Ausgabe 
1.5.1931
 
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Frankrsich verbiete es im Namen Les geheiligten" Versailler Vertrages Frankreich breit« seine Fangarme über Rumänien, Polen, vüdflawien unS d« Tschechoslowakei aus und wolle sein« Hegemonie in Europa durch Aus­dehnung seines Einflusses so erweitern, dah ein Schuh, der irgendwo abgefeuert werde, in Paris Widerhalle. Solle Englands 3-ugenb etwa in den Krieg ziehen und sterben, damit Frankreich seine Hegemonie behalte oder damit die Zoll- Vereinigung Zustandekommen? Für einige möge der Völkerbund eine Fackel sein, die den dunklen Pfad der Menschheit erleuchte, für andere aber ein« g adel, die jeden Lag das euro­päische Pulverfaß in Brand stecken könne. Als Amerika dem Völkerbund nicht beitrat, hätte England dasselbe tun sollen. Genf bedeute Gefahr für das englische Weltreich. England müsse sich aus Europa zurück- ztehen. Das Herz des Weltreiches liege in London und nicht in Genf.

Amerika

und die Reparationen.

Wird Hoover die Initiative für eine Revision ergreifen?

London, 30. April. (TU.) 3n diplomatischen und finanziellen Kreisen, so meldet derDaily Telegraph", legt man der bevorstehenden Be­sprechung des amerikanischen Botschafters in Ber­lin, Sackett, mit Präsident Hoover und dem Staatsdepartement in Washington grohe De- deutung bei. Man glaube, dah der 'Botschafter im Ramen von Dr.Drüning und Dr. E u r t i u s der amerikanischen Regierung die Ditte unterbreiten werde, Amerika möge die Initiative ergreifen, eine internationale Aussprache über die Erleichterung der Lasten des Voungplanes herbeizuführen. Deutschlands stärkster Beweisgrund sei, dah die Erhöhung des Goldwertes und der Sturz der Preise die Lasten der Reparationen und auch aller internationalen Schulden um 30 v.H. er­höht habe. Unter diesen Umständen sei es ganz richtig, dah Deutschland zunächst an die größte Gläubigermacht und den Besitzer Des größten Goldvorrats herantrete, um sich dessen Mitarbeit zu vergewissern.

Paris wird hellhörig.

Das Echo der Luther-Rede.

Paris, 30. April. (TU.) Die Red« des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther auf der Generalversammlung der Reichsbank hat in der Pariser Presse ein sehr lebhaftes Echo gesunden. Sie wird von sämtlichen Blättern in großer Aufmachung wiedergegeben und allgemein als die Einleitung eines neuen scharfen Propagandafeldzuges gegen die Re­parationen angesehen. DasJournal" wirft die Frage auf, ob diese Ausführungen die Informationen bestätigten, nach denen die Reichs­regierung nicht den Monat Juni vorübergehen lassen werde, ohne die gesamte Reparationssrage oufzurollen. In diesem Zusammenhang zeigt man sich in französischen Kreisen auch über dur Be­sprechungen beunruhigt, die Dr. Brüning und Dr. Curtius in der letzten Zeit mit dem ame­rikanischen Botschafter in Berlin hatten und in denen man den Versuch der Reichsregierung erblickt, Amerika an der Revision der Reparationen zu inter­essieren.

Das Rennen

um die Präsidentschaft.

Maginot als Kandidat der Rechten. Was tut Briand?

Paris. 30. April. (WTB.) Die französischen Rechtsparteien beabsichtigen, roteLa Röpublique" berichtet, mit Kriegsminister MaginoCals Haupt­kandidaten in den Kampf um die Nachfolge Dou- mergues zu gehen. Um die Kandidatur und den Sieg Maginots sicherzustellen, leiteten die Rechtsparteien bereits den Kampf gegen den ebenfalls rechts stehen­den Kandidaten, Senatspräsidenten D o u m e r, ein. Zu der Frage einer Kandidatur B r i a n d s schreibt die politisch-literarische WochenschriftGringoire", daß die Freunde des Außenministers bereits seit einiger Zeit einen sehr starken Druck auf ihn aus- übten, um ihn zur Annahme der angebotenen Kan­didatur zu bewegen. Sie machen geltend, daß Briands Wahl die Krönung einer langen herrlichen Laufbahn wäre, und daß nidjts der Sache des Friedens mehr dienen könnte als feine Wahl im Elyfee. Briand würde sich als Präsident der Republik genau wie bisher für das Werk und und die Arbeiten von Genf interessieren können, ja, sogar noch imstande sein, am 15. Mai in Genf zu erscheinen, da er ja offiziell das Amt des Präsidenten erst einen Monat später übernehmen würde.

