Beschäftigung und Unterhalt zu verschaffen, sv wäre das sicher eine rettende Tat.
Zum Wortführer dieses Planes macht fuf> Karl Schöpke, der im Verlage von 3. F. Lehmann in München jüngst ein Buch über „Deutsches Llrbeitsdienstjahr statt Arbeitslosen-Wirrwarrl" hat erscheinen lassen. Eine von innerem Feuer getragene Werbeschrift, die sich über viele Bedenken mit dem begeisterten Rufe hinwegsetzt, daß Gröhes vor allem gewollt werden muh, um möglich zu sein. Vach seinem, teilweise sehr ins einzelne ausgeführten Plane sollen jährlich eine Million Achtzehnjähriger zum Arbeitsdienstjahre ein gezogen werden. Am 1. Februar beginnt der Dienst mit Schulung, zunächst 6 Wochen allgemeiner, dann besonderer Derufsschulung für die Aufgaben. Während die jungen Männer vor allem mit land- und forstwirtschaftlichen Arbeiten, mit Urbarmachung von Oedland und Mooren, mit Kanalund Wegebau, Wohnungsherstellung und Errichtung von Siedlungen beschäftigt werden sollen, liegt das Llnterrichts- und Tätigkeitsfeld der Mädchen vorwiegend in Haushalt und Gesundheitspflege. Mit stimmungsvoller Weihnachtsfeier soll das Arbeitsjahr schließen und einen dauernden sittlichen Wert hinterlassen. Die Kosten veranschlagt Schöpke auf 1200 Marl für den Kopf und das 3ahr, also bei einer Million Dienstpflichtiger (die Gesamtzahl der Achtzehnjährigen beträgt gegenwärtig ein Drittel mehr!) auf 1,2 Milliarden. Dafür soll aber die Gesamtheit die 3 Milliarden sparen, die gegenwärtig für die Versorgung der Arbeitslosen ausgegeben werden. Denn in (rnihver- stondener) Anwendung eines Wortes des Ernährungsministers Schiele, dah jeder in der Landwirtschaft tätige Mensch anderthalb gewerblich tätige beschäftige, hofft er, dah durch die Million Dienstpflichtiger eine weitere Million Arbeitsloser wieder in Tätigkeit und Brot käme.
Es hat wenig Wert, die Vorschläge im einzelnen kritisch zu prüfen. Denn bis zur Durchführung eines derartigen Gedankens ist ein weiter Weg. Lind so dringend die Not Deutschlands ist, so wenig Aussicht besteht, dah in raschem Entschluß eine so gewaltige Neuerung wie die allgemeine Arbeitspflicht sich durchsetzen wird. Gegenwärtig vor allem deswegen nicht, weil aller Voraussicht nach die Entente sofort Einwendungen wegen verkappter Wehrpflicht erheben würde. Die nächsten 3ahre sind auch wohl deswegen nicht besonders geeignet, weil die Zahl der Achtzehnjährigen sehr gering sein wird. Seit dem Vorjahre treten die Kriegsjahrgänge in das Wirtschaftsleben ein, die bekanntlich nur halb so stark beseht sind wie die Normaljahrgänge. Weite Kreise der Wirtschaft sehen schon mit Sorge einen Mangel anNachwuchs vor Augen, und es dürfte kaum zweckmäßig sein, gerade in dieser Zeit einen ganzen Jahrgang mit einer Million junger Menschen aus der Wirtschaft zu ziehen.
