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Siebener Anzeiger <General-Anzetger für Gberheffen)
Nr. 51 Zweites Blatt
Montag. 2. März 195t
Wirffchastswrgen in Kanada.
Bon unserem (e)-Berichterstatter
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
■ London, Februar 1931.
Mr. Bennett, der kanadische Premierminister, der mit seinen aussehenerregenden Vorschlägen auf der englischen Reich-Konferenz nicht durchgeorui.gen ist, har in seiner Heimat eine Lage oorgesunden, um oie ihn niemand beneiden wird: er, der Mann aus dem agrarischen Westen, der von seinen Leuten gewählt worden ist, um der Landwirt|chaft zu helfen, finoet eine Lanbwirtschaststrije in einem Ausmaß vor, wie sie seil Menschcngedenken nicht zu verzeichnen war. Fast alle Farmer des riesigen Landes haben 1930 mit schweren Verlusten abgeschlossen und große Teile der ländlichen Beoöl- lerung vermögen nur weiterzuarbeiten, wenn ihnen die Regierung 'Nahrung, Kleidung und Saalgut für das kommende Frühjahr zur Verfügung (teilt. Die Weizenpreise, mit denen Kanadas Wohlstand steht und fällt, sind um f a st 6 0 v. H. gesunken, unter den Preis von 60 Cents für den Bushel, obwohl die Gestehungskosten sich in den besten Land- strichen auf minoestens 70 Cents stellen, jo daß es vielen bereits fast als hoffnungslos erscheint, ihren Betrieb überhaupt noch sortzus-.hren. Die Regierung hat bennx auch bereits tief in die Tasche greifen muffen, um den kanadischen Weizenpool (die zentrale Lerkaufsorganisation) über Wasser zu halten und wird dabei, wenn nicht alles täuscht, noch sehr viel Geld verlieren, weil das zu meisternde Problem eben doch zu groß ist.
Um so größer ist denn auch in Kanada die Enttäuschung gewesen, daß cs Mr. Bennett nicht möglich gewesen ist, aus der Londoner Reichstonferen; etwas durchzuletzen, was zu einem größeren Absatz kanadischen Weizens i m britischen Weltreiche geführt hätte. Wie brennend diese Frage interessierte, geht u. a. daraus hervor, daß man sogar die Art und Weise kritisierte, in der Mr. Bennett seinen Borschlag oorgebracht hatte und behauptete, daß. ein anderes taktisches Verhalten erfolgreicher gewesen wäre. Inzwischen hat man ober wohl einsehen gelernt, daß der liberale Doktrinarismus der Arbeiterpartei in England ein überaus schwer zu nehmendes Hindernis war, an dem auch ein anderer als Mr. Bennett gescheitert wäre, und man beginnt seine Hoffnung auf die neue R e i ch s k o n s e r e n z zu setzen, die 1931 i n Ottawa, also in Kanada selbst stattfinden soll.
Die Aufgabe, die dieser Konserenz gestellt ist, ist ober — das befürchtet man immer mehr in Kanada — fast unlösbar, da die Gegensätze zwischen dem Mutterland und Kanada zu groß sind, als daß sie so ohne weiteres durch eine Konferenz gelöst werden könnten Man braucht sich ja nur vor Augen zu halten, daß die Kanadier — und mit ihnen im Bunde die Australier — nicht mehr und nicht weniger von England verlangen als die Ausgabe des seit nunmehr fast hundert Jahren heiligen Prinzips des Freihand els, dem die britischen Arbeiter die billigen Lebensm ttel und die englische Industrie damit ihre Exportfähigkelt verdankte. Vom englischen Standpunkt aus gesehen ist der Handel mit den Dominions ja schließlich auch nur ein Tc'l- problem, da das Gros des englischen Handels sich jo immer noch nicht mit den Kolonien, sondern m i t den europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten abspielt Aus diese Märkte kann aber eben England nidl so ohne weiteres verzick-ten. Schließlich ist es ja auch fraglich, ob die britischen Kolonien überhaupt in der Lage sind, das aufzunebmen, was England durch Ucbi’rgang zum ZoUschuNsystem verlieren würde Wobei noch zu berückst«* tigen ist, dast die Kolonien sich ja nicht mit der Rolle von Rohstoffproduzenten begnügen, sondern ihre eigenen Industrien zugleich soweit als mönlich aeoen die englische Konkurrenz schützen wollen so daß letzten Endes die Dominions von den Engländern ein etwas lehr großmütig«^ Geschenk Dcriannen
Run ist zwar anderseits nicht zu verkennen daß England ein Hartes Interesse daran bat die Dominions bei guter Laune zu erhalten. Ernst
Der Hand) von Moskau
Von jo Oanns Bö -ler
Es war an einem denkwürdigen Freitag, als man in Moskau im rustifchen Hanoelsministerium zum wiederyolten Male darüber öebahie.te, ob es nötig sei, Ausländern zu erlauben, im Reiche der Sow.els Geschäfte zu betreiben.
