hing, erstatete dann den Jahresbericht und trug auch die Rechnung des JohreL 1930 vor. Die Einnahmen betrugen 5187,45 Mark. Auf die drei Provinzen Hessens verteilt wurden vereinnahmt in Starkenburg: 3160,39 Mark, in Oberhessen 1249,44 Mark, in Rheinhessen 777,57 Mark. Die Gesamtausgabe betrug 5101,77 Mark, so daß für 1931 ein Rest von 81,68 Mark blieb. Dem Rechner wurde Ent- lastung erteilt An die Besprechung des Jahresberichts schloß sich eine rege Aussprache an. Am
Abend fand die Hauptversammlung ihren Abschluß mit einem M i s s i o n sa b e n d. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Weidner, begrüßte die Gaste, die Grüße des Landesverbandes überbrachte Pfarrer Laut. Einen interessanten Vortrag hielt Studienrat Böhner (Kaiserslautern) über: „Eine Wallfahrt zu den 88 heiligen Stätten von Schikoku". Missionsdirektor Devaranne sprach über die Arbeit der Ostasien- Mission in Japan. Die Kollekten und sonstigen Gaben beliefen sich auf 230 Mark.
Gießener Herbst-pferdemarkt.
Oie Ergebnisse der Prämiierung
auf dem gestrigen Gießener Herbst- Pferdemarkt. über dessen Handelsverlauf wir gestern schon berichteteen, sind folgende:
Reitpferde (unter dem Reiter gezeigt): l.Pr. L. Schömbs-Gießen und H. Hofmann-Bergermühle; 2. Pr. W. Eiser-Muschenheim und H. Müller XI. = Oberhörgern; Anerkennungen: P. Buß-Gambach, Ph. Schudl-Londorf, K. Pfannmüller-Dorf-Gill und L. Schömbs-Gießen.
Wagenschläge (paarweise zu prämiieren): 1. Pr. I. Kaufmann-Riederweisel; 2. Pr. A. Frensdorf-Gießen; 3. Pr. Gebr. Isenberg-Gießen.
Schwere Arbeitsschläge (paarweise): 2. Pr. A. Frensdorf-Gießen; 3. Pr. I. Kaufmann- Niederweisel.
Leichte Arbeitsschläge (paarweise): 2. Pr. I. Kaufmann-Niederweisel; 3. Pr. A. Frensdorf- Gießen; Anerkennung: S. Michel-Gießen.
Schwere Arbeits schlüge (einzeln): 2. Pr. I. Kaufmann-Niederw»isel; 3. Pr. A. Frensdorf- Gießen und I. Kaufmann-Niederweisel.
Leichte Arbeitsschläge (einzeln): 1. Pr. I. Kaufmann-Niederweisel; 2. Pr. A. Frensdorf- Gießen; 3. Pr. S. Michel-Gießen.
Schwere Arbeitsschläge (einzeln): 1. Pr. H. Dreut II.-Griedel; 2. Pr. L. Häuser-Niederweisel; 3. Preis I. Wild-Rockenberg; 4. Pr. K. Gebhard- Ziegenberg; Anerkennungen: W. Maas Wwe.-Niederweisel, G. Huber-Niederweisel; A. Hofmann- Langsdorf, A. I. Bill-Niederweisel, W. Wagner II- Kirchgöns, W. Ries-Niederweisel; O. Bück-Lanas- dorf, I. Hch. Hildebrand-Niederweisel; Hch. Dreut II.- Griedel, F. Diehl II.-Dorn-Assenheim.
Leichte Arbeitsschläge (einzeln): 1. Pr. G. H. Bender-Dorf-Gill und O. Velten-Lana-Göns; 2. Pr. W. Eiser-Muschenheim; 3. Pr. O Walter- Trois-Münzenberg; 4. Pr. Hch. Müller XI. - Oberhörgern; Anerkennungen: Hch. Hofmann - Bergermühle, Hch. Fenchel-Griedel. K. Burk-Trais-Mün- zenberg.
Schwere Arbeitsschläge (paarweise): 1. Pr. Louis Häuser-Niederweisel und Hch. Dreut II.- Griedel; 3. Pr. F. Diel II.-Dorn-Assenheim; 4. Pr. A. Hofmann-Langsdorf.
