Nachdruck verboten.
7. Fortsetzung.
' Griebenvw sah an dem weihen Fliedertisch. Cr führte keine Dame. Neben ihm Hämerling, der Sih zur Linken war noch leer. Durch diesen Stuhl von ihm getrennt sah ein Herr mit kurz- gestuhtem Spihbart und Monokel, Landgerichtsrat von Piloth. , ,
„Wo ist denn die Dame, die Sre heute fuhren sollen?" rief Frau Major von Haine zu Piloty. „Hat man Sie verseht?"
„Man verseht mich immer", sagte der zuruck. „Neulich Sie bei Schilling, gestern meine Frau beim Mittag, weil sie Sie getroffen hatte. Heute habe ich das Glück, die allerschönste Frau Berllns zu Tisch zu führen, die verseht mich auch. Mir kommt allmählich der Gedanke, daß ich für die Damen allzu kostbar und gefährlich bin, um sich mit mir zu zeigen. Solche Möglichkeiten gibt es." . ..
„Sagen Sie, Piloth, wer ist denn nun die schönste Frau Berlins, auf die Sie heute warten müssen?" , <
An Stelle einer Antwort stand der Landgerichtsrat auf. Er begrüßte eine Dame, die den Saal betreten hatte, kühte ihr die Hand und führte sie zum Tisch. __
Frau Professor Doktor Mercandin.
Eine Welle schwülen Bangens überrauschte Griebenvw. Cr erhob sich. Sah sekundenlang in Augen, die von abgrundtiefer Sühe waren. Eine Frauenstimme, die sich wie aus träumefernem Märchen in die Wirklichkeit verirrte, sagte zu Piloty: „Man entgeht dem Schicksal nicht. Wir sind pünktlich von zu Hause aufgebrochen. Aber als wir schon im Auto saßen,„ist mein Mann noch einmal abgernfen worden."
Don allen Seiten wurde nunmehr auf sie em- gesprochen. Man scherzte, machte Komplimente. Sie lächelte, sah zurückgelehnt, gab Antwort in der sicheren, distanzierten Art der großen Dame. Einmal ging ihr Blick nach rechts, da senkten sich die großen Augen für Sekunden in die Griebenows, halb voll Neugier, halb gelangweilt. r
„Ist der Unfall glücklich überstanden? fragte Griebenvw mit leichter Neigung.
Jetzt erkannte sie ihn erst. Interessiert, fast prüfend blickte sie ihn am . _ r
„Ach, Sie sind mein Ritter und mein Helfer", sagte sie. „Derzeihen Sie, ich habe vorhin Ihren Namen nicht verstanden. Darf ich ihn noch einmal hören?"
Die Sünde
-er Renate Mercandin
Vornan von Fred Arttus.
„Doktor Griebenvw. , , e .
Sie dachte flüchtig nach. Schüttelte den Kopf. Wandte sich herum und sprach jetzt nur zu Griebenvw, zum Aerger von Piloth, der nervös sein Sektglas in den Fingern drehte. Sie erzählte von dem Unfall, wie ein Schwindel sie erfaßte und sie ausgeglitten sei. Ihr Gesicht veränderte deii Ausdruck, wenn sie sprach. Wieder war es schmerzhaft bleich. In dem Dlaugrund ihrer Augen war ein Leuchten, das sich immer mehr von innen her verstärkte. Sie hatte blonde Haare in dem seltenen Glanz von mattem Gold; Hals und Schultern leuchteten das sanfte, blütenzarte Weiß von Rosenblättern. Perlenschnüre wanden sich um ihre Büste, bildeten das Mieder, Ketten großer Perlen hielten dieses über jeder Schulter. Riesige Perlentränen, mit Brillanten eingefaßt, fielen von den Ohren auf den Hals. Perlen glänzten an den Fingern und am Arm. .
I em and, der das Monopol auf Damentoaste hatte, schlug jetzt an sein Glas. Cr sprach pointiert und witzig, oft von Lachen unterbrochen. Die Dainen zupften während dieser Rede Trauben oder schälten ihren Herren Aepfel. Dann erscholl das Hoch, die Kelche klirrten aneinander, und Griebenow verneigte sich vor Frau Professor Mercandin. Sie lächelte ihm zu und sagte: „Also nochmals Dank, Herr Doktor Griebenow."
Bald stand man auf, verteilte sich in Nebenräumen. In der großen Halle, wo man tanzen sollte, stimmten Musikanten ihre Instrumente.
Griebenvw war in dem Herrenzimmer von Landgerichtsrat von Piloty angesprochen worden. Piloty, der dem Anschein nach sehr stark getrunken hatte, wollte wissen, wie Griebenow mit Frau Professor Mercandin bekannt geworden sei. Griebenow erzählte von dem Unfall und von seiner Hilfe. Piloth lachte, schwenkte die Importe vor der Nase hin und her und sagte: „Deubel auch, das ist ein Dusel, den Sie Gott auf den Knien danken müssen, Doktor. Andere laufen jahrelang umher, um die schönste Frau Berlins einmal von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Unö Sie---Sie sind eben
angekommen und dürfen ihr sofort Hilfe leisten. Na, ich sag' ja, Arzt, Arzt--“
Griebenow verzog die Lippen.
„Der Fall ist hoffnungslos. Sie ist beherrscht bis in die kleinste Fingerspitze. Gletscherhaft. In ihrem Herzen ist es eisig wie in einem Fjord. Stammt übrigens Frau Mercandin aus Deutschland?"
„Aber na, aus Wean, mein Lieber. Herkunft prima prima. Ein Komtesserl Armansperg und Wagrain. Sie war früher leidend und war wohl ein paar Wochen in der Klinik ihres Mannes. Mercandin ist Millionär aus seiner ersten Ehe. Ah, Verzeihung---"
Piloth winkte lachend und ging zu einem! Herrn hinüber, der ihm seine Hand entgegenstreckte. Griebenow blieb stehen und blickte entrückt ins Leere. Disionengleich umspielten ihn die Bilder des Geschehens dieser letzten Wochen: von dem Abend im Restaurant Paris bis heute. Das ist ein Schicksal in zwei Wochen, dessen Kurve so bizarr ist, dah man an Bestimmung glauben könnte, dachte Griebenow. Dann entriß er sich dem Grübeln, steckte eine Zigarette an und schlenderte umher.
Eben mochte wohl der Tanz begonnen haben. Von der Halle her erklang der kurze und energisch abgehackte Rhythmus eines Siow-Fox. Man vernahm von dort aus Lachen, Rufen und das Scharren vieler Füße.
Plötzlich hatte er das unklare Empfinden, als ob ihn jemand ansah, als ob die Augen eines Menschen auf ihm ruhten. Was ist das? dachte Griebenow. Er drehte sich herum.
In dem Rahmen einer Tür stand Mercandin. Sein Körper hob sich scharf und schwarz wie ein Schattenriß ab. Cr war im Frack, dem Modekunstwerk eines ersten Schneiders. Blütenweihe steife Hemdbrust. Große Weiße Chrysantheme in dem Seidenaufschlag.
Der Professor lachte.
Griebenow machte ein paar Schritte auf ihn zu. Nur ein Meter trennte beide voneinander. Beinahe schien es, als ob er Mercandin im nächsten Augenblick berühren würde. Griebenow hob seine Hand wie zu einem Schlag. Er nahm seine Zigarette aus dem Munde, machte dann eine scharfe Wendung links und betrat die Schwelle, um das Zimmer zu verlassen.
„Haiti" rief Mercandin. Scharf klang seine Stimme. Sie verriet nicht mehr das mindeste von jener guten Laune, die er eben noch zur Schau getragen hatte. Dem Knurren eines Hundes war sie ähnlich, auch seine Züge hatten etwas von dem Zähnefletschen eines Raubtieres.
„Wollen Sie jetzt tanzen, lieber Doktor? Das ist unvorsichtig. Ich bitte zu bedenken, dah der Hausherr Sie eine Viertelstunde später vor die Tür setzen lassen wird. Es wird sich leider nicht vermeiden lassen, ihm zu sagen, daß er einen Räuber und Erpresser unter seinen Gästen duldet. Oder wollen Sie mir vorerst etwas sagen? Also gut — ich will die Gnade haben, Sie noch einmal anzuhören."
Griebenow versuchte der Erregung und des Willens Herr zu werden. Er zuckte die Achseln. Er schob die Hände in die Hosentaschen.
„Darf ich bitten, Platz zu machen."
Langsam färbten sich nun die Schläfenadern Mercandins. Sein Gesicht verzog sich. Eine ganze Welt von Verachtung sprach aus seinen Augen. Er blickte nach der Armbanduhr.
