Ausgabe 
2.6.1931
 
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Woche. Die Sozialpolitik und die sozialen Ein­richtungen müssen geschützt und erweitert werden. Der Parteitag ist sich bewußt, daß die Durchsetzung dieser Gegenwartsforderungen ebenso wie die Ver­wirklichung des Sozialismus p o l i t i s ch e Machtfragen sind. Die Verteilung der poli­tischen Macht steht noch im Gegensatz zur sozialen Struktur. Diesen Widerspruch aufzuheben tft die wichtigste Voraussetzung für die Durchführung einer sozialeren Politik und der schnelleren lieber- Windung des Kapitalismus."

Snber Abstimmung wurde die Entschließung Tarnow gegen wenige Stimmen angenommen, nachdem eine umfangreiche Gegenentschlie- ß u n g der oppositionellen Gruppe mit Mehr­heit abgelehnt worden war. Ebenso wurde die Entschließung zur Frage der Frauener- werbsarbsit genehmigt, weitere Entschließun­gen zur Sozialis ierungsfrage und zum Ausbau der Arbeitslosenverfiche rung wurden dem Parteivorstand überwiesen. Ein An­trag Mäder über das Währungs Problem wurde abgelehnt.

Noch keine Entscheidung über den Kurs.

Leipzig, 1. Juni. (CNB.) Der erste Tag der Verhandlungen des Sozialdemokratischen Partei- kongresses hat noch nicht die endgültige Entscheidung über den Kurs der Partei gebracht. Vielmehr wird die eigentlicheSchlacht" erst morgen geschlagen werden, wenn durch die Re­ferate von B r e i t s ch e i d und S o l l m a n n und in der daran anschließenden Aussprache die aktuellen politischen Probleme erörtert werden, die mit der Stellung der sozialdemokratischen Reichs­tagsfraktion zum Kabinett Brüning, zum Panzer­

kreuzer und zu der neuen 'Jtotoerorönung Zusammen­hängen. Dabei ist aber schon zu beachten, daß das Kernproblem der morgigen Verhandlungen des Parteitages überhaupt nur die Stellung zum Kabinett Brüning ist, während Panzerkreu­zer und Notverordnung nicht Probleme, sondern nur Symptome sind. Schon in der heutigen Debatte hat sich gezeigt, daß

der Parleivorstand eine kompakte Mehrheit von mehr als Dreiviertel aller Delegierten hinter sich hat.

Die Opposition, die von den bekannten neun Ab­geordneten geführt wird, ist zwar recht rege gewe­sen, ihr haben sich aber Männer, wie z. B. Cri- spien, entgegengestellt, deren Namen gerade auf dem linken Flügel der Sozialdemokratischen Partei einen guten Klang haben. So konnte Otto Wels am Schluß des ersten Tages feststellen, daß die Tarnowsche Entschließung einstimmig angenommen worden war. Bei der Gegenprobe hatte sich keine Hand erhoben. In Kreisen, die über die Stimmung unter den Delegierten gut unterrichtet sind, gilt es denn auch als sicher, daß die überwältigende Mehr­heit morgen hinter der Führung stehen wird. Das ist um so eher anzunehmen, als z. B. Dr. Breit- scheid die Absicht hat, seinen Parteifreunden auch die Gefahren des jetzigen Kurses des Kabinetts Brüning mit aller Offenheit auseinanderzusetzen. Praktisch bedeutet diese Entwicklung, daß von s o - zialdemokratischer Seite ein Antrag auf Einberufung des Reichstages nicht zu erwarten ist. Darin dürfte für die Reichspolitik das wesentlichste Moment und die Bedeutung des Leip­ziger Parteitages liegen.

Oie Beratung der Kardinale.

Vorläufiger Waffenstillstand.

Mussolini.

' Rom, 1. Sunt. (WTD.) Wie derOffer- vatore Romano" mitteilt, sand heute vormittag ' in der Privatbibliothek des Papstes eine Z u - 7 fammentunf t sämtlicher in Rom anwesenden Kardinäle statt. Der P apst hat bei dieser Gelegenheit das Kardinalskollegium über die Vorgänge der letzten Tage und über ihre Be­ziehungen mit den Lateran-Verträgen un­terrichtet. Das Kardinalskollegium hat, wie es in der Meldung desOsservatooe Ro­mano" weiter heißt, seinem lebhaften Be­dauern über die Ereignisse Ausdruck gegeben, die die Person des Heiligen Vaters und die ihm

Papst P i u s XI.

