Ausgabe 
30.7.1930
 
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ments haben die Konservativen bisher 127 er* rungen (früher 90), die Liberalen 79 (129), fünf kleinere Gruppen 16 (32), 23 Ergebnisse stehen nod) auS. Ministerpräsident Macken-ieKing wird in den nächsten Tagen - u r ü ck t r « t e n. Die neue 'Regierung wird durch den konservativen FührerBennett gebildet werden. Bennett, der Kanada auf der Reichskonferenz im Herbst vertreten wird, findet in London eine günstige Aufnahme, da er für eine Erhöhung der kana* dischen Zolltarife gegenüber den Bereinigten Staaten dntritt.

Oer Fall Isolde Reiter.

Eine amtliche Mitteilung der serbischen Regierung.

Belgrad, 29. Juli. (XcL-Un.) Amtlich wird mitgeteilt: Anläßlich der tendenziösen Mittei­lungen eines Teiles der ausländischen Presse über den Fall Isolde Reiter wird erklärt: Sofort nach Eintreffen der Beschuldigungen seitens der Frau Isolde Reiter (die bekanntlich von der serbischen Polizei schwer misthandelt und gefoltert wurde), wurde von dem Ministerpräsidenten Sivkowitsch eine strenge Untersuchung deS Falles an« geortmet, die nun abgeschlossen ist. Die schuldigen Polizeibeamten wurden strafweise aus dem Dien st entlassen und dadurch Isolde Reiter volle Genugtuung gegeben. Isolde Reiter ist angeklogt, anonyme Briefe an verschiedene Persönlichkeiten in Groh-Detschkerek geschickt zu haben, worin sie sich über das gegenwär­tige Regime abfällig äuhert und für den Anschluß der Woywodina an Un­garn eintritt. Isolde Reiter wäre auch in jedem anderen geordneten Staats­wesen verhaftet und unter Anklage gestellt worden. Sie wurde jedoch aus der Untersuchungs­haft entlassen, damit sie sich auf freiem Fuße verantworten könne. Schließlich sei nod» bemerkt, daß die Polizei in Groß-Betschkerek nicht staat­lich, sondern städtisch ist, das aber denrroch die betreffenden Beamten zur Derantwortuna ge­zogen wurden. Ueberdies steht es Isolde Reiter frei, gegen diese Beamten Anklage zu erheben.

Die Reichsbahn schafft Arbeit

Berlin, 29. Juli. (MTB.) Die Deutsche Reichsbahngesellschaft hat mit dem Reich ein Abkommen getroffen, wonach sie zur Belebung der Wirtschaft und zur Linderung der Arbeits­losigkeit neue Bestellungen und Ar­beiten bis zur Höhe von 3 5 0 Mil­lionen Mark über das aus der betrieblichen Finanzlage sich ergebende Ausmaß im Einklang mit den dafür zu beschaffenden Mitteln in Auf­trag geben wird. Entsprechend den allgemeinen Bestrebungen der Regierung wird sie ihre Auf­träge nur zu Preisen vergeben, die hinter ben zur Zeit bestehenden Preisen erheblich z u - rückb leiben. Zunächst sollen für Oberbau- material die jetzt laufenden Lieferungen, die zuletzt auf monatlich 20 000 Tonnen gesenkt wor­den waren, auf 50 000 Tonnen erhöht werden. Für Reubeschaffung von Oberbaumate­rial sind 80 Mill. Mark vorgesehen. Für die Durchführung des Gleisumbaues, soweit sie 1930 noch nötig ist, werden 20 Millionen Mark für Bettungsswsfe und Lohn aufgewendet werden. Ferner sollen für 80 Millionen Mark Fahr­zeugbestellungen für daS erste Halbjahr 1931 schon jetzt herausgegeben werden. Außerdem sollen für 10 Millionen Mark Drückenbau- t e n und Sicherungsanlagen im Werte von 2 Millionen Mark noch in diesem Jahre bestellt werden. Für Neubauten ist ein Aufwand von etwa 50 Millionen Mark vorgesehen. Zur Auffüllung der Läger und Förderung der Sonderarbeiten an den Fahrzeugen sol­len 30 Millionen Mark verwendet werden. Ins­gesamt wird die Reichsbahn durch Aufträge in Höhe von etwa 272 Millionen Mark die Wirt­schaft befruchten, wodurch schätzungsweise 180 000 Menschen während der letzten Monate des Jahres 1930 beschäftigt werden. Die Finanzierung eines weitergehenden Arbeitsprogramms hängt von der Marktlage ab. Auch wird abzuwarten sein, ob mittel- oder langfristige Kredite aufgenommen werden fönnen.

