Einzelbild herunterladen

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 78 Zweiter Statt

Donnerstag, 2. April (931

Bedrohte deutsche Kultur in Skandinavien

Q3on unterem Dr. P.O.-Derichtcrstalter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten?) Stockholm. März 1931.

Es kann fein Zweifel darüber herrschen, daß der deutsche Kultureinfluß in Schweden und in ganz Skandinavien bei weitem nicht mehr so grob ist wie früher. Nicht etwa nur tote im Mittelalter, wo deutsch die Sprache der Gebildeten war und sogar in manchen Stadt­verwaltungen. z. B. in Stockholm, die Hälfte aller Mitglieder Deutsche sein muhten. Noch kurz vor dem Kriege nahm das deutsche Buch unter der Auslandliteratur eine unbe­strittene Sonderstellung ein. überwogen auf den Bühnen deutscheStücke:die deutsche Sprache stand auf dem Lehrplan aller höheren Schu - len an erster Stelle.

Auch zahlenmähig läßt sich leicht nachweisen, dah das deutsche Buch, im besonderen der Ro­man, von der englischen und franzosischsn Lite­ratur zurückgedrängt worden ist. Die ein­zige Ausnahme bildet das wissenschaftliche Buch, ohne dos man auf den meisten Wissensgebieten in ganz Skandinavien nicht auSkommen kann. Deutsche Schauspiele sind in den letzten Jahren saft ganz vom Spielplan der nordischen Bühnen i'erschwunden die leichte französische und angel* sächsische Kunst ist Trumpf. 3m Schulplan hat die deutsche Sprache einen schweren Stand gegen die beiden groben Wettbewerber, im besonderen die englische Sprache. Mehrere deutsche Dchu- len darunter das alte deutsche Gymnasium in Stockholm sind eingegangen: zur Zeit be­sitzen im ganzen Norden nur Kopenhagen und Heisings ors vollwertige deut­sche Lehranstalten.

Die Gründe für den Rückgang des deutschen Kultureinflusses liegen auf verschiedenen Ge­bieten. 3n der Literatur und Bühnenkunst be­tont man in Skandinavien immer wieder, dah die Entwicklung der letzten Jahrzehnte die bei­den germanischen Kulturgebiete diesseits und jenseits der Ostsee voneinander entfernt hat. Richt politisch, jedenfalls nicht im größten skan­dinavischen Land Schweden und noch weniger in Zinnland. Sondern im Wesen. Der deutsche Roman und das deutsche Schauspiel der Nach- lriegsjahre findet sehr oft im Norden kein Der- ftändnis. Man bst den Krieg nicht mitgemacht, versteht die Leidenschaftlichkeit und Zerrissen­heit nicht, schüttelt übet die Problematik, die auch der Literatur den Stempel aufdrückt, den Kopf. Wenn man einen Roman lieft, greift man zunächst zu leichter Zerstreuung, also zum fran- zösischeiz oder englischen Buch. -- Außerdem hat naturgemäß der Ausgang des Krieges an vielen Stellen die Zurückdrängung des deutschen Kul- tureinflufses ermöglicht und die zielbewuhte Kul­turpropaganda der früheren Feindstaaten ge­fördert. Ganz besonders kann in diesem Zu­sammenhang die ausgezeichnete und geschickte Ar­beit der Alliance F r a n g a i s e erwähnt wer­den. die der französischen Sprache und Kultur in allen Nordländern zu Fortschritten verholsen hat, deren Bedeutung aber bei uns noch immer zu wenig beachtet wird.

