Ausgabe 
1.6.1931
 
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Ur. 125 Erstes Blatt

181. Jahrgang

Montag, 1. Juni 1931

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Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Bietzen.

Landnöten.

Zwischen dem Vatikan und dem Faschis- mus herrscht offener Kriegszustand: Die An­gehörigen der faschistischen Jugendverbände de­monstrieren seit Tagen in Rom. Ueberall belästi­gen sie die Angehörigen der katholischen Ver­bände. Zeitungen, die die Interessen des Vati­kans vertreten, werden mit Steinen bombardiert, auf den Straßen werden Scheiterhaufen errichtet und Druckerzeugnisse verbrannt, die aus dem päpstlichen Lager stammen. Kurzum, der Fa­schismus hat seinen fugendlichen Rachwuchs mo­bilisiert, um dem Vatikan zu zeigen, daß die italienische Jugend mit beiden Füßen auf dem Boden des faschistischen Parteiprogramms steht. Die Leidenschaftlichkeit, mit der die Politik des Heiligen Stuhls bekämpft wird, hat tatsächlich zu einer förmlichen Belagerung der Vatikanstadt geführt, deren Grenzen zwar durch Polizei und Militär bewacht werden, über die sich aber kaum ein Angehöriger der Vatikanstadt wagen darf, wenn er sich nicht der Gefahr aussehen will, von den Sichcrheitsbehörden verhaftet oder von den Demonstranten niedergeschlagen zu werden. Für das Ansehen der römischen Regierung und der faschistischen Bewegung ist es gerade nicht vor­teilhaft, feststellen zu müssen, daß sachlich be­gründete Vorstellungen des Vatikans durch lär­mende Auftritte junger Faschisten beantwortet werden.

Der Streit zwischen der römischen Regierung und dem Vatikan, in welchem Sinne die ita­lienische Jugend erzogen werden soll, ist so alt wie die faschistische Bewegung selbst. Vorüber­gehend schien es, als ob die Lateranverträge eine Beilegung des Konfliktes gebracht hätten. Kaum aber war die Souveränität des Papstes wieder hergestellt, da wurde aus dem Vatikan heraus energisch die Forderung geltend gemacht, die italienische Äugend in rein katholischem Sinne zu erziehen. Sofort setzte die Gegenbewegung der Faschisten ein, der Kampf entbrannte auf breiter Front und hat jetzt dazu geführt, daß der Frie­den zwischen dem Vatikan und dem italienischen Staat auf das ernsteste gefährdet ist. Der Ge­schicklichkeit der päpstlichen Unterhändler und der römischen Regierung wird es unzweifelhaft gelingen, sehr bald wieder eine Entspannung her­beizuführen, an der beide Teile ein starkes 3n- leresse haben. Es ist aber schwer denkbar, datz entweder die Kirche oder aber der Faschismus sich zu Konzessionen bereitfindet. Beide erheben Anspruch auf die Jugend, beide sind von dem Wi.len beseelt, den Kampf um die Jugend bis zum Ende durchzuführen. Und da will es uns scheinen, als ob die Kirche sich doch in einer vorteilhafteren Position befindet. Politische Be­wegungen können verebben, auch der Faschismus kann möglicherweise eines Tages wieder von der Bildfläche verschwinden. Die katholische Kirche hat sich aber bisher durch zwei Jahrtausende gehal­ten, sie kann warten, bis die Verhältnisse gün­stiger sind und sie wieder den Einfluß auf die italienische Jugend gewinnt, den sie vor dem Emporkommen Mussolinis und seiner Anhänger besaß.

Schweden hat ernste und aufregende Tage hinter sich. Die Streikunruhen in An­ge r m a n l a n d, bei denen fünf Arbeiter von einer militärischen Sicherungsabteilung niederge- schossen wurden, erschütterten die soziale Struk­tur des Landes erheblich. Die Kommunisten, die in Schweden zahlreich vertreten sind, veranstal­teten eine rote Propagandawoche mit den Zielen des Generalstreiks und blutigen Aufruhrs. Durch die besonnene und liberale Haltung der Regie­rung wurde den Aufrührern jedoch das Wasser abgegraben. Die Einsetzung einer überparteilichen Untersuchungskommission, die sofort eine Reihe von Provinzialbeamten vom Dienst suspendierte, erwies sich als gangbarer Ausweg. Der Kon­flikt zwischen der schwedischen Arbeiter- und Un­ternehmerschaft ist vorläufig beigelegt worden, ohne daß von Siegern und Besiegten gesprochen werden kann.