„Rußland gehört den Russen", protestierte die Opposition.
„ilnfere Leute sind zu schwerfällig."
„Das käme aus einen Versuch an.“
„Der Versuch ist tausendmal gemacht worden. Kleine Geschäfte glucken natürlich Bei wirklich großen Sachen icdoch, die Orga, iiation verlangen, die abseits jahrzehntelang erprobter Methoden liegen, versagen unsere Landsleute."
Aber die Opposition gab Nicht nach
„Rufen Sie einen Mann von der Straße herein Bieten Sie ihm eine Chance Er wird es genau so gut verstehen, wie cm Ausländer.“
Die Minister zogen kich zur Beratung zurück Rach 10 Minuten traten sie wieder in den Saal „Wir haben beschlossen", erklärten sie. „3hnen den soeben geäußerten Wunsch zu erfüllen Bringen Sie uns morgen einen beliebigen Menschen. Wir werden ihm ein Geschäft anbieten "
Daraufhin wurde die Sitzung vertagt.
Am nächsten Morgen stand ein Russe vor dem Ausschuß Es war ein Kaufmann, namens Ri- kolai Rikolaicwitsch, der bereits vor dem Kriege 'urch seine besondere Umficht und Tüchtigkeit auf» gefallen war.
„Sie haben mich rufen lassen?", begann er.
„3a. Rußland will Ihnen einen Vertrag an» bieten.“
„Ich bin gern bereit, meinem Lande zu dienen."
„Schön Was zahlen Sie uns für den Rauch von Moskau?"
„Bitte?"
„Was zahlen Sie uns für den Rauch von Moskau?"
„Das ist ein bummer Scherz", unterbrach die Opposition, „Ranch ist keine Ware. Wir pro» testieren gegen die lächerliche Behandlung unseres Antrages "
„Ihr Protest könnte zu Recht bestehen", meinte der Minister, „wenn Sie uns. beweisen, daß sich niemand findet, der das Geschäft mit uns ab- schließt."
liche Verstimmungen auf wirtschaftspolitischem Gebiet kann sich das Mutterland heute nicht mehr leisten — aber auf der anderen Seite weiß man in England auch genau, daß der sich freuende Dritte, der |onft in dem Streit zwischen den Kolonien und dem Mutterlande zu profitieren pflegte — d i e USA. — diesmal ausscheiden. Denn die Bereinigten Staaten leiden ja selber an einem Ueberfluß agrarischer Produkte und haben kein Interesse daran, sich im Norden eine Konkurrenz grobzuziehen. Die Kreditrestriktionen der amerikanischen Banken, die Stillegung amerikanischer Fabriken auf kanadischem Gebiet, die nur sehr laue Unterstützung der Maßnahmen des Weizenpools haben bereits gezeigt, daß Kanada von hier nicht viel zu erhoffen hat. England kann also bis zu dem Tage warten, an dem man in Ottawa Vernunft angenommen hat und auf die englischen Wünsche eingehl.
