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Lollar und verlor dort ihr Pflichtspiel nach aus­geglichenem Kampf knapp mit 1:2. Das an- gesagte Pflichtspiel der zweiten gegen die erste Leihgesterns kam wegen Sperrung des Gegners nicht zum Austrag. Wie erwartet, verlor die dritte gegen ihren ungleich stärkeren Gegner, die erste Jugendelf Großen-Buseck, auf dortigem Platz mit 1:4. Während die erste Schülermann­schaft ohne Gegner blieb, verlor die zweite gegen die gleich« der Gießener Spielvereinlgung knapp mit 1:2.

Fußball in Heuchelheim.

Kommenden Sonntag trägt der Sportverein 1920 sein letztes DerbandLsp'.el in te: dies^öh igm Runde auf eigenem Platze gegen Sechsyeloen aus. Das Dorspiel verlor Heuchelheim, allerdings nur mit neun Mann spielend, 3:1. Sechshelden hat inzwischen bedeutend an Spielstärte gewon­nen. Der Sieger in dem kommenden Treffen wird erst beim Schlußpfiff feststehen.

Fußballklub 1926 Großen-Buseck.

Nächsten Sonntag fährt die erste Mannschaft Großen-Busecks nach Ettingshausen, um dort ihr fälliges Derbandsspiel auszutragen. Die Bu­secker müssen vier Spieler ersetzen, was wohl eine Niederlage für. den Tabellenersten bedeutet. Ettingshausen ist eine durchschlagökräftige und gute Mannschaft, besonders auf eigenem Platz.

Die Jugend der Busecker spielt in Hermann­stein und wird ihrer Aufstellung nach eine Nie­derlage mit nach Hause nehmen.

V. f. K Och.

Am nächsten Sonntag hat die Jugend in Büb­lingshausen anzutreten. Welche Spielstärke der Plahverein besitzt, ist nicht bekannt, da er es beim Borspiel vorzog, zu Hause zu bleiben.

Arbeiter-Turn- und Sportbund.

Die seitherige KreiZklassenman schäft Gießens, die dem Abstieg aus der Kreisklasse verfallen war und nun wieder 1. Bezirksklasse spielt, wird am kommenden Sonntag auf dem Wiesecker Sportplatz ein fälliges Rückspiel gegen die erste Mannschaft Wiesecks auZtragrn. Der Ausgang des Spiels ist osfen zu lassen.

Borher werden sich die lb-Mannschaften beider Vereine ein Freundschaftsspiel liefern. Ob es der Ib-Mannschaft Gießen gelingen wird, der aussteigenden Ib Wiesecks eine Niederlage zu bereiten, ist zweifelhaft.

Den Beginn machen die Jugendmannschaften beider Vereine. Auch hier ist der Sieger nicht vorauszusagen.

In Lollar findet eine Gruppenturnstunde der -weiten Gruppe statt. Als LIcbungsplan sind die Frei- und Geräteübungen zum Bezirksfest in Wißmar und zum Kreisfest in Darmstadt vor­gesehen.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

U Großen-Lind en, 31. Jan. Ein Vor­fall, der ein schlimmes Ende hätte nehmen kön­nen, ereignete sich hier gestern vormittag. Eine junge Mutter mußte nach dem Baden ihres etwa fünfMonate alten Kindes das Zimmer für kurze Zeit verlassen und bettete das Kleine auf dem neben der Badewanne stehenden Tisch. Nach ihrer Rückkehr fand sie das Kind, daß in­folge lebhafter Bewegungen vom Tisch her- untergefallen war, im Wasser lie- ?; e n b vor. Es wäre ertrunken, wenn die Mutter urze Zeit länger weggeblieben wäre. Durch rasch hinzugezogene sachverständige Hilfe wurde das Schlimmste vermieden. Dem Kinde geht es wie­der gut.

