Ausgabe 
30.4.1930
 
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fand die politische Offensive der Entente ihre Ergänzung in den mili­tärischen Vorbereitungen.

Zur vollen Reife sind die französisch-russischen Pläne nicht gekommen, da der Krieg von den serbischen Schützlingen Rußlands vorzeitig ent­fesselt wurde, aber immerhin hatte die Tätigkeit seit 1907 doch bewirkt, daß die Mobilmachungszeit beträchtlich verkürzt war und insbesondere, wie Frantz hervorhebt, schon Anfang September sibi­rische und Anfang Oktober turkestanische Truppen in Ostpreußen auftreten konnten.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 30. April 1930.

Eine graphische Bildausstellung.

Eine graphische Ausstellung der Gesell­schaft für Volksbildung in Berlin ver­anstaltet "der Oberhessische Kunstver« ein vom 4. bis 25. Mai im Turmhaus am Drandplah. Die Gesellschaft pflegt Kunst als Volksbildungsarbeit. Sie will das deutsche Volk mit dem heutigen Kunstschaffen volkstümlicher Art bekanntmachen und durch sehr niedrige Preise für die Verbreitung guter Kunstwerke im Bür­gerhaus werben. Aus den Erlösen werden not­leidende deutsche Künstler unterstützt. Mit die­ser Ausstellung beweisen die Künstler, daß sie für das Volk zeichnen und malen, und sie hoffen, daß das Volk ihr Streben anerkennt und fördert.

Die Sammlung umfaßt Radierungen, Holz­schnitte und Steinzeichnungen bekannter zeitge­nössischer Künstler Deutschland und Oesterreichs, ergänzt durch eine kleine Sammlung guter Stein-, Handkupfer- und Farbenlichtdrucke nach berühm­ten Gemälden heutiger Zeit.

Die Ausstellung, welche unter Förderung von selten einer Anzahl hiesiger Vereine statt- findet, deren Mitglieder freien Eintritt haben, wird Sonntag, 4. Mai, vormittags 11 Uhr, mit einer Einführung durch Universitätsprofessor Dr. Rauch eröffnet tottetn und mit einem Licht­bildervortrag verbunden sein, den Professor Rauch am 8. Mai, abends 8 Uhr im Kunst­wissenschaftlichen Institut der Universität über die Geheimnisse der Schwarz-Weih- Ku n st, ein Besuch in der Werkstatt eines Künst­lers", halten wird.

Die Besuchszeiten dieser Ausstellung sind auf besondere Wünsche etwas geändert worden. Die Ausstellung soll auch Sonntagsnachmi'ttags von 15 bis 19 Uhr geöffnet und an den bisher üb­lichen Wochentagen: Montags, Mittwochs, Frei­tags nicht vormittags, sondern nachmittags von 17 bis 19 Uhr zugänglich sein. Geschlossene Ge­sellschaftsgruppen, insbesondere Schulklassen, kön­nen noch vorheriger Anmeldung die Ausstellung auch zu anderen Zeiten besuchen. An bestimm­ten Tagen werden Führungen durch hiesige Künstler veranstaltet werden. Näheres wird durch Anzeige bekanntgegeben.

Es ist zu hoffen, daß außer den Mitgliedern der Vereine und den Schulen die gesamte Bür­gerschaft der Stadt Gießen diese so selten- gebo­tene Gelegenheit gerne wahrnehmen und die Ausstellung zahlreich besuchen wird.

Schadenfeuer und Volksvermögen.

