Ausgabe 
1.5.1931
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

Gießen, den l.Mai 1931.

Lorchel-Bergistungen.

Die Frühlingszeit ist gekommen. Morcheln, Lor­cheln und Dechcrlinge erscheinen. Die Lorchel vielfach fälschlich Morchel benannt tritt in den Frühlingsmonaten (März bis 2uni) beson­ders in sandigen Kiefernwäldern truppweise, oft in großer Zahl auf. Der hohle, weißliche Stiel ist mitunter ganz im Boden eingesenkt, so dah nur der braune Hut mit seiner wulstig-faltigen Ober­fläche aus der Aadelstreu hervorschaut. Durch ihre braune Schuhfarbe wird die Lorchel oft übersehen.

Noch nicht genügend beiairnt rst es, dah Die Frühlings-Lorchel (Hclvella esculenta) alsG ifp pilz sehr verhängnisvoll werden kann. Auch im abgelaufenen Jahre hat dieser Pilz eine ganze Reihe von Todesfällen und schwe- ren Vergiftungen verursacht. Wie schon vor 100 Jahren bekannt war, bleibt der Genuß der Lorchel meist (nicht immer!) ohne schädliche Folgen, wenn die Brühe der genügend (mm- destens 5 Minuten) gekochten Pilze vor dem Genuß weggeschüttet wird. Sorgfältig (un- gefähr 2 Wochen) getrocknete Lorcheln sollen ge­wöhnlich auch ohne diese Vorsichtsmaßregel be­kömmlich sein. . ,

Bon manchen Menschen wird die Lorchel auch mit dem Kochwaller vertragen. Zuweilen tritt erst eine Erkrankung ein, wenn «ine zweite Lorchelmahlzeit in kurzem Zwischenraum nach der ersten stattfand. Auf jeden Fall bleiben in bezug auf die Giftigkeit der Lorchel noch mancher­lei Rätsel zu lösen.

Am besten ist jeglichen Genuh der Frühlingslorchel zu meiden.

Bom Pilzmarkt sollte ein Pllz. der schon so viele Todesfälle zur Folge hatte, ganz 2 us - ge schlossen werden, wie das in Oesterreich schon der FcÄ ist. * \

* Johann Strauh in Gießen. Das Wiener Orchester unter der Lettung von Jo­hann Strauß gastiert am Samstag, 9. Mai, wieder in Gießen. Das Konzert findet in der Dolkshalle statt und dürfte auch diesmal wie­der viele Freunde finden. Strauhsche Walzer­musik, jene unsterblichen Schöpfungen, werden das Gießener Publikum aufs neue begeistern. Es ist damit zu rechnen, dah die Dolkshalle wieder, wie bei den bisherigen Strauß-Konzerten, bis auf den letzten Platz beseht sein wird. Aus diesem Grunde dürste cs sich empfehlen, den Karten- Dorverkauf in Anspruch zu nehmen, der bereits rege eingesetzt hat.

"Radivübertragung einerFrauen- Friedenskundgebung. Am nächsten Sonn­tag 18 Uhr wird durch den Frankfurter Rund­funk eine Frauenkundgebung für den Frie^ns- gecanken übertragen. Bei dieser Kundgebung werden der Bischof von Limburg, Dr. Antonius H i l f r i ch , außerdem Frau Dr. Gerta Krab­bel, die Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes, und Dr. Else Peerenbvomals Vertreterin der Jungfrauenverbände sprechen. Der ^-cappelia-Chor für geistliche Musik wird un­ter der Leitung von Freiherrn v. D r v st e die Feier umrahmen.

