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Spielwaren bleiben klein und sind aus zugkräftige, preiswerte Neuheiten beschränkt. Aus dem technischen Gelände erweist sich die St» finderschau wieder als eine wichtige Keimzelle brauchbarer technischer Neuheiten. Die Son- oerschau über Arbeitssitz und Arbeitstisch ist dauernd gut besucht.
• Die Konkurse im August. Nach Mitteilung deS Statistischen NeichSamtS wurden im August durch den Neichsanzeiger 1C65 neue Konkurse — ohne die wegen Masiemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 607 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für 3uh stellten sich auf 1013 bzw. 657.
• D i e NeichSinderziffer für die Lebenshaltungskosten im August. Die NcichSinderziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung. Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen deS Statistischen Reichs- amteS für den Durchschnitt deS Monats August auf 134,9 gegenüber 137,4 int Bormonat. Der Rückgang beträgt somit 1,8 Prozent. An dem Rückgang ist hauptsächlich die Dedarfsgruppe Er
nährung beteiligt. SS sind zurückgegangen bie Indexziffern für Ernährung um 33 Prozent auf 126,1. für Bekleidung um 1,0 Prozent aus 137.5, für sonstigen Bedarf um 0,2 Prozent auf 184.7. Die Indexziffer für Heizung und Beleuchtung ist mit 146.1 nahezu unverändert geblieben; die Indexziffer für Wohnung hat sich nicht verändert. In der Indexziffer für Ernährung wirkten sich besonders die starken Preisrückgänge für Kartoffeln und Gemüse aus. die dutth leichte Preiserhöhungen. hauptsächlich für Schweinefleisch. Speck, Milch, Butter und Ster, nur z T ausgeglichen wurden.
e Auslosung derAnleiheablösungS- schuld deS Reiches. Die diesjährige Auslosung der AuslosungSrechte der Anleiheablösung-schuld deS Deutschen Reichs wird am Montag, 12. Oktober, stattfinden. Für 100 Mk. Nennwert (mit 500 Mk Auslofungsbetrag) gelangen im Falle der AuSlofung am 31. Dezember 1931 (unter Zuwachs der aufgelaufenen Zinsen von 27 Prozent) 635 Mk. ohne jeden Abzug zur Auszahlung. Die Einlösung erfolgt durch die Rcichs- fchuldcnkasfe in "Berlin SW 68, Oranienstr. 106 109. AuSwärtS wohnende Eigentümer ausgeloster Stücke können die kostenfreie Dermittlung der ReichSbankanstalten in Anspruch nehmen.
Reichsbankdiskoni 8 Prozent
Lombardsah 10 Prozent.
Berlin, 1. Sept Die Reichobank hat mit TDlr- fung oom Mittwoch, dem 2. September, den Diskontsatz von 10 auf 8 o. h. und den Lombard f a h von 12 auf 10 o. h. herabgesetzt.
Oie Begründung
der Diskontsenkung führt u. a. aus: Der Status der Reichsbank hat sich im Lause des Monats August im Sinne fortschreitender (Entlüftung entwickelt. Die Anlagen der Reichsbank, die am 7. August noch 3849 Mill. Mark betragen holten, erfuhren bis zum 22. August eine Verringerung um 695 Mill. Mark. Die rückläufige Bewegung letzte sich auch in der letzten Auguslwoche zunächst noch fort; erst oom 28.August ab zeigte sich infolge des einsetzenden Ultimobebarffl wieder eine Zunahme. (Eine etwa gleichartige Bewegung halte der Note n u m l a u | auszuweisen, der seinen niedrigsten Stand am 26. August mit etwa 3956 Mill. Mark erreichte. Die täglich fälligen Verbind« lichkeiten erfuhren bis zum 25. August eine Zunahme auf rund 600 Millionen; erst oom 28. August ab überwogen die Abzüge. Schon heute ist erkennbar, daß die llltimobelaftung der Bank, deren genaue Ziffern im Augenblick noch nicht vor- liegen, sich in durchaus gemäßigten Grenzen gehalten hat. Insbesondere überschreitet der Notenumlauf mit etwa 4380 Millionen in keiner Weise das übliche Maß. Die Deckung der No- t e n durch Gold und deckungsfähige Devisen wird etwa 39,3 v. ch. betragen gegenüber 36,1 v. ch. Ende Juli.
