;s? s 2 t rp ML _ Q * 1 > 13 J » 2 2 > n
, 3 <JI ® 3 _ S)
2
= e
5°
6
/cU r-5'?« i3o t~-
ct-.X'* 3
S-"’15 w »D <T= C StB 0 » 2 ,2.^5C3
q o c o si?33
rE'So0®
&Ü?.
? 2.= 8a IO
B - 2 3 ~
2.02 3 = n ~T3 3 ö »4
Sä-’o
F° 2?;o 5_.*o5*
- B " -3 - X®S3«i
w
"D -'S K® 0
0:
sfi;
2^5
IgftfÄ8
--° ?o s .„•£■» _O q:ii 0 0 3® ? rt F« O JfMf r s ,3-o » ;MS ®ö|B
P P ö C o *®a.Jg 2 P>
2,3 IP * -
•3??Sa-< "=°3‘o;1 ,B = »=53 •af • b
°02
—s 2.0' s 0 pr.’jS
»»Sgo3 ZV=^0 ,a3”'Ub ‘S’Sb^ ’n 3 »pSs 3« r. " =
CP.» JO" ^=- er
Nr. 125 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, \. Juni 1951
Die Reise nach Ehequers.
Von Dr. Arthur Oix.
Wenn die in beengten Verhältnissen lebende Beamtenfamilie früher zu den wohlhabenden Verwandten aufs Land geladen war, dann warf sie vor der Abreise noch einmal einen prüfenden Blick auf die Räume ihrer städtischen Mietwohnung, um zu erkunden, wo sich wohl im Falle des Gegenbesuches ein einigermaßen brauchbares „Fremdenzimmer" Herrichten ließe. Richt viel anders ist die Lage des über keinen eigenen Landsitz verfügenden Reichskanzlers, dessen Repräsentationsfonds sicher nicht gestattet, den verschwiegenen Hotelableger für Maharadschas am schönen Iungfernsec zur Unter, bringung prominenter Gäste zu mieten, und der sich daher im Bedarfsfälle wohl von dem preußischen Kollegen Otto Braun dessen Jagdhaus in der Schorfheide wird ausborgcn müssen.
Dr. Brüning hat ja noch vor der Ausreise intensiv daran gearbeitet, durch eine neue Kürzung der Be- amtcngchälter auch seine und seiner Ministerkollegen Bezüge weiter zu beschneiden, zugleich auch allen anderen Deutschen, die noch über ein Einkommen verfügen, weitere Lasten aufzuerlegen. In welchem Maße aber die Leistungsfähiakeit der Steuerzahler schon heute erschöpft ist, davoi^ hätten die Herren Minister sich leicht über« zeugen können, wenn sie während der P f i n g st t a g e einmal einen Ausslug in die be- liebtesten Gaststätten der näheren Umgebung irgend- einer deutschen Stadt riskiert hätten. Roch niemals haben bei schönem Wetter die Wirte einen so dürftigen Umsatz zu verzeichnen gehabt. Nie zuvor wäre es in dem Umfange wie diesmal denkbar gewesen, daß auch in „besseren" Ausflugslokalen fast allgemein von den einkehrenden Gästen in den Feier- tagen auf ein richtiges Mittagessen verzichtet wurde und sich fünf, bis sechsköpfige Familien oder Gesellschaften auf das Verzehren mitgebrachter Brote bei einem Gesamtkonsum von zwei bis vier Bier oder Selter für die ganze Tafelrunde beschränkt hätten.
Nein — mit neuen Steuerlasten ist aus dieser zerquetschten Zitrone nichts mehr herauszuholen! In Ehequers muß über den Abbau derTribut- l a st e n gesprochen werden. Und es m u ß auch darüber gesprochen werden, daß in Deutschland die d e n Freihcitswillen stark betonenden Parteien immer stärker anschwcllen. Gerade diese Sprache wird man in England bestimmt verstehen! Einen Winter hat die Regierung Brüning mit Sparsamkeit, Steuerdruck und innerer Ordnung trotz fünf Millionen Arbeitsloser überwunden. Der zweite Win. ter aber kann nur durch äußere Druck winde r u n g überwunden werden.