Neues Sckeinurteil oegen polnische Aufständische.

Rhbnik, 30. April. (WTB.) Dor Der Straf­kammer fand die Verhandlung gegen acht Aufständische statt, die der Mißhand­lung des deutschen Stadtverordnetenmitgliedes von Schrau, des Redakteurs und Druckereibesihers Hunold beschuldigt wurden. Hunold war am 29. Oktober vergangenen Jahres zur Zeit des Wahlkampfes beim Verlassen einer Stadtverord- netensihung von 15 Aufständischen überfallen und auf das schwerste mißhandelt worden. Infolge der erlittenen Verletzungen war er län­gere Zeit an das Krankenbett gefesselt und ist auch heute noch nicht voll arbeits­fähig. Rach fünfstündiger Verhandlung verur­teilte das Gericht einen der Angeklagten zu d r e i MonatenGefängnis und zur Zahlung von 1000 Zloty Entschädigung an den Mißhan­delten. die übrigen Angeklagten wur­den mangels ausreichenden Beweismaterials freigesprvchen. Der Verteidiger des Ver­urteilten hat gegen das Urteil Berufung ein­gelegt.

Oer Aufstand auf Madeira.

London, 30. April. (TU ) Rach britischen Meldungen über die Lage auf Madeira ist den Aufständischen vom portugiesischen Kriegs­minister auf die Intervention des Bischofs von Madeira hin eine 24stündige Verlängerung des Ultimatums gewährt worden, um die Tür zu einer friedlichen Beilegung des Konfliktes vsfenzuhalten. Die Aufständischen seien an sich bereit, sich zu ergeben, jedoch nicht be­dingungslos. Di« Verhandlungen gehen also

Polizei und Verwaltung vor dem Landtag.

Darmstadt, 30. April. (WHP.) Einzelberatung des Haushalts des Innenministeriums.

Abg. Lorenz (Soz.) beschäftiot sich mit der Frage der Preisreform. Durch den heutigen Zustand würden viele Gebiete benachteiligt und die Schäden einer eventuellen Reform stünden dazu in gar kei­nem Verhältnis.

Aba. Angermeier (Komm. Opp.) bezeichnet die Kreis- und Provinzialoerroaltungen als eine Versorgungsanstalt für höhere Beamte".

Abg. Schott (DVP.) fordert, daß den Kreis- ämtern mehr Aufgaben übertragen werden als das jetzt möglich. Es fei nicht notwendig, daß jede Feuerwehr, und Friedhofssatzung, jede Polizeioer­ordnung erst durch das Innenministerium laufen müsse. Eine Aenderung verschiedener Kreisgrenzen sei angesichts der veränderten Derkehrsverhältnisse notwendig.

Abg. Böhm (Dntl.) kritisiert die hohen Gehäl­ter verschiedener Berufsbürgermeister. Hier würden mit den Aufsichtsratstantiemendicke Minister­gehälter" bezahlt.

Innenmini st er Leuschner erklärt, zur Selbstverwaltung der Gemeinden gehöre auch die Festsetzung der Bürgermeistergehälter. Im Vergleich zu 1914 sind bei den Kreisoerwaltungen keine höhe­ren und nur 7 mittlere und 14 untere Beamte mehr eingestellt worden. Das bedeutet angesichts der ver­kürzten Arbeitszeit und der vermehrten Aufgaben eine Arbeitsbelastung der meisten Beamten bis zur Grenze der Leistungsfähigkeit. In der Preisreform hat mir der Landtag die Hände gebunden, doch hoffe ich, daß mein Standpunkt bald als richtig auch von den jetzigen Gegnern anerkannt wird.

Abg. Storck (Soz.) erklärt, die Notverord­nung habe bisher keine Erleichterung für die- Polizei gebracht. Staatsfeindliche Beamte, wie Nationalsozialisten und Kommunisten, könnten in der Polizei nicht bleiben. Abstriche am Polizei­etat, an den Führerstellen und der technischen Ausbildung lehnten die Sozialdemokraten ab.

