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Nr. 229 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)Donnerstag, l. Vttober 193(

ie in Nriimngslinden politif gemacht wurde.

Mit den französischen Ministern an den Havelseen. - Als einziger Journalist beim intimen Minister-Frühstück.

Copyright by Verlag Presse-Tagesdienst, Berlin W 35.

Unser Berliner Mitarbeiter Dr. Richard Dyck mar der einzige Journalist, der bei den Unterhaltungen und dem intimen Minister- Frühstück in Brüningslinden bei Cladow zu­gegen war. Im folgenden schildert er ein paar interessante Episoden.

Das eine kann ich versichern: Leicht war es nicht, als einziger Journalist bei dieser intimen Zusam­menkunft der Regierungshäupter Deutschlands und Frankreichs sich Eingang zu verschafsen. Aber es wurde geschasst getarnt und unter entsprechendem Rollentausch".

In Cladow also fand diese Zusammenkunft in einem Rahmen statt, wie ihn die Natur nicht schöner hätte ausbauen können. Der Park von Brüningslin- den hat bei aller Gepflegtheit doch den Zauber der Unberührtheit und völliger Entrücktheit vom Lärm und Trubel der großen Stadt. Bon der breiten Ter­rasse an der Gartenfront schweift der Blick hinüber zu den zartgeschwungenen Ufern der Havel, und durch einen gradezu raffiniert geschnittenen Baum­durchblick sieht man die Silhouette Potsdams wie von einem feinen Silberstift gezeichnet herüber- schimmern. Vor der Terrasse dehnt sich eine Fläche üppigen englischen Rasens. Im dunklen Grün der Wälder vom jenseitigen User lugt kokett das Schloß auf der Psaueninsel, wo einst Dinkel Gold machte, hervor. Diesem wirklich köstlichen Ruhepunkt im Park von Brüningslinden hat man als dekorative Folie des Hintergrundes ein echtes japanisches Tee­haus gegeben, und japanisch sind auch die Pflanzen und Bäume, die Bildwerke von Tieren und Göttern, die es umgeben.

Hierin also führte Reichskanzler Dr. Brüning, der als erster mit Ministerpräsident Laval im Ciadower Schlößchen vorfuhr, sofort feinen Gast. Der Reichskanzler machte Laval, vor dem Teehaus stehend, auf die besondere Schönheit der Landschaft aufmerksam und gab im einzelnen Erklärungen dazu. Der französische Ministerpräsident, der den Charak­ter des Ausflugs dadurch noch unterstrich, daß er im legeren Straßenanzug und im weichen Hut ge­kommen war, sog an seiner Zigarette, blies genieße­risch den blauen Rauch vor sich her und blickte un­verwandt zu dem versonnenen, träumenden See hin­über. Dann gab er, zum Kanzler sich wendend, sei­nem unverhohlenen Entzücke über den Frieden und die Ruhe dieser Landschaft mit dem Ausruf Aus­druck:Tres beau! Trfcs beau!

Mittlerweile hatte sich auch der einige Minuten später angekommene B r i a n d in Begleitung des neuen Botschafters Francois - Voncet den beiden Regierungshäuptern zugesellt. Briand, der am ersten Tage des Berliner Besuchs einen auf­fallend müden Eindruck gemacht hatte, schien ganz verwandelt. Sein Gesicht hatte eine frische rote Farbe, seine Augen blitzten lebhaft, und fein Gang wgr schneller und elastischer. Als letzter erschien Reichsaußenminister Dr. Curtius auf dem Platz vor dem Teehaus. Hier blieben die deutschen und französischen Minister einige Minuten im Geplauder allein. Ein Beamter des Geheimdienstes wachte mit Argusaugen darüber, daß kein anderer sich näherte. Die Herren waren ganz unter sich, nicht einmal ihre Begleiter und Mitarbeiter dursten sie stören.