Die Aufhebung der Arbeitslosigkeit durch Arbeitsdienst ist leider nicht so einfach, wie der Verfasser sich ausmalt. Wenn nach seinem Vorschläge die Diensttuenden in private Betriebe zur Hilfe geschickt werden sollen, so sind sie dort entweder zu teuer oder sie verdrängen als billige Staatskräfte erst recht die auf den Er- tperb angewiesenen Arbeiter. Es darf darauf hingewiesen werden, daß die Gefängnisverwal- i hingen Arbeitskräfte nur gegen tarifmäßige Vergütung ausleihen, um unlauteren Wettbewerb gegen die übrige Privatwirtschaft zu hindern. Wenn durch die Dienstpflicht die Erwerbslosigkeit vermindert werden soll (wie es durch die alte Wehrpflicht natürlich geschah), so muß von den Pflichtigen eine Arbeit geleistet werden, die sonst nicht geleistet würde und die nicht in Wettbewerb mit der Privatwirtschaft steht. Solche Arbeit gibt es sicher in Fülle. An erster Stelle steht die Einrichtung von Millionen von Siedlungen, Kleinbauernstellen und Heimstätten mit Garten. Sie sind das dringendste Erfordernis, wirtschaftlich und politisch. Sie sind das wirkungsvollste Mittel, Erwerbslose vom Arbeitsmarkte wegzubringen, indem man sie aus die Selbstversorgung verweist, bei der es nie Mangel an nützlicher Arbeit geben kann. Sie sind aber äuch das einziga Mittel, den bedrohten deutschen Osten Lauernd gesund zu machen und beim Reiche zu halten. Sie sind das große Mittel gegen die zunehmende Kinderlosigkeit und gegen den Wahnsinn der kulturmordenden Weltstadt.
Doppelt nützlich sind die Siedlungen, wenn das Land dafür neu gewonnen wird. Wie Friedrich der Große stolz war auf die Provinz, die er ohne Krieg eroberte, indem er die märkischen Oedländer urbar machte und dorthin neue Einwohner rief, so hat auch das heutige Deutschland Gelegenheit genug, ungastliches Land in Stätten frohen Fleißes zu verwandeln. Damit wird zugleich eine Aenderung in der De» rufsver teilung des Volkes, ein Festhalten der ländlichen 3ugend auf dem Lande, 'eine Zurückführung städtischen Rachwuchses in die Hr- produktion, eine Llmkehrung der Binnenwanderung zur Minderung der Großstädte angebahnt, die auf die Dauer zur Gesundung unserer Wirtschaft unentbehrlich ist. .
Neben dieser größten und wichtigsten Aufgabe verschwinden alle anderen. So dringend der Bau von Wohnungen, von Kanälen und Straßen an sich fein mag, so wenig besteht heute die Notwendigkeit, solche Arbeiten von Staatsdienst- Pflichtigen ausführen zu lassen. Es sind gelernte und ungelernte Arbeiter genug vorhanden, die solche Arbeiten gern ausführen würden, wenn nut das Geld vorhanden wäre, sie zu bezahlen. Dah die Arbeit durch die Dienstpflichtigen viel 'billiger wäre als die durch freie Arbeiter, muß leider bezweifelt werden auf Grund der Erfahrungen, die mit der wertschaffenden Arbeitslosenfürsorge gemacht sind. Diese arbeitet wesentlich teurer als die freie Wirtschaft. Lind die dienstpflichtige Jugend würde nur dann billiger arbeiten, wenn die Million erfüllt wäre von dem großen Gedanken des Volksdienstes, von der Schaffensfreude, die den besten Ansporn zur Leistung gibt.
Diese seelischen Voraussetzungen betont auch Schöpke sehr stark. Gr schildert richtig die seelischen und sittlichen Gefahren der Arbeitslosigkeit und will das Dienstjahr mit einer Erziehung beginnen, die den Gemeinschaftsgeist und Staatsbürgersinn mächtig weckt. Ohne dos wird es auch sicher nicht gehen. Aber diese geistigen Voraussetzungen gilt es zu schaffen, ehe wir an die Ausführung des Planes gehen können. Sonst mißlingt et.