Unter diesen Verhältnissen sind die Gelegen­heiten ganz besonders zu begrüben, die gerade in den lebten Tagen in Schweden die Augen auf deutsches Geistesleben lenkten. Professor Max Reinhardt der schon viele Male zuvor als Gastregifseur an Stockholmer Bühnen oder mit seiner eigenen Schauspielertruppe das Deutsche Theater glanzend vertreten hatte, in­szenierte am Königlichen Opernhaus ..Orpheus in der Unterwelt" und im Oscars-TheaterDas schwache Geschlecht". Beide Aufführungen er­brachten soweit es sich um den Reinhardtschen Einsatz handelt große Erfolge. Schade freilich, dah Reinhardt nicht die Möglichkeit hatte, ein deutsches Sch auspiel einzuspielen und im Falle Oscars-Theater gezwungen war, sein Können an der seichten französischen Posse

zu vergeuden. Ein Glanzpunkt deS Reinhardt­besuches war sein Dortrag in der Stock­holmer Universität, wo er über die Sendung des Schauspielers sprach und Begeisterungsstürme hervorrief, wie sie die sonst so stillen Räume von ..Stockholm- Högskola" gewih nie zuvor er­lebt haben.

Das Königliche Opernhaus hat zur Zeit neben Orpheus, den Reinhardt schon vor acht 3ahren einmal in Szene gesetzt hatte, noch ein zweites Werk auf dem Spielplan: die bekannte atonale Oper .Maschinist Hopkins". Die Erstaufführung erbrachte einen großen Publikumserfolg, in dem die Presse jedoch nicht einstimmte ...

Das Königliche Schauspielhaus in Stockholm hat abgesehen von einer interessanten und guten Ziescoaufführung fast ausschließlich im Zeichen englischer und französischer Lustspiele gestanden. 3m Dorjahre gab Dassermann e»n geglücktes Gastspiel leider auch mit einem französischen Stück (..Herr Lambertier" von Der- ncuil). Zweifellos müssen die schwedischen Theater­besucher in der Auffassung, daß Deutschland zur Zeit wenig zu bieten hat, bestärkt werden, wenn sogar deutsche Künstler bei ihren Gast­spielen fremdsprachige Werke auffüßren. Es ver­dient erwähm zu werden, daß die kleine Bühne desNeuen 3ntimen Theaters" in den zwei 3ahren ihres Bestehens fast ausschließlich deutsche Werke aufgeführt hat. Leider hat das Theater bei der Auswahl nicht immer eine günstige Hand gehabt.

Auch in der bildenden Kunst, beson­ders in der Malerei, ist der deutsche Einfluß in ganz Skandinavien außerordentlich zurückgedrängt worden. Die Zeit, wo Düsseldorf ein Mittel­punkt nordischen Künstlertums war. ist längst und vollkommen vergessen. Neue deutsche Kunst sucht man in den staatlichen und privatlichen Galerien und Museen vergeblich. Für den 3n- tenbanten der norwegischen Nativnalgalerie gibt es überhaupt nur französische Kunst, und seine Kollegen in den Nachbarländern müssen nach der Auswahl neuerer Kunst zu schließen ganz ähnlich denken. Ende vorigen 3ahres eröffnete eine große Ausstellung ..Zwei 3ahrhunderte deutsche Kunst" den Stockholmer Kunstfreunden die Augen darüber, daß sich Deutschland neben Frankreich auch in den letzten 3ahrhunderten sehr wohl sehen lassen kann. Dor kurzem wurde im Stockholmer Nationalmuseum eine Graphik­ausstellung von Käthe Kollwih eröffnet, die bei der ganzen Presse Anerkeunnung und sogar Begeisterung hcrvorgerufen hat.

Die Dorstellung, daß die nahe Stammes- und Sprachverwandtschaft der Nordländer die un­bedingte Gewähr dafür bietet, daß die alten engen Kulturbeziehungen aufrechterhalten blei­ben, ist unrichtig. Zuviel andere Kräfte sind am Werke. Ein zielbewußtcr Ausbau des deutsch- nordisches Kulturaustausches ist nicht nur eine Angelegenheit des Herzens, sondern eine un­bedingte politisch-kulturelle Notwendigkeit.

Bülow in der Kritik feiner Mitarbeiter.

Das Märzheft der ..Süddeutschen M o - natsheste" hat sich unter dem TitelFürst Bülow Enthüllungen seiner Mitarbeiter" die Aufgabe gestellt, die Denkwürdigkeiten des vier­ten Kanzlers einer eingehenden kritischen Wür­digung zu unterziehen.