Plötzlich begannen. Regentropfen zu fallen, erst nur wenige, dann immer mehr. Ein folider Land­regen rieselte herunter und verscheuchte die Minister unter das schützende Dach der großen Gartenterrasse. Das Regenintermezzo konnte die glänzende Laune der Franzosen und der Deutschen nicht beeinträchti-

gen. Lachend sah man den Kanzler mit Laval, Dr. Curtius mit Briand zur Terrasse eilen, um nicht bis auf die Haut naß zu werden.

Auf der fäulengeschmückten Parkterrasse hatten sich inzwischen die übrigen Teilnehmer des Frühstücks versammelt. UeberaÜ sah man lose angeregt plau­dernde Gruppen. Philippe Bert Helot, der Ge­neralsekretär des Quai d'Orsay, tauschte mit dem Botschafter von H o e s ch Meinungen aus, Fran- cois-Poncet stand im Gespräch mit Staats­sekretär von Bülow, Herr von Friedberg, der Frankreich-Referent des Auswärtigen Amtes redete besonders lebhaft auf einen französischen Kol­legen ein. Redete man von Politik? Es schien mir eigentlich nicht so! Denn in allen Gruppen wurde viel und herzlich gelacht, man sah vergnügte Ge­sichter und keine Amtsmienen!

Das Krühstück.

So war etwa eine halbe Stunde nach der Ankunft in Schloß Brüningslinden vergangen. Die Tafel, die im oberen Stock gedeckt war, stand bereit. Da die Zeit für das Cladower Frühstück sehr knapp be­messen war, stieg man jetzt das vornehme Treppen­haus mit seinen reichen Holzschnitzereien und chine­sischen Seidenstickereien hinauf. In der Mitte der Treppe steht auf marmornem Sockel ein Bronze- standbild des fitzenden Julius Caesar, den Lorbeer- kianz um das Haupt gewunden. Mit einem recht vielsagenden Blick streifte Briand den großen Römer und lächelte dann seinen Kollegen Curtius mit einem bedeutungsvollen Blick an.

An zwei runden Tischen wurde gespeist. Der Raum, der zu dem Frühstück von Brüningslinden auserkoren war, wirlt ungemein intim und behag­lich: Kristall und Silber und Herbstblumen, dazu das gedämpfte Licht der Wandbeleuchtungen und das Knistern der Buchenscheite im Kamin des anstoßen­den Bibliothekzimmers schufen rasch eine behagliche Stimmung. Die glänzend geschulten Diener des Automobil-Clubs von Deutschland trugen unter der Aufsicht des Hausmeisters die Speisen auf. Es war kein prunkvolles Festessen mit vielen Gängen. Man wollte wohl den Magen nicht allzu sehr belasten, wenn es nachher an die hohe Politik ging.

Am Fenstertisch saßen die deutschen und franzö­sischen Minister. Dazu hatten an diesem Tisch noch ihren Platz Generalsekretär Berthelot, Staatssekre­tär von Bülow, die Botschafter von Hoesch und Francois-Poncet, und Ministerialdirektor Köpke. Am Nebentisch speisten Staatssekretär Pünder, der französische Botschaftsrat Guerlet, vortragender Le- gationsrat von Friedberg, der Kabinettschef Lavals, Herr Monier, der Chef des Protokolls, Graf Tat- tenbach, Legationsfekretär von Mumm, Professor Hesnard, ferner Lavals wirtschaftlicher Berater, Handelsgerichtspräsident Buissvn, Gesandtschaftsrat Waermann, Konsul Arnal und der Dolmetscher Dr. Schmidt.

Plauderei im Rauchsalon.

Kurz vor 14 Uhr wurde die Tafel aufgehoben, und man zog sich in den gemütlichen Rauchsalon zurück. Philippe Berthelot betrachtete mit Kennermiene die in elektrisch erleuchteten Glasoitrinen ausgestellten Kunstwerke japanischer Kleinkunst. Sie schienen ihn viel mehr zu interessieren als die ganze Politik, die jetzt gemacht werden sollte... In der behaglichen Kaminecke lassen sich in Sesseln von grünem und rotem Samt die Regierungschefs und die Außen-

C&im! Barn! Dirn! 'Sam! Sie fingen

f ah nach Gu'.do im Grafe lag.

