O- 16
jeder Bollen- hl stets billigt bei litW
Ms
Irandplatz.
n* 3.5Un‘
SW
fei »7000 ®t S'läZjS efl?n cher'-^^Äno.
ipin-Creme endlich hew. bei leclite Ilie, Jucken, Am- lag Hämorrhoiden Beinschäden, haben MV LHwen-Drilifi* Eüölnger S«W->
Seltersw^— M Bat W* :8füniltin^* »nheiien-feiuche, irflflc Lcobach- MUeberivachg.
Ermiiilun«^ ? oll Otten ett. sag® K.6erx,Bai-l“ n^KnriüJL— W-Betten a“»SfiS *äst&se
en
ngen
3762 c
lein alle
.40, und RWI.
i und
in
>ck, i zu
wal täglich svlschev w\ .Hankel . 261-2. i .n
Nr. 126 Zweites Blati
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen)
Dienstag. 2. Juni 1931
Gauliedertag in Gießen.
Der Sängergau Gießen-Stadt und -Land im Hessischen Sängerbund hielt am Sonntag in Gießen seinen zweiten Gault e d e r t a g ab.
Am Bormittag fand in der Neuen Aula der Uni- vcrsiät das
Weriungssingen
statt. Gesungen wurde in zwei Gruppen. In der e r st e n Gruppe (bis 45 Sänger) sangen die Der- eine: Gesangsabteilung der Polizeibamten, Gießen: „Liederkranz". Gießen: „Eintracht", Grüningen: „Harmonie", Klein-Linden: Turn- und Gesangverein Lollar: „Germania", Burkhardsfelden: Heiterkeit^, Annerod: „Concordia", Gießen. In der zwei- ten Gruppe (über 45 Sänger) waren zu hören: „Heiterkeit, Gießen; „Frohsinns Garbenteich: Gesangverein Treis a. d. Lda.; „Germania", Steinbach: Männergesangverein Mainzlar: „Viktoria", Garbenteich: sowie „Arion", Klein-Linden. Der Bauersche Gesangverein, Gießen, nahm infolge des erst kürzlich eingetretenen Dirigentenwechsels nicht am Wertungssingen teil. Jeder Verein sang zwei selbstgewählte Chöre, und zwar war oorgescyrieben ein Volkslied im weiteren Sinne, sowie ein Chor nach eigener Wahl. Als Wertungsrichter fungierte Obermusiklehrer Hubert Samper, Darmstadt. Es wurden durchweg gute gesangliche Darbietungen zu Gehör gebracht.
Anschließend an das Wertungssingen fand an der Südanlage (Ecke Plockstraße) eine
Kundgebung der Sänger
statt, zu der sich eine große Menge Zuhörer einge- funbcn hatte. Aus mehreren hundert Kehlen erscholl zunächst der „Deutsche Sängergrß". Der Gauvor- sitzende E. Koch, Gießen, gedachte sodann des kürzlich so jäh aus dem Leben geschiedenen Gauchor- Meisters Otto G ö r l a ch , um dann nach Begrüßung der Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, der Presse, des Hess. Sängerbundes, der Nach- bargaue und benachbarten Sängerbünde in einer Ansprache u. a. etwa folgendes auszuführen: Zum zweitenmal ist heute unser Heimatgau Gießen-Stadt und -Land zu seinem Gauliedertag zusammengekommen, um Zeugnis abzulegen von dem Fortschritt und der Weiterentwicklung unseres edlen Strebens. Daß unsere Ideale, das deutsche Volkslied zu pflegen, in der Volksseele tief wurzelt, beweist das große Interesse weiter Volkskreise an unseren Bestrebungen. Sie alle, die Sie an unserer schlichten Feier Anteil nehmen, mögen sich ein Urteil bilden über die Leistungen der Männeraesangvereine unserer engsten Heimat in Stadt und Land. Sie mögen sich weiter davon überzeugen,
daß in unserem Heimatgau ein lebendiger Geist herrscht und daß gerade hier für unser deutsches Volkslied eine gute Pflegestätte gegeben ist.