Der Reichsbankpräsident gab ferner der Der- fammlung davon Kenntnis, daß die Reichsbank bestrebt ist, ihre
wiederhergestellte Kreditbereitschaft tunlichst weiten Mirtschaftskreisen zugute kommen zu lassen.
Vor einigen lagen ist ein besonderer Runderlaß an alle Reichsbankanstalten ergangen, in dem darauf hingewiesen wird, daß jetzt jeder gute chan - dclswechsel, der als reichsbankfähig anzuerkennen ist, bei der Reichsbank voll Unterkunft finden könne. Außerdem sind Besprechungen mit den Banken usw. ausgenommen, die die Schaf-
fung erweiterter D e r w e r t u n g s Möglichkeiten für gute Warenwechsel zum Ziele haben. Von größter Wichtigkeit hierfür ist, daß chandel und Gewerbe durch Bereitstellung eines geeigneten Materials von auf Güterumschlägen basierenden Wechseln ihren Banken die Möglichkeit geben, einen tunlichst großen Teil der gegenwärtig von ihnen bei den Banken in Anspruch genommenen ftonto-Äorrent-ftTebile in Diskontkredite für Han- delswechsel umzuwandeln.
Oie Reichsbanl am Ultimo August.
(Letzte Nachricht.)
Berlin, 2. Sept. (WTB. Funkspruch.) Nach dem' Ausweis der Reichsbank vom 31. QI u g u ft 19 31 hat sich in der Ultimowoche die Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Scheck-, Lombards und Effekten um 096,4 Millionen auf 345,0 Millionen Mark erhöht. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und Schecks um 149,5 Millionen auf 3101,0 Millionen Mark und die Lombardbestände um 108,5 Millionen auf 207,6 Millionen zugenommen. Reichsschatzwechsel, von denen am Ende der Borwoche keine Bestände vorhanden waren, werden mit 38,4 Millionen Mark angegeben. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 356,2 Millionen Mark in den Verkehr abgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 334,0 Millionen auf 4383,8 Millionen Mark, derjenige an Rentenbankscheinen um 22,2 Millionen auf 420,0 Millionen Mark erhöht. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbank- scheinen auf 7,6 Millionen Mark vermindert. Die fremden Gelder zeigen mit 508,6 Millionen Mark eine Abnahme um 23,9 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 42,6 Millionen auf 1722,3 Millionen Mark erhöht. Im einzelnen haben die Goldbestände um 220 000 auf 1366,1 Millionen Mark, die Bestände an dcckungsfähigen Devisen um 42,4 Millionen Mark auf 356,2 Millionen Mark zugenommen. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 39,3 Prozent gegen 41,5 Prozent in der Dorwoche.
Oie Hefrag im Jahre 1930.
DaS Geschäftsjahr 1 930 des Braun- kohlen-Schwcl-Kraftwerks Helfen- Frankfurt AG. (Hefragi in Wölfersheim hat fein besondere- Gepräge durch den Erwerb der Aktien der Gesellfchaft durch die P r c u- bische Elektrizitäts-AG. DaS Aktienkapital der §cf rag wurde durch den Beschluß der Generalversammlung am 26. Februar 1930 von 3 Mill. Mk auf 10 Mill Mk. erhöht. Die früheren staatlichen Braunkohlenbergwerke in Wölfersheim wurden leitens der Prcag vom hessilchen Bolksstaate käuflich erworben und in teilweifer Erfüllung der aus der Kapitalerhöhung erwachsenen Derpflichtungen in die Hefrag eingebracht. Am 1. März 1930. erfolgte die betriebliche Bereinigung der Bergwerke und deS Echwelkraftwerkes. Letztere- wurde erheblich vergrößert. Die Umstellung von 8 auf 41 Schwelösen mit einem täglichen Durchsatz von je 150 Donnen Braunkohle ist feit November 1930 durchgeführt. Der seit November 1930 stark vermehrte Anfall an Schwelkoks kann in dem neuen Kesselhaufe, ohne daß für diefes nennenswerte Neuinvestitionen nötig waren, restlos verfeuert werden.