Aus aller Welt.

Letzter Rettungsoersuch für den Weifenschah.

Dos Schicksal des Welfenschatzes, der am 1. August zunächst in Frankfurt a. M. zur Ausstel­lung gelangen soll, ist noch immer nicht entschie­den. Nach wie vor ist die Gefahr groß, daß er i n s Ausland gebracht wird, da weder von privater Seite ein Kaufangebot oorliegt, noch der Staat die notwendigen Mittel für seinen Ankauf aufbringen kann. Don zahlreichen kunstinteressierten Stellen wird infolgedessen in der letzten Zeit der Gedanke ventiliert, die Rettung des Welsenschatzes für Deutschland durch eine Volksspende herbeizuführen. Dieser Gedanke müßte dann allerdings sehr schnell zur Verwirklichung gebracht werden, da die jetzigen Besitzer des Weifenschatzes, drei Frankfurter Kunst­händler, erklärt hoben, daß sie nur noch bis zum Beginn der Ausstellung über das Kunstwerk in sei­ner Gesamtheit verfügen können. Für später liegen schon eine Reihe ausländischer Angebote vor. In welcher Form sich die interessierten Kreise die Durch­führung einer Welsenschatz-Spende denken, steht noch nicht fest.

Drei neue Meister des Kölner Dundesschiehens.

Am Dienstag wurden auf dem 19. Deutschen Bun- desschießen drei neue Bundesmeisterschasten aus- geschoßen, und zwar von Fritz Kurz (Markiedwitz in Oberfranken) mit 902 Punkten, Gustav Ploß (Selb, Bayern) mit 904 Punkten und Fritz Wild (München) mit 911 Punkten. Schätzungsweise haben am Dienstag 800 Schützen geschoßen. In feiner Ge­samtausschuß.Sitzung faßte der Deutsche Schützen- dos 20. Deutsche Bundesschießen 1933 in Leipzig abzuhalten. Das 21. Bundes- schlcßen im Jahre 1936 wird wahrscheinlich in Berlin ftattfinben.

Das ilrfell im Nindorfer »Aufruhrprozeß".

3m sogenannten . Aufruhrprozeß" gegen die Nindorfer Dauern wurde das Urteil gefällt. Don Den zwölf angeklagten Dauern, die beschul­digt waren, am 3. Juli d. I. zwei in Rindvrf (Dez. Stade. Hannover) zur Vollstreckung erschie­nene Dollziehungsbeamte durch Sper­rung der Zufahrtstrahen nach dem Dorfe an der Ausübung ihres Amtes gehin­dert zu haben, wurden die beiden Haupb- angeklagten, der Bäcker Tiedemann und der Land­wirt Kackmann, wegen Deamtennötigung zu j, 100 Mark Geldstrafe verurteil^

während die übrigen Angeklagten freige­sprochen wurden. Der Staatsanwalt hatte für jeden der zwölf Angeklagten sechs Monate Ge­fängnis wegen Aufruhrs beantragt

vier Todesfälle durch Pilzvergiftung.

In Crimmitschau erkrankten nach dem Ge­nuß von Pilzen, die der 76 Jahre alte Arbeiter Heinrich Hahn und der Jäger Paul Lungwitz ge- sammelt und auch an andere Personen abgegeben hotten, außer den Sammlern mehrere Personen un­ter schweren Berglftunaserscheinungen und mußten dem Krankenhaus zugesührt werden. Bald nach fei­ner Einlieferung starb Hahn, In der folgenden Rocht das Ehepaar Flcssa, das mit Hahn im gleichen Hause wohnt: am Montagoormittag erlag auch Lungwitz der Vergiftung. Ein Gastwirt und sein Dienstmädchen liegen noch schwer erkrankt danieder.

Spinale Kinderlähmung im Hanauer Land.

Die auS dem Elsaß e i n g e s ch l e p p te spinale Kinderlähmung hat zu mehrfachen Er­krankungen im Hanauer Land (Kehl und Um­gebung) geführt. Besonders im Bezirk Lich­te n a u ist eine Reihe von Erkrankungen auf­getreten, weshalb die jetzt zu Ende gegangenen Serien der Landschulen in einigen Orten des Bezirks bis auf weiteres verlängert wur­den. In ©reffern ist ein Krankheitsfall tödlich verlaufen.

