Wirkung vom 1. Oktober an eintretende E r - Höhung des Schulgeldes an den höhe­ren Lehranstalten von 160 auf 200 Mark jährlich zu erwähnen. Der Staat will damit eine Verringerung der Schülerzahl als Voraussetzung für einen Abbau des zu stark aufgeblähten Mittel­schulwesens erreichen. Den größten Raum in der Notverordnung nehmen die Bestimmungen über die Beamtenbesoldung ein. Hier werden die Maßnahmen, die in der Reichsnotverordnung vom 6. Oktober vorgesehen sind, aus Bayern im wesent­lichen übernommen, soweit dies ohne Schädigung von bayerischen Interessen möglich war. Die Be­stimmungen der Reichsnotverordnung über die Kürzung der hohen Pensionen und über die Anrechnung eines e b e n e i n = kommens auf die Pension sind übernommen worden.

Mit besonderem Interesse hatte man dem Inhalt der Notverordnung hinsichtlich der Staatsver- e i n f a ch u n g entgegengesehen. Hier wird vor allem bestimmt, daß ab 1. April 1932 das Mini­st e r i u m für Landwirtschaft und A r - beit aufgehoben wird. Vom gleichen Termin an wird das O b e r l a n d e s g e r i ch t Augs­burg sowie die Landgerichte Fürth, Neuburg a. d. Donau und Straubing aufgehoben. Bis zum 1. Januar 1933 wird die Zahl der Kreis­regierungen um zwei vermindert. Am

1. April 1932 wird zunächst die Regierung von Niederbayern mit der Kreisregierung der Oberpfalz in Regensburg äufammen ge­legt. Dann wird mit Wirkung vom 1. Januar 1933 ab der Regierungsbezirk von Oberfranken mit demjenigen von Mittelfranken mit dem Sitze in Ansbach vereinigt. Bis zum 1. April 1933 werden 24 Amtsgerichte, acht Bezirksämter, drei Bauamter, zehn Messungsämter und zwölf Forst­ämter und Forstamtsaußenstellen aufgehoben. Von Interesse ist ferner die Bestimmung, daß etatsmäßige Beamte, die das 6 Ö. L e - bensjahr vollendet haben, auf ihren Antrag ohne Nachweis der Dienstunfähigkeit unter Bewilligung des Ruhegehaltes in den dauernden Ruhestand versetzt, werden können, wenn ihr Ausscheiden im Interesse des Be­amtenabbaues liegt.

In einer Erläuterung der Notverordnung führte Staatsrat Schäffer, der Leiter des Finanzministe­riums aus, daß der vorgesehene Abbau von Be­hörden nicht das Ende, sondern der Anfang einer Entwicklung sei. Zusammen mit weite­ren Maßnahmen könne das finanzielle Ergebnis der Behördenumorganisation im Dauerzustand au zwei bis drei Millionen Mark jähr­liche Einsparungen geschätzt werden. Die Regierung sei sich klar, daß mit Behördenumorgani­sation allein die Entlastung des Steuerzahlers von dem allzugroßen Aufwand der öffentlichen Hand nicht erreicht werden kann. Es müsse aber e i n er ft er Schritt getan werden, auch, um in Deutschland ein Beispiel tatkräftiger Sparsamkeits­politik zu geben.

LaMMagswahlen in Mlkienbnrs-Schweim.

Starke Zunahme der Nationalsozialisten. - Verluste der Sozialdemokratie und der bürgerlichen Mitteiparteien.

Schwerin, 2.Rov. (WTB.) Die gestern in Mecklenburg-Schwerin abgehaltenen Amtsver­treterwahlen werden den Amtsversamm­lungen (Landkreistagen) ein völlig verändertes Bild geben. Die Rationalsozialisten haben in allen Aemtern beträchtliche Ge - w in n e zu verzeichnen, die zwischen 20 und mehr als 100 Prozent seit den letzten Reichs­tagswahlen betragen. Die Sozialdemokra- t c n haben in einigen Aemtern biszu40Pro- zen t ihrer Stimmen zum Teil an die Kommunisten, und, wie es nach den vorläufigen Ergebnissen scheint, insbesondere in den Land­bezirken auch an die Rationalsozialisten abge­geben. In einem Fall ist allerdings eine Stim­menzunahme der Sozialdemokraten um 15 Pro­zent zu verzeichnen. Die Zunahme derKom- m u n i st e n ist geringer als man erwartet hat. Sie beträgt in einigen Aemtern zwischen 10 und 25 Prozent. In zwei Aemtern sind nach den vor­läufigen Wahlergebnissen geringe Verluste der Kommunisten festzustellen. Die bürgerlichen Listen haben diesmal auf die Wähler nicht