„Es ist jetzt elf. Sie haben eine halbe Stunde Zeit. In dieser halben Stunde wird sich folgen-
bes ereignen: Entweder werden Sie mich um Verzeihung bitten, daß Sie mich betrogen und Ihr Wort gebrochen haben, oder der Geheimrat Neugereuth erfährt, wes Geistes Kind Sie, sind. Ziehen Sie die Konsequenzen. Lind in jedem Falle, Doktor Griebenow: Sie entschlüpfen mir nicht wieder. Merken Sie sich das."
Eine Handbewegung Griebenows schob Mercandin zur Seite. Griebenow verlieh das Zimmer. Sein Gesicht war grau geworden und von Scham zerrissen.
Was nun? Was nun? Der Schuft! Der Schuft! Plötzlich blieb er stehen. Ein Diener, ein Tablett mit Bowle in den Händen, war an ihn heran- getreten. Griebenow ergriff ein Glas und tränt es leer. Er hatte das Empfinden, dah die Kehle und die Eingeweide ihm verdorrten.
Plötzlich legte sich von hinten eine Hand auf feine Schulter. Er drehte sich herum. Ls war Geheimrat Neugereuth.
„Also hier sind Sie, mein Freund!" rief er. „Ich suchte Sie. Cs fehlt an Tänzern in der Halle. Deshalb, wenn ich herzlich bitten dürfte."
Cr nahm Griebenow am Arm und zog ihn mit sich fort. In einer halben Stunde wird er dir die Tür weisen, dachte Griebenow. Deichte! schrie es in ihm. Erzähle ihm das Häßliche und Dunkle deines Lebens. Sage ihm, wie alles kam.
Er setzte an. Wollte seine Lippen öffnen: „Herr Geheimrat
„Kommen Sie. Sie können mir nachher erzählen." Griebenow empfand den festen Griff von Neugereuth an seinem Arm. Der Geheimrat schob ihn lachend und energisch in die Halle, drückte ihn nach vorn.
Dicht vor Griebenow stand — Frau Professor Mercandin. Er trat zurück, wollte weiter weg von ihr, den Saal verlassen. Der Geheimrat schob ihn vorwärts. Griebenow blieb stehen. Er war so nahe an Frau Mercandin, dah er den Duft der zarten Frauenhaut spüren konnte.
Lind wieder schwankte er nach vorn. Fast berührte er Frau Mercandin. Gewaltsam riß er sich zurück. Um Gottes willen! dachte er. Um Gottes willen! Wenn sie jetzt den Kopf dreht und dich ansieht, bin ich ihr verfallen, dann wird alles um mich her versinken, und ich werde sie zum Tanze bitten.
Und als ob ein Spuk ihn narre, wandte fast im gleichen Atemzuge, wie dies alles fein Gehirn durchzuckte, Frau Professor Mercandin den Kopf. Sie sah ihn an, und über ihre Lippen lief em Lächeln. Er fühlte sich versinken und erwiderte den Blick. Wie eine Ewigkeit war das Gebundensein der beiden Augenpaare, peinvoll lange, unerträglich süß. Dann tat er den Schritt, der beide trennte, verneigte sich, sah, wie sie nickte, den linken Arm ein wenig hob, und fühlte einen Herzschlag später ihren schlanken, weichen Leib an feiner Schulter. (Fortsetzung folgt.)
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Anläßlich der Befreiungsfeiern am Rhein
Gedächtnisfeier für
Hermann Lons
Ein fesselndes Film werk aus der Welt des Jägers und Heidedichters. (Herrn. Löns fiel 1914 als Kriegsfreiwilliger in Frankreich.)
Karl Blume
der Komponist der Lönslieder,* singt persönlich zur Laute u. a.:
„Grün ist die Heide---“
Jugendliche haben Zutritt - Keine erhöhten Eintrittspreise
Was die Zeitungen sagen:
Berliner Lokal-Anzeiger. Es ist erfreulich, daß diese Lönsveranstaltung, die bereits im Reiche mit großem Beifall geboten wurde, nun auch nach Berlin gekommen ist.
12 Uhr-Blatt, Berlin. Man dankte zum Schluß so stürmisch, daß sich die Ufa (Kammerlichtspiele) zu einer Wiederholung entschlossen hat
Essener Anzeiger. 5000 Menschen hören Löns im Ufa-Palast in drei Veranstaltungen, trotz Schneegestöbers ununterbrochenes Strömen der Menschen.
Köln, Stadtanzeiger. Im Ufa-Palast kein Sessel mehr frei. — Karl Blume erntete brausenden Beifall.
Dortmunder Zeitung. Die Bilder waren von hervorragender Schönheit — Karl Blume erntete reichen Beifall. 4440 c
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