Fünfzehn Personen ertrunken.

Auf dem Eriesee (Pennsylvanien) ist in Höhe der Stadt Dunkirk ein Lastkahn gesunken. 15 Mann der Besatzung sind ertrunken: sechs konnten gerettet werden.

Den Großen Veit In einer Holztonne überquert.

Der Seemann Sörensen aus Rordschleswig, der bereits früher durch seine Fahrten in einer selbst angefertigten Holztonne Staunen erregt hat, hat jetzt den ©rohen Belt zwischen den dänischen Inseln Fünen und Seeland über­quert Zum Antrieb der Tonne benutzte er einen selbst erfundenen schwachen Apparat, der die Tonne in Drehungen versetzt. Er startete Mon­tagnachmittag auf Fünen und landete Dienstag­mittag in der Rähe von Kalundborg. Die mäch­tige Strömung deS Belts hatte ihn weit nach Borden abgetrieben. Er war bei der Landung völlig durchnäßt und stark erschöpft.

Lin Kirchenschänder vor dem Schnellrlchier.

Dor dem Schnellrichter hatte sich in Berlin ein Anhänger der K P. D. zu verantworten, der die Umfassungsmauer der Paulskirche am Wed­ding mit kirchenfeindlichen Plakaten beklebt und her Festnahme durch die Polizei Widerstand entgegengesetzt hatte. Das Schnell­gericht erkannte gegen ihn auf eine Gefäng­nisstrafe von drei Wochen wegen Wider­standes gegen die Staatsgewalt.

Die Kathedrale als IHilitärgarage.

Wie aus Moskau amtlich gemeldet wird, ist die Kathedrale in Stalingrad in eine große M i litärgaragc umgewandelt worden, in der der Kraftwagenpark der Roten Armee und der OGPU untergebracht ist. Die Kathedrale gilt als eine der schönsten Kirchen an den Ufern der Wolga und war bei der Bevölkerung besonders beliebt.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die britische Störung zieht nach Dänemark, sowie Südskandinavien ab und füllt sich dabei langsam auf. Von ihrer Rückseite dringt jetzt Kaltlusk süd­wärts, welche uns Abkühlung, aber auch zunächst etwas wechselndes Wetter mit ganz vereinzelt leich­ten Schauern bringen wird. Durch den damit ver­bundenen Darometeranstieg nimmt gleichzeitig auf dem Festlande der Luftdruck zu, der zur langsamen weiteren Besserung der Wetterlage führt. Bereits im Laufe des morgigen Tages nimmt die Wetterlage einen freundlicheren Charakter an und geht langsam zur schönen Wetterlage über, wobei später auch Er- wärmung eintritt. _

Aussichten für Donnerstag: Anfänglich wechselnd wolkig, nur vereinzelt noch leichte Schauer, dann mehr aufheiterndes Wetter, kühl, nordwestliche Winde. _

Aussichten für Freitag: Vielfach auf- heiterndes und trockenes Wetter, tagsüber etwas wärmer.

Lufttemperaturen am 29. Juli: mittags 19,7 Grad Celsius, abends 15,9 Grad: am 30. Juli: morgens 15,1 Grad Celsius. Maximum 20,1 Grad, Minimum 13,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 29. Juli: abends 19,6 Grad: am 30. Juli: morgens 16,4 Grad. Niederschläge 1,8 mm. Sonnen- scheindauer 2% Stunden.

Reifewetterdienst.

Garmisch-Partenkirchen: 13 Grab/ Nordwestwind, wolkig.

Westerland auf Sylt: 15 Grad, West­wind» wolkig.

Aus der provinzialbauptstadt

Gietzen, den 30. JuN 1930.

Gesellschaft Liebig-Museum.

