Ausgabe 
1.9.1931
 
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Nr. 205 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Dienstag, 1. September (951

9Jixfpott

V. f. Ä.

DfB. Liga Iv. Hora, Liga 3:1 (1:1).

Dem zweiten DerbandSspiel der Ligamannschaft deS DsD. sah man mit gemischten Gefühlen ent­gegen, ba einerseits der sonntägliche Gegner als äußerst kamps- und durchschlagSlräsiig bekannt war und andererseits Dingel und Haupt in der Mannschaft fehlten. Die Mannschaft schlug sich je­doch sehr tapfer. DaS Spiel war von Anfang bis Ende spannend, der Gesamtcindruck wurde jedoch durch die zahlreichen Strafstöße etwas beeintrach- tigt. Die Grünweihen zeigten eine geschlossene Zusammenarbeit, der Sieg hätte höher ausfallen können. HoraS stellte eine hart und wuchtig kämp­fende Elf, die auf eigenem Platz wohl kaum zu schlagen sein dürste. Die Flügel sind sehr schnell und die Verteidigung schlagsicher.

Zum Spielverlauf : Zu Beginn deS Kamp­fes sah man auf beiden Seiten -erfahrene-Spiel. Hora- fand sich zuerst und Dalser muhte einen scharfen Schuh im Fallen passieren lassen. Durch diesen Erfolg anyespornt, kämpften die Gäste mit Rachdruck, doch d.e DfD.-Derteidigung wehrte mit Ruhe und Geschick ob. Der Au-gleich lieh nicht lange auf sich warten, ein Eckball wurde »um Aus­gleichstreffer verwandelt. Gegen Schluh der ersten Halbzeit verlchoh Ritter eine sichere Sache. Die zweite Spielhälfte stand im Zeichen der DsDer, die sich überraschend gut sanden und den Gegner kaum zu Durchbrüchen kommen liehen. Trotzdem gelang es VfD. vorerst nicht, in Führung zu gehen. Ein für den VfD. gegebener Elfmeter wurde von dem Torwart der Gäste gehalten. VfD. machte die gröhten Anstrengungen, aber nicht- wollte gelingen, bi- durch einen zweiten Elfmeter, durch Ritter verwandelt, die hiesigen in Führung gin­gen. Richt lange danach siel auch das dritte Tor für den VfB. durch Schmidt auf Vorlage von Därenfänger. Runmehr kam Hora- etwas mehr aus, aber es wurde nichts zählbare- mehr er­reicht. Beim VfB. leisteten Torwart und Ver­teidigung sichere Arbeit, ebenso die Läuferreihe, in der Post, wie schon so oft, in sportlicher Manier einsprang, da Leuthäuser in der Verteidigung spielte Auch der Sturm konnte gefallen, gut waren die Flügel. Unermüdlich arbeitete da- Jnnentrio unter der Führung Därenfänger-. Der Schieds­richter leitete korrekt.

Handball der Sp.-Dg. 1900.

1900 II To. Münchholzhausen I 4:6 (1:5).

Wenn die Mannschaft des Turnvereins Münch­holzhausen von vornherein als gefährlicher Geg­ner eingeschäht worden war, so wurde das durch den Spielverlaus bestätigt. Allerdings hielten die 1900er nicht das von ihnen Erwartete. Erst eine Umbesetzung deS MittelläuserpostenS in der zweiten Lpielhälfte brachte eine Wendung zum Besseren. Da aber hier die Gäste bereits 5:1 in Führung lagen auch 1900 s Hüter hatte sich bi- dahin der Situation nicht immer gewachsen gezeigt war an einer Riederlage nicht mehr vorbeizukommen.

Zattboot-Kreismeisterschasten.

Am Sonntag wurde die KreiSmeisterschaft im Einer- und Zweier-Faltboot aus der 11 Kilometer langen Mainstrecke Rumpenheim- Frankfurt a. M. auSgetragen. Die Paddlergilde Gießen ED. hatte ihren besten Rennmann, 3. Kaphingst, ent­sandt. Kaphingst konnte unter den fünf Teilneh­mern aus Karlsruhe, Trier und Stuttgart den zweiten Platz belegen in der Zeit von 43 Minuten. B. Eberle (Stuttgart), der dieses 3ahr ernster Bewerber um die Deutsche Langstrecken-Meister­schaft im Faltboot war, übernahm sehr bald die Führung und gewann in großartigem Stile. Europameisterschaften der Schwimmer

Ungarn gewinnt den Europa pokal.