. In Deutschland werden jährlich über 400 Mil­lionen Mark "Sachwerte durch Feuer zerstört, für , dieses Geld könnten viele tausend Wohnhäuser ge­baut werden. In der Kriegszeit und noch mehr in ' der Inflationszeit, wo jeder auf die Erhaltung von

Sachwerten besonders bedacht war, waren die Schadenfeuer wesentlich zurückgegangen, oder sie wurden im Keime erstickt, ein wichtiges Zeichen dafür, daß sich ein großer Teil der Brände bei größter Sorgfalt vermeiden läßt. Der Feuerwehr- arundsatz:Schadenfeueroerhütung ist besser als Feuerschadenvergütung" sollte Gemeingut des gan- zen Volkes sein und von jedermann beherzigt wer­den. Die Vorsorge der Behörden und die Hinweise der Feuerbesichtiger und der Feuerwehrleute blei- beii wirkungslos, wenn sich das Publikum die Ge­fahrenquellen nicht selbst einprägt. Wenn glühende Asche in Pappschachteln oder Holzkisten unter der Treppe aufbewahrt wird, wenn elektrische Lichtsiche­rungen durch stärkere Drähte oder Stanniol über­brückt, Lichtleitungen von Pfuschern ausgeführt, wenn die Mahnungen der Feuerbesichtiger, die Feue­rungsanlagen in Ordnung zu bringen nicht befolgt werden, so nützen alle gesetzlichen Vorschriften nichts.

Die gesiedelte Schlange.

Vornan von Edgar Wallace.

37 Fortsetzung. *Jlad)brud verboten.

21.

Er war ein Mann, der sein Wort hielt. Als er seine Wohnung erreichte, waren die Reinigungsarbeiten in' vollem Gang. Aber eine Unterredung mit seiner Aufwarte­frau hatte den Erfolg, daß man seine Räume verschonte. Nachdem er in seinen Schlaf­anzug geschlüpft war und die Vorhänge zu­gezogen hatte, rief er die Zentrale an und bat, bis fünf Llhr abends keine telephonische Verbin­dung mit seinem Zimmer herzustellen. Mit sorg­losem Gemüt und dem frohen Gedanken, daß ihn nicht einmal ein wahnsinniger Zeitungsredakteur stören könne, legte er sich zur Ruhe und schlief schon halb, als er tice Decke über sich zog.

Es war dunkel, als er durch ein Pochen an seiner Tür erwachte. Gin Mädchen bsach4e den Tee und eine Abendzeitung herein. Er setzte sich im Bett auf und las. Das Mädchen bestellte ihm, daß Mr. Clarke im Laufe des Rachmittags schon zweimal angerufen hätte. Peter klingelte die Zentrale an und sprach gleich daraus mit Scot­land Pard.

Cs entgeht Ihnen eine gute Geschichte, toenn Sie mich nicht besuchen," sagte Clarke.

Was hat sich denn ereignet?"

. Kommen oie hierher ich kann es Ihnen am ' Telephon nicht sagen. Ich weiß überhaupt nicht, ob ich es Ihnen sagen soll."

Peter zog sich gemächlich an und machte sich dann erfrischt und neu gestärkt auf den Weg. Ein feiner Rebel lag über den Straßen.

Er fand Distriktsinspektor Clarke allein.

Ditte, schließen Sie die Tür," grollte er.Ich habe den ganzen Rachmittag versucht Sie zu er­reichen. Sie verdienen es wirklich nicht, einen Freund in Scotland Vard zu haben."

Ich mußte schlafen und war für niemand zu sprechen", erklärte Peter.

Ein oder zwei Dinge werden Sie interessieren. Das Sensationellste ich nehme an, Sie werden

Ein jeder Hausbesitzer, jeder Wohnungsinhaber müßte ständig seinen Bereich auf Feuersicherheit prüfen. Dazu gehört auch, daß elektrische Bügel­eisen rechtzeitig ausgeschaltet werden, daß mit Ben­zin, Bohnerwachs und dergleichen nicht fahrlässig umgegangen, und daß kein brennendes Streichholz, kein brennender Zigarettenstummel dorthin gewor­fen wird, wo feuergefährliche Flüssigkeiten lagern oder verarbeitet werden. Wird im Brandfalle nach- gewiesen, daß Vorschriften übertreten worden sind, so leisten entweder die Versicherungsgesellschaften keine Entschädigung oder sie machen den Uebertreter schadenersatzpflichtig.

Möchten diese Hinweise weitestgehende Beachtung finden und zur Verminderung der Schadenfeuer, zur Erhaltung unseres Volksvermögens, besonders aber zum Schutze unseres liebgewordenen Heims und sei­ner Einrichtung beitragen.