Deswegen begrüße ich jeden Auf, der aus warmem Herzen in die Welt hinaus ertönt. Denn so sehr zu hoffen ist, dah die allgemeine Wehrpflicht als Waffenpflicht überflüssig werden
möchte, sv sehr zu wünschen ist, M eine andere, die allgemeine Schulpflicht ergänzende V olksdienstpflicht an ihre Stelle tritt Die Erfahrungen des letzten 3ahrzehnts dürften bewiesen haben, daß der Sport kein Ersatz für die Wehrpflicht ist. Dem Heranwachsenden Geschlechte fehlt etwas, was die Sol» datenzeit der Vorgenevation mitgab. Lind wenn auch die Einrichtungen in Bulgarien oder Rußland oder in noch ferneren Ländern nicht von uns übernommen werden können, so steht das Problem eines Pflichtdienstjahres jedes Deut- schen zur Arbeit im Gemeininteresse doch unausweichlich vor unserer Zukunft.
Oberheffen.
Kreistag in Lauterbach.
* Lauterbach, 30. Mai. Heute trat hier unter dem Vorsitz des Kreisdirektors Dr. Michel der Kreistag des Kreises Lauterbach zu feiner diesjährigen ordentlichen Tagung zusammen. Von 21 Kreistagsabgeordneten waren
aller Art Ne Hühnerhaltung rationeller zu gestalten. So fand dieser Tage eine Besichtigung des Tierzucht- institutes der Landesuniversität Gießen und der Dittmarschen Geflügelfarm in Gießen statt. Der Verein zählt bereits eine stattliche Zahl Mitglieder. Vorsitzender ist Lehrer Jung, Rechner Wilh. Weis, Schriftführer A. Hahn.
+ Grünberg, 28. Mai. Der Gemeinde- r a t verhandelte in seiner jüngsten Sitzung, zu der 10 Gemeinderäte erschienen waren, u. a. über folgende Punkte: 3n der Frage der Errichtung eines neuen Spritzenhauses, das nach einem Kostenvoranschlag des Architekten Balser auf 9718 Mk. kommt und damit die seinerzeit festgesetzte Summe von 8000 Mk. erheblich überschreitet, war es in der vorigen Sitzung zu keinem Beschluß gekommen. Architekt Balser, der zu der jetzigen Sitzung zugezogen war, erläuterte in längeren Ausführungen den Kostenvoranschlag, worauf der Gemeinderat beschloß, daß die Arbeiten für das Spritzenhaus in engerer Submission in nächster Zeit vergeben werden sollen. — Die Beleuchtung des G allmarktplatzes bzw. dessen Herstellung als Sportplatz ver
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20 zugegen. Hauptgegenstand der Verhandlungen war der Voranschlag des Kreises Lauterbach für das Rechnungsjahr 1 93 0. Der Voranschlag schließt, wie vor einigen Tagen bereits berichtet, in Einnahme und Ausgabe mit 280 592 Mk. gegen 246 029 Mk. im Vorjahre ab. Auf die Betriebsrechnung entfallen in Einnahme und Ausgabe 253 247 Mk., gegen 225 226 Mk. im 3ahre 1929, auf die Vermögensrechnung kommen 27 345 Mk. (im Vorjahre 20 803 Mk.). An Kreisumlagen sollen unter Zugrundelegung der vorjährigen Sähe wiederum 82 000 Mk. eingehen. Besonders bemerkenswert ist dabei, dah der Kreis Lauterbach die niedrig st en Steuersätze in ganz Hessen hat. Nach längerer Beratung, bei der es infolge mehrerer nationalsozialistischer Anträge, die nach der Ansicht der Sitzungsteilnehmer nur agitatorischen Zwecken dienten, zu stellenweise lebhaften Aussprachen kam, wurde der Haushaltsvoranschlag nach den Vorschlägen des Kreis- ausschusscs mit den vorstehenden Abschlußzisfern angenommen. Für den Voranschlag stimmten alle Parteien, einschließlich zweier nationalsozialistischer Mitglieder des Kreistages, gegen den Voranschlag stimmte, im Gegensatz zu feinen beiden Parteifreunden im Kreistage, als einziger der nationalsozialistische Abg. Dr. Lang (Grebenhain). Die Anträge der Nationalsozialisten wurden a b gelehnt.
Der Kreistag beschloß weiter, die vorläufigen Steuerausschlagsfähe für 1929 als endgültige Sähe zu bestimmen. Der Einführung einer Kreis-Hundesteuer in den selbständigen Gemarkungen des Kreises wurde zugestimmt. Danach werden an Steuern e^oben für den ersten Hund 12 Mk., für jeden weiteren Hund ein Zuschlag von ebenfalls 12 Mk. Genehmigung fanden weiterhin die Einführung einer Kreis-Bier- steuer in den selbständigen Gemarkungen des Kreises, sowie der Bericht des Kreisausschusses über die Verwaltung des Kreises Lauterbach im Rechnungsjahr 1928.
Landkreis Gicsten.
Bg Großen-Buseck, 30. Mai. Dor kurzem wurde hier ein Geflügelzuchtverejn geprün- bet. Hauptzweck des Vereins ist, durch Aufklärung
ursachte wiederum eine längere Aussprache. Eine Ortsbesichtigung, die auf Beschluß der vorigen Sitzung stattgefunden hatte, ergab, daß der weiterhin vorgeschlagene Platz auf der Lehmkaute an der Göbelnröder Straße nicht als Sportplatz geeignet ist, da er eine schräge Lage aufweist und eine Menge Obstbäume zur Entfernung kommen mühten. Gemeinderat Wilh. Schmidt schlug vor, einen Platz oberhalb vom Spitzen Stein in der Nähe des Tannenkopfes in Aussicht zu nehmen. Der Gemeinderat beschloß, diesen Platz zu besichtigen. Jedenfalls ging aus der Aussprache hervor, dah man allseitig der Meinung ist, dah die Sportplatzfrage in irgendeiner Weise gelöst werden müsse. — Das Kreisamt hat die Genehmigung zum freihändigen Verkauf des Färbgrabens an die Weberei H. Schmidt L zurückgezogen und öffentliche Versteigerung anhcimgestellt. Schlossermeister Schäfer bat in einer Eingabe um Teilung des Platzes und freihändigen Verkauf des kleineren Teiles an ihn und des größeren Teiles an H. Schmidt 1. zu einem angemessenen Preise. Nach längerer Aussprache wurde die Sache zurückgestellt.
* Grohen-Linden, 29. Mai. Bei dem am vorigen Sonntag in Wieseck abgehaltenen 6. Bundesfest des Keglerbundes Lahn-Busecker Tal errang unter 281 Mitbewerbern Alfred 3 u n g von hier den ersten Preis und die Bundesmeisterschaft, Erwin Tank von hier den dritten Preis. Bei der vorjährigen zweiten Bun- dessahrt konnte Alfred 3 u n g unter 200 Bewerbern ebenfalls den ersten Preis davontragen, womit auch der Keglerverein „Alle Neune" den ersten Preis für sich buchen konnte.
= Lang-Göns, 30. Mai. Auf der Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesell- schäft in Köln hatte der hiesige Schweinezucht v e r e i n — wie gemeldet — acht Tiere ausgestellt. Bei der Preisverteilung wurden ihm zu- erkannt: Ein 1. Sammelpreis, ein 2., ein 3. und ein 4. Preis sowie drei Anerkennungen: von acht Tieren wurden also sieben ausgezeichnet. Zum erstenmal beteiligte sich der Zuchtverein an der Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, und er kann mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein. Der Verein steht seit seiner Gründung unter der bewahrten Leitung des Landwirts Ludwig Konrad L u h.
* Lich, 31. Mal. Der bekannte L ich er Pfingltmarkt findet in diesem Jahr nur als Schweine- und Krämermarkt statt, während der sonst mit dem Markt verbundene Ziegenmarkt aus den 22. und 23. Juni verlegt worden ist, an welchen Tagen hier die 25. Jubiläumsfeier des Kreisziegenzuchtoereins Gießen stattfindet. Trotzdem ist bei der bekannten Güte des in Lich immer aufgetriebenen Zuchtviehmaterials mit einem guten Marktbesuch zu rechnen. Man beachte die heutige Anzeige.
LI Rodheim a. d. Horloff, 30. Mai. Dieser Tage hielt die hiesige Spar- und Darlehenskasse ihre diesjährige Generalversammlung ab. Nach Begrüßungsworten durch den Präsidenten des Aufsichtsrates legte Rechner Karl Hofmann die Bilanz des letzten 3ahres vor, die folgenden Stand -zeigte: Aktiva. Kassenbestand 166,15 Mk., Wertpapiere 17 000 Mark, Geschäftsguthaben bei Genossenschaften 6000 Mark, 3mmobillen 100 Mk., Guthaben in laufender Rechnung bei Genossen 84 341,60 Mk., Darlehen auf Schuldscheine 149,70 Mk. und Hypotheken 4750 Mk.: Summe: 112 507,45 Mk. Passiva. Reservefonds 2150 Mk., Detriebsrücklage 1860,54 Mark, Geschäftsguthaben der Genossen 2300 Mk., Spareinlagen 61 055,72 Mk., Bankschuld in laufender Rechnung 4923 Mk., auf Abwicklungskonto 22 226,25 Mk., Schuld in lfd. Rechnung an Genossen 5615,78 Mk., und Wechsel 11000 Mk.: Summe der Passiva 111 131,29 Mk., so dah ein Reingewinn von 1376,16 Mk. verbleibt. Die Zahl der Kassenmitglieder beträgt 119. Nach der Rechnungsablage wurde dem Vorstand und dem Aufsichtsrat Entlastung erteilt. Lieber die Verwendung des Reingewinns wurde beschlossen, daß 10 Prozent Dividende auf das Geschäftsguthaben der Mitglieder ausgezahlt werden sollen, der verbleibende Rest wird dem Reservefonds und der Detriebsrücklage zugewiesen. Bei der Ergän- zungswahl des Vorstandes wurden die seitherigen Mitglieder Ludwig Rudel (gleichzeitig auch Direktor der Kasse) und Friedrich Keil (Stein- Heim) wieder gewählt: in den Aufsichtsrat treten neu ein: Friedrich Nicklas (Rodheim), Karl Schäfer (Rodheim) und Richard Rudel (Steinheim): die ausscheidenden Herren traten aus Rücksicht auf ihr Alter und ihre Gesundheit freiwillig zurück.
Kreis Friedberg.
ch O st h e i m bei Butzbach, 30. Mai. In den letzten Tagen sind hier drei Einbrüche verübt worden. Während den Dieben in zwei Häusern nicht das Gewünschte — sie hatten es allem Anschein nach auf Geld abgesehen — in die Hände fiel, waren es im aannzen 15 Mark, die die Einbrecher, als sie ihre Arbeit zum drittenmal versuchten, erbeuteten.
Kreis Büdingen.
nd. Nidda, 26. Mai. Gestern hielten hier die vor 50 3ahren im Kirchspiel Nidda Geborenen eine Zusammenkunft ab, um gemeinsam ihren 50. Geburtstag mit einigen fröhlichen Stunden des Wiedersehens zu feiern. Vollzählig waren sie von hier, Kohden und Llnter-Schmitten dem Ruse ihres Altersgenossen, des Spenglermeisters Heinrich Wolf hier, gefolgt, und wer es von den auswärts wohnenden Schulkameraden einigermaßen möglich machen konnte, war mit feinen Familienangehörigen erschienen. Nur die durch Krankheit oder Dienstpflichten verhindert waren, hatten herzliche Begrüßungsschreiben und 8um Teil recht beträchtliche Geldspenden geschickt. Einer hatte aus Amerika 100 Dollar überwiesen. Die Feier begann mit einem gemeinsamen Besuch des Gottesdienstes, in dem Dekan Scriba die Festpredigt über 3esajas 40, 27 bis 31 hielt. Dann folgte ein Rundgang durch die Stadt, die für manchen, der sie lange nicht gesehen hatte, durch die zahlreichen Neubauten wesentlich verändert schien. Einem gemeinschaftlichen Mittagessen in der „Traube" schloß sich ein gemütliches Zusammensein im gleichen Lokale an, zu dem als Gäste die beiden hiesigen Geistlichen und die hier noch im Ruhestand lebenden ehemaligen Lehrer der Altersvereinigung, Domm, Gatzert und K ü f e r, eingeladen waren. Pfarrer Laut konnte wegen Dienstgeschäften nicht teilnehmen. Die übrigen waren erschienen und wurden aufs herzlichste begrüßt. 3n der von echt kameradschaftlichen Geiste und großer Heimatliebe getragenen Festrede des Oberstudiendirektors Dr. Kammer (Darmstadt- wurden die Verdienste der Lehrer in Dankbarkeit und Anerkennung gewürdigt und den verstorbenen und im Weltkrieg gefallenen Schulkameraden ein ehrender Nachruf gewidmet. Die Anwesenden ehrten die Toten mit einigen Minuten stillen Gedenkens, während die Musik leise eine Strophe von „3ch hott' einen Kameraden" spielte. Oberreallehrer Küfer und Rektor Gatzert dankten für die Einladungen und die Anerkennung der Leistungen der Real- und Volksschule. Eine längere Ansprache des Lehrers Friedrich Ringshausen (Offenbach a. M.) über den ethischen, Oleibenden Wert der Heimat im wechselvollen Kampfe des Lebens sand reichen Beifall. Unter Musik- und Gesangsvorträgen von den Töchtern zweier 3ubilare und dem gegenseitigen Austausch von 3ugenderinnerungen und späteren Erlebnissen verflossen die wenigen Feierstunden rasch.
ow. Ober-Widdersheim, 26. Mai. Einen fröhlichen Tag verlebte unsere M ä d ch e n Vereinigung am gestrigen Sonntag durch einen Ausflug nach Melbach zum Besuch der dortigen Mädchenvereiniaung. Die jungen Mädchen wurden bei Melbacher Familien zu Kaffee und Abendbrot zu Gast geladen. Nach der Kaffeepause versammelte man sich im Saale des Gasthauses „Zur Post". Dort cntwickelle sich bald ein echt jugendlich-fröhliches Leben. Der Lauten- und Mandolinen-Chor spielte aus den Liederbüchern des Reichsverbandes Die verschiedensten Lieder. Pfarrer Naumann begrüßte die Gäste mit einer Ansprache. Von Ober- Widdersheimer Mädchen nach verschiedenen Volksliedern getanzte Neigen brachten viel Freude. Den Höhepunkt erreichte die fröhliche Stimmung, als auch die Melbacher Mädchen sich unter die Tanzenden mischten und an den Gesellschaftsspielen sich beteiligten. Ein kleines heiteres Theaterstück der Ober-Widdersheimer ließ alle hell auflachen. Pfarrer M e m m e r t dankte für die freundlichen Be- grüßungsworte und die gastliche Aufnahme und lud zum Gegenbesuch nach Ober-Widdersheim ein. Unter Gesang des Liedes „Kein schöner Land" endete die Feier im Saal. Nach einer Stunde Abendbrotpause wurde noch durch den Musikchor an verschiedenen Plätzen des Ortes gespielt und gesungen. Danach zeigte Pfarrer Naumann den Gästen die Kirche, gab Aufschluß über deren Stil und Erbauung und erklärte die vorhandenen vier Doppelbilder. Zum Schluß wurde das Ehrenmal der Krieger besichtigt. Dann ging es unter stattlicher Begleitung zur Bahn. — Am gestrigen 6omu


