Nr. 78 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für ©berljefien)
Donnerstag, 2. April 195t
SJ.4port
Koblenz-Neuendorf - SC 03 Kassel
nicht in Gießen.
Aach Den amtlichen Mitteilungen des WSV. sollte am Ostermontag auf dein Sportplatz der Spielvereinigung 1900 ein Spiel um die Ermittlung des Zweiten der Gruppe 2 des Verbands- gcbietes zum Austrag gelangen. 3n Siesten stehen sich die Mannschaften von Koblenz-Reuen- dvrs und der Dezirksmeister SE. 03 Kassel gegenüber. Heben diesem Spiel finden noch zwei weitere Spiele int Derbandsgebiet statt, und zwar zwischen Alemannia Aachen und Koblenz Qleucn- dors am Gründonnerstag in Bonn und in Gelsenkirchen zwischen Union Gelsenkirchen und Mei- dericher Spielverein am Ostermontag. Am Freitag, 12. März, soll außerdem noch ein Spiel zwischen Alemannia Aachen und 6<b. 03 Kassel steigen. Die Austragung dieser Spiele ergibt sich durch die Punktgleichheit der Vereine Alemannia Aachen. Kovlenz-Veuendorf und Kassel 03, die in dieser Runde den Zweiten der Gruppe 2 seststellen sollen, der unter Umständen dann in den Kamps um die Meisterschaft im WEB. eingreifest und schliestlich in den Kämpfen um die deutsche Meisterschaft als zweiter oder dritter Vertreter für den WSV. teilnehmen soll. Dem Siebener Sportpublikum wäre Gelegenheit gegeben gewesen, Zeuge eines Kampfes zwischen zwei hochqualifizierten Mannschaften zu sein. Leider aber haben die Kasseler abermals einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn sie lehnten es ab, in Siesten zu spielen. Der Kampf, der für Siesten vorgesehen war, soll nunmehr in Marburg zum Austrag gelangen.
Sport am Karfreitag.
Seit den in verschiedenen deutschen Staaten herrschenden behördlichen Verboten ist das Sportprogramm am Karfreitag, der früher den beiden Oftertagen nur wenig in der Reichhaltigkeit der sportlichen Veranstaltungen nachstand, merklich geringer geworden. Rur die alljährlichen Oftertumicre im Hockey haben sich noch dürchge- seht, und diesmal kommt als weitere Grohveran- staltung der
in Führung. Die kombinierte Elf ging nun völlig aus sich heraus unt> stellte durch Drei Tore ihren verdienten Sieg sicher. Ungefähr 500 Zuschauer wohnten dem Kampfe bei.
Tv.Londorf-Spg.CintrachtZrankfurt
Am Ostermontag empfängt der Tv. Londorf eine kombinierte Handballelf der Spvrtgemeinde Eintracht Frankfurt a. M. zu einem Freundschaftsspiel. Tie Sport gemeinde Eintracht spielt in der Dezirksliga der DSD. und hat gegen Spitzenmannschaften sehr gute Resultate erzielt. Der Exmeister Londorf, der auch in diesem Jahre wieder gute Aussichten auf den Meistertitel hat, wird alles aus sich herausgeben müssen, um gegen die technisch gut durchgebildeten Frankfurter gut abzuschneiden.
Handball im (Sau Hessen (O.T.)
Ircie I — Romrod I 3:2 (1:1).
Dor etwa 300 Zuschauern traten auf dem Sportplatz am Totenberg obige Meisterschastsonwär- ter zum Entscheidungsspiel an. Treis hatte den eigenen Platz zum Vorteil und konnte bere s in der 10. Minute den Führungstreffer erzielen, dem ober in der 20. Minute der Ausgleich folgte. Mit 1:1 ging cs in die Pause. 3n Der zweiten Hälfte waren beide Mannschaften ziemlich ebenbürtig, dem Platzverein war jedoch Ler Sieg mit obigem Resultat vergönnt. Schiedsrichter Rothermel, Siesten, leitete gut. — Das Spiel der zweiten Mannschaften endete 3:3.