Abg. Dr. Müller (Lbd.) hält dem Minister die Vorgänge in Thüringen vor, wo die am­tierende Partei die ihr genehmen Leute in die Polizei genommen habe, wie das in Hessen von der Sozialdemokratie betrieben werde. »Diese Ein­stellung müsse bei einem Kurswechsel zu bedenk­lichen Konsequenzen führen. Daher beantrage er, dah den Polizeibeamten Die Zugehörig­keit zu jeder Partei verboten wird.

Abg. Frl. Birnbaum (DVP.) hält bi« For­derung nach Einrichtung der weiblichen Polizei in Hessen besonders für die gefähr­det« Jugend aufrecht, wenn auch angesichts der Finanzlage in diesem Jahre ein Fortschritt nicht zu verzeichnen ist.

Abg. Kunkel (DVP.) fordert vom Innen­minister angesichts der wiederholten Zusammen­stöße in Worms erneut ein Umzugsverbot.

Abg. Dr. Werner (Ratsoz.) liest Zeitungs­ausschnitte über die sonntäglichen Ueberfälle auf die Nationalsozialisten in Worms vor. Diegrohe

Koalition" habe die Große Anfrage zur Polizei im Landtag unmöglich gemacht. Die Polizeischita- nen in nationalsozialistischen Versammlungen sucht die Regierung, die sie anbefohlen hat, auf unter­geordnete Beamte abzuschieben. Trotz aller geg­nerischen Anwürfe lasse sich die NSDAP, von ihrem Weg, auf legalem Wege die politische Macht zu erringen, nicht abbringen.

Abg. Hainstadt (Zentr.) erklärt: Der gesamten Polizei gebühre für ihr ftaatstreues Verhalten wärmster Dank. Mängel seien das Fehlen der Lauf­bahn-Richtlinien und Die geringe Zahl von Führer­stellen. Anerkennung verdiene die Mühe des Mini­steriums zur Unterbringung der Versorgungs­anwärter.

Abg. Dr. N i e p o t h (DV.) hält die Polizei als Machtmittel des Staates für gerechtfertigt. Die Volks­partei habe stets für die beste Ausrüstung der Polizei alle Mittel bewilligt, fordere aber auch unpar­teiischen Einsatz gegen alle Parteien. Es darf nicht das Gefühl auftreten, daß Teile des Volkes Staatsbürger zweiter Ordnung sind. Es ist leichter, zu erklären, die Polizei ist nicht in der Lage, große Aufmärsche im notwendigen Umfange zu schützen und verbietet deshalb alle De­monstrationen, als Umzüge zu genehmigen, die zu schwerem Blutvergießen führen. Ich bitte, gerade mit Rücksicht auf die Wormser Vorgänge, um solche vorsorgliche Maßnahmen. Wir vermuten, daß aus dem vorjährigen Betrag von 700 000 Mark für Uebergangsgebührnisse' noch stille Reserven vor­handen sind.

Innenminister Leuschner erklärt: Durch Umorganisation Grohreviere in Darm­stadt, Gießen, Offenbach, demnächst in Mainz, Zusammenlegung der Schupo-Abteilung von Friedberg und verstärkte Technisierung ist die Schlagkraft ünd Schnelligkeit der Polizei durch­aus auf der Höhe, so dah wir wirksam überall da eingreifen können, wo es notwendig wird. Be­züglich der sportlichen Betätigung steyt die hessi­sche Polizei in Deutschland an erster Stelle. Ich bin durch meine Erfahrungen nicht zu dem Er­gebnis gekommen, dah die Nationalsozialisten so verfassungstreu und legal arbeiten, wie das Abg. Werner glaubt darstellen zu formen. Erst seit dem Auftreten der Nationalsozialisten traten Gummiknüppel, Revolver und Schlagring in die polisische Diskussion. Sogar die Fahrradschlüssel find, wie Sie hier sehen, zu Schlagringen DRPa." ausgearbeitet. Diese Schlüssel sind Ra­tionalsozialisten abgenommen worden. Bei der Wiederholung von Vorgängen, wie sie am Sonn­tag in Worms zutage traten, werden alle polizei­lichen Mittel eingesetzt werden. Eine Republik darf in ihrem Machtinstrument keine staats- und regierungsfeindlichen Elemente dulden. Ueber die Spionageversuche der Kommunisten und der R. S. D. A. P. in unserer Polizei sind wir genau im Bilde.