Für die Vorarbeiten ist keine Zeit zu verlieren. In Ehequers muß der Grund gelegt werden. Wir möchten wünschen, daß Dr. Brüning sich mit seinen englischen Gastgebern so eindrucksvoll unterhalten könnte, wie unlängst der Leiter der Deutschen L^olonialhoch schule mit 20 englischen Professoren, die bei ihm zu Gast waren. Er konnte sie darauf verweisen, daß er selbst ein echter Angelsachse sei und aus der Reihe seiner Vorfahren vor bald anderthalb Jahrtausenden einige mit hinübcrgczogen seien zur angelsächsischen Kolonisierung Britanniens. Als er dann bei der Kaffeetafel die Gäste mit Stolz darauf hinwies, daß alles Eßbare auf der Tafel aus der eigenen Wirt- schäft der Kolonialschule stamme (Getreide, Mühle, Bäckerei, Kuhstall. Molkerei usw.), konnte er auf die etwas unvorsichtige Zwischenfrage: „Und der Kaffee?" prompt erwidern: „Stammt aus einer Plantage am Fuß des Mcrubcrgcs, die von einem früheren Zögling unseres Kollegs angelegt ist. Allerdings befindet sich das Land augenblicklich unter britischer Mandatsverwaltung". Auch die Mitteilung, daß der deutsche Dichter Hans Grimm für feinen die deutsche Not so eindrucksvoll schildernden Roman Brandung desLebenö
Vornan von Käte Lindner.
(Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig.)
Nachdruck verboten!
Bon Desencano kam der Dampfer. Schnitt tiefe, silberne Furchen in die blaue Flut des Gardasees, darin sich Frau Sonne spiegelte.
Frühling lag über gesegnetem Land, sproßte und blühte aus jeder Mauerspalte, hatte seinen leuchtenden Dlütenmantel ausgebreitet über die Gestade des blauen Gvtteswanders. Heber die Steinbrüstungen hingen Magnolien und Mandelbäume die blütenschweren Zweige, flüsternd kam der Wind von den Bergen herunter und trug Deilchrn- und Narzissenduft auf seinen Schwingen.
Jetzt tauchte Gardone auf mit spiegelnden Fensterreihen und blühenden Gärten. Laut sch.il.te das Signal des Dampfers auf, Ketten rasselten.
„Wir sind am Ziel, Renate."
Der Herr im eleganten grauen Reiseanzug klopste der Dame auf die Schulter, die versunken in das Landschaftsbild auf der anderen Seite des Dampfers an der Reling lehnte.
Jetzt wandte sie sich herum. Es war ein feines, vornehmes Gesicht unter blonden Haarwellen, das zu ihm aufschaute. Große, graue Äugen leuchteten ihm entgegen unter hochgewölbten Brauen. Nicht mehr in der ersten Jugend stand die Frau. Und doch gaben ihr das zarte Oval des Gesichts, die gertenschlanke Gestalt etwas ungemein Anziehen- des. Wie ein junges Mädchen sah sie aus, mit dem leisen Rot der Erregung auf den Wangen und den leuchtenden Rügen.
„Wie schön ist es hier, Hansheinrich. Wie freue ich mich auf i»e Tage, die vor uns liegen. So viel Sonne und Bläue und Dlütenprachr ringsum. Es ist herrlich"
Sie hatte, während sie sprach, beide Hände auf seine Schultern gelegt und lachte. Ganz jung sah sie jetzt aus und froh.
„Du bist ja heute wie ausgewechlelt, Renate, schwärmst wie ein Backfisch. So kenne ich dich doch gar nicht mehr."
Hansheinrich Liskow trat einen Schritt zur Seite, so daß ihre Hände von seinen Schultern sanken.
„Komm", sagte er, und leise Ungeduld lag in seiner Stimme, „wir sind angekommen." Er bückte sich und nahm einen Koffer auf. Darm schob er sich durch die Me^ge. dem Laufsteg zu. „Komm", sagte ec noch einmal, „wir wollen nicht die Letzten sein."
Sie raffte Handtasche und Schirme zusammen und folgte ihm.
„Volk ohne Raum" Ehrendoktor der einst von eng- tischen Königen gegründeten Nachbaruniversität Göttingen geworden, verfehlte nicht ihren Eindruck auf die britischen Gäste.