To. Grohen-Linden I — Tv. Wehlar II.
Für den 2. Osterlag hat sich die 1. Elf des Tv. Grohen-Linden die 2. Mannschaft des Tv. Wetzlar verpflichtet. Wehlar verfügt zur Zeit über eine spielstarke Reserve, so dost die Gastgeber vor keiner leichten Aufgabe stehen. Vorher
wird die Jugend ihre Kräfte mit der gleichen Mannschaft deS Tv. Lützellinden messen.
Sper»ing Europameister.
Don den deutschen Teilnehmern an den Ringer» Europameisterschaften in Prag konnte sich Sperling, Dortmund, als Meister seiner Gewichtsklasse durchsetzen. Hering, Leucht. Vogedes und Gehring wurden Zweite und Dritte.
DaS Endklassemcnt: Bantamgewicht: 1. Thuvesson, Schweden: 2. Rizzola, Italien: 3. Leucht, Deutschland. Federgewicht: 1. Pih- lajäki. Finnland: 2. Hering. Deutschland: 3. Mandr, Tschechoslowakei. Leichtgewicht: 1. Sperling. Deutschland: 2. Düli. Estland: 3. Dahl, Rorwegen. Weltergewicht: 1. Roriling. Schweden: 2. Kusnetz. Estland: 3. Glans, Schweden. Mittelgewicht 1. Johannson, Schweden: 2. Kokkinen, Finnland: 3. Kavels, Lettland. Halbschwergewicht: 1. Pallinen, Finnland: 2. Svensson, Schweden: 3. BogedeS, Deutschland. Schwergewicht: Westergren, Schweden: 2. Rystrom, Finnland: 3. Gehring, Deutschland. — Länderklassement: 1. Finnland 13 Punkte, 2. Schweden 12 Punkte: 3. Deutschland 8 Punkte.
Davit Pokalspiele begonnen . ..
Mit dem Tressen zwischen Paraguay und Argentinien in Asancion haben die Davispokalspiele ihren Anfang genommen. Die beiden Ein- zelspicle des ersten Tages wurden beide von Argentinien gewonnen, das damit 2:0 in Führung liegt.
Kurze Sportnotizen.
Ausschreitungen auf dem Platze des SD. Waldhof am 1. März gelegentlich des Meisterrundenspieles gegen den Karlsruher FD. haben jetzt zu einer Geldstrafe von 30 Mark gegen den SD. Waldhof und Androhung der Platzsperre für künftige Fälle geführt. Lange (KFD.) wurde wegen rohen Spiels einen Monat gesperrt.
Oer Heffenkampf im Kunstturnen.
Rheinhessen siegt vor Oberheffen und Starkenburg.
JufjbaUfampf Süddeutschland — Westdeutschland in Saa r brücken hinzu. Die beiden Verbände, die sich schon in vielen Schlachten begegneten, scheinen den diesmaligen Kampf nicht sehr ernst zu nehmen, da beiderseits „zweite Garnituren" gestellt werden. Süd stellt mit einigen Ausnahmen dje am Vorsonntag gegen Elsaß siegreiche badische Mannschast, und der Westen beschränkt sich out eine rein Düsseldorfer Kombination. Der Kampf gilt als Rückspiel für das seinerzeitige Tressen aus Anlast der Einweihung des west- deutschen Jugendheimes in Duisburg, das Süddeutschland überraschend 5:2 verlor.
Die beiden Mannschaften:
Westdeutschland: Pesch: Trautwein.Dornefeld (alle Turu Düsseldorf»: Westenkämper (Turu), Dender (Fortuna), Albrecht (Turu): Al-' brecht «Fortuna), Mehl (Turu), Hochgesang, Köhler, Kobierski (alle Fortuna).
L. f. K tid).
Garbenteich-ceihgestern (tomb.) — Steinberg I 3:1.