3n der Abwehrfront stehen fast alle Dülow- schen Mitarbeiter und Staatsmänner seiner Zeit. Graf v. Westarp bringt interessante politische Erinnerungen über die konservative Partei und das Ende des Bülowblockes, sowie über das Kaiser-3nterview desDaily Telegraph". Er weist nach, daß nicht die Ablehnung der Erb­schaftssteuer der Grund der Entlassung Bülows

Wie ich nach Köln kam.

(Sine (Erinnerung von Milhelm Schäfer.

Hinter dem Haus meiner Eltern in Gerres­heim - das damals noch ein niederrheinisches Städtchen für sich war und heute ein Dorort von Düsseldorf ist hob sich das Land mit sandigen Feldern zur Hardt, die von der Rheinebene aus als ein dünenartiger Höhenzug über dem Torf- bruch steht. Don dort aus sah ich als Knabe vielmal in die blaudünstige Ferne hinab, aus der bei klarem Wetter das (Siebengebirge auftauchte und rechts vor seinen dünnen Massen das Doppel- getürm deS Kölner Doms sichtbar war. Mehr als Sichtbarkeit konnte es freilich nicht sein, und mehr als der blaue Doppelstrich seiner Domtürme war von Köln selten zu sehen, aber die seltsame Heiligkeit, die der Rheinstrvm in he nieder- rheinische Landschaft hineinwirft, dieses atmende Geleucht des Horizonts aus dem Widerschein des Himmels, gab der Stadt für mich eine Wohnung, die ihrem Nimbus entsprach.

Nach Düsseldorf mußte ich schon als neun­jähriger Knabe jeden Tag zur Schule hinab: es gehörte zur Gegenwart und Wirklichkeit meines Lebens: wie aber von unserer Hardt auS gesehen die masiigen Türme von St. Quirin in Reuß das neumodische Stadtbild überragten, so hatte Gerresheim in seiner Stiftskirche aus dem dreizehnten 3ahrhundert eine Ehrwürdigkeit, die mit ihrem dicken Dierungsturm feßon dastand, als Düsseldorf noch ein Dorf an der Düffel tear; und gar das Frauen ft ist Gerresheim konnte seine Gründung im neunten 3ahrhundert nachweisen, während Düffeldorpe erst in einer. päpstlichen Urkunde von 1159 genannt wurde Aus dieser Vorzeit wiesen die Neußer und Kölner Straße auf eine ältere Nachbarschaft als die Malkasten­stadt hin: die stumpfen Spitzen von CL Quirin und die schlanken Spitzen des Doms von Köln machten mir die große Vergangenheit sichtbar, wenn ich als Knabe im Ginster der Hardt lag und träumte: und in dieser Vergangenheit war Köln die unbestrittene Herrin des niederrhemi- schen Landes.

Einmal aber war diese Stadt unb die ganz blaue Ferne um sie durch die schone AgneS von Mansfeld in eine große Entscheidung geworfen worden: und weil die schöne Agnes Sttftsdame in Gerresheim war, machte diese Verbindung

meinen ganzen heimatlichen Stolz aus. Wie der Kölner Erzbischof Truchseß von Waldburg die schöne Agnes zu seiner Frau und das Erz­bistum zu einem weltlichen Kurfürstentum machen wollte: wie ihm das eine mißlang und das andere mißriet, weil er kalvinisch statt lutherisch wurde und darum aus dem Reich keine Hilfe hatte, als es ihm an den Kurfürstentragen ging, wie er selber als Domdechant und Ehemann zu Straß­burg starb, aber das Erzbistum Köln und mit ihm das ganze Rheinland blieb dennoch katholisch: das kann man in der Geschichte lesen, wie ich es schon als Knabe imSchlosser" fand, den mein Vater von einem faulen Kunden in Zahlung genommen hatte. Nur wird das Abenteuer des Truchseß von Waldburg einem anderen kaum so wichtig werden tonnen wie mir, der sein Heimatstädtchen auf diese romantische Weise mit der großen Geschichte verknüpft sah, deren Augen­punkt von der Hardt aus Köln in der blauen Feme seiner Vergangenheit war.