und der Kirche nahestehenden Einrichtungen be­troffen haben. Alle anwesenden Kardinäle haben für die von ihnen geleisteten Kongregationen dem Papst ihre unerschütterliche Ergeben­heit und den Gehorsam gegenüber sei­nen Direktiven zum Ausdruck gebracht. Fer­ner teiltOsservcttore Romano" mit, daß ange­sichts der gegenwärtigen schmerzlichen Umstände von den kirchlichen Oberbebörden

alle Prozessionen außerhalb der Kirchen verboten

worden sind. Weiter veröffentlichtOfferbatore Romano" eine Erklärung des früheren Kardinal­

staalssetretars G a > p a r r i uu. eine Infor­mation desPopolo di Roma", daßer niemals an irgend eine berufene Persönlichkeit, noch an sonst wen einen Brief oder eine Mitteilung habe gelangen lassen, die sich irgendwie auf die Katho­lische Aktion bezogen hätte".

Die Polemik um die Katholische Aktion ist mit dem heutigen Tage in eine neue Phase eingetreten und vorerst eingestellt wor­den.Lavoro Faseista" kündigt am Kopf des Blattes in Fettdruck an, daß es die in Gang be­findliche Arbeit der verantwortlichen Stellen nicht stören wolle. AuchOsser- vatore Romano" verzichtet bei der neuen Wen­dung der Dinge auf die Fortsetzung der Ver­öffentlichung der Deschwerdelisten.

Oer Präsident der Katholischen Aktion erklärt.

Rom, I.Juni. (WTB.) In einem Interview des in Bologna erscheinendenResto Carlino" mit dem

Präsidenten der Katholischen Aktion, C i r i a c i, dementiert dieser diefalschen und ten­denziösen Versionen", die über die Jahresversamm­lung der Katholischen Aktion verbreitet worden seien und erklärt u. a., die Zusammenarbeit mit dem Regime sei freiwillig und auf­richtig.

Die Katholische Aktion dürfe unter keinen Um­ständen mit einer politischen Aktion verwechselt werden. Auch nicht entfernt könne die Katho­lische Aktion in Verbindung gebracht werden mit einer möglichen Wiederherstellung der früheren katholischen Volksparlei. Die Befürchtung, die Katholische Aktion könne ;um Mittelpunkt regimefeindlicher Bestrebungen werden, sei voll­kommen unbegründet.

Die Katholische Aktion werde fich immer nach den Richtlinien des Hl. Stuhles und in Uebereinstimmung mit den Bestimmungen des Konkordats außerhalb jeder politischen Arbeit einstellen.

Die deutsch-österreichische Gemeinschast.

Oie deutschen Zeitungsverleger bekunden in Wien die deuffch österreichische SchicksalSgemeinschast.

Wien, 1. Sunt (WTD.) Sm Zeremoniensaal der Burg begannen heute die Verhandlungen der 3 7. Hauptversammlung des Ver­eins Deutscher Zeitungsverleger mtt einem Festakt, zu dem auch viele Ehrengäste, dar­unter die Vertreter der österreichischen Bundes­regierung und der deutschen Reichsregierung, erschienen waren.

Der Vorsitzende des Vereins Deutscher Zei­tungsverleger, Kommerzienrat Dr. Krumb- tz a a r , sprach der österreichischen Bundesregie­rung, der Stadt Wien und dem Verband der Herausgeber der österreichischen Tageszeitungen seinen Dank aus für die Einladung nach Wien. Der Redner kam dann u. a. auf die

Wechselwirkung zwischen Presse und Volk

zu sprechen. Er erklärte u. a.: Von Anbeginn hat es der Verein Deutscher Zeitungsverleger als eine seiner Hauptaufgaben erachtet, das Bewußtsein der letzten und Höchsten Verantwortung zu schärfen und zu vertiefen. Gerade in unseren mit po­litischer Spannung erfüllten Tagen erwächst der gesamten deutschen Presse eine gewaltige Fülle bedeutungsvoller und verantwortungsschwerer Aufgaben im Hinblick auf unser gemeinsames Schicksal. Durch nichts kann diese Schicksals- gemeinschast stärker getäuscht werden, als durch die Ereignisse der letzten Tage. Der Wunsch Oesterreichs und Deutschlands, für das deutsche Völk beider Staaten einen breiteren und größe­ren Wirtschafts- und Dewegungsraum zu schaf­fen, um der wachsenden Verelendung Halt zu ge­bieten, und die wirtschaftliche Befriedung Mittel­europas anzubahnen, ist bekanntlich in Genf auf stärksten Widerstand gestoßen.

heute, wo das Deutschtum der äußeren Macht­mittel beraubt ist, sind es allein die moralischen Kräfte, mit denen wir unsere Weltgeltung zu erringen und zu bewahren vermögen, und das wichtigste Werkzeug dafür ist die Presse.