Weiterberatung Dienstag.

weiter. Die neutrale Zone, die aus den drei internationalen Hotels in Fun- chal besteht, wird von Seesoldaten der vor Fun- chal liegenden britischen KreuzerLon­don" undCurlew" geschützt. Der Marine­minister, der die Operationen der Regierungs- tvuppen gegen Madeira leitet, teilt mit, dah die Regierungstruppen, ohne auf Widerstand zu stoßen und ohne die Hilfe der Kriegsschiffe in Anspruch nehmen zu müssen, auf Madeira gelandet sind und die im Operationsplan vorgesehenen Stellungen bezogen haben.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichskanzler bat bejn Arbeits­ausschuß deutscher Verbände telegra­phisch seine ausrichtigen Glückwünsche zu seinem zehnjährigen Bestehen übermittelt. Auch der Reichs­minister des Auswärtigen hat dem Arbeitsausschuß deutscher Verbände telegraphisch unter warmer An­erkennung der im verflossenen Jahrzehnt geleisteten Aufklärungsarbeit die besten Wünsche des Auswär­tigen Amtes für weitere Erfolge im Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit für das deutsche Volk übermittelt.

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Das Schöffengericht Charlottenburg verurteilte den Reichstagsabgeordneten Dr. Goebbels unter Freisprechung von der Anklage des Ver- ?ehens gegen Paragraph 163 wegen off ent- icher Beleidigung in dr ei Fällen, wegen öffentlicher Beleidigung und Übler Rach- rebe in zwei Fällen und wegen übler Rachrede in drei Fällen zu insgesamt einem Monat Gefängnis und 1500 Mark Geldstrafe.

Im Braunschweigischen Landtag ist der Gesetzentwurf über Aufhebung des 1. M a i als gesetzlicher Feiertag mit 20 gegen 18 Stimmen angenommen worden.

Bei der Wahl des Präsidenten des österreichischen Rationalrats erhielt im ersten Wahlgang keiner der vier Kandidaten die absolute Mehrheit. Im zweiten Wahlgang wurden 147 Stimmzettel abgegeben, von denen 61 leer waren. Auf Dr. Renner (Soz.) ent­fielen 68, auf Dr. Ramek (Chr.-Soz.) 18 Stimmen. Dr. Renner ist somit zum Präsidenten des Rationalrates gewählt.

Der bisherige spanische Botschafter in Berlin, Dr. Espinoza des los Monteros hat mit dem Rordexpreh Be rli n verlassen, um sich nach Madrid zu begeben. Im Ramen deS Reichspräsidenten überbrachte Staatssekretär Dr. Meissner die herzlichsten persönlichen Abschieds- grüße. Für den Reichsminister des Auswärtigen sprach StaatSsekvetär von Bülow herzliche Worte des Abschiedes.

Mehrere Mitalieder des linken Flügels der Ar­beiterpartei versuchten im englischen Unter- Haus eine Debatte über das Alton s-XIII. von Spanien in England gewährte Asylrecht herbeizu- führen. Als Abg. Hardie fragte:Welches wird die Stellung des Herrn Bourbon fein, der früher in Madrid wohnte?", griff der Sprecher ein. Fenner- brock machte darauf aufmerksam, daß mehrere An­fragen wegen des Aufenthalts Alfons XIII. in Eng­land von der Liste gestrichen worden seien. Als Kirkwood Alfons XIII. alsMörder meiner Klasse" bezeichnete, drohte der Sprecher, gegen ihn ein­zuschreiten, falls «r sich nicht anständig benehme.

InderrumanischenKammer verlas Mini- [terpräfibent Iorga die Regierungserklärung, in der es zum Schluß heißt, daß die Regierung eine Zu­sammenarbeit mit dem gegenwärtigen Parlament angesichts ihreS Programmes als unmöglich be­trachte. Im Anschluß hieran verlas Iorga ein Dekret, wonach das Parlament aufge­löst und der Termin der Reuwahlen für die Kammer auf den 1. Juni und für den Senat auf den 4. Juni festgesetzt wird.