Lächeln um den

wie Horvaths Geige."

Wie Horvaths Geige?"

Sa!

Dann ist es schön." Qtaja Horvath, der lang ausgestreckt

Er hatte ein beleidigendes toten Mund und schielte mit der Aeberlcgenheit

seiner siebzehn Jahre zu ihr hinüber.

Raja merkte es nicht. Sie dehnte die nackten Atme und sagte mit Heberzeugung:Wenn ich erst groß bin, will ich eine Glocke werden, die singt wie Horvaths Geige. Dann werden die Menschen kommen und mir lauschen."

Hier in der Steppe hört dich niemand", sagte Horvath abfällig.

Dann nimmst du mich eben mit in die große Stadt."

Olein."

Horvath sah mit offenen Augen nach dec Kup­pel des Himmels, darin die ersten Sterne glänzten.

Warum willst du mich nicht mitnehmen, Guido?" Die schwarzen Augen Rajas flehten ihn bettelnd an.

Was soll ein Künstler mit einem Werbe! Du wärst mir nur hinderlich."

Dela Szengeryi hatte seinen Stock fertig ge­schnitzt. Er ließ ihn surrend durch die Lust tan­zen und lachte:Ich schenk ihn dir, Rosmarie. Mir ist er nicht schön genug.

Der Kindermund verzog sich. Die nackten Füße aufgestemmt, bog sie den Stock über den Knien. Es glückte nicht, ihn entzweizubrechen. Sie sprang auf, dehnte die Arme und schleuderte ihn weit in die Steppe. .

Dela verfärbte sich leicht. Aber er sagte kein Wort. Eine Weile war es ganz still zwischen den Bieren. Dann schwang sich Horvaths Stimme vom Grase auf:Raja will eine singende Glocke werden! Ich ein großer Künstler. Dela wird ferne Länder entdecken, von denen die Menschen noch nichts wissen, ilnö du, Rosmarie?"

Die Kleine lag nun dicht neben ihm und hielt die Arme unter dem Dlondhaar verschränkt. Es sah aus, als quelle Gold aus der schwarzen Erde.Ich werde Dela heiraten."

Das Jungengesicht flammte auf.Ich will dich aber nicht! Ich kann dich nicht brauchen. Was soll ich mit einer Frau? Ich reife den Pol hinauf und dann den anderen hinunter, bei den Japsen werde ich Tee trinken und mit den Regern im Dusche schlafen. Ich will Tiger fangen und Leoparden und die Rätsel der indischen Fakire losen. Später vielleicht, wenn ich sehr alt und müde bin du kannst ja auf mich warten, wenn du willst."

Dann warte ich eben", kam es geduldig zuruck.

''Aber, wenn du graue Haare hast, nehm ich dich nicht mehr."

Wenn SHttttoett auseinandeegevn

Boman von I. Schnewer-Foerstl

Urheberrechtsschutz V e r l a g O. M e i st e r, Werdau.

Rachdruck verboten!

Glutrot brannte die Steppe.

Die sinkende Sonne warf kupferne Drände über die schwarzbraune Erde, die in diesem Glanz wie dunkles Gold zum Himmel lohte. Raschflüssig schob die Theiß ihre Wasser nach Süden.

Weit drüben, wo sich die Pappeln in den Reiher streckten, rannen die Wellen des Horto- bagy, träge, schleppend, ohne jede Eile, als sei jegliche Minute Aufenthaltes hier in der Steppe voll glückverheißender Seligkeit.

Allmählich verblaßten die satten Farben. Die Schatten begannen ineinander zu fließen, die For­men verschwommen. Dlauschwarz wölbte sich die Riesenkuppel des Himmels darüber, spielte erst in Lila und gedämpftem Rot, um weiter unten, wo die Wolkenzacken sich wie auf Schultern auf die Erde stützten, in mattem Diolett zu verhauchen.