die von früher gewohnte Anziehungskraft aus- geübt. Die nichtnationalsozialistischen bürgerlichen Parteien und Wirtschaftsverbände, die durchweg in bürgerlichen Einheitslisten zusammengefaht waren, verloren gegenüber den letzten Reichs­tagswahlen 20 bis 70 Prozent ihres Wähler­besitzstandes, und zwar überwiegend an die Na­tionalsozialisten.

Man wird bei dieser Gegenüberstellung berück­sichtigen müssen, daß die Wa hlbeteiligung bei diesen Kommunalwahlen im allgemeinen nicht so stark war wie bei der letzten Reichstagswahl. Eine sozialistische oder etwa sozialistisch-kommu­nistische Mehrheit ist in keinem Amte erzielt wor­den. Mit Ausnahme von zwei Aemtern sind, wenn man die Rationalsozialisten zu der soge­nannten bürgerlichen Seite rechnet, ziemlich starke bürgerliche Mehrheiten entstan­den. So ist z. B. in einem Amt die Zahl der bürgerlichen Amtsvertreter doppelt so groß wie die der Sozialisten und Kommunisten. In zwei Aemtern hat weder das Bürgertum einschließlich der Rationalsozialisten noch die sozialistisch-kom­

munistische Linke die Mehrheit erlangen können. In diesen beiden Aemtern ist Stimmengleichheit vorhanden.

Die Einzelergebnifse.

Es wurden im einzelnen folgende Stimmen ab­gegeben:

Im Amt Malchin: Sozialdemokraten 7606 (bei der Reichstagswahl 10165), Rationalsozia­listen 10 625 (6906), Bürgerliche Einheitsliste 5265 (0), Kommunisten 2839 (2506). Die Mandate: Sozialdemokraten 7, Rationalsozialisten 10, Bür­gerliche Einheitsliste 5, Kommunisten 2.

Amt Parchim: Rationalsozialisten 11388 (7280), Sozialdemokraten 6026 (7857), Kommu­nisten 2680 (2260), Liste für städtische Wähler 1020 (0), Rationale Liste für Stadt und Land 2386 (0). M a n d a t e : 12 Rationalsozial sten, 6 Sozialdem. 2 Kommunisten, 1 Einheitsliste für städt. Wähler und 2 Rattonale Liste für Stadt und Land.

Amt Waren: Sozialdem. 6520 (8386), Ehr.» Soz Volksd. 894 (728), Liste für Stadt und Land 1817 (0), Komm. 2491 (2904), unpolitische Deam- tenliste 659, Rationalsozialisten 9400 (4985).

Amt Güstrow: Soz. 8093 (9388), Kom. 3003 (2704), Ratsoz. 10 501 (4867). Bürger!. Einheits­liste 2771 (0), Mecklenburgische Heimatliste 693. Mandate: 8 Soz., 3 Komm., 10 Ratsoz., 2 Bürgerliche Einheitsliste.

Amt Hagenow: Sozialdemokraten 9212 (7959), Kommunisten 2189 (2199), Rationalsozia­listen 9767 (4766), bürgerliche Einheitsliste 3914 (0). Mandate: 8 Sozialdemokraten, 2 Kommu­nisten, 8 Rattonalsozialisten und 3 bürgerliche Ein­heitsliste.

Amt Schwerin: Rationalsozialisten 7888 (3644), mecklenburgische Heimatliste (bürgerliche Einheitsliste) 2188 (0), Kommunisten 719 (607). Sozialdemokraten 5424 (6589). Mandate: Ra- ttonalsozialisten 9, mecklenburgische Heimatliste 2, Kommunisten 0 und Sozialdemokraten 6.