Wie ich nun freilich zum ersten Male die Stadt solcher Ferne mit den Augen der Nähe sah, das war weder große noch kleine Geschichte, nur ein Schalkspiel des Alltags. Auch lag der Anlaß in keinem Anreiz der Stadt selber, sondern in der älnmoglichkeit, anders als über Köln nach Gießen und weiter hinauf ins Heffenland zu kommen, wo meine Großmutter gestorben war. Heute steigt man zu diesem Zweck im Kölner Hauptbahnhof um; damals gab es noch eine KölnMindener und eine Bergisch-Märkische Bahn, und das Kunststück, über ihre Bahnhöfe in Mülheim, Kalt oder Deutz den Anschluß nach Gießen zu erreichen, muß gar nicht so leicht ge­wesen fein. 3edenfalls hatten wir zwischen zweien dieser Bahnhöfe so viel Aufenthalt, daß wir nach Köln hinübergehen und dort eine Besichtt- gung der Stadt vornehmen konnten, die zwar weder im Zweck unserer Reise noch im Etil unserer schwarzen Röcke lag, mir aber einen Traum erfüllte.

Daß der Dom damals nicht größer war als heute, ist gewiß: aber ich war ein schüchterner Knabe vom Land, dem auch das Beisein von Vater und Onkel keine genügende Sicherheit gab. So bin ich in einem stummen Erstaunen über die Gitterbrücke was für ein Wunderwerk war sie schon allein mit ihren zwei Reiterbildem an ihn heran und durch das Turmportal hinein- gegangen, habe zum ersten Male den Duft zwi­schen den Pfeilcrästen und die Farbenglut der

Glasfenster gesehen, muß aber wohl dem Ein­druck seiner Größe nicht gewachsen gewesen fein, weil etwas ganz anderes ihn bis auf Reste in meiner Erinnerung verdrängt hat.

Dieses andere waren die gekochten Eier, die wir als greifbarsten Reiseproviant in unseren Rocktaschen hatten: denn als wir nach der Dom» besichttgung über die Hohe Straße gingen, ent­deckte mein Vater zunächst an mir zu seiner Ent­rüstung, dann aber am Onkel zur Mahnung und zuletzt an sich selber zur Bestürzung zwei gelbe Flecke an den Rocken links und rechts, die unseren schleunigen Rückzug über die Rheinbrücke zur Folge hatten. 3n dem Gedränge waren die zu wenig hartgesottenen Eier zerdrückt worden, und unsere Besichttgung endigte damit, daß wir in der Novemberkälte auf dem alten Deutzer Bahnhof standen und an der Pumpe unsere Rocke abwuschen.

Ob cs eine später verkümmerte Vorliebe für das Komische oder ein zu starker Abfall aus meiner Erstaunung in die Wirklichkeit war: jedenfalls ist dieses klägliche Ereignis in meinem Gedächtnis mit aller Nähe geblieben, während so vieles andere auf dieser Reise es war die Zeit der großen Lleberschwemmung, und wir fuhren bis Gießen hinauf mehr durch Waffer als über Land in die Ferne versank. Lind so hat mein Verhältnis zu Köln die komische Färbung bekommen, daß ich noch heute nicht durch das fröhliche Gewühl der Hohen Straße gehen kann, ohne mich an das Mißgeschick jener Eier zu erinnern, die uns auf der langen Fahrt nähren sollten und mit kalten Härchen aus unseren schwarzen Rocken gewaschen werden mußten, weil sie nicht hartgesotten genug für bas Kölner Ge­dränge waren.

Bedrohtes Großwild in Afrika.