*

Schulpersonalien. Ernannt wurden die Lehrer Karl Roth zu Kestrich (Kreis Als­feld) zum Lehrer an der Volksschule zu Raberts­hausen (Kreis Gießen): Otto O e st r e i ch zu Bös- Gesäß (Kreis Büdingen) zum Lehrer an der Volksschule zu Berstadt (Kreis Büdingen): Jo­hann D ö s a n d zu Petterweil (Kreis Friedberg) zum Lehrer an der Volksschule zu Rierstein (Kreis Oppenheim): Friedrich Braun zu Holz­hausen (Kreis Friedberg) zum Lehrer an der Volksschule zu Rodheim v. d. H. (Kreis Fried­berg): Heinrich Fink zu Schwalheim (Kreis Friedberg) zum Lehrer an der Volksschule zu Dorheim (Kreis Friedberg): Johann Gerl ach zu Viernheim (Kreis Heppenheim) zum Lehrer an der Volksschule zu Ober-Mörlen (Kreis Friedberg): Robert H e i h zu Reichelsheim (Kreis Erbach), zur Zeit kommissarisch an der Volks­schule in Rüddingshausen (Kreis Gießen), zum Lehrer an der Volksschule zu Bersrod (Kreis Gießen): Karl Hetz zu Büdesheim (Kreis Fried­berg) zum Lehrer an der Volksschule zu Wölfers­

heim (Kreis Friedberg): Heinrich Keller zu Bersrod (Kreis Gietzen) zum Lehrer an der Volksschule zu Odenhausen (Kreis Gietzen): Hans Ziegler zu Altenschlirf (Kreis Lauterbach) zum Lehrer an der Volksschule zu Ober-Flor­stadt (Kreis Friedberg): Georg Wahl zu Freien­steinau (Kreis Lauterbach) zum Lehrer an der Volksschule zu Trais-Horloff (Kreis Gietzen): die Lehrerin Else Schweitzer zu Angersbach (Kreis Lauterbach) zur Lehrerin an der Volks­schule zu Lauterbach. In den Ruhestand ver­seht wurde: der Lehrer an der Volksschule zu Vilbel (Kreis Friedberg) Dr. Erich Muschke aus sein Nachsuchen, vom l.Mai 1930 an.

Feuerschuhvortrag im indu­striellen Betriebe. Am Montagnachmittag hielt Kreisfeuerwehrinspektor D i ck o r 6 in der Fabrik von Schunk & Ebe vor den Beamten und Arbeitern der Firma einen Vortrag über das ThemaFeuerschutz in gewerblichen Betrieben". Der Redner verstand es vortrefflich, seine Zu­hörer mit den Feuerschutzmahnahmen im indu­striellen Betriebe bekanntzumachen.

" Bevorzugte Abfertigung von Schwerkriegsbeschädigten. Die Krieger­kameradschaft Hassia, Verband der Kriegs­beschädigten und Kriegerhinterbliebenen, teiltuns mit: Bekanntlich werden an Schwerbeschädigte zur bevorzugten Abfertigung bei persönlicher Er­ledigung eigener Angelegenheiten von Amts­stellen Ausweise erteilt. Auch die Sch wer- besahungsbcschädigten und Schwer­unfallverletzten können solche Ausweise er­halten. Nunmehr hat der Arbeitsminister emp­fohlen, auch den Schwerbeschädigten, die nach dem Altrentner-, dem Wehrmachtsversorgungs- und Kr'.cgsper'o-enschädengeseh versorgt werden, durch eine Sensation daraus machen ist, daß die Kugel, die der Arzt aus Crewes' Leiche nahm, aus nun woraus war sie wohl?"

Sie war aus Gold," sagte Peter gelassen. Clarke fiel in seinen Sessel zurück.

Hat Ihnen Sweeney das. erzählt?"

Nein, das vermutete ich. Also patzte auch die Hülse nicht, die Sie in dem Garten fanden."