Leichte Akbeitsschläge (paarweise): 1. Pr. W. Eiser-Muschenheim; 2. Pr. E. Strasheim-
Griedel; 3. Pr. K. Pfannmüller-Dorf-Gill; Anerkennung W. K. Faber-Leihgestern und Eugen Dietz- Griedel.
Dreijährige Fohlen (Arbeitsschläge): 1. Pr. F. Diel II.. Dorn-Assenheim; 2. Pr. W. Wagner, Kirchgöns.
Dreijährige Fohlen (Wagenschläge): 1. Pr. O. Velten, Lang-Göns; 2. Pr. R. Schmidt, Steinheim; 3. Pr. E. Dietz, Griedel; 4. Pr. K. Peil, Mölln; Anerkennung: E. Walter, Lanosdorf.
Zweijährige Fohlen (Arbeitsschläge): 1. Pr. W. Ehr. Haub, Rieder-Weisel; 2. Pr. H. Decker, Muschenheim.
Zweijährige Fohlen (Wagenschläge): 1. Pr. C. Strasheim, Griedel; 2. Pr. O. Velten, Lang-Göns; 3. Pr. Hch. Hofmann, Dergermühle; 4. Pr. W. 1 Müller, Ober-Hörgern; Anerkennung: R. Koch, Trais-Münzenberg.
Zucht st uten mitSaugfohlen (Arbeitsschläge): 1. Pr. 3. Will,Rockenberg; 2. Pr. W. Wagner 11., Kirch-Göns; 3. Pr. A. Hofmann, Langsdorf; 4. Pr. Gg. Ph. Krausgrill, Rieder- Weisel; Anerkennung Hch. Wallbott Xil., Garbenteich.
Zuchtstjlten mit Saugsohlen (Wagenschläge): 1. Pr. E. Strasheim, Griedel; 2. Pr. K. Vopf II., Lang-Göns; 3. Pr. K. Pfannmül- ler, Dorf-Gill; 4. Pr. P. Duh, Gambach.
Z u ch t st u t e n (erkennbar tragend), Arbeitsschläge: 1. Pr. Hch. Dreut 11., Griedel; 2. Pr. L. Häuser, Rieder-Weisel; 3. Pr. 3. Will, Rockenberg; 4. Pr. K. Gebhard, Ziegenberg; Anerkennungen: H. Walbott XIL, Garbenteich, G. Huber, Rieder-Weisel; G. Ph. Krausgrill, Rieder- Weisel; G. Rühl, Lgngsdorf; W. Maas Wwe., Rieder^Deisel; A. Hofmann, Langsdorf; Hch. Seipp III., Muschenheim; W. Ries, Rieder-Weisel; W. Ohly, Rieder-Weisel: A. 3. Dill, Rieder- Weisel; O. Duck, Langsdorf; 3. Hch. Hildebrand, Rieder-Weisel; Hch. Dreut II., Griedel; F. Diel II., Dorn-Assenheim.
Zuchtstuten (erkennbar tragend), Wagenschläge: 1. Pr. G. H. Dender, Dorf-Gill; 2. Pr. K. Rühl, Eberstadt; 3. Pr. Hch. Müller XL, Ober- Hörgern; 4. Pr. O. Walter, Trais-Münzenberg; 5. Pr. Hch. Fenchel, Griedel; Anerkennung: W. Ciser, Muschenheim und K. Burk, Trais-Mün- zenberg.
Wirtschaft.
Oer Frankfurter Effektenfreiverkehr.
3m Frankfurter Cfsektenfreiverkehr von Dureau zu Dureau war das Geschäft gestern kaumnen- nenswert. Die schwachen Meldungen von den Auslandbörsen wirkten verstimmend, und auch die innenpolitische Situation wird keineswegs günstig beurteilt, da man befürchtet, daß das Wirtschaftsprogramm der Regierung zu einer weiteren Verschärfung der Lage zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern führen wird. Außerdem kamen die verschiedenen Zahlungseinstellungen bei deutschen Prvvinzbanken stärker zur Auswirkung, was die älnternehmungslust so gut wie brach legte. Am Aktienmarkt waren Kurse zu hören, die genüber vorgestern um 2 bis 4 Prozent niedriger lagen. So nannte man: 3G.-Farben 93.50, Siemens 103, AEG. 41, Gelsenkirchen 32, Reichsbank 102, Dedi- bank etwa 57,50. Mit Rücksicht auf die anhaltende Festigkeit der Reichsmark bestand für Renten einiges 3nteresse, so daß auf
diesem Marktgebiet Kurserholungen um 0,5 bis 1 Prozent zu bemerken waren. Reichsschuldbuchforderungen in späten Fälligkeiten waren auf vorgestriger Dosis etwas gesucht.