Am Sonntag hielt Professor Otfried Prae- torius aus Darmstadt auf Einladung der Ge­sellschaft Liebig-Museum in den Räu­men des hiesigen Liebig-Museums einen öffent­lichen Dortrag über:Dorfahren, 21 a <b - kommen und Sippschaft von 2 ustu - v. Liebig". Den zahlreich erschienenen Der- ehrern des berühmten Chemikers gab der Redner einen interessanten Ucbcrblid über seine Ahnen­tafel Liebigs, die er im Laufe der letzten Jahre auch auf auherhessifche Dorfahren des Forschers ausgedehnt hatte. Die Ahnentafel (die 1914 auf Anregung von Geheimrat Sommer entstanden war) enthält außer den Dorfahren de- Mannes­stammes Liebig auch die der weiblichen Linie. Dies ist deshalb von hernorragender Bedeutung, da eine Ahnentafel nicht nur leere Zahlen und Damen darstcllen, sondern darüber hinaus einen Anhalt für die Herkunft des Charakter- der Nachfahren bieten soll, und ein erheblicher Teil der Erbmasse naturgemäß von der mütterlichen Seite stammt. Da die Hauptquellen der Familien­forschung, die Kirchenbücher, fast keine Eharakter- angaben bringen, muh man sich darauf be- fchranken, aus der beruflichen Stellung des be­treffenden Ahnen etwas über fein Wesen zu erschließen. Liebigs Dorsahrcn väterlicherseits sind bis ins 16. Jahrhundert im Gersprenztal im Odenwald nachweisbar, wo viele von ihnen das Amt eines Schultheißen, Schöffen usw. bc- lleidcten. Im Jahre 1382, also zu einer Zeit, als Familiennamen noch nicht gebräuchlich waren, ist ein Liebing in Wembach festzustellen. (Giebing bedeutet wahrscheinlich Dachkomme deS Lieb oder Philipp.) Die Derwandtschaft diese- Liebing mit der Familie Liebig ist natürlich nur eine Ver­mutung. Die Familie ist den Weg so vieler Familien der Zeit gegangen, die vom Kleine bauemtum des Odenwalds in den Handwerker­stand der Stadt führte. Erst Liebigs Großvater zog in die Stadt (Darmstadt), wurde Schuh­machermeister, heiratete eine Schuhmachermeisters­tochter und gehörte damit ganz der Schicht deS handwerklreibenden Bürgerstandes an. Gr war Vertrauensmann der Zünfte und wurde schließlich llnterbürgermeiftcr. Liebigs Tater gelangte aus den beschränkten Derhältnissen in der Kaplaneu- gasse durch fleißigen Ausbau seiner Drogen- handlung zur Wohlhabenheit. Er siedelte schließ­lich in die vornehme Neustadt (jetzt Luisenstraße) über, wo sein Geschäft als Liebig-Drogerie noch besteht. Aus alledem bekommen wir den Eindruck eines kernhaften Geschlechtes von unermüdlichem Fleiß und zäher Ausdauer. Liebigs Mutter, Marie Karoline Möser, wird beschrieben als sarkastisch, witzig, als eine Frau, die nicht viiel Worte macht, also Selbstbeherrschung besitzt, die dazu von außerordentlicher Tüchtigkeit im Ge­schäft ist. Ihr Tater war Schneider und stammte aus Gesingen bei Teck in Württemberg. Dessen Tater hatte den gleichen Beruf, der Großvater war Bäcker, der Urgroßvater Müller. Da wei­tere Torfahren den echten Müllernamen Thomas führten, kann man auf ihr Gewerbe schließen. Die Bedienung einer Mühle setzt nun gewisse technische Fertigkeit voraus, so daß möglicher­weise Liebigs Interesse an technischen Dingen aus dieser Quelle floh. Unter den Ahnen von Liebigs Mutter befinden sich einige Glöckner, ein Lehrer aus Sachsen, sowie ein Pfarrer. Letz­terer ist unter den rund 200 bekannten Ahnen Liebigs der einzige Akademiker. Zu dem fast einheitlich fränkisch-hessischen Blut des Mannes- stammes Liebig bringt die weibliche Linie starken schwäbischen Einschlag mit bedeutendem nieder­sächsischem und geringem slawischen Anteil. Eine derartige Epimixis ermöglicht besonders glückliche Kombinationen, in diesem Falle das Genie Justus. Zum Schluß berichtete der Tortragende über die Dachkommen Liebigs. Die Nachkommenschaft des großen Gelehrten ist recht zahlreich, doch ist der Name der Freiherren v. Liebrg dem Aussterben nahe.

Geheimrat Sommer dankte dem Redner für die hochinteressanten Ausführungen, die von einer ungeheuren Arbeit zeugten, und berichtete dann über die Tätigkeit der Gesellschaft im abgelaufenen Jahre. Tor einiger Zeit hatte sie die Freude, einen Neffen Justus von Liebigs, Karl Liebig aus Lauenstein, hier zu begrüßen, der beabsichtigt, seine Jugenderinne­rungen, die sehr viel Interessantes über den be­rühmten Onkel enthalten, herauszugeben. Das Museum ist um wertvolle Triefe, ein intereffantes Ausgabenbuch der Eltern Liebigs und einen Licbigteppich bereichert worden.