Amt Ludwigslust: Kommunisten 2279 (1872), mecklenburgischer Bauernverein 1135 (0), Sozialdemokraten 7027 (6882), Liste für Handel, Handwerk und Beamte 2263 (0), Rationalsozia­listen 8040 (6882), Landvolkliste 2188 (0). Man­dates Kommunisten, 1 mecklenburgischer Bauern­verein, 6 Sozialdemokraten, 2 Liste für Hand­werk, Handel und Beamte, 7 Rationalsozialisten und 2 Landvolk.

Amt Rostock: Sozialdemokraten 7175 Stim­men (7 Sitze), Kommunisten 2388 (2 Sitze), Ra­ttonalsozialisten 11 638 (11 Sitze), Beamte 1282 (1 Sitz), Rationale Wirtschaftsliste 4473 Stimmen (4 Sitze).

Blutige Zusammenstöße am Wahltage.

Schwerin, 1. Rov. (TLl.) Bei den Wahlen in Doberan kam es zu schweren Zusammen­stößen. Als sich ein Trupp Rationalsozia- l i st e n in der Rächt auf Sonntag von einer Ge­burtstagsfeier nach Hause begab, wurden sie unterwegs von drei Kommunisten ver­folgt. Es kam in einem dunklen Weg zu einem Handgemenge. Ein Rationalsozialist namens - bete wurde von zwei Kommunisten nieder­geschlagen. Es gelang ihm, seinen Revolver zu ziehen, doch schoß er sich dabei zunächst s e l b st ins Dein. Die beiden anderen Schüsse, die er ab­gab, trafen die beiden Kommunisten. Der eine erlitt einen Bauchschuß, so daß er auf dem Transport in das Rostocker Krankenhaus starb. Der andere Kommunist wurde durch den Schuh sofort tödlich verletzt. Gädeke muhte gleichfalls ins Rostocker Krankenhaus überge­führt werden. In Bad Sülze kam es zu Zusammenstöhen zwischen Rationalsozialisten und Kommunisten aus der pommerschen Rachbarstadt Tribsees. Es gab mehrere Verletzte. In R i b - n i tz wurde ein Rationalsozialist von einem po­litischen Gegner niedergestochen.

Die Ostsiedlung.

Neichsmmister Treviranus fordert Rück­wanderung aus dem Westen.

Essen, 1.Rov. (WTB.) Auf einer Arbeits­tagung der Volkskonservativen Ver­einigung der Westmark äußerte sich Reichs­minister Treviranus zur Siedlungsfrage. Er er­wähnte zunächst, daß der Plan der Reichsregie­rung für die Erwerbslosensiedlung in völlig verzerrter Form in die Öffentlichkeit ge­drungen sei. Es sei die falsche Auffassung ent­standen, als dächte die Reichsregierung daran, Erwerbslose auf zwei bis vier Morgen Land anzusetzen und sie als Zwergbauern einem ungewissen Schicksal zu überlassen. In Wirklich­keit habe die Regierung nur daran gedacht, den D a uererwerbslosen eine zusätzliche Hilfe f ü r den Lebensunterhalt zu bie­ten. Als wirksame Hilfe für das rheinisch-west­fälische Industriegebiet, in dem die Verhältnisse ganz anders gelagert seien als in anderen deut­schen Bezirken, käme nur eine großzügige Aus­siedlung in Frage, und zwar nach dem Osten, wo Land in Hülle und Fülle an- geboten werde. Bei der Erörterung der Beschaf­fung von Wohnungen sei ihm ein Plan zur Prüfung vorgelegt worden, wonach ein Sied­ler haus 2 055 Mark kosten solle. Der Minister meinte, daß das ein annehmbarer Preis sei und man hierbei mit einem Reichszu - schuß von 2000 Mark rechnen könne. Solle das Werk der Ansiedlung gelingen, dann müss? man primitiv anfangen. Die dem Staate gegenüber eingegangenen Verpflichtungen müßten erfüllt werden. Hauptzweck aller Siedlung sei die Bildung neuen Eigentums. Die An-