Ausgabe 
31.12.1930
 
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Nr. 305 viertes Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)

Mittwoch, 31. Dezember 1930

Der Verlauf der Sitzung

Zuschuß von 3000 M k. auch

Gießener hochfchulgefellfchaft

7. Fortsetzung.

Nachdruck verboten.

wenn sie mit ihm zu­

sammen war.

an der der Mann einer

l i g t den für 1 931.

Die

Vorsitzende. Oberregierungsrat Ritzel, weist m ferner einleitenden Ansprache aus den großen Ernst der Zeit hin, erinnert an die um­fangreiche Arbeitslosigkeit und betont Den $tianra zur größten Sparsamkeit im Interesse des Kreises und der Steuerzahler. Diesem Erfordernis Rechnung tragend habe er im Einvernehmen mit dem Kreisausschuß den Voranschlag für 1931 mit stärkster Sparsamkeit aufgestellt. Jetzt sei auch nicht Zeit für Agi- taklonsantrage oder -reden, sondern es handle sich letzt nur darum, die Gewähr zu schaffen, daß der-Kreis über die gegenwärtige Krise hinweg- gebracht werde. Sodann gibt er

Veränderungen im Kreistage &cfannt Die Herren Rommersheim, Langs­dorf, Müller. Dellersheim. D e d in a n n, ®ic- DfH, und Haas. Steinberg, die seinerzeit in den Kreisausschuß gewählt wurden, haben ihre Kreistagsmandate niedergelegt. Als Rachfolger sind in den Kreistag eingetreten die Herren Schäfer. Hungen. Sehrt. Steinbach. Ger­mer. Heuchelheim, und Schöne. Lich.

Don 30 Kreistagsabgeordneten sind 29 anwe­send. ein Mitglied fehlt entschuldigt wegen Er­krankung.

TicNcchnungvcrKrcistafseunddcrVcrwal. tungsbcricht des Krcisausjchuü'cs für 1929 toctöcn ohne Erörterung einstimmig genehmigt. Die Rechnung für 1929 verzeichnet in der De- triebsrechnung 691 577.51 Mk. Einnahmen und 677 786.26 Mk. Ausgaben, mithin einen Heber- schuß von 13 789.25 Mk., in der Vennögens- rechnung eine Einnahme von 298 832.29 Mk eine Ausgabe von 90 855.70 Mk.. mithin einen baren Rest von 207 976.59 Mk.

Aorma erwähnte ihrem Gatten gegenüber nichts von der Rotiz in der Zeitung. Sie tat so. als sichte sie wenige Wochen vor Abschluß der Saison nicht mehr an den Streit, und hatte ein freundliches Gesicht,

3a die Eifersucht wollte sie in ihm zur glühenden Flamme entfachen. Spielen wollte sie eine Rolle, die ihr am besten lag! Eine Rolle, bei der sie sich selbst sogar gut unterhalten würde.

Die erste Gelegenheit dazu sollte sich bald bieten.

Kommissionsrat Schumann, der Direktor des neuen Zirkus, der in der Gesellschaft eine be­deutende Rolle spielte, veranstaltete mit' seiner Gattin Olli), die als junge, elegante Schulreiterin eine gute Figur machte, einvenetianisches Früh­lingsfest" in seiner prachtvollen Dilla in Dahlem, die von einem wundervollen, aufs reizvollste angelegten Park umgeben war, dessen besondere Sehenswürdigkeit ein zwischen hohem Daumbe­stand romantisch eingebetteter Teich bildete. Immerhin so groß, daß man darauf kleine Spa­zierfahrten unternehmen konnte.

Alles, was in der Welt des Theaters, des Films, der Kunst und an der Börse Halbwegs einen Aamen hatte, war natürlich dazu eingc- loden, und wenn auch nicht alle kamen, so pflegten diese Feste doch immer Veranstaltungen von wir­kungsvollem, gesellschaftlichem Gepräge zu sein.

Hubert, du wirst mich doch diesmal nicht allein gehen lassen", sagte Rorma am Tage vorher zu ihrem Gatten.

