Einzelbild herunterladen

ser>

gilt

Sn-

Gießener Kommunalbilanz 1930

VelriebseinschMung bei her Straßenbahn

Mark.

hmen Ausgaben RM. 201,50 RM.

Personen Einna!

58,60

gemeinen Fürsorge laufend unterstützt: am 1 Juli 1930: 447 Parteien mit 789 Personen (am

zu den von Frankfurt a. M. abends hier anlangen­den O-Züge gestellten Straßenbahnwagen folgendes

293 292

183 89

36

58,40 RM. 195,RM.

36,50 RM. 201,50 RM.

17,80 RM. 201,50 RM, 7,20 RM. 195,RM.

Siaatslommiffar in Hörnsheim.

O Hörnsheim, 30.Dez. Sn der hiesigen Gemeindevertretung sind zwei Ge- meindevertreter ausgeschlossen wov-

Oie Menschheit wird umlernen müssen! Von Or.h.c.GrafArco,Direktor derGesellschast für drahtlose Telegraphie.

rechts die Welt einseitig sieht. Das auch für den Sngenieur. Demnach lebt der genieur also beglückt und zufrieden im abge­grenzten Reiche seiner Technik, wo beinahe schon

Tarnkappe und Galoschen des Glücks in Se­rienfabrikation geliefert werden. Vielleicht wünscht er sich noch etwas mehr: Radio und Fernsehen, noch bessere Fliegerei oder sonstwie erhöhtes und druckknopfgesteuertes Lebenstempo.

Oder sollten wir Sngenieure uns im Triumph­gefühl und Könnensrausch doch ein klein wenig gestört finden von dem gellenden Rotschrei des Rachlriegselends, das heute fast die ganze Welt erfüllt? Könnte uns etwa der Gedanke kommen, daß es unsere Maschinen waren, die die Ar­beitsplätze der Welt dezimierten und arbeits» frohe Menschen in die Armee der Arbeitslosen getrieben haben, so dah die wirtschaftliche Welt­krise zustande kam? Sst diese Krise wirklich wie­

der nur eine solche, die wir. wie wir früher glaubten, mit Optimismus allein verscheuchen rönnen? Oder sind es vielmehr die Anfänge und schmerzvollen Wehen einer neuen Zeit, die eine Reuanpassung unserer sozialen Einstel­lung zur Maschine fordern.

Sch glaube, deutliche Zeichen für die begin­nende Ilmwertung vieler Werte erken­nen zu können. Was vor einem Menschenalter noch als höchste Tugend galt, hat heute nur noch zweifelhaften Wert. Wer glaubt noch an den Segen der großen Kinderschar? Sind nicht grade die Länder mit dichtester Bevölkerung die des größten Elends?

Und ist heute noch die Arbeit Selbstzweck, wie ich als Sunge es lernte? Und sind Sntellektaus- bildung, Derufstüchtigkeit und Geldverdienen zu­sammengenommen immer noch der Sinn des Le­bens? Gilt ethisches Verhalten immer noch für entgleisten Sdealismus? Rein, ich bin optimistisch genug, zu glauben, dah dasUm lern en" jetzt er st anfängt. Vielleicht weniger Men­schen, aber bessere, das ist das Motto der Zukunft, der Anfang einer neuen Menschlich­keitsepoche. Daß das nicht von heute auf mor­gen erreichbar ist, soll uns nicht verzagen lassen. Wir wollen uns vielmehr von Herzen freuen, dah Wissenschaft und Technik uns die Mittel tn die Hand gegeben haben, um bewuht und plan­voll unseren Kindern dieses ZukunftsparadieÄ zu crschliehen.

Dor Schimmer solchen Morgenrotes strahlt von den neuen Erdteilen hinüber zum alten tra­ditionsgelähmten Europa: Eugenik, Ausschliehung der Minderwertigen für die Fortpflanzung und Erziehung im Sinne gegenseitiger Hilfe. Sn die­sem Zeichen kann und muh wahre Menschlichkeit und lebenswertes Leben geschaffen werden.

Ergebnis:

Zm April 1930 wurden befördert 200 Personen.

Die Einnahme betrug 40 Mark, die Ausgaben 195

Oie Verfolgung

-er Mainzer Bankräuber.