BerschärfungderOevisenbestimmungen in Sicht.
Berlin, 30. Sept. (ERD.) Die Devisenabzüge bei der Reichsbank haben in den letzten Tagen ziemlich stark zugenommen, was vor allem auf die Ablösung der Markguthaben auf Grund des Stillhalteabkommens zurückzuführen ist. Mm die Devisenanforderungen einer genauen Kontrolle zu unterwerfen, will man eine entsprechende Verschärfung der Devisenbestimmungen vornehmen. Die Veröffentlichung der verschärften Bestimmungen steht in Kürze bevor.
Oas böse Beispiel des Staates.
Die Rückwirkung auf die dänische wirtschaft.
Kopenhagen, 30. S-pt. (TU.) Das Folketing hat einen aus vier Mitgliedern bestehenden Valuta-Ausschuß eingesetzt. Ministerpräsident Stau- ning erklärte, daß er die Kaufmannschaft und die Industrie vor Preissteigerungen eindringlich warnen müsse. Im Gegensatz hierzu veröffentlicht die dänische Post- und Telegraphendirektion die Mitteilung, daß in zwei bis drei Tagen die Telephon- und Telegrammgebühren nach dem Auslande um 25 o. H. erhöht würden. Die Preise für Eisenbahnfahrten nach dem Auslande sind bereits um 20 v. H. erhöht worden. Wie man sieht, gehen also die Behörden bei der Preissteigerung voran. Die Bedrohung der dänischen Industrie geht daraus hervor, daß die größte Schiffswerft, Burmeister8-Weyn, am Mittwoch 120 Angestellten gekündigt hat. In der letzten Zeit sind etwa 3000 Arbeiter entlassen worden.
Italienischer Währungsschuh.
Rom, 30. Sept. (TM.) Durch einen in Vorbereitung befindlichen Erlaß wird der italienische Finanzmini st er die Befugnis erhalten, aus dem Verordnungswcge den Handel mit Devisen und Valuten zu regeln. Auch die Strafen für die Meberschreitung dieser Anordnungen wird der Minister bestimmen. Vorgesehen sind Gefängnisstrafen und Zwangsverschickung. Die Maßnahmen bestätigen den Willen der Regierung, an der Stabilisierungsquote (100 Lire gleich 7,919 Gramm Gold) und am Goldstandard f e st z u h a l t e n.
Einschränkung der Kohleneinfuhr in Llngorn.
B u d a p e st, 30. Sept. (WTB.) Der 33er-Landes- ausschuß behandelte heute den Regierungsentwurf über die Kohlenversorgung, der bestimmt, daß die Kohleneinfuhr fortan nur mit Bewilligung des Handelsministers gestattet wird. Der Handelsminister führte aus, Ungarn habe im vergangenen Jahre 88 000 Waggons Auslandskohle und 38 000 Waggons ausländischen Koks eingeführt. Dies fei unhaltbar. Anstelle der teuren Auslandskohle könne man auch ungarische Braunkohle verwenden. Der Regierungsentwurf wurde mit der Ergänzung angenommen, daß seine Bestimmungen nur solange in Kraft bleiben, wie eine Notwendigkeit der Beschränkung im Devisenverkehr besteht.
Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2TL
30. September
1 .Okiober
Amtliche Notierung
Seid | Brief
Amtliche Geld
Notierung Brlel
Heifingsor« . Wien. . . . Prag . . . Budapest . . Sofia . . . Holland . . Oslo.... Kopenhagen. Stockholm . London. . . Buenos Aires Nenyork . . Brüssel. . . Italien. . . «Baris . . . Schweiz . . Spanien . . Danzig. . . Japan . . . Nw de Ian.. Jugoslawien. Lissabon . .