Er hatte keine große Luft, mitzukommen, aber er wußte, es wurde schon heimlich hier und da über ihn und Rorma getuschelt, besoirders seit­dem diese Affäre am Theater vorgefallen war. Es war vielleicht gut, wenn er sich mit Rorma wieder einmal im gesellschafllichen Trubel sehen ließ. Die bösen Zungen, von denen er kein Freund war, schwiegen dann vielleicht wieder für eine Weile, und die Xillzu galanten Derehrer seiner

nicht noch mit dem Zuschuß für das Theater be­lasten könne, dem zu empfehlen fei, seinen Haus­halt durch Erhöhung der Eintrittspreise auszu- gleichen. Abgg L ch u d t ( St. Vp >, Gießen, KreiS- auSIchußmitg.ted Denner (Soz), Wiesed. Abg. Homberger (Soz.), Gießen. Abg. Dr Katz (Dem.), Gießen und Oberregierungsrat Ritzel nehmen gegen den Landbundanirag Stellung und setzen sich nachdrücklich für die Bewilligung der 3000 Mk. ein. In den Ausführungen dieser Redner wird die wirtschaftliche Rotlage des Ltadttheaters betont, die enge Verbundenheit diese« Kunstinstituts der Stadt Gießen mit den Landvrten des Kreises hervorgehoben und dabei u. a. darauf hingewiefen. daß da» Gießener Theater bisher Vorstellungen in Lich. Großen- Linden. Wiesed gegeben habe und am Reujahrs­tage auch in Heuchelheim spielen werde: weiter wird dem Spietplan des Theaters, der durchaus nicht von leichtem und seichtem Stoff beherrscht werde, volle Anerkennung gezollt und der Wille der Theaterintendanz zu weitgehendster Rück­sichtnahme auf die Wünsche der Theaterfreunde betont; schließlich wird auch erwähnt, daß die Intendanz des Theaters sich bei der Reichsbahn energisch um die Schaffung befferer Zugver­bindungen für die Theaterbesucher vom Lande bemüht habe und weiter bemühen werde, und endlich wird auch auf die enge Verbundenheit des Gießener Theaters mit der Landesuniversi­tät und auf feine hohe Bedeutung für die Kulturarbeit in Oberheffen Hingewi, s.n In der Abstimmung tritt eine Minderheit, bestehend aus den Landbundabgevrdneten und dem Kommu­nisten Abg. Lepper, Gießen, für die Strei­chung des Zuschusses ein, die Mehrheit des Hauses, bestehend aus den Abgeordneten der Deutschen Volkspartei, der Wirtfcyaftspartci, der Demokraten und der Sozialdemokraten, bewil-

lich waren, cm Umstand, den man heutzutage bei bem allgemeinen Steueraufbau der Verwaltungen mit besonderer Anerkennung unterstreichen muß.

Der interessanteste Punkt der DoranschlagS- beratung war die Aussprache über den 3u- f u ß an das G ießener Stadttheater Gegen diese Deihilse wurde von den Vertretern des Landbundes unter dem Eindruck der allge­meinen Wirtschafts- und Finanz not Widerstand geleistet, erfreulich berührte jedoch dabei der nach- druckliche Hinweis der Landbundsprecher, daß fte an sich durchaus nichts gegen das Gießener Theater einzuwenden hätten, sondern nur finan­ziellen Erwägungen folgten. Der Zuschuß wurde nach längerer Aussprache genehmigt und damit eine Tat geleistet, die dem Kreistag sicherlich nicht zum Vorwurf gereichen wird. Demerkens- wert war auch die nochmalige Behandlung des Falles Kautz, der heute für den Kreistag erledigt wurde, ohne daß es allerdings möglich gewesen wäre, von den fehlenden 70 000 Mark irgendetwas wieder für die Kreiskasse zu erlangen.

Im ganzen gewertet, hat der Kreistag mit feiner heutigen Doranschlagsgestaltung gute Arbeit geleistet.

Bewegung. Sein Gesicht verriet den Polen. Leidenschaft vibrierte darin.

Er verneigte sich tief vor Rorma und küßte ihr die Hand. Es war ein Kuß, der länger als nötig dauerte. Dann verbeugte er sich vor Wörde- hoff mit großer Liebenswürdigkeit. Der nickte freundlich. Sah dann ruhig zur Seite.

Barnowsky verstand gut und temperamentvoll Unterhaltung zu machen. Sein junger Ruhm nang in feinen Worten. Und in feinen Augen funkelte es, wenn er Rorma ansah

-Herr Wördehvff Sie gestatten, daß ich Ihre Frau Gemahlin zu dem wundervollen Boston den da drinnen die Jazzband gerade spielt, in die Arme nehme?"

Rorma lachte belustigt und legte vertraulich. die Hand in seinen Arm.