^^"Oeffent liehe Dücherhalle. 2mApril wurden 1545 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: Erzählende Literatur 1061, Zeitschriften 55, Jugendschriften 97, Literaturgeschichte 8, Gedichte und Dramen 8,. Länder- und Völkerkunde 91, Kulturgeschichte 3, Geschichte und Biographien 112, ' Kunstgeschichte 9, Naturwissenschaft und Tech­nologie 71, Heer- und Seewesen 1, Haus- und r" Landwirtschaft 3, Gesundheitslehre 1, Religion - und Philosophie 12, Staatswifsenschaft 11, Sport 2 Bände. Rach auswärts kamen 6 Bände.

*"* Zusammenstoß zwischen Lastauto und Motorradler. Gestern gegen 18.30 Uhr ereignete sich an der Ecke Ludwig- und Bleichstras.e ein Zusammenstoß zwischen einem Lastauto der Firma Grieb und dem auf seinem Motorrad fahrenden 25 Jahre alten Weißbinder Heinrich Hahn aus Hattenrod. Das Lastauto fuhr aus der . Bleichstraße in Richtung Gnauthstraße über die Ludwigstraße hinweg, als im gleichen Augenblick der Motorradler die Ludwigstraße herab in Richtung Ludwigsplatz gefahren kam. An der Straßenkreu- zung rannte der Motorradler seitlich gegen dos Lastauto an und wurde bei dem Zusammenprall von der Maschine geschleudert. Er blieb bewußtlos an der Unfallstelle liegen und mußte von der Frei­willigen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach der Chirurgischen Klinik verbracht werden. Er trug eine Schädeloerletzung davon, befand sich aber heute morgen wieder bei Bewußtsein und den Umständen entsprechend wohl: Lebensgefahr besteht erfreulicher­weise nicht. Von den Insassen des Lastautos wurde zum Glück niemand verletzt. Der Lastkraftwagen konnte nach Feststellung des Sachverhalts feine Fahrt fortsetzen, dageaen wurde das Motorrad er­heblich beschädigt. Die Ermittelungen über die Schuldfrage sind noch im Gange.

**O m mani padme hum!" Diesen Titel hat der berühmte Asiensorscher Dr. Wilhelm Filchner dem Fllm gegeben, der einen Ori­ginalbericht seiner abenteuerlichen und entbeh­rungsreichen Forschungsreise durch Tibet dcrr- stellt.Om mani padme hum heißt zu Deutsch: O du heiliges Kleinod im Lotos, Amen!" und ist ein Gebet, das Tausende frommer Tibetaner murmeln, das auf Gebetstrommeln und -mühten millionenfach heruntergeleiert wird. Seinem Sinne nach bedeutet es: Aus der Lotos blume wuchs der kleine Buddha, dasKleinod, das mit diesem Gebet gepriesen wird. Cs ist der Schlüllel zum Wesen der dem Europäer so schwer verständ­lichen Tibetaner im Lande des Dcllai-Lama. Dr. Wilhelm Fi lchner hat in diesem Film, der nur unter den größten Schwierigkeiten nach Europa gebracht werden konnte, die Fülle seiner Erleb­nisse festgehalten, er vermittelt in ihm einen wertvollen Schatz wissenschaftlichen Materials und läßt den Laien einen Einblick tun in jenes rätselhafte Land mit seinen noch rätselhafteren Bewohnern. Der Kulturfilm, dessen hohen Wert man bei der Person des Forschers ohne weiteres als gegeben ansehen darf, kommt am nächsten Sonntag 11.15 llhr im Lichtspielhaus, Bahnhof- strahe, zum erstenmal zur Aufführung.

Eltern-Abend der Kaufman ns- jugend im DHV. Man berichtet uns: Der Bund der Kaufmannsjugend im DHV., Orts­gruppe Gießen, veranstaltete in den Räumen des Verbandsheimes einen Ellern- und Freunde- Abend. Rach einleitenden Musikvorträgen und einem Vorspruch begrüßte der Jugendführer Hans Depperling die Teilnehmer. Er gab in seiner Ansprache ein Bild von der Mannigfaltigkeit der