Die Unruhen von Angermanland sind ein ty­pisches Beispiel für die Verschärfung sozialer Kon­flikte durch psychologisch bedenkliche Maßnahmen schwankender Behörden und allzu eifriger mili­tärischer Führer. In dein Holzgebiet des Anger- manelss wird bereits seit dem 4. Oktober des vergangenen Jahres gestreikt. Der Streik begann in der Sulfatsfabrik Södermann des Mamma- Konzerns und breitete sich im Januar d. I. noch auf andere Betriebe aus. Rach der Schnre- schmelze holten die Unternehmer Aushilfsarbeiter aus Südschweden, die sich bereits früher als Streikbrecher betätigt hatten. Ratürlich setzte so­fort eine starke kommuni st ische Gegen­propaganda ein. Als der erste Demonstra- tionszug von streikenden Arbeitern zu den Ba­racken der Arbeitswilligen zog, gab es Zusam­menstöße und Prügeleien, ohne daß die Polizöi zunächst schärfer einzugreifen brauchte. Unver­ständlicherweise forderte in diesem Augenblick der Bezirksvorstehcr eine Kompanie Soldaten als be­sondere Schuhtruppe an. Don einem Befehl der Provinzialregierung, die fremden Arbeiter sofort aus dem Industriegebiet abzuschieben, machte er jedoch den Gewerkschaften keine Mit­teilung.

Ein zweiter Demonstrationszug zog nach dem Ort Lunde. An der Spitze Fahnenträger mit roten Fahnen, drei Musikkapellen und Frauen und Kin­der. Auch hier waren die Arbeitswilligen ge­warnt worden. Man brachte sie auf Schiffen in der Mitte des breiten Flusses unter, so daß kei­nerlei Gefahr für ihr Leben bestand. Als aber der Demonstrationszug den Ort erreichte, traten

Sanierungs-Notverordnung und Ehequers.

Weiterer Gehaltsabbau bei den Beamten.Neue Steuerlasten. Abstriche am Sozialetat.

England erwartet beklemmende Fragen Brünings.

Die Sanierungs-Notverordnung

Erneute Kürzung der Bcamtcngchälicr.

Kriscnstcuer. Einsparungen auf sozialem Gebiet.

Berlin, 30. Mai. (OB.) Das Reichs- f a b i n e 11 Hai sich am Samstag bis spät abends mit der Beratung der Ratoerordnung be­schäftigt. Die Rotoerordnung wird etwa zwei Dutzend Gesetzentwürfe enthalten. Auch in Kreisen der Reichsregierung ist man sich darüber klar, daß es daraus ankommt, die z. T. harten Maßnahmen so an die Öffentlichkeit zu brin­gen, dah sie psychologisch tragbar sind. Die Reichs­regierung hat das Bestreben, die Lasten und Opfer möglichst gerecht zu verteilen. Daraus erklärt sich z.T. die Staffelung in der neuen Kür- jung der Beamtengehälter und der 6 r L- f c n ft e u e r. Wenn die Sähe auch im einzelnen noch nicht feffllegen, so läfjt sich doch mit Sicherheit sagen, dah die Kürzung der Beamtenge­hälter sich praktisch mit 4 bis 5 Prozent aus­wirken wird, die K r i s e n st e u e r mit 1 bis 3 Prozent. Die höchsten Stufen der Kürzungsstaf­felung, die bis 8 Prozent hinaufreichen, finden nur auf die wenigen Beamten der obersten Stellen An­wendung. Die Krisenft euer beginnt mit 1 Prozent bei wahrscheinlich 3600 Mark, wird ;. B. bei einem Einkommen von etwa 8000 Mark 1,5 Prozent be­tragen und bis zu 5 Prozent bei den großen Ge­hältern ansteigen. Sie wird deshalb verhältnismäßig niedrig gehalten, weil auch das Reichskabinett sich darüber klar ist, dah die Krisen st euer eine schwere Belastung bedeutet, weil die Gehälter der Prioatangestellten bereits zum größten Teil empfindlich abgebaut worden find. Jedenfalls läht sich feftftellen, dah die Reichsregierung so aus­gleichend und schonend wie möglich vorgehen will. Das erscheint ihr um so notwendiger, als die er­forderlichen Einsparungen auch auf so- zialem Gebiete Härten mit sich bringen, die eben nur aus der Rot der Zeit zu erklären sind.