Für uns alle, die wir deutschen Volkstums und deutscher Zunge sind, ist die deutsche Sprache, ist das gedruckte deutsche Wort, ist die deutsche Zeitung das einigende Band geisttger Zusammen- gehörigkeit und gemeinsamen Volksttcms. Ange­sichts des ungeheuren Reichtums an Gütern des Geisteslebens, der Kunst, der Wissenschaft, der Technik, die das deutsche Volk der Welt geschenkt hat, sind wir stolz darauf, dieser Dolksgesamthett anzugehören. Unser Stolz kann durch äußeres Mißgeschick nicht gebrochen werden. Sn diesem Bewußtsein empfinden wir den heutigen Tag als einen Ehrentag für das gesamte Deutschtum." Der Redner schloß mtt einem begeistert aufgenom- menen Hoch auf dcn Bundespräsidenten Miklas, den Reichspräsidenten von Hindenburg und das gesamte Deutschtum.

Nach den Begrüßungsansprachen der österreichi­schen und deutschen Regierungsvertreter sprach Kommerzialrat Fliege l namens des Verbandes

der Herausgeber österreichischer Tageszeitungen und teilte dabei u. a. mit, daß Kommerzienrat Dr. Krumbhaar, Prof. Julius Ferdinand Wolff und Kommerzienrat Dr. h. c. Neven-DuMont zu Ehrenmitgliedern des österreichischen Verbandes ernannt worden seien. Nach Dankesworten von Kommerzienrat Dr. Krumbhaar, auch im'Na­men der beiden anderen Herren, sprach Dr. Neven- Du Mont kurz den Dank des Vereins für dis Behördengrüße aus. Hierauf hielt Prof. Julius Ferdinand Wolff einen Vortrag über das Themar

Pressefreiheit und Kultur der Zeitung".

Der Redner wies u. a. darauf hin, daß Wien eilt klassisches Schlachtfeld der Kämpfe um die deutsch« Pressefreiheit sei. Anhand eines reichen Tatsachen­materials aus der österreichischen Geschichte schil­derte der Vortragende die drei Versuche Knebelung zur Pressefreiheit, die in Oesterreich im Zeitraum der letzten 150 Jahre unternommen wurden, beleuch­tete ausführlich das Aufkommen von Demagogie und den Mißbrauch der Pressefreiheit durch unver­antwortliche Elemente und die daraus folgende er­neute Knebelung der Presse durch Polizeigesetze. Der Vortragende umriß dann kurz die Grenzen zwischen Freiheit und Zügellosigkeit der Presse und kritisierte mit großer Schärfe Auswüchse des heutigen Presse­wesens. Unterdrückt man die freie Bildung der öffentlichen Meinung durch Knebelung der Pressefreiheit oder dadurch, daß durch die demagogische Ausnutzung eines Mas­senwahnes Denken und Denker unterdrückt werden, dann wird das Vakuum, das durch den Ausfall einer wirklichen öffentlichen Meinuna . .tt- steht, von der rohen Gewalt eingenommen. Sie rohe Gewalt aber vereinigt sich in iyrer kulturzerstören­den Wirkung mit dem Materialismus, während in Wirklichkeit die Erneuerung des Geistigen in der Welt nur durch den Immaterialismus, das Meta­physische, entsteht.

Mögen Millionen", schloß er,auch mit dem geschriebenen und gedruckten Wort in furchtbarer Weise das Göttliche in der Welt verleugnen, wir werden uns nicht den Glauben aufzwingen lassen, daß in diesem homerischen Kampf um die Kultur der schmähsüchtige und kulturlose Ther­sites Sieger bleibt."

Im Anschluß daran fand eine geschlossene Arbeits­tagung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger statt. Sei der österreichischen Regierung zn ©aff.

Die Teilnehmer an der Hauptversammlung waren heute abend Gäste der österreichischen Bundesregierung auf einem Bankett in den Fest- räumen der Burg. Spitzen der österreichischen Regierung sowie prominente Vertteter der deut­schen Reichsregierung und hervorragende Per­sönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Zeitungs- und Buchdruckwesen nahmen an dem Bankett teil. Sm Rarnen der österreichischen Bundesregierung begrüßte

Brotlose Kunst.