Clarke schüttelte den Kopf.

Natürlich haben Sie Sweeney gesehen!" rief er vorwurfsvoll.Flunkern Sie mir nichts vorl Ich wußte nicht, daß Sie ihn getroffen haben aber sie war aus Gold und patzte nicht in die Hülse."

Ich sage Ihnen, datz ich Sweeney nicht ge­sehen habe. Ich weih das alles von mir selbst," sagte Peter.Was ist Ihre zweite Sensation?"

Ella Creed ist verschwunden. Die Theater­verwaltung ist in großer Unruhe, obwohl ich glaube, daß es nur ein Reklametrick ist."

Peter lächelt«.

Das ist auch nichts Besonderes. Ich wußte, daß sie letzte Nacht verschwand, und kann mir gut denken, wo sie ist. In dem Augenblick, in dem ich eine Generalstabskarte von Essex habe, habe ich darüber Gewißheit."

Er begegnete ClarkeS finsterem Blick, ohne sich abschrecken zu lassen.

Bitte Ihre dritte Sensation?"

Cs gibt keine dritte Sensation," knurrte der Beamte.Nun heraus damit, Peter. Wie ist die Geschichte?"

Ich glaube nicht, daß ich sie Ihnen ohne die Erlaubnis Mr. Gregory Deales erzählen darf"

Den können Sie augenblicklich nicht erreichen," sagte Clarke.Es ist aufs Land gegangen, er fuhr heute nachmittag ab, ich brachte ihn selbst zum Bahnhof."

Reiste er mit oder ohne seinen Hausmeister?" Der Hausmeister ging mit ihm."

Peter nickte.

Ich dachte es mir der Hausmeister stand seit vielen Jahren in seinen Diensten. Ich glaube, er ist der einzige treue Anhänger, den er in England zurücklietz. Wohin ist Mr. Deale ge­gangen?"

»Er hat ein Haus in Devonshire," sagte Clarke

die Nachgeordneten Dienststellen diese Ausweise zuzubilligen, da sie nach § 3 des Schwerbeschä- digtengesehes unter denselben Personenkreis wie die vorhin genannten Schwerbeschädigten fallen. Die Ausweisvergünstigung für Friedensblinde und andere Schwererwerbsbeschränkte, die nach § 6 des Schwerbeschädigtengesetzes geschützt sind, bleibt auch weiterhin in Geltung.

Oberheffen.

Oer Haushaltsvoranschlag des Kreises Alsfeld für 1930.

Den Abgeordneten des Alsfelder Kreis­tages, der am 5. Mai zu seiner dies­jährigen ordentlichen Tagung zusammentreten wird, ist in den letzten Tagen der Voran­schlag über die Einnahmen und Ausgaben des Kreises Alsfeld im Rechnungsjahre 1930 zu- gegangen. In der Sitzung vom 5. Mai steht der neue Voranschlag im Mittelpunkt der (Beratung.

Der Voranschlag schließt in der De - triebsrechnung mit den Einnahmen und Ausgaben mit 338 161,23 Mk. ab. Davon ent­fallen auf die allgemeine Verwaltung in Ein­nahme 1900 Mk., in Ausgabe 12 377,60 Mk., auf das Polizeiwefen in Einnahme 7650 Mk., in Ausgabe 8850 Mk., Schulwesen keine Einnah­men, 8000 Mk. Ausgaben: Kunst und Wissen­schaft keine Einnahmen, 200 Mk. Ausgaben: Dau- Wesen 3643,65 Mk. Einnahmen, 10 697 Mk. Aus­gaben: allgemeine Förderung der Wirtschaft keine Einnahmen, 4668 Mk. Ausgaben, Wohl­fahrtspflege und Gesundheitswesen 87 069 Mk. Einnahmen, 204 919 Mk. Ausgaben, Anstalten und Einrichtungen 23 900 Mk. Einnahmen, 41 360 Mk. Ausgaben, Finanz- und Steuerwesen 212 698,58 Mk. Einnahmen, 44 419,63 Mk. Aus­gaben: Grundstücksverwaltung 945 Mk. Einnah­men, 500 Mk. Ausgaben: Kapitalvermögen und

Kapitalschulden 355 Mk. Einnahmen und 2170 Mark Ausgaben. Im Kapitel Steuerwesen sind als Reichssteueranteil 33 000 Mk. veranschlagt.