Am Mittwoch Llnierzeichnung der Notverordnung.

Berlin, 1. Juni. (TU. Funkspr.) Das Reichs- kabinett, das am Sonntag nicht getagt hat, wird die Beratung der neuen Sanicrungs- Notverordnung wahrscheinlich am Montag be­enden. Am Dienstag werden dann die M i n i ft e r - Präsidenten der Länder über die Einzelheiten der Notverordnung und die gesamtpolitischen Zu­sammenhänge unterrichtet werden. Die Notverord­nung dürfte dann am Mittwoch dem Reichs­präsidenten zur Unterzeichnung vorgelegt wer­den. Reichskanzler Dr. Brüning und Außen­minister Dr. Curtius werden am Abend des­selben Tages nach Chequers abreisen. In unter- richteten Kreisen wird damit gerechnet, daß die Not­verordnung während des Londoner Besuches ver­öffentlicht wird.

Keine Sommer-Tagung des Reichstags.

Berlin, 31. Mai. (CNB.) Ein Berliner Blatt verbreitet in feiner Sonntagsausgabe die Nachricht, daß der Kanzler und das Reichskabinett den Wunsch hätten, den Reichstag nach dem Erlaß der Not­verordnung und nach dem Besuch in Chequers zu einer kurzen Tagung zusammentreten zu lassen. Wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, handelt es sich bei der Meldung um eine reine Kombination ohne jede Grundlage. Es wird entschieden in A b »

ihm Soldaten entgegen, die den Befehl zum Hal­ten gaben. Dabei scheute das Pferd eines Ser­geanten und im Handumdrehen war zwischen Sol­daten und Demonstranten der schönste Tumult im Gange. Die Demonstranten warfen mit Steinen und die Soldaten schossen, zunächst mit Revol­vern und dann eine ganze Salve. Fünf Arbeiter blieben tot auf dem Kampfplatz zurück.

Die Empörung der Bevölkerung gegen das Vor­gehen der Soldaten führte zu weiteren Demon­strationen in anderen Städten, da man nicht den Arbeitern, sondern dem Militär die psycholo­gische Schuld an den Zusammenstößen gab. Durch die Bildung der Untersuchungskommission gelang es der Regierung jedoch, ernste Schwierigkeiten zu vermeiden. Die kommunistischen Hetzer wur­den festgenommen. Die schwedischen Sozialdemo­kraten bemühen sich, auf Grund der Vorgänge ein Gesetz zur Annahme zu bringen, in dem grundsätzlich der Einsatz von Militär gegen strei­kende Arbeiter verboten wird.

Heimatdienst für Volk und Vaterland.

Berlin, 31. Rkai. (ERB.) Auf der heutigen Feier des Ostbundes evangelischer

rede gestellt, daß Kanzler und Kabinett irgendwie an eine Sommertagung des Reichstags denken. In Kreisen, die der Regierung nahestehen, verspricht man sich angesichts der bekannten ungeklärten Ver­hältnisse im Reichstag von einer Parlamentstagung weder eine Förderung der inneren Sanierung, noch eine solche der Probleme, die in Chequers zur Sprache kommen.

Falsche Gerüchte über das Reichskabinett.

Berlin, 30.Mai. (CNB.) Von unterrichteter Seite wird die in der Presse aufgetauchte Behaup­tung, Reichsfinanzminister Dr. Dietrich beabsich­tige zu demissionieren, als haltloses Gerücht bezeichnet. Ebenso unzutreffend find auch die Behauptungen über M e i n u n g s . Verschiedenheiten innerhalb des Kabinetts,

die anläßlich der Besprechung der Sanierungsmaß- nahmen entstanden sein sollten.

Englische Presse-Vorschau.

Wann Schluß mit den Kriegsschulden? Die Zollunion.