Bg. Großen-Buseck, 29. Jan. Heute mor­gen wurden die Einwohner durch starken Qualm aus dem früheren Schulhaus, einem

unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, erschreckt. Cs handelte sich jedoch nur um einen,allerdings lange anhaltenden Kaminbrand. Von sach­kundiger Seite überwacht, erlosch er, ohne daß ein Eingreifen der Feuerwehr nötig wurde. Um dem von vielen Hausbesitzern lästig empfun­denen Bekleben der Hoftore und Häu­ser mit Reklamezetteln usw. entgegenzu­wirken, hat die Gemeinde an verkehrsreicher Stelle eine Plakatsäule errichten lassen.

8 D a u b r i n g e n, 29. Jan. Der h e.ige K r i e- gerverein hielt in seinem Dereinslokal bei Gastwirt Weimer seine diesjährige General­versammlung ob. Der Vorsitzende Wilhelm Walther VII. begrüßte die Mitglieder und ge­dachte in ehrenden Worten des Reichspräsiden­ten. Die Rcchnungsab.age erstattete der Vereins- rechner Ludwig D o r t II. Die Einnahmen be­trugen rund 3öO Ml.. die Ausgaben 316 Mk., so daß ein Ueberschuh von rund 44 Mk. vorhan­den ist. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Die Verleihung von Ehrenzeichen nach 25-, 40- und 50jähriger Mitgliedschaft erfolgt durch den Hassia"-Verband. Alle übrigen Ehrenzeichen sollen durch Kauf durch den Verein bezogen wer- den. Die Generalversammlung erachtet es als notwendig, neue Statuten auszuarbeiten. Das 71jährige Vereinsmitgl:ed Weihbindermeister Heinrich Weimer II. wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Karl Weimer konnte der silberne Becher der Bezirkshassia für hervorragende Lei­stungen beim Verbandsschießen im vergangenen Sommer überreicht werden. Alle Mitglieder, die am Schießen nicht teilgenommen hatten, sollen zur finanziellen Stützung der Kasse 1 Mk. ent­richten.

f Treis a. d. Lda., 29. Jan. Der Turn­vereinGut Heil" hielt am Sonntag seine diesjährige e^ste ordentliche Hauptver­sammlung ab. Aus den Jahresberichten des Vorsitzenden und des Oberturnwarts ging hervor, daß auch im verflossenen Jahre wieder rege in turnerischer Beziehung gearbeitet wurde. Es ist dies besonders zu danken der überaus fleißigen und sachkundigen Arbeit des Oberturnwarts Rabenau, der dabei von den Vorturnern verständnisvolle Unterstützung gefunden hat. Dar­aus erklären sich auch die schönen turnerischen Erfolge, die der Verein im letzten Jahre zu ver­zeichnen hatte. 35 Siege, darunter ein erster Sieg des Turners K. Leinweber, konnte der Verein buchen. Auch die Spieltätigkeit hat sich unter der bewährten Leitung des Spielführers gehoben. Leider ist es dem Verein nur unter großen Opfern, wegen der abgelegenen Lage des Vercinsorls, möglich, seine Spielmannschaften an­deren auswärtigen Mannschaften auf dem Spiel­felde gegenübcrzustellen. Die Vereinsgeschäfte wurden in fünf Hauptversammlungen und vier Vorstondssihungen erledigt. Eine besondere Eh­rung wurde dem Verein am Anfang des ver­gangenen Jahres zuteil, indem seinem Vorsitzen­den der Kreisehrenbrief überreicht wurde. Im Jahre 1930 sieht der Verein auf 25 Jahre seines Bestehens zurück. Aus diesem Anlaß soll eine Jubelfeier am l.Juni stattfinden, die mit dem Bezirksturnen des 2. Bezirks des Gaues Hessen verbunden ist. Zur Vorbereitung auf dieses Fest wählte die Versammlung die Ausschüsse.

