Oberheffen.
Gemeinderat in Büdingen.
I Büdingen, 1. Ott. Zur Fortführung des Feldbereinigungsverfahrens werden weitere 50 000 Mark als Darlehen ausgenommen. Der Gemeinderat lehnte es ab, für die am I. Oktober fällig werdenden Zins- und Tilgungsraten den Fonds der Wasserleitung und des Kanals in Anspruch zu nehmen, und überließ es der Bürgermeisterei, die ihr notwendig erscheinenden vorsorglichen Maßnahmen zu treffen. — Die Ausführung der Arbeiten amKlär- b e d e n wurden mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit zurückgestellt. — Dem Antrag der Finanzkommission auf Entnahme von Kredit aus dem Reservefonds für eingestellte Hilfskräfte auf der Bürgermeisterei wurde entsprochen. — Die Eingabe des Bürgermeisteramts Rockenhausen auf Gewährung einer Spende für Hochwassergeschädigte m-ßte tot gen Mangels an Mitteln abgelehnt werden. Bon einzelnen Gemeinderatsmitg^iedern tour e darauf hin- aewiesen, daß in letzter Zeit Arbeitsverge- oungen im Fe l d b e r e i n i g u n g sv ersah r e n fast ausschließlich an auswärtige Unternehmer erfolgt seien. Der Gemeinderat ersuchte deshalb den Bürgermeister, bei der Feldbereinigungskommission darauf hinzuwirkcn, daß einheimische Bewerber mehr Berücksichtigung finden.
Sängerbund „Hütienberg-Schiffenberg."
* Kirchgöns, 1. Ott. Am Sonntag hielt der Oberhessische Sängerbund seine diesjährige Herb st Versammlung in Kirch-Göns ab. Durch einstimmiaen Beschluß wurde zunächst nach einer längeren Aussprache der Name Sängerbund „Hüttenberg-Schiffenberg" ge. wählt. Dem Bunde gehören zur Zeit zwölf Vereine mit nahezu 700 Sängern an. Da diese Vereine teils in der Nähe des Schiffenbergs und teils im Hüttenberg liegen .fand der neue Namen allgemeinen An- klang. Die Tagung wurde von dem Bundesvorsitzen, den 21. Müller (Lang-Göns) geleitet. Der vom Borstand erstattete Bericht über das im Jahre 1931 stattgefunde Bundessingen ließ erkennen, daß diese Veranstaltung einen vollen Erfolg bedeutete. Das Bundessingen für 1932 wurde dem Gesangverein „Germania" Großen Linden übertragen. Zu der Ver- sammlung waren auch einige dem Bunde noch fernstehende Gesangvereine eingeladen worden. Durch zusagende Erklärungen hinsichtlich des Beitritts hat der Bund weiterhin an Ausdehnung gewonnen. Als Tagungsort für die im nächsten Frühjahr stattfindende Generalversammlung wurde Butzbach gewählt.
Gau-Sängeriag des Ohm-Lumdaial-Sängerbundes.
•w Nieder-Gernünden, 29. Sept. Arn Sonntag fand in der Gastwirtschaft Schäfer die ordentliche Hauptversammlung des 0 hm - Lumdatal-Sängerbundes statt. Der Gesangverein „Eintracht"-Rieder-Gemünden (Dirigent Lehrer Loh) begrüßte die Delegierten der Vereine mit dem Sängergruß und einem Chorlied. Der Gauvorsihende Decker- Kefselbach eröffnete hierauf die Tagung. Bon 27 Gauvereinen hatten 23 Vertreter entsandt. Der Bund zählt insgesamt rund 900 Mitglieder. Leider muhte die Feststellung gemacht werden, daß die Zahl der aktiven Sänger zugunsten des passiven Mit- gliederstand.s zurückgegangen ist. Der Vorsitzende erstattete sodann Bericht über die Provinzial- fängi -agung in Gießen. Die Kasse des Bundes wies einen erfreulichen Stand auf und wurde in bester Ordnung befunden. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Im weiteren Verlauf der Versammlung beschäftigte man sich mit dem Thema: Beitragsermäßigung. Die Anträge zweier Vereine um Deitragserlah bzw.
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irbelsturmkatastrophe in Honduras.