Das gestohlene Auto als Hilfsmittel der Verbrecher.

WSA. Mainz. 30. Dez. Zu dem Raub- überfall auf die beiden Kassen boten der Volksbank erfahren wir noch, dah die Kassen- bvten nicht verletzt worden sind. Die Räuber haben anscheinend nur einen Schreckschuß abgegeben. Das Auto der Räuber nahm seinen Weg durch die Rheinstrahe in Richtung Worms. Gin Polizei­auto, das die Verfolgung ausgenommen hatte, verlor jedoch am Holzlurm im Gedränge des Ver­kehrs die Spur.

Don der den Dankräubem in die Hände ge­fallenen Summe von 90 00 0 Reichsmark be­stehen 20 000 Mk. aus neuen Hundertmark-Reichs- banknoten, 10 000 Mk. aus älteren Zwanzigmark­scheinen und 20 000 Mk. aus älteren Tausenomark» scheinen. Der übrige Betrag setzte sich aus verschie­denen Geldsorten zusammen. Der von den Tä­tern benutzte Wagen ist eine dunkelblau lackierte

Mai 1930

Juni 1930

Juli 1930 August 1930 September 1930

endausflug nach Paris oder Luzern am besten mit ihren Janberen, bequemen und zuverlässigen Luftdroschken" zu unternehmen. Lleberhaupt wird es 1960 kein Unternehmen mehr geben, das planmäßige Werbung alsentbehrlich" betrachtet, sondern allgemein wird man wissen, dah die Werbung sowohl dem Erzeuger und dem Handel, aber auch genau so dem Verbraucher nützt!

Das ist etwas anderes. Da glaube ich aller­dings, dah die Aussichten bedeutend trostreicher sind. Sn dreißig Sabren werden in jeder Woh­nung sicherlich die Küchenmotoren gleich eingebaut sein. Sch glaube nicht einmal, daß cs noch dreißig Sabre dauern wird, bis auch im kleinsten Haushalt dieKücheamlaufenden Band arbeiten wird. ElekirischeGeschirrabwasch-, Trocken- und Wäschemaschinen, elektrischer Fleisch­wolf, Gurkenhobel u. a. m. werden der Hausfrau, und jeder Hausfrau, die Arbeit des Haushalts wesentlich erleichtern.

Aber die Hoffnung auf den geistvoll konstruier­ten vollkommenen Maschinenmenschen geben Sie bitte auf: er wird niemals ein Wesen von Fleisch und Blut, am allerwenigsten aber das Meisterstück derSchöpfung, dieHaus- frau, ersetzen!"

Die Kunst muß wieder Volksgut werden!"

Von Hans Baluscheck, dem berühmten Maler und Graphiker.

Die Kunst geht nach Brot eine uralte Wahrheit, die leider heute mehr Geltung hat denn je. Denn wir haben bedauerlicherweise die Mäzene und den kaufkräftigen Mittelstand ver­loren.

Aber, in drei Sahrzehnten, wird der Künstler hoffentlich wieder freier und in geordneteren Verhältnissen arbeiten können. Zuversichtlich glaube ich an die Möglichkeit einer energischen Kunsterziehung der Masse, die vom schaffenden Künstler selbst ausgehen wird und sich von Sugend an auf alle Erziehungsinstitute erstreckt. Der Künstler muh und wird alle Propagandamittel für sein Vorwärtskommen aus- nützen, die ihm dann zur Verfügung stehen. Richt nur hervorragende Werke, sondern auch das gute, künstlerische Mittelniveau müssen dann in weitestem Maße Volksgut geworden sein!

Rötig ist jedoch, daß sich schon heute die riesi­gen Organisationen unserer Volksgemeinschaft da­für einsehen, daß in jedes Haus, jn jede Lehr­anstalt, in jedes öffentliche Gebäude wahre Originalkunst getragen wird, und daß man auch für den weniger Begüterten die Möglich­keit schafft, Kunstwerke irgendwelcher 2Itt_ zu erstehen. Kulturpolitiker, Pädagogen und Künst­ler müssen dazu Hand in Hand arbeiten, denn wenn die Kunst in dreißig Sahren aus dem Vollen schöpfen will, muß heute schon damit begonnen werden!