Wenn auch die Zeiten heute ernst und nicht dazu angetan sind, große Feste zu feiern, so soll die heu- tige Veranstaltung den Beweis erbringen, daß die deutschen Männergesangvereine ein hohes Ziel verfolgen, und daß wir uns in dem deutschen Lied über die Sorgen des Alltags hinwegzusetzen versuchen. Möchte der Geist des deutschen Liedes, der die deutschen Sänger ohne Unterschied des Standes, der Politik und der Konfession zu einer großen Volks- Gemeinschaft von Hundcrttausenden zusammengeführt at, sich weiter in unserem Volke fortpslanzen und so sein Teil dazu beitragen, unser deutsches Vaterland durch Einigkeit wieder mächtig und stark zu machen.
Anschließend sang der Massenchor unter Leitung von Musiklehrer S ch ä t t l e r „Mein Deutschland^ und „Das Mägdlein und der Reuter". Im Namen
der Provinzialdirektion, des Kreisamts und der Stadtverwaltung (letztere vertreten durch Stadtratsmitglied S ch w i e d e r) sprach Regierungsrat Schmidt. Er zollte den Leistungen des Gaues Gießen-Stadt und -Land besondere Anerkennung und betonte, daß man die Seele eines Volkes an dem Inhalt seiner Lieder erkenne. Der deutsche Männergesang trage zur Ueberbrückung der Gegensätze bei, er pflege die Liebe zur Heimat und zum deutschen Vaterland. Geschäftsführer Roth, Darm- stadt, überbrachte die Grüße des Gesamtvorstandes des Hessischen Sängerbundes, der sich dank der regen Tätigkeit der einzelnen Gcküe prächtig entwickelt habe. Er beglückwünschte den Gau Gießen-Stadt und -Land zu den Leistungen des Tages und betonte, es sei Zeit, daß sich die Männergesangvereine ihrer Aufgabe bewußt würden. Es gelte zu erreichen, daß wieder innere Verbundenheit zwischen den Trägern des deutschen Liedes und der Gesamtheit des Volkes eintrete, die wesentlich zur Einigung
DfB.-Giehen.
Borussia Fulda — VfB. Gießen 5:2 (5:0).
Die Grün-Weißen schlugen sich in Fulda besser, als man anzunehmen wagte. Das Ergebnis darf man als sehr ehrenvoll bezeichnen. Zwar stellte Fulda die bessere Mannschaft, deren Sturm der stärkste Teil war unb die Verteidigung vor schwere Aufgaben stellte, aber auch die Gießener lieferten eine Partie, die sich wohl sehen lassen konnte. Die Fuldaer waren schneller, spielten ideenreicher, planmäßiger, waren außerdem verstärkt durch den westdeutschen Repräsentativen Leugers von Borussia Rheine, der als Mittelstürmer eine ganz große Partie lieferte. Die Hiesigen litten ursprünglich unter einer wenig günstigen Mannschaftsaufstellung. Feuster als Halblinker war der Situation nicht gewachsen. Kreß in der Verteidigung war zu langsam, im Rahkampf nicht energisch genug, außerdem ließ er die notwendige Liebersicht vermissen. Ein Handicap erlitt die Mannschaft durch die Verletzung Haupts, die ihn für die zweite Halbzeit auf den Flügel verwies. Fehling ersetzte ihn in der Mitte nicht ungeschickt. Wesentliche Fortschritte machte Sauer auf dem Posten des Halbrechten. Mit dem Spiel der Läuferreihe konnte man zufrieden fein, die Verteidigung arbeitete exakt, Vingel besonders lief in der zweiten Halbzeit zu ganz großer Form auf.