London, 31. Mai .(WTB.) Der bevor­stehende deutsche Ministerbesuch .in England nimmt heute in der maßgebenden Presse, die seinen Zusammenhang mit den deutschen Schwierigkeiten besonders hervorhebt, grohen Raum ein.

Sunday Times" schreibt in einem Leit­artikel: Hinter den Formalitäten und Höflichkei­ten beim deutschen Besuch wird ein tiefern­ster Zweck stehen. Kühle Beobachter sind der Ansicht, daß die finanziellen Schwierigkeiten Deutschland in absehbarer Zeit zwingen werden.

Konflikt zwischen Kurie und Faschismus.

Oer Kampf um die Katholische Aktion in Italien.

Stadt des Vatikans, 30. Mai. (WTB.) DerOsservatore Romano" veröffentlicht fol­gende Mitteilung: In Anbetracht der immer bedenklicheren und heftigeren Formen, in denen sich die Vorgänge ge gen d i e katholische Aktion in Italien abspielen, hat der Hei­lige Stuhl von heute, den 30. Mai ab, beschlossen: 1. Die Bischöfe, von denen die katholische Aktion abhängt, übernehmen Pof ort p e rs ön- [ i ch den Schutz und die Leitung in Einklang mit den Anweisungen des Heiligen Stuhles. 2. Die Leiter der katholischen Aktion, de­nen der Heilige Vater feinen Segen zukommen läßt, unterstehen in allem den zustän­digen Bischöfen.

Protest des Papstes.

Rom, 31. Mai. (TU.) Der Papst, der am 31. Mai 1857 geboren ist, beging am Sonntag fei­nen Geburtstag. Gelegentlich einer Audienz, die er einem katholischen Verbände gewährte, der ihm seine Glückwünsche zum Geburtstage zum Ausdruck brachte, hielt der Papst eine Ansprache, in der er ausführte, er begehe einen sehr traurigen Ge­burtstag wegen der Ungebührlichkeifen, die sich in den letzten Tagen ereignet hätten, und wegen des Hasses und der Gewalt, mit der gegen d i e katholische Aktion vorgegangen worden sei. Der Papst habe als einer der ersten den Faschis­mus gelobt, als er den Religionsunterricht in den Schulen wieder einführte. Aber was die rechte Hand gab, habe d i e linke wieder ge- n o m m e n. Der Papst habe in den Beziehungen der Kurie zu Italien immer den ersten Schritt ge­tan. Dessen ungeachtet sei gegen die katholische Ju­gend und die katholischen Studenten Gewalt ange­wandt worden.

Der Papst habe das Recht und die Pflicht, an das Konkordat zu appellieren, und er habe in diesem Sinne diplomatische Schritte eingeleitet. Abgesehen davon müsse er als Bischof von Rom und Primas von Italien Protest erheben.

Der Papst sprach schließlich die Hoffnung aus, daß diejenigen, die die Hand gegen die Kirche erhoben haben, nicht von der göttlichen Gerechtigkeit gestraft würden und daß die göttliche Gnade die Verleum­der zurückführen möge auf die Bahnen friedlicher Zusammenarbeit.

Oer Kardmallegat erscheint nicht.

Stadt des Vatikans, 30. Mal. (WTB.) DerOsservatore Romano" veröffentlicht fol­gende Nachricht: Angesichts der Tatsache, dah in Rom in Anwesenheit der Behörden sehr be­

trübliche Ereignisse, darunter eine Ungebühr- lichkeit gegenüber der Person des Papstes Vorkommen konnten, ist dieEntsen - düng des Kardinallegaten, der den Heiligen Vater bei der bevorstehenden Jahr­hundertfeier des Hl. Antonius von Padua ver­treten sollte, weiterhin aufgeschvben wor­den.

Das Kardinals-Kollegium einberufen.

Rom, 1. Juni. (TU.) Wie verlautet, hat der Papst zur Beratung der Lage für Montag das Kardinalskollegium einberufen.

Mussolini löst auf.

Rom, 1. Juni. (TU.) Wie oerlaulel, find im Laufe des Samstags und Sonntags auf Grund des italienischen Polizeigesehes bereits mehrere ver­bände der katholischen Aktion geschlos­sen und stellenweise die Archive beschlag­nahmt worden.

Kirchenfeindliche Ausschreitungen.