Der gebildete, einsichtige Engländer will von dem Deutschen eine offene, freimütige Aussprache. Nationales Selbstbewußtsein ist für ihn eine absolute Selbstverständlichkeit, die er auch bei anderen eher versteht als etwa eine demütige Bettlergeste.
Ein Vorteil ist es, daß Brüning und Eurtius ohne große Begleitmannschaft reifen. Beabsichtigt ist ja eine Aussprache zwischen Persönlichkeiten, nicht zwischen Bureaukraten und zweibeinigen Paragraphenfabriken. Bei dieser Gelegen- heit muß auch einmal ein offenes Wort gesprochen werden über die „Kronjuristen" der Wilhelmstraße, die sonst immer mit von der Partie sind, und Die bei all ihrer fachmännischen Tüchtigkeit dem Vorgänger von Dr. Eurtius oft sehr schlechte Dienste geleistet haben. Wir halten uns dabei an das Urteil einer Persönlichkeit, die viele Jahrzehnte im Dienste der Wilhelmstraße aus allen möglichen Posten gestanden hat. Wenn die Gegenseite Deutschland irgendwelche neuen Fesseln auferlegen wollte, und Stresemann seinem juristischen Mitarbeiter die Nachprüfung der gemachten Vorschläge anvertraute, so hielt dieser sich (nach dem Urteil unseres Ge-
währsmannes) an die Weisung gebunden, ohne jede politische Nachprüfung, ohne jede Ausschau nach mag. lichen Auswegen, einfach die feindliche Anweisung in absolut hieb- und stichfeste Paragraphen zu bringen!
In Ehequers sollen keine Paragraphen formuliert — dort soll freimütig von Mann zu Mann gesprochen werden. Und gegenüber der öffentlichen Meinung in England haben unsere Minister die gewichtige Unterstützung, daß auch der König sich erstmals seit 1914 — erstmals seit Umnennung seines Hauses Sachsen-Koburg in „Haus Winvsor"! — entschlossen hat, eine solche Vertretung des amtlichen Deutschlands zu empfangen. Die englischen Staatsmänner erwarten offene Darlegungen und bestimmte Vorschläge für die Neuordnung der Tribute — wo nicht für das Gesamtproblem der „Revision". Deutschland erwartet nicht minder daß endlich einmal der Anfang gemaqt wird mit der Lockerung des äußeren Druckes.
Finden Brüning und Maedonald jetzt nicht die Möglichkeiten zum schnellen Lockern der Ventile, dem dann noch vor dem nächsten Winter ihre Oessnung durch internationale Vereinbarung oder durch entscheidende deutsche Schritte folgen muß, dann ist das Platzen des Kessels unvermeidbar.
Fünfzig Jahre DHC.
Oie 50. ordentliche Hauptversammlung. — Eindrucksvolle Jubiläumsfeier in der Gründungsstadt Schotten.
Eigener Bericht des „Gießener Anzeigers".
Im Herzen des Vogelsbergs, in der Kreisstadt Schotten, in der vor fünfzig Jahren der Vogelsberger Höhen-Club von einer kleinen Schar von Männern gegründet wurde, fand am Samstag und gestern die 5 0. Jubiläumstagung, verbunden mit der Halbjahrhund ert- feier statt. Die Feststadt hatte sich zu Ehren des Jubilars reich mit Flaggen geschmückt, und die Einwohnerschaft bereitete den Gästen nach altbekannter Schottener Gastfreundschaft einen herzlichen Empfang. Die Feier war erfüllt von dem starken Schwung heimatverbundener VHC- Geistesart und von dem Willen, auf den bisherigen Vahnen und in dem altbewährten Geiste weiter zu arbeiten nach dem großen Vorbild der Männer, unter deren Führung der Verein in den bisherigen fünf Jahrzehnten seines Bestehens einen glänzenden Aufschwung genommen hat.
Der erste Tag (Samstag) brachte zunächst in Anwesenheit zahlreicher VHC. er die Eröffnung der in der Turnhalle hergerichteten
Jubiläumsausstellung.