Der deutsche Spott in 30 Jahren. Von Hanne Gobek, der deutschenFußvallkanone Meiner Ansicht nach wird in dreißig Sahren wirklich jeder Mensch Sport treiben, und zwar neben dem allgemeinen Sport irgendeine Spe­zialität, die seinen körperlichen Eigenschaften vom Facharzt vorgeschrieben wurde.

Selbstverständlich werden in drei Dezennien sich die Behörden die größte Mühe geben, durch geeignete Anlagen Amateure und Professionals wirksam zu fördern. Arbeiter und Angestellte werden dann ausreichend Gelegenheit haben, ihren sportlichen Neigungen nachzugehen, so daß der deutsche Sport ein richtiger Volkssport wird! Es wird keine Kämpfe mehr um ein frühM Wochenende geben! Von Staats wegen sehe ich große Sportüberwachungsstellen vor mir, Aerzte, Die Hand in Hand mit dem Magistrat arbeiten und die alles dazu tun, dah unsere Süngsten ein starkes Geschlecht werden!

Was nun meinen eigenen Lieblingssport an­belangt, so hoffe ich zuversichtlich, daß wir in eirpm Vierteljahrhundert bereits Sportplätze be­sitzen, auf denen etwa bei einem Fuhballmatch, das ein Grohverein veranstaltet, hundert­tausend Zuschauer und mehr Raum finden. Das Spiel an sich wird weniger auf das Körperliche, als auf das Technische eingestellt fein. Wir werden nur noch Feinheiten her aus­arbeiten. Und Unarten werden in drei Sahr­zehnten ganz vom Schauplatz verschwunden fein.

Mich selbst sehe ich bereits als Fuhball- t r a i n e r eines Vereins, denn für meine jetzige Tätigkeit beim deutschen Meister Hertha DSC. dürfte ich dann wegen vorgerückten Alters wohl nicht mehr geeignet fein.

Meine Hauptaufgabe wird bann darin be­stehen, die Sugendlichen für meinen geliebten Fußballsport so vorzubereiten, dah Deutschland auf derWeltrangliste" auf diesem Gebiet noch weiter vorrückt!"

Zeitung bleibt Zeitung!"

Don Prof. Dr. Dovffat,Direktor desDeutschen

Instituts für Zeitungskunde" Berlin.

Wie die Zeitung in 30 Sahren aussieht, wird in erster Linie von den technischen Kräften ab­hängen. die sie dann gestalten werden. Sie haben den Typ Der Zeitung im letzten Sahr- hundert von Grund auf gewandelt und werden Die Zeitung auch künftighin aufs stärkste beein- flussen.

Me vielfach erörterte Frage, ob das Radio Die Zeitung besiegen wird, ist falsch gestellt! Der Mensch ist immer mehr ein lesendes als ein hörendes Wesen. Was er schwarz auf weih besitzt, fesselt ihn mehr und beeinflußt ihn stärker als das, was er nur durch das Ohr vorübergehend aufzunehmen befähigt ist. Eine gänzliche Umwälzung im Zeitungswesen würde erst bann ftattf.inben, wenn die Apparatur des Bildfunks so vervollkommnet und verbilligt würde, daß die Zeitung ihren Snhalt in feiner ganzen Mannigfaltigkeit und Fülle in Bildform bis zum kleinsten Besitzer eines Aufnahmcappa- rats verbreiten könnte. Ob das je möglich wird, bleibe dahingestellt. Die Zeitung würde aber auch bann eine Zeitung bleiben!

Wie man 1960 werben wird...

Von Or. Kurt Kauffmann, dem bekannten Werdefachmann.

1960 wird das Publikum Propaganda nicht mehr alsReklame", sondern als sachliche Beratung empfinden, wo und wie es seine

2. In der Stillegung einer Teillinle der Straßenbahn.

Der Wegfall der Früh- und Spätwagen allein genügt nicht, um die Straßenbahn finanziell fühl­bar zu entlasten. Es mußte aus diesem Grunde auch die Stillegung einer Teillinie, und zwar der Teillinie Marktplatz-Bahnhof st raße-- Bahnhof, ins Auge gefaßt werden. Die hieraus sich ergebende Ersparnis wird täglich aus 80 Mark und für den Rest des Rechnungsjahres auf rund 7200 Mark veranschlagt. Die Stillegung wird a b 1. Öanuar 1931 eintreten.

Die vorgenannten beschlossenen Maßnahmen sollen zunächst für den Re st des Winterhalb­jahres Platz greifen. Mit Ablauf dieser Zeit wird es Aufgabe von Stadtverwaltung und städtischen Körperschaften sein, in eine erneute Nachprüfung der Angelegenheit einzutreten.

Don der Stadtverwaltung wird uns ge­schrieben:

Die finanzielle Lage der Straßen­bahn veranlaßte Stadtverwaltung und städtische Körperschaften neuerdings, nachdem im Laufe des Jahres bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen worden waren, nachzuprüfen, in welcher Weise E r. s p a r n i s s e zu erzielen sind. Nach der finanziellen Entwicklung, die die Straßenbahn bis zum 1. No­vember 1930 aufzuweisen hatte, ergab sich eine durchschnittliche Zuschuhleistung von rund 6600 Mark monatlich. Bei einer Nichtabdros­selung dieser monatlichen Ausgabenhöhe wäre der Zuschuß der Straßenbahn am Ende des Rechnungs­jahres auf etwa 80000 Mark angewachsen. Voranschlagsmäßig vorgesehen war eine Zuschuß- leistung der Stadt in Höhe von rund 44 000 Mark. Die ungünstige Entwicklung der Finanzlage der Straßenbahn ist in erster Linie auf die allgemeine ungünstige wirtschaftliche Lage, insbesondere auch auf die bestehende große Arbeitslosigkeit zurückzu­führen.

Die Einschränkungen des Straßen­bahnbetriebs sollen bestehen:

1. In dem Wegfall der Früh- und Spätwagen auf beiden Linien.

Die vorgenommene Kontrolle hat ergeben, daß die Benutzung dieser Wagen nicht die entstehenden Aus­gaben deckt. Insbesondere ergab die Kontrolle der

Gelegenheit noch einige Gedanken anfügen, die sich bei einer Jahresschlutzbetrachtung über die kommu­nale Wirtschaftslage der Gegenwart in den Vorder­grund drängen. Es wird wohl auch bei der Regie­rung niemand glauben wollen, daß durch den diktatorischen Spruch der Staatskommissare die Wirt­schafts. und Finanznot in den Städten zu beheben fein wird. Man wird sich hoffentlich auch in Darmstadt sagen, daß man durch derartige Steuer» bittate die an sich zahlungsschwachen, ober gar zah­lungsunfähigen Steuerpflichtigen nicht zu stärkeren Leistungen an das Finanzamt befähigen kann. Auch unter dem Regiment der Staatskommissare wird bei der gegenwärtigen Lage der Dinge die Deckung von Fehlbeträgen bis zu einem gewissen Grade immer nur auf dem Papier stehen, solange keine grund­legende Aenderung für die kommu­nale Steuerpolitik herbeigeführt wird. Man geht wohl auch nicht fehl, wenn man behauptet, daß die Einrichtung des Staatskommissars doch nichts anderes sein dürfte als der letzte Versuch, den Zu­sammenbruch eines Teiles unseres ganzen deutschen Steuersystems noch aufzuhalten, oder wenigstens weiter hinauszuschieben. Man darf sich nicht darüber Hinwegtäuschen, daß das bisherige System der Kostgängerschaft der Kommunen beim Reiche und bei den Ländern am Ende seines La­teins ist. Dafür haben Reich und Länder mit ihrer Gesetzgebung zur Genüge gesorgt, indem sie von sich aus die Gesetzgebungsmaschine immer kräftig arbei­ten ließen, zum Teil um mancherlei Versprechungen der Parteien im Wahlkampfe einzulösen, daß aber in den meisten Fällen die Kosten für diese gesetz­geberische Tätigkeit teils ganz, teils im größten Aus­maße den Gemeinden auferlegt wurden, ohne daß man ihnen entsprechende Einnahmequellen erschlossen hätte. Nachdem es nunmehr in der bisherigen Weise nicht mehr weiterzugehen scheint, soll der Staats« kommissar helfen, wobei man sich aber anscheinend gar keine besonderen Sorgen Darüber macht, ob dabei die Selb st Verwaltung der Gemein­den ganz oder zum Teil unter die Räder kommt. Jetzt kann eine Wendung zum Besseren nur durch entschiedene Abkehr von dem bisherigen Steuer- erhebungs- und -verteilungsmodus, d. h. durch dis Rückkehr zu den durchaus bewährten Grundsätzen der S t e u e r h o h e i t s v e r- teilung vor dem Kriege erreicht werden. Man muß die steuerliche Selbständigkeit der Ge­meinden in der früheren Form wiederherstellen, denn nur auf dem Wege bep früheren Bedarfs- deckung ber Gemeinben durch Zuschläge zu ben Einkommen- und Realsteuern wird eine stabile und gesunde Finanzwirtschaft der untersten Zellen des Reiches und des Staates, ber Gemeinben, unb bar- auf aufbauend auch ber übergeordneten öffentlichen Körperschaften zu erzielen fein. Mit Recht forbert ber Präsibent bcs Deutschen Stäbtetages Dr. Mu­le rt in ber Nummer 12 ber ZeitschriftDer Städte­tag" in einem ArtikelKrise ber Selbstverwaltung?" eine berartige Revision unb in biefem RahmenDie Schaffung einer Gemeinde-Einkommen- ftcuer unter Außerkraftsetzung des jetzigen Ge- meinbeanteils an ber Reichseinkommensteuer und bie organische Verbinbung bieses selbstänbigen gemeinblichenBesteuerungsrechtsmit den Realsteuern", ba nur bann auf ber Ein­nahmeseite bie Beweglichkeit unb Verantwortlichkeit im Gemeindehaushalt wieberherzustellen sein werbe.