Der Spielverlauf brachte sofort nach Beginn einige schnelle Vorstöße der Plahbesiher. Das Tor der Gießener kam oft in Gefahr. Der linke Flügel ließ sich des öfteren einfach überlaufen, die Gastgeber arbeiteten bald eine klare Lleber- legenheit heraus und brachten sie dadurch zum Ausdruck.-daß sie in der 17. Minute bereits mit 3:0 führten. Allerdings hatte auch der Gießener Sturm einige zwingende Chancen, die jedoch in geradezu sträflich leichtsinniger Weise ausgelassen wurden. Bis zur Halbzeit schraubten die Borussen das Ergebnis auf 5:0, ohne daß es die Gießener Verteidigung oder der Tormann verhindern konnten.
Rach der Pause ergab sich ein etwas anderes Bild. Die VfB.er hatten umgestellt, kamen nun mehr auf. schufen ein Gleichgewicht im Feldspiel, die Verteidigung, in der nun Henrichs mit- wirkte, arbeitete organischer, zuverlässiger, und
aller Volkslieder beitrage. Den Schluß der eindrucks- vollen Kundgebung bildeten zwei weitere Massen- chöre: „Wo gen Himmel Eichen ragen“ und „Nur die Hoffnung festgehalten".
Am Nachmittag fand zunächst eine kritische Besprechung des W e r t u n g s s i n g e n s durch die Dirigenten und Dereinsvorsitzenden statt. Anschließend kamen die Sänger mit ihren Ange- hörigen im Saale des Katholischen Vereinshauses zu einer
Nachfeier
zusammen. Bei dieser Gelegenheit wies der Gau- oorsitzende in einer kurzen Ansprache darauf hin, daß neben ernster Arbeit auch der Geselligkeit Raum gelassen werden müsse, die beide zusammen- gehörten. Geschäftsführer Roth, Darmstadt, zollte der regen Tätigkeit des Gaues Gießen alle Anerkennung, gleichzeitig aber auch seinem Vorsitzenden und dem Wertungsrichter. Im übrigen wurde der Nachmittag durch Gesangsvorträge der hiesigen Vereine „Concordia", „Cieberfrany' unb .Heiterkeit" ausgefüllt.
die Angriffe £<r Borussen wurden stets erfolgreich abgewehrt. Die Fuldaer vermochten in dieser zweiten Halbzeit nichts zählbares mehr zu erreichen. Die VfB.er wurden zusehends besser. Aber doch gelang es erst in der letzten Viertelstunde durch Fehling und Sauer zwei Erfolge zu erzielen. Das Spiel wurde durchaus fair ausgetragen. Anerkennenswert ist die Energie, mit der die Hiesigen das doch schon zu Halbzeit verlorene Spiel durchführten.
(Spielvereinigung 1900 Gießen.
VfR. Butzbach (Liga) — SpVgg. 1900 (Liga) 2:4 (Halbzeit 2:1).
Die Blauweißen gingen mit gemischten Gefühlen nach Butzbach, schon in Anbetracht dessen, daß die Butzbacher Rasenspieler im Pfingstturnier in Gießen spielerisch eine beachtenswerte Rolle spielten. 1900 hatte außerdem bei Spielbeginn nur 10 Spieler zur Stelle und ergänzte sich dann durch einen Reisebegleiter, der aber lediglich als Statist wirkte. Die Gießener Farben vertraten: Müller; Zeiler, Jäckel; Henrich, Langsdorf, Michel; Schneider, Wilhelmi, Heilmann und Schlarb, wozu dann noch Plage trat. Das Spiel stand unter der einwandfreien Leitung des Schiedsrichters Speckhard (BfB. Gießen).