Heber den weihen, schwellenden Wassertümpeln lagen scharf abgegrenzte Schatten. Wie Dorwelt­riesen kauerten sie in der Endlosigkeit der Abeno- ftille. ä

Hoch oben zogen ein paar Kraniche noch -aor- den, ein Pirol flötete im Schilf, und drüben wo die schlanken Pappeln standen, rief em Hoher- weibchen nach seiner Brut.

, Run läuten in Wien die Glocken. Rosmarie Török, die am Rande des Maisfeldes sah, hob das schmale Gesicht und lauschte.

Kein Ton klang über die Steppe.

Was sind Glocken?" Raja Bosanhi, die Zwölf­jährige, saß mit hochgezogenen Änien auf dem Rain, der zwischen den Feldern lief, .lieber der gebräunten Stirn spielte blauschwarzes Haar im gleichen Düster to; die Augen in dem mattweißen Gesicht. r ....

Glocken?" Dela Szengeryi, der Funfzehmah- rige hörte auf, Runen in feinen dicken Stock zu schnitzen. Er nahm das Ende des Stockes und grub eine Zeichnung in den sonnverbrannten Rosen.Das hier ist eine Glocke. Im inneren hängt ein Schwengel mit einem großen Knopf. Wenn der an die Wandung schlägt, macht es: Dirn! - Dam! - Bim! - Dam!"

Wie eintönig, sagte Raia enttäuschtIch habe mir's schöner gedacht. Glocken! Ihre Stimme jauchzte in den Abend.

Was bist du für ein dummes Gor! Dela Szengeryi erhob sich, wiegte die Hüften und ließ den Körper langsam von links nach rechts und dann wieder zurück schwingen und summte dazu:

minister häuslich nieder. Freiherr von Brandenstein, der Hausherr von Brüningslinden, wird von den Herren ins Gespräch gezogen. Die Diener tragen Kaffee, Liköre, Zigarren und Zigaretten auf.

Bald ist der warme Raum in Wolken blauen Rauches gehüllt. Dr. Brüning lehnt sich mit feiner Zigarre gut gelaunt zurück. Laval, der ihm schräg gegenüber sitzt, steckt nicht minder zufrieden eine neue Zigarette die wievielte an diesem Tage? an. Ganz besonders lebhaft führt an diesem Tisch Briand das Gespräch. Aus der in gedämpftem Tone geführten Unterhaltung kann ich leider nur hier und da ein paar Bruchstücke aufschnappen.

Einmal sagt Briand, indem er den Satz mit einer lebhaften Gebärde der Hand unterstreicht:Tout ^a va changer! (Das wird sich alles ändern!"), und wiederholt diesen Satz noch einmal. Hoffen wir, daß er damit gemeint hat, jetzt werde sich in Europa einiges zum Besseren ändern! Zeit wäre es!

Nur in der hintersten Ecke des Rauchsalons wird offenbar angestrengt politisch gearbeitet. Dort sitzen, über Blätter in Maschinenschrift gebeugt, Botschafter Francois-Poncet, Staatssekretär von Bülow, Mini­sterialdirektor Köpke mit zwei oder drei ihrer Mit­arbeiter. Bleistifte und Füllfederhalter rascheln über die Bogen, und es gehört keine große Kombina­tionsgabe für mich dazu, zu erraten, daß hier d a s amtliche Kommunique über das Ergebnis des französischen Ministerbesuchs in Berlin fertig­gestellt wird. Francois-Poncet zieht nachdenklich an seiner Zigarre und stützt dabei den Kopf auf die Hand. Offenbar denkt er über eine geschickte diplo­matische Formulierung nach, die alles und doch nichts sagen soll. Staatssekretär von Bülow meint: Dann nehmen wir hier eben einen anderen Aus­druck!", und streicht in seinem Manuskript herum. Gott sei Dank nach weiteren zehn Minuten ist das Communiquö, das offenbar fo viel Kopfzerbre­chen verursachte, glücklich geboren.

