Ausgabe 
30.7.1930
 
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Grenzgebieten, einen solchen Schlag versehen, von dem sie sich nicht mehr erholen würde. All' diese Dinge müssen in einem einheitlichen Ganzen ersaht werden. Wir müssen davon abkommen, daß bei dauernd wechselnden Koalitionen die eine Regierung diese Politik macht, die andere die entgegengesetzte.

Eines nur ist notwendig: Richt die Par­teien dürfen führend sein, sondern das Kabinett. Das hat in den letzten Jahren gefehlt. Das Kabinett muh die Verantwortung übernehmen und die Entscheidungen möglichst im Plenum des Reichstages selbst suchen. Rur so erzielen wir eine klare Verantwortung als Grund­lage der Demokratie. Der Zeitpunkt ist erreicht, in dem man den letzten Versuch machen muh, um mit der gegenwärtigen Verfassung eine wirkliche verantwortungsvolle De­mokratie zu retten und lebendig zu erhalten. Es geht aber weiter darum, unverzüglich die Maßnahmen zu sichern, die dem deutschen Volk den Ausweg aus der Rot erschließen.

Ein Wahlaufruf

-es Hansa-undes.

Kür Gesundung der Wirtschaft und Ucberwindung der Arbeitslosigkeit.

Verl irr, 29. Juli. (ERD.) Das Präsidium des Hansabundes veröffentlicht einen Wahlauf­ruf. in welchem es u. a. heißt: Es gibt für die gesetzgebenden Körperschaften nur eine Aufgabe: Den Weg zur Aeberwindung der Arbeitslosigkeit freizulegen. Es gibt nur einen Weg: der pri­vaten individualistischen Wirtschaft möglichst weitgehende FreiheitihresHan- delns, möglichst große Sicherheit ihres Arbeitens zu bieten. Die gegenwärtigeReichs- regierung hat sich um die Freilegung dieses Weges bemüht. Die Mehrheit des Reichstages hat ihr die Gefolgschaft versagt. Es gilt jetzt, einen Reichstag zu wählen, der nur ein Ziel kennt: durch Ausgabensenkung zum Abbau der öffentlichen Lasten, zur Wiedergesundung der Wirtschaft, zur Lieberwindung der Arbeits­losigkeit von Millionen Menschen und Mil­liarden an Kapital! Die überwiegende Majorität des deutschen Volkes sehnt sich aus der wirtschaft­lichen und politischen Rot und Zerfahrenheit heraus. Rur die Parteien werden die Mehrheit der Wähler hinter sich vereinigen können, die in unzweifelhafter und eindeutiger Form in diesem Wahlkampf sich zu einer Politik verpflichten, die der wesentlichen Arsache der deutschen Wirt­schaftsnot: der Llebersteigerung der öffentlichen Ansprüche cm die Wirtschaft und dem Mißver­hältnis zwischen Staat und Wirtschaft zu Leibe geht.

Der Angestellten-Abbau in -er Metallindustrie.

Einspruch der Reichspost?

Berlin, 30.Juli. (ERD.) Die Lage in der Metallindustrie verschärft sich. Rach Dlättermel- dungen sind bei der Karl Flohr AG., bei der AEG. Jsolatorenfabrik und bei der AEG. Loko- motivfabrik, sowie in der Automobilfabrik Chrys­ler Bekanntmachungen erfolgt, daß etwa zehn Prozent der Angestellten entlassen werden sollen. Insgesamt sind nunmehr in der Berliner Metallindustrie rund 3000 Entlassungen von Angestellten angekündigt worden.

