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taa konnten der Polizeidiener Johannes H 3 cherH. und seine Ehefrau Lütharina. geb. Diehlmann das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Beide Ehegatten erfreuen sich noch guter Gesundheit, so daß der Mann neben landwirtschaftlichen Arbeiten noch seinen Dienst als Gemeinde- und Polizeidiener, den er schon 39 Fahre versieht, leisten kann, während die Frau noch in der Hauswirtschaft tätig ist. Wegen der großen Entfernung vom Gotteshaus und der ungünstigen Witterung fand die kirchliche Feier im engsten Familienkreise im Hause des Jubelpaares statt. Der Pfarrer sprach im Anschluß an Psalm 91 und segnete dos Jubelpaar noch einmal ein für weiteren gemeinsamen Gang durchs Leben. Im Auftrag des Landeskirchenamtes überbrachte der Pfarrer dessen Glückwünsche und überreichte ein künstlerisches Gedenkblatt. Das Dekanat hatte schriftliche Glückwünsche übersandt, die der Pfarrer zur Verlesung brachte. Im Auftrag der Äirchengemeinde und des Ltirchenvorstandes sprach er auch deren Glückwünsche aus. Die Gemeinde Unter.Widdersheim ehrte ihren langjährigen Ge- meindedtener durch Ueberreichung eines Feltge- fchenkes in Gestalt eines hübschen Sessels. Diele Blumengrüße und Gaben bezeugten dem Jubelpaar die allgemeine Wertschätzung und freudige Anteilnahme an seinem Ehrentag.
ch Ortenberg, 29. Mai. Der hiesige Dor- schuß - und Äreditoerein hielt gestern seine Generalversammlung über das 55. Geschäftsjahr (1929) ab. In dem Bericht des Vorstandes wurd" betont, daß das Jahr 1929 von einer außerordentlich schwierigen Geldbeschaffungsmoglichkeit gekennzeichnet war. Lu Beginn des Geschäftsjahres sei der Verkehr mit der Hessischen Landesbank ausgenommen worden, wodurch Kredite beschafft werden konnten und neben der Versorgung der Kunden die Finanzierung von Bauten möglich war. Auch die Beziehungen zu den übrigen Bankverbindungen gestalteten sich reibungslos und erfreulich. Die Gewährung einer Dividende von 10 v.H. konnte bei» behalten werden. Der Umsatz erreichte die Höhe von 8 418 127,34 Mark. Die Bilanz per 31. Dezember 1929 schließt mit 561 330,19 Mark in Aktiva und Passiva ab. Der Reingewinn einschließlich Vortrag aus 1928 wird mit 6293,99 Mark ausgewiesen. Die Anträge der Verwaltung wurden von der Dersamm- lung einstimmig angenommen. Aus dem Aussichts- rat schieden infolge Ablaufs der Wahlperiode die Herren Otto (Brom und Heinrich Wiesner aus. Da letzterer auf die Wiederwahl verzichtete, wurde für ihn Heinrich Suhl III. gewählt, Otto Grom wurde wiedergewählt, neu in den Aufsichtsrat kam Fritz Gödel.
A Blofeld, 30. Mai. Gestern ereigneten sich infolge des starken Verkehrs in der Rähe unseres Dorfes zwei schwere Unfälle. Sin junger Bursche aus Reichelsheim fuhr mit dem Motorrad an der abfallenden Straße beim Ausweichen wider einen dicken Stein, der auf dem Fußsteig lag, stürzte vom Rade und verletzte sich schwer am Kopfe. Der Verletzte mußte im Auto nach Hause gebracht werden. — Ein lljähriger Schuljunge aus unserer Gemeinde kam mit dem Rade in derselben Straße zu Fall undtrüg Verletz ungen am Kopfe davon.
Kreis Schotten.
□ Laubach, 29. Mai. 3n der letzten Rächt verunglückte gegen 1.30 Uhr an der etwa hundert Meter vor dem Ortseingang bei Wetterfcld liegenden Kurve ein Personenauto, das
sich auf der Rückfahrt nach Butzbach befand, indem eS gegen einen Baum rannte. Das Auw wurde zertümmert- Die beiden 3n- sasfen trugen erheblicheKopf-und Armverletzungen davon. Die Verunglückten wurden nach erster ärztlicher Hilseleifwng in daS hiesige Krankenhaus verbracht.