Brüning hat es eilig. Er sieht wiederholt auf die Uhr, und um punkt 15 Uhr erhebt er sich aus dem Sessel und verabschiedet sich von seinen Gästen. Ganz unprogrammäßig steht a u ch L a v a l mit auf, der eigentlich noch eine halbe Stunde hätte bleiben sollen und begibt sich mit dem Reichskanzler zum Wagen. Die Außenminister haben noch Zeit zum gemütlichen Plaudern. Briand winkt den schon in der Tür stehenden Herren Brüning und Laval mit der Hand zu und ruft:A tout ä lheure! Um 15 Uhr ist das Frühstück von Brüningslinden vorbei. Die beiden Botschafter Frankreichs und Deutschlands sind die letzten, die das Schloß gemeinsam verlassen. Oben an der Tafel räumen die Diener ab. Speise­karten und Tischkarten verschwinden als Erinnerun­gen an die denkwürdige Begegnung von Cladow in ihren Fracktaschen. Der Potsdamer Polizeipräsident von Zitzewitz, der sich persönlich um die Durchfüh­rung der Sicherheitsmaßnahmen bekümmerte, atmet erleichtert auf und klopft feinem Schupo-Komman- dcur zufrieden auf die Schulter. Am glücklichsten sieht der Clubdirektor, Herr von Z., drein, dem s e i n Gästebuch zur kostbaren Trophäe geworden ist, die er um keinen Preis der Welt mehr hergeben würde. Denn sämtliche Teilnehmer des Frühstücks in Brüningslinden haben sich im Gästebuch des Schlosses eingetragen ...

Schöffengericht Wetzlar.

WER. Wetzlar, 29. Sept. Das Wetzlarer Schöffengericht fällte eine empfindliche Strafe gegen einen Reichsbannermann, der bei einem Zusammenstoß nach einer Severing-Ber- fammlung zum Messer gegriffen und einen po­litischen Gegner schwer verletzt hatte. Es verurteilte ihn zu einem Jahr Gefäng- n i s und erließ sofort Haftbefehl, da Flucht- verdacht vorlag. ______

Dela Szengeryi neigte sich über Rosmaries flimmerndes Haupt.

Ach! Meines wird lange nicht weiß, sagt die Aga, weil es ganz blond ist."

Horvath streckte die Hand aus und ließ die Finger durch das seidige Haargespinnst des Kin­des gleiten.Wie Gold", lobte er.Du bekommst sicher einen Mann, wenn es auch nicht Bela ist."

Hinter ihnen lachte eine Stimme. Ein schwarzer Schalten stand groß und hager wie eine Spuk- gestalt am Rain.Kinder, die Schwalben kreuzen nicht mehr, und meine Schafe schlafen aUI Die Aga ruft sich die Lunge heiser nach euch, und deine Großmutter, ©idöo, steht unter der Tür im Garten und wartet auf dich und dein Datcr, Raja, hat schon ein duhendmal gepfiffen."

Woher weißt du das?" fragte Rosmarie und sah den Sprecher bewundernd an.Die Tanjen liegen doch so weit voneinander."

Er weiß alles", sagte Dela ärgerlich.Als ich mir damals den Fuß brach, hat er mir's schon eine Woche vorher angekündet."

Aber es hat nichts genützt." Der Alte lachte.

Geht jetzt, sonst gibt es Zank."

Er sah den vier jungen Gestalten nach, die sich im Dämmer verloren. Eine blonde Gestalt wandte sich und warf eine Kußhand zurück, dann eine schwarze, ein nackter Arm winkte, vier Gesichter leuchteten in matten Umrissen auf. So war das immer! So lange man Janos erblicken konnte, sah man nach ihm zurück.

Der Hirt lächelte, stand noch eine Weile, machte kehrt und ging dann in die Steppe hinein.

Auf dem Wege fand er Delas Stock. Er hob ihn auf, hielt ihn dicht vor die Augen und nickte:

Genau solche Runen schneidet das Leben."

*

Jahre gingen dahin.

Im Lenz lag die Steppe von Blüten übersät, im Sommer verkohlte sie zu dunklem Braun, um dann zu ruhen, bis Herbst- und Winterstürme ausgebraust und der Frühling sie wieder blühend küßte.