ÄnSleuerpwtesi der hessischen Handelskammern. |

Die hessischen Industrie - und Han­delskammern haben in einer Dertreterver- sammlung, die am 29. April stattfand, eingehend zu der letzten Erhöhung der Grund- und Sondergebäude st euer in Hessen Stel­lung genommen und nachstehende Entschlie­ßung an die hessische Regierung gerichtet:

Bereits bei der Einbringung der letzten hessischen Steuervorlagen zur Verdreifachung der Grundsteuer und zur teilweisen Neuveranlagung der Sonder- gebäudesteuer haben sich die hessischen Industrie- und Handelskammern veranlaßt gesehen, gegen die erneute Erhöhung der Steuerbela­stung die ernstesten Bedenken geltend zu machen. Die schon damals zum Ausdruck gebrachten Befürchtungen sind durch die tatsächliche Ent­wicklung noch übertroffen worden. Die Zu­stellung der neuen hessischen Landessteuerbeschelve mit ihren ganz ungewöhnlich überhöh­ten Anforderungen hat in den Kreisen der betroffenen Steuerpflichtigen größte Bestürzung hervorgerusen. Die Entwicklung der Dinge bringt den klaren Beweis dafür, daß in der Tat biex in ihrer endgültigen Auswirkung erst jetzt voll zu über­sehende Erhöhung der hessischen Landessteuern geradezu die von der R e i ch s r e g i e r u n g zur Senkung der Preise und Gestehungskosten einge­leiteten Maßnahmen durchkreuzt hat.

Jür den hessischen Steuerzahler ist an Stelle der in der Rotverordnung des Herrn Reichs­präsidenten zugesicherten Lastensenkung in Wahrheit eine ungeheuerliche Erhöhung der

Realsteuern eingetreten, und dies zu einer Zelt, in der die Einkommen der von den Steuer­erhöhungen betroffenen kreise zusehends weiter stark einschrumpsen.

Da die Steuererhöhungen zudem vorwiegend die kleineren und mittleren Steuerobjekte besonders empfindlich belasten bekanntlich war das Gegen­teil angenommen worden, wirken sie sich ry it­telstandsfeindlich und unsozial aus.

Es darf heute schon als feststehend angenommen werden, daß der Ertrag dieser Steuererhöhungen, insbesondere bei der Sondergebäude st euer, weit über das bei ihrer seinerzeitigen Vorlage Geschätzte hinaus geht. So war die Aus­wirkung der teilweisen Neuveranlaguna der Son­dergebäudesteuer für Hessen mit 500 00Ö Mark an­genommen worden, während der tatsächliche Ertrag ein Vielfaches dieser Summe ausmachen soll.

Die hessischen Industrie- und Handelskammern müssen nach wie vor betonen, bafe irgendwelche Steuererhöhungen unter den jetzigen Verhält­nissen überhaupt nicht zu verantworten sind.

Angesichts dieser Sachlage ergibt sich die zwingende Forderung, die unerträgliche Erhöhung der Sonder- gebäubefteuer rückgängig zu machen. Gleich­zeitig müssen von ber Regierung Mittel unb Wege gesucht werben, um bie in ihrer SSerbrei» fachung mit größten Härten sich auswirkenbe Erhöhung ber Grunbsteuer auf ein erträgliches Maß herabzufetzen.

48. Verbandslag des Rhein - Main - Gasi wirteverband es.

WSR. Heppenheim, 29. April. Der Rhein - Main - Gastwirte - Derband (Hessischer Landesverband) hielt gestern und heute in Heppenheim seinen 4 8. Verbands tag ab. Rachdem bereits gestern abend ein Degrühungs- abend, von der Heppenheimer Gastwirte-Jrmung gegeben, die Tagung eingeleitet und eine Sitzung des Gesamtvorstandes di« Arbeiten des Der- bandstages vorbereitet hatte, eröffnete heute vor­mittag der Dorsihende der Heppenheimer In­nung, Gastwirt Seibert, den Derbandstag. Der zweite Dorsihende, Döring, Darmstadt, leitete- die Verhandlungen, die einen ausgezeichneten Verlauf nahmen, trotzdem die schwer« wirtschaft­liche Lage, unter der besonders das Gastwirts- und Hotelgewerbe zu leiden hat, das Leitmotiv der gesamten Beratungen bildete.