Wenn man heute eine sehr betrübliche Wirtsckafts- und Kommunalbilanz für 1930 feststellen muß, so darf man aber doch nicht allen Mut ver­lieren. Wenn überall reger und guter Arbeits­wille in verständnisvoller Weise bei ber Aufbau­arbeit in Erscheinung tritt und dabei von ben gesetzgebenden Faktoren bie hier nur in kurzen Strichen angebeutete Reformarbeit im nächsten Jahre zur Durchführung gelangt, wirb man wohl hoffen bürfen, daß auch bie gegenwärtige Not her Wirtschaft und ber Gemeinden in absehbarer Seit wieder zu beheben sein wird und bann allen Glie­dern unseres Volkes ein günstigerer Weg für bie Kräfteentfaltung bereitet werben kann.

30. Dezember 1930: 575 Parteien mit 981 Personen (270 Parteien mit 427 Personen): baoon waren u. a. Wohlfahrtserwerbslose (arbeitsfähige Unterstützungs­empfänger) am 1. Juli 1930: 297 Parteien mit 582 Personen (am 1. Juli 1929: 76 Parteien mit 134 Personen), am 30. Dezember 1930: 358 Parteien mit 659 Personen (am 31. Dezember 1929: 122 Par­teien mit 216 Personen). Mietunter st ützung aus Mitteln ber Sondergebäudesteuer würben am 1. Juli 1930 an 1715 Parteien (am 1. Juli 1929 an 1485 Parteien), am 30. Dezember 1930 an 1988 Par­teien (am 31. Dezember 1929 an 1721 Parteien) ge­währt. Alle biese Ziffern sprechen so stark für sich von ber großen wirtschaftlichen Not, bie auch in unserem Gemeinwesen eingezogen ist, baß es wei­terer Darlegungen über bas Abgleiten unseres Wirt- schastsstanbes von bem früheren Niveau wohl nicht mehr bebarf.

Der starke Rückgang im Wirtschaftsleben wirkte sich natürlich auch sehr ungünstig auf die finan­zielle Lage ber Kommune aus. Die Haushaltsorgen ber Stabtverwaltung würben im Perlaufe bes Jahres 1930 immer größer, ba auf ber einen Seite bie Wirtschaftsnot in Steuer- minberungen zum Ausbruck kam, auf ber an- beren Seite bie Ansprüche an bie Kommune nament­lich in ber Wohlfahrtspflege immer größer würben. Dank ber verstänbnisvollen Zusammen­arbeit zwischen Stabtverwaltung und ©tabtrat, ge­lang es dis in bie jüngste Zeit hinein, für bis gesteigerten Ansprüche der öffentlichen Wirtschaft Deckung zu beschaffen, bis schließlich in den letzten Tagen die Bemühungen um den Ausgleich eines er­neuten Fehlbetrages im Haushall fehlschlugen und nunmehr zum Leidwesen weitester Bürgerkreise der Staatskommissar auch für Gießen in Er­scheinung trat. Was über diese bedauerliche Entwick­lung in unserem Gemeinwesen von uns zu sagen war, haben wir in unseren Nummern 292 und 303 zum Ausdruck gebracht. Wir möchten aber bei dieser