3n einer Sitzung der englischen Geographischen Gesellschaft forderte Major H i n g st o n . der kürz­lich mit Llnterstützung des britischen Kolonialam­tes die afrikanischen Kolonien und Derwal- tungsgebiete Englands bereist und auf ihren Wild bestand untersucht hat, die Schaffung von acht neuen Rationa Iparks mit einem Umfang von mindestens 3000 Quadratkilometer. Er hält diese Maßnahme für den schwerbedrohten Wildbestand für unbedingt notwendig.Unter allen Ländern, in denen das Teer noch in freier

Hochschulnachrichten.

In Göttingen verschied der emeritierte ordent­liche Profeffor der klassischen Philologie an der dor­tigen Universität Geh. Regierungsrat D. Dr. Richard Reißen st ein im fast vollendeten 70. Lebensjahre. Der Verstorbene wirkte 1892/93 als Ordinarius in Gießen.

war, sondern das unritterliche und unwahre Verhalten Bülows bei der Daily-TÄegraph- Affäre. Freiherr v. Schoen gibt eine aus­führliche Darstellung über die Vorgänge, die zur Tangerfahrt des Kaisers führten. Er weist nach, daß der Kaiser selbst sich bis zuletzt gegen dieses Unternehmen gesträubt hat und daß er nur der dringenden Aufforderung BülvwS und des Auswärtigen Amtes folgend die Landung in Marokko vorgenommen hat. Heber Bülows rö­mische Mission gibt Botschafter v. Flotow Auskunft. Botschafter a. D. Graf Wedel be­handelt das ThemaFürst Bülow und Oester­reich" und schildert vor allem das Mißtrauen des Dundesgenoffen in Wien gegen Bülow. Graf Wedel äußert sich auch zur Dailv-Telegraph- Afsäre und schildert hier vor allem die Behand­lung des Manuskriptes im Auswärtigen Amt. Ebenso wie Staatssekretär v. Schoen weist auch er nach, daß die Schuld der Veröffentlichung allein den Fürsten Bülow trifft. Staatssekretär Zimmerm ann gibt interessante Mitteilungen über die Beziehungen zwischen Bülow und Hol­stein. Graf Max Montgelas weist nach, daß Bülow an die Möglichkeit eines Sonder­friedens mit Rußland im Frühjahr 1916 glaubte und in seinen Denkwürdigkeiten sagt, er würde damals alle in Polen gemachten deuffchen Erobe­rungen wie', er ßcrauögegeben und falls Oesterreich Schwierigkeiten machte, den Russen auch noch österreichisches Gebiet, nämlich Galizien, an­geboten haben. Aber, gerade um dieselbe Zeit, im Mai 1916 hat der Fürst in seinem Buch Deutsche Politik" die öffentliche Meinung Deutschland- zu Annexionen im Osten aufge­fordert.

Wildbahn lebt, ist Afrika bei weitem das wich­tigste", führte er aus. ,.3n der Fülle und Man­nigfaltigkeit der Tierarten, in der Größe, dem Strügen Eharakter und der vorgeschichtlichen hing läßt sich kein anderer Kontinent mit Afrika vergleichen. Leider aber find viele Tiere bereits durch den Menschen ausgerottet worden. So verschwanden z. D. der afrikanische Dlau- bock, das Quagga und eine Art Zebra alle im letzten 3ahrhundert. Das weiße Rhino­zeros, das noch vor einigen 3ahren in reicher Zahl vorhanden war, ist jetzt bis auf 20 Exem­plare im Zululand und 130 am Oberlauf des Nils zusammengefchmolzen. Tie ganze afrika­nische Tierwelt wird von der fortschreitenden Zi­vilisation immer mehr bedroht. 3ch zweifle, ob irgendeine der drei großen Bickhäuterarten, der Elefant, das Rhinozeros und das Flußpferd, die nächsten 50 3ahre noch überleben wird, wenn die gegenwärtigen Zustände anbauem." Major Hing- ston teilt die zerstörenden Mächte in vier Klassen ein. 1. Ausvreitung der Kultur; 2. Ansprüche dcs Handels; 3. Tätigkeit der Sportsleute; 4. Ge­fahren der Krankheit. Er glaubt, daß die Sä­ger am wenigsten an dem Verschwinden der afri­kanischen Tierwelt schuld sind, da sie sich gewöhn­lich mit wenigen Trophäen begnügen. Diel schlim­mer hausen die Eingeborenen, die das Wild er­legen, um sich Nahrungsmittel zu verschaffen und unter den Herden wahre Blutbäder anrichfen. Was die Krankheitsgefohren anbelangt, so ist es besonders die Tsetse-Fliege, die von Zeit zu Zeit furchtbare Opfer unter dem Wilde her- vorruft. Um die Träger dieses gefährlichen 3n» fektes auszurotten, wurden allein im Zululand im vergangenen 3ahre weit über 20 000 Stück Wild getötet. Obwohl Afrika bereits einige Wildschuhgebicte besitzt, fordert Hingston die An­lage neuer Echuhparks, besonders in Ost-Afrika. Hier gibt es noch große Herden von Wild, die nur auf diese Weise vor dem Untergang bewahrt werden können.

