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Gin Sprung in eine andere Welt: Pierre Co- lombier zeigt: »Der König der Aas- sauer". Frankreich hat sich mitUnter den Dä­chern von Paris" seinen großen Filmersolg ge­holt, sein Regisseur Rene CI a i r hat auf ihm seine .Million" aufgebaut, und auch Colombier stützt sich in seinem .Rossauer" noch immer auf den Zauber, der von den .Dächern" ausging. Roch gebt das an. Bouboulc, der Straßcnsänger, der König der Zechpreller, der ,Rassauer", geht durch eine Reihe von Abenteuern hindurch, die sich im­mer dort ereignen, wo das Volk in großen Men­gen versammelt ist: seine charmante Art begeistert die Gasse, er erobert sich die Masse des Sechstage­rennens, er wird der Held eines Rugby-Länder­kampfes und erringt sich endlich durch Geschick und Ausdauer Herz und Hand der Geliebten, und er nennt sich Georges Milton , ein nicht mehr ganz junger Darsteller, der immer glänzender Laune ist und unwiderstehlich wirken muß, in Berlin und außerhalb. Denn man dürfte diesen Film auch im Reich spielen, und er verdient cs schon: glänzende Aufnahmen von einem Pariser Sechstagerennen, dom Rugbyspiel, hervorragende Typen des Lporis, der Gasse, der Hinterhöfe und des Pariser Volks, das immer den Hintergrund bildet. Man kann zwei große Filme aufUnter den Dächern"

Das erste Museum der Kinematographie.

Don Egon Larsen.

Oskar M e ß t e r , einer der ersten Pio­niere des Films, hat eine sehr große Sammlung von Film-Raritäten dem Deutschen Museum zum Geschenk ge­macht. 3h Kürze wird das Publikum dieses erste Museum der Kinematographie besich­tigen können. Unser Mitarbeiter hatte Ge­legenheit. die Schätze schon jetzt, in der Wohnung des Spenders, zu besichtigen.

Läutet der Besucher an M e ß t e r s Haus in Dahlem bei Berlin, so hört er plötzlich eine Stimme fragen:Bitte, wer ist da?", ohne daß hinter der Gartentür ein lebendes Wesen zu sehen ist. Die Stimme ertönt aus einem Laut­sprecher, und daneben ist ein Mikrophon verbor­gen, in das der Besucher seinen Ramen hinein- spricht. Dann erst öffnet sich die Tür ... Man erkennt also schon vor dem Eintritt, daß dieses Haus einem hundertprozentigen Techniker gehört.

3n einem kleinen Kellerraum sind die Gegen­stände vorläufig zusammengepfercht worden. Der alte Herr Meßter ist heute Mitte der Sech­zig nimmt liebevoll und mit Eammlerstolz die einzelnen Objekte aus den Schränken und erklärt ihre Bedeutung. Ursprünglich umfaßte die Samm­lung 15 OOO Stücke, von denen eine große Zahl bleistiftgeschriebene Zottel waren und gerade auf ihnen stand meist das Wichtigste. Run hat man die Zahl der Objekte auf tausend reduziert, jeweils die interessantesten Dinge, so daß ein last lückenloser Querschnitt durch die Entwicklung der Kinematographie entstanden ist.

Rummcr eins ist der erste Dorführungsapparat, mit dem in Deutschland ein Kino betrieben wurde. Er stammte aus Paris, und das ..Eta­blissement", unter Leitung des Schriftstellers Leo ^^ipziger, befand sich Unter den Linden. Ts existierte nicht lange. 3m Mai 1896, also nach dem Debüt der Brüder Sklandanowsky im BerlinerWintergarten" wurde es eröffnet. Seine besondere Spezialität bestand darin, daß die Borführung alle paar Minuten aussetzte und die Stimme des Operateurs ertönte, die in den

Berliner Filmprenckren.

Douaumont." - -König der Tlaffauer.* Geheimdienst."