Im Zusammenhang mit dem angekündigten Personalabbau bei Siemens hat das Mitglied des Derwaltungsrats der Deutschen Reichspost Reichstagsabgeordneter Schuldt (Dem.) an den , Reichspostminister ein Schreiben gerichtet, in dem er erklärt:Ich habe nicht nur ersucht, auf eine Preissenkung hinzuwirken, sondern auch darauf Bedacht zu nehmen daß diese Industrien, soweit sie von der Post Aufträge erhalten, die allgemeine Lage des Arbeitsmarktes und d i e Rückwirkung auf die i nne r p o li ti s che Lage berücksichtigen und insbesondere von Arbeiterentlassungen Ab st and nehmen. Das Vorgehen der Firma Siemens

steht diesen Forderungen kraß gegenüber, und man ist geneigt zu fragen, ob sie der Reichs­regierung, insbesondere im Hinblick auf die be­vorstehenden Wahlen, absichtlich Schwierig­keitenzubereiten versucht. Jedenfalls wäre ich Ihnen, Herr Minister, dankbar für eine E i n- wirkung auf die Firma Siemens, daß sie unter Bezugnahme auf die von Ihnen in dankenswerter Weise in Angriff genommene Mitarbeit zur Be­hebung der Wirtschaftsschwierigkeiten veranlaßt wird, von ihren Maßnahmen abzusehen.

Tarifverhandlungen bei der nordwestdeutschen Eisenindustrie

Berlin, 29. Juli. (CNB.) Die Verhandlungen zwischen dem am Tarifvertrag für die nordwestliche Gruppe der Eisenindustrie beteiligten Arbeitgeber­verband und den Vertretern der Gewerkschaften über die in Aussicht gestellte Kündigung der Ta­rife zur Lohn- und Arbeitsze i t frage wurden in Essen wieder ausgenommen. Bekanntlich

hat der Oeynhausener Schiedsspruch den eigentlichen Lohn- und Arbeitszeittaris nicht betroffen. Die Lohn- und Arbeitszeitregelung ist noch seit dem Severing-Schiedsspruch vom Dezember 1929 u n - verändert in Kraft. Dieser Schiedsspruch ent­hält eine Klausel, nach der die Parteien verpflichtet sind, die Kündigungsabsichten vier Wochen vor dem Kündigungstermin bekanntzugeben. Die festgelegte Regelung läuft Ende September d. I. ab. Bei den heutigen Verhandlungen wurde nun eine Einigung erzielt, wonach die Kündigung des Lohn- und Arbeitszeitabkommens vom 21. Dezem­ber 1928 n ichtausgesprochen wird. Es treten bei der in Kraft verbleibenden Arbeitszeitordnung verschiedene Aenderungen einzelner Vertrags­paragraphen ein, jedoch ist diese Regelung noch nicht entschieden. Die Gewerkschaften werden sich in den nächsten Tagen über Zustimmung oder Ablehnung dieser Regelung entscheiden. Es ist noch nicht ganz klar, welche Zugeständnisse in der Frage der Arbeitszeit gemacht werden. Es besteht jedoch das Bestreben, zu einer Einigung zu kommen.

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Letzte Stan-ortmel-ung von R100.

London, 30.Juli. (WTB. Funkspruch.) Nach einer Mitteilung des Luftfahrtministeriums gab das Luftschiff R 100 gestern 21 Ahr seine Position mit 53,40 Rord und 17,30 West an. Cs herrscht

gutes klares Wetter^ bei mäßigem nörd­lichen Wind macht das Luftschiff gute Fort­schritte. Der gemeldete Standort liegt 300 Meilen westlich von Sleyne Head an der Küste von Galwah (Irland).

Sentrum und Sozialdemokratie in Preußen.

Berlin, 29. Juli. (WTB.) Dor dem Zen­trumsparteivorstand hielt der Parteivorsitzende, Professor Dr. K a a s, eine Rede über die Politik des Zentrums. Rach den Wahlen von!928, in denen die Sozialdemokratie einen demagogisch kleinlichen, aber staatspolitisch bedauerlichen Auf­trieb erfahren haben, würde es an sich dem Gesetz der politischen und parlamentarischen Logik ent­sprochen haben, sich auch in sachlicher Arbeit als alleinige Trägerin der Regie­rungsverantwortung zu betätigen. Ich bin überzeugt, in kürzester Frist würde sich wohl ihre Unfähigkeit zu aufbauender Arbeit gezeigt haben. Das Zentrum begrüßt ausdrücklich jeden Ansatz zur Sammlung und zur Aeberwindung der parteipoli­tischen Zersplitterung, von welcher Seite er auch kommen möge. Es kann kein Zweifel darüber sein, daß nirgendswo die Konzen- tration der politischen Kräfte ein dringen­deres und unaufhaltbareresGebotist,

als innerhalb der bürgerlichen Mittelparteien. Das Rachlaufen hinter irgendwelchen Sonder­interessen muh ein Ende haben, wenn die Ge­samtheit, wenn der Staat leben soll. Rur Sach­lichkeit kann uns retten.