Die Kreisumlagen sind in dem Voran­schlag mit 150 000 Mk. vorgesehen.

Die Dermögensrechnung verzeichnet in Ein­nahme und Ausgabe nichts.

Nach dem Verwaltungsbericht des Kreisaus­schusses für 1928 schließt die Betriebsrech­nung des Jahres 1928 wie folgt ab: Einnahmen 342 066,05 Mk., Ausgaben 318 913,99 Mark, mithin verbleibt ein Rest von 23 152,06 Mk. Dieser Lieberschuß verteilte sich am Ende des Rechnungsjahres 1928 wie folgt: Barmittel des Kreises 19119,33 Mk., liquidierte Außenstände 557,65 Mk., Lieberschuh der Gebühren für Fleisch­beschau 3475,08 Mk.

Aus dem Licher Gemeinderai.

D Lieh, 26. April.

Die städtischen Tagelohnfahrten für das Rechnungsjahr 1930 sind nach den Ausführungen des Bürgermeisters öffentlich vergeben worden. Wenigstfordernder war Frau Elise Alach, und zwar für ein Fuhrwerk mit zwei Pferden 1,48 Mk. und für ein Fuhrwerk mit einem Pferd 1,08 Mk. je Ar­beitsstunde. Ihr wurde der Zuschlag erteilt.

Eine längere Debatte entspann sich über die Vergebung von Chaussierungsarbeiten im Stadtwalde. Der Bürgermeister teilte hierzu mit, daß die Ausführung von Chaussie­rungsarbeiten in der Försterei Lieh I auf Vor­schlag des hiesigen Forstamts an zwei hiesige Waldarbeiter durch ihn aus der Hand vergeben worden fei, während Chaussierungsarbeiten in

ungeduldig.Ich habe seine Adresse, wenn Sie sich mit ihm in Verbindung sehen wollen."

Peter schüttelte den Kopf.

Ich möchte es nicht tun. Aber es wäre mir sehr lieb, wenn Sie mich zu seinem Haus be­gleiten wollten. Ich möchte Ihnen verschiedene sonderbare Exemplare dieses merkwürdigen Tieres, der gefiederten Schlange, zeigen, die Sie sicher­lich interessieren werden."

Sweeney kam gerade, als sie ausbrachen, und die drei fuhren zusammen zu Beales Haus. Die Unterhaltung wurde unterwegs nur von den beiden Polizeibeamten bestritten. Peter beob­achtete große Zurückhaltung und schwieg.

Ich kann nicht verstehen," sagte Sweeney, datz man gar keinen Knall oder Schutz gehört hat. Auch auf der Straße ist nichts gehört wor­den, und doch verursacht eine Pistole, auch wenn sie mit einem Schalldämpfer versehen ist, ein ziemliches Geräusch."

Peter mischte sich jetzt in das Gespräch.

Crewe ist auch nicht mit einer automatischen Pistole mit oder ohne Schalldämpfer erschossen worden man hat ihn mit einer Deloraine getötet."

Was, zum Teufel, ist denn eine Deloraine?" fragte Clarke.

Warum diese Waffe so heißt, weiß ich nicht. Es ist eine belgische Luftpistole, die kurze Zeit im Weltkrieg an der Front bei Patrouillen­gängen gebraucht wurde. Man kam aber bald wieder davon ab, weil die Tragweite und die Durchschlagskraft zu gering waren. Aber auf ein halb Dutzend Schritte kann man damit ein Geschoß durch eine zollstarke Plank« jagen, und aus unmittelbarer Nähe kann man einen Mann damit sicher erschießen."