Aus der Provinzialhaupistadi.

Gießen, den 2. April 1931.

Karfreitag.

Am Karfreitag werden wir auf einen Dorgang hingelenkt, der sich in ferner, längst entschwunde­ner Zeit im Morgenlande unter Doraussehungen abgespielt hat, die längst nicht mehr bestehen. 3esu Kreuzigung wird unJ mit einer Anschaulich­keit vor Augen gemalt, die von Malern und Bild­hauern, so viele von ihnen sich auch gläubig und liebevoll in die Passionsgeschichte versenkt haben, nie erreicht worden ist. Dennoch hat dieser Dor­gang ungeheuere Gegenwartsbedeutung. Wenn man darnach fragt, wer den Tod 3esu verschuldet habe, so wird man selbstverständlich sagen müssen, daß hier die Schuld auf die Männer fällt, die damals die 3uden geistig geführt haben. Aber die Ausführung der bösen Tat ist durch eine andere Gewalt erfolgt: es ist die Masse, die 3esus an das Kreuz gebracht hat. Unübertreff­lich wird das in der Leidensgeschichte geschildert. Dor dem Richterstuhle des Pilatus tobt die viel­tausendköpfige, von den Pharisäern und Schrift- gelehrten aufgestachelte Menge. Sie verlangt die Freilassung des Barrabas und den Tod 3esu. Pilatus will beschwichtigen, da wirdein viel großer Getümmel", wie aus einem Munde schreien sie:Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!" Hier lernen wir die Masse kennen, sie ist hart, gefühllos, charakterlos, seelenlos, der einzelne ist in ihr nur eine Nummer. Die Masse ist unpersönlich, wie der Orkan, der blindwütend über Land und Meer einherfährt. Heute treibt man wieder den Kultus der Maffe, und die Per­sönlichkeit ist nichts.

Zeigt uns die Karfreitagsgeschichte die Masse, so aber auch die Persönlichkeit, und zwar die Persönlichkeit in ihrer höchsten Dottendung. Wer 3esus recht kennen lernen will, muß ihn in seinem Leiden und Sterben sehen. Alles, was jemals ein Menschenherz beschwert hat, bringt hier auf ihn ein. Er leidet unsagbar schwere körperliche Schmerzen, größer noch ist die seelische Qual. Verruchte Menschen treiben mit ihm wilden Spott; er, der Reine und Heilige, wird als Gottes­lästerer gebranömarft. Am Kreuze überfällt ihn das bittere Gefühl der Verlassenheit, er duldet einsam, sogar Gott scheint die Hand von ihm ab­