Der Geschäfts- und der Kassenbericht wurden ohne Aussprache erledigt und dem Vorstand Ent- lastung erteilt. Dann sprach der Präsident des Deutschen Gastwirte-Verbandes Reichstagsabge­ordneter Emil K 5 st er über die allgemeine Wirtschaftslage Deutschlands und die Einstellung des Reichstages zu den aktuellen, wirtschaftspolitischen Fragen. Der Redner be­zeichnete als den Angelpunkt unserer Außen­politik das polnische Problem, das für die Zukunft Deutschlands entscheidend sein werde. In­nenpolitisch wandte sich der Redner vor allem gegen den übersteigerten Dildungsfimmel und die im Reichsetat angesichts der stetig zurückgehen- den Steuer- und Zolleinnahmen notwendig wer­denden Einsparungen.

Der Redner kam zu dem Schluß, daß die jetzige Reichsregierung doch den ernstlichen versuch mache, den weg nach vorwärts zu gehen, der allerdings dornenvoll und opferschwer sein werde. Trotzdem sei Grund zu Pessimismus nicht gegeben, jedoch die ernste Mitarbeit jedes ein­zelnen notwendig. Der zweite Vorsitzende wandt« sich dann unter dem Beifall der Anwesenden ge­

gen die Absicht des hessischen Innenministeriums, den § 11 des Gaststättengesetzes im politischen Kampf anzuwenden, und fand darin auch die grundsätzlich« Zustimmung des Referenten des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft, Mini­sterialrat Hechler.

Anschließend an ein Referat des Syndikus des Verbandes, Rechtsanwalt Dr. Mattern, ent­spann sich eine von zahlreichen gravierenden Bei­spielen aus der Praxis belebte Aussprache über die Mißstände und die Rückständigkeit des hessi­schen Urkundenstempelgesehes. das zu grotesken Zuständen namentlich in den Grenzdistrikten, führe, und im Vergleich mit den angrenzenden Ländern Preußen, Bayern, Baden und Württem­berg viel zu hohe Gebühren fordere. Die Refe­rate über das Selbsthilfewerk ergaben den gün­stigen Stand der Sterbe lasse und Versicherungs­einrichtungen. Trotz aller Rückschläge verzeichn« auch das DerbandswerkSelterssprudel Auguste Viktoria" in Selters in diesem Jahre einen er­heblichen Gewinn. Der Verbandstag beschloß, die nächstjährige Tagung in Worms abzuhalten. Die Versammlung nahm anschließend folgende

Entschließung

an:

Die Versammlung erhebt entschiedensten Ein­spruch gegen die Erhöhung der Biersteuer und die Einführung der Gemeindegetränkesteuer, sowie gegen die Erhöhung der Grundsteuer und Sonder- gebäudesteuer. Diese neuerlichen Steuermaßnah­men nehmen dem schwer ringenden Gewerbe die letzte Möglichkeit, seine Existenz zu erhalten. Schon jetzt läßt sich voraussehen, dah bie Auswirkung dieser neuen Steuern katastrophal sein und zu einem völligen Zusammenbruch des Gewerbes führen müsse. Die Versammlung richtet an bie Reichsregierung und bie hessische Regierung in letzter Stunde das dringende Ersuchen, den Ab­bau dieser neuen Steuern in die Weg« zu leiten, ehe es zu spät ist."