Das rührige Presseausschußmitglied des VHC., Dr. Dambmann, Schotten, eröffnete die Ausstellung mit kurzer Erläuterung ihres Zweckes und führte sodann die Besucher in einem Rundgang zu den verschiedenen Ständen. Anschließend machte Apotheker S c r i b a. Schotten, mit einigen Spezialabteilungen der Schau näher bekannt. 3n der Ausstellung sah man Gemälde des Kunstmalers Barnas, Laubach: Aquarelle und Buntstiftzeichnungen von Ernst Schaumann, Gießen: Stiche und Zeichnungen von Felix Klipp st ein, Laubach: Buntzeichnungen des cand. phil. Erich Stein, Schotten, weiter heimatkundliche Sammlungen der verschiedensten Art und vom ältesten Stück bis in die Neuzeit, zahlreiche Druckschriften, viele Photographien, Sportartikel und interessante Hinweise auf die motor- sportlichen Rennen „Rund um Schotten", die in wenigen Jahren sich in der Sportwelt gut ein-
Alles frohe Leuchten auf ihrem schönen Gesicht war auf einmal ausgelöscht. Um Jahre älter sah sie aus als vorhin, wo die Freude ihrem Gesicht einen neuen Reiz gegeben hatte. Jetzt lag ein leiser Leidenszug um ihren Mund, mit tief geneigtem Kopf ging sie hinter ihrem Gatten her.
Es kamen viele neue Gäste. Hoteldiener und Gepäckträger drängten sich um die Ankommenden, ihre lauten Anpreisungen übertönten die schrillen Signale des Dampfers.
„Savoyhvtel", entschied sich Hansheinrich Lis- toto schnell, reichte seiner Frau den Arm, nachdem er sich des Koffers entledigt hatte, und schritt mit ihr über die Strandpromenade.
Das übliche Bild eines großen, internationalen Kurorts bot ihnen nichts neues. Es war schon viel Leben hier in Gardone, wie immer um diese Zeit. Elegante Flaneure inmitten vieler Leidenden, die in der weichen Luft des Südens Heilung suchten, Sportsleute, Touristen, elegante Damen aller Rationalitäten, Einheimische mit ©lut- augen in südländischen Gesichtern, die neugierig die Neuangekommenen musterten
„Du wirst müde sein von der Reise, Renate", sagte Liskow eine halbe Stunde später zu seiner Frau, nachdem er sich gewaschen und umgezogen hatte. „Ich gehe, mich jetzt draußen ein wenig umzusehen. Zum Lunch hole ich dich ab. Ruhe dich aus, du siehst angegriffen aus."
Ec nickte ihr flüchtig zu, hatte schon die Tür in der Hand, ehe sie eine Erwiderung fand. Pfeifend horte sie ihn dann draußen den Korridor hinunterschreiten.
Die Blicke der Frau hingen wie abwesend noch Immer an der Tür, hinter der ihr Gatte soeben verschwunden war. Dann hob ein tiefer Seufzer ihre Brust.
Sie trat ans Fenster und lehnte die Stirn an die Scheiben. Lind ihre Augen wurden auch nicht froher von dem lockenden Landschaftsbild, das sich vor ihnen hinbreitete. Jetzt schritt Hansheinrich drunten durch den Garten. Eilig, als fürchte er, eine Sekunde frohen Lebensgenusses zu versäumen, so dünkte es ihr. Sie aber ... ach, sie konnte Wohl nicht mit. ..
Wie kam es nur, daß sie so schwerlebig geworden, sie War doch keine alte Frau. Jung war sie noch, jung... ach, aber lebenshungrig wohl nicht mehr. Das war es, das... was sich so trennend zwischen sie und Hansheinrich gestellt hatte. Sie verstanden sich wohl nicht mehr.... War es das Gleichmaß der Tage, der Jahre, hatten sie sich auseinander gelebt... so sehr, daß es nie wieder ein Zusammenfinden geben konnte? ... Tränen drängten sich in die grauen Augen der jungen Frau... Oder trug sie die Schuld, daß et so gleichgültig geworden war? ...
Ach ja, vielleicht. Sie, die nie mehr den Versuch machte, um ihr Glück zu kämpfen, die sich immer achtlos zur Seite schieben lieh jetzt, weil
gebürgert haben und in diesem Jahre am 19. Juli ihre Wiederholung sinden. In der Gesamtheit bewertet, ist zu sagen, daß die Ausstellung sich durch Vielseitigkeit und interessante Auswahl der Stücke mit Recht die Anerkennung der Besucher erwarb.