Run brütete die Julisonne über der weiten Ebene. Die Erde klaffte in tiefen Rissen. Der Doden war ausgesaugt von Hitze und fühlte sich wie Stein. Es war, als sei alles Leben in ihm erstorben.

Erst als das Dämmer kam, erwachte die Steppe.

Die Erde tat gleichsam ihre Drüste auf, alles, was sie gezeugt und zur Reise gebracht hatte, trank sich in gierigen Zügen satt am Taue, der ihr aus tausend Poren zugeströmt kam.

Hinter den verstaubten Heckenzäunen leuchtete das Gold der Rapsfelder, und auf den langen, schwarzen Ackerbeeten lagen Kürbisse wie zur Erde gefallene Sonnen.

Dela Szengeryi ging mit gesenktem Kopfe ein Maisfeld entlang und lauschte in die Ebene

OberhessischerMissionsverem für Basel.

)( L a n g s d o r f, 29. Sept. Unter starker Be­teiligung der Gemeindeglieder und einer großen Anzahl auswärtiger Gäste konnte der Ober- hessische Berein für Baseler Mis­sion am Sonntag und am Montag in unserer Gemeinde sein Jahresfest feiern. Der Sonn­tag wurde durch einen Missionskindergottesdienst am Bormittag eingeleitet. Rachmittags fand in der geschmückten Kirche F e st g o 11 e s d i e n st statt. Pfarrer Mahr (Gießen), der frühere lang­jährige Seelsorger der Gemeinde, hielt die Fest­predigt. Anknüpfend an den seit Jahrzehnten in der Gemeinde lebendigen Missionssinn wußte ec eindringlich zur Missionsarbeit in der Gegenwart aufzurusen. Missionar Maurer, der Ende 1929 fast zwei Monate in China in kommunistischer Ge­fangenschaft gehalten wurde, sprach von der Kraft und dem Segen der Missionsarbeit. Dekan Guß - mann grüßte als Borsitzender des Oberhessischen Bereins für Baseler Mission die Festgemeinde und dankte ihr für die gastliche Ausnahme. Den Altar­dienst versah der Ortsgeistliche. Missionslieder verbanden die einzelnen Ansprachen. Im Mittel­punkt des ebenfalls in der Kirche gehaltenen G e - meindeabends standen die Ansprachen der Chinamissionare Lauk, Maurer und Schmoll, die von ihren ehemaligen Missions- feldern und ihrer Arbeit anschauliche Schilderun­gen gaben. Am Montagvormittag folgte unter dem Borsih von Dekan G u ß m a n n (Kirchberg) im Rathaussaal die Jahresversammlung des Bereins. Rach einer ABdacht, gehalten von Psarrer G u ß m a n n (Ober-Ohmen), gab der Vor­sitzende den von eifriger Missionsarbeit des Ber­eins Zeugnis ablegenden Jahresbericht. Aus der Bersammlung heraus erfolgten mehrere Reu­anmeldungen,' so traten die Gemeinden Bönstadt. Lang-Göns, Münzenberg, sowie der Frauen­missionsverein in Dad-Rauheim dem Oberhessi­schen Verein bei. Zur Deckung des Fehlbetrags der Baseler Missionsgesellschaft wurde ein Betrag von 400 Mark bewilligt. Dem Rechner, Pfarrer S t a u b a ch (Watzenborn), wurde nach der Rech­nungsablage Entlastung erteilt. Den Höhepunkt der Versammlung bildete der Vortrag von Mis­sionar Maurer über das ThemaDie Begeg­nung der Mission mit dem chinesischen Kommu­nismus. Der Vortragende bot in interessanten Ausführungen zunächst die geschichtliche Entwick­lung des Kommunismus in Südchina, zeigte, wie die Zeit der Gefangenschaft der Missionare die schwerste, aber auch die gesegnetste Begegnung der Mission mit der kommunistischen Bewegung geworden fei, und gab in sehr beachtenswerten Ausführungen ein Zukunftsbild der Bewegung in China. Der Vortrag hinterließ einen tiefen Ein­druck. Mit Lied und Gebet und einer Sitzung des Vorstands wurde die Veranstaltung ge­schlossen.