<5 Allendorf o. d. Lumda., 27. Jan. Am Samstagabend hielt der hiesige Krieger- verein im Saale der Gastwirtschast Eberhard Ranft Witwe seinen diesjährigen Familien­abend ab. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Musik wurde von der Kapelle Sommerlad, Beuern, gestellt. Nach einem flott gespielten Eröffnungsmarsch hieß der erste Vorsitzende Lehrer Strack die Besucher will­kommen und wies dann in seiner Ansprache dar­auf hin, daß unser deutsches Vaterland nur dann wieder erstarken könne, wenn die Einigkeit bei uns wieder einziehe. Das ausgebrachte Hoch galt dem Vaterland. Hierauf wurden von Mit­gliedern des Vereins und deren Angehörigen

einige Theaterstücke (Einakter) flott gespielt, die reichen und wohlverdienten Beifall fanden. An­schließend fand eine Tombolaverlosung statt, zu der wertvolle Preise gestiftet waren. Humo­ristische Vorträge sowie der übliche Tanz hielten die Teilnehmer noch lange beisammen.

* Kes selb ach, 28. Jan. Am Samstagabend hielt der GesangvereinLiederkranz" seine diesjährige Generalversammlung bei Mit­

glied F. Weber ab. Der vom 1. Vorsitzenden Leonh. Wißner erstattete Jahresbericht zeigte ein erfreuliches Bild stetiger Aufwärtsbewegung des Vereins. Auch der Kassenbericht, der in Ein­nahme 1167,30 Mk., in Ausgabe 1087.95 Mk. aufwies, war trotz der schweren Zeit, in der die Gesangvereine um ihre Existenz kümpfen, günstig. Der Vorstand wurde einstimmig wicdergewählt. Nur für das Ehrenmitglied W. D i e tz, der fast

Schach-Ecke.

Bearbeitet von W. Orbach.

Alle für die Redaktion bestimmten Mit­teilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion desGießener Anzeigers".

Problem Nr. 249.

Don Josef Pospisil.

6

5

3

8

4

2

7

2

11

8

6

5

4

3

2

a b

Schwarz, d e f

Weiß.

Weiß zieht und seht in zwei Zügen matt. Weih: 6 Steine Kb2; Dfl; Tc4; Ld7; Sei; Be3. Schwarz: 8 Steine Kd5; Dh7; Lc2, e7: Bb4, c5, d6, e5.

Partie Nr 175.

Die nachstehende hübsche Partie wurde am 6. Dezember 1929 im Meisterturnier des Berliner SchachheimsMoka Cfti" gespie.t.

AbgelehntcS Damengamöit.

Weiß: Hel lag.

Schwarz: Koch.

Ld2-d4 l.Sg8-f6

2. c2 - c4 2. e7 - eb

3. Sbl-c3 3. d7-d5

4. Sgl-13 4.c7-c6

5 Lei -g5 5. Sb8-d7

6 e2-e4

Seinem Spielthpus gemäß greift Weiß gleich scharf an: vorzuziehen ist hier 6. e3.

6 . . . 0. DJ8-b6

7. e4xd5 7. Db6xb2

2n Verbindung mit dem nachfolgenden Zuge ein sehr gesundes Manöver, da der weiße Damenflügel hierdurch geschwächt wird.

8. d5xea 8. L8-b4!

9 e6xd7+ 9. Lc8-d7

10 Tal-bl

Besser geschieht LXc3+ 11. Ld2 usw. 10.. . .

11. Sf3-d2 12 Lo5xd2 13. Tblxb7

an dieser Stelle 10. Tel,

10. Lb4xc3+

11. Lc3xd2-4-

12. Dc2xd4

13.0-0-0!

Ausgezeichnet gespielt!

14. Tb7-b3 Schlecht wäre natürlich 14. Dbl oder b3 wegen 14. . . ., The8-f- 15. Le2, Txe2-H 16 Kxe2, Lg4+ und Schwarz gewinnt. 14. Tc?+, KbS usw.

14.... 14. Ld7-g4!

15.f2-f3

Weiß hat nichts Besseres, denn auf 15. Le2 ge­winnt Schwarz durch 15..... Lxe2 16. Dxe2,

Dal 4- 17. Ddl, Dxdl + 18. Kxdl, Se4! das Spiel. 15... 15. fh8-e8+

16. Lfl-e2 16. Lg4-f5

17. Th 1 f 1

Die weiße Partie ist völlig hilflos, Schwarz entscheidet nun das Spiel durch einige kräftige Züge.

17... 17 Lf5-d3!

18. Tb3xd3 18. Dd4xd3

19. Tfl-f2 19. Td8-d7

20. c4c5. Es droht nun 20..... Tb7. Soll

21. Kfl ermöglichen, weil Schwarz hierauf den Läufer d2 nicht schlagen könnte, wegen 22. La6-fc und so weiter.

20.. .. 20. Sf6-d5

21. Ddl -b3 Jetzt würde 21. Kfl an Se34- scheitern.

21... 21. Dd3-d4

22. Kel-fl 22 Dd4-al +

23. Le2 - d 1 oder 23. D oder Ld 1 23.....Se3+ u. gew.

23... . 23. Sd5-e3+

24. Ld2xe3 24.Td7xdl +

Aufgegeben.

Lösung des Problems Nr. 245. Don Trcala.

1. Del-25!, Kg4 2. Sl6 mott.

I........g4, 2. Le8 matt.

1........c3, 2. Le2 matt.

Aus der Schachwclt.

2m vorjährigen Weihnachtsturnier zu Hastings siegte Capabtanca mit 6lA Punkten, 2. Preis­träger wurde Vidmar mit 51/? Punkten. 3. Jates mit 5 Punkten, 4. bis 5. Maroczh. Sear^ant Takacs und Thomas mit 4Vs Punkten. Es fol­gen Winter mit 4 Punkten, Miß Menshik mit 3Vr Punkten und Price mit 2 Punkten.

Oie Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom NedakttonSf sch.

Transaktionen.

Schau, heute habe ich endlich das Gegenstück zu unserer ch.n s.schen Vase finden können: Kosten­punkt dreihundert Mark!"

Schöne Pleite das ist doch unsere Vase, die ich heute für hundert Mark verkaufte, weil wir die zweite nie bekommen konnten!"

Prohibition.

Jim Rainbow steht vor dem Schnellgericht in Neuyork.

Soll Alkohol verkauft haben.

Ein schweres Verbrechen. Ein sehr schweres Verbrechen.

Sagt ein Verteidiger zu den Richtern:Be­trachten Sie doch den Angeklagten!" .

Sie betrachten ihn lange und eingehend.

Dann fährt der Verteidiger fort:Glauben Sie im Ernst, daß dieser Mann Alkohol ver­kauft wenn er mal welchen hat?"

Jim Rainbow wurde freigesprochen.

Der Traum vom SM.

Vornan von E. Lovett und M. v. Weißenthurn.

Copyright by Marie Brügmann, München.

25 Fortletzung. Na.-druck verboten.

Der die Verhandlung leitende Richter ersuchte die beiden jungen Mädchen, näher heranzutreten, worauf jemand von den Anwrsenden einen höl- sch"b" für die zitternde Sabine Herbei-

Alle sahen bedrückt und zugleich mit höchster Spannung dem Weiteren entgegen. Sabine aber war mit einem Schlage der Mittelpunkt des all- seitigen Interesses geworden und aller Blicke ruhten auf ihr.

Nur Kurt von Wildhofen lehnte mit abge­wandtem Gesicht und verschränkten Armen an der kahlen Wand des öden Raumes, allein und scheinbar teilnahmslos, obwohl er Folterqualen ausstand.