Die anschließende Mitgliederversamm­lung hat beschlossen, die Liebig-Museums- Medaille zu verleihen an Familie Georg Liebig (Sauen ft ein, München, Talparaiso). Frau Professor Baumann, Herrn Professor Schaum (Gießen). Ferner ist beschlossen worden, im kommenden Winter volkstümliche naturwissen­schaftliche Kurse abzuhalten.

Wildverluste durch Motorfahrzeuge.

DerHubertus", Terein weidgerechter Jäger, Sitz Gießen, hat an dieser Stelle vor einiger Zeit darauf hingewiesen, daß leider mit der Zunahme des Terkehrs mit Motorfahrzeugen die Wild­verluste durch Lieberfahren eine außerordentliche Steigerung erfahren haben. Er hat inzwischen die einzelnen Schadensfälle aus der Umgebung von Gießen, soweit sie überhaupt bekannt wurden, statistisch gesammelt. Die nachgenannten Zahlen beziehen sich etwa auf das erste Halbjahr 1 930 und nur arff Rehwild. Danach find durch An- oder Ueberfahren in Terluft geraten: 6 Böcke, 15 Echmalrehe und Ricken. Da sich die meisten Fälle ereigneten, bevor die Ricken ge­setzt hatten, wurden mit den Müttern zusammen, soweit dies durch Untersuchung festgestellt wurde, 19 Kitze getötet. Ferner wurden drei Ricken überfahren, die bereits Kitze führten, die bei ihrem jugendlichen Alter ohne die Mutter zum Ein­gehen verurteilt sind. Es ist also ein Terluft von40bis45StückRehwild nachweisbar, eine Zahl, die in keiner Weife Anspruch auf ToIlftänSigteit erhebt, da sie alle die unbeobach­teten Fälle, wo Stücke schwer verletzt in Ge­treidefeldern und Dickungen verluderten, nicht berücksichtigt. Wenn auf verhältnismäßig kleinem Raum solche wirtschaftlichen Schädigungen ent­stehen können, erscheint es nicht unbillig, wenn die Jägerei um etwas mehr Torsicht beim Befahren von Wald ft raßen, vor allem bei Nacht, bittet. In einer Reihe der beobachteten Fälle haben die Tiere noch furchtbar gelitten. Auf den Stummeln von zwei, drei und vier ge­

brochenen Läufen schleppten sie sich noch tagelang qualvoll umher, bi- ein Zufall zu ihrer Ent­deckung und Erlösung führte. So sicher mancher Zusammenstoß durch daS Terbulten des Wilde­hervorgerufen wird, ebenso sicher läßt sich gar mancher vermeiden. Und darum bitten die Jäger aus wirtschaftilchen, ideellen Gründen und um de- TiereS willen. H. <

Gießener Waffer für Heuchelheim.

Die Wasserversorgung unserer Nach­bargemeinde Heuchelheim au- der ©i ebe­ner Wasserleitung ist heute früh in Gang gefommen. Gestern wurden die neu gelegten Rohre gründlich gespült, so daß seit heute mor- ge*n Gießener Wasfer allgemein in Heuchelheim au- ben Leitungen entnommen werden kann. Die Zuleitungsanlage bi- an die Gemarkungs- grenze von Heuchelheim einschl. Wassermesser- anlage wurde von der Stadt Gießen gestellt, während das Ort-rohmetz von der Gemeinde auf eigene Kosten gebaut wurde Nach dem Wafserlieferungsvertrag mit Heuchelheim ist eine jährliche Lieferung von etwa 50 000 Kubikmeter aus dem Gießener Waffervorrat vorgesehen.

Bornotizcn.

Tageskalender für Mittwoch. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Fundvogel' undSei gegrüßt, du mein schönes Sorrent".