Die Jahresbilanz schließt zwar noch mit einem Verlust ab, die Abrechnung des Monats Dezember 1930, in dem sich erstmal» der vergrößerte Betrieb auswirken konnte, zeigt aber bei angemessenen Abschreibungen zum ersten Male ein ausgeglichene» Bild.
Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M.
Banknoten.
1 .September
2. September
emlii(6c Aolienrng
iämthcht Jloliming
«Selb
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Helling! ort .
10.59
10,61
10,59
10.61
Bien. . . .
59.16
59.28
59.15
59.27
Prag . . .
12,468
12.488
12.468
12.488
Budapeft . .
73.43
73,57
73.43
73.57
Sofia . . .
3.057
3.063
3.047
3.053
Holland . .
169.74
170,03
169.73
170.07
CMo . . . .
112.54
112,76
112,54
112.76
ftopcnbaflce.
112.63
112,85
112.54
112.76
Llockdolm .
112.63
112,85
112.63
112.85
London. . .
20,461
20.501
20.461
20.501
Bucno« lülrcl
1,178
1,182
1,173
1.177
Ncuyorl . .
4.209
4.217
4,209
4.217
iflruiicl . . .
58,66
58.78
58.64
58,76
Italien. . -
» 22,03
22,07
22,03
22,07
Pari, . . .
16,50
16,54
16,50
16,54
Lchwclz . .
81,92
82,08
81.95
82,11
Spanien . .
37,16
37,24
37.56
37.64
Tan,ig. . .
81,80
81.96
81.80
81.96
Japan . . .
2,071
2.082
2,078
2,082
Mo de Ian..
0.254
0.256
0.256
0,258
Iuaoslawteu. Lliladan . .
7,413
7.427
7.413
7,427
18,53
18,57
18,53
18,57
»erlln, 1 Sepitmber
lamcrilantfdie ’Jloten.......
Belgische Noten....... .
Tänifche Noten.........
Chiolifctie Noten.........
flranzöjtfche Noten........
Hollaodifche Noten........
Italienifche Noten........
Norweoffche Noten........
Tculfch-LesterretÄ. A 1OO Schilling
Rumänische Noten........
Schwedische Noten........
Schweizer Noten. ........
Spanische Noten.........
Ungarische Noten ........
Tchweinemarkt
4,20
58,50
112,30
20.408
16,465
169,31
22,05
112,30
59,05
2,46
112,39
81.74
36,82
72,85
inAlöfcl
4,22
58.74
112,74
20,488
16,525
169.99
22,13
112,74
59,29
2,48
112,83
82.06
36,98
73,15
b.
Alsfeld, 1. September. (WSN.) Der gestrige Schwcinemarkt in unserer Stadt war mit rund 650 Ferkeln beschickt, die bei lebhaftem Handelsgeschäft sämtlich Absatz fanden. Man bezahlte für Ferkel bis zu 6 Wochen alt 6 bis 10 Mark, 6
Die Selbstkosten je Tonne geforberte Kohle konnten im Berichtsjahre um ein beträchtliches gesenkt werden. Der katastrophale Preissturz aus dem Markte de» Braunkohlenschwetteeres und Leichtols übte aus bie Geschäftslage der Gesellschaft naturgemäß einen starken Einfluß au», um so mehr als im Zusammenhang mit der Preisderoute im Dezember 1930 auch die Benzinkonvention und damit jede preisliche Bindung der Benzinproduzenten zulammenbrach. Angesicht» der Große der Jahresproduktion der Ge- ellschast, die auf 45 000 Tonnen Teererzeugnisse ab« icftcUt ist, befindet sich die chesrag für bas neue ®e- chastsjahr in einer völlig neuen Situation.