im DHV. betriebenen Jugend-Dildungsarbeit und erläuterte den Zweck des Abends. Er dankte den Erschienenen für ihr Kommen und gab der Hoff­nung Ausdruck, daß dieser Abend dazu angetan sein möge, die Zusammenarbeit zwischen ben El­tern und der Jugendführerschaft zu fördern. Mit einigen Schargesängen der Jugendgruppe fand der erste Teil seinen Abschluß. Kaufmanns- lehvling Ernst P r ü h« brachte ein Gedicht zum Vortrag und Kreisgeschäftsführer Schroeder sprach sodann über:Der Iungkaufmann, sein Stand und Verband." Der Redner gab einen lieberblick über die Wandlung pn wirtschaftlichen Leben vom persönlichen Inhaber zur unpersön­lichen Gesellschaft und die damit veränderte Po­sition des Kaufmannsgehilfen. Er schilderte di« Arbett des DHV., seine Bemühung um den Kaufmannsstand und seine Arbeit auf dem Ge­biete der Fortbildung des jungen Rachwuchses. Die Hauptaufgabe sehe der DHV., so führte der Redner zum Schluß aus, in der Erziehung seiner Mitglieder zu deutschen Menschen. Der dritte Tell des Abends, der dem deutschen Humor Gewidmet war, brachte lustige Schargesänge der kugendgruppe, die sehr beifällig ausgenommen wurden. Richt minder starken Beifall fand das aufgeführte Hans-SachsSpielDer Dauer im Fegefeuer", welches von Mitgliedern der Fah­renden Gesellen und der Jugendgruppe gespielt wurde.

25 Jahre Westerwaldbahn.

WSR. Herborn, 30. April Morgen sind 25 Jahre vergangen, dah die erste Teilstrecke der Westerwaldquerbahn Herborn Westerburg dem Dertehr übergeben wurde. Der Bau der Dahn war bereits im Jahre 1898 vom Preußischen Ahgeordnetenhaus bewilligt wor­den, doch waren die (Sauarbeiten erst 1906 so weit vorgeschritten, daß am 1. Mai die Dahn bis Driedorf in Betrieb genommen werden konnte. Im Oktober des gleichen Jahres konnte der zweite Ab chnilt der Strecke, Driedor,Renne­rod, eröffnet werden. 2m Laufe der 2ahre hat sich die Dahn zu einem Faktor im wirtschaft­lichen und kulturellen ßeben des Dillgebietes entwickelt, der heute niemandem mehr entbehr­lich erscheint. Die Personenbeförderung hat na­mentlich seit 1913 überall einen nennenswerten Aufschwung genommen, und auch die Zahlen des Güterverkehrs bewegen sich in ansteigender Linie, wenn auch neuerdings der Konjunkturrückgang der Westerwälder Steinindustrie in den Umschlag- ziffern zum Ausdruck kommt.

Hessischer Evangelischer Landeskirchentag.

Darmstadt, 30. April. (WSR.) Der Lan­deskirchentag der Evangelischen Landes» kirche nahm heute zunächst eine Reihe von Er­satzwahlen zu mehreren Ausschüssen vor und gab seine Zustimmung zu mehreren Aenderungen, die von der Kirchenregierung bereits auf dem Gebiete der Pfarrstellenbesetzung vor­genommen waren. Die neue Geschäftsord­nung für den Landeskirchentag wurde in ihren 101 Paragraphen durchgesprochen und nach ge­ringen Abänderungen in erster Lesung einstimmig angenommen. Die zweite Lesung wird am Freitag erfolgen. Da die einzelnen Gruppen des Kirchentages mit ihren Beratungen noch nicht zu Ende waren, wurde di« Sitzung unterbrochen.