Am Sonntag fanden, wie gestern bereits kurz berichtet, im Pariser Schwimmstadion die Kämpfe

um die Europameisterschaften ihren Abschluß. Roch einmal hatten sich zahlreiche Zuschauer ein­gefunden, die verschiedene lleberraschungen zu sehen bekamen. AIS erfolgreichste Ration fchnitt bei dem diesjährigen Wettbewerb Ungarn ab, das auch mit großem Punktvorsprung vor Deutsch­land erstmalig den Europa-Pokal gewann. Die erste Entscheidung fiel im Turmspringen der Herren, da- überraschenderweise der Oesterreicher Staudinger mit 111,83 P. vor Raumann-Deutschland und Riebschläger gewann. War diese» Ergebnis schon unerwartet gekommen, um so bedauerlicher w.rkte die Riederlage, die die favorisierten deutschen Vertreter Witten­berg und SietaS im 200-Meter-Brust- schwimmen einstecken mußten. Hier holte sich der Finne Reingold in 2:52,2 Min. knapp vor Wittenberg den Titel. Sietas landete in 2:55 Minuten auf dem dritten Platz. Aber auch Frank­reich blieb von Enttäuschungen nicht verschont.

Deutschland-England.

Rach den großen Erfolgen, die England in seinen jüngsten Leichtathletik-Länderkämpfen gegen Italien und Frankreich erftritt, blickte man in Deutschland der neuen Begegnung mit den Briten besorgt entgegen, denn angesichts der gegen­wärtigen Form der Mannschaften und der ver­schiedenen Absagen sür die deutsche Mannschaft (u. a. von Dr. Peltzer, Büchner und Wegener) schien ein deutscher Erfolg zweifelhaft geworden zu sein. Aber allen Befürchtungen zum Trotz gewann Deutschland auch diesen Länderkamps, und zwar mit dem verhältnismäßig glatten Er­gebnis von 7,5 zu 4,5 Punkten. Der Länderkampf wurde bei einwandfreiem Wetter und vor 15000 begeisterten Zuschauern im Kölner Stadion aus- getragen.

Ergebnisse.

4X100 Meter Hürden: 1. Deutschland (Troßbach, Wegener, Welscher, Deschehnik) 59,2 Sek.: 2. England (Lord Burghley, Finley, Harper, Tubbs) 59,9 Sek. 4X100 Meter: 1. Deutsch­land 41,1 Sek. (Körnig, Mölke, Dorchmeyer, 3o- nath): 2. England 41,8 Sek. (Dr. Reid, Engelhart, Eohen, London). 4x40 0 Meter: 1. England 3:15 Min. (Vangwin, Green, Hanlon, Ramp- ling); 2. Deutschland 3:15,2 Min. (Münzinger, Bergmann, Röller, Mehner). 4x800 Meter: 1. Deutschland (Zimmermann, Lefebre, Dahlmann, Kaufmann) 7:45,8 Min.: 2. England 7:46,4 Min. (Scrimshay, Powell, Hampson, Gutterdige).

Diskuswerfen: 1. Deutschland 90,37 Me­ter: 2. England 72,93 Meter. 1. Hirschfeld 45,35 Meter: 2. Hoffmeister 44,52 Meter, 3. Priedie-E. 40,35 Meter: 4. Best 32,58 Meter.H o ch s p r u n g: Alle vier Teilnehmer, Köpke-D, Bornhöft-D., Land-E. und Turner-E., erreichen je 1,87 Meter, so daß hier der Punkt für den Sieger in je Vj Punkt geteilt wird. Stabhochsprung: 1. Deutschland 7,50 Meter: 2. England 7 Meter. Einzelergebnis: 1. Müller-D. 3,80 Meter, 2. Rittcr-D. 3,70 Meter: 3. Bond-E. und Ford-E. je 3,50 Meter. Kugelstoßen: 1. Deutschland 30,23 Meter: 2. England 26,91 Meter. Einzel­ergebnis: 1. Hirschseld-D. 15,63 Meter: 2. Schnei- der-D. 14,60 Meter: 3. Howland-E. 13,93 Meter: 4. Pridie-E. 12,95 Meter. Deitsprung: 1. Deutschland 14,40 Meter: 2. England 13,13 Meter. Einzelergebnis: 1. Mölle-D. und Köchermann-D. je 7,20 Meter: 3. Eohen-E. 6,72 Meter: 4. Eden- dorough-E. 6,41 Meter.