Verwüstungen in der Stadt Belize (Britilch-Honduras), die vor kurzem von einem furchtbaren Wirbelsturm, verbunden mit einer starken Springflut, schwer betroffen worden war. Die Naturkatastrophe forderte mehr als 1000 Opfer.
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Beitragsermähigung mußten abgelehnt werden, dagegen wurde in einer Entschließung an den Hessischen bzw. Deutschen Sängerbund eine allgemeine Beitragsherabsehung angeregt. Die Vorstandswahl fand durch die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes ihre Erledigung. Für den durch Wegzug ausscheidenden Lehrer Conrad wurde Sangesbruder Schwefel- Weitershain gewählt. Eine längere Aussprache galt dem im nächsten Iahre bestimmt abzuhaltenden Wertungssingen, das mit dem G a u f e st zusammen stattfinden soll. Zur ülebernahme der Veranstaltungen lagen Gesuche vom Gesang-Verein „Eintrachf'-Rieder- Ohmen und von der Sängervereinigung Merlau vor. Die Versammlung wählte Merlau als Festort. Rach der Erledigung einiger Anfragen wurde die Tagung mit dem Sängergruh geschlossen.
Prämiierungsmarkt in Hungen.
1. Hungen, 1. Ott. Anläßlich des jüngsten Viehmarktes fand auch eine Prämiierung statt. Bei diesem Wettbewerb wurden folgende Besitzer bzw. Züchter mit Preisen ausgezeichnet:
hessisches Fleckvieh (Simmentaler).
Bullen, ältere und jüngere (A — Anerkennung): 2. Preise: Gemeinde Langsdorf (zweimal); Karl Vogt I., Lich und W. Bausch, Reichelsheim. 3. Preise H. Koch, Trais-Münzenberg und Rich. Raumann, Berstadt. A.: H. Emmel II., Berstadt und R. Iockel IL, Hungen.
Aeltere Kühe. 1. Pr.: W. Bausch, Reichelsheim. 2. Pr.: K. H. Albohn, Lich und Karl Ludwig, Albach. 3. Pr.: F. Hofmann, Steinheim, W. Bausch, Reichelsheim F. Hofmann III., Steinheim und O. Köhler I., Langsdorf. QL: K. Ehr. Wolf Lich. Weggebühr: H. Köhler III., Langsdorf und K. Rathes, Lich.
Jüngere Kühe: 1. Pr.: K. L. Albach, Lich. 2. Pr.: F. Bommersheim, Langsdorf, H. Steuer
nagel Rieder-Dessingen. A. Hofmann, Langsdorf und K. Ehr. Wolf ßid>. 3. Pr.: O. Drück, Langsdorf, K. Hch. Albohn, Lich und O. Köh'er l., Langsdorf. QI.: K. Chr. Wolf, Lich, Hch. Schiel, Langsdorf, K. Rathes, Lich und F. Hofmann, Steinheim. Weggebühr: K. Hch. Albohn, Lich und O. Sch ar- mann 1., Steinheim.
Kalbinnen: 1. Pr.: W. Bausch, Reichelsheim. 2. Pr.: QI. Hofmann, Langsdorf und Hch. Schielt., Langsdorf. 3. Pr.: O. Zimmer I., Villin- gen und L. Weber und Hch. Schmidt I., beide aus Langsdorf.
Jüngere Rinder: 1. Pr.: St RatheS, Lich.
2. Pr.: Hch. Steuernagel, Rieder-Bessingen und F. Hofmann III., Steinheim. 3. Pr.: W. Bausch, Reichelsheim und Hch. Köhler III., Langsdorf. QL: OB. Bausch, Reichelsheim, L. Weber, Langsdorf, K. Rathes, Lich, K. Hch. Albohn, Lich, O. Köhler L, Langsdorf und O. Scharmann, Steinheim.
Vogelsberger Vieh.
Bullen: 1. Pr.: K. Keblowsky, Rieder-Des- fingen. Weggebühr: 3. Groh, Wohnfeld.
Kühe, ältere: 3. Pr.: R. Reih, Obbornhofen und W. Schwarz, Utphe. Weggebühr: O. Keiber II., Dillingen.
Kühe, jüngere: 1. und 2. Preis: Karl Keblowsky, Rieder-Bessingen. 3. Pr.: W. Steeg, Dillingen. Weggebühr: W. Schwarz, Utphe und L. Alles, Lich.