Sie ist gekommen, um ihre Beziehungen zu jenem Elenden einzugcstehen sich in den Augen aller hier Anwesenden selbst zu erniedrigen, da­durch, daß sie ihre Schande ans Licht zieht, dachte er mit bitterem Weh im Herzen. O, wäre sie nicht gekommen! Hätte sie geschwiegen es wäre nicht noch der letzte Rest von Achtung für sie in mir vernichtet worden! Welchen Zweck haben jetzt noch ihre unziemlichen Bekenntnis.«? Aber wie in aller Welt kommt die kleine Doris dazu, dos un­selige Mädchen hierherzubcgleiten und in seinem Vorhaben noch zu bestärken? Wahrscheinlich ahnte oder verstand sie das Ganze nicht!

O, hätte er ahnen können, was Sabine in der letzten Nacht durchgemacht hatte! Wäre er Zeuge der cntfetzlichen Auftritte gewesen. die sich zwi­lchen Mutter und Tochter abspielten Zeuge der wilden Drohungen und Klagen, der zornigen Verwünschungen, ja Flüche, womit erstere ihr Kind überschüttet hatte, und noch mehr, hätte er jene schöne Frau, die er als die Mutter seiner geliebten Sabine so hoch verehrte, sehen können in dem Augenblick, wo sie sich auf den Knien durch das Zimmer zu ihrer Tochter schleppte und ihr eigenes Fleisch und Blut beschwor, sie nicht zugrunde zu richten durch die Offenbarung ihrer Familienschande. Dann, ja dann hätte er vor allem anderen das tiefste Mitleid für das un­glückliche Mädchen empfunden.

Und die entsetzliche, endlose Nacht hindurch hatte Sabine sich ruhig und gefaßt aufrecht gehalten.

Eine von uns muß reden. Mutter!" Das war die Antwort auf alles Bitten, Weinen und Flehen, auf alle Wutausbrüche und Verwün­schungen gewesen.

So willst du mich also vernichten?!" hatte die fast wahnsinnige .Frau ihr entgegengehalten. |

Mein ganzes Leben als eine Kette von Schande und Betrug aufdecken vor den Augen der Welt! Ich werde mein Haupt nie wieder erheben, den Menschen nie wieder in die Augen blicken können."

Unsere Freunde, die uns nur Gutes erwiesen haben, dürfen nicht noch weiter belogen und hintergangen werden: und ich will meinen toten Vater nicht verleugnen!"

Welcher Wahnjinn! Wie entsetzlich über­spannt! Ist es doch ein unermeßliches Glück für uns. daß er tot ist. und wenn ich froh ja froh darüber bin. daß dein ehrloser Vater uns verlassen hat. so kannst du, die du ihn seit deiner Kindheit nicht mehr kennst, doch unmöglich traurig über sein Ende sein."

Still, Mutter, still! Sprich nicht solche Läste­rungen aus. Ueber den Tod eines Menschen froh zu fein, ist ein Verbrechen und dieser Mann war der Vater deines. Kindes. Auch bist du im Irrtum! Ich habe ihn selbst kürzlich gesehen, erst vorgestern und habe eine Unterredung mit ihm gehabt. Er verlangte Geld von mir, und ich versprach, es ihm zu verschaffen."

Der Mutter maßloses Erstaunen machte einer um so größeren Entrüstung Platz, als sie erfuhr, daß Sabine Kurt von Wildhofen tatsächlich um ein Darlehen gebeten hatte. Sie war nafre daran, sich die Haare auszuraufen vor Verzweiflung, daß nun ihrer Ansicht nach alles, alles arrs sein mußte.

Und selbst jetzt brachte Sabine es nicht über die Lippen, von den Drohungen zu reden, die ihr Vater gegen Kurt ausgestoßen hatte. Nie» mand auf der Welt, so schwor sie sich zu, sollte es jemals von ihr erfahren, ausgenommen Kurt selbst, wenn er je jemals... Ach. wie kam dieser törichte Traum noch einmal in ihre Seele! Wie hätte feine Liebe alles das überdauern können, was geschehen war!