5000-Meter-MannschaftSlauf: 1. England, 2. Deutschland. Einzelergebnis: 1. Even- son-E. 14,54,8 Min.: 2. Winsield-E. 14,55 Min.: 3. BurnS-E. 14,56 Min.: 4. Syring-D. 15Min. 4X 1 500 Meter: 1. England 15:55,6 Min. (Harris, Ellis, Cornes, ThomaS): 2. Deutschland 16,06 Min. (Wichmann, Schilgen, Schaumburg,

Seine große Hoffnung 3can TariS wurde im 1500-Weter-Erawlschwimmen nur Vierter. Den ersten Platz belegte der Ungar Halafsy in 20,49 Min. vor dem jungen Ita­liener Perentin. Aehnlich erging eS den Fran­zosen im 400-Meter-Erawlfchwimmen der Damen, daS von der Holländerin Marie Braun in der neuen europäischen Rekordzeit von 5:42 vor E o o p e r - England und der fran­zösischen Meisterin Vvonne G o d a r d gewonnen wurde. Die abschliestendcnDasserballkämpse brach­ten Deutschland einen verdienten 4:2-Sieg gegen Schweden. Deutschland rangiert damit im Wafserballturnier mit einem Punkt weniger hinter dem Sieger Ungarn. Ferner kam Belgien ebenfalls zu einem 4 :2-Ersolg gegen Frankreich, während Oesterreich mit viel Glück die Tschecho­slowakei mit 3:2 schlagen konnte.

3m Gesamt-Klassement der Rationen ergab sich nach Abschluß der Kämpfe folgende- Bild: 1. Ungarn 101 P: 2. Deutschland 84 P.: 3 Frankreich 31 P: 4. Italien 29 P.: 5. Oesterreich 21 P: 6. Schweden 11 P.: 7. Tschechoslowakei 10 P.: 8. Belgien 2 P.

Krause). Olympische Staffel: 1. England 3:27 Min. (Hampson, Dr. Reid, Hanlon, Ramp- ling): 2. Deutschland 3:27,2 Min. (Danz, Körnig, Ionath, Mehner).

DeutschlandSchweiz.

Bei schönem Wetter, guten Dahnverhältnissen und vor 3000 Zuschauern wurde am Samstag «n Bern der Leichtathletik-Länderkampf Deutschland gegen die Schweiz (wir berichteten bereits gestern kurz darüber) ausgetragen. Obwohl Deutschland nur mit seiner zweiten Garnitur antrat, die zudem noch durch weitere Umstellungen noch mehr geschwächt war, konnte der Kampf doch ganz über­legen mit 79,5 zu 57,5 Punkten gewonnen werden. Don den 15 Wettbewerben gewann die deutsche Mannschaft, die sich in der Hauptsache aus süd­deutschen Athleten zusammensehte, allein elf, wäh­rend nur viermal ein Schweizer siegreich blieb. Der Deutsche Zehnkampfmeister Sievert kam zu einem Doppelerfolg, er gewann daS Diskus­werfen und auch das Kugelstoßen. Dieses mit der vorzüglichen Leistung von 15,12 Meter. Die 4x400»MeterEtasfel ging verloren. Die 4x100- Meter-Staffel konnte erst durch das famose Laufen von Geerling (Frankfurt) gewonnen werden.

Ergebnisse.

100 Meter: 1. Eldracher-D. 10,7 Sek.: 2. Gecrling-D. Handbreite zurück: 3. Dogel-Sch. 11,0 Sek. 200 Meter: 1. Geerling-D. 21,6 Sek.: 2. Eldracher-D. 22,0 Sek.: 3. Vogel-Sch. 22,2 Sek. 4 00 Meter: 1. Rehb-D. 49 Sek.; 2. Mertens-D. 50,7 Sek.: 3. Goldfarb-Sch. Handbreit zurück. 800 Meter: 1. Dr. Martin-Sch. 1:59,4 Min.: 2. Abel-D. und Steb-D. je 2 Min. 1 500 Me- ter: 1. Rath-D. 4:06,4 Min.: 2. Fink-D. 4:10,4 Min.: 3. Rydecker-Sch. 4:11,2 Min. 5000 Me- ter: 1. Eardineaum-Sch. 15:35,1 Min.: 2. Wehrle-Sch. 15:35,3 Min.: 3. Kraft-D. 15:42,1 Min. 110 Meter Hürden: 1. Barth-D. 15,9 Sek.: 2. Mägli-Sch. 16 Sek.? 3. Eunz-Sch. 16,3 Sek. 4x100 Meter: 1. Deutschland (Barth, Eidracher, Mährlein, Geerling) 42,9 Sek.: 2. Schweiz 43,3 Sek. 4x400 Meter: 1. Schweiz 3:26,2 Min.: 2. Deutschland (Pöschl, Mertens, Ionas Rehb) 3:27,8 Min.