Oie Hauptversammlung
nahm den größten Teil des Nachmittags in Anspruch. Als Vertreter der Behörden wohnten der von den Delegierten und sonstigen DHC.em sehr gut besuchten Tagung Kreisdirektor Dr. I a n n von der Schottener Kreisverwaltung und Dürgernieister M e n g e l als Vertreter der Stadt Schotten bei.
Der Vorsitzende des VHC., Dr. med. Bruch- Häuser, Ulrichstein, eröffnete die Tagung mit einem Hinweis auf die Desondecheit der Jubi- läumstagung und sprach zugleich allen Mib- arbeitern und Helfern an der DHC.-Sache Dank aus für bai bisherige hingebungsvolle und erfolgreiche Wirken. Sodann teilte et mit herzlichen Worten des Dankes mit, daß der Kreis - ausschuß des Kreises Schotten in hochherziger Weise dem VHC. eine Jubiläumsspende von 2000 Mark bewilligt habe (lebhafter Beifall), um dadurch den Dank und die Anerkennung des Kreises Schotten und des Vogelsbergs für die Tätigkeit des VHC. zum Ausdruck zu bringen. Hierauf widmete der Vorsitzende, während sich die Versammlung von den Plätzen erhob, den verewigten wackeren Mitarbeitern Karl Wenzel, Gießen, und Pros. Bender, Frankfurt, einen dankerfüllten ehrenden Nachruf. Der Verlust dieser beiden Männer sei für den VHC. außerordentlich schmerzlich.
Lehrer i. R. Karl Link, Schotten, überreichte nunmehr dem Vorsitzenden Dr. Bruchhäuser namens des Vorstandes eine wertvolle Aktenmappe, die am Jubiläumstage dem Vorsitzenden den Dank und die Anerkennung des Gesamtvorstandes für die unermüdliche Arbeit des Führers sichtbar zum Ausdruck bringen soll.
sie fühlte, daß aller Zusammenhang zwischen ihrem innersten Empfinden und dem seinen verloren gegangen war. Warum sich ihm aufdrän- gen? Sie litt... aber was kümmerte es ihn? Er hatte eine robuste Art, über Menschen und Dinge hinwegzugehen, viel gesunder Egoismus war in ihm....
Oder war eine andere Frau in sein Leben getreten?... Eine, die ihm mehr geworden war als sie, ihm mehr geben konnte? Auch diesen Gedanke war ihr schon oft gekommen, aber sie hatte ihn weit von sich geschoben. Kleine Liebesabenteuer ... ja. Eine große Leidenschaft und damit eine Untreue traute sie ihm niemals zu.
Renate schloß die Augen wie im Schmerz. Sie kam sich so hilflos vor, und wie Reif war die Erkenntnis, daß sie einsam war, auch heute wieder auf all ihre leuchtende Freude gefallen.
*
Diskretes Stimmengewirr füllte den hohen Speisesaal. Gedämpft fiel das Licht durch die seidenen Vorhänge, Blumen dufteten aus Vasen und Kriställschalen, man flirtete und kokettierte, man politisierte und glossierte. Der oder jener der Anwesenden gab immer reichlich Stoss dazu. Je nun, man wollte sich eben die Zeit vertreiben so gut es ging. Gedämpftes Lachen unterbrach zuweilen das eintönige Stimmengemurmel.
Kellner eilten geschäftig hin und her, Pfropfen knallten, Teller klapperten. Es wurde bereits serviert.
Liskow hatte einen Seiten tisch gewählt, von dem aus man den ganzen Speisesaal bequem über sehen konnte.
Renate sah ihm gegenüber in einem leichten, lauenbeifarbenen Seidenkleide, das gut zu ihrem aschblonden Haar stand. Cs war der Mode zuwider in Zöpfen am Hinterkopf aufgesteckt, lag in tiefen Wellenscheiteln um das Oval ihres Gesichts. Und wieder, wie so oft, wenn er mit Renate an irgend einem internationalen Kurplatz weilte, mußte Hansheinrich Liskow mit leiser Befriedigung feststellen, welch eine aparte Erscheinung seine Frau doch war. War es Raffinement oder Zufall, daß sie immer die Gewänder wählte, die ihre blasse, blonde Schönheit heraushvben aus dem Schwarm der andern, die der Mode jede Konzession machten? Oder war es gerade ihre Gleich gültig feit ausgefallenen Moderichtungen gegenüber, die ihr doch ganz den Stil der großen Dame gab? Sie war eine Erscheinung, die niemals übersehen wurde. So war sie auch nicht zu überreden gewesen, sich die blonden Zopfe abschneiden zu lassen.