In einem offenen Brief an die Regierung und die Bevölkerung wenden sich die polnischen Beamtenverbände, die etwa 180000 Mit­glieder umfassen, gegen die 15prozentige Herabsetzung der De am te'n g e h ä l te r. Diese wird darin als einseitige und ungerechte Maßnahme bezeichnet, die keineswegs geeignet sei, die Lage der Staatsbeamten z i verbessern; die Beamten erwarten deshalb die Aufhebung dieser Verfügung.

Aus aller Welt.

Surdjtbare SkploslonSlatastrophe in einem brasilianischenMrtnelaboratorlum

Bei einer Explosion im Marinelaboralorlum von Niclheroy sollen 2 0 0 Angestellte getötet oder verletzt worden sein. Das Laboratorium sowie ein benachbartes Gebäude find gänzlich 3 e r ft ö r t. Die Explosion fand vermutlich im Tor­pedoladeraum statt. Niclheroy liegt an der Rio-Bay, direkt gegenüber von Rio-Stabt. Das Hospital war schnell überfüllt, so daß eine große An­zahl der verletzten in Barkassen nach Rio-Stadt ge­bracht werden muhte. Die endgültige Zahl der durch die Explosionskatastrophe Getöteten festzustellen ist noch nicht möglich. Die fieberhaft arbeitende Ret­tungsmannschaft hat während der Nacht wieder neue Leichen aus den Trümmern geborgen, die bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt waren. Die Ex­plosion war so heftig, daß die Opfer über eine halbe Meile weit fortgeschleudert wurden.

Die Eisenbahnkatastrophe in Aegypten.

Die Zahl der Todesopfer bei dem gemelde­ten Brand in dem fahrenden Zug hat sich auf 4 6 erhöht. Herzzerreißende Schilderungen werden von den Ueberlebenben gegeben. Unter den Toten am Wege des Unglückszuges liegen zahlreiche Kinderleichen. Die Kinder wurden von ihren vor Schrecken wahnsinnig gewordenen Eltern aus den Fenstern des fahrenden Zuges geworfen. Die meisten der Leichen find so verbrannt, daß es un­möglich ist, sie zu identifizieren. Der Brand war so heftig, daß selbst die Telegraphenleitun- gen am Wege Feuer gefangen haben. Die Verbindung Mit Kairo war rund eine Stunde gestört.

Das Erdbeben in Armenien.

Das Erdbeben, dessen eigentlicher Herd in der Republik Rachitschewan liegt, wurde auch in TifliS und in Eriwan verspürt und hat sich auf große Gebiete von Armenien und Aserbeidschan erstreckt. Im letzteren Gebiet sind bisher 2 2 0 Tote und über 200 Ver­letzte identifiziert worden, in Rachitschewan 160 Tote und 500 Verletzte. Llnermeßlich ist der Ve r- lu st an Vieh, wovon die kaukasischen Gebirgs­völker besonders hart betroffen wurden. Der Be­völkerung hat sich eins Panik bemächitgt. Die Hilfe, die die örtlichen Sowjets leisten können, reicht nicht aus. um auch nur die Obdachlosen zu

bergen. Da fast gar keine Medikament« vorhanden sind, wird der Ausbruch von Seuchen befürchtet. Die Erdstöße waren so stark, daß auch in dem vom eigentlichen Herd weit entfernten Eriwan Mauerrisse entstanden sind.

Dürre in Arabien.

Rach Meldungen aus Dasrah sind Hunderte von Nomaden in den Steppengebieten Süd-Syriens und Zentral-Ara- biens infolge der Trockenheit verdurstet. Große Viehherden sollen eingegangen sein. Infolge der Trockenheit sind viele Quellen voll­ständig versiegt. Man befürchtet, daß nur die Romadenstamme, die bereits die tieferen Quellen oder die noch Wasser führenden Flüsse erreicht haben, den Sommer überstehen werden. Die Re­gierung ist aufgefordert worden, W a s s e r f ä s - ser und Getreidesäcke auf Lastkraftwagen zu den Stämmen zu entsenden oder aber in die, weiter entfernt liegenden Gebiete einen Flug- zeugtransport einzurichten, um der Rot der Rornaden zu steuern.