Don Prof. Dr. h. r. Max Liebermann, Präsidenten derpreußischenAkademie derKünsie.

Wenn man heute die Malerei als brotlose Kunst bezeichnet, so ist das keine llebertreibung. Die Aussichten für einen Maler sind heute alles andere als rosig. Wenn man mich fragt, ob ein junger Maler Aussicht auf Erfolg hat, ist das ungefähr dasselbe, als wenn man mich fragen würde, ob ein Bankbeamter Aussicht hat, ein Rothschild zu werden. Der Außenstehende hat nut eine schwache Vorstellung von den grauen­haften Zuständen, die im Zusammenhang mit der allgemeinen Rot der Zeit in Künstler kreisen herrschen, lind ttohdem bin ich der Meinung, daß wahre Tüchtigkeit die schwersten Hindernisse überwinden wird. Ein junger Künstler hat es niemals leicht gehabt. Heute aber ist sein Weg durch die äußeren Zustände in einer Weise ge­hemmt, wie dies frühere Generationen in dem Maße nicht gekannt haben: was für uns Maler natürlich äußerst traurig ist, für die Kunst aber nur einen Rückfall in die Situation vor dem Kriege von 1870/71 bedeutet. Als dann mit den fünf Milliarden Kriegsentschädigung einer Summe, von der sich selbst Bismarck keine Vor­stellung machen konnte ein unermeßlicher Reich­tum über uns ausyeschüttet schien, wurde aus der Malerei die milchende Kuh. Künstler und Kunsthändler und Kunstkäufer wuchsen, wie Pilze nach einem warmen Regen, aus der Erde. Die Malerei wurde ein einttägliches Metter, das seinen Mann ernährte. Seder junge Mann, der mit und in seinem Berufe unzufrieden war oder es in ihm nicht weiterbringen konnte, wurde Maler, /und es wurde ihm nicht allzu schwer, seine Bilder abzusetzen.

Auf allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens sind heute die Preise gefallen und die Honorare zurückgegangen das ist eine Tatsache, die allzu bekannt ist, um bei ihr länger zu verweilen. Die Preise für Bilder auf Kunstauktionen als auch bei den Kunsthändlern sind unendlich ge­sunken, selbst ein Rembrandt, wenn es nicht eines seiner Meisterwerke ist, erzielt höchstens noch die Hälfte der früheren Preise. Das Aller- schlimmste auf dem Kunstmarkt ist aber nicht der Preissturz selbst, sondern die Tatsache, daß ein

junger Mann überhaupt kaum noch die Möglich­keit hat, feine Bilder zu verkaufen, wenigstens in Deutschland: welche traurige Tatsache wohl darin begründet ist, daß das Snteresse für bil­dende Kunst im Publikum nicht nur bedenklich gesunken, sondern gleich Rull geworden ist.

Wenn ein junger Künstler mich um Rat fragt, mache ich ihn auf das Aussichtslose dieses Be­rufs aufmerksam. Wovon die jungen Künstler leben, das ist mir ein Rätsel. Rur in Paris hat der junge Maler immerhin die Möglichkeit, wenn er etwa auf dem March£ aux fleurs für 2 Sous einen Blumenstrauß ersteht und ihn abkonterfeit, dieses lünstlerische Erzeugnis für 5 oder 10 Francs irgendwo abzusehen. Cs ist das freilich nicht 1 viel, aber immerhin genügend für ein beschÄdenes Mittag- und Abendessen. Auch die Kauflust der Amerikaner hat nachgelassen. Früher haben Ame­rikaner in München oder Düsseldorf waggon­weise Bilder gekauft. Heute ist dem nicht so. Und vielleicht liegt die Ursache dieser Erschei­nung auch in der Entwicklung der Kunst. Wie nicht jedes Weinjahr gut ist, so ist auch nicht jede Epoche für die Kunst fruchtbar. Sede Epoche hat eine eigene Anschauung von der Ratur, und es ist möglich, daß die Anschauung der modernen Künstlergeneration die Käufer zum Erwerbe von modernen Bildern nicht allzu sehr reizt. Die Maler haben stets das Publikum, das sie ver­dienen, und umgekehrt hat das Publikum öii Maler, die es verdient.