„Wozu", hatte sie gefragt. „Wozu alles das nachahmen, was die anderen tun? Oder willst du es gern haben. Hansheinrich? Ist es dein Wunsch? Dann würde ich mich natürlich fügen." Er hatte damals eifrig abgewehrt. Ach nein, wozu, wenn sie es nicht gern tat? Rein, ihm
Sodann erstattete Dr. Bruchhäuser den Jahresbericht für 1 9 3 0, in dem die bedauerliche Feststellung gemacht werden mußte, daß der Verein im verflossenen Jahre unter der Einwirkung der außerordentlich ungünstigen Wirtschaftsverhältnisse und der Arbeitslosigkeit leider einen Verlust von mehreren hundert Mitgliedern erlitt. Zur Zeit beläuft sich die Mitgliederzahl auf rund 5000. Jedoch konnte der Vorsitzende von reger Arbeit in den Zweigvereinen berichten, aus der er den Delegierten mancherlei wertvolle Fingerzeige für erfolgreiche Arbeit in ihren Vereinen geben konnte. Mit warmen Dankes- tDortcn verzeichnete der Berichterstatter schließlich noch die mancherlei Spenden für das Vater- Dender-Heim, die der VHC.-Jugend sehr zu-^ statten kommen. Abschließend war festzustellen, daß der VHC. mit einer Gesamtbetrachtung seiner Tätigkeit trotz aller Ungunst der Zeit verhältnismäßig zufrieden sein kann und keinen Grund zum Pessimismus hat.
Rektor Dem, Offenbach, der während der langen Krankheit und nach dem Tode von Prof. Dender sich der Leitung der VHC.-Jugend gewidmet hatte, erstattete Bericht über diesen Teil der Dereinsarbeit im verflossenen Jahre. Mit eindrucksvollen Gedenk- und Dankesworten an Vater Bender gab der Redner zugleich eine warme Würdigung des großen Werkes, das Vater Dender im VHC. und in der Zusammenfassung der VHC.-Jugend geleistet hat, das sichtbare Anerkennung fand in der aus Dankbarkeit hervorgegangenen Errichtung des Dater-Den- der-Heims auf der Herchenhainer Hohe. Die Zahl der ilebernad)hingen von Jugendlichen in diesem Heim im verflossenen Jahre belief sich auf 4063; insbesondere war die Frankfurter Jugend häufig dort zu Gast, ebenso stellten die Segelflieger einen dauernden Bestand an Gästen. Der Redner gab im übrigen eine Reihe von Anregungen für den weiteren Ausbau dieser gemeinnützigen Einrichtung.
Apotheker S c r i b a - Schotten berichtete für den Wege-Bezcichnungsausschuß, der sich eifrig bemüht.habe, Lücken auszufüllen und mangelhafte Bezeichnungen zu verbessern. Der Redner forderte die Zweigoereine zu weiterer reger Mitarbeit an der Markierung auf.
Der Dorsitzende der D H C. - B e r g w a ch t, Oberreallehrer Buß- Schotten, machte interessante Mit- teiluimen über die Tätigkeit dieser Stelle, die sich den Schutz des Waldes gegen Frevler und Unverständige, aber auch die Organisation von Unfallhilfe zur Aufgabe gemacht hat.
Mittlerweile war der zweite Vorsitzende des Reichsverbandes deutscher Gebiras- und Wandervereine, Pfarrer Löscher aus Wöllnitz (Sachsen), zu der Taguna erschienen, vom Vorsitzenden herzlich begrüßt, ebenso der Vorsitzende des Rhein-Main- Gaues der Bergwacht, Max Müller-Frankfurt a. M.: beide Herren widmeten der Versammlung herzliche Begrüßungsworte.