Qlber ja, übrigens bin ich doch kein HaremS- wachter", antwortete Wördchoff ruhig lächelnd. ,,mcine_ <ttau wird Ihnen dankbar sein. Ich tanze nämlich sehr ungern.

Barnowsky schritt mit Rorma davon.

Buchholtz, der ebenfalls auf der Terrasse bei Der Gruppe saß, schmunzelte leicht. Aber es war em feines, verhaltenes Zucken um feine Lippen.

..Man kann Sie nur immer wieder um Ihre grau Gemahlin beneiden. Herr Wördehvff." t Vuchholy kaum. Ebenso, wie man

sovtele Menschen in der Gesellschaft kennt, ohne zu wissen, wer und was sie eigentlich sind.

Er lächelte also pflichtgemäß.

öielt es ihn nicht länger mehr im Sessel, rs^'tand auf um in den Garten zu gehen. A "ang gedampft die weichere und harmo­nischere Musik des Salonorchesters.

Langsam wanderte er die Wege unter den ^tlang. Hier und da begegnete er einemJBefannten und sprach mit ihm eine Weile. A' Teich tummelten sich einige Gondeln. 5)a ergoöte die junge Welt, soweit sie noch Nicht vom Tanzfieber allzu sehr ergriffen war. inÄ>kr.?!?lmcL to2=r tiefdunkel geworden. Zahl­los funkelten die Sterne.

^tte lange allein auf einer Dank

J.n hineingeträumt. Eine

Sälna^et?' nach Ruhe vor diesem gc-

Selben erfüllte ihn, das nur ge­dampft bis hierher drang.

3a das war die alte Sehnsucht!

des Dichters nach Beschaulichkeit, dem heraus er schassen kvniite. Die laute Welt et kannte sie genug! schreckte er zusammen.

3^? das nicht das Lachen Rormas?

Er lauschte.

.(Fortsetzung folgt.)

~ , Gießen, 30. Dezember 1930.

x Gießener Kreistag trat heute . c- dem Vorsitz von Oberregierungsrat Ritzel im yiengen Regicrungsgebäude zu einer Sitzung zusammen, m deren Mittelpunkt die Beratung .u*r Genehmigung deS H a u s h a 11 s v o r a n - schlags des KreiseS Gießen für das ^n!urnUn0t,£&r 1931 stand. Mit der Fer- tigstellung und Verabschiedung öiefe» Voranschlag ??K?nViOnröc mAblaufdesKalender- VL?JniJtxl 9 3 ? 'lt eine Steuerung im ganzen ^Ä^^nde zutage getreten, die von hier aus vielleicht beispielgebend auch für andere Ver­waltungen werden dürste. Diese frühzeitige Fer- tigstellung deS Voranschlags ist besonders um DeStoiHen begrüßenswert, weil dadurch den Landgemeinden eine gute Grundlage für die (l5.rr,,Ortlid)cn Haushalte, soweit diese auf den Beschlüssen des Kreises aufbauen müssen, gegeben wird. Ter Voranschlag mit seiner toirt- |am durchgefuhrten S p a r s a rn k e i t s t e n - de nz macht wie heute auch im Kreistage an» erfannt wurde, einen guten Eindruck, der noch dadurch verstärkt wird, daß unter Beibehal- !^*|C , . bisherigen Verwaltungsleistungen

keinerlei Steuererhöhungen erforder-

eine Senkung der Gebühren vorgenommen wird. Den Beitrag an den

Verein für das Deutschtum Im Ausland

hat der Kreisausschuh von 100 Mark im Vorjahre auf 50 Mark für das neue 3ahr herabgesetzt Abg Schudt (Dt. Dp.), Gießen, beantrag:, dem Ver­ein auch für das nächste Jahr wieder 100 Mk. -u gewähren, der Antrag wird aber gegen einige Stimmen abgelehnt.

Die Kosten für einen Baufontrolleur

in Höhe von 2000 Mk.. die im Rj. 1930 schon ab- gelehnt worden waren, werden auf Antrag des Abg. Klein (Ldbd.s, Klein Linden, nach kurzer Ans prache auch jetzt wieder mit 17 gegen 13 Stim­men abgelehnt.

Die Gewerbeschule Gießen

sollte nach dem Vorschläge des Kreisausschusses statt 1000 Mk. Zuschuß im Vorjahre künftig nur 500 Mk. erhalten. Da an die Handwerkerfchulen in Landgemeinden 800 Mk. gegeben werden fol.ea, beantragt Abg. Schmidt (Wirlschpt.). Giesen, auch der Gießener Gewerbeschule mindestens 800 Mark zu bewilligen. Dieser Antrag wird mit den 16 bürgerlichen Stimmen angenommen.

Ten gleichen Zuschuß wie im Vorjahre 500 Mark soll nach dem Vorschläge des KreiSaus- schusses die

Volkshochschule Gießen

auch im 3ahrc 1931 erhalten. Ein Antrag Hu­ber Klein (Cöoj.) empfiehlt die Zustimmung zu nur 400 Mk. Abg. Fenchel (Lbd), Obcr-Hör- gern, tritt f ü r diesen Anlrag ein, da Sparsamkeit auch hier notwendig sei und für die Kreis-Lehrer- bibliothek auch 100 Mark abgehetzt worden seien. Die Abg. Schudt (Dt. Vp.j. Gießen, und Dr. Katz (5>em.t, Gießen, sprechen sich für die De- willigung vo.i 500 Mk. nach dem Vorschläge des Kre.sausschufses aus, wobei sie den bisherigen Leistungen der Volkshochschule als neutrales und vielseitiges Vvlksbildungsinstttut volle Anerken­nung zollen. Oberie.zierungerat Ritzel unterstützt diesen Standpunlt und gibt ferner namens deS Kreistages der Erwartung Ausdruck, daß die Stadt Gießen die Volkshochschule im städti- scl en Zuschuß nicht weiter z lrückfetzc, sondern sie wieder mit der früheren Beihilfe ausstatte. Die Ac stimmung ergibt Ablehnung des Ql n - träges Huber Klein und Zustimmung der Mehrheit zu einem Zuschußvon500Mk.

Der Zuschuß zum Gießener Skadlkhealer

- in Höhe von 3000 Mk., der im Rj. 1930 erstmalig bewilligt wurde, soll noch dem Vorschläge des Kreisausschusles dem Theater auch für 1931 wieder gewährt werden. Ein Antrag Huber- S ch i e f c r ft e i n (Ldbd.) fordert Streichung dieses Betrages. Kreisau.schußmitglied Dommershsim (Ldbd.), Langsdorf. Abg. Müller (Ldbd.). Bellersheim. Abg. Schaum (Ldbd.), Lang-Eöns und Abg. Fenchel (Ldbo.), Ober-Hölgcrn, treten nachdriid.ich für den Strei­chungsantrag ein, wobei geltend gemacht wird, daß man durchaus nichts gegen das Gießener Sladtthcatcr an sich habe, obwohl heutzutage auf den Bühnen viel leichter und seichter Stoff ge­boten werde, den das Landvolk nicht wünsche, daß man ober in der gegenwärtigen wirtschaft­lichen Rotzeit die Steuerzahler auf dem Lande

5rau,_ die leider eine nur allzu bedenkliche Schwäche für Galanterien hatte, wurden vielleicht doch endlich etwas reservierter.

Freilich ob es wirklich Zweck hatte! Ob Rorma selbst es wünschte? Ach er zweifelte stark daran.

Aber er nickte und antwortete:

-3a, ich komme natürlich mit. Man hält mich sonst am Ende für einen größeren Duckmäuser als ich bin.

-O, das freut mich, Hubert. Es ist auch Zeit, daß du dich wieder einmal sehen läßt. Man hat schon so oft nach dir gefragt.

.So? Sehr schmeichelhaft."

Gr lächelte ironisch.

»Wen also wird man denn da alles begrüßen können?"

.Gott, kannst du dir doch denken. Hollmann wird jedenfalls nicht da sein zu deiner Be­ruhigung. Er schwärmt ja nicht für Zirkusluft. Aber die neuesten Größen vom Film und Brettl, Kollegen von dir, einige Kommerzienräte und die neuesten Modekunstgrößen werden wohl da sein. Ratürlich auch der Sport."

.Aha. Also Herr Barnowsky wohl auch?"

Es klang gleichmütig.

Rorma warf kokett den Kopf in den Racken. »Sicher. Du bist doch nicht etwa eifersüchtig? -Ah red' nicht so, Rorsrna."

Er dachte daran, daß er dem Maler noch nicht das seiner Frau geliehene Geld zurückgeschickt hatte. Er hatte es ihm persönlich bringen wollen. Run konnte es ja geschehen.

Auch Rorma dachte daran. Aber sie vermied es. ihren Gatten zu fragen, ob er bereits die Angelegenheit geregelt habe.