G ießener Ferienkurse. Man schreibt uns: Im Rahmen der Ferienkurse wird am mor­gigen Donnerstag, 20 Uhr, im Hörsaal de- kunst­historischen Institute- Frau Isolde Kurz

Wenn Ihre

Empfehlungsanzeige

in der Freitags- oder in der Samstage­nummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll

dann geben Sie sie bitte spätestens Im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags In der Geschäftsstelle auf

sprechen, und mit ihr die bedeutendste unserer zeitgenössischen dichtenden Frauen vor da- Gie­ßener Publikum treten. Ihre ausgezeichneten Er­zählungen und Novellen und ihre autobiographi­schen Mitteilungen aus Tübingen und München, aus Italien und Griechenland haben auch in Gießen ihr viele Freunde gewonnen, wie vor einer Reihe von Jahren bei dem letzten Besuch der Dichterin in unserer Stadt sich gezeigt hat. Isolde Kurz versteht e-, mit ausgezeichneter Finsche ihre Dichtungen vorzutragen: sie gedenkt am nächsten Donnerstag Stücke auS einem neuen, noch unvollendeten Romane und andere Werke der jüngsten Zeit aus dem Manuskripte vorzu- Icfcn.

Falsche Fünfmark st ücke. Seit einiger Zeit sind in Frankfurt a. M. falsche Fünfmarkstücke in den Verkehr gebracht worden. Die Fälschungen inb als äußerst gemeingefährlich zu bezeichnen, da ie täuschend nachgeahmt sind. Die Falschstücke be- tchen aus einer Messinglegierung, die stark ocrsilbert ist. Sie haben ein schmutzig-graues Aussehen und beim Aufschlagen einen dumpfen Ton. Die Ober­fläche ist rauh und porös. Von den Falschstücken sind in Frankfurt sehr viele in Umlauf.

* Zwe i E in b r üche wurden in der letzten Nacht hier verübt. In dem einen Falle drangen Spitzbuben in die Wirtschaft von Jock»em (Pul­vermühle) ein, in dem anderen Falle galt der unerwünschte Besuch der Wirtschaft von Dip­pel, Ecke Neustadt-Westanlage. Die Einbrecher hatten es hauptsächlich auf Rauchmaterial abge­sehen, sie verschmähten aber auch die Mitnahme von anderen Waren nichL Es fielen ihnen ins­gesamt eine Flasche Likör. 800 Zigaretten, einige Tafeln Schokolade und etwa 10 Mark Bargeld in die Hand. Die Spitzbuben entkamen imertannt Die polizeilichen Nachforschungen sind eifrig im Gange.

Preußisch-Süddeutsche Klassen- lotterte. Die Haupt- und Schlußziehung, die mehrere Wochen dauert, beginnt am 8. August. Die Erneuerung der Lose zu dieser Hauptklasse der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie muß spätestens bis zum 1. August um 18 Uhr bet der zuständigen Lotterieeinnahme erfolgt fein. In der jetzigen Reisezeit sei die Beachtung dieser Frist dringend empfohlen, da über die nicht rechtzeitig erneuerten Lose anderweitig verfügt wird.

" Steuerfreier Dienenzucker. DaS Kreisamt Gießen gibt im neuesten Amtsverkün­digungsblatt folgendes bekannt: Durch eine Ter- fügung vom 28. Februar 1930 hat der Herr Reichsminister der Finanzen bestimmt, daß im Kalenderjahr 1930 Rückenzucker zur Fütterung von Bienen bis zu einer Iahresmenge von 7,5 Kilogramm für jedes Bienenvolk steuerfrei ab­gegeben wird. Um den Imkern die Möglichkeit zu geben, den Zucker ohne weitere geldliche Belastung beziehen zu können, hat der Herr Minister des Innern genehmigt, daß die zur Erlangung des steuerfreien Zuckers erforderlichen Bescheinigungen von den Ortspolizeibehörden stempelfrei ausgestellt werden.

* * Reisen z u den Schlachtfeldern. Das Mitteleuropäische Reisebüro (MER) führt auch im August und September Reisen zu den Krieger- grab em und Schlachtfeldern aus. Ferner werden Fahrten zu den Schlachtfeldern bei Verdun, Arras und Ppern oeranftattet. Die Preise zwischen 68 RM. und 78 RM. in der 3. Klasse schließen außer Führer­kosten Bahnfahrt von Köln bis zum Bestimmungs­ort und zurück, Unterkunft Verpflegung, Steuern und Trinkgelder ein. Daneben können Einzel.Pau- schalreisen zu jeder Zeit von jedem beliebigen Punkte Deutschlands aus angetreten werden. Der Reisende erhält in diesem Falle vor Antritt der Fahrt Fahr­scheine und Gutscheine für Unterkunft und Ver­pflegung unterwegs sowie für die Autofahrten zu den Friedhöfen, so daß auch solche Reisen ohne jede Schwierigkeit durchgeführt werden können.

führt ab, es wirkt sehr, milde, versuch es, und arm Du bist im Bilde