Berlin, Ende August.

Während in den Theatern noch die große Som- merslaute herrscht, beginnt in den Filmhäusern schon eine ArtSaison": in drei auseinanderfol- gendcn Tagen drei bedeutsame Uraussührungen.

Man kann versichert sein, daß der deutsche KriegsfilmD o u a u m o n t" (Candofilm) keiner Tender» und keiner Partei dienen wollte, denn in seine Ausnahmen sind KriegSbilder der deutschen und französischen Heeresleitung, hineingeschnitten. Die Ausnahmen des Forts, die Sprengungen und einige Sturmbilder sind teils imKavalier"- strinS, der kürzlich niedergelegt wurde, teils in- terbog gedreht, und die akustischen Synchronisie­rungen stammen auS Reichswehrmanövern. Die ersten Stürmer deS Forts, Hauptmann Haupt und Leutnant Radtke, wirken mit; auf eine Spielhandlung, die die Tragödie nur verniedlichen könnte, hat der Regisseur Hein» Paul, selbst ein Frontsoldat, verzichtet, und also fehlen auch die Stars und Solisten: so entspricht die Art des krie­gerischen DramaS etwa dem KriegSbucho Renns, eS gibt sich bewußt als reine, gefüylSunbetonte Reportage. Und trotzdem geht von dieser Darstel­lung der Douaumont-Tragödie eine gewaltige Wirkung aus. Dielleicht ist noch in keinem Kriegs- film das akustische Element der Schlacht so rea­listisch gegeben worden, noch nie hat das Sausen, Dfeifen und immerwährende Surren und Heulen der Granaten und Ginschläge so gepackt wie in Viesen Bildern, die nervenzerrüttende Wirkung veS vielstündigen TrommelseuerS wurde auch im Theater bemerkbar. Gewiß gibt sich dieser Film keine Mühe, das Grauen des Krieges abzuschwä- chen und zu leugnen; immer wieder krachen die Riesengcschühe und erweisen hie seelenlose Gewalt der zerstörenden Maschinen; man empfindet die Oede der verqualmten Ebenen, über denen die Granaten sausen, noch einmal in aller Stärke. Ge­sprochen wird nur das Rotwendigste, das die Handlung erläutert: den Sturm, der das Fort in die Hand der Deutschen bringt, die Explosion der Flammenwerfer, die die Panzerseste »ur Hälfte zerstört, die Gegenangriffe der Franzosen, endlich Der Abzug aus dem Trümmerhaufen, der schwei­gende lautlose Rückmarsch aus dem leeren aufge­wühlten Gelände. Einige berichtende Texte, ein­zelne Sähe auS Heeresberichten ergänzen das Wort, das Wesentliche aber sagen schon die Bilder und die nie aufhörende Musik der Steilgeschühe.

Siebener Anzeiger sSenerai-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch, 2. September 1951

Aus der Wett des Films.

aufbauen, aber nicht mehr. Auch diese Mode hat ihre Grenzen, die hier noch einmal ungemein lie­benswürdig und lebhaft umgangen sind

Der Lisa-Palast am Zoo. wird mit dem Spio- nagesilrn3 m Geheimdienst" eröffnet, den KriegSszenen und Schlachtenbilder einrahmen. Da­zwischen die kriminell betonte Handlung des deut­schen Spions Hagen, dessen Geschicklichkeit wichtige Dokumente übermittelt, durch die ein großer rus­sischer Angrifs vereitelt werden kann. 3n dieser Zeit, da der Geheimdienst aller Länder seine Listen enthüllt, ein sehr zeitgemäßer und dank- barer Stoff, den Walter Reisch zu einem wir­kungsvollen Filmbuch verarbeitet hat: Spannung, kriminelles Milieu, in dem mit chiffrierten Rotcn- blättern und Mikrophonen gearbeitet wird. Atmo- fpäre von Gefahr und Entschlossenheit, zweideutige Situationen, die erregen eS sind alle Faktoren