3m Geschäft»jahr 1930 wurden 27 333 Tonnen (i. v. 13 925) Schwelteer und Leichtoi produziert, die Erzeugung von elektrischer Arbeit betrug 73 355 900 kwh (36 861 200).
Einem Betriedsergebni» von (in Millionen Mark) 1,95 (0,51) flehen u. a. j)anbhingvunfo(tcn von 0.36 (u,24), Zinsen von 0,97 (0,85) und Zuwestungen an die Erneuerungsrücklage von 1.08 gegenüber (i. B. 0,86 Abschreibungen). E» ergibt sich ein Verlust von 59687 1 Mark (1 724823 Mk.), der auf neue Rechnung vorgetragen wird.
Die Bilanz zeigt u. a.: Gläubiger 1,90 (1,72), Akzepte 1,04 (0,63), Darlehensgläubiger 16.89 (15,65), dagegen Schuldner 0,87 (0,80), Dorräte 0,56 (0.21), Wertpapiere 1,06 (—). Anlagewerte stehen mit insgesamt 24,25 (19,22) zu Buch.
Die GD. der Gesellschaft erledigte debattelos die Regularien und wählte die turnusmäßig ausschei« dcnden AR.-Mitglicder wieder.
bi» 8 Wochen alte 10 bi» 11 Mark, 8 Wochen und ältere 15 bis 20 Mark.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a.M., 2. Sept. Ss wurden notiert: Weizen 230 bis 232,50; Roggen 212.50; Sommergerste für Drauzwcckc 180; Hafer, inländischer. neue Ernte, 175 bis 180; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 39.50 biS 40,25; Weizenmehl, Niederrhein. Spezial. 39.50 bis 40; Weizenmehl, Sondermahlung. 35 bis 35,50; RoggcnmcHl 29 bis 30,50; Wcizcnkleic 9,90; Roggenkleie 9 75. Tendenz: ruhig.
Preußen.
Oer Wetzlarer Bürgermeister-Prozeß wieder verschoben.
cZ Wetzlar, 2. Sept. 3m Zusammenhang mit den Verfehlungen des früheren Bürgermeisters Dr. Kühn ist bekanntlich auch gegen einen Beamten deS Bauamtcs und gegen einen Betriebs- beamten ein Dcrfahrcn cingeleitet worden. Beide Beamte sollen sich der Beihilfe schul- dig gemacht haben. Nachdem der erste Termin (4. Iuli) äogesetzt werden mußte, ist jetzt der für den 4. September vorgesehene zweite Termin ebenfalls verschoben worden, da der Baubeamte einen nervösen Zusammenbruch erlitten hat und nach einem Gutachten deS Kreisarztes nicht verhandlungsfähig ist. Ob unter diesen Llmständen das Bersahren gegen den angc- schuldigtcn anderen Beamten abgetrennt wird, steht noch nicht fest.
Kreis Biedenkopf.
• Hartenrod, 31. August. Hier wirb an) 4. September eine Fernsprechvermittlung s st e N e mit Selbstanschlußbe- trieb in Betrieb genommen. Der Fernverkehr wird von dem Fernamt Dillenburg vermittelt.
Das bißchen Erde.
Vornan von Richard Skowronnek.
Copyright by 3. Engelhorns Nachf., Stuttgart
21. FoNsetzung. Nachdruck verboten.
Sie schwieg gekränkt, hatte Mühe, die dummen Tränen zurückzuhalten. Das Wiedersehen nach zwei langen Iahren hatte sie sich anders vorgestcllt. Frauen fühlen nicht so wie Männer, und in der Erinnerung kam es ihr nicht mehr so unerträglich schwer vor, was damals geschehen war. Sie hatte cs ja auch verwunden und sich danach wieder aufgerichtet. Lind ganz selbstverständlich war cs ihr immer erschienen, daß er nach der Heimkehr vor sie hintrat: ..Da bin ich wieder. Gertrud. Na. und wie ist'S nun mit uns beiden?" ... Statt dessen stand er steif wie ein Klotz, und seine Gedanken weilten bei einer andern. Da wurden ihr vor jäh aufschießender Eifersucht die Augen dunkel.
„Du kennst Frau Direktor Steinfeld wohl schon von früher her?"
Malte blickte verwundert auf.
„Wieso? ilnö was meinst du damit, wenn ich fragen darf?"
etc tat fo, als hätte sie das letzte nicht gehört.
..Ich hatte es geglaubt, entschuldige. ilnö da möchte ich doch ... möchte ich doch" .. Einen Augenblick kämpfte sic noch mit sich, aber der Haß und die Eifersucht waren stärker .... „Es acht ein häßliches Gerede über sie in der Nachbarschaft. Sie soll anders sein als hier unsere Damen. Daß sic von Berlin fortgegangen ist. hatte seinen besondern Grund. Nicht wegen der Iagdpassion ihres Mannes, sondern wegen eines andern. Ein Friedeberger Dragoner foll cs fein, und sie hat ihn kennen gelernt, wie er auf der Kriegsakademie war. Deswegen ist sie hierhergezogen, weil sie ihn leichter treffen kann" ...
„Das ist doch wohl nichts als leeres Gerede", gab er zornig zurück. Lind „ah nein“ erwiderte sie, „man hat sie zusammen gesehen, mehr als einmal. Eie und den Oberleutnant Bredow, den jüngsten Bruder vom Panschenhagener!"
Er richtete sich feindselig auf.
„Weshalb erzählst du mir das eigentlich, Gertrud ?“
„Weil ... weil ..." Eie ballte bas Taschentuch in der schmalen Hand und stampfte mit dem Fuße auf. Es war zu töricht. Ieht tarnen ihr die dummen Tränen und schnürten ihr die Kehle zu, daß sie nicht weitersprechen konnte. Lind da verstand er sie endlich. Aber er konnte ihr nicht helfen, schlaff lieft er die Arme hängen. Behutsam suchte er nach den passenden Worten, um sie nicht gar zu sehr zu kränken ...
„Eich, Gertrud, und du darfst mir da nicht böse sein ... manchmal hab' ich's ja auch ge
dacht ... aber dann war da immer etwas ... als I wenn der eine Schlag auch alles andre totgeschlagen hätte. Oder — ich will mich nicht besser | machen, als ich bin ... damals, vor zwei Iahren, warf ich alles andre hinter mich. Nach Fug und Recht hätte ich mich totschieften müssen, aber ich war zu feige dazu. Es hatte mal einen gegeben, der mich immer lehrte, die Dinge dieser Welt von der andern' Seite anzusehen, zu erkennen, daft das meiste, woran die andern glaubten, wertlos war. Wenn man sich nämlich auf einen andern Standpunkt stellte ... Ich kann dir das nicht so richtig klarmachen, vielleicht . . manchmal, wenn ich's fassen will, zerrinnt es mir selbst in den Fingern. Es läuft ungefähr darauf hinaus, alles, was du tust, ist recht. Du muftt dich nur durchsetzen können. Stark genug sein, den andern in die Zähne zu lachen. Lind daran fehlt's bei mir. an der innern Festigkeit. Mit einem Fuß stehe ich noch immer in der alten Lieberlieferung wie in einem Brei, der andre tappt haltlos ins Leere ... Die neuen Lehren mach' ich mir zu eigen, weil sie in meinen Kram passen, weil sie mir das biftchen Leben wenigstens lassen. Bor ein paar Stunden noch sagte ich zu einem, ja, ich bin wieder ganz gesund. Das war ich drauften. Hier zu Hause hat s mich wieder gepackt: das sind doch alles nur leere Ausreden! Rings um mich stehen meine Richter, du hast nichts mehr zu suchen zwischen uns ... Lind noch eins kommt hinzu: der Platz, auf dem ich sie vielleicht hätte zwingen können, da steht ein andrer davor. Ein Nichts bin ich. eine Null, von einem lächerlichen Zufall häng' ich ab, ob's drüben in Hohenrömnitz einen Iungen gibt oder ein Mädchen" ...Er schlug die Hände vors Gesicht und lieft sich schwer in den nächsten Stuhl fallen.