Cllh Beinhorn über Berlin.

Irn Flughafen Tempel Hof hatten sich Tau­sende von Berlinern eingeiunben, um die junge 2sirikasiiegerin Clly Beinhorn bei-ihrer Heim­kehr in Berlin zu begrüßen. Vom Iikbel deo unübersehbaren Menge begrüßt, landete die Fliegerin im Flughafen Tempelhof. Reichsver- kehrsminister v.Guerard begrüßte C.ly Bein­horn namens der Reichsregierung. Er nannte ihren Flug eine Großtat der deutschen Fliegerei und beglückwünschte die Fliegerin zu ihrer Lei­stung. Als das Flugzeug in der Rähe des Flugsteiges Halt machte, wurde die Schutzkette vom Publikum durchbrochen und alles stürmte zum Flugzeug, um der Fliegerin zuzujubeln. Rur mit Mühe gelang es ihr, aus dem Flugzeug herauszusteigen. Rach der Begrüßung wurde daS Flugzeug, das über uni) über mit (Blumen bedeckt war. weggeschoben und der Flugplatz geräumt. Auf dem Wege zum Flughafen­gebäude wurden der Fliegerin von neuem be­geisterte Ovationen dargebracht. In einem be­sonderen Raum gab der Aeroklub ihr zu Ehren einen Tee.

Schwerer Raubüberfall.

Ein Viehhändler von Polch (Eifel) wurde auf der Straße zwischen Kehring und Düngen­heim von drei Burschen überfallen. Sie banden ihn an einen Daum, stopften ihm «in Tuch in den Mund und raubten ihm s-rine Barschaft von 4000 Mark. Leute aus der Nachbarschaft fanden den inzwischen ohnmäch­tig gewordenen Händler und befreiten ihn von seinen Fesseln. Don den Tätern fehlt jede Spur.

lleberfall auf eine Polizeistreife in Berlin.

Im Stadtteil Reinickendorf-Ost wurde gegen 3 Uhr eine Polizeistreife von etwa fünf bisher noch unbe­kannten Tätern beschossen. Hierbei wurde ein Polizeioberwachtmeister durch einen Schuß in die linke Brust schwer verletzt und mußte dem Polizeikrankenhaus übergeben werden. Als mtit- maßliche Täter konnten bisher vier Personen fest- genommen werden.

Rtunitionsdiebstahl auf einem polnischen Bahnhof.

Von einem Munitionstransport, der von einem Gefreiten und zwei Mann begleitet war, wurden auf dem Bahnhof Czenstochau, zwölf Ki­sten mit Handgranaten gestohlen. Ein Zivilist hatte die Transportbegleiter zum Trin­ken eingeladen, und während sie im Warte­saal saßen, wurde der Diebstahl ausgeführt. Man vermutet, daß es sich bei den Tätern um Kommu­nisten handelt.

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Wettervoraussage.

Ueber Zentraleuropa erstreckt sich der hohe Druck, der gestern von Westen her seinen Weg genommen hat als geschlossener Kern. Infolgedessen wird auch unsere Wetterlage durch ihn bestimmt, was zur Auf­lösung der Wolkendecke und zu trockenem Wetter ge­führt hat. Dabei wird namentlich tagsüber die Ein- strahlung zu Temperaturanstieg führen. Weiterhin lagert über dem Nordmeer das gestern schon erkenn­bare Tiefdruckgebiet. Es besteht die Möglichkeit, daß durch den Druckfall bei dem Herantransport ozea- nischer Luftmassen über dem nördlichen Deutschland sowie unserem Bezirk Störungsbildungen auftreten, die teilweise einen gewilterhaften Charakter an- nehmen.

Aussichten für Samstag: Anfangs ftel- lenroeife dunstig, sonst vielfach aufheiternd, später mehr wölkig und Neigung zu geroitterartigen Nieder, schlügen, tagsüber wärmer.

Aussichten für Sonntag: Fortdauer der Neigung zu Gewitterstörungen und teils wolkig teils aufheiternd.

Lufttemperaturen am 30. April: mittags 7,9 Grad Celsius, abends 5 Grad: am 1. Mai: morgens 3,5 Grad. Maximum 9,5 Grad, Minimum 0,6 @ratn