Es bleibt — und das ist die geschichtliche Bedeutung der Entwicklung, die jetzt in Kanada einsetzt — der kanadischen Regierung nichts anderes übrig, als ihre eigenen Wege zu gehen — unabhängig von England, aber auch unabhängig von den USA., die ebenfalls zum erstenmal in der Geschichte des ameruanijchen Kontinents die Kanadier als Konkurrenten behandelt haben
Diesen eigenen Weg ist die tanadische Regierung Bennett bisher mu bemerkenswerter Energie gegangen. Sie hat zunächst ein Abkommen mit Austra11en getroffen, das an einer ähnlichen Krise leidet wie Kanada, das den Austausch von Erzeugnitzen zwischen den beiden Ländern erleichtern soll und hat mit der französischen Regieruna auf eigene Faust ein Abkommen geschlossen, wonach die Franzosen einen großen Teil ihres Weizenimportes aus Kanada (nichi wie bisher 'Argentinien und USA.!) decken werden. Ja, sie hat sogar einen Plan ins Auge gefaßt, der zeigt, wie großräumig Briten immer noch denken: sie wollen ihren Weizenüberfluß und ihr Gold nach China verkaufen! So grotesk vielleicht auf den ersten Blick das scheinen mag, so hat er doch Hand und Fuß, da ja China schließlich Getreide und Gold tatsächlich benötigt, und zwar in sehr großem Maßstabe
Jedenfalls zeigen diese ersten Pläne aber, daß Kanada auf dem Wege ist, sich nun auch wirtschaftlich zu emanzipieren, nachdem die politische Eman- zipation längst eine feste Tatsache geworden ift Was werden bie Engländer dagegen tun? —'Nun, sie sind um Kampfmittel nicht verlegen. Im Gegen- teil, sie begrüßen sogar zunächst einmal die wirtschaftliche Aktivität der Kanadier, weil sie hoffen, daß diese dabei auf die Dauer doch nicht der erfahrenen englischen Finanziers werden entraten tonnen, ja zur Durchführung der Pläne auch englisches Kapital benötigen werden. Die bisherige Hergabe von Kapital für die Kolonien hat sich bekanntlich für die Engländer schlecht gelohnt: sie gedenken dahc diesmal aus den Erfahrungen die entsprechenden Lehren zu ziehen. Sie dürften also wohl nur bann Kapital hergeben, wenn auch England, und zwar vor aUem auch die englische Industrie, einen Vorteil von den künftigen Geschäften der Kanadier hat: sie politisieren also die Kapitalhergabe bewußt um den Einfluß auf ihr Dominion nicht zu verlieren. Kann sich Kanada dagegen wehren? — Auf die Dauer sicher nicht, vor allem nicht, wenn die neuen Aufgaben, vor denen die kanadische Regierung steht, nicht mit mehr Geschick durchgesührt werden, als das bisher der Fall war. Es sei denn, daß die Weltwirtschaftskrise ein schnelleres Ende findet als bisher vorauszusehen ist. und so den Kanadiern einen unverhofften Erfolg verschafft Da das aber wohl nicht zu erwarten ist wird man wohl damit rechnen müssen, daß die Engländer noch einmal das Spiel gewinnen wenn auch nur mit einem Kanada das weitgehend auch in wirtschaftlichen Dingen seine eigenen Weg- geht Man sieht also, daß die lßirtfd)aftroerfle-ftungen, die da- britische Imperium zusammenhalten, immer noch ihre Bedeutung haben. Aber — wie lange noch?
„Es wird sich niemand finden."
Der Minister wandte sitz wieder dem Russen zu „Sie lehnen es also ab. Rikolai Rikolajewitsch. den Rauch von Moskau zu taufen?“
„Ich wüßte nicht, was ich damit anfangen sollte."
„Auch nicht für hundert Rubel?"
.Auch nicht für hundert Rubel."
Man ließ eine Verhandlungspause von einer halben Stunde eintreten.
„Der Amerikaner C. C. Drown ist soeben gekommen", meldete der Diener.
„Führen Sie ihn herein", befahl der Minister C E Brown trat ein.
„Sie haben mich rufen lassen?"