Hochsprung: 1. Riesen-Sch. 1,86 Meter: 2 Haag-D. 1,80 Meter: 3. Guhl-Sch. 1,75 Meter. Weitsprung: 1. Dürr-D. 6,94 Meter: 2. Meier-Sch. 6,92 Meter: 3. Keller-Sch. 6,91 Meter. Stabhochsprung. 1. Reeg-D. 3,70 Meter: 2. Hubcr-D. und Adolf Meier-Sch. je 3,60 Meter. Kugel st oßen: 1. Sievert-D. 15,12 Meter, 2. Kulzer-D. 13,97 Meter: 3. Dr. Zchli-Sch. 13.67 Meter. Diskuswerfen: 1. Sievert-D. 43,13 Meter: 2. Conturbia-Sch. 39,72 Meter: 3. Duch- geister-D. 39,61 Meter. Speerwerfen: 1. Barth-D. 58,13 Meter: 2. Dinkler-D. 58,05 Meter: 3. Schumacher-Sch. 55,02 Meter.

Zwei Leichiaihleiik-Länderkämpfe.

Tiere spielen Theater.

Don Emil pirchan, Ausstattungsleiter am Staatstheater, Lettin.

Verschiedene Rollen spielen die Tiere am Theater. Sogar Titelrollen, wie bei Aristo- pHanes in den Komödien »Die Vögel" und »Die Frösche". Kohebue hat einen »Hyperboreischen Esel" und einen .Rehbock" getrieben, Sardou nennt ein Lustspiel .Das Krokodil", Wildenbruchs .Haubenlerche' ist noch in Erinnerung wie Birch» Pfeifsers©rille". IbsenSWildente" ist aller­dings nur im übertragenen Sinn gemeint, ebenso wie AnzengrubersG wifsenSwurm", der doch gar nichts mit der Zoologie »u tun hat. Mnb mngft hat Zuckrnaier ein Kinderstück .Kakadu" benannt.

Groß ist der Bedarf an ausgestopften Tieren am Theater: Der Stier Apis wird in .Aida" auf den Schultern hereingetragen, in derZauber­flöte" hat Papagcno eine Heine Sammlung von buntgefiederten Vögeln in seinem goldenen Korb: mehr oder minder komisch wälzt sich in der gleichen Oper die Schlange auf die Bühne, vor der Tarnino höllische Angst hat. Der Wurm, in den sich Alberich in Wagners .Rheingold" ver­zaubert, ist aus aufblasbarem Gummi gefertigt, und aus Pappmache stellt man das Ungetüm Fafner her, daS Siegfried mit seinem Schwert unter viel brausendem Dampfgefauche erlegt.

Auch Menschen müssen sich oft auf der Bühne als Tiere Dcrflcibcn. So wird die Wildsau in der Wolfsschlucht des . Freischütz" gewöhnlich von einem Ballettkind gemimt. Einmal frage ich eine solche Tanzelevin:Du bist doch neu bei uns, ich habe dich noch nicht gesehen." Prompt ant­wortet die Kleine: .Sie kennen mich, ich bin doch die Wildsau."

Auch der Bär im .Siegfried" ist ein in Bären­fell eingenähter Statist, ja ein Akrobat, der für diese besondere Leistung auch eine besondere Gage ftibert Wir hatten in Berlin bei der Qleuein- ftubicrung vonKyritz-Pyritz" im letzten Akt, der im Berliner Zoo spielt, einen sehr prominenten Schauspieler im Affenkäfig sitzen, der sich selbst für diese .Rolle" angetragen hatte, denn es machte ihm einen heillosen Spaß, vom Publikum unerkannt hier affige Gebärden und Grimassen zu schneiden.