Aus Anlast des Jugendheim-Opfer.ages kam am Sonntag in Lich dieses Spiel zustande. Steinbach zog seine Spieler zurück, so daß Steinberg allem gegen die kombinierte Mannschaft antreien mußte. Dis zur Pause waren beide Gegner in bezug auf Technik, Taktik und Zusammenspiel gleichwertig. Rach dem Wechsel ging Steinberg
(Sonderbericht des „Gießener Anzeigers".)
Den Höhepunkt der gröberen Kunst turn-Mann- schaftskämpfe, die der Mittelrheinkreis der D. T. in der heurigen „Kunstturnsaison" sah, bildete — wie schon kurz berichtet — am Sonntag der -weite Hessenkampf der grosten hessischen Turngaue Hessen (Oberhessen), Rheinhessen und Rhein-Main (Starkenburg). 3n Anwesenheit von Vertretern der staatlichen und städtischen "Behörden und vor fast 4000 Zuschauern wurde die Veranstaltung in der festlich geschmückten Mainzer Stadthalle zu einem werbekräftigen turnsportlichen Ereignis. Die ausgesuchtesten Geräteturner des Mittelrheinkreises zogen zur Dühne, um in mehr als dreistündigem Wettbewerb um den Wanderpreis des hessischen Staatspräsidenten zu kämpfen, den im ersten Treffen in Darmstadt unser Heimatgau errungen hatte.
Geturnt wurde von den acht Turner jeder Provinzmannschast je eine Kürübung an Darren, Längspserd, Seitpferd und Reck: dazu kam für je drei Mann eines Ga.es eine Kürsreiübung. Dem Obmann Frey stand ein fachkundiges Schiedsgericht zur Seite, gebildet aus den Gau- oberturntoarlen W. Will (Gießen) und H o s - ferberth (Darmstadt) und aus ©au-TOärqter- tumtoart Günderoth (Lomper. eim), während als Kampfrichter getoonuen waren Kreisoberturn
toart Bauer (Ludwigshafen), Gauoberturnwart Wagner (Ludwigshafen) und Gauoberturnwart Gebhardt (Frankfurt a. QU.). Cs wurde sehr scharf gewertet. Richt ein ei zigesmal einigte sich das Kampfgericht auf eine Dollwertung (30 Punkte).
Gau Rheinhessen, dessen Mannschaft sich in bester Form und ungeschwächter Aufstellung besonn, gewann den Kampf mit 831 Punkten. Linser Heimatgau Hessen, der seine Mannschaft fast völlig neu ausgestellt hatte und einige seiner besten Kämpen des Vorjahres durch weniger kampferprobte jüngere Kräfte und den bekannten Altersturner O. T e x t o r, Marburg (mit 41 Jahren ältester Teilnehmer des Weitkampfes) ersetzen mußte, brachte es auf 829 Punkte. Gau Rhein-Main nahm mit 805i'2 Punkten wie im Vorjahre den dritten Platz ein.
Rheinhessen verschaffte sich schon am ersten Gerät (Darren) die Führung und behielt diese unter Vergrößerung des Vorsprungs am Seitpferd und Reck bis zum Schluß. Ebenbürtig blieben sich die drei Gaue wie im Vorjahre bei der Freiübung. Am Längspserd, vergangenes 3ahr noch Rheinhessens schwache Seite, wurde die rheinische Mannschaft diesmal punktgleich mit den
Kreuzweg der Liebe.
Nomon von Paul Grabein
Urheberrechtsschuh: Romandienst „Digo".
Berlin W 30
16. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Ganz froh, in der Meinung, ihr da schon beträchtlich entgegengefonunen zu sein, klopfte ihr Drenck auf die Schulter und wollte dann in flüchtiger Vertraulichkeit den Arm um sie legen.
Aber Ursula entzog sich ihm. Er machte es sich wahrlich leicht! Eie mochte ruhig hier oben allein sitzen, während er seinem Vergnügen nachging! Und doch zehnmal lieber hätte sie es getan, als mit ihm hinunterzugehen, aber sie Durfte ja nicht. Sie kannte Fred nur zu gut. 3n anregender Gesellschaft vergaß er nur zu leicht Die gebotene Vorsicht, trank unD Dann war womöglich Das Unglück wieder Da, wie Damals. Rein. Das Durfte sie nicht aufs Spiel sehen, lieber auch Das schwerste Opfer bringen.
„Ich werde Dich begleiten." Ernst, aber entschlossen, wanDte sich Ursula an ihren Mann. „Rur wenige Minuten, so bin ich fertig." UnD sie wandte sich zum Rebenzimmer.
„Das ist ein vernünftiger Gedanke!" lobte Drenck. „Mach dich nur recht niedlich."
Llrsula nickte flüchtig zu Fred hin: ihr war nicht danach zumute, groß Toilette zu machen. Und daß er Daran dachte, in dieser Stunde, wo ihre Seele so trostlos dunkel war, war es nicht nur ein neuer trauriger Beweis, wie wenig sic sich verstanden.
13. Kapitel.
«3ft es wahr, Herr "Berget, daß Sie wirklich in Der Liegehalle immer so ein verrücktes Spiel treiben — mit Ihrer Temperatur?"
„Qlbcr sicher, gnädigstes Fräulein", lachte der junge Mensch Fräulein Zindler an. „Das Fieber- spiel — neuster Sport Der Saison! Ein wahrhaft exklusives Jeu, Das sich nicht jeder leisten kann. Der von uns an seinem Thermometer Die höchste Temperatur aufweisen kann, erhält den Einsatz aller anderen Herren — Minimum 5 Frank! Habe schon Drei Tage hintereinander gewonnen — Heidendusel. nicht?" .
Mit heimlichem Grauen blickte Ursula Drenck auf den Spötter. Der mit am Tisch sah. Ein so blutjunger Mensch und dieser zynische Sarkasmus, der mit dem tödlichen Leiden spielte — der junge Berger gehörte zu den schwer leidenden Patienten des Hauses— entsetzlich! Was mochte er mit sich durchgekämpft haben, ehe er zu solch' stoischer Auffassung gekommen war, die mit dem Leben bereits abgeschlossen hatte
Auch Drenck wurde unbehaglich bei dieser Unterhaltung: er vermied nach Möglichkeit über
haupt das Zusammenkommen mit Leidensgefährten, besonders Schwerkcanken. die ihm immer wie ein trübseliges Zukunftsbild seiner selbst erschienen. Dazu war er doch auch nicht hier heruntergekommen! Er erhob sich daher und wandte sich an seine Frau:
„Ich will doch mal sehen, ob ich nicht eine Dridgepartie zusammenbekomme. Also auf Wiedersehen nachher."
Die drei am Tisch blieben so sich selber überlassen. Ursula nahm indessen kaum teil an Der Unterhaltung, Die oräulein ZinDler und Der junge Berger mit einer etwas nervösen LebenDigkeit führten. Sie blickte, ihren Gedanken nachhängend, in Den Saal hinein. Wigand war es, Den ihre Blicke Dort verfolgten. Als leite.rDer Arzt führte ihn seine Repräsentantenpflicht heute abend von Gruppe zu Gruppe: er mußte so. wollte er nicht auffallen, bald auch für eine Weile an Den Tisch kommen. Mit geheimer Unruhe sah Ursula Den qualvollen Moment seines Erscheinens immer näher heranrücken. UnD nun hatte sie auch Fred noch verlassen!
Ta — schon war Wigand am Rebentisch, wo er. freudig begrüßt, für ein Weilchen Platz nahm. Cs zuckte Ursula in allen Rerven. aufzuspringen und fortzustürzen. Aber Fräulein Zindler wäre ein abermaliges Davonlaufen vor Wig nd sicherlich ausgefallen, und es hätte zu einem Gerede im Hause führen können. Sie mußte also ausharren.
„Jetzt kommt er!" Selig raunte es Fräulein Zindler ihrer QJcrtrauten zu.