Einen Augenblick zauderte sie, dann trat sie zu ihm, strich mit leiser Hand über sein Haar.
„Sei doch nicht so verzweifelt Malte! Du hast doch Freunde, die zu dir stehen. Lind man muft sich nicht niederschlagen lassen. Damals hatte ich auch geglaubt, ich könnte cs nicht ertragen. Bis das bittere Muß kam. Es ging nicht anders, ich muftte! ... Später vielleicht werde ich dir's erklären ... cs ist das etwas, an das ich nicht rühren kann, das Andenken meines Bakers. Lind ich durfte ihn nicht im Stich lassen, fein Name war der meine, ich war doch das Freifräulein Köhnemann — die Leyte chres Namens, fünfhundert Iahre hatte er ohne Makel bestanden. Also da muftte ich doch, nicht wahr? ... Lind es ging ‘ ... Sie schmiegte sich dichter an ihn, in ihre blauen Augen trat ein zärtlicher Schein ...
Du lieber armer Iunge du! Wie habe ich auf dich gewartet! ... Lind veracht mich nicht, daft ich mich dir so antrage ... ich habe Angst um dich ich könnte dich wieder verlieren. Hast mich doch immer dein kleines Mütterchen genannt, das dich vor dummen Streichen bewahrt, einen ordentlichen Menschen aus dir macht ... Lind darfst mich ruhig ansehen, wie früher ... mein
verstorbener Mann hat es mir nicht nachgetragen, daß ich mich ... daß ich ihm eine Pflegerin nur war. aber nie ..." Purpurne Röte stieg ihr bis zu den Haarwurzeln empor, sie schwieg und wartete auf Antwort.
Malte zuckte zurück, als müftte er einem Schlage ausweichen, und es dauerte eine Weile, bis er sprechen konnte. Aber seine Stimme klang heiser.
„Ich bin kein Lump, Gertrud, ich kann nicht lügen ... ich kann nichts annehmen, das ich nicht vergelten kann ... Wenn du dir einen Gefallen tun willst, vergift mich! Ich bin es nicht wert, daft andre sich um mich mühen" ...
Sie trat ein paar Schritte von ihm fort, strich sich mit der Hand über die Stirn, alS müftte sie einen törichten Traum verscheuchen. Sie ging zum Fenster, lehnte die Stirn gegen das harte Holz des Kreuzes und schluchzte leise auf. Aber nur ein kurzes Weilchen dauerte die Schwäche. Eie preßte die Zähne aufeinander, daft es ein leises Knirschen gab. und richtete sich auf ... „Es ist gut“ ... Malte aber stand noch ein paar Augenblicke lang, und ihm war zumute, als müftte er sich auf die Knie werfen und um Der- zeihung bitten für die rohen Worte. Aber sie waren doch die Wahrheit, und er konnte sich nicht anders machen, als er war ... Er senkte den Kopf und ging still zur Tür hinaus----
3.
Mit kaltem Nordwind und Hagelschauern pochte der neue Morgen gegen die Fensterscheiben. Der Wettersturz, den die in lichten Regenbogenfarben schimmernden Wölkchen prophezeit hatten, war eingetroffen. Der Dellahner See warf schwere Wellen gegen das Parkufcr, das gelbe Schilf bog sich tief zum Wasser hinab unter dem Drucke des Windes, und alle Kreatur, die liebetrunken den einziehendcn Frühling gefeiert hatte, barg sich in heimlichen Winkeln. Nur ein Krähenpaar stelzte auf dem schmalen Sandstreifen am Ufer entlang, spähte mit hungrigen Augen nach irgendeiner Beute, die auf den fchmuhiggrauen Wellen schwamm.
Malte saft übernächtig an dem runden Tische in der Halle, er hatte erst gegen Morgen ein wenig Schlaf gefunden. Das Frühstück stand unberührt auf dem blütenweiften Linnen, nur einen hastigen Schluck Tee hatte er genommen und auf Mikens bescheidenes Zureden mit einem abwehrenden Kopfschütteln geantwortet. Da ging sie bekümmert in ihre Küche hinunter, faftte den Vorsatz, ein ganz besonders schmackhaftes Mittagessen zu bereiten. Essen muftte doch der Mensch auch bei allen Sorgen, um nicht von Kräften zu kommen. Und mit leerem Magen sah man alles viel schwerer an ...
Lentz störte mit trübseligem Gesicht das Feuer im Kamine auf, legte einen halben Arm voll trockener Duchenscheite nach. In der weiten Halle wehte es kalt aus den im langen Winter aus- gekühlten Mauern ...
Malte hatte daS Kinn in die Hand gestützt und starrte in die weißen Hagelschwaden hinaus, die der Wind vor den hohen Fenstern vorüber- tolrbelte. Der Kopf tat ihm weh von all dem Grübeln und Denken. Aber damit kam er nicht um einen Schritt vorwärts, irgendein Entschluß muftte gefasst werden, der wenigstens wie nach einer Tat ausfah ... Er wandte das Gesicht nach dem Kamin: „Lenh!"
„Herr Graf?"
„Der Berwalter Dergemann soll kommen, mtt den Abrechnungen von den letzten zwei Iahren^'
„Zu Befehl!"
Mit einem leisen Seufzer richtete der Alte sich vor dem Kamine auf und ging zur Tür hinaus. Was die Abrechnung mit dem Verwalter bringen würde, touftte er wohl. Eine neue Enttäuschung und ein gar kümmerliches Ergebnis. Dor jenen langen Iahren hatte er sich ja manchmal eine mahnende Frage erlaubt, ob der junge Graf nicht Lust verspürte, ein ebenso tüchtiger Landwirt zu werden wie fein verstorbener Vater, der die scharfen Augen überall hatte und nicht- von feinem Eigentum verkommen lieft. Als fein Herr aber mündig geworden war, verbot solche Mahnungen der Respekt, wenn man auch unter der Hand erfuhr, daft der Verwalter Geld auf Zinsen lieh und in Rostock ein Haus gekauft haben sollte, wie es hieß, um sich einmal in der Groftstadt zur Ruhe zu feften. Die Redereien der Leute warey keine Beweise, und zum Denunzianten hatte ei? kein Zeug. Es war ja auch ziemlich gleichgültig, wie hier in Vellahn gewirtschaftet wurde, fo- lange drüben die Hohenrömnitz al- sicheres Erbe stand. Ieht aber war es um jeden Pfennig leid, der in fremde und unrechte Taschen gewandert war ...
Malte sah eines der Küchenmädchen über den verschneiten Vorgarten rennen, fein Befehl war ausgcführt. So eilig lief die Dirn, daft ihr der buntbedruckte Kattunrock um die nackten Knie flog; nach ein paar Augenblicken war sie in dem wcihlichcn Gestöber zwischen den Srlen der Dammallee verschwunden. Noch ungefähr eine halbe Stunde, und er erfuhr von dem Berwalter, wie graft das Vermögen war, mit dem er ein neues Leben anfangen muftte, wenn hier di- Herrlichkeit zu Ende war. Lind dann konnte er noch ein paar Wochen so sitzen und durch dis Fensterscheiben starren, bis auf der langen Alles die Nachricht geflogen kam, in der Hohenrömnitz ist der zur Welt gekommen, der chn von feinem Platze verdrängte. Alles, was von auften kam aui die Vellahner Schlohinscl, muftte bieten Weg passieren. Lind et entsann sich, wie er als Knabe zuweilen hinter den hohen Fenstern gestanden hatte, das Gesicht gegen die Scheiben gedrückt. Weit in der Ferne schlossen sich die beibert Daumreihen zu einem engen Tor zusammen vor bem spähenden Blick, und durch diese- Tor, hatte er immer gedacht, müftte eines Tages eirt Wunder kommen ...
(Fortsetzung folgt)