Gleich zu Beginn legte der Gastgeber Butzbach mächtig los. 1900s Hintermannschaft zeigte sich aber allen Gefahren gewachsen und baute durch besseres Stellungsspiel immer wieder Gegenangriffe auf. Langsam schälte sich durch die bessere Ballbehandlung und die genauere Kombination eine leichte Ueberlegenheit der Gießener heraus. Torgelegenheiten wurden aber ausgelassen. Erst Mitte der ersten Halbzeit verwandelte Heilmann eine feine Vorlage Schneiders zum Führungstreffer für 1900. Bald darauf verschuldete Jäckel im eigenen Strafraum einen Elfmeter, der verwandelt wurde. Butzbach übernahm sogar kurz darauf die Führung, als Müller bei einer leichtsinnigen Fußabwehr den Ball ins eigene Gehäuse schlug. Bei diesem Stande blieb es bis zum Seitenwechsel.
Nach dem Wechsel fiel Butzbach seinem Anfangstempo zum Opfer. 1900 wurde klar feldüberlegen, der Gastgeber konnte nur durch vereinzelte Durchbrüche gefährlich werden. Die Blauweißen zeigten jetzt ganz ausgezeichnete Kombinationszüge und verdoppelten ihren Eifer, wobei sich besonders Henrich hervortat. Die Stürmer ließen zahlreiche Torschüsse
los. Der Gästehüter hatte alle Hände voll zu tun, erledigte sich aber geschickt und mit viel Glück der schweren Aufgabe, konnte aber nicht verhindern, daß drei Treffer der Spieloereinigungsleute in feinem Heiligtum landeten.
Die unteren Mannschaften hatten sehr unter dem Ausfall guter Kräfte zu leiden. Die Ligareserve bestritt zudem am Samstag und Sonntag ein Spiel. Die Leistungen waren minimal, Am oamstag erzielte sie gegen Leihgesterns erste Elf nur ein mageres Unentschieden (4:4) und unterlag am Sonntag gegen Lollars erste Mannschaft 10:2.
Das Spiel der Dritten hatte unter einer schlechten Schiedsrichter-Leistung zu leiden. Die 1900er fühlten sich benachteiligt und unterlagen gegen Lollars zweite Elf knapp mit 3:2.
Auch die vierte Mannschaft verlor die Begegnung gegen Bieber b. Rodheim erste Elf. Bieber blieb glücklicher 2:l-6ieger.
Oer (Sieg von Florenz.
AW
--
Fräulein Fleischer (Frankfurt) errang auf der Frauen-Olympiade in Florenz einen Doppelsieg im Kugelstoßen und Speerwerfen.
Or. peltzer siegt in Bitterfeld.
Dor 1500 Zuschauern wurden am Sonntag in Bitterfeld leichtathletische Wettkämpfe durchgeführt, bei denen auch Dr. Peltzer am Start erschien. Der Stettiner bestritt den 400-Meter-Lauf, den er leicht in 50,1 Sekunden vor Büchner-Leipzig gewann.
Sin glänzender Ersolg Gießener Schützen.
Die Kleinkaliber-Schießabteilung des Reichs- bahn-Turn- und Sportvereins Gie- ß e n weilte am Sonntag, 31. Mai, mit einer Mannschaft beim Reichsbahn-Turn- und Sportverein in Marburg a. d. Lahn zum Pokalschießen. Trotz schärfster Konkurrenz — vertreten waren 18 Mannschaften — errang der Gießener Verein mit seiner Mannschaft (Hainbach, Mootz, Eidmann, Schilling und Rabenau) mit 443 Ringen den Pokal. An zweiter Stelle stand der Schützenverein Marburg mit 410 Ringen. Bester Schütze des Tages war H a i n • bach - Gießen mit 98 Ringen.
VrandungdesLebens
Zftoman von Käte Lindner.
(Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig.)
1. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Lord Dalymore eröffnete ein Tischgespräch, indem er sein Zuspätlommen mit einer eben erst beendeten Segelbootfahrt nach Sirmione entschuldigte, man habe sich verspätet dabei. Sirmione biete eine Menge Schönheiten, die ja Catull schon besungen habe. Er könne den Herrschaften einen Ausflug nach der kleinen Halbinsel nur empfehlen. Man müsse aber früher aufbrechen, als er und Lady Balymore heute getan. Dann könne man mit der Ora (Südwind) bequem gegen Mittag wieder zurück sein.