eincS publikumswirksamen Films vorhanden. Lind darüber hinaus noch mehr. DaS Filmische wird vom Regisseur Gustav Hcicky ungemein fesselnd gemeistert; Willy Fritsch, der deutsche Geheim­agent, zeigt sich hier, wie damals in denSpio­nen" Friy Langs, in einer verhalten-herben Männlichkeit, Brigitte Helm, seine Partnerin, bewährt sich in diesem Zusammenspiel so treff- lich, wie schon lange nicht mehr, und dahinter tauchen die Köpfe der Russen auf. Homolka, K. L D i e«h l und endlich Theodor L o o S . ein russischer Spitzel. DaS Publikum, daS bis zum Schluß in beinahe atemloser Anteilnahme ver­harrte. bereitete den anwesenden Darstellern leb­hafte Ovationen, während sich vor dem hell er­leuchteten Hause gewaltige Menschenmengen an­gesammelt hatten, die durchaus etwas von dem Premiörenschimmer erhaschen wollten. A.

Das neuesteHandwerkszeug desTonfilms

Oie Technik entwickelt sich. Hilfsgerate der Tonfilmaufnahme. Töne werben gemischt. Oer elektrische Kapellmeister.

Don Peter Burg.

Während in der ersten Periode der technischen Tonfilmentwicklung hauptsächlich an der Dervoll- kommnung der Tonwiedergabe gearbeitet wurde, um den bedeutenden Dorsprung des amerika­nischen Films einzuholen, haben sich im letzten 3ahr die Derbesserungen der Tonfilmtechnik auf einem wesentlich anderen Gebiete bewegt. Denn als der Tonfilm aufhörte, technische Sensation zu sein, daS Publikum sich nicht mehr über die sprechende Leinwand" wunderte, sondern drin­gender nach dem künstlerischen Tonsilm verlangte, wurde an die Klangtechniker die Anforderung gestellt, dem filmschaffenden Künstler durch Der« vollkommnung und Ausbau der gesamten Appa­ratur die notwendigen Doraussehungen zu schassen.