10,09 59,13
12,48 73,28 3,047
169,83
92,41 92,41
96,90 16,38 0,988 4,209
58,73 21,03
16,68 82,37
37,91
81,99 2,078 0,231
7,455 14,79
10,11
59,25
12,50
73,42
3,053
170,17
92,59
92,59 97,10
16,42 0,992
4,217
58,91
21,07
16,72 82,53
37,99
82,15
2,082 0,233
7,469
14,81
Banknoten
10,29 58,84
12,48 73,20 3,052
169,83 92,91 92,91 96,90 16.48 0,988 4,209 58,84 21,48 16,68 82,47 37,91
81,92 2,078 0,236 7,453
15,08
10,31 58,96 12,50 73,42 3,058
170,17
93,09 93,09
97,10 16,72 0,992 4,217 58,96 21,52 16,72 82,63 37,99 82,08 2,082 0,238 7,467
15,12
Berlin, 30. September
Geld
»nef
Amcrilanische Noten.......
Belgische Noten.........
Dänische Noten.........
Englische Noten.........
Französische «Noten........
Holländische Noten........
Italienische Noten........
Norwegische Noten........
Deutsch-Oesterreich, * 100 Schilling Rumänische Noten . .......
Schwedische Noten........
Schweizer Noten.........
Spanische Noten.........
Ungarische Noten...... .
4,20 58,68 92,22 16,34 16,67
169,46 21,11
92,22 59,01
2,49 96,66 82,19 37,47 72,75
4,22 58,92 92,58 16,40 16,73
170,14 21,19 92,58 59,25
2,51 • 97,04
82,51 37,63
73,15
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 1. Okt. Auftrieb: 107 Rinder, 904 Kälber, 486 Schafe, 632 Schweine. Es notierten: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 46 bis 50
Das bißchen Erde.
Vornan von Richard Skorvronnek.
Copyright by I. Engelhorns Nachf., Stuttgart.
(Schluß.)
„So geht das nicht, Herr Rägelein, mit Kraftbrühe und sonstigen Stärkungsmitteln kriegen wir ihn nicht hoch. Lachen muß er wieder, Sie müssen ihm nichts als lustige Geschichten erzählen, damit er wieder blanke Augen kriegt."
„Hm", sagte der'Maler, „daß ihm inzwischen die kleine Konkurrenz um das Majorat weg- gestorben ist, ist das vielleicht lustig genug?“
„Für den Anfang gewiß", erwiderte der Professor, „aber es muß noch viel dicker kommen. Mnb sagen Sie mal, da war hier doch immer eine reizende junge Dame zur Pflege, die verwitwete Frau Baronin Perkwald?! ... Weshalb ist die eigentlich nicht mchr da?"
„Das erzähle ich Ihnen ein andermal. Das sind, wie man hierzulande sagt, ,olle Kamellen'. 3ch glaube, sie genieren sich voreinander. Mnd ich trage vom medizinischen Standpunkte aus ebenfalls Bedenken, sie wieder zusammenzubringen. Die Frau Baronin würde es ja wohl aushalten, er aber hat doch einen immerhin noch der Schonung bedürftigen Lungenflügel" ...
Der Herr Professor lachte.
„Wenn es weiter nichts ist? So eine ausgeheilte Lunge hält viel aus. Ramentlich Freude. Da verträgt sie eine ganze Masse!"
„Vielleicht schon morgen?"
-Auch heute! Setzen Sie ihn in einen Rollstuhl ... Das Wetter ist wie geschaffen dazu. Ra und wenn es so weit ist. vergessen Sie mich nicht mit der Verlobungsanzeige!" ...
Der Herr Professor fuhr in guter Laune davon, Peter Rägelein aber sah ihm, in Gedanken verloren, nach. Er war ein ehrlicher Makler, aufs Mngetoiffe hin unternahm er nichts. Dazu war die junge Baronin zu schade ... Mnd danach beschloß er zu handeln ...
Er ging in das Krankenzimmer zurück.
„Holla, ©räflcin, jetzt hat's mit dem Faulenzen geschnappt! Der Professor hat 'ne Luftkur verordnet. Mnd sehen Sie mal. wie draußen die Sonne lacht! Das Herz kann einem aufgehen dabei" ...
Malte hob mit müder Abwehr die Hand, aber es half ihm nichts, er wurde warm angekleidet, in einen Rollstuhl gesetzt und in den blühenden Park gefahren. Hilflos wie ein Kind mußte- er sich's gefallen lassen. Die Arme und Beine, an denen die straffen Muskeln gestanden hatten in stolzer Pracht, waren wie Zaunstecken so dünn, nichts als Haut und Knochen ...
Der alte Lenh schob den Rollstuhl, Miken tappte hinterdrein, wie ein mit Speck abgeriebenes Osterei glänzte ihr Gesicht vor Freude. „Herrgott, himmlischer Vater", murmelte sie zwischen Den welken Lippen, „daß du mich das noch erleben läßt?!" ...
An einem sonnigen Platze vor blühenden Fliederbüschen ließ Peter Rägelein halten. Mnten am Mfer trieben leise blaue Wellen an den Sand, durch eine Lücke zwischen den Parkbäumen bot sich eine schöne Aussicht auf den Hohen- römniher Burgfried und eine lange Stange, an der die leicht sich blähende Fahne immer noch halbmast hing zum Zeichen der Trauer ... Er lehnte sich mit dem Arme leicht auf den Rollstuhl und beschloß, vorsichtig zu Werke zu gehen, mit Mnwichtigem anzufangen, die großen Kanonen aber zuletzt anzufahren ...
„Sagen Sie mal, Gräflein", begann er, „Sie haben in diesen Wochen öfter den (Hamen des Herrn von Lewenitz genannt. Darf ich fragen, in welchem Sinne?"
Malte hob matt die Hand.
„Sie waren doch dabei im Strelitzer Hof. Er hat noch ein Recht an mich. Sagen Sie ihm, wenn ich wieder auf meinen Füßen stehen könnte, würde ich mich ihm stellen. Aber er sollte besser treffen als dieser Stümper von Dragoner" ...
„Ra na na“, sagte der kleine Maler, „vielleicht gibt es da etwas, wobei es ohne Knallen abgeht. 3ch habe inzwischen Euren Ehrenkodex gewälzt, weiß mächtig Bescheid darin. Cs ist ein arg verwickelter Fall ... ich war doch Augenzeuge und weiß beim besten Willen nicht zu sagen, bei wem der letzte Hieb sitzen geblieben ist! ... Wohingegen bombensicher feststeht, daß der lange Tüschower bloß durch einen Zufall dazwischengeriet, als Sie sich mit dem Leutnant so gröblich auseinandersetzten. Da hat also nach meiner bestimmten Zeugenaussage das hochwohlweise Ehrengericht entschieden, es käme jetzt nur noch auf Sie an. Wenn Sie erklären, Sie hätten eigentlich den Herrn Bredow gemeint, als Sie Herrn von Lewenitz nach dem Ofen beförderten, kann dieser letztere auch weiterhin am Königs
geburtstag einen bunten Rock tragen, ohne 3hnen vorher ein Loch in den Bauch schießen zu müssen" ...
„Meinetwegen", gab Malte gleichgültig zurück. „Wenn er es wünscht, bitte ich sogar ab ... es ist ja so egal" ...
„Schön", sagte Peter Rägelein, „Punkt eins meiner Sorgen wäre erledigt! ... 3eht zum zweiten! Entsinnen Sie sich vielleicht, daß Sie in 3hren Fieberphantasien erhebliche Kämpfe mit einem alten Herrn ausfochten, der 3hnen durchaus Vellahn wegnehmen wollte und ein Wort, von dem Sie hartnäckig behaupteten, es wäre verbrannt? ... Richt? ... Ra denn sehen Sie mal da über den See ... wie hängt wohl drüben über dem alten Turm die Flagge?" ...
Malte versuchte sich aufzurichten.
„Mm Gottes willen, mein Onkel Christoph" ...
„Ree, zuerst mal bloß sein kleiner Sohn", versetzte der Maler herzlos und in gesundem Egoismus ... „Wat dem een fien MHI, bat is bem annern fien (Nachtigall — es ist, Gott fei Dank, niemanb mehr ba, bet uns hier 'rausjagen kann! Mnb entschulbigen Sie, wenn ich mich mit erwähne, aber ich habe es Ihnen ja schon vor langen Wochen gesagt: ehe ich nicht Akabemiepräsibent bin, kriegen Sie mich hier nicht los" ...
Malte hatte geraume Zeit schweigend gesessen, jetzt machte er eine müde Handbewegung.
„Es ist gut! ... Meine Ehre habe ich wieder... mein Recht an dem bißchen Erde" ...
„3ch verstehe schon", sagte Peter Rägelein lächelnd, „es fehlt noch etwas! Bei 3hrer Trauung werde ich dem Pastor einen Tip geben, daß er das betreffende Kapitel aus dem Korintherbrief zum Text seiner Rede nimmt! ... Aber ehe ich 3hnen jetzt die Lichter an dem Weihnachtsbaum anstecke, möchte ich eine ganz reelle Auskunft haben. Welche von den beiden jungen Damen meinten Sie eben, als Sie das Wort .Liebe' nicht aussprachen? Die Berlinerin oder die Baronin Perkwald?"
Der andre sah wirr um sich, machte eine gewaltige Anstrengung, sich auf die Füße zu stellen.
„3ch hab' nicht bloß geträumt, sie ist wirklich hier?"
„Ree", versetzte der kleine Maler, „so rasch geht das nun nicht. Aber sie ist erreichbar ... Telephonieren Sie mal nach Alten-Krakow, Herr Lentz. Sagen Sie der Frau Baronin einen schönen Gruß von mir und ich ließe sie bitten, hier jetzt wieder die Pflege zu übernehmen! 3ch garantiere ihr dafür, sie darf es wieder tun" ...
Mark, mittlere Most- und Saugkälber 40 bis 45 Mark, geringe .Kälber 35 bis 39 Mark; Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weibemast) 32 bis 35 Mark, mittlere Mastlämmer, ältere Mast- hämmel und gut genährte Schafe 27 bis 31 Mark, fleischiges Schafoieh 20 bis 26 Mark. — Marktverlauf: Kälber und Schafe schleppend, Schweine ruhig, geräumt.
Berliner Prodnktenmartt.
Berlin, 30. Sept. Das Geschäft an bet Produktenbörse gestaltete sich heute recht ruhig. Rack den gestrigen Preisrückgängen war das ersthändige Offertenmaterial in Brotgetreide und Hafer wieder geringer; auf die abgegebenen Mntergebotc sind nur vereinzelt Zusagen erfolgt und auch heute hielt sich die Mmfahtätigfeit in engen Grenzen, da Forderungen und Gebote schwer in Einklang zu bringen waren. Angesichts des schleppenden Mehlabsahes nahmen die Mühlen nur vorsichtig Material auf und die Gebote waren erneut um etwa eine Mark ermäßigt. 3m handelsrechtlichen Lieferungsgeschäft waren die Septemberfichten ziemlich behauptet, dagegen gaben die späteren Eichten bei Weizen um 2,50 Mark, bei Roggen um 2 Mark nach. Weizen- und Roggenmehle werden nur für den notwendigsten Bedarf gekauft. bei Geboten waren die Verkäufer zu Preiskonzessionen bereit. Hafer lag ruhig aber ziemlich» stetig, gute Qualitäten finden weiter Beachtung. Gerste in unveränderter Marktlage. Die Preise für Weizen- und Roggenexportscheine bröckelten weiter ab. Es notierten (1000 Kilo): Weizen, märt.. 208 bis 211. Sept. 227 bis 226,50, Oft. 223,50 bis 223,25, Dez. 226 (Dries) (matter); Roggen, märt., 183 bis 185, Sept. 198, Okt. 194,50 bis 194, Okt. 195,50 bis 195 ((Brief) (matter).
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik flehenden Artikel übernimmt die Redaktion bem
Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) „Cine Frage
an die Tarifkommission der Reichsbahn."