Die von dem Schatzmeister Glock- Schotten vor- gelegte Rechnung von 1930 wies als Einnahme 11 654,48, als Ausgabe 10 452,42 Mark, mit- hin einen Ueberschuß von 1202,06 Mark auf. Die Rechnungsprüfung hatte die gewohnte vortreffliche Ordnung der Kassengeschäfte ergeben, so daß dem Schatzmeister einstimmig Entlastung erteilt werden konnte.
Der Voranschlag für 19 31 schließt in Einnahme und Ausgabe je mit 9250 Mark ab. Bei der Beratung des Voranschlags wurde eine Reihe von Einzelfragen angeschnitten, die zu regem Meinungsaustausch Anlaß gaben. Dabei wurden auch Mitteilungen über die Zusammenarbeit zwischen dem VHC. und dem Derkehrsbund Oberhessen gemacht, die im verflossenen Jahre insbesondere darin bestand, daß der Derkehrsbund Oberhessen sich wiederholt für Wünsche des VHC. bei den Behörden
war das wirklich ganz gleichgültig. „Ja, ich weih, Hansheinrich .." hatte sie damals gesagt, und auf einmal, waren ihre Augen voll Tränen gewesen. „Ich weih ... also mag es bleiben, wie es ist ..."
Himmel, wie war sie doch so sensitiv! Nach zehnjähriger Ehe noch so empfindlich wie ein Backfisch in den Entwicklungsjahren. Lästig war das, und man konnte doch nicht immer den schmachtenden Seladon mimen. Das durfte sie nicht verlangen. Auf all ihre große Freude zu Anfang der Reise war wohl nun auch schon wieder der Rückschlag gekommen. Liskow streift« ihr Gesicht mit scheuen Augen. Was hatte er nun schon wieder verbrochen? Sie sah da mit dem Gesicht einer Sphinx, stocherte auf ihrem Teller herum, ohne viel zu esien und sprach nur das Notwendigste.
Hansheinrich Liskow biß sich auf die Lippen, um eine ärgerliche Bemerkung hinunterzuschlucken. So waren sie eben alle heute, diese modernen Frauen einer überkultivierten Zeit, die keine Kinder hatten. Mit der Mutterschaft zogen sie wohl in den meisten Fällen die unverstandene Frau aus, konzentrierten ihre Gefühle auf das Kind und hatten einen Lebenszweck gefunden. So aber ...
Liskow tat einen tiefen Zug aus seinem Glas und machte damit allem Philosophieren ein Ende. Ach was, man muhte sie eben sich selbst und ihren Gefühlen überlassen. Hatte Renate nicht alles, was sich eine Frau nur wünschen fonatc? Ein elegantes Heim, Reisen, Gesellschaft, ein selbständiges Vermögen, das er nie für seine geschäftlichen Unternehmungen beansprucht hatte... Was wollte sie mehr? Er war ein aufmerksamer Gatte... Daß man nach zehnjähriger Che nicht mehr verliebt sein konnte wie in den Flitterwochen ... je nwn, eine vernünftige Frau verlangte das auch wohl nicht. Oder ... suchte täglich durch kleine Koketterien und Zärtlichkeiten das Feuer wach zu halten. Renate dagegen ... auch sie trug viel Schuld daran, daß ihre Ehe in ein so gleichmäßiges Fahrwasser geraten war. Mimofengleich zog sie sich immer mehr in sich selbst zurück, entzog sich ihm, ging ihre eigenen, schwerlebigen Wege. Er aber ... er suchte Anregung, suchte Zärtlichkeiten, spielerisches Getändel. Das war ihm nun einmal unlöslich von dem Begriff Weib überhaupt. Wenn er sich anderweitig suchte, was ihm nötig war ... wer wollte es ihm verdenken? Renate war viel zu großzügig, um je seinen Wegen nachzuspüren. Suchte wohl auch nie nach Abgründen in seiner Seele... Und er liebte sie auch immer noch, hätte sich sein Leben ohne sie niemals denken können.
Ein verspätet ankommendes Paar zog jetzt Lis- kows Aufmerksamkeit auf sich. Es nahm die beiden noch leer stehenden Plätze an seinem Tisch ein. Lord und Lady Dalymore glaubte Liskow bei der Vorstellung zu verstehen. (Fortsetzung folgt.)