Hessischer Landesverband der Ostasien-M ssion.

Die 19. Hauptversammlung des Hessischen Landes­verbandes der Oftasien-Mission wurde eingeleitet durch Festgottesdienste in Rheindürkheim und Osthofen. Die Festpredigt hielt in beiden Gemein­den Missionsdirektor De v a r a n n e (Berlin). Der Kirchenchor, sowie in Osthofen die Choralsynode verschönten die Festgottesdienste. Oberkirchenrat Zentgraf (Mainz) überbrachte in beiden Gottes­diensten die Grüße des Landeskirchenamtes. An­schließend an den Festgottesdienst in Osthofen hielt Missionsdirektor Devaranne Kindergottesdienst. Am Nachmittag fand die Hauptversammlung im Bahnhofshotel statt. In Vertretung des Vor­sitzenden, Pfarrer Marx (Darmstadt) begrüßte der Schriftführer, Pfarrer Laut (Nidda), die Verfamm-

hinaus und dann in sich hinein. Bald hob er das Gesicht und horchte nach den Tönen eines Liedes, das von weither aus einem der Gärten kam. Als die Geige aufs neue zu fingen anhub, summte er mit:

Heute Rächt, lieber Schatz, wenn die Sterne , am Himmel stehn.

Dann muß ich fort vom Heimatort.

Heute Rächt, lieber Schah, wirst du traurig am Fenster stehn.

StiU liegt das Tal, wo die Lust u cd die Qual Sich ins Herz mir stahl.

Leb wohl, schwarzbraunes Mägdelein, Leb wohl und lasse nicht von mir. Denn bald wird wieder Sommer fein. Wenn die Rosen erblühn, bin ich bei dir. Morgen früh, lieber Schatz, wenn die Mädchen zur Kirche gehn.

Zur Messezeit, bin ich schon weit.

Morgen früh, lieber Schatz, wirst du traurig am Fenster stehn.

Am Gartentor steh ich nicht, Doch spricht dir der Wind ins Ohr: Leb wohl und lasse nicht von mir, Denn bald wird wieder Sommer fein. Wenn die Rosen erblühn, bin ich bei dir.

Das Lied verklang. Delas Hände drückten sich gegen die Augen. Seine Drust wölbte sich unter einem wehen Seufzen. Bon irgendwo rief eine Stimme nach ihm.

Er gab keine Antwort und hörte nicht, daß sich hinter ihm das Maisfeld teilte. Erst als sich ihm eine Hand auf die Schulter legte, fuhr er auf.

Run, mein Lieber?" Professor Török. Ros­maries Vater, hob Delas Gesicht.Abschieds­schmerz? Wie? In ein paar Tagen ist es überwunden! Alles schon gepackt und geordnet? Die Besuche erledigt? Wie viele Mädchen­herzen hast du denn zu trösten gehabt?"

Keines, Herr Prosessor."

Möglich? Aber wenn auch man geht nur um so leichter, falls nichts zurückbleibt, woran das Herz bis zur letzten Faser hängt. Sieh mich an! Es ist das drittemal, daß ich mich zu einer solch langen Fahrt rüste. Was wird sein, wenn ich wiederkomine? Als ich das letztemal zurück- kehrte, fand ich meine Frau unter einem Hügel von Kränzen schlafen. Wenn ich wiederkomme, werde ich in Rosmarie kein Kind mehr finden, sondern ein junges Weib. Ich wollte, sie wäre ein Sohn. Es wäre leichter, tausendmal leichter für mich zu gehen. So muß ich sie fremden Men­schen überlassen und fürchten, ob nicht einer, während ich fort bin, die Hände nach ihr streckt, daß ich den Platz in ihrem Herzen, der jetzt voll und ungeschmälert noch mir gehört, mit einem anderen teilen muß, der ihrer vielleicht nicht einmal wert ist."

(Fortsetzung folgt.)