Wirbleins Leben!
Vornan von Anna Fink.
älrheber-Rechtsfchuh durch Verlag Oskar Meister. Werdau, S.-A.
9. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Er entgegnete nichts darauf. Der Weg war sehr schmal, das Gras zu beiden Seiten des Weges noch nah. Schwester Irene raffte ihre Kleider zusammen und drängte sich leicht an Reginald. Er spürte durch die Kleider ihren warmen Körper.
„Schwester Irene!" schallte ein Ruf aus der Richtung des Hauses her. Sie zuckte zusammen.
„Man ruft Sie, Schwester", sagte Reginald aufatmend, froh, daß dieses Beisammensein nun unterbrochen war.
Karl kam gerannt.
„Herr Much läßt bitten, daß Sie sogleich zu ihm kommen möchten", richtete er aus.
„Ich komme sofort."
Sie drehte sich um, schien zu straucheln, so daß Reginald rasch zugriff, um sie zu halten. Sie lieh sich von seinem Ärm etwas länger halten,_ als es notwendig gewesen wäre, und wieder fühlte er die Weichheit ihrer Glieder. Doch ehe er noch unterscheiden konnte, ob das aus Zufall oder Absicht geschehen war, stapd sie schon wieder aufrecht vor ihm.
„Auf Wiedersehen. Dank für die Begleitung", sagte sie ruhig und freundlich und ging mit ihren katzenhaft-elastischen Schritten dem Hause zu.
Reginald Contius fuhr sich über die Stirn. Er war leicht erregt und wuhte nicht, woher. Er war froh, daß die Schwester gegangen war; denn sie hatte ihn in einer Weise gestört, die ihm höchst unangenehm war.
„Ich bin unleidlich und reizbar, und es wird Zeit, daß ich von hier fortgehe", murmelte er vor sich hin.
Es stand für Contius fest, dah er nicht länger im Hause Muchs bleiben durfte, zumal nach den Eröffnungen, die Barbara ihm gemacht hatte. Hm Muchs und Barbaras willen war es un
möglich. Schade, dah ein solcher Mihton in ihre Freundschaft gekommen war.
Reginald kehrte zum Hause zurück. Ohne weiter zu fragen, ging er zu dem Zimmer, in dem Much lag, und klopfte an.
„Herein", kam von drinnen die Antwort.
Contius trat ein. Much sah aufrecht im Bett, sah frisch und ausgeschlafen aus und streckte ihm
die Hand entgegen.
„Kommen Sie, sehen Sie sich etwas zu mir. Es geht mir wieder so gut, dah ich mich freue, mit Ihnen etwas plaudern zu können."
Contius ergriff Muchs Hand und drückte sie
herzlich.
„Auch mein Wunsch ist es, Herr
Much, mit
Ihnen zu sprechen."
„Gut, gut“, sagte dieser und fuhr dann fort: „Schwester Irene, bitte, lassen Sie uns etwas allein. Ruhen Sie etwas aus. Ich rufe Sie,
wenn ich Sie brauche."
Die Schwester nickte zustimmend und verlieh
das Zimmer.
Much schwieg eine Weile und sah vor sich hin. Dann begann er: „Herr Contius, erzählen Sie mir von Barbara, wie sie klein war. Waren Sie sehr befreundet? Sie kennen Barbara länger als ich selber und deshalb vielleicht besser", drängte Much.
„Herr Much", begann Reginald zögernd, „wir waren zwar immer als Kinder zusammen, aber dann kamen wir ganz auseinander. Ich hörte nie etwas von Ihrer jetzigen Gattin, bis ich sie neulich durch einen reinen Zufall traf, als sie im Walde die Panne hatte."
„Dann war das also wirklich ein reiner Zufall und keine beabsichtigte Sache?" fragte Much.
„Mein Wort darauf", entgegnete Reginald.
„Das genügt mir", war Muchs Antwort, und er fuhr fort: „Sehen Sie. ich weih nicht, woher das kommt, aber ich habe gewisse Sympathien für Sie. Ihre ganze Art wirkt beruhigend auf mich."
„Das freut mich aufrichtig, Herr Much", sagte Contius. „Ich wollte aber eigentlich kommen, um mich von Ihnen zu verabschieden."
„Weshalb?" fragte Much erstaunt. „Haben Sie es denn so eilig? Wie mir Barbara andeutete, drängt es nicht so für Sie — ich meine..." '
„Ich weih, Barbara wird mit ihrem guten
Herzen bei Ihnen wieder für mich gebeten haben. Kanns mir schon denken. Llnd gerade darum, Herr Much, kann ich unmöglich länger in Ihrem Hause bleiben."
„Aber um Himmels willen, Herr Contius, ist Ihnen in meinem Hause jemand zu nahegetreten? Weshalb denn diese Hast? Sie haben Ihre Gründe, ich merke es, bitte nennen Sie sie mir."
Reginald Contius schwieg eine Weile. „Herr Much", begann er dann, „ich weiß wirklich nicht, ob es recht ist..."
Er wurde unterbrochen durch ein Klopfen an der Tür. Much fuhr zusammen. „Ach bitte, gehen Sie doch mal hin und sehen Sie nach, Herr Contius. Ich bin doch noch etwas schreckhaft."
Reginald öffnete die Tür. Karl stand davor, ein Telegramm auf einem silbernen Tablett in der Hand. „Das ist soeben gekommen, Herr!"
Much hatte es gehört.
„Geben Sie's nur her, Herr Contius. Womöglich kommt mein jüngerer Bruder Hans aus Italien. Der liebt es, Telegramme zu schicken und die Menschen in älnruhe zu versetzen. Er ist das reinste Gegenteil von mir.“
Er öffnete lächelnd das Papier, warf einen kurzen Blick darauf, wurde blaß, las noch einmal, stöhnte tief auf und siel mit einem Schmerzenslaut in die Kissen.
Reginald eilte zu ihm, um ihn zu stützen. Much rang schwer nach Atem. Reginald versuchte, dem Halbbewußtlosen etwas Wasser einzuflöhen.
Allmählich kam Much wieder etwas zu sich.
„Da, lesen Sie", flüsterte er mühsam.
Reginald Contius nahm das verhängnisvolle Stück Papier, auf dem nichts weiter stand als: „Buick 17850 auf Gebirgsstraße verunglückt. Keine Insassen. Erbitten Bescheid." Als Absender war eine Landjägerei in einem kleinen Rest ein paar hundert Kilometer entfernt angegeben.
Reginald ging ein leichter Schauer über den Rücken.
„Cs ist Barbaras Wagen! Wo aber ist sie selbst?" keuchte Much.
„Ist Barbara denn fortgefahren?" fragte Reginald erschrocken.
„Ja freilich. Der Doktor wollte sich heute nach ihrem Befinden erkundigen, da sagte man ihm, sie sei fortgefahren/'
„Natürlich wieder allein", ergänzte ReginaW.
„Das ist es ja. Gott im Himmel, ich wußte ja, daß es noch einmal ein Llnglück geben würde!" Much schlug die Hände vors Gesicht und stöhnte.
Reginald schwieg erschüttert.
War er schuld an dem Unglück?
Doch jetzt muhte gehandelt werden. ES war keine Zeit zum Grübeln.
Much raffte sich wieder auf.
„Lieber Herr Contius, wollen Sie mal hinunter zu dem Chauffeur gehen und ihn bitten, er soll meinen Reisewagen zurechtmachen. In einer halben Stunde will ich fahren."
„Herr Much, ich beschwöre Sie, bleiben Sie liegen, lassen Sie mich die Sache in die Hand nehmen. Sie dürfen mit Ihrer Wunde nicht aufstehen, es geht nicht!" bat Reginald.
„Wollen Sie dann noch einige Zeit als mein Gast bei mir bleiben und mir in dieser Rot bei» stehen, Herr Contius? Darf ich Sie darum bitten?" war Muchs Frage.
„Gewiß, unter diesen Umständen halte ich es sogar für meine Pflicht, noch zu bleiben", sagte der andere mit gepreßter Stimme.
„Schon, dann nehmen Sie meinen Wagen, der Chauffeur kommt mit. Und noch eins: Lassen Sie die Angelegenheit vollkommen unter uns bleiben. Schlimm genug, daß mgn schon wieder im Hause darüber Bescheid toeiftr dah meine Frau allein fortgefahren ist. Mir ist nichts so verhaßt als ein Skandal", schloß Much.
Dann griff er mit einem schmerzlich verzogenen Gesicht nach seinem Verband.
„Holen Sie mir die Schwester. Halt, noch eins: Dort in meinem Sekretär liegt ein Scheckbuch. Sie müssen auf jeden Fall noch etwas Geld von der Dank holen, um für alle Möglichkeiten gedeckt zu sein. Sie handeln ja doch in meinem Auftrag , schloß Much liebenswürdig, aber sehr bestimmt, beim er bemerkte Reginalds innere Abwehr.
Contius gab ihm das Gewünschte. Samt ging er nach oben in fein Zimmer, nachdem er den Chauffeur benachrichtigt hatte.
Es wunderte ihn doch, daß Much letzten Endes so gefaßt war. Er schien ein ruhiges Temperament zu haben.
(Fortsetzung folgt.)
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Bekanntmachung
beir. die Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung.
Nach Artikel 2 des vierten Abschnitts der Verordnung vom 26. Juli 1930 (RGBl. I, S. 321) beträgt der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung für das Reichsgebiet einheitlich 4% v. H. des maßgeben- den Arbeitsentgelts. 5364D
Die Beitragserhöhung tritt am Freitag, dem 1. August 1930, in Kraft und gilt bis auf weiteres.
Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung richtet sich nach dem Grundlohn (Lohnstufen, Mitgliederklassen, wirklicher Arbeitsverdienst), der nach der Satzung der Krankenkasse für die Beiträge zur Krankenversicherung maßgebend ist. Für die nicht mehr krankenversicherungspslich- tigen Angestellten, die nach § 69 Nr. 2 und 3 ABABG. arbeitslosenoersicherungspflichtig sind, sowie für freiwillig Versicherte (§86 AVAVG.) beträgt der Beitrag monatlich 13,50 RM.
Für unentgeltlich beschäftigte Lehrlinge und für Lehrlinge, deren Arbeitsentgelt geringer als 6 RM in der Woche und 25 RM. im Monat ist, beträgt der Arbeitslosenversicherungsbeitrag mindestens 4'A d. S). dieser Beträge. Die Versicherungsfreiheit der Lehrlinge im Rahmen des §74 AVAVG. bleib} unberührt.
Weitere Auskunft geben die Einzugsstellen (Krankenkassen).
Gießen, den 30. Juli 1930.
Der Vorsitzende des Arbeitsamts.
Dr. Bue s.
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Albach für das Ri. 1930 liegt vorn 1. August 1930 ab eine Woche auf der Bürgermeisterei offen. Innerhalb dieser Zeit können Einwendungen hiergegen oorgebracht werden.
Es ist die Erhebung einer Umlage be« schlossen, wozu auch die Ausmärker beizutragen haben. 5367D
Albach, 30. Juli 1930.
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Los 1: Erd-, Maurer- u. Betonarbeiten; Los 2: Zimmerarbeiten;
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Los 4: Dachdeckerarbeiten;
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Termine: Einsichtnahme der Zeichnungen und Abgabe der Vordrucke:
ab Samstag, den 2. August.
Abgabe der ausgefüllten Angebote 1. Erd-, Maurer- und Betonarbeiten Dienstag, den 12. August, 10 Uhr: 2. Zimmer-, Klempner-, Dachdecker- und Grobschlosserarbeiten Mittwoch, den 13. August. 10 Uhr.
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Bedingungen: Abgabe der Zeichnungen erfolgt nicht. Angebote müssen verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen sein.
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