gezogen zu haben. Dazu hat er vor Augen den 3ufammenbrud) seines Werke-. Dennoch bleibt er klar, wahr und mild. Kein Wort des Zornes über seine Feinde kommt über seine Lippen, er bc et vielmehr für sie. Nicht einen Augenblick zweifelt er an Gottes Liebe, er stirbt, indem er Gott seinen Vater nennt. Die christliche Glaubens­lehre bezeichnet ihn als den Sohn Gottes und hat damit recht. 3esus stand zu Gott in einem einzigartigen Verhältnis, er war von Gott ge­sandt. der Menschheit Trost und Hilfe zu bringen, sie mit Gott ganz eins zu machen. Jesus lebte für die Menschheit aber er starb auch für sie, und so viele Geschlechter auf Erden auch kommen und geben, alle finden in feinem Kreuzestods Halt für ihr Leben. Arbeiten, Leiden und Sterben, wie jener sächsische Kurfürst Johann, genannt der Beständige, der sich im 3ahre 1530 zur Reffe zum Augsburger Reichstage anschickte mit den Worten: Christi Kreuz ist mir lieber, denn mein Kurfürstenhut.

Fast will es uns scheinen, als ob der Kar­freitag mit seinen düsteren, schweren Erinnerun­gen nicht so recht in diese erste, lichte Frühlings­zeit passe. Diesen Gegensatz bat Eduard Mörike schon vor hundert 3ahren empfunden; in einem feingestimmten Gedichte sagt er von der Karwochei O Woche. Zeugin heiliger Beschwerde!

Du stimmst so ernst zu dieser Fruhlingswonne, du breitest im verjüngten Strahl der Erde öonne des Kreuzes Schatten auf die lichte Erde!" Doch ist dieser Gegensatz nur ein scheinbarer. Der Karfreitag berichtet uns wohl von bitterem Leide, aber auch von der Ucberwindung des Leides durch die Kraft Gottes, so daß daS alle Wort bestehen bleibt: Via crucis, via lucis, der Weg des KreuzeS ist der Weg des Vi<bte<.

Osterwerbung für gute Wanders tten.

Die Abteilung Rhein-Main-Gau der Deutschen Bergwacht. Sitz Frankfurt a. M, bittet uns, allen Oster-Wanderern und - Aus­fl ü g l c r n nachstehende 10 Gebote zur Be­achtung ans Herz zu legen:

1. Haltet Ordnung auf der Eisenbahn? Rück­sichtslosigkeit. Unfug und Geschrei haben mit fröhlicher Wanderfahrt nichts zu tun.

2. Achtet die Gebote des Forstmannes! Meidet die Schonungen! Zündet kein Feuer im Walde an!

3. Laßt die Hände vom jungen Grün! Das Abreißen von Zweigen schädigt Büsche und Bäume und verunstaltet ihr Aussehen.

4. Beschädigt und zerstört nicht die Schutz- hüttcn. Aussichtsstätten und Ruhebänke!

5. Schützt die Wegemarkierungen in Wald und Flur! Die Gebirgs- und Wandervereine ha­ben sie zum Ruhen der Allgemeinheit ge­schaffen.

6. Verunreinigt nicht die Rastplätze! Verlaßt sie, wie ihr sie zu finden wünscht.

7. Achtet des Oandmanns Arbeit! Zerttampelt nicht Wiesen und Felder wegen eines Strau­ßes Blumen, der bald verwelkt.

8. Zerzaust nicht die Weidenbüsche, um die Kätzchen" bündelweise fortzuschleppen! Ss steht «Strafe hieraus.

9. Laßt mutwillige Zerstörung und Verschan­delung nicht tatenlos geschehen! Mahnt zur Einsicht und Vernunft!

10. Haltet Wald und Flur wie ein großes Heiligtum, das in seiner Schönheit alle Her­zen erheben soll.

Die Abteilung Rhein-Main-Gau der Bergwacht hat diese «Gebote als Merktaseln in Zweifarben­druck Herstellen lassen und wird sie in ihrem Arbeitsgebiet verbreiten. Mochte diese Öfter» Werbung für gute Wandersitten allseits wichtige Beachtung finden!

Daten für Freitag, 3 April.

(Sonnenaufgang 6.00 Uhr, Sonnenuntergang 18.58 Ußr. - Mondaufgang 20.21 Llhr, Mond- imtergang 6.01 Ahr.

1862: der Seefahrer 3. C. Roß in AileSburh gestorben; 1897: der Komponist 3ohanneS Brahms in Wien gestorben.