Niemals hat die Sozialdemokratische Partei einen solchen Schlag gegen wahre Demokratie und gegen verantwortungsvolle Politik geführt, als an diesem schwarzen Frei­tag, wo sie zum ungewollten Fördertrupp der Tendenzen geworden ist, die letzten Endes ihre Aufgabe in dem Sturz des. republikanischen und demokratischen Gedankens sehen. Ich hoffe, daß die Sozialdemokratische Partei sich keinem Zweifel darüber hingibt, daß in Zukunft in Preußen die Koalitionspolitik zu einer psychologischen und politischen Unmöglich­keit wird, wenn innerhalb der Reichspolitik der­artige Vorgänge sich wiederholen sollten. Sie

würde die Statik der preußischen Koalition überschätzen, wenn sie glaubt, eine derartige Be­lastungsprobe noch einmal versuchen zu können. Wir denken nicht daran, der Sozialdemokratie die Möglichkeit zu lassen, eine derartige, für un­sere Parteianhanger unerträgliche Schaukelpoli- lik zwischen Reich und Preußen weiterzufüh­ren, hier im Reiche die Früchte der Agitation, drüben in Preußen die Vorteile des «Regierens

zu genießen.

Dr. Kaas behandelte sodann die Umgruppie­rung auf der Rechten. Es vollziehe sich hier ein Prozeß, der zu einem bedeutsamen Ge­sundungsfaktor des politischen und parla­mentarischen Lebens werden könne. Alles werde davon abhängen, ob sich die neue Gruppe zu einer aufrichtig positiven und schöpferisch ge­stalteten Mitarbeit auf dem Boden des Dolks- staates bekenne oder ob man den Versuch mache, mit der Vergangenheit Kompromisse einzugehen, die die Gegenwartsarbeit lähme und zumindest hindere. Er sei davon überzeugt, daß eine ganze Reche der führenden Köpfe mit der Achtung vor dem achtenswerten Inhalt der Vergangenheit den unbedingten und endgültigen Willen ver­bänden, den Volksstaat zu bejahen.

Oer Vorsitzende

der preußischen Zentrumsfraltion Heß erklärte:Die Ausführungen des Herrn Partei­vorsitzenden über die intimen Wechselbeziehungen zwischen der deutschen und der preußischen Zen­trumspartei decken sich vollständig mit meiner Auffassung. Ich möchte auch heute mit allem Ernst und allem Rachdruck darauf aufmerksam machen, daß es für die preußische ZentrumS- fraktion eins ach unerträglich ist, wenn der zumTeil ganz hemmungsloseund vor allem innerlich vollkommen unwahr­haftige Kampf so weitergehen soll, wie er jetzt seitens der Sozialdemokratie gegen das Zentrum und den Reichskanzler Dr. Drüning geführt wird. Darüber habe ich übrigens beim Herrn preußischen Ministerpräsidenten frühzeitig genug jeden Zweifel ausgeräumt. Wenn die Sozialdemokratie nicht endlich zu einer grund­sätzlichen Aenderung ihrer Kampf esart nicht nur, lonoern auch ihrer ganzen politischen Arbeitsmethode zu kommen vermag, wird eine Zusammenarbeit mit ihr zur Anmög- lichkeit. Dann hat sie es aber auch nur sich selbst zuzuschreiben, toenrt jeder großgedachte de­mokratische Staatsgedanke für die Gegenwart zerschlagen und für die Zukunft in Frage ge­stellt wird."