Es gab nach dieser Einleitung eine angeregte Llnterhaltung, an der sich auch Renate lebhaft beteiligte. Wenn sie sprach, verschönte sich ihr Gesicht, die grauen Augen leuchteten in einem stillen Feuer, die Gestalt straffte sich.
„Welch ein ungleiches Paar", muhte der Engländer unwillkürlich bei sich feststellen. „Der Mann ist trotz seines guten Schneiders ganz Selfmademan, der von unten kam und es zu etwas gebracht hat. Raturmensch mit sehr materiellen Neigungen. Aber diese Frau mit dem vornehmen, vergeistigten Gesicht paßt ganz und gar nicht zu diesem Mann unserer Tage. Sie hat einen leisen Schmerzenszug um den Mund, der Rätsel aufgibt. Sie ist interessant."
Liskow sah ungeduldig der Beendigung des Mahles entgegen. Wenn es nach seiner ursprünglichen Reigung gegangen wäre, dann hätte er viel lieber in einer Trattoria ein einfaches Essen genommen, anstatt hier stundenlang zu sitzen und langweilige Konversation zu machen. Lind Renate würde ihm nachher gewiß wieder, wie oftmals schon in solchen Fällen, diesen aufmerksamen Englishman als Muster aller ritterlichen Tugenden aufstellen.
„Wir sind schon über drei Wochen hier, gnädige Frau, und haben die Absicht, noch längere Zeit in Gardone zu bleiben." Lord Balymore reichte Renate noch einmal das Eis. „Später wollen wir dann nach Rom und Florenz gehen. Die Kunstschähe des Palazzo Pitti und Dantes Geburtsstadt überhaupt kennt meine Frau noch nicht. So wollen wir diesmal den Weg über Florenz nehmen."
Eifrig ging Renate auf das angeschlagene Thema ein. Sie kannte Florenz, hatte sich viel mit Kunstgeschichte beschäftigt, es gab eine angeregte llntcrfjaltung, bis die Tafel aufgehoben wurde.
Liskow verabschiedete sich rasch mit einer tadellosen Verbeugung.
„Ich will sogleich nach Malcesine hinüberfahren", sagte er. „Wirst du mitkommen, Renate?" Auch sie stand auf und verabschiedete sich. Er reichte ihr den Arm und fragte nochmals im Weiterschreiten: „Kommst du mit? 3n einer Viertelstunde geht ein Dampfer."
Sie schüttelte den Kopf. „Ich bin müde, Hans- Heinrich, ich muß mich erst wieder an die Lust hier gewöhnen. Ich werde mich hinlegen und auf dich warten."
Er nickte. „Ruhe dich aus, aber warte nicht auf mich. Liebrigens ist vorhin auch unser Auto angekommen. Schneider hatte eine Panne unterwegs. daher die Verspätung. Ich habe das Gepäck gleich nach oben schaffen lassen, also wirst du alles zu deiner Bequemlichkeit vorfinden. Wenn ich spät zurückkommen sollte, könntest du ja noch eine Tour machen. Vielleicht nach Arco hinauf. Es wird dich entlüden.“
Am Fuße der Treppe verabschiedete er sich eilig, und Renate stteg die teppichbelegten Stufen hinauf. ohne sich noch einmal umzusehen.
Es ging laut und luftig zu in der Osteria „Zu den tausend Freuden".
Colomba Serra. die Wirttn, sah mitten unter ihren Gästen, hatte eine Laute im Arm und sang. Alle jene kleinen Schelmenlieder, die sie und nur sie, die glutäugige Colomba, so neckisch und so mitreißend fingen konnte. Schwarz wie Ebenholz lagen die Haare in dichten Wellen um ein Gesicht, das so holdselig war wie das der Madonna, die holzgeschniht mit leuchtenden Farben bemalt, im dunkelsten Winkel unter einem zuckenden, roten Flämmlein segnende Hände in den schmucklosen Raum hineinstreckte.
Denn so vielversprechend das Wirtshausschild draußen über dem schwarzverräucherten Torbogen auch den Augen des ankommenden Gastes entgegensprang... hier im Innern der Herberge „Zu den tausend Freuden" war nicht viel wahrzunehmen, was besondere Freuden hätte er» warten lassen. Ausgenommen die Wirtin selbst, die schöne Colomba, eine Sizilianerin aus der alten Sarazenenstadt Cefalu.
Als halbes Kind hatte der schon alternde Fischer Philippe Serra, den ein abenteuerliches Seefahrerleben an fremde Gestade geworfen, die Sizilianerin mit herausgebracht als sein angettautes Weib. Lind hatte ihr in dem kleinen S)äuß<f)en ein molliges Restchen eingerichtet, in dem er als trinkfroher-und lebenslustiger Wirt eine Üeine verräucherte Osteria betrieb. Llnternehmend und geschäftstüchtig, hatte er bald dem kleinen Häuschen ein Stockwerk aufgesetzt, mit einer Reihe bescheiden eingerichteter Fremdenzimmer, und das Ganze im Rausch seiner Verliebtheit das „Haus zu den tausend Freuden" benannt. Lind das kleine
Hinterhaus, das gerade frei geworden war, hatte Philippe dazugekauft und es ebenfalls zur Herberge ausgebaut, ©eine Landsleute hatten gestaunt über den unternehmenden und findigen Philippe, dem mit allen menschlichen Listen vertrauten, dem cs sogar gelungen war. seines so jungen Täubchens Liebe zu erringen und, was noch mehr heißen wollte bei ihrer Jugend und ihrem Temperament, sie bis an sein Lebensende festzuhalten.... Philippes eifersüchttge, zärtliche Liebe war allerdings wachsam und auf der Hut gewesen, und er hatte jedem die Faust unter die Vase gehalten, der fein Täubchen anders als mit Ehrerbietung angeschaut hatte. Santtssima... wie war er eifersüchtig gewesen!...
Als er. zuletzt lange kränklich, gestorben war, hatte Frau Colomba in ehrlicher Trauer heiße Tränen um ihn geweint. Aber dann war sie mit fröhlicher Geschäftigkeit ihrer Arbeit nachgegangen. Lind plötzlich hatte Frau Colomba aus aller Trauer heraus ein köstliches Gefühl der Freiheit verspürt. Ein Losgelöstsein aus Fesseln, die sie freilich, so lange Philippe lebte, als solche nie gefühlt hatte. Lind sie freute sich, daß sie noch jung war, wie ein Rausch war es über sie gekommen, und mehr denn je florierte jetzt das Geschäft, das eine schöne und heitere Wirtin hatte,
Ihre Heranwachsende Tochter hielt Frau Colomba fern. Vie zog sie Iulietta zu Dienstleistungen heran, die sie mit dem lustigen Treiben in der Weinlaube in Berührung brachte. Lernen sollte sie, eine bessere Schulbildung sich aneignen, als ihre Mutter sie gehabt. Eine feine Signorina sollte Iulietta einmal werden. Dann würde sie. die Mutter, genug Geld verdient haben. um die Herberge verkaufen und mit Iulietta irgendwo an einem schönen Platz leben zu können.
Lind Colomba sang und lachte und zog immer wehr Gäste herbei. Sie schenkte einen ferneren, roten Wein, den sie aus ihrer sizilianischen Heimat bezog. Lind einen, der mit reifer Süße eine dunkle Herbheit mischte, den die (Sonne gekocht hotte an den Abhängen des Vesuvs: „Tränen Christi" hatte ihn der Volksmund getauft, wohl weil er so süß und so herb zugleich durch die Kehle rann.