3n der Tat. soeben verabschiedete sich Wigand drüben — noch im Stehen ein paar freundliche Worte zu der alten Dame neben ihm. Dann eine Verbeugung, und nun kam er auf ihren Tisch zu. Seine Miene war ernst, aber vollkommen ruhig, als er sich jetzt grüßend verneigte: er fühlte sich Der einmal unvermeidlichen Situation seinerseits offenbar gewachsen. Diese überlegene Sicherheit reizte Ursula Drenck insgeheim, da sie nur allzusehr die eigene Erregtheit empfand. Ihr Gruß fiel daher noch frostiger aus, als er beabsichtigt war. Aber Digand schien es zu übersehen.
„Run, wie unterhalten Sie sich, meine Herrschaften?" fragte er.
„O, danke! Ausgezeichnet!" rief Fräulein Zindler. „Es ist zu nett von Ihnen, Herr Doktor, daß Sie aud> noch an unser Vergnügen denken. Eie haben doch gerade sonst schon genug mit uns zu tun."
„Wenn es wirklich Mühe wäre, solch freundliche Anerkennung läßt sie gern ertragen!"
ilrfula glaubte zu fühlen, daß aus diefen Worten etwas wie ein versteckter Vorwurf gegen sie klang. _ Außerdem, Wigand stand noch immer; ihr wäre es zugekommen, ihn zum Platznehmen einzuladen, aber fie preßte Die Lippen fest auseinander in trotzigem Entschluß. Mochten Die
Leute von ihr denken, was sie wollten — sie würde ihn nicht auffordern, bei ihr zu verweilen.
Wigand empfand das alles nur zu gut. Die Lage.drohte peinlich ru werden, Da kam ihm Der junge Berger zu Hilfe. Höflich sprang er auf:
„Aber Sie stehen ja noch immer, Herr Doktor, — wollen Sie uns nicht Die Ehre geben?“ unD er rückte ihm Drencks leeren Stuhl hin. „Gnädigste Frau gestat en doch? Ihr Herr Gemahl wird fürs erste ja wohl nicht zurückkommen?"
O — ich möchte durchaus nicht stören — zögerte Wigand, aber Ursula konnte nun einfach nicht mehr anders:
„Bitte sehr, — Der Platz ist ja frei“, antwortete sie, mehr au Berger als Wigand hin, und dieser lieh sich so mit einer leichten Verneigung des Tankes auf dem Stuhl neben ihr nied^.
Tie nächsten Augenblicke verharrte Ursula schweigend, die Hände ineinanbergepreßt und die Augen starr in Den Saal gerichtet. Inzwischen waren Die Drei anDeren in eine scherzende Unterhaltung eingetreten, Deren heiteren Ton auch Wigand trotz seiner ernsten Stimmung mit anschlug: es war ja das beste Mittel, sich Durch Die peinliche Situation wenigstens äußerlich hin- Durchzuhelfen. Dieser leichte Ton gellte aber schrill in Ursulas Seele hinein: wund, wie sie war, tat er ihr sehr weh.
Dann aber schlug Die Unterhaltung eine anDere Richtung ein. Es hatte Dieser Tage einen kleinen Skandal im Sanatorium gegeben: Jene verdrehte Engländerin, von der Fräulein Zindler neulich erzählte, hatte einen bösartigen Klatsch angezettelt, in ihrer Eifersucht auf Wigand diesen mit einer anderen Patientin verdächtigt, und das Ende vom Liede war gewesen, daß der Direktor des Hauses auf Wigands Ersuchen Der Engländerin Den Stuhl vor Die Tür gesetzt hatte. Darauf war jetzt Fräulein Zindler zu sprechen gekommen.
„Sagen Eie. Herr Doktor, sind Sie nicht furchtbar wütend auf diese Person. Die Ihnen solchen Dank erwiesen hat für all Die Güte, Die Sie gerade ihr stets bezeigt haben?"
„Wütend sein?" Wigand lächelte. „Solche Ge- fühlsemvrionen gewöhnt einem das Leben allmählich ab." Ein Unterton von Resignation klang aus seinen Worten, Der Ursula auflauschen machte. Wenn ich mich in einem Menschen, von dem ich etwas gehalten habe, dem ich mein Bestes gegeben habe, getäuscht sehe, so gibt es zweierlei für mich, entweder er ist ein armseliger Schwächling, nun so gehe ich stillschweigend über ihn zur Tagesordnung: hat aber Falschheit ihr bewußtes Spiel mit mir getrieben, so habe ich Dafür nur -- kalte Verachtung!"
Wie ein Hieb traf Ursula daS heftig heraus- gestohene Wort, jeder Blutstropfen wich aus ihren Wangen.
Obcrhessen. Den Kampf verlauf ersehe man aus folgender Zusammenstellung:
Darren: Rheinhessen 209. Hessen 192s7. Rhein-Main 188 Punkte
Pferd (lang): Rheinhessen 193',» Hessen 1921... Rhein-Main 138 Punkte
Pferd (quer): Rheinhessen 196. Hessen 178',. Rhein-Main 177Vs Punkte.
Freiübung: Rheinhessen 74, Hessen 74. Rhein-Main 74 Punkte.
Reck: Rheinhessen 208, Hessen 191* Jt Rhein- Main 183'.. Punkte.
Von den 24 Einzelturnern erzielten Die bestell Leistungen lohne Freiübung): 1. 3. Genß. Tgf Mainz-Kastel. 109 P.: 2. R. Krimmel, Tv. Mainz- Kostheim. 105 P.: 3. A. Rllttler. Tgf. Mainz- Mombach. 104 P.; 4. Richard Seth, Tv. Gr 0 - ßen-Linden. und H. Reumann. T. u. Spg. 1860 Mainz, 102 P.; 5. P. Köbler. Tv 1817 Mainz. 100'P. Die übrigen Teilnehmer blieben infolge Versager unter 100 Punkten, was man vor allem von dem Hessentumer Sinnwell (Dad-Rau- heim), von Dem Darmstädter Fiedler und von den Mainzern Rath und Kretz nicht erwartet hatte.
Von den acht Turnern des Gaues Hessen verdienen R. S e t h und A. E ck h a r d t besondere Anerkennung. 3m einzelnen brachten es die heimischen Teilnehmer auf Die folgenden Punktzahlen. R. Setb. Tv. Grohen-Linden, 102; Alfred Eckhardt. Tv. Ridda. 98'., Karl Reuter. Tv. 1846 Gießen, 971.; W. Sk n n we l I, Tv. 1860 Dad-Rauheim, 96 ( 26 Freiübung >.
H.Dechent, Tgm. Friedberg. 72 ( 24Freiübung); W. Fink. T. u. Epv. Marburg. Q2; Karl Schick. Tv. 1846 Gießen, 91 (+ 24 Freiübung); Otto Setter. T. u. Epv. Marburg. 86. Der Ersatzmann Walter Siegmann, Tv. Alsfeld, brauchte nicht in Tätigkeit zu treten.
Rach Schluß deS spannend und eindrucksvoll verlaufenen Kampfes nahm KreiSoberturnwart Frey mit sinnreichen Worten über die Bedeutung deS deutschen Geräteturnens die Siegerverkündigung vor, bei der auch Der Gau Hessen als 2. Sieger eine Erinnerungsurkunde an den Kampf im Goldenen Mainz erhielt.
•
Anfangs Oktober findet, wie bereits mitgeteilt, die dritte Austragung des Hessenkampfes in der Gießener Dolkshalle statt.
Hessischer Landes-Lehrerverein. Ein scharfer Protest gegen die Aushebung des Darmstädter Pädagogischen Instituts.
WER. Michelstadt (Odenwald), 1. April. Gestern fand hier die diesjährige Vertreterversammlung des Hessischen Landeslehrervereins statt. Die DerhanD- Jungen wurden von dem Obmann, Rektor und Landtagsabgeordneten Reiber, geleitet. Auch der Direktor des Darmstädter Pädagogischen Instituts, Dr. Vogel, wohnte der Tagung bei.