Breitscheids Antwort an das Zentrum.

Berlin, 29. Juli. (TA.) ImSozialdemo­kratischen Pressedienst" erwidert Dr. Breit­scheid auf die Ausführungen der Zentrums- sührer Kaas und Heß. Breitscheid spricht von einer Anmaßung des Zentrumsführers, wenn er einzelnen Sozialdemokraten Vorhaltungen wegen ihres politischen Verhaltens mache. Die Sozialdemokratie sei bis an die Grenze des Möglichen gegangen, um das Verlassen der ge­ordneten parlamentarischen Bahnen zu verhin­dern. Die Aufgabe der Sozialdemokratie sei es, dafür zu sorgen, dah am 14. September aus der Minderheit Brüning keine Mehrheit werde. Rücksichten auf die Aufrechterhal­tung derKoalition inPreußen könn­ten die S o z i aldemokratie dabei nicht hindern. Die Sozialdemokratie wünsche die Aufrechterhaltung der preußischen Koalition. Nie« mand könne aber von ihr erwarten, dah sie um dieses Zweckes willen den Kampf im Reiche dämpfen und sich so mitschuldig an der Weiter­führung eines Systems machen werde, das sie aus staatsrechtlichen und allgemeinpvlitischrn Gründen für verhängnisvoll halte.

Konservativer Wahlsieg in Kanada.

London, 29. Juli. (TA.) Die kanadischen Parlamentswahlen haben mit der Rieder­lage der Liberalen, die mit Ausnahme von drei Monaten im Jahre 1926 in den letzten neun Jahren ununterbrochen die Regierung gestellt hatten, geendet. Von den 245 Sitzen des Parla-

Oie Philosophie -es Reisens.

Don Rudolph Lothar.

Jetzt ist die Zeit gekommen, wo die Menschen einander fragen:Wohin reisen Sie?" And der Gefragte gibt bereitwillig Antwort, denn beide, der Reugierige und der Reisende, sind der naiven Meinung, dah tatsächlich eine jede Reise ein Ziel haben müßte. Ist aber wirklich das Ziel die Hauptsache? Richt nur Hauptsache, sondern auch Ende, Erfüllung des Reisetraumes und der Sehnsucht? Der Philosoph des Reisens verneint es.

Ich habe eben ein ungewöhnlich schönes Buch äu Ende gelesen. Eines jener Zauberbücher, die man darum Zauberbücher nennen mochte, weil sie den Leser verzaubern, ihn auf bem Wundermantel des Dichters weit hinwegführen aus dem Alltag und der Enge. Das Buch heißt Das Arwaldschiff" und sein Verfasser ist Richard A. Dermann, der Wiener Schriftsteller, der den barocken Einfall hatte, sich Arnold Höllriegel zu nennen. Dermann gibt sich gar nicht als Dichter. Ich traf ihn zuletzt in Hollywood, wo ich sein« journalistische Agilität bewunderte. Er war überall, wurde mit allen Leuten bekannt, sah alles, beobachtete alles, schrieb alles auf, er­schöpfte eine Landschaft mit allen ihren Men­schen, eine Stadt in allen Veduten, so wie etwa ein Raupenschwarm einen Wald abfriht. Es blieb nach chm nichts mehr übrig. Ich bin in meinem Leben schon vielen reisenden Journalisten begegnet. Ich bin es selbst oft mit Leidenschaft gewesen. Ich konnte also als Fachmann di« Arbeit des Kollegen beurteilen, und ich sah ihm mit Vergnügen zu, wie man einem Schachspieler zu­sieht, der das Spiel mit immer neuen Varianten und neuen Finessen spielt. Aber aus seinem Buche spricht in keiner Zeile der Journalist, in keiner Zeile der sogenannte Reiseschriftsteller sondern aus jedem Worte sprich! der Dichter' And dieser Dichter schildert die unbeschreibliche Herrlichkeit der Tropenwelt mit einer Kraft und einem Farbenreichtum, wie vielleicht noch keiner vor ihm, ich nehme die berühmtesten Tropenschllderer nicht aus. Derrnanns Buch er­zählt die Entdeckungsreisen des spanischen Aben­teurers Francisco de Orellana, der den Ama­zonenstrom entdeckt hat. Er wollte das märchen­hafte Goldland Paytiti finden, und er fand es cwch im Fiebertraum. Traum und Wirklichkeit