Kalbinnen: 1. Preis: W. Fach, Rieder- Dessingen.
Jüngere Rinder: 1. und 2. Preis: Karl Keblowsky, Rieder-Bessingen. 3. Preis: L. Alles, Lich.
Familie (Hessisches Fleckvieh, Simmentaler):
E.-Pr.: W. Bausch, Reichelsheim. 1. Pr.: F.
Hofmann III., Steinheim. 2a-Pr.: O. Köhler I Langsdorf. 2b-Pr.: K. Hch. Albohn, Lich. 3a-Pr.: K. Rathes, Lich. 3b Pr.: F. Bommersheim, Langsdorf.
Familie (Vogelsberger Vieh): 1. Preis: Karl Keblowsky, Rieder-Bessingen.
Landkreis Gießen.
u. Klein-Linden. 1. Okt. Der Schützen- kl u b „Roland" hielt am Sonntag unter starker Beteiligung seiner Mitglieder jein diesjähriges Abschieden, verbunden mit Königs, und Ehrenscheibenschießen, ab. Schützenkönig wurde Wilhelm Weigel mit 56 Ringen bei fünf Schuß auf die Zwölferringscheibe. Ferner wurden noch Ehrenscheiben geschossen von Friedrich Stein, Wilhelm Pfaff, Albert Klein und Wilhelm Müller. Abends fand im Vereinslokal eine kleine Feier statt, bei der der 1. Vorsitzende, Friedrich Stein, die Ansprach- hielt, dem Schützenkönig das Königszeichen überreichte und die Verteilung der Ehrenscheiben vornahm.
£ Wieseck , 1. Okt. Der Personenverkehr zwischen Gießen. Wieseck und Alten-Buseck, den seither die Kraftverkehrs-Gesellschaft ,^)es- s e n" betrieben hat, ist am 1. Oktober von der R e i ch s p o st übernommen worden. Die Autvlinie Gießen—Wieseck wurde, wie bekannt, im Dezember 1925 durch die Gemeinde Wieseck eröffnet und ging später bei Erweiterung der Linie nach Alten-Buseck an den Zweckverband Wieseck-Alten-Buseck über. Die Kraftverkehrs-Gesellschaft „Hessen" hatte den Auto- betrieb im Jahre 1929 vom Zweckoerband übernommen. Nun hat nach Jahren der Weg zur Reichs- post geführt, der von einigen Bürgern im Jahre 1925 bereits vorgeschlagen und gewünscht war.
* Staufenberg, 2. Okt. Der Turnverein Staufenberg, der in diesem Jahre auf ein 32jähriges Bestehen zurückblicken kann und sich allzeit als sehr rührig erwies, veranstaltet am kommenden Sonntag auf der Burg Staufenberg sein QI 6 t u r n e n. Der Verein hat bisher insbesondere in den Laufwettbewerben sehr gut abgeschnitten, so daß auch am Sonntag ansprechende Leistungen zu erwarten sein dürften. "Näheres in der heutigen Anzeige.
+ Lauter, 1. Oft. Bei der Gemeinde- Oostversteigerung wurden für Tafelobst 2 bis 3 Mark, für Wirtschaftsobst 1 bis 1,50 Mark und für Kelterobst 0,20 bis 0,30 Mk. pro Zentner am 'Daum erzielt. Die Gesamteinnahme betrug 460 Mark und blieb gegen Vorjahre, wo 2000 bis 3000 Mark erlöst wurden, weit zurück.
s. Utphe, 1. Oft. Dieser Tage feierte einer unserer ältesten Einwohner, der Landwirt 3ohS. Dornmann, im Kreise seiner Familie seinen 8 6. Geburtstag. Der Greis erfreut sich noch geistiger und körperlicher Rüstigkeit und ist feinen Söhnen noch bei landwirtschaftlichen Arbeiten behilflich.