Inzwischen hatte sich die vor Zorn fast sinn­lose Frau auf das Bett geworfen, ohne sich zu entlleiden. Dort lag sie schluchzend, das Gesicht in die Kissen vergraben, ihre Tochter schmähend als das schlechteste, undankbarste und grausamste Geschöpf, das je auf Erden gelebt.

Aber Sabine blieb fest und unerschütterlich bei ihrem Entschluß bis zum ersten schwachen Mor­gengrauen, wo ihre Mutter, völlig erschöpft nach ihrem Paroxysmus, in einen bleiernen Schlaf sank.

Kaum drangen ihre schwachen Atemzüge an Sabines Ohr, als sie, in einen warmen Schlaf­rock gehüllt, leise zur Tür hinaus und die schmale Treppe hinaufschlich, die zu den Zim­mern der kleinen Doris führte.

Es bedurfte nur eines leisen Klopfens, um diese auS einem ohnehin unruhigen Schlum­mer zu erwecken. Als sie Sabines Stimme er­kannt hatte, sprang sie aus dem Bett und öffnete die Tür.

Anter Zittern und Schluchzen weihte bat un»

I glückliche Mädchen die Freundin in alles ein und schloß mit den Worten:

»2ch bitte Sie inständigst, mir beizustehsn mir zu sagen, was ich tun soll, ober richtiger, wie ich cs tun soll. Ich sehe klar vor mir, daß die Wahrheit jetzt an den Tag kommen muh, daß ich nicht länger unter einem falschen Namcn leben kann. Ich will auch nicht zulassen, daß mein unglücklicher Vater von den einzigen, die ihm nahestehen, verleugnet und wie ein Selbst­mörder begraben wird."

Doris zog das in Tränen aufgelöste Mädchen in ihr eigenes, warmes Bett und versprach aus vollem Herzen, ihr in jeder Weise zu helfen, so gut sie dazu imstande sei.

Doris hätte nach dieser neuen Entwicklung der Dinge noch sehr gern den Rat von Konrad Hagenau gehört: aber obgleich sie sehr zeitig aufstand, fand sie ihn nicht mehr anwesend.

Dom Fenster des Speisezimmers aus konnte sie gerade noch am äußersten Ende der langen Pappelallee den Wagen, der ihn zur Dahn- station führte, verschwinden sehen.

Später galt es, sich Sabinens Mutter zu wid­men, die in einer an Wahnsinn grenzenden Der- sassung zum Frühstück erschien. Sie war auf irgendeine Weise xu der ganz richtigen Ver­mutung gelangt, daß Doris von ihrer Tochter ins Vertrauen gezogen war, und goß nun die Schale ihres 3orncg ohne Mäßigung über diese aus.

Doris hatte das arme, überwache Mädchen zu überreden gewußt, in ihrem stillen, kleinen Reich zu bleiben und sich ihr Frühstück dort hinauf­bringen zu lassen. Als sie dies in vorsichtig ge­wählten Worten der aufd äußerste gereizten Frau mitteilte, schoß diese wie ein Pfeil durch das ganze Speisezimmer auf die am Kredenz­tisch beschäftigte Doris zu.

Das alles ist Ihr Werk, Fräulein Harter," rief sie wutschnaubend.Eie sind es, die meine Tochter unterstützt und bestärkt in ihrem Un­gehorsam gegen mich, ihre Mutter. Gehen Sie hinauf und sagen Sie ihr, daß sie sofort herunter* kommen soll. Ich verlange es von ihr!"

Die arme Doris schien sich in einer unbeschreib­lichen Verfassung von innerer und äußerer Auf­gelöstheit zu befinden. Ihre Frisur war schief, der von ihr unzertrennliche Schal war ihr von den Schultern geglitten und eine einzelne Strähne des grauen Haares hing ihr tief in den Nacken herab.