Eine sauber funktionierende Tonapparatur ge­nügt an sich noch nicht, um einen Tonfilm ein­wandfrei herzustellen, weil man hier nicht, wie etwa beim Rundfunk eine Hebertragung fort­laufend aus dem gleichen Raum und unter den gleichen akustischen Verhältnissen vornehmen kann. Der Film wird aus einer großen Anzahl unter verschiedenen Derhältnissen entstandener Aufnah­men regelrecht zusammengeflickt, wofür man in der Filmsprache den Fachausdruckmontieren" gebraucht. Hieraus ergab sich schon eine große Schwierigkeit, die überwunden werden mußte: die Hngleichmäßigkeit der Klang­stärke, die in den ersten Tonfilmen so unan­genehm aufsiel. Bei jedem Wechsel der Bild­einstellung bekam der Ton einen Sprung und veränderte sich in Stärke und Raumwirkung. Mit der Zeit lernten die Techniker, den Ton auszu­balancieren und anzupassen, so wie jeder gute Kameramann es versteht, die Bilder gleichmäßig auszuleuchten. Amüsant ist es übrigens, sich dar­aufhin alte Filme anzusehen, die so etwa vor zwanzig 3ahren entstanden sind. Die Beleuch­tungstechnik war damals noch so primitiv, daß jede Großaufnahme stets völlig anders belichtet erschien, als die entsprechende Totale. Der Tonfilm hat zunächst wieder eine gewisse Primi­tivität in der Bildbehandlung gebracht, denn die surrenden Kameras mußten in unbewegliche, schalldichte Glasboxen gesteckt werden, und die für die Ausleuchtung schwer entbehrlichen, aber summenden Kohlenscheinwerfer konnten für die Tonfilmaufnahmen keine Verwendung finden. Jetzt sind diese Schwierigkeiten behoben. Für die Scheinwerfer wurden Drosselspulen erfunden, die das Summen unterbinden, und die neukonstruier­ten modernen Tonfilmkameras arbeiten völlig geräuschlos, so daß man mit ihnen genau Zuschauerraum rief:Oojenblick mal, meine Herr­schaften. Et hakt schon Wieda!" Der Apparat hatte nämlich den Grundfehler, daß der Mecha­nismus zum rudroeifen Transport des Film­bandes nicht funktionierte. Oskar Meßter, damals ein junger Optiker und Feinmechaniker, machte sich daher selbst an die Konstruktion dieses wich­tigen Apparateteiles. Er fand das ,,M alteser- kreuz", eine Einrichtung, die präzis Bildchen um Bildchen vor die Lichtquel.e zog. und um derct- willen Oskar Meßter derRitter vom Malteser- kreuz" genannt wird Dies erst ermöglichte die technische Dervollkommnung der Kinematographie und ist heute noch in jedem Dorsührungsapparat zu finden. Meßter führte mit feinem neuen Apparat Filme vor. die Edison ausgenommen hatte allerdings nicht, um sie zu projizieren, sondern um sie tn einem kleinen Apparat be­trachten zu lassen. Edison hatte den Wert der Projektion nicht erkannt, seine Erfindung erschien ihm nebensächlich und bestenfalls dazu geeignet, mit dem gleichfalls von ihm erfundenen Phono­graphen zu .,Tonbildern" zusammengekoppelt zu werden. Oskar Meßter aber erkannte die Mög­lichkeit der öffentlichen Dorführung. Er sann nach wie er selbst Filme aufnehmen könne er hatte ja noch keinen Aufnahmeapparat und führte dies folgendermaßen durch: er verklebte das Fenster feiner Werkstatt, die am Bahnhof Friedrichstraße lag, mit schwarzem Papier. Rur ein kleines rundes Loch ließ er frei. Dahinter stellte er seinen Dorführungsapparat, spannte unbelichtete Filme ein und begann zu kurbeln, als gerade ein Eisenbahnzug einfuhr. Der Film wurde tadellos, und Meßter baute nach eigenem Entwurf seinen ersten Aufnahmeapparat.

All diese Dinge, deren Geschichte Meßter er­zählt, sind als leibhaftige Zeugen zu sehen. 3n der historischen Reihenfolge kommt nun das Hauptbuch der Firma Meßter: unter dem 15. 3uni 1896 findet sich die Eintragung des ersten Der- kaufs eines Kinematographen für 2000 Mark, inklusive Filmen, an eine Moskauer Firma. Diese wenigen Zeilen dahinter kommt als nächste Eintragung:Hm. Lieutenant Wilde 4 Mo- noelcs ä 1 Mk." kennzeichnen den ersten Schritt zur Filmindustrie; während alle anderen kinematographischen Techniker von damals be­strebt waren, ihre Apparate als Iahrmarkts- budenzauber geheimzuhalten, trachtete Meßter da-

soentfeffelt arbeiten und ein ebenso bewegte- Dild erzielen kann, wie früher beim stummen Film.

Die Aufnahme tonlich einfacher Szenen bereitet heute keine Schwierigkeiten mehr. Hier kommt eS nur darauf an, die Dekoration raumakustisch rich­tig zu behandeln, um dem Ton einen natürlichen, dem Raum entsprechenden Klangcharakter zu geben. Die Schwierigkeiten beginnen erst bei kom­binierten Aufnahmen, etwa gleichzeitiger Ver­wendung von Dialog und Musik, die sich zum Bild und vor allem zur Dildmontage ganz ver­schieden verhalten. Der Dialogsah besteht aud Worten, prägnanten, in sich abgeschlossenen Laut­gebilden. Bei reinen Dialogszenen kann daher der Tonstreifen entsprechend dem Bildstreifen und den verschiedenen Kameraeinstellungen geschnitten und zusammengesetzt werden, was ja notwendig ist, um eine genaue Hebereinftimmung zwischen Bild und Ton Synchronismus zu wahren. Ein musikalischer Satz verlangt keine so präzise Hebereinftimmung mit dem Bild, dagegen kann er nicht aus mehreren Aufnahmen zusam­mengesetzt werden, weil eine Rote in die folgende hinübertönt. Deshalb muß man im Falle musika­lischer Untermalung bei der Montage des Films eine andere Methode anwenden: man schneidet in das Bildband verschiedene andere Bildein­stellungen ein. jedoch unter Beibehaltung des einen, fortlaufend aufgenommenen Sanft reifend.