Aber der tödliche Schutz auf Crewe wurde doch von drauhen abgefeuert!" protestierte Swee­ney.Der beste Beweis ist doch der Einschuß in der Fensterscheibe"

»Eine goldene Kugel ist weich," sagte Peter höflich.Sie würde sich sofort deformieren, wenn sie auf einen Widerstand stößt. Das Loch in dem Glas war so glatt durchgeschlagen, daß es nur von einem Stahlmantelgeschoß herrühren kann. Selbst das vollkommenste nichtsplitternde

Großer Roman von Karl Heinz Voigt

KONSTANZE

vom 1. Mai an im Gießener Anzeiger

bcr Försterei Lich II zur öffentlichen Ausschrei­bung gelangt und dem Wenigstfordernden zuge­schlagen worden seien. Gegen die freihändige Vergebung sei von mehreren Interessenten Ver­wahrung eingelegt worden. Nach eingehender Be­gründung der besonderen äimstände, die für die Vergebung der Chaussierungsarbeiten aus der Hand maßgebend waren, erteilte der Gemeinderat trotz der Opposition seitens der Vertreter der SPD. nachträglich entsprechend den Vorschriften der Landgemeindeordnung seine Genehmigung.

Im Anschluß hieran gab der Bürgermeister be­kannt, daß die Aufsichtsbehörde dem Beschluß des Gemeinderates vom 19. Dezember v. I> auf Sperrung der Ki r ch h o f s g as s e für Kraftfahrzeuge aller Art nur insoweit stattgegeben habe, als sie für Kraftfahrzeuge von mehr als 2,5 Tonnen Gesamtgewicht gesperrt sein soll. Der Gemeinderat beauftragte den Bürger­meister, gegen die beabsichtigte Offenhaltung der Kirchhofsgasse für den KraftwagVnverkehr nach­drücklichst Verwahrung einzulegen und begrün­dete seine Stellungnahme damit, daß die Kirch­hofsgasse heute nur ein etwa vier Meter breiter chauffierter Feldweg mit äußerst schwachem Unterbau sei und in der Hauptsache nur dem landwirtschaftlichen Verkehr Rechnung tragen solle. Wenn auch der Weg in die Ortsbauplan­erweiterung als Umgehungsstraße ausgenommen sei, so könne von einer Umgehungsstraße erst bann gesprochen werden, toenn sie als solche auch ausgebaut sei. Zur Zeit seien jedenfalls die Verhältnisse so, daß ein vollbeladener Heu­oder Erntewagen in die Strastenrinne fahren müsse, um einem Kraftwagen überhaupt aus- weichen zu können. Für die Benutzer des Weges läge durch die große Fahrgeschwindigkeit der Kraftwagen ein Gefahrenmoment, der nicht ver­antwortet werden könne.

Alsdann beschloß der Gemeinderat, die Pflegegeldsätze im städtischen Kran­kenhaus entsprechend dem Vorgehen ande­rer Verwaltungen vom 1. April dieses Jahres in folgender Weise festzusehen: 2. Klasse 6 Mk.. 3. Klasse (Einzelzimmer- 4 Mk., 3. Klasse (Saal für Selbstzahler) 3 Mk., 3. Klasse (©aal für Krankenkassen) 2,50 Mk. Kinder unter 14 Jahren zahlen 9/io dieser Sähe. Arzt und Apotheke sowie die vom Krankenhaus gestellten Heilmittel und Verbandstoffe sind besonders zu bezahlen. Der Tag des Zugangs und der Tag des Ab­gangs sind beide als volle Tage zu berechnen. Gleichzeitig wurde der Bürgermeister ermächtigt, in ganz besonderen Fällen Abweichungen von diesen Pflegegeldsähen zu vereinbaren.