Gs war in der Tat eine intime gesellschaftliche Veranstaltung und eine Tvilettenschau von fei- tenen, apartesten Moden, die dieses Frühlingsfest darstellte. Es begann natürlich crst, als es so lang­sam zu dunkeln anfing. Hunderte von bunten Seidenlampions schaukelten im Garten, über dem glattgeschorenen Rasen mit den Blumenbeeten öarin, zwischen den Sträuchern und Bäumen, die in ihrem frischen Grün prunkten. Die großen Räume des Hauses, die weite Glasveranda, die schlohrampenartige Terrasse alles war strah- lend erleuchtet, und in dem Licht strahlten die glänzenden Racken der Frauen, die mit ange­borener Anmut oder mit wohleinstudierter Ko­ketterie ihre kostbaren Toiletten trugen. Rorma trug ein teefarbenes Seidenkleid mit großen, hauchfein in den Stoff gewobenen Chinarosen, m den Hüften leicht in angedeuteter Rokokomanier gerafft Ein Haarschmuck aus dicht anetnanber- gereihten Reihern, fächerartig nach den Seiten ausgebreitet, bildete eine reizvolle Folie für ihr Pikantes Schauspielerinnengesicht. Sie hatte bald

einen Schwarm von Bewunderern um sich und verteilte mit der ihr eigenen hochmütigen Grazie Lächeln und kleine Koketterien an ihre Verehrer.

3m Garten spielte, dicht bei der Terrasse, ein Salonorchester im Innern des Hauses rasselte in dem großen, saalartigen Tanzraum eine 3azz- band-Kapelle und erhöhte hier die Stimmung i>er vom Wein und einem guten Souper, wie man es hier nicht anders gewöhnt war, schon aufs beste animierten Gäste.

Hier und da wurden kleine, pikante oder ernste Vorträge zwischen die allgemeine Unterhaltung geschoben. So fang die kapriziöse Mizzi Wolter die Soubrctle, deren Liebschaften mit ehemaligen Mitgliedern der Hofgesellschaft hinreichend be­kannt waren, das neueste Ehanson aus ihrer Operette, der Zauberkünstler Legatin. in dem letzten Zirkusprogramm eine Attraktion von großer Seltenheit, holte zum Vergnügen der Gäste Blumensträuße aus der leeren Luft, die er an die Damen verteilte, zauberte einem Kommerzienrat feine Brieftasche förmlich unter den Händen weg, indem er sie in eine Drennschere verwandeltes dieweil der Kommerzienrat sich koketterweise die Schläsenhaare zu loden pflegte, und zog die ver­schwundene Tasche dem Trainer Buchholtz aus das Fradschoß wieder heraus.

Es war eine ungemein vergnügliche Produktion. Manches aydere folgte noch.

Kommissionsrat Schumann und seine elegante Gattin machten mit Humor und Weltgewandheit die Honneurs.

Troy der Fülle der Gäste drängte man sich doch nirgends, denn in den vielen und weiten Räumen des Hauses und auf den Wegen des Gartens und in seinen mancherlei Kiosken Der- steden und Laubennischen verteilten sich die An­wesenden und fanden und unterhielten sich, je nachdem sie Freundschaft und Geschmack und der Flirt zusammenführte.

Wördchoff und Rorma waren eine ganze Weile beisammen Sic hatte sich beinahe zärtlich an feinen Arm geschmiegt und Wördehoff empfand inmitten des Trubels beinahe etwas von dem alten Stolzgefühl, daß ihm diele schöne, strahlende Frau gehörte. Er amüsierte sich im stillen über die Galanterien der Herren, die da unentwegt Rorma begleiteten.

Aber es dauerte nicht lange, so empfand er auch die Torheit dieser Unterhaltung und Ror- mas Art. mit denen andern zu scherzen, machte ihn nervös.

Ah Herr Barnowsky

Aorma hatte es leise auSgerusen. Sie saß nut Wördehvff und einigen Herren au» der Terrasse.

Der Maler näherte sich. Gr sah noch sehr jung auö schlank, geschmeidig in Haltung urtb

Die kleine Aicolelle

Vornan von Paul Hain

Gießener Kreistag.

»»-bW-dun, d-« Soranfdilagte für da« A.chaang-jahr 1931. - ®«. ieuffetf in ganz Hessen. Feststellung des nächstjährigen Haushalts noch vor Ablauf des alten Kalenderjahres. - Schlußstrich unter den Fall Kauß.

soll nach dem 'Beschluß des Kreistages UN neuen Jahre nur 100 Mark empfangen, statt bisher 150 Mark. Oberregierungsrat Ritzel, der im Kreisausschuh überstimmt wurde, regt die Be­willigung von 150 Marl an. Ein dahingehender Antrag Schudt (D. Vpt.), Gießen, wird jedoch mit groher Mehrheit von Rechts und Links ab« gelehnt: es verbleibt also bei 100 Mark. Dem

(Bleibergoereln.

soll dcr bisherige Zuschuß von 200 Mark auf 100 Mark gekürzt werden. Auch hier regt Ober­regierungsrat Ritzel die Bewilligung des bis­herigen Beitrages an, ein entsprechender Antrag wird aber auch mit erheblicher Mehrheit von bei­den Seiten des Haufes a b g e l e h n t, so daß also nur 100 Mark gewährt werden.

fireiafürforgeaml und Areisjugendamk.

Der Sondervoranschlag für diese Aemter schließt mit 236 849 Mk. Einnahmen, 483 296 Mk. Aus- gaben, also mit einem Fehlbetrag von 246 447 Mk. ab. Der Leiter dieser Aemter, 'jteaicrung^ral Dr. Braun, betont, daß der Boranschlag nach den Grundsätzen größter Sparsamkeit ausgestellt und die Einhaltung der veranschlagten Sätze zu erwart,n sei, wenn nicht ganz unvorhersehbare Ereignisse eintreten.

Aus Antrag des Abg. Benner (Soz.) Heuchel­heim werden, nach Befürwortung durch den Abg. F e n ch e l (Ldbd.)-Ober-Hörgern für Kriegsbe­schädigte, Kriegerhinterbliebene und ihnen Gleichgestellte einstimmig bewilligt: zur allgemeinen Fürsorge für Kriegsbeschädigte 2500 Mark wie im Vorjahre, statt der jetzt vom Kreisausschuß beantragten 2000 Mark, zur allgemei­nen Fürsorge für Witwen und Waisen 9000 Mark wie im Vorjahre, statt der jetzt vom Kreisausschuß

Oie Beratung des Voranschlags für 1931.

Der Vorsitzende verliest zunächst eine An­zahl Anträge und nimmt dazu kurz Stellung. Kommunistische Agitationsanträge lehnt er ab und der Kreistag folgt ihm dabei in der Ab­stimmung. Die übrigen Anträge kommen in der Emzelberatung mit zur Entscheidung. Oberregie- rungsrat Ritzel weist dann auf die 6prozentige Gehaltskürzung hin, die in dem Voran- KOlag zum ersten Male in Erscheinung trete und hebt dabei hervor, daß die Angestellten, deren Anstellungsverträge zum Zwede der Gchalts- neurcgclung zu kündigen gewesen wären, sich frei­willig mit der 6prozentigen Gehaltskürzung ein­verstanden erklärt hätten. Weiter teilt er mit. tafj die Krcisverwaltung in den letzten Monaten mit aller Strenge auf weitgehendste Ein­schränkung der Rebenbeschästigung von Beamten des Kreisamtes gesehen habe Rur noch in einigen Ausnahmesällen werde den Kreisbeamten ein.. Genehmigung von Reben­arbeit erteilt, die sonst aber grundsätzlich verboten sei. Er halte diese Maßnahme im Hinblick auf die große Erwerbslosigkeit für notwendig, denn diese Rebenarbcit könne stellenlosen Kaufleuten usw. Verdienstmöglichksit geben.

Das Haus tritt sodann in die Einzelberatung des Voranschlags ein und beschäftigt lich zunächst mit der Festsetzung der

hohe der Tagegelder und Reisekosten.

Aus Vorschlag des Vorsitzenden wird einstimmig beschlossen, für die Zukunft di.' gleichen Tagegel- der und Reisekosten an die Kreisausschuß- und Krcistagsmitglieder zu zahlen, wie sie von dem I bevorstehenden Provinzialtag für die Provinz be- I schlossen werden. Es wird dabei erwartet, daß '

Aber innerlich war sie durchaus nicht so ruhig, wie sie schien. Ihr Plan war gefaßt. Sie wollte ihn an der Stelle packen.

schonen Frau noch immer verwundbar war an der Eifersucht. Glaubte sie doch, daß immer noch Liebe in ihm für sie lebte. Sic brauchte sich nur jene Szene zu vergegenwärtigen, da sie von dem verlustreichen Abend im Spielklub nach Hause gekommen war.