Tlnd die Wirttn schmückte die kahl getünchten Wände des vorderen Wirtschaftsraumes mit grell bunten Bildern, fo daß er auf einmal ein heiteres Gesicht bekam. Einige Tische standen darin, mit billigen Decken bedeckt. Sorglose Llngepslegtheit überall, heitere Buntheit. Große Fässer lagen in der Hinteren Ecke, ein roter Kattunvorhang deckte den Ausgang, der in den Hof unb nach dem Hinterhaus führte.
Die ganze rechte Seite des viereckigen Hofes bestand aus einer Weinlaube, durch deren gegittertes Dach die Sonne ihre breiten, goldenen Kringel hereinwarf und auf den Steinfliesen des
Hofes spielen liefe. Weiß gescheuerte, unbedeckte Tische standen hier, zur linken Seite zog sich eine Kegelbahn hin bis zur Wand des Borderhauses. Der Abendkühle halber saß man im Dorderraum, ein kleiner Kreis von Gästen, da es noch früh am Abend war. Ein wenig abseits von dem großen, runden Tisch saß Colomba, hatte die Laute im Arm und trällerte eine alte Volksweise:
„Se venisse il frate e disse: non sposar ..."
(äind käm auch der Mönch und sagte: „Heirate nicht.. .")
Ihre schwarzen Augen, die wie dunkle Sammet» Blumen in einem weißen, schmalen Gesicht standen. funkelten schalkhaft zu Massimo Clivetti hinüber. der ein Witwer war und sich sehr um ihre Gunst bewarb. Der strich sich schmunzelnd den Bart und straffte seine schon etwas nach vorn geneigte Gestalt.
Er war ein stattlicher Fünfziger und Besitzer eines kleinen Landhauses drunten in Garda. Er nahm hastig, wie in Verlegenheit, einen tiefen Schluck aus feinem Glas und warf daim der schönen Sängerin eine Kußhand zu.
»Ach. Colomba, wenn ich nicht wüßte, daß du dir immer nur einen Spaß mit Männern machst, die es so ehrlich meinen, ich ..."
„Meinst etwa, sie hängt sich jetzt wieder einen Alten an den Hals, Massimo? Das säh dem Täubele ähnlich. Hat ihre erste Liebe dem Philippe gegeben, aus jugendlichem Llnverstand und wohl auch aus Vot heraus.... Ain zweites Mal tät das die Colomba nimmer, Massimo.... Verlaß dich drauf, sie wird sich einen Jungen nehmen. ... Einen, dem das Blut noch nicht stockig geworden ist und der sie lehren wird, was Liebe ist und Gernhaben.... Vicht du wirst das fein, Massimo."
Em großer, grobschlächttger Bursche war es. der aufgestanden war und dem Massimo wie ein gereizter Stier gegenüberstand. Kleine, unruhige Augen hatte er über starken Backenknochen, eine gelbe Haut und massige Glieder. Aber er halte einen großen, fiebernden Mund, der in Begehrlichkeit dürstete, glühte, als er jetzt die unruhig flackernden Augen auf Colomba richtete. Viel eindringlicher als feine Augen redete fein fiebernder Mund mit den schön geschnittenen Lippen.
Lind Colomba rann ein leiser Schauer über den Leib. Llnwillkürlich kam ihr der Wunsch, sich von diesem Mund küssen zu lassen, küssen... bis zur Dewuhtlosigkett. Colomba schüttelte sich, wie aus einem Traum erwachend, ihre Finger griffen aufs neue in die Saiten.
.Was fängst du schon wieder (Streit an, Mario. -.?" sagte sie. und ihre breiten Lider legten sich über die schwarzen (Sammetaugen. „Ob ich mir einen Alten wieder nehm' oder einen Jungen was geht es dich an, Mario? Das steht bei mir/
(Fortsetzung folgt.)