Oh. Doris!" rief fie, sobald sie des jungen Mädchens ansichtig wurde.Komm her und seh dich zu mir! Wie froh bin ich. endlich jemand zu haben, dem ich mein Herz ausschütten kann! Dein Onkel ist wohl noch immer bei den Herren, nicht wahr! Ich kann kaum ein paar Worte über diese entsetzliche Geschichte mit ihm reden!"

Das Mittagessen ist bereits vorüber, Tante Hanna, und ich denke, daß die Herren jetzt im

Begriff sind, das Schloß zu verlassen. Jener un­angenehme Mensch, der junge Bertram, scheint zu viel getrunken zu haben. Ich mußte soeben vor seinen mehr als ungehörigen Reden die Flucht ergreifen."

Oh, mein liebes Kind," brach Frau von Wild­hofen klagend aus, ohne das Gesagte zu beachten, hast du's schon gehört, jenes Furchtbare über die Rechtens? Ich kann's nicht glauben, bis ich deinen Onkel gesprochen habe. Man hat mit gesagt, daß etwas sehr Schlimmes über sie be­kannt geworden sei, daß alle beide Betrügerinnen seien, nicht im entferntesten das, wofür sie sich ausgegeben haben. Kannst du dir etwas Schreck­licheres denken? Und nun stelle dir vor, datz Onkel Georg und ich schon ganz ernstlich an eine Heirat unseres Sohnes mit diesem wie finde ich nur die Worte diesem nichtswürdigen Mädchen gedacht haben."

Aber liebste, beste Tantel Sabine ist in meinen Augen keine andere geworden, sie ist noch ganz dasselbe achtbare Mädchen wie vor dem unglücklichen Ereignis und des besten Man­nes wert. Hättest du nur gesehen, wie großartig sie sich bei dem Verhör benommen bat!

Aber Doris! Die Diener, die gehorcht zu haben scheinen, sagten mir, daß der getötete Vagabund ein soeben entlassener Sträfling war und jene beiden Geschöpfe seine Frau und Tochter, also ihr Name gar nicht ,von Rechten'. Sie müssen alle drei etwas Schreckliches gegen uns im Schilde geführt haben, und es ist ein Wunder, daß wir nicht alle in unseren Betten ermordet worden sind! Ach, dabei fällt mir ein, daß Matthias nachher gleich das Silberzeug zählen muß. Du kannst sicher fein, es fehlt schon etwas!"

Doris konnte nicht umhin, ganz respektwidrig aufzulachen. Gleich darauf aber setzte sie doch sehr ernsthaft hinzu:

Aber beste Tante, du wirst jene Frauen doch nicht für Diebinnen halten, weil ihr unglückllcher Angehöriger vor langen Jahren ein Verbrechen begangen hat?"

*I6er Tante Hanna war nicht zu beruhigen.

-Mein Gott, mein Gott, wenn ich bedenke, daß jener gefährliche Mensch Kleemann war fein Name, nicht wahr? sich hier schon eine Böoche lang in unseren Waldungen umherge­trieben und mit seiner Familie hier in Verbin­dung gestanden hat! Oh. schweig, Doris! Ich sollte nicht durchschauen, daß die ganze Geschichte ein zwischen den dreien geschmiedetes Komplott war, um uns zu ermorden und zu berauben?! Furchtbar! Entsetzlich! Und mein armer, un­schuldiger Kurt! So verstrickt in den Netzen jenes elenden Mädchens! Nur durch ein Wunder ist er ihr noch im letzten Augenblick entronnen! Es macht mich krank, zu denken, in welcher schamlosen Weise wir hintergangen worden finb! Aber zu allernächst müssen wir nun Sorge tragen, fic so schnell als möglich zu entfernen. WaS mögen sie jetzt tun! _ (Fortsetzung folgt)