gehen ineinander über wie in jedem Dichtwerk. Francisco de Orellana, der spanische Hidalgo, der Genosse Pizarros, reist seiner Sehnsucht nach. Er reist aus der Wirklichkeit in die Welt des Traumes. And nun möchte ich den hübschesten Einfall des Dichters schildern. Er hat um die abenteuerliche Fahrt des Spaniers eine lleine Rahmenhandlung gelegt. Ein englischer Dampfer, der Dergnügungsreisende befördert und ihnen eine Reise von tausend Meilen den Amc^onen- ström hinauf versprochen hat, muh die Strom­fahrt in Para ausgeben, weil eine jener kleinen Revolutionen ausgebrochen ist, di« in Südame­rika an der Tagesordnung sind. Anter den Passa­gieren des Schiffes ist auch ein pensionierter Realschuldirektor Dr. Schwarz aus Leitmerih. Der Traum dieses Mannes war die phantastische Reise ben Amazonenstrom hinauf und dieser Traum zerrinnt am Eingang des Paradieses. Er kommt darüber nicht hinweg, er stirbt am un­erfüllten Traum und doch hat er das schönste der Reise bereits hinter sich: die Erwartung. Er hat sich so unglaublich auf das Ankommen ge­freut, sagt ein Arzt an Bord.Er wäre niemals angekommen", antwortet Hilary, der Weltbumm­ler, hinter dem sich Bermann wohl selbst ver­steckt,verstehen Sie denn nicht, daß er nicht ankommen kann. Kommen Sie ans Ziel, wenn Ihr Ziel die Fata Morgana ist? Glauben Sie mir, ich verstehe etwas vom Reisen: man kommt niemals an. Der Ort, an den man kommt, ist niemals der Ort, an den man zu kommen meinte. Das ist die tiefe Weisheit des Reisens: das Reisen, nicht das Ziel ist der Zweck der Reise. Jede Reise geht so wie die Reise des Francisco de Orellana, aus der Wirklichkeit in den Traum. Was man erreicht, ist stets etwas Anreelles, etwas Anfahbares, eine FataMorgana. Wer das nicht weiß und das nicht fühlt, für den ist jede Reise eine Enttäuschung, denn niemals ist ein Ziel so, wie man es sich vorgestellt hat. Wer nach Rom fährt, muh enttäuscht sein, wenn er am Ende feiner Reise nichts anderes findet und sieht, als die aus Steinen erbaute Stadt Rom mit ihren Straßen und Plätzen. Auch für den echten Reifenden ist das Ziel nicht das wirkliche Rom, sondern ein erträumtes Rom, ein Traum, der freilich auch Rom heißt und doch so unwirklich ist wie ein Spiegelbild in den Wolken. Alle Menschen, die stets in ihren Reisen auf Erben bleiben, sind keine wahren Reisenden und wenn sie auch die ganze Welt umsegeln und dicke Bücher über ihre Reisen schreiben. Nur die Traum­

reisenden, die Phantasten und Anwirklichen, mit einem Wort diejenigen, die auf Faustens Wun­de rmantel reifen ober, um es noch prägnanter zu sagen, die Dichter wissen, was des Reisens Zweck und Ziel ist. And darum ist Dermanns Reisebuch das Buch eines Dichters und wenn man es zu Ende gelesen hat, liest man es noch einmal Denin nur ein Dichterwerk kann man wiederholt lesen, um darin immer wieder neue Schönheiten zu finden.

Wohin reifen Sie?" fragt der Nüchterne den Dichter.Ich reife in meinen Traum." Der Nüch­terne versteht ihn nicht, denn niemals haben di« Nüchternen den Träumer verstanden.

Bananen.

23 on Frih Müller, parienkirchen.

Bananen reifen in Amerika. Dort find sie billiger und schmecken gut. Was zu uns kommt, wurde unreif abgenommen, reifte künstlich, ist sehr teuer und schmeckt fad.

Ich kenne keine Früchte, die charakterloser schmecken als Bananen. Keine, die sich ähnlich teigig süßlich in die Zähne hängen. Keine, welche auf gesunde Mägen ähnlich widerwärtig wirkten, wie auf die gesunde feste Hand der weiche Händedruck des Schwächlings.

Turmhoch über den Bananen steht der deutsche Apfel. Gäbe es in Deutschland keine Aepfel, hei, wie schätzte sie der Deutsche, und wie müßte die Banane verschwinden.

Ins verarmte Deutschland werden mehr Ba­nanen eingeführt als in jedes andere Land Europas der Bananentrust kennt seine Deut­schen.

Oder ist es, weil wir selber mürbe und charak­terlos bananengleich geworben sinb?

Das reiche Deutschland hat Im Jahre vor dem Kriege 45 Millionen Kilogramm Bananen ein­geführt, das besiegte Deutschland tat's im letzten Jahre nicht unter zweieinhalbmal diesem Quantum. *

Jeder Deutsche, Säuglinge mit eingerechnet, hat Im Jahre drei bis vier Bananenpfund zu essen und ans Ausland zu bezahlen der Dananen- truft hat'S so befohlen.

Der Bananentrust schlägt die Reklametrommel auf Plakaten und in Inseraten, RiesenckUtos läßt er durch die Straßen rollen und bemüht die deutschen Aerzte mit Gesundheitshhmnen.

Resultat: Wir zahlen jährlich für Bananen fünfzig Millionen Mark ans gleiche Ausland, dem wir ohnehin versllavt sind durch dieBoung- tribute. Denn wir könnens uns ja leisten.

Fünftausend deutsche schuldenfreie Heime Kirn­ten wir für dieses Geld in jedem Jahre aus der Erde wachsen lassen, wenn

Ja, wenn gedankenlose Mütter ihren Kindern nicht die fade Frucht ins süße Mündchen schie­ben müßten.

Aber die Gesundheit der Banane? Nun, der deutsche Apfel ist gesünder.

Aber hat nicht der berühmte Metschnikosf vor zwanzig Jahren ausposaunt, er esse nur Ba­nanen, weil sie unter ihrer Schale völlig keim­frei seien?

Nun, dem Herrn Professor hat ein anderer Wissenschaftler nachgewiesen:

a) dah es in Bananen, wie in anderen Aepfeln wimmle von Mikroben,

b) dah solches gut sei, weil der Mensch sie zur Verdauung bitter nötig habe.

Wann steht der Professor auf, der seinem Volke

c) beweist, daß die Bananenesserei nichts wei­ter ist als eine

6) uns aufgeschwätzte Mode,

e) nicht eine Mode nur ein Anfug,

f) nicht nur ein Anfug nein, auch ein Ver­brechen.

Hochschulnachrichten.

Dr. Karl Lothar Wolf in Karlsruhe ist -um Abteilungsvorsteher für physikalische Chemie am Chemischen Institut der Aniversität Kiel und zugleich zum ordentlichen Professor ernannt worden. Kurz vor Vollendung des 81. Lebens­jahres verschied in Berlin der frühere langjährig« Direktor der inneren Abteilung am Krankenhause Friedrichshain Geh. Medizinalrat Professor Dr. Paul Für bring er. Der be­kannte Internist war Verfasser einer langen Reihe von Arbeiten vorwiegend klinischer und experimenteller Natur, war Assistent am Patho­logischen Institut in Jena und später an der Friedreichschen medizinischen Klinik in Heidel­berg. Hier habilitiert« er sich für Arzneimittel­lehre und medizinische Chemie. 1879 übernahm er den Lehrstuhl für Haut- und Kinberkrank- heiten in Jena. 1886 erfolgte feine Berufung nach Berlin.