In München verwendeten wir in der Oper Undine" kaschierte Schwäne, die in dem Schloh- teich hin und hergezogen wurden. In jedem Schwan sah ein kleiner Junge, der die Stahl- spirale für die Kopfbewegungen des weihen Vogels zu ziehen hatte. Diese Lausejungens hatten sich nun verabredet: wie sie in der Mitte der Bühne aneinander vorbeigondelten, nickten sie einander wohlgefällig zu, so daß das Publikum darüber in lautes Lachen auSbrach. Seit jenem Theatertag fahren die Schwäne unbeweglich,un­bemannt", von Kulisse zu Kulisse.

Manche von den wirklichen Tieren sind außer Mode gekommen, so z. D. Grane, das Roh, in WagnersWalküre" weil es sich nicht immer musikalisch einwandfrei, stubenrein und lautlos zu benehmen wußte.

Die anderen Pferde, auf die ein Heldentenor xu steigen hat, sind gewöhnlich recht lammfromme Eremplare, die weder vor Musik noch vor Applaus (noch vor Zischen oder Pfeifen) zurück- schrecken und die nur recht merkwürdig gehen, wenn man ihre Hufe in Filzpantoffeln steckt, damit sie nicht zu laut über die Bretter trampeln.

Der Maulesel, der in .Bajazzo" mitspielt, steht gewöhnlich in festem Engagement-Verhältnis für diese oft aufgeführte Oper. In München, hatte der Requisiteur neben allerhand angeforderten Kaninchen, Kanarien und Papageien auch einen allerliebsten Affen in voller Verpflegung. Er wurde zumGrand Lever" der Marschallin im .Rosenkavalier" auf die Bühne gebracht. 3m Lause der Zeit hatte dies gescheite Der gemerft, daß sich die Mitglieder des Schauspiels und die der Oper nicht gerade hold gesinnt waren. Er zog hieraus seine Konsequenzen, glühte huldvoll- tofiegial die Opernkräfte, indessen er gegen da- Schauspielpersonal in hohem Dogen spuckte. 3m .Rosenkavalier" sah er nun, wie der Ochs von Lerchenau, der chn zu gern auf der Bühne stichelte, nach seinem Austritt sich die ominöse heiße Perücke rasch vom Kopf nahm. Als bei der nächsten Aufführung dieser Sttauh-Oper ihn jener Sänger wieder nicht in Ruhe lieh, ritz Der Affe mit einer hastigen Bewegung dem Sänger die Glatze ab, und der arme Bahbuffo mußte unter dem Gelächter des Publikums mit eigenem Lockenschädel die Szene verlassen... Ein Versatzstück, das mit dem giftigen Schweinfurter- grün schön bepinselt war, hatte dieser Affe ab- geleckt und starb so an dem intensiven 3ntevesse

für die Theaterdekoration. Bei seinem bedauerns­werten Hingang bemerkte pointiert der DerusS- komiker: .Ein Aff' weniger am Theater..."

Bei einer Dorstellung vonAllHeidelberg" kam ein Schauspieler mit seinem Dackel an und ver­sicherte hoch und teuer, daß dies der allerbravste aller braven Hunde sei, und er wolle mit diesem dekorativen Tierchen als Student dir Bühne be­treten. Der Köter besah sich zuerst wohlgefällig schweifwedelnd das Publikum: dann aber ge­wahrte er den Souffleur. Das war so etwas wie ein Mensch unter einem Bett. Er zog den soeben noch lustwedelnden Dackelschwanz blitzschnell zwi­schen die krummen Deine und knurrte. Bellte dann laut, daß das liebe Publikum zu lachen begann. Dieses Benehmen forderte seine empfindliche Hundeseele noch mehr heraus Zu allem ilnglüd war der Souffleur eine Souffleuse, die außerdem arge Angst vor diesen treuen HauStierchen hatte. Sie stöhnte daher verhalten auf. Das war für Waldmann" das Stichwort für den Beweis eines bösen Gewissens. Mit einem erbosten Satz sprang der lammfromme Dackel jählings in den Souf­fleurkasten ... Der Dorhang mußte fallen. Ein Feuerwehrmann zog vor dem brüllenden Publi­kum zuerst die fassungslose Souffleuse und dann den vierbeinigen Mitspieler an die Rampe.

Zu mancherlei Ulf müssen Tiere am Theater herhalten. So hatten einmal die Kollegen dem Falstaff eine niedliche Kollektion Goldfischlein in den mittelalterlichen Krug gestiftet, ilnb als man ihn immer wieder zum Trinken aufforberte, mußte er das Wasser deS Bechers vorsichtig durch die Zähne filtrieren.

Schon auf den Proben fügen sich die Tiere nicht immer den Anordnungen der Regle 3n der Oper Kolumbus", die im vorigen 3ah re an der Ber­liner Staatsoper urausgefuhrt wurde, hatte eine Taube, dem silbernen Käsig enthuschend, zum Schnürboden aufzusteigen. Aber daS verscheuchte Tierchen flog bei der ersten Probe gegen den Zuschauerraum, setzte sich dort auf die ungang­barsten Gesimse hin, flatterte endlich ganz oben hinauf an den Kronleuchter. Lind fast hätte dieser lose Dogel die Abendvorstellung getährdet: denn man kann doch wirklich nicht das Publikum in den Zuschauerraum einlassen, wo eine Taube herum- flattert. Man setzte ihren ständigen Käfig in den Schnürboden, und dort wird sie bis heute ge­halten,'«mit sie während der DvrstÄlung mit

Oberheffen.

Landpoft'Beschwerden im Grünberger Bezirk.

Queckborn, 31. Aug. Durch die 3er- kraftung der Landpost im Bezirk G r ü n b c r g haben die Landgemeinden gewch den Dorteil gegen früher, daß sie xwelmal täg­lich, und auch Sonntag- einmal, ihre Post et* halten. Aber für unfere ®emcinbe ist doch auch ein nicht geringer Rachteil erwachsen. Während früher die Driesbestellung etwa um 9 Llhr vormittag- begann, verzögert he fi<b jetzt bi- zur Mittagsstunde, ja sogar bi- In die ersten RachmittagSstunden. Wenn die Geschäfts­leute aber erst dann ihre Post erhalten, sind sie nicht mehr in der Lage, sich für denselben Tag noch auswärtige Geschäfte vorzunehmen. Beson­der- in dem jetzt vor der Türe stehenden Winter mit feinen früh hereinbrechenden Rächten wird sich das recht empfindlich bemerkbar machen, wa- jeht schon Anlaß zu mancher Mißstimmung gibt. Aber für den, der die Fahrpläne unserer Post­wagen kennt, ist e- auch klar, daß der Miß- ft an d sehr leicht zu beseitigen ist. Der Grünberger Krastwagcn bringt unsere Post am Ende seiner zweiten Fahrt, die er kurz nach 8 Uhr in Grünberg beginnt. Vorher macht et 7,15 Ubr eine Stichfahrt nach Lauter, Laubach und Wetterseld. Es ift eine Kleinigkeit, und mehr oder weniger nur eine Sache de- guten Willen-, die Gemeinden Queckborn und Ettings­hausen an diese Stichsahrt anzuschließen, so daß der Postwagen, statt von Wetterfeld direkt nach Grünberg zu fahren, erst noch die beiden Gemeinden bestellen würde. Da der Urntoca für das Auto nur sehr gering ist bei einem Kraft­wagen kaum ins Gewicht fällt kann die zweite Tour von Grünberg ohne wesentliche Derspätung beginnen, und sie wird da bei ihr Queckborn und Ettingshausen Wegfällen auch um die am Morgen zugesehte Zeit kürzer fein. Tatsächlich sind aber gerade Queckborn und Ettingshausen zur Zeit schlechter behandelt, als wenn sie an den (Siebener Landbezirk angeschlossen wären. Wie wir hören, werden sich auch unsere Bürger an die Postbehörde wenden, daß sie den berechtigten Klagen abhilft.

Landkreis Gießen.

0 Aus dem Busecker Tal, 31. Aug. Die Getreideernte kann hier als beendet angesehen werden. Nur im oberen Teil unseres Tales, dis nach ©rünberg hinauf, konnten Weizen und Hafer noch nicht alle in die Scheuern gebracht werden. Während Roggen und Gerste gut eingebracht wurden, haben Weizen und Hafer durch die lange Regenperiode gelitten. Die Grummeternte hat eingesetzt. Der Ertrag steht dem der Heuernte nicht viel nach. Die K a r t o f f e In brauchen bis zur Ernte trockene Wit­terung, damit sie ausreifen können. Die übrigen Hack­früchte stehen gut. Sehr reich fällt die Obsternte, be­sonders die des Kernobstes, aus, so daß schon Be­fürchtungen laut werden, wie der reiche Obftertrag verwertet werden kann.