Rom, 31. Mai. (MTB.) Unter den neuenDe- schwerdefällen, die vomOsservatore Romano" veröffentlicht werden, ist besonders ein Vorgang aus Verona zu erwähnen, wo am letzten Mitt­wochabend vor dem Hauptportal der bischöfli­chen Residenz mit Hilfe von Denzinvvrräten, die in einem Auto herangebracht worden waren, Feuer gelegt wurde. Durch sofortiges Ein­schreiten der Feuerwehr konnte das Feuer gelöscht werden, das, wie es imOsservatore Romano" heißt,angesichts der naheliegenden Kathedrale unberechenbaren Schaden hätte anrichien können."

Auch aus anderen Städten werden neue Zwischenfälle gemeldet, vor allem aus Ve­nedig, wo in der Rächt von Dienstag auf Mitt­woch eine Reihe ernster Verstoße gegen das Eigen­tum und d:e Räume von katholischen Vereinen vor­gekommen seien. Ferner berichtetOsservatore Ro­mano" über neue Tätlichkeiten gegen Mitglieder des ka-tholischen Studen­tenbundes. In der Diözese Mailand hatten sich ziemlich heftige Zwischenfälle ereignet. In einem Kommentar zu dieser neuen Beschwerde be­merktOsservatore Romano", daßdiese schmerz? lichrn Rachrichten, die von verschiedenen Seiten einlaufen, leider nicht nur die katholische Aktion betreffen, obwohl sie von der gegen sie geführten Kampagne ausgingen."

Jungmännervereine nahm Reichsminister Treviranus im Ramen der Reichsregierung das Mort, um den Bund zu beglückwünschen. In längeren Ausführungen äußerte sich der Minister zu der Rotlage der Ostprovinzen und weiter über die sich aus der Arbeitslosigkeit ergebenden Pro­bleme. Für die allernächste Zukunft kündigte der Minister die Organisation eines Heimat­dienstes an, der sich in der Hauptsache auf Menschen stützen müsse, die volklich und weltan­schaulich so gebunden wären, dah sie den Lohn in der Tatsache der Arbeit für Volk und Vaterland uird nicht im finanziellen Borteil sähen. Besonders von der Jugend des evangelischen Deutschlands forderte der Redner tätigste Unterstützung der Bestrebungen der Rcichsregierung.

Skagerrak-Gedenkfeier der Reichsmarine.

Kiel, 31. Mai. (MTB.) Die Erinnerung an die fünfzehnjährige Wiederkehr des Skagerrak-Tages beging die Reichs- marine mit einer Reihe militärischer Feiern, die am Vorabend mit einem großen Zapfenstreich eingeleitet wurden. Bei der Flaggenparade am Sonntagmorgen setzten die im Hafen liegenden

Schrffe der Reichsmarine Top-Flaggen, die Flag­gen der alten Kriegsmarine im Groß-Top. Auch die Dienstgebäude der Marine prangten im Flag­genschmuck. Rachdem Abordnungen der einzelnen Marmeteile auf dem Ehreufriedhof Kränze nie- dergelegt hatten, fand um 9.30 Uhr auf dem Ka­sernenplatz in der Wik ein Feldgottesdienst statt. In emer Ansprache wies der Chef der Marine- station der Ostsee, Vizeadmiral Hansen, auf die Bedeutung des Tages hin. An die Ansprache des Admirals schloß sich ein Vorbeimarsch der Trup­penteile vor dem Stationschef an.

3n Gegenwart des Reichspräsidenten sand gestern in Berlin im Festsaal des früheren Reichsmarrneamtes eine Gedenkfeier statt. Der Chef des Stabes der Schlachtflotte und erster Chef der Reichsmarine, Admiral v. T r o t h a, gedachte in warmen Worten der unvergleichlichen Leistun- gen der Skagerrakkämpfer gegen die englische Uebermacht zur See. Mit besonderen Dankeswor- ten gedachte Admiral v. Trotha des Schöpfers der deutschen Flotte, des Großadmirals v. T i r p i h Im Anschluß hieran wurde dem Chef der Ma-' nneleitung eine von Professor Manhel geschaffene Marmorbüste des Großadmirals v. Tirpih über­geben, die im Reichswehrministerium Auffüllung fini>eL