„Wir haben Sie rufen lassen. Mister Brown Sie haben uns wiederholt Gesuche vorgelegt. Sie bei der Vergebung von Staaksaufträgen zu berücksichtigen Wir sind heute so weit. Ihnen ein Geschäft anz ibieten Sind Sie bereit, uns den Rauch von Moskau abz k ufen?"
.Selbstverständlich."
„Sie haben genau gehört", wiederholte der Minister, „um was es sich handelt: wir verkaufen Ihnen den Rauch von Moskau."
„Raturlich. Was soll er kosten?"
.. Achtzig tausend Rubel im Jahr."
..Achtzigtausend Rubel sind meiner Meinung nach zu hoch gegriffen. Ich biete Ihnen vierzig- tausend "
Man einigte sich schließlich auf fünfzigtausend
„Von wann soll der Vertrag laufen?“ fragte der Amerika-'"
„Wenn ie wo len. ab heute."
„Einversta vu. Dann bit e ich, mir einen Vertrag auszufertigen, daß ich den Rauch von Moskau gekauft habe, und ich werde Ihnen sofort den Gegenwert auszahlen."
Der Vertrag touroe auf fünf Jahre ausgestellt und sofort unterfertigt.
C. C. Drown stieg bedächtig die breiten Treppen des Ministeriums hinab. In seiner linken Rocktasche lag der Vertrag
„Der Anfang wäre gemacht", erwog er, „das ist zunächst die Hauptsache Jetzt kommt es noch darauf an, den blödsinnigen Vertrag bestmöglich avszuwerten."
Er überquerte einige Straßen, lief über einen Platz, an dessen Front eine breite Fabrik lag.
Dick quoll der Rauch aus den Schornsteinen. C. C Drown ließ sich dem Leiter der Fabrik melden
„Sie wünschen?"
„Ihre Schornsteine qualmen.“
„Eine seltsame Feststellung. Haben Sie etwas dagegen?"
„Sehr viel. Wie können Sie sich unterstehen. Öen Rauch einfach in die Luft gehen zu lassen? Der Rauch von Moskau ist mein Eigentum. Ich habe ihn gekauft und ersuche Sie. ab heute den Rauch einzufangen und ihn zur jederzeitigen Abholung bereit zu halten."
„Das ist Wahnsinn.“
..Vielleicht. Aber hier ist mein Vertrag mit der Regierung Der Rauch ist mein Eigentum und ich mache Sie für den Schaden verantwortlich der mir durch die Richtnutzung Ihres Rauches entsteht."
„Was soll ich tun?"
„Ganz einsach. Sie können mir den Rauch Ihrer Fabrik ablaufen. Ich verlange dafür dreitausend Rubel im Jahr."
„Für eine derartige Sache ein irrsinniger Preis."
„Ein Umbau Ihrer Fabrikanlage und der Schornsteine dürfte Sie wesentlich teurer kommen. Ich stelle Ihnen eine Frist von zehn Minuten. Rach Ablaus dieser Zeit werde ich mit Hilfe meiner Vertragsgegner die Feuer Ihrer Kessel löschen lassen, um zu verhindern, daß mein Rauch verloren geht."
Rach zehn Minuten war der Vertrag ab» geschwßen.
C. C. Drown erhielt jährlich dreitausend Rubel und gewährte der Fabrik dafür freien Rauch durch den Schornstein. Sann bestieg er eine Autotare. fuhr zu sämtlichen Fabriken Moskaus und schloß mit allen den gleichen Vertrag ab. Es waren neunundvierzig Fabriken.
Unterdessen war im Handelsministerium der Fall noch nicht zur Ruhe gekommen.
„Sie werden sehen", erklärte die Opposition, „daß der Amerikaner nicht gewußt hat. worum es sich handelt. Er wird zurückkehren und den Vertrag anfcchten."
3n dieser Minute meldete der Diener:
„C. C. Drown bittet, vorgelassen zu werden."
„Ra also — früher, als wir dachten", frohlockte die Opposition.