s. Aus dem mittleren Horlofftal, 1. Oktober. Die Kartoffelernte ist in allen Dörfern unserer Gegend in vollem Gange. Dia Ernteergebnisse sind, besonders bei rauhschaligen Sorten, sehr gut und bewegen sich zwischen 80 und 120 Zentner je Rormalmorgen, während empfindlichere 3nbuftriejorten durch den häufigen Regen bereits stark unter Fäulnis gelitten haben. Unter den Speisekartoffeln dürfte sich in diesem 3ahr »Edeltraud" am besten bewährt haben, die gegen Rässe widerstandsfähiger ist. Das Aus- karsten hat sich allmählich ganz überlebt. Kleinere "Bauern pflügen die Kartoffeln aus, während Wohlhabendere immer mehr Kartoffelerntemaschinen anschaffen. Während in früheren Jahren ein großer Teil der Kartoffelernte vom Acker weg berfauft wurde, hat in diesem Jahre der Handel noch gar nicht eingesetzt. Die Preise, ' >e sich sehr zögernd bilden, bewegen sich noch unter den vorjährigen. Ebenso niedrig find die Schweine- Preise. Fettschweine kosten 50 bis 52 Pfennig ab Stall. Für sechswöchige Ferkel werden 10 bi- 12 Mark bezahlt. Hier und da sind sie sogar für 8 Mark verkauft worden.
Kreis AlSfeld.
* Kirtorf, 1. Ott. Am vergangenen Sonntag fand hier — veranstaltet vom Kreisobsl- bauverein Alsfeld und dem Land- w i r t s ch a f t s k a m m e r - A u s s ch u ß G e- hen — eine große Obstausstellung statt. Ramhafte Summen standen für die Preisvertei-
Wenn LAerrMerr auseinandevgehn
Vornan von 3- Gchneider«Foerstl
Urheberrechtsschutz Verlag O. Mei st er, Werdau.
I. Fortsetzung. Nachdruckverboten.
Szengeryis Schultern senkten sich. Dasselbe Stöhnen wie vorher kam wieder aus seinem Munde: „Herr Professor ..."
„3a, mein Lieber."
„Ich..."
„Run?"
„Geben Sie mir — wenn wir zurückkommen — Rosmarie Aur Frau."
Töröks Gesicht zeigte wortlose "Verblüffung. Erst nach Sekunden hatte er sich so weit gefaßt, daß er sprechen konnte. „Das hättest du besser nicht gesagt, Dela. Wir wollen es beide vergessen. Eine schmale Falte des Unwillens stand zwischen seinen "Brauen eingegraben.
Szengeryis Wangen waren blaß. „Ich bin Ihnen nicht willkommen?"
Török wiegte abwehrend den Kopf. „Qlur ruhig Blut, mein Lieber. Hnb schieb mir keine Gedanken unter, die ich nicht trage. Du weißt, was du mir giltst. Aber das hat mit dem andern gar nichts zu tun.“
Szengeryis Hände hoben sich nervös. „Ich bin sechsundzwanzig Iahre, Herr Professor! Sie kennen mich seit meinen Kindertagen. Es ist das zweitemal, daß ich mit Ihnen reife. — "Wenn ich zurückkomme, bin ich neunundzwanzig, und Rosmarie ist bann achtzehn."
Török nickte. „Weißt du denn, was alles fein wird, wenn du zurückkommst? Rosmarie ist jetzt noch ein Kind! In drei Iahren ist sie ein reifes Weib. Fragst du sie heute, ob sie dich zum Manne haben will, wird sie mit einem Lachen die Arme um dich werfen und dich küssen, wie sie mich zu küssen pflegt. Fragst du sie in drei Iahren — weißt du, was sie dann für eine Antwort für dich hat?"
Szengeryis Kopf sank entmutigt auf die Druft.
„Du mußt warten können, Dela."
„Ich habe sie lieb", gestand der junge Mann.
Der Professor sah, wie des Iungen Augen überliefen. Väterlich gütig legte er ihm die Hand auf den Arm. „Wenn ich geahnt hätte, wie es um dich steht, würde ich euch beide nicht so lange unter einem Dache haben zusammenleben lassen."
Sze'-aeryi warf die Achseln zurück. „Ich habe nie etwa - anderes als ein Kind in ihr gesehen. Seit e..ngen Wochen erst ..."
Török nickte gläubig. „So ist das immer, mein Lieber. Aber nun gehst du ja. Sonst hätte ich Rosmarie in eine Pension gegeben."
»Ich wäre selbst gegangen, Herr Professor."
- Erreg dich nicht unnütz, mein Iunge. Für den Moment kann ich dir nur das Eine sagen: Wiederhole deine Werbung, wenn wir zurückkommen. Es könnte ja auch sein, daß dir unterwegs eine andere in die Arme läuft, die Rosmaries Bild ein für allemal aus deinem Herzen verdrängt."