Zu dem Eingesandt unter dieser Meber» schrist im „Gieß. Anz." vom 25. September erhalten wir von der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. die nachstehende Zuschrift:
„3n Rr. 224 des „Gießener Anzeigers" vom 25. September d. 3. wurde der Reichsbahn der Vorwurf gemacht, daß sie durch Tarifermähigun- gen bis zu 30 v. H. für die Einfuhr von Bananen über deutsche Rordseehäfen die Einfuhr fremdländischer Erzeugnifse besonders begünstige zu einer Zeit, in der deutsches Obst in Hülle und Fülle auf den Markt komme. Hierzu bemerkt die Reichsbahndirektion FrankfuH folgendes:
Während bis vor einem 3ahr die Einfuhr von Bananen nach Deutschland in den deutschen Seehäfen Hamburg, Bremen, Dremerhaven-We- fcrmünöe konzentriert war, üfar dieser (Verkehr in letzter Zeit durch Konkurrenzmahnahmen der holländischen Eisenbahnen bis zu 50 v. H. auf holländische Bahnen und Häfen abgewandert. Mit den nunmehr verkündeten Tarifmaßnahmen verfolgt die Reichsbahn den Zweck, im 3ntercffe der deutschen Seehäfen und Dahnen den abgewanderten Verkehr wieder zurückzugewinnen. Dabei ändert sich an der Preislage für die (Beförderung der Bananen von den Seehäfen zum Empfangsgebiet nichts, da die neuen Frachtsätze etwa in der gleichen Höhe liegen, wie die Beförderungskosten des seinerzeit über Holland abgewandertcn Verkehrs. Es ist also weder eine Verbilligung der Transportkosten für die Bananen, noch eine Vergrößerung des Cinfuhrvolumens zu erwarten. Damit entfällt auch der Vorwurf einer besonderen Begünstigung der Dananeneinfuhr. dBenn die Reichsbahn verlorengegangenen Verkehr, der sich ohnehin nach Deutschland erstreckt, über Deut* fche Mmschlaasstellen und deutfche Bahnstrecken durch einen Wettbewerbstarif zurückgewinnt, so erfüllt sie mit dieser Maßnahme nur ihre deutsche volkswirtschaftliche Aufgabe. Don einer Begünstigung von Südfrüchten kann um fo weniger die Rede fein, als die Reichsbahn gerade in diesen Tagen zur Förderung der deutschen Kernobst ernte Tarifermäßigungen gewährt hat, die gegenüber dem (Normaltarif Verbilligungen bis zu 44 v. H. darstellen."
„Aber gern, Herr Rägelein". sagte der Alte, setzte sich in Trab, um auch nicht eine einzige Minute zu versäumen ...
Malte ließ sich in den Stuhl xurüdf allen, schlug die Hände vors Gesicht, die hellen Tränen quollen ihm zwischen den Fingern hindurch: „Lieber Vater im Himmel, das hab' ich nicht verdient"...
Mnd der Kleine ließ ihn ruhig gewähren. Freude war ja gesund, hatte der Herr Professor gesagt! ... Erst nach einer Weile spann er den Faden weiter.
„Ree, weiß Gott, verdient haben Sie's nicht, Gräflein. Aber der Herr gibt'8 den Seinen im Schlaf ... ich hab' 3hnen ja schon einmal aud- einanbergefetjt, daß er wohl ganz was Besonderes mit Ihnen vor hat. Mnb wenn ich ihn recht verstehe, hat er mich hier als eine Art von Hofhund eingesetzt. Damit ich aufpasse — der De«i- wel holt Sie nämlich, wenn Sie jetzt nicht ein Musterexemplar werden von Herr und Ehe- gemahl?" ...
Der andre nickte nur, sprechen konnte er nicht... Mnd Peter Rägelein begann zu erzählen, was sich alles in diesen langen Wochen zugetragen hatte. Erzählte möglichst genau und ausführlich, denn es galt, eine ganze lange Zeit der Erwartung auszufüllen. Selbst bei raschem Zufahren brauchte man von Alten-Krakow bis Vellahn reichlich dreiviertel Stunden ... Aber schon nach wenigen Minuten kam ihm die laue FrühlinaS- luft zu Hilfe: ein gleichmäßiges Schnarchen begleitete den geläufigen Fluh seiner Rede — der im Rollstuhl neben ihm war sanft eingeschlafen! . . . Da schwieg er natürlich, und unwillkürlich stahl sich ihm ein wenig Reid in die lautere Seele. E r hatte es nicht so gut getroffen, daß ihm eine die Treue hielt . .. Die junge Dame fern im Thüringischen hatte sich gar rasch mit einem andern getröstet ...
Aus dem gelben Kies des Parkweges erklang ein leichter Schritt, der kleine Maler rüttelte den Schlafenden an der Schulter.
„Holla, aufgeschaut, da kommt wer "... Mnb er trat rückwärts durch die Fliederbüsche ...
Malte Römnitz blickte wirr um sich ... „Gertrud!" schrie er auf, breitete die Arme. Eie eilte zu ihm, drückte ihn sanft in den Etuhl zurück. Mnd sie küßte ihn nicht auf den Mund, sondern auf die kleine (Narbe, die wie ein weißer Fleck sich auf seiner linken Wange abzeichnete. Sc verstand sie ... Die letzte Spur alten Hasses war ausgelöscht ... der Frühling war um sie und Liebe---