2n einer Abendsihung nahm der Landeskirchen­tag einstimmig folgend« Kundgebung an: Zu der Frage der Verlegung des Päda­gogischen 2nstituts von Darmstadt nach Mainz gibt der 2. Evangelische Landeskirchentag kund: Der Landeskirchentag bekennt sich zu den Einsprüchen, die von der Evangelischen Kirchenregierung und von verschiedenen Körper­schaften des Landes gegen öje Aufhebung des Pädagogischen Instituts zu Darmstadt erhoben worden sind, und dankt allen, die sich für die Erhaltung des Instituts eingesetzt haben. Der Landeskirchentag nimmt mit Bef re m den da­von Kenntnis, daß wichtige Interessen der Evangelischen durch die geplante Maßnahme der. Regierung nicht gebührend berücksichttgt werden. Er hat volles Verständnis für die Beunruhigung, die dadurch in weiten Kreisen der evangelischen Bevölkerung hervorgerufen wurde. Ohne sich gegen den Fortbestand des Mainzer Instituts zu wenden, fordert der Landeskirchentag, dah das Institut zu Darmstadt erhalten bleibt, daß aber andernfalls eine zweite Lehrer- ausbildungsstätte geschaffen werde, die neuzeitlichen Forderungen entspricht und auch den Bedürfnissen der evangelischen Landbevölkerung Rechnung trägt. Sollte dies zur Zeit nicht möglich sein, so spricht der Landeskirchentcvg die bestimmte Erwartung aus, daß die Leitung des Mainzer Instituts, solange nur diese eine Lehrerausbil­dungsstätte besteht, in dem zu zwei Dritteln evangelischen Hessenlande in evangelische Hände gelegt wird. Gleichzeitig fordert der Landes- sirchentag ausreichende Sicherungen dafür, daß der simultane Charakterder Lehrer­ausbildung und derhess ischenSchule und dabei die Lebensinteressen der Evangelischen

Kirche und der evangelischen Bevölkerung tu keiner Weis« beeinträchtigt werden.

4364 Studierende in Marburg.

WSR. Marburg, 30. April. Die (Sintra* gu g:n zu < em dies,ä.^r gen Sommersemester an unserer Universität sind jetzt offiziell beendet. Es haben sich insgesamt 4364 Stu­dierende eingetragen, davon 3362 Männer und 1002 Frauen. Die Verteilung auf die ein­zelnen Fakultäten ist wie folgt: Theologie 485 Männer und 31 Frauen, Rechts- und Staats­wissenschaft 734 Männer und 69 Frauen, Medi­ziner 997 Männer und 175 Frauen, philoso­phische Fakultät 1146 Männer und 727 Frauen. Da noch mit etwa 40 (Nachzüglern zu rechnen ist, wird die Zahl 4400 erreicht werden. Außerdem werden noch etwa 50 Gasthörer zu erwarten fein. 2m vorigen Sommersemester betrug die Gesamt­zahl der Studierenden 4228, so daß in diesem Semester rund 175 Studierende mehr hier an­wesend sind.

Aus oder Wett.

Einweihung des Reubaues der Tübinger Universität.

2n Tübingen wurde in feierlicher Weise der Erweiterungsbau der Eberhardt-Karl-Llni- versität, der zahlreiche üniberfitähSräume und eine neue Aula enthält, seiner Benutzung über­geben. 2m Festsaal hatten sich etwa 1200 Gäste, Professoren und Studenten, eingefunden, unter ihnen Staatspräsident Dr. Bolz und alle würt- tembergischen Minister mit Ausnahme des er­krankten Kultusministers, die Spitzen der kirch­lichen Behörden und zahlreich« andere Persönlich­keiten. Finanzminister Dr. D e h l i n g e r hielt die Festrede. Profesior Dr. ßittmann s.» stattete seinen Rektoratsbericht. Hierauf über­nahm der neue Rektor Profesior Dr. Kirschner sein Amt.

Der deutsche Konsul in Ryborg tödlich verunglückt.

In einem Wallgraben fand man eine Im Wasser treibende Leiche. Wie festgestellt wurde, handelt «s sich um den deutschen Konsul in Nybora, Baron v. Haxthausen, der Inhaber einer Buchdrucke- rei in Nyborg ist. Baron v. Haxthausen war in der Dunkelheit über einen niedrigen Draht­zaun gestolpert und in den Grabe« gestürzt.