Der RadfahrervereinEdelweiß" hier hat anläßlich seines am 28. und 29. Juni d. 2. stattsindenden 10jährigen Stiftungs­festes und des damit verbundenen Bundesfestes des Radfahrerbundes Oberhessen Erlaß der Ver­gnügungssteuer, Ueberlassung des städtischen Tanzbodens, Stellung eines Garantiefonds seitens der Stadt in Höhe von 500 Mk. i^nb Stiftung eines städtischen Geldpreises beantragt. Rach den Ausführungen des Bürgermeisters kann die Vergnügungssteuer nicht erlassen werden. Der Gemeinderat beschloß entsprechend. Der Tanzboden soll der Gesuchstellerin gegen eine Leihgebühr von 20 Mk. überlassen werden. Lieber die beantragte Stellung eines Garantiefonds ent­spann sich eine längere Aussprache. Dem Antrag wurde alsdann vorbehaltlich einer ordnungs­mäßigen Rechnungslegung stattgegeben. Als Geldpreis wurde ein Betrag von 100 Mk. zur Verfügung gestellt.

Sodann gab der Bürgermeister bekannt, daß für die Herstellung einer Planskizze des beab­sichtigten Schulhausneubaues und Ver­anschlagung der ungefähren Baukosten seitens der städtischen Bauleitung, des staatlichen Hoch­bauamtes Gießen, ein Betrag von 1144 Mk. an­gefordert worden sei. Die Herstellung dieser Un­terlagen sei auf einen früheren Gemeinderats- beschluh hin in Auftrag gegeben worden. Ein Versuch, eine zinslose Stundung dieses Betrages bis zur Herstellung des für eine spätere Zeit be­absichtigten Schulhausneubaues zu erlangen, sei mißlungen. Der Gemeinderat erklärte sich auf Vorschlag des Bürgermeisters damit einverstan­den, daß die angeforderten Gebühren aus dem angefammelten Schulhausneubaufonds bestritten werden.

Für vier verbilligte Baudarlehen zur Er­richtung von Wohnhausneubauten wurde die Ge­meindebürgschaft vorbehaltlich der Stellung von je zwei tauglichen Rückbürgen für die Zeit, in

Patentglas würde dem Aufschlag eines goldenen Geschosses nicht standhalten, das auf kurze Ent­fernung abgefeuert wird. Run möchte ich aber doch einmal die Tür genauer besichtigen."

Welche Tür?" fragte Clarke, der sich nicht darauf besinnen konnte, wofür sich Peter in der vergangenen Rächt so stark interessiert hatte.

Ach, er meint das angemalte Ding in dem Schuppen," sagte Sweeney belustigt.Was wollen Sie denn da entdecken, Peter?"

Das Stahlmantelgeschoß, das das Fenster durchschlug," antwortete Peter kühl.Ich nehme an, daß es nicht weit über dem Fußboden in die Tür eingeschlagen ist. Der Widerstand, den die Glasscheibe entgegensetzte, hat feine Flugkrast stark vermindert. ... Cs wird vielleicht gerade noch in Fußhöhe eingeschlagen fein. Gestern nacht habe ich es leider noch nicht entdecken können."

Peter ging durch den Garten zu dem kleinen Schuppen. Sweeney hielt das Licht, und der Reporter untersuchte mit seinem Taschenmesser wieder den unteren Teil der Tür.

..Hier ist es," rief er plötzlich. Die Spitze seines Messers war auf einen harten Gegen­stand gestoßen.

Das wird ein Nagel sein," meinte Clarke.

Peter antwortete nicht, er schnitt das Holz beiseite und hielt gleich daraus ein blitzendes Stahlmantelgeschoß in der Hand.

Das paßt aber nicht in die Patronenhülse hinein, sagte Sweeney, der das Geschoß genau betrachtete.

Peter schüttelte den Kopf.

Nein, aber Sie werden finden, daß es genau dasselbe Kaliber hat wie die goldene Kugel."

Nun, Peter," sagte Clarke, als sie wieder in dem Arbeitszimmer waren,wir wollen noch einige Tatsachen von Ihnen hören. Wer feuerte den Schuß ab, der Crewi tötete?

Peter atmete tief.

»Der einzige Mann, der überhaupt geschossen haben kann der Einzige, der nahe genug war, um ihn mit einer Luftpistole zu töten war Gregory Beale!"

Ein langes Schweigen folgte diesen Wprten. , (Fortsetzung folgt.), ; > f