In seinem Jahresbericht erfläne Rektor Reiber u. a., Die Einführung der neuen Schullastenverteilung werde eine Entlastung des Staates, aber eine Belastung Der Gemeinden bringen. Den härtesten Kamps hätte der Verein um das Darmstä Dtcr Pädagogische Institut zu führen. Es handle sich um Die Erhaltung Der seitherigen Form und Höhe Der Lehrerbildung. Der Verein werde sich bis zum äußersten gegen Die Aufhebung Des Darmstädter Pädagogischen Instituts und seine Verlegung nach Mainz wchren. Gegen die Absicht der Regierung, die Ueberleitung jetzt schon in Gang zu sehen, ohne das Plenum des Landtags zu fragen, legte der Redner unter langanDau» cmbem Beifall der Anwesenden schärfsten
Run hatte sie die Antwort auf ihr geheime- Forschen: Alberne Fabelei war das Gerede von der unglücklichen Liebe, Die er angeblich nicht habe vcrwinoen können! Er fragte viel nach solchen Gefühlsduseleien! Ein brutales Abschütteln - fertig war er mit solch einer Affäre. Und kalte Verachtung 0 bene in! Verachtung — ihr, über die er unsagbaren Jammer gebracht hatte! Wollte sic still dazu schweigen, diesen harten Egoismus sich auch noch brüsten lassen? Rein, das vermochte sie nicht und plötzlich ergriff fie das Wort.
»Es verachtet sich sehr schnell, Herr Doktor — es fragt sich nur. mit welchem Recht!" Doll sah sie Wigand ins Gesicht, die Mienen ganz ruhig, nur mit einem kaum bemerkbaren Beben der Stimme, das vielleicht allein sein geschärftes Ohr heraushörte, und mit einem geheimen Aufleuchten Der Augen.
Ucberrascht sahen Fräulein Zindler und Herr Berger auf die bisher so schweigsame Gesellschafterin, die nun mit einem Male Dem Doktor fo scharf in Die Parade fuhr.
..Wie meinen Sie das, gnädige Frau?" Sein Blick heftete sich fest in Den ihren.
3m vorliegenden Falle so, daß Die betreffende Dame als eine Leidende. Die man wohl schwerlich für ihre Handlungsweise verantwortlich machen kann, vielleicht eher Mitleid als Verachtung verdient; im allgemeinen, daß man ehe man verurteilt, erst immer genau prüfen sott — vor allem sich selbst. Verachten ist mitunter ein sehr bc- queines Mittel, um sich von eigener Schuld koS- zusprechen!"
„3m folgenden Falle irren Sie sich, gnädige Frau. Die betreffende Dame ist, wenn auch gewiß leidend, doch voll verantwortlich für ihre Handlungen. Sie müssen mir als Arzt schon ein maßgebendes Urteil Darüber gestatten. Und was Ihre Forderungen in ihrer Allgemeinheit anlangt, so seien Sie überzeugt: Ich habe noch nie in meinem Leben ohne hinreichenden GrunD verurteilt — niemals! Wen meine Verachtung traf. Der hat sie verdient. Wenn Sie mich kennen würden, so würden Sie auch wissen, Daß es nicht meine Art ist, eigene Schulo an anderen zu büßen Wo ich gefehlt habe. Da suche ich aufs ernsteste toieDer gut« zumachen. Mitunter freilich wird einem Die Möglichkeit dazu abgeschnitten. Dann ist man ja wohl aber nicht gut verantwortlich zu machen. Das ist so meine Auffassung von Der Sache. — Aber Pardon. meine Herrschaften, Daß ich hier über Moraltheorien doziere", wandte er sich lächelnd, wieder m leichterem Ton an die anderen. ..UebrigenS 3hnen. mein Freund, könnte eine kleine Moralpauke wirklich nichts schaden', scherzhaft drohte er zu dem jungen Berger hinüber. „Was waren Denn das heut wieder für Exzesses'
„E zesse - ic&?" Berger heuchelte die Unschuld eines Babys.
(Fortsetzung folgt)