„Rie!"
In Töröks Augen stand ein mitleidiges Lächeln. „So sagt man immer, Bela. Es wiederholt sich alles im Leben! — Es wäre lächerlich, wenn du dich jetzt an ein Kind binden wolltest, oder umgekehrt das Kind an dich. Hnb von mir wäre es geradezu eine Unverantwortlichkeit, wenn ich so etwas duldete."
„Und wenn sie — einen andern genommen hat, bis ich zurückkomme?"
„Dann hat sie dich eben nicht geliebt, mein Iunge!" Török sah teilnehmend in Szengeryis Gesicht. Schweigend gingen sie zusammen den Rain entlang. Unter dem Blätterbach ber "Bäume, bie an ben Ränbern ber Felber standen, glänzte ein flackerloses Licht in bas Dunkel ber Steppe.
„Mach bem Kinbe den Abschied nicht schwer und sehe ihm keine Grillen in ben Kopf", warnte Török. „Rosmarie würbe bich nicht verstehen. Man soll nicht mit Gewalt etwas zur Reise bringen, was noch im Werben ist."
Szengeryi nickte ergeben. Er verhielt ben Schritt und reichte Török bie Hanb.
Der Professor hielt bie kalten Finger eine Weile fest. „Du kommst noch nicht? Dann wollen wir mit bem Qlbenbbrot warten, bis bu zurück bist."
Der junge Mann wehrte erschrocken. „Bille nicht! In spätestens einer Stunbe bin ich zu Hause."
„Also auf Wiebersehen, mein Iunge!"
Szengeryi stanb unb horchte mit verhaltenem Atem auf ben raschen Schritt, ber sich entfernte.
Lautlos lehnten sich bie schweren Halme rci- fenben Getreibes gegen seinen Körper. Die übervollen Aehren schmeichelten um fein blutleeres Gesicht unb streichelten ihm bie Stirne.
Er trat in bas Feld, bis die goldenen Wogen ihn wie ein Mantel umhüllten. Mit zuckenden Findern griff er in die samtene Flut.
Er liebte!
Taumelnd streckten sich seine Hände ins Leere. Als sie wieder herabsanken, sah er auf sie nieder, wie auf etwas Unwirkliches, das nicht ihm, sondern einem anderen gehörte.
Roch nie hatte sein Blut gesprochen, hatten seine Arme ein Weib umfangen. — Und nun war es ein Kind, nach dem er verlangte!
Und dieses Kind hatte vor Iahren schon davon gesprochen, daß es sein Weib werden wolle. Und er hatte „Rein" gesagt.
Seine Finger griffen in die Halme und Hämmerten sich daran fest. Aus nächster Räbe klan
gen nun wiederum die Töne der Geige, die jauchzend den Himmel herab zur Erde rissen:
„Gute Rächt, lieber Schah ..."
Szengeryi horchte, ließ die Halme los, teilte das wogende Meer und rannte hindurch. Hunderte von Halmen knickten unter seinen Füßen zusammen. Er achtete es nicht.
Keuchend stand er vor dem Garten, über dessen Hecke nun eine verträumte Melodie klang.
Mit einem Sah hatte er den Weißdorn übersprungen.
„Guido!"
Horvath warf das Instrument In das Gras unb umfaßte ben Körper des Freunbes an den Hüften. „Dir sieht das Abschiedsweh aus ben Augen. Armer Kerl! Wenn es bir so schwer fällt, warum bleibst du nicht?"
„Cs ist mir noch nie so schwer gefallen."
Guido Horvath suchte in Szengeryis Gesicht zu lesen, und dieser wiederum versenkte sich ganz in die Gestalt des Freundes. Er sog jeden Zug dieses schönen Antlitzes in sich ein. Es war ein wundervoll ausgeglichenes Oval. Heber den nacht- chwarzen Augen standen die Brauen in vornehmer Wölbung und darüber eine Stirne, deren mattes Weiß von seidigem Haar in dunkelstem "Braun überschattet wurde. Kühn geschwungen, aber mit Lippen, so weich wie die einer Frau, saß der Mund zwischen den mattgetönten Wangen. Sein Rot leuchtete in feuchtem Schmelz darunter hervor.
Szengeryi streckte die Schultern und erreichte knapp bie imposante Gestalt bes Geigers, bessen schlanker Körper nur von einem blusigen Hemb in bastfarbener Selbe unb von einem Beinkleid aus gestreiftem Flanell bekleidet war.
Horvath ertrug dieses An starren nicht länger. Mit einem Lachen drehte er sich auf den Absätzen und stand dann mit verschränkten Armen
^„QMft du nur gekommen, um mich anzusehen.
„Ich wollte dich um etwas bitten."
-Im Vornherein gewährt, und zwar alles — außer meiner Geige, Sie ist das einzige, was mir nicht feil ist."
„Ich wollte — ich möchte — ich würde dich bitten, Guido ...“ würgte Szengeryi.
-Run, mein Lieber?" Der Künstler stand noch immer mit verschränkten Armen und drängte gewaltsam ein Lachen zurück.
-Hast du schon einmal geliebt, Guido?"
-Hm! — Ich glaube.“ Horvaths Schullern zuckten in Beherrschung.
„Oefter als einmal?"
Ein Achselzucken. „Weshalb fragst du? Interessiert dich das?"
„Ich wollte dich bitten, Guido, daß du mir sie — nur sie nicht wegnimmst."
„Wenn ich nicht weih, um wen es sich handelt, kann ich dir doch kein Versprechen geben, Dela."
„Cs ist Rosmarie Török.'"
Horvath lächelte. „Das Kind!"
„Sie geht in ihr Fünfzehntes!"
Der Geiger schüttelte mißbilligend den Kopf. „Das ist vernunftlos. Du hättest dir ebenso gut ein Steckkissenbaby als Liebste aussuchen können. Ist sie denn schon so reif, daß du mit ihr darüber sprechen kannst?"
„Sie weiß es nicht. Qlber wenn ich zurückkomme, werde ich sie fragen."
„Wenn du zurückkommst ..." Horvath hatte sich auf eine Bank gesetzt und zerpflückte den Ast des Strauches, der ihm über bie Schulter hing.
„Du läßt sie mir, Guibo?" Es war eine rüh- renbe "Bitte.
„Erlaube, Bela, baß ich bie Frage komisch finbe. Angenommen, ich lerne sie lieben — und sie will mich nicht? Was hilft mir bann all mein Begehren?"
„Dich liebt doch jede."
„Horvath hatte ein abweisendes Lächeln um den Mund. „Das ist ja sehr schmeichelhaft", sagte er gleichmütig. „Wie viele haben mir das nicht schon gesagt und geschrieben! Aber ich bin noch an keiner hängen geblieben. Ich glaube, ich tauge nicht für die Ehe, es müßte denn sein, daß ich liebe, liebe bis zum Gipfelpunkt der Raserei. 3a, dann wäre es vielleicht möglich, daß ich meine Freiheit opferte. — Aber sonst? — Olein!"
Seine Brust wölbte sich. Er dehnte die Arme und ließ den Kopf zurück gegen den Stamm eines Baumes gleiten.
„Fühlst du Denn kein Mitleid mit all ben Frauen unb Mäbchen, die dir ihr Herz schenken?"
„Mitleid?" Horvath blickte erstaunt zu Szengeryi empor. „Du sprichst wie ein Kind. 3ch fordere doch keine auf, mir nachzurennen. Cs ist mir zuweilen lästig genug, bu Darfst es mir glauben, wenn sie immer hinter mir brein sind. Eie sollen mich in Ruhe lassen. 3ch liebe nur meine Kunst."
Er sprang auf, faßte Szengeryi um die Hüfte, schrill mit ihm den Weg entlang nach der Lücke, die die Zäune ließen, und trat mit ihm hinaus In die mondbeschienene weite Ebene.
Horvaths Gang war Harmonie und Rhythmus. Sein Schritt war Melodie. Etwas nach rückwärts geneigt, lag sein mattgebräuntes Gesicht der vollen Scheibe des Nachttrabanten zugekehrt. Die Lippen, wie vom Griffel eines Künstlers gezogen, standen leicht geöffnet:
„3ch habe manchmal solche Sehnsucht, Dela! Solche Sehnsucht!"
Szengeryi schrak zusammen. Genau so hatte Rosmarie kürzlich einmal gesagt, ganz genau so.
„Wonach?" fragte er unsicher.
»3ch weiß es nicht." (Fortsetzung folgte