Um es überhaupt möglich zu machen, Dia­log und Musik gleichzeitig zu bringen, z. D. ein tanzendes Paar im Gespräch zu zeigen, ohne daß man dies in einer einzigen gleich- bleibenden Kameraeinstellung machen müßte, war cs notwendig, einen Apparat zum elektrischen Mischen der Töne zu konstruieren. Gleichzeitig mit dem Bild wird nur der Dialog und der Geräuschteppich" ausgenommen, die Musik aber wird mit Hilfe des elektrischen Mischapparates nachträglich hinzusynchronisiert, wenn die Szene in Bild und Ton bereits völlig fertiggeschnitten ist. Dabei fällt es nicht schwer, den musikalischen Rhythmus mit dem Bewegungsrhythmus derTan- zenden in Einklang zu bringen. Für die Er­möglichung von Aufnahmen in freiem Gelände war von besonderer Bedeutung die Erfindung einer geräuschlosen Lichtmaschine. Die alten Licht­maschinen verursachten einen derartigen Höllen­lärm, daß sie für Tonfilmaufnahmen nicht in Frage kamen. Anderseits sind Freiaufnahmen ohne künstliches Licht nur in seltensten Fällen möglich. Die neue Lichtmaschine, die im letzten Winter erstmalig erprobt wurde, hat diese Schwie-

nach, den Kinematographen verkausssähig zu ma­chen.

Das WortAbblenden", aus dem Filmdeutsch in die Alltagssprache übernommen, stammt vom lang­samen Zudrehen der 3risblende des Aufnahme» apvarates. wodurch das allmähliche Verdunkeln des Bildes am Schluß einer Szene erreicht wurde. Oskar Meßter erfand statt dessen den Schiebe- schlih, der während des Kurbeldrehens auto­matisch das Bildfenster schloß; eine Erfindung, die heute noch in jedem Film duhendmal an- gewendct wird.

Kaum ein Gebiet der Kinematographie hat Oskar Meßter nicht als Pionier betreten: wir leben das erste Amateurkino, den ersten Breit­film - Z e i 11 u p c n a p p a r a t für wissenschaft­liche Zwecke, den ersten Dreifilter-Far­benapparat. das erste Schmalfilmkino und den ersten plastischen Film. Daß aber auch der Tonfilm Oskar Meßter zum Vater hak. ist heute kaum mehr bekannt. Schon 1903 begann Meßter mit dem "Zusammenkoppeln von Bild und Ton. Er kaufte Carusoplatten, steckte einen Schauspieler in eine dem Maestro ähnliche Maske und filmte feinen scheinbar singend aufgerisse­nen Mund samt Gesten und Mimik, genau zur Musik passend. Ein anderes System, später aus­gearbeitet. war die Verbindung zwischen Film und elektrischem Klavier. Meßter ließ eine An­zahl Rollen vomDrcimäderlhaus" für das Pianola aufnehmen und filmte die dazu gehörige Handlung. Reben diesem System erfand Meßter schon vor zwei 3ahrzehnten den ..Synchromotor", der Bild- und Tonaufnahme gleichzeitig regu­lierte und im Prinzip noch heute beim modernen Tonfilm angewendet wird. Patentstreitigkeiten setzten diesen Anlauf kurz vor dem Kriege ein Ende. Meßter erfand ein weiteres Tonbildsystem, dessen Hauptbestandteil ein Zifferblatt zur Re­gulierung der Dorführungsgeschwindigkeit bildete. Aber die Kinovorführer waren nicht dazu zu bewegen, auf dieses Zifferblatt aufzupassen, und die sich ständig vergrößernde Disferenz zwischen Bild und Ton war von zwerchfellerschütternder, unfreiwilliger Komik.

Während des Krieges baute Meßter technisch ausgezeichnete Apparate zur Geländephotogra- phic vom Flugzeug aus; Filmstreifen hielten die überflogene Gegend mit größter Genauigkeit fest. Eine interessante Konstruktion ist auch dieQHa-

rigfeiten au- dem Wege geräumt, so daß totr in den Tonfilmen der kommenden Soifon wahrschein­lich wieder mehrechte Ratur" zu sehen be­kommen werden.

3n manchen Fällen läßt sich aber eine gleich­zeitige Aufnahme von Ton und Bild auch mit der besten und beweglichsten Apparatur nicht be­werkstelligen. Beispielsweise sollte einmal ein Dia­log in einem dahinrasenden Motorboot ausgenom­men werden. DaS Knattern deS Motor- übertönte den Dialog derart, daß die Worte nicht zu ver­stehen waren. Cs ergab sich damit die Rotwcndig- keit. den Dialog in einem den Lippenbewegungen der Schauspieler genau entsprechenden Rhythmus nachträglich auszunehrnen und dem Bild zu unter­legen.

Hm solche Rachsynchronisierungen ganz genau durchführen zu können, sind besondere Verfahren ausgearbeitet worden. Eine- der be­kanntesten besten. daS sog. .Rhythrnographie"- Derfahren. benutzt ein Dlankfilmband. das im Rhvthmonom' genannten Apparat gleichzeitig mit dem Bildsilm abgespielt wird. Aus diesem Dlankfilmband wird mittels einer besonderen Tastatur die Einteilung der Dildszenen und die Betonung des Textes genau vermerkt. Hier­nach wird unter den rhythmischen Zeichen der ent­sprechende Text eingetragen, der vom Schauspieler bei der Tonaufnahme an einer Richtmarke abge­lesen wird, so daß sich eine genaue Heberem- stimmung des Bildes mit dem nachträglich auf­genommenen Ton ergibt. Reben zahlreichen an­deren HilfSapparaten. die im Laufe des letzten 3ahres für die Tonfilmaufnahme entwickelt wur­den. ist vor allem noch derelektrische Ka­pellmeister" erwähnenswert. Diese Vorrich­tung wird am Dirigentenpult angebracht und gibt dem Orchcsterleiter während der Tonfilmaufnahme mit Lichtzeichen den Takt an. Sin gewöhnliche- Metronom kann für Tonfilmzwede natürlich nicht Verwendung finden, weil sein Tiden vom Mikro­phon mit ausgezeichnet würde.

Für die künstlerische Entwicklung den Tonfilms ist die Konstruktion solcher Hilssapparatc im Grunde wesentlich wichtiger alS die rein tech­nische Vervollkommnung der eigentlichen Son» apparatur. Die technisch-handwerkliche Grundlage des SonfilmS ist so kompliziert, daß der silm- schaffende Künstler erst durch die Hinzunahme solcher Hilfsgeräte die Möglichkeit erhält, seine an keine Scchnik gebundenen 3ntentionen In die tonfilmische Wirklichkeit umzusehen. Ratürlich muß der Regisseur heutzutage erhebliche technische Vor­kenntnisse besitzen, um beurteilen zu können, welche Möglichkeiten ihm die komplizierte Ausnahme­apparatur in jedem Fall bietet. Sheoretisch gibt der tönende Film Ausdrudsmöglichkeiten. die zur Zeit wohl nicht zu überbieten sein dürsten; prak­tisch hängt die künstlerische Entwidlung des Son» films von der künstlerischen Phantasie des Filmherstellers und der Beherrschung der technischen Grundlagen der Sonfilmaufnahme ab.

Vorläufig entwickelt sich die Scchnik dcS Ton­silms weitaus zielbewußter und gradliniger als seine künstlerische Form. Während der künst­lerische Stil des Tonfilms sich jetzt erst allmählich anzudeuten beginnt, hat seine Technik auf vielen Gebieten bereits kaum überbietbare Spitzenlei­stungen erreicht, wie etwa den Bau schall- und erschütterung-sicherer TonfilmatclierS. Was noch vor zwei wahren sorgfältige Experimente und einen großen Zeitaufwand erforderte, wird heute mühelos und fehlerfrei berechnet. Ein Beispiel lieferte der kürzlich erfolgte Umbau der Atelier­anlagen der Ufa in Tempelhof für Tonfilmzwede. Um ganz sicher zu gehen, daß der Umbau jede Störung von außerhalb auch wirklich verhindere, beschloß man, die Probe aufs Vxempel zu machen. Man stellte im Atelier eine Reihe besonders empfindlicher Mikrophone auf und mietete ein Flugzeug, das in niedrigster Höhe über den Dächern des Ateliers dahinstreichen sollte. Pünkt­lich zur festgesetzten Zeit wurde die Apparatur

schinengewchrkamera". die bei Hebungdflügen am Beobachters!!) des Flugzeugs anmontiert wur­den und durch Zielkinematographie genau an­zeigten. ob der Beobachter gutgetroffen hatte.

Auch für den Humor ist in diesem Museum ge­sorgt. Er wird geliefert durch die uralten Pho » t o s aud den ersten Filmen. Es sind Zeitdokumente, wie sie nicht eindringlicher gedacht werden tonnen. Wir sehen Henny Porten als schmachtenden Badfisch oder Meißener Por­zellanfigur, Emst Reichert (noch vor seiner Zeit als Meisterdetektiv Stuart WebbUi in der Rolle des Stehkragenkavaliers von 1908. Hnd dies alles in Dekorationen und Kulissen, die Alpdrücke aus dem Plüschzeitalter lebendig wer­den lassen. Auch historische Filme wurden ge­dreht:Andreas Hofer" oderRichard Wagner" oder garSalome" cs läßt sich nichts über­wältigend Komischeres denken als den Sanz der grausamen 3ungfrau mit dem Haupt des 3o- hannes in der Ausfassung der Filmleute jener Zeit.

Die Meßter-Sammlung enthält ebenfalls ein Bündel Filmmanuskripte wohl die ersten der Welt. Sie wurden meist auf die Manschette des Herrn Regisseurs geschrieben; einige sind als Schreibmaschinenkopien erhalten. Ein Manuskript aud den Kindertagen bed Filmd sah so aus (einschließlichSzenarium",Personenzettel" und Requisitorium"):

Kurze Freude.

Mann mit Karren Sand, steckt Pfeife an, 3ungc sitzt auf, Mann leert Sand aus, 3unge kollert herab.

THZann.

Thinge.

3m Freien, Karre, Sand, Graben, eventuell mit Wasser."

Die Länge eines solchenMonumentalfilms" betrug etwa zwanzig Meter und beanspruchte einige Sekunden Dorführungsdauer.

Reben diesen Raritäten sieht man noch ein Programm einer Filmvorführung im Mai 1914 beim deutschen Kronprinzen und einen Vertrag der Mehter-Filmgesellschaft mit Henny Porten für zwölf Filme pro 3ahr. Ratürlich sind auch die Filme selbst aud jenen 3ahren aufbewahrt; sicherlich wird das Deutsche Museum gelegentlich die eine oder andere dieser Delikatessen vor­führen.