Insektenplage im Mississippidetta.

Das Mississippideltal wird gegenwärtig von einer Insektenplage heimgesucht. An den Stichen der giftigen Blutsauger, sog. Büffelmücken, sind u. a. schon mehr als 1000 Maultiere ein- gegangen. Der Schaden an dem Viehbestand be­trägt bereits 100 000 Dollars.

Kunst und Wissenschaft.

Frühjahrsneuigkeiten des 2asel-Der!ages.

Dem neuen Werk von Stefan Zweig,Die Heilung durch den Geist", das an den drei großen Beispielen von Franz Anton Mesmer, Mary' Daker-Eddy und Sigmund Freud in das Geheim­nis der wunderwirkenden inneren Kräfte des Menschen eindringt, ist eine stattliche Reih« an­derer wesentlicher Bücher gefolgt Zwei neue □tarnen begegnen uns zuerst: Hubert M um ei­ter schildert in seinem RomanZwei ohne Gnade" das selig-unselige Verhältnis zwischen Oswalt von Wolkenstein und Sabina 2äger. Auf dem,Hintergrund großer politischer Ereignisse, die ju den bewegtesten der Tiroler Geschichte gehören, spielt sich zwischen diesen beiden Men­schen, die dazu bestimmt sind, einander ebenso abzustohen wie anzuziehen, ein erschütternder Liebeskampf ab. 2n seinemBienenroman" hat Georg R e n d l das Leben der Bienen beschrieben, ein Leben, das uns in der Phantastik seiner Vorgänge und Zustände in Erstaunen und Ehr­furcht versetzt. Albrecht Schaeffer erfreut seine Gemeinde mit zwei neuen Büchern, einer Samm­lung seiner Gedichte aus den 2ahren 1915 bis 1930 und einer mit 37 Bildtafeln geschmückten monographischen Darstellung des Verhältnisses zwischen 'Roh und Reiter. Rudolf Alexander Schröder schenkt uns fein erstes Prosawerk Der Wanderer und die Heimat". Alfred Mom- b e r t seht seine großen kosmischen Gesichte in dem DramaAiglas Tempel" fort. 2n Johannes Bühlers BuchDas erste Reich der Deutschen. Von der Völkerwanderuntz bis zur Reformatton" lernen wir das innerste Wesen eines der gtor« reichsten- Zeitalter der deutschen Vergangenheit, feine politischen und kulturellen Lebensmächte, kennen. Aus dem fremdsprachigen Schrifttum er­scheinen Dirgina Woolf und Aldous H u x I e h mit zwei neuen Romanen:Die Fahrt zum Leuchtturm" von Virginia Woolf spiell, wie alle Werke der berühmten englischen Dichterin, im Sinnlich-Äebersinnlichen, in einer Sphäre, in der es zwischen Traum und Bewußtsein kaum noch eine Grenze gibt; in dem RomanZwei oder drei Grazien" von Aldous Huxley sind die Vor­züge des Dichters: Ironie, unerbittliche Diagnose und unerhörtes Wisien um menschlich« Hinter­gründe vereinigt. Die neue Reihe der Zwei- Mark- Fünfzig-Bücher bietet wertvolles Gut des gegenwärtigen Schrifttums in bester Ausstattung. Es sind erschienen: von Ricarda HuchDer große Krieg" (in einer^geEürgten Ausgabe), von Stefan ZweigQlmor unß derPallieter" von Felix Timmer nra n s.

kirchliche Nachrichten

Ifraelitifche Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 2. Mai. Vor­abend 7.30 Uhr; morgens 8.30; abends 8 unb 8.40 Uhr.

Ein Wink fürs Kaffeekochen: Bohnen belfer ausnutzen- Natürlich mil

Damit holen Sie alle Kraft und Würze aus den Bohnen.

Sie werden Raunen, was das bißchen We-foyw ausmacht!