sozialistische Organ ,.H e s s enh a m m c r" wurde vor einiger Zeit durch den hessischen Innenminister Leuschner auf die Dauer von 4 Wochen verboten.
Schacht fordert Beseitigung -er Reparationen.
Die Quelle der WcltwirtschaftSkrifts mutz verstopft werden.
Neui) ork. 28. Oft. (TU.) Dr. Schacht, der aus seiner Rundreise durch Amerika nunmehr in Ehikago eingetroffen ist, hielt in der Universität einen Aussehen erregenden Vortrag, in dem er die '.Hepauv lionsfrage eingehend behandelte. Dr. Schacht betonte, daß die Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten direkt auf die Wirtschaftslage i n Deutschland zurückzuführen sei. Die deutsche Wirtschaftskrise habe aber ihre Ursache in der derzeitigen Reparationsregelung. Die schlechte Lage der deutschen Wirtschaft habe fid) auch auf die anderen europäischen Länder ausgedehnt und so endlid; auch Amerika ersaßt. Schacht wies u. a. daraufhin, daß Deutschland bis an die Grenzen des Möglichen b e ft e u c r t sei, und daß eine weitere Besteuerung, um Lic Reparationen bezahlen zu können, Deutschlands Wirtschaft auf das schwerste gefährden würde. Da das unmöglich sei, forderte Schad)t eindeutig die A b « s ch a ffung der Reparationszahlungen. Rur die Beseitigung der gegenwärtigen Repara- tionslöfung sei geeignet, die Heilung der Weltwirtschaft herbeizuführen. Er betonte, daß dies insbesondere Aufgabe der Wirtschaftssührer aller Länder der Erde sei. — Es wird jetzt die Sache der deutschen Regierung fein, die günstige Wirkung auszunutzen, die durch den zweifellos tiefen Eindruck des Schachtfchen Auftretens in den Vereinigten Staaten erzielt worden ist. Hierzu gehört aber in erster Linie eine aktioeJnnen- Politik, auf Grund deren das Ausland das Vertrauen gewinnt, daß die deutsche Leistungsfähigkeit wirklich bis zum letzten erschöpft ist.
Die Osthilfe.
Rcichsministcr Drcviranus bereist den Osten.
2 e r I i n , 28. Oft (END.) Die Beratungen des Reichskabinetts über die Osthilje werden erst im Laufe der kommenden Woche fortgeführt werden können. Inzwischen ist der Reichskommissar für die Osthilse, Reichsminister Treviranus, nach Ostpreußen und Pommern gefahren, um an Ort und Stelle ein genaues Bild der Rotwendigkeiten und Möglichleiten einer erfolgreichen Tlnterstühung des notleidenden Ostens zu gewinnen. Es handelt sich u. a. um die Frage, ob die Antragssristen für den Doll- streckungsschutz. die am 31. Oktober ab- laufen, verlängert werden soll. Die Ansichten darüber sind geteilt. Insgesamt liegen bisher nur etwa 500 Anträge vor, wovon ein sehr erheblicher Teil aus Kreisen kommt, die gar nicht unter den Bollstreckungsschuh fallen. Die Bedenken richten sich nun dagegen, daß die 2er- längerung des Vollstreckungsschuhes den Anschein eines Moratoriums erwecken und kreditschädigend wirken könnte.
Eine weitere wesentlich Frage ist die räumliche Ausdehnung der O st Hilfe auf ganz Pommern, Mecklenburg-Stre- li h und Mecklenburg-Schwerin, Brandenburg und Riederschlesien. Hierbei .spielt vor allem die Aufbringung derMit- te l eine Rolle. Ausgeschlossen ist sie offenbar für die Ausdehnung der Lastensenkung auf das erweiterte Gebiet. Ein weiterer Vorschlag des Reichsministers Treviranus geht dahin, auf Grund des Reichsgesehes über die Arbeitslosenversicherung und die Fürsorgepflichtverordnung im Osthilfegebiet Unterstützungsempfänger in größerem Umfang zu Meliorationsarbeiten heranzuziehen. Der Minister hat für diesen Zweck sechs Millionen Mark aus der produktiven Ecwerbslo enfürsorge angesordert.
Amtsenthebung kommunistischer
Bürgermeister in Thüringen. .