Es sind keine frohen Gedanken, mit denen bie Kommunalpolitiker unserer Stabt heute am Jahres- schluß bie Kommunalbilanz bes Wahres 19 3 0 ziehen. Als ein Jahr ber herben Enttäuschun­gen und schwersten Sorgen wirb 1930 in ber Gieße­ner Kommunalgeschichte verzeichnet bleiben. Man hatte bei seinem Beginn sicherlich mit mancherlei Schwierigkeiten im Verlause bes Jahres gerechnet, aber wohl niemand wird damals geglaubt haben, daß beim Jahreswechsel 1930/31 bie allgemeine wirt­schaftliche und kommunale Lage so düster aussehen werde, wie man sie jetzt erblickt.

Unter ber Auswirkung ber allgemeinen wirtschaft­lichen Not nahm auch in unserem Gemeinwesen bie Lage von Inbustrie unb Hanbel, G e - werbe unb Handwerk unb aller anhängenben Wirtschaftszweige im Verlaufe bes Jahres 1930 eine außerorbentlich ungünstige Gestalt an. Mit ber Fa­brikation in ben industriellen Betrieben unb mit ben Absätzen in den Geschäften ging es in zunehmen- bem Maße rückwärts. Einst blühenbe Betriebe tarnen entmeber völlig zum Erliegen, ober sie wurden so empfindlich von der Wirtschaftskrise unb, wie bei­spielsweise die Tabakindustrie, von ber Auswirkung ber jüngsten Steuerpolitik betroffen, baß sie in schwerste Bebrängnis gerieten unb erhebliche Einschränkungen ihrer Produktion vornehmen mußten. Im gewerblichen Geschäftsleben und in den Handwerksbetrieben trat, je länger je mehr, eine Verkaufs- und Auftrags- f la Ute ein, wie man sie in diesem Ausmaße bis­her noch nie bemerkte. Auch das Weihnachtsgeschäft, von dem sonst immer ein guter wirtschaftlicher Aus­trieb ausging unb bas noch im vorigen Jahre einen ansehnlichen Umfang erreichte, lag in biefem Jahre schwer barnieber unb bürste für bie meisten Ge­schäftsinhaber wohl kaum befriebigenb gewesen fein. Das Hanbwerk litt befonbers schwer unter bem zu- nehmenden Auftragsmangel, ba bei ber Lage ber Privatinbustrie natürlich an Aufträge für bas Hanbwerk nur wenig zu benken war, zur gleichen Zeit aber auch bie Stabt, bie immer noch bie bebeu- tenbfte Auftraggeberin für bas Handwerk darstellt, mit zunehmenden Finanzschwierigkeiten zu kämpfen hatte unb leiber immer weniger in ber Lage war, bem Handwerk mit Arbeitsbeschaffung beizuspringen. Zwar konnte die Stabt bie Wohnungsbauten im Schwarzlachgebiet am verlängerten Asterweg fort- führen und daneben an ber verlängerten Schott­straße bie Errichtung eines neuen Wohnhausblockes in Angriff nehmen lassen: es war ihr auch möglich, an bie Fortsetzung ber Bauarbeiten am Marktlau- bengebäube unb an ber Rinberkuttelei im Schlacht- hvf wieder heranzugehen. Unter der Leitung des städtischen Hochbauamtes konnte mit den Mitteln des Hessischen Krüppelfürsorgeoereins ber Bau ber Orthopädischen Klinik in Angriff genommen werden. Leider war es aber wegen Mangels an Geldmitteln nicht möglich, den großen Schulhausbau in ben Eich­gärten weiter fortzuführen unb zur Vollendung zu bringen, ebensowenig konnten anbere Bauprojekte soweit vorangebracht werden, baß sie ber heimischen Wirtschaft oerbienftbringenbe Arbeit hätten bringen können. Auch bas Viehhofprojekt konnte leiber über bie allerersten, einleitenben Arbeiten nicht hinaus- gebracht werben. Immerhin ist es als ein erfreu­liches Ergebnis anzuseben, bah mit dieser Bauarbeit nun wenigstens der Anfang gemacht wurde. Ange­sichts dieser Verhältnisse, die sich natürlich in ber verschiebenartigsten Weise auf alle Erwerbszweige auswirkten, ist es nicht verwunderlich, daß im Ver­laufe des Jahres 1930 das Wirtschaftsleben in unse­rer Stabt schwere Einbuße erlitt. Als sprechenber Beweis bafür kann bie Tatsache gelten, bah im Jahre 1930 in Gießen 32 Konkurse zu verzeich- nen waren, gegen 15 im Jahre 1929 unb 18 im Jahre 1928, ferner im Jahre,1930 in Gießen 15 Vergleichsverfahren gegen 8 im Jahre 1929 eingeleitet würben; Beweis bafür ist ferner bie starke Klage über mangelnde Geschäftsmöglich­keiten, bie man heute von allen Personen bes Wirt­schaftslebens, barunter auch von solchen, bie sonst nie zu ben Pessimisten gehörten, vernehmen konnte. Aber auch in ben Ziffern bes Arbeitsmarktes unb ber Wohlfahrtspflege findet bie außer- orbentliche Verschlechterung ber Wirtschaftslage ge­genüber bem 'Vorjahre einen starken Nieberschlag. So würben beim Arbeitsamt Gießen allein aus ber Stabt Gießen in ber Arbeitslosenunter­stützung gezählt: Am 1. April 1930: 455 Perso­nen (1. April 1929: 236 Personen), am 1. Juli 1930: 457 (208), am 1. Oktober 1930: 435 (214), am 1. De­zember 1930: 487 (367); in ber Krisenunter- srÜtzung waren es aus ber Stabt Gießen: am 1. April 1930: 66 Personen (1. April 1929: 65 Per- fönen), 1. Juli 1930: 102 (73), 1. Oktober 1930: 141 (46), 1. Dezember 1930: 158 (53). Vom ftäbti- schen Wohlfahrtsamt würben in ber alt-