: Beuern, 31. Aug. Unter außerordent­lich reger Beteiligung sand gestern in unserer Gemeinde die Bürgermei st erwähl statt. Don 716 Wahlberechtigten machten 673 von ihrem Wahlrecht Gebrauch, also rund 94 Prozent. Auf den seitherigen Bürgermeister Linden st ruth entfielen 316, auf 3ohann Karl 2 e 11 oss 154, und Ludwig Pfeiffer 191 Stimmen, 12 Stim­men waren ungültig. Es muß Stichwahl zwi­schen Bürgermeister Linden st ruth und Lud­wig Pfeiffer stattfinden, die an einem der nächsten Sonntage vorgenommen werden wird.

! S t e i n h e i m, 31. Aug^ In diesen Tagen stellte sich bei einem hiesigen Einwohner ein höchst seltener Besuch ein. Auf einem Baume vor dem Hause ließ sich ein völlig weißer Vogel von der Größe und der Gestalt eines Sperlings nieder. Da der Vogel sich nur schwer fortzubewegen vermochte, konnte er eingefangen werden. Der Vogel hat gänzlich rote Augen. Wie wir von fachverständiaer Sette erfahren, dürfte es sich wohl um einen sog. Albino handeln, um einen Vogel also, in dessen Haut ein mehr ober

ihrem angeborenen Orientierungssinn zu diesem sesten Futterdomizil geradeswegs zurücttehrt.

3nbireft ist auch eine andere Taube zu ihrem Leidwesen in den Theaterbetrieb bineingeraten. Er war gerade in der bösesten Inflationszeit, da hatten, mitten im Winter, die Maler eine grüne Landschaft so herrlich hingepinselt, daß eine mr- schuldige Taube, anqelockt von solcher sommer­lichen Sicht, durch die Dentilattonsklappe ange­schwirrt kam. Die damals besonders heißhungrigen Maler machten, mit ihren Goliathpinseln und Riesenlinealen betoaffnet, eine wilde Jagd auf da- Roahtierchen: eS hielt die kleinen Dühnen- modelle für Taubenschläge, flüchtete dorthin und kam jämmerlich ums Leben, um in den Mägen der Theatermaler ein rühmloses Ende zu finden.

,3t?re Hoheit befiehlt.^

Die neue Tonfilm-Operette der Ufa, die gelegent­lich recht sehr an den erfolgreichenLiebeswalzer" ennnert; jedoch ist diesmal nicht die Harvey, sondern Käthe von Nagy (Prinzessin Marie-Christine) die Partnerin für Willy Fritsch (Leutnant von Con­radi). Frirsch spielt fast immer das gleiche, seine Rollen sehen sich so ähnlich wie seine gut geschnitte­nen Phantasie-Uniformen. Aber er spielt die gleiche Partie immer wieder mit derselben liebenswürdigen Eleganz und Jugendlichkeit, die leine Erfolge er­klärt. Käthe von Nagy wirkt nicyt nur charmant, sondern auch schauspielerisch sehr gelöst und natür­lich: sie ist für diese kapriziöse Ausgabe wie geschaf­fen. Hanns Schwarz inszeniert mit einem Auf­wand und einer operettenmäfjigen Ausstattung, die viel Geld gekostet haben muß, aber dafür auch eine ganze Reihe hübscher Einfälle und ftimmungs- voller Bilder aufweift. Werner R. Heymann hat den Text von Pdul Fr a n k und Billie Wilder mit einer Musik verziert, die dem Stil und Milieu des Stuckes durchaus entspricht. Das Tanz­liedDu haft mir heimlich die Liebe ins Haus ge­bracht" ist schon auf dem besten Wege, ein ver­breiteter Schlager zu werden und denLiebeswal­zer" und den .Kleinen Gardeoffizier^ abzulösen. Don der übrigen Besetzung: Schänzel (der im Stil von R. A. Roberts den Staatsminister spielt), Hörbiger und Heidemann. Comedian-Har- monists fingen, als Köche verkleidet, einen Fortrot. Alles in allem: eine hübsche und sehr illusionistische Abendunterhaltung: seit Montag im Lichtspiel­haus.ri