Trotz allem will ich die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht sinken lassen. Man muß der Gegen­wart Rechnung tragen und darf vor Tatsachen .die Augen nicht verschließen. Gewiß, der Staat tut gerade in Deutschland viel, um die Rot zu lindern und angehenden Talenten den Weg zu ebnen. Eine wichttge Bedeutung hat die Zu­sammenlegung der Kunstschulen mit kunstgewerb­lichen Schulen, denn die Entwicklung der heuttgen Kunst führt die Maler zu einer Einstellung auf bas Kunstgewerbe. Die Kunst scheint sich mir überhaupt in der Richtung zum Plakatarttgen äu entwickeln. Diese Entwicklung liegt in der Zeit, die offenbar angewandter Kunst günstiger ist. Da­gegen ist nichts einzuwenden. Auf dem Gebiete der angewandten Kunst, der Reklame, des Pla­kates sowie auf dem Gebiet des Films, liegt das wahre Betätigungsfeld für den modernen Künst­ler. Gerade auf dem Gebiete des Plakats ist bereits seit einem Menschenalter Wunderbares

erreicht worden, und zwar von den Franzosen wie Che ret, Toulouse-Lautrec, bei uns von Ty. Th. Heine und Gulbransson. Dor vierzig Sahren wurde der Plakatstil, den es ja auch in der Musik und Literatur gibt, im Pariser Cabaret du Chat-noir geboren. Dieser eigenartige Stil hat die Umwälzung, wie sie heute vor s^ch geht, vorbereitet. Sn der ganzen Welt, marschiert das siegreiche künstlerische Plakat voran. Hub nicht nur die Deutschen und Franzosen, auch Eng­länder und Amerikaner haben auf diesem Ge­biete Hervorragendes geleistet. Die Möglich­keiten, die auf solch neuen Wegen der Kunst er­schlossen werden können, sind das Morgenrot in einer düsteren Gegenwart.

Oas Wunder der Heiligen Elisabeth.

Die Deutung des Wunders der Heiligen Elisa­beth gibt der fränkische Dichter Leo Weis­man t e l im Suniheft von Velhagen & Kla­st n g s Monatsheften: Elisabeth ist wie kaum eine andere Heilige ein Besitztum über den Konfessionen unseres Volkes geworden. Aber allen ist durch ihr Leben und durch das Gedenken an sie die letzte entscheidende Frage gestellt nach der letzten Substanz der Mirakel, von denen die Legenden künden. Sft das Rosenwunder, ist das Mantelwunder, sind dies alles dichterische Legenden oder historische Fakta? Man greift sich an den Kopf, kann man so fragen? Legenden sind niemals historische Fakten, glauben wir Auf­geklärten. Das Volk glaubt anders, lind das Entscheidende ist: Elisabeth selbst glaubte anders als wir Aufgeklärten. Elisabeths ganzes Leben ist der Glaube an die Möglichkeit, ja an die nahezu naturwissenschaftliche Folgerichttgkett, mit der dasWunder" geschichtliches Faktum wird, sobald wir Menschen nur durch unseren Glauben die Voraussetzüngen für die Möglichkeit dieses göttlichen Gnadenaktes geschaffen haben. Wir haben Sahrhunderte unseres menschlichen Denkens darauf verwendet, unsere Heiligen zuvermensch­lichen", all das, was von ihnen erzählt wird und was der Vermmft widerstrebt, alsLegende" zu nehmen. Wir haben vergessen, daß wir da­durch uns gegen ihren eigenen Glauben ver­sündigen, ihren Glauben vor uns selbst ver­fälschen. Den Zeitgenossen war Elisabeth wie I der Franz von Assisi einTor", einaus­gemachter Tor", und trotzdem zwangen diese I

Toren" der Welt es ab, schon wenige Sahre nach ihrem irdischen Hinscheiden auf ine Altäre der Kirchen gestellt zu toerben.

Kelix Holländer f.

Felix Holländer, der bekannte Berliner Kritiker und Romanschriftsteller, ist, 64jährig, gestorben. Holländer war viele Jahre hindurch der vertrauteste Berater Max Reinhardts, an dessen Theatern er zuerst als Dramaturg, später als Direktor wirkte.

Hochschulnachnchten.

Ein Lehrstuhl für Baukonstruktionslehre an der Hochbauabteilung der Technischen Hochschule zu Dresden ist dem ao. Professor an der Technischen Hochschule in D a r m st a d t Dr.-Jng. ehrenhalber Georg Rüth angeboten worden. Professor Rüth, der aus Zwingenberg in Hessen gebürtig ist, erhielt 1925 die Ernennung zum außerplanmäßigen ao. Professor an der Darmstädter Hochschule die ihn auch zum Dr.-Jng. ehrenhalber ernannte in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Einführung neuzeitlicher Sicherungsarbeiten an gefährdeten alten Bauwerken.