Mercedes-Benz-Limousinemit schwar­zen Kotflügeln und Linkssteuerung. Der Wagen ist am 28. Dezember einem Kaufmann in Wuppertal gestohlen worden. Sm Wagen befanden sich bie Ausweispapiere der Firma Koh­ler & Dovenkamp in Barmen-Wuppertal.

WSR. Mainz. 30. Dez. Wie aus Bonn ge­meldet wird, wurde heute abend der dortigen Kri­minalpolizei mitgeteilt, daß das Auto, in dem die Mainzer Bankräuber nach dem ileöerfall Mainz verlassen hatten, in Bonn vor einem Cafe stehe. Die Polizei riegelte sofort das ganze Viertel ab, jedoch waren die Täter durch Die inzwischen angesammelte Menschenmenge aufmcrlfam gemacht worden und beim Eintreffen der Polizei bereits verschwunden. Sie hatten sich nur ganz kurz Zeit in dem Cafö auf gehalten. Das Auto wurde von der Kriminalpolizei beschlagnahmt.

Bedürfnisse praktisch und preiswert befriedigen kann, und zwar nicht nur die Bedürfnisse von 1930, sondern auch die von 1960! Denn dann werden Gewerbe und Industrien§u werben haben, die es heute noch gar nicht gibt oder erst im Keime-gibt. Rur ein einziges Beispiel: Genau wie heute die Automobilfabriken, so werden 1960 die Flugzeugwerke werben und uns klar machen, weshalb es sich lohnt, ein Flugzeug zu I kaufen. 1960 werden uns Flugdroschken-Gesell- I _ . _____.......... ...........

schäften umwerben, die uns einladen, den Wochen- I 1. Juli 1929 : 209 Parteien mit 334 Personen), am

Die moderne Arbeitsteilung und das , fylittcrte Spezialistentum haben zur Folge, dah jeder Beruf mit Abblendung nach links und