D Wingershausen, 29. Mai. Nachdem seit fast 1 */. Fahren kein Todesfall mehr in der hiesigen Gemeinde vorgekommen war. starb jetzt die älteste Frau des Kirchspiels. die allgemein geschätzte Witwe Margarete Decker, geb. Lilinger, im fast vollendeten 9 0. Lebensjahr. Sie war bis in ihre letzte Stunde geistig außerordentlich regsam und war ihr Leben lang so kräftig und gesund gewesen, daß sie als Mädchen in der elterlichen Mühle die schwersten Säcke tragen konnte und bis wenige Tage vor ihrem Ende niemals einen Arzt gebraucht hatte. 3n ihrer Erinnerung war eine fast hundertjährige Geschichte von Wingershausen ganz ttzbendig. Sie sprach mit Stolz davon, daß ihre 3 Söhne (von denen der eine seit 28 3ähren Bürgermeister, der andere Kirchenrechner von Wingershausen ist) 7 3ahre lang nacheinander in Gießen aktive Soldaten gewesen toarert 3hre Rachkommenschaft sind 3 Söhne, 11 Enkel und 16 Urenkel. Sie war die älteste von 16 Geschwistern, die jedoch alle, z. T. sehr frühe, gcftorlxn sind. Rur eine 15 Fahre jüngere Schwester, Frau Elisabeths Lihner, geb. Usinger, seit 42 Fahren ebenfalls Witwe, lebte noch tm Rachbarhause. Diese war in den letzten Fahren öfters kränklich und
ist setzt — welch« wunderbare Fügung! — am gleichen Tag wie ihre Schwester, 12 Stunden später, einer Lungenentzündung erlegen. So bewegte sich ein Trauer- fug, wie er wohl selten gesehen worden ist, zu untrem Friedhof hinauf. Voran wurden nebeneinander die Särge der beiden hochbetagten Schwestern getragen. Rach ihrem Wunsch wurden sie in einem gemeinsamen Grabe beigesetzt.
Kreis «ISfelv.
v Rieder-Gemünden, 29 Mai. Die hiesige Molkereigenossenschaft hielt dieser Tage unter der Leitung deS AufstchtsratSvorsitzenden Bürgermeister Lutz (Slpenrod) ihr« diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Aus der Fahresrechnung für 1929, die von bem Rechner Martin erstattet wurde, ging hervor, daß der Reingewinn im Geschäftsjahre 1929 gering war: er wurde auf neue Rechnung vorgetragen. Der Genossenschaft gehörten am Schlüsse des Berichtsjahres 309 Mitglieder an. Die aus dem Aufsichtsrat turnusmäßig ausschcidenden Mitglieder Hochgrewe (Rieder-Ofleiden) und Bürgermeister Lutz (Elpenrod) wurden einstimmig wiedergewählt, für das freiwillig ausscheidende Aussichtsratsmitglied Pfannstiel (Hainbach) wurde Heinrich Erb Hi. (Schadenbach) einstimmig in den AufsichtSrat entsandt. Die Versammlung beschloß weiter die Verhängung von Strafmaßnahmen gegen solche Mitglieder, die nicht mindestens ihr.Pflichtquantum an Milch an die Molkerei abliefern.
Geschichten aus aller Welt.
Brautfchau in Hellas.
(t) Athen.
Tausend Herzen junger, hübscher Griechinnen dürsten in diesen Tagen schneller geschlagen haben, als aus Reuyork der Lieberseedampfer »Saturnia" in der Phaleron-Bucht eintraf. Denn auf diesem Schiff befanden sich 800 junge Griechen, die der Heimat zustrebten, um sich eine Braut zu suchen. Einige dieser Heiratsfrohen waren mit so festen Absichten gekommen, daß sie sogar eine doppelte Rückfahrkarte gekauft hatten.
Mit einem Lächeln auf den Lippen stiegen die modernen Argonauten von dem Dampfer herab. Am Quai erwarteten sie schon Hunderte, ja Tavsende von jungen Damen, die ebenfalls ein freudigerregtes Lächeln auf den Lippen hatten. Sogar eine Abordnung der Stadt Athen und einige Beamte der griechischen Regierung hatten sich eingefunden, um die Brautsucher zu begrüßen und ihnen alles Gute für die Wahl zu wünschen.
Allerdings so ganz ohne Anhalt sind sie nicht über das Meer gekommen. Die „Engros"-Chever- handlungen liegen schon einige Feit zurück. Man hatte durch die politische Vertretung Griechenlands in den Vereinigten Staaten fleißig Propaganda machen lassen, und sogar einen Musterposten von tausend Photographien abgesandt. Danach hatten sich jene Griechen oder zu Amerikanern gewordenen ehemaligen Griechen eine Frau ihrer Wahl ausgesucht und waren bisher zum Teil nut telegraphisch mit ihr in Verbindung getreten.
Mancher wird von dem Original entzückt sein, das er vorfand, als er griechischen Boden betrat, manch anderer dagegen dürfte eine kleine Enttäuschung erlebt haben, wenn auch die Möglichkeit besteht, in Griechenland, dar ja nicht gerade arm ist an schönen Frauen, eine andere Schönheit zu finden.
Diese Argonauten deS 20. FahrhundertS brachten zum Ausdruck, daß sie in Amerika fleißig nach einer Braut gesucht hätten, freilich ohne eine zu finden. Und so seien sie auf die Heimat zurückgekommen, die ihnen doch noch immer die lieblichsten Wesen des weiblichen Geschlecht- zu liefern in der Lage sei.
Bald wird es 800 fröhliche Hochzeiten geben in Griechenland.
Spitzbubcn-Krcchhcit.
(v) Budapest.
Hin Spitzbubenstück, da- von edler Dreistigkeit zeugt, erzählen hiesige Blätter. Als in einem hiesigen Eafä ein Börsenmakler, der mit Geschäftsfreunden zusammensah. das Rotizbuch auS dem abgelegten Lieberzieher holen wollte, stellte er zu seinem Schrecken fest, daß dieses — erst neu angeschaffte — Bekleidungsstück spurlos ver- schwunden war. Man suchte fast eine halbe Stunde lang in dem ganzen Lokal, natürlich vergeblich, und der Geschädigte wollte sich gerade aufmachen, um der Polizei persönlich 2Uizeige zu erstatten, als ein kleiner 3ungc im Gastraum erschien und am Büfett ein kleines Paket mit der Aufschrift abgab: »Dem Herrn, dem der Mantel gestohlen wurde!" Das Paket enthielt
da- Rotizbuch, auf dessen erster leerer Seite mit fremder HaEchrift die Adresse einer nahen Psandleihe angegeben war. während die Deckeltasche den Pfandschein enthielt —
Der Bestohlene eilte sofort in die Pfandleihe und fand dort tatsächlich seinen vor etwa einer Viertelstunde versetzten Lieberzieher vor. Er löste ihn ein, zog ihn an und suhlte in der einen Tasche ein knisternde- Papier. Er entfaltete e- und laS in derselben fremden Handschrift, die den Wink in das Rotizbuch geschieben hatte: t
.Fch danke. Fch wußte mir nicht anders zu Helsen. Gin ehemaliger Millionär."
Ter Schakal.
(c) Kairo.
Ein junger Araber, Omar Sjih. einstigerDiener in einem Hotel in Kairo, hat gegen seinen früheren Direktor eine Klage wegen unrechtmäßiger Entlassung anhängig gemacht. Run sind ja derartige Prozesse an der Tagesordnung. Aber die Llmstände, unter denen feine Entlassung erfolgte, sind doch wert, festgehalten zu werden. 5m Fanuar dieses Fahres nahm ein Amerikaner im Hotel Wohnung, um sich die Wunder Aegypten- anzusehen und die Hoteldirektion versprach ihm ihre Hllse. Der Amerikaner verbrachte eine der ersten Rächte in einem Zelt, da- er sich auf einem Esel in die Wüste halte bringen lassen. Man hatte ihm nämlich mitgeteilt, daß er, wenn er Glück hätte, das Heulen der Schakale hören könnte, ein angenehm gruseliges Geräusch, da- er nie wieder vergessen würde. Lind wirklich, gegen ein Lihr nachts, begannen die Schakale zu heulen, zunächst zwar nur schwach, dann aber immer lauter. 3n dem tiefen Blau der Wüstennacht ein schauererweckendes Geräusch. Aber der Amerikaner war ein nüchterner, rechtschaffener Mann. Anstatt sich mm am nächsten Morgen bei der Direktion zu bedanken, lieh er sich den Geschäftsführer kommen und ranzte ihn mächtig an. Denn der Amerikaner war Direktor eines Zoologischen Garten- und hat in seinem Geben mehr Schakale heulen gehört al- jemals ein Wüstenreisender. Er war wütend, daß man e- gewagt hatte, ihm eine armselige Rachahmung als echte- unverfälschtes Schakalgeheul vorzusetzen. Gr beruhigte sich nicht eher, bi- man ihm den stümperhaften Tierstimmenimitator brachte und dieser war Omar Sjih. Am frühen Morgen schon bekam Omar eine unvergeßliche Strafpredigt zu hören und wurde schließlich von seiner Direktion entlassen. Wegen Llnzulänglichkeit. Er klagt, weil er auf Zoodirektoren als Schakal-3mitator doch nicht verpflichtet gewesen sei.
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