Weimar, 28. Olt. ($11.) Das thüringische Staatsministerium hat vor einiger Zeit sämtlichen Staats-, Kreis- und Gemeindebeamten die Zu
gehörigkeit zur Kommunistischen Partei verboten. Auf Grund dieses Erlasses hat das thüringische Innenministerimn als oberste Aufsichtsbehörde gegen eine Reihe von Bürgermeistern, die sich trotz des Regierungs-» Verbotes als Kommunisten bekannten, unter vorläufiger Amtsenthebung Disziplinarverfahren mit dem Ziel der Dienstentlassung eingeleitet. So sind die kommunisti
schen Bürgermeister von Ruhla, Elgersburg und' Gräfenhain ihres Amtes enthoben worden. Auch gegen einen kommunistischen Beigeordneten, der Vertreter des Bürgermeisters von Walters- Hausen ist, läuft ein Disziplinarverfahren, da er die auf gewaltsamen Umsturz gerichteten Bestre- bungen der Kommunistischen Partei unterstützt habe.
Vereinbarung in der Berliner Metallindustrie
Beendigung des Streiks. - Endgültiger
Berlin, 28. Oft. (111.) Unter dem Vorsitz des Reichsarbeitsministers Dr. Stcgerwalb fanden am Dienstag im Reichsarbeitsministerium Verhandlungen mit den Vertretungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Berliner Metallindustrie statt, die mit folgender Vereinbarung endeten:
1. Die Arbeit wird sofort unter den alten Bedingungen wieder aufgenommen. Maßregelungen aus Anlaß dieses Streifs finden nicht statt.
2. Die Entscheidung der im Schiedsspruch vorn 10. Oktober behandelten Fragen erfolgt durch Schiedsspruch einer Schlichtungsstelle. Sie besteht aus drei Unparteiischen, die vorn Reichsarbeitsminister nach Benehmen mit den Parteien ernannt werden.
3. Die Verhandlungen vor der Schlichtungsstelle sind möglichst bald zu beginnen. Die Entscheidung hat f p ä t e ft e n s in der er ft en Woche des November zu erfolgen und i ff endgültig.
Am Mittwoch sehen sich die Betriebsräte mit den Firmen wegen der Wiederaufnahme der Arbeit in Verbindung, lieber die Zusammensetzung der in
Spruch einer Schlichtungsstelle.
der Vereinbarung vorgesehenen Schlichtungsstelle ist bereits bei den Verhandlungen ausführlich gesprochen worden. Als Unparteiischer sott der frühere Reichsarbeitsminister Brauns ausersehen sein, der dem kreis der d)ristlichen Ge- werfschasten entstammt. Der eine Beisitzer wird von den IHetaUarbeitern, der andere von den Unternehmern gestellt. — Zu der Einigung nehmen nur der „Vorwärt s“ und die „Rote F a h n e“ Stellung. Der „vorwärts" äußert sich befriedigt über das Ergebnis, da durch den Streit erreicht werben fei, daß der Schiedsspruch, der eine Lohn- fürzung vorsah, weder verbindlich erflärt werde, noch jur Durchführung fomme. Das Blatt spricht die Hoffnung aus, daß die Berliner Metallarbeiter ebenso geschlossen, wie sie den Kampf geführt hätten, dem Rufe des Metallkartells folgen und In d i e Betriebe zurückfehren. Die „Rote Fahne" spricht von einem verrat der Gewerkschaftsführer und fordert zum Weiter- ft reit en unter Führung der revolutionären Ge- werfschastsopposition auf.
Aiederschlesien.
Straßen und Dörfer überflutet. - Die Talsperren übergelaufen. Die Dämme der Katzbach gebrochen.
Lüben
c
cn
Görlitz, 28. Oft. (TU.) Das in der Rächt zum Dienstag wesentlich gestiegene Hochwasser hat in Riederschlesien schweren Schaden angerichtet. Das benachbarte K r e b a ist vom Verkehr fast vollständig abqe- schnitten, nachdem bis auf eine Straße nach Görlitz sämtliche Zufahrtsstraßen überschrremmt wurden. Zwei Brücken wurden von den Fluten hinweggerissen. Eine Mühle steht als einsame Insel in einem gelblich-schmutzigen See. Die Bewohner der schwergesährdeten Gehöfte konnten nur mittels Kähnen gerettet werden. Die Häuser sind fast alle unter Wasser gesetzt. In der Gegend von Freystadt stehen die Ortschaften Streidelsdorf, Quisdorf und Teichhof vollkommen unter Wasser und sind von der Außenwelt abgeschnitten. Pioniere aus Glrgau sind damit beschäftigt, die Orte zugänglich zu machen. Im LöwenbergerKreis erreichte das Hochwasser gestern abend seinen Höhepun t Wild schäumend rasten die gewaltigen Wasserir.a' en dahin, Zäune, Heizgerät undTier- kadaver mit sich führend. Heute morgen bildete das g anze Bober . a l einen langge st reckten See, aus dem eiirzelne Gehöfte als einsame Inseln hervor-
ragen. Auch die Bahnstrecke nach Kirschberg ist vom Hochwasser bei Grunau zerstört worden. Der Personenverkehr wird durch Ilmsteigen aufrechterhalten.
Das Dorf Jlieber-QJdrisfeiffen bietet heule früh ein grauenhaftes Bild der Verwüstung. Zahlreiche Gebäude sind unterspült und dem Einsturz nahe. Die vom wasser ein- geschlofsenen Bewohner verlebten in den oberen
Stockwerten ihrer Häuser eine bange, falle Rächt.
Die Talsperre Mauer hatte heute früh 10,375 Millionen Kubikmeter Wasser. Wenn die Degenfälle weiter in dem Maße anhalten, dann ist damit zu rechnen, daß gegen Abend die Talsperre gefüllt ist und der lieber lauf in Kraft tritt. Das Fassungsvermögen der Talsperre beträgt etwa 50 Millionen Kubikmeter. Die ganze Gegend stellt eine Kette vonSeen dar. Die
beiden Talsperren von Marklissa und Dolben- traum sind gefüllt und laufen über In Ulbersdorf (Kreis Goldberg-Baynau) ist das ganze Deichsel-Tal überschwemmt. Viele Häuser muhten geräumt werden. Das Vieh wurde nach höher gelegenen Ställen geschafft. Die Brücke in Rieder- bcrg ist völlig überflutet. Im Waldenburger Tergland hat der feit Sonntag ununterbrochen . niedergehende Schneefall erhebliche Schäden angerichtet. Mehrere Landstraßen waren durch die Verwehungen unpassierbar geworden, so daß der Schneepflug eingesetzt werden muhte.
Line sehr schreckliche Rachl verlebten die Dorfbewohner von Bramberg (kreis 3auer). Arn Montag gegen 10 Uhr tarn die Nachricht, daß die Landwirte, die in Riederdorf wohnen, das Vieh aus den Ställen holen sollten. 3n der stockfinsteren Rächt war das Unterbringen des Viehs bei den Rachbarn eine schwere Arbeit. Dienstag früh um 2.15 Uhr wurde jum Schutz des Reisie-Darnrnes die Freiwillige Feuerwehr alarmiert, da das Hochwasser in beängstigender weise stieg.
Da die Fluten der einzelnen Flüsse im Steigen begriffen sind, so dürfte ein Hochwasser ähnlich dem Les Iahres 1903 zu verzeichnen sein. Seit der Zeit sind allerdings große Fluhregulierungen vorgenommen worden, so daß immerhin dem Hochwasser etwas Einhalt geboten werden dürfte. Jedenfalls sind umfassende Maßnahmen seitens der staatlichen Strombauverwaltung getroffen worden, um alle in der Räh« der Dämme usw. liegenden Gegenstände fortzuräumen. Wie weiter von amtlicher Seite mitgeteilt wird, dürfte eine Verschärfung der Hochwasserlage dadurch eintreten, daß die Temperaturen im Gebirge, wie auch im Flachlande angestiegen sind. Der Sturm, der am Montag im Hochgebirge Orkanstärke angenommen hatte und auch im Flachlande 25 Sekundenmeter Geschwindigkeit erreichte (100-Kilometerstundengeschwindig- keit) hat mit der weiteren Abschwächung des Stö- * rungszentrums bereits nachgelassen.