C. C. Drown trat ein.
„Devor Sie sprechen", erklärte der Minister, „möchten wir Sie daraus aufmerksam machen, daß der Vertrag ordnungsgemäß gestempelt und in jeder Beziehung gültig ist Es ist also vollkommen aussichtslos, wenn Sie vielleicht versuchen sollten, den Vertrag r dgängig zu machen."
C. C. Drown trat zwei Schritte vor und sagte liebenswürdig:
„Warum sollte ich den Vertrag rückgängig machen? 3m Gegenteil, ich bin gekommen, um Sie etwas zu fragen."
„Und das wäre?"
„Sagen Sie, Herr Minister, was kostet der Rauch von ganz Rußland?"
Hanebüchen und Hagestolz
Zu den Wörtern der Umgangssprache, die man sich nicht zu schreiben getraut, man müßte )enn im „Großen Duden" nachschlagen, gehört >as Eigenschasts- und Umstandsawri hanebüchen mit der Bedeutung groß, stark, derb, ungeschlacht. Wie von einem hanebüchenen Kerl, der hanebüchen grob ist oder zuhaut, spricht man von einer hanebüchenen Kälte, wo es hanebüchen hergeht, ist längeres Verweilen für zarte Gemüter bedenklich. 3m Schrifttum findet sich das Wort erst am Ausgang des 17. Jahrhunderts, auch in der Form hainbüchen, die von dem vielfach als Grundwort vermuteten Hahn ablenkt und zur Hainbuche hinleitet, die auch Hage» oder Weißbuche heißt, Carpinus betulus Achnlich führt die Bezeichnung für die Frucht des Weißdorns Ham» oder Hain- butte auf Hagedorn, d. i. der wilde Rosenstrauch, die Heckenrole. Hain ergab sich durch Erweichung des g aus Hagen.
Der Hag ist auch dem Hagestolz eigen, aber er ist nicht etwa stolz auf diesen Besitz Schon 1234 ist diese Wortform im Sinne von unverheiratet bezeugt neben der ursprünglichen hagestalt oder hagastalt; ein hagastalt man war ein unverheirateter Lohnarbeiter, der kinderlos aus einem Hag (d. i Einhegung), einem kleinen Rebengrundstück seßhaft war (got. staldan = besitzen»; während das Hauptgut samt der daran haftenden väterlichen Gewalt auf den Erstgeborenen überging, verblieben den jüngeren Söhnen nur Rebengüter und damit Abhängigkeit vom Erstgeborenen.
C. AL
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der
•• Handelskammerprüfung für Ge - schäftsstenographen. 3m heutigen Anzeigenteil wird eine auf den 22. März anberaumte Handciskammerprüfung für Gcschaftsste ographcn angekündigt. Es kann nicht oft genug betont werden, von wie großer Wichtigkeit die Teilnahme an einer solchen Prüfung für junge Leute
In diesen Tagen des Jahres 1916 tobte die Schlachi vor Verdun, bei der eine halbe Million deutsche und französische Soldaten den Tod fanden Die heftigsten Kämpfe gingen um das Fort Douaumont, über besten Trümmern sich jetzt ein weithin sichtbares Leuchtehrenmal erhebt.
ist, die viel mit Schreibarbett zu tun haben. Dies gilt besonders für die heutige Zeit, in der es den Arbeitgebern bei der großen Zahl der S el- lungsuchenden möglich ist. in engster Auswah. den nach ihrer Meinung geeignetsten Bewerber ,u finden. Daß in solchen Fällen Stenotypisten, die sich durch das Zeugnis einer bestandenen Geschäftsstenographenprüfung über ihre Fähigkeiten ausweisen können, den Vor ug vor anderen erhalten, ist selbstverständlich. Dieser Tai- sache scheinen sich auch diejenigen jungen Leute, welche sich dem Stenotvpisten-Bcrufe widmen wol'en. immer mehr bewußt zu werden, denn die Te.lnehmcr ah. an diesen im Früh.ahr und Her st stattfindenden Prüfungen wächst von 3ahr u Jahr Auch bei der im Rvvernber v. 3 um erstenmal abgehattenen Vorprüfung mit der Geschwindigkeit von 120 Silben konnte eine starke Beteiligung feftgeftellt werden. Diese Vorprüfu g ist eingeführt worden, um Anfängern einen richtigen Maßstab für ihre Leistungen, und gleichzeitig ein Gefühl der Sicherheit für die spä.er abzulegende Geschäftsstenofraphenprüfung zu geben. Die Vorprüfung besteht wie bei der Hau >t- prüfung, in der stenographischen Aufnahme ein's Dikta-is von zweimal fünf Minuten mit eir c Unter rechung von einer Minute, und in der o- fortigen ilebertragung in Kurrentschrift. Die u- läffigc ilebertragungszeit beträgt bei handschriftlicher ilebertragung 96 Minuten, bei der ilebertragung mit der Maschine 64 Minuten. Wer die Vorprüfung bestanden hat. erhält kein eigentliches Zeugnis, sondern lediglich eine Desche ni- gung. Es sei jedoch ausdrücklich bemerkt, daß die Vorprüfung nicht Vorbedingung für die Haupt- ptüfung ist. (Man beachte dte Anzeige vom Samstag.)
" Freie Schul st eilen. Erledigt sind: die Stelle einer evangelischen technischen Lehre in an der Volksschule im Bezirk Heuchelheim, Kreis Gießen (Gesuche von Anwärterinnen, die noch nicht im Schuldienst verweirdet worden sind, oder von solchen, die ihre fünf Anwärterdienst- jafjre noch nicht zurückgelegt haben, sind zw.ck- los): eine Lehrerstelle für einen evange.ischen Lehrer an der Volksschule in Rieder-Bessingen. Kreis Gießen (Dienstwohnung ist vorhanden); eine Lehr rstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule m Okarben, Kreis Friedberg (Dienstwohnung ist frei).
Zeitung der Kanzel. Es war früher die Aufgabe der Geistlichen, im Anschluß an die sonntägl che Predigt nicht nur die behördlichen Bekanntmachungen, sondern auch alle möglichen privaten Nachrichten, selbst Verlustanzeigen, 'in der Kirche zu verkünden. Eist als in der zweiten Hälfte des 18 Jahrhunderts dieser Brauch allmählich verschwand, mußte man auf andere Wege und Mittel sinnen, um diese Neuigkeiten zu verbreiten, und bediente sich, erst zögernd, dann in steigendem Umfang der Zeitungsanzeige.
Aus der provinzialhauvistadl.
Gießen, den 2.März 1931.
Ein Jubiläum der Zamilienanzeige
Die Familienanzeige gehört zu den unentbehrlichen Selbstveiständlichkeiten unseres Lebens; aber so sest sie unter uns eingebürgert ist, so blickt sie doch aus ein verhältnismäßig junges Dasein zurück. Denn in diesem Jahre kann sie den 150. Geburtstag feiern. Merkwürdigerweise waren es die Todesanzeigen, die zuerst in den Blättern erschienen. Vermählungs- und Geburtsanzeigen traten später auf, und noch länger dauerte es, bis man die ersten Verlobungs- anzeigen in den Zeitungen lesen konnte Das ist erst vor 100 Jahren der Fall gewesen. Die Heiratsanzeige ist die jüngste der Famüienanzeigen, sie trat um 1850 bei uns zaghaft hervor, war allerdings in anderen Ländern schon früher üblich Als in England 1769 die erste Anzeige dieser Art erschien, berichtete ein Berliner Blatt: „In London hat jemand bekanntgemacht, daß eine Lady mit mittelmäßigem Verm gen einen Mann nötig hätte So wunderbar es klingt, so ist es doch wahr,' daß auf diese Bekanntmachung hin nicht weniger als 279 Briefe einliefen." Daß die Zeitungen so lange Zeit bestanden haben, bevor die Famistenanzeige aufkam. liegt nicht etwa daran, daß man in der „guten alten Zeit' kein Interesse für die Ereignisse in den Familien anderer Leute hatte, nur die Art der Verkündigung war da- mals eine andere: man bediente sich nämlich statt