Die schnelle Deichsel bei Pilgramsdorf ist zu einem wütenden Strom angeschwollen und hat weite Strecken überschwemmt. Der Fluh hat den Höchstwasserstand vom 26. Iuni 1912 überschritten. Die Ehausfeebrücken, die über drei Meter hoch sind, sind vom Hochwasser überspült. Die hierdurch angestauten Wogen suchen sich einen Ausweg, indem» sie Gärten, Wiesen und Gehöfte überfluten und alles im Wege Stehende mit fortreihen. Aus mehreren Gehöften konnte das Vieh nicht mehr gerettet werden und ist in den Fluten umgekommen. In sehr vielen Häusern sind die unterenStock- werke völlig unter Wasser gesetzt, so daß die Bewohner in die oberen Stockwerke und auf d i e Dächer flüchten muhten. Der das Dors Peterwih bei Iauer durchflutende Hellenbach überflutet Gärten und Wiesen., reiht Brücken weg und zerstört die Wohnungen. • Viele Häuser im Riederdorf stehen unter Wasser und muhten geräumt werden. Auch in R a u d t e n ist das Wasser in die meisten Gehöfte eingedrun- gen, so daß die Wohnungen geräumt werden muhten.
Das Hochwasser der kahdach Hal bei Schönau katastrophale Formen angenommen. Ls ist das größte Hochwasser feit 1 8 9 7. Der bisher angerichtete Schaden ist auch nicht im entferntesten zu übersehen. Außer dec Stabt Schönau sind mehrere umliegende Dörfer von dem Hochwasser schwer getroffen. 3eder verkehr ist nicht nur auf den Reben-, sondern auch auf den Hauptstraßen unterbunden.
Bei Alt-Beckern (Liegnih) ist am Dienstagvormittag der große Katzbachdamm durchgebrochen. Die Fluten setzten im Ru die in der Rähe gelegenen Gehöfte unter Wasser. Das Vieh konnte noch gerade rechtzeitig gerettet werden. Der Damm hinter der Schleuse, der den gewöhnlichen Wasserspiegel der Katzbach um etwa 6 Meter überragt, war bereits in der Rächt zum Dienstag überspült worden. Das Wasser hatte den Dammrand tief eingerissen. Roch in der Rächt wurden die umliegenden Feuerwehren alarmiert. Die Risse wurden mit Sandsäcken ausgefüllt. Das Wasser spülte die Säcke jedoch rasch hinweg. Das niedergelegene Klein- Beckern stand schon vorher f a st v o l l st ä n -
Spuk im Hinterhof.
Von Oskar Mana Graf.
Bislang habe ich immer geglaubt, nur auf dem Lande, auf versteckten Einöden, in verfemten Häusern und uralten Tennen, in Sümpfen und einsamen Torfstichen würde so etwas wie Sput vielleicht noch möglich sein. Voriges Jahr im Herbst aber habe ich ein ähnlich gruseliges Erlebnis auch in der Stabt gehabt. Das war in einer noch ziemlich lauen Oktobernacht. Am Himmel leuchtete zwar der Mond, aber er verschwand immer wieder hinter den dunklen, massigen Wolken, die der Wind dahintrieb. Ich saß vor meiner Schreibmaschine im Atelier, bei offenem Fenster, und arbeitete ungestört. Ab und zu hörte ich die Trambahn läuten und surren, entfernte Autos tuteten, langsam jedoch wurde es still und stiller und schließlich weinte nur noch i>er Wind im Hof. Dieser Hof, in welchem sich die Werkstätten etlicher Gipsformatoren befinden, ist der hinterste und verborgenste. Man muh von ihm aus zuerst durch den Torgang des Mittelhauses und kommt in den Vorderhof. Hat man den durchschritten, muß man wiederum durch den Torgang des Vordergebäudes und gelangt endlich auf die Straße. Ich kann also sagen, daß ich hübsch versteckt wohne, keine Glocke führt zu mir, kein Brief- ober Telegraphenbote erreicht mich nachts, niemand. Mit diesem Hof habe ich übrigens vor Jahren einmal eine sehr nette Geschichte erlebt und ich muh sie erzählen, weil sie mit dem Nachfolgenden ein ganz klein wenig etwas zu tun hat. Nämlich einmal — es befand sich damals in einer Gipsformatorenwerk- ftätte noch das Büro — hörte ich tief in der Nacht unter meinem Atelier Männerstimmen und leuchtete zum Fenster hinunter.
„Was ist denn los?" fragte ich und die drei Männer antworteten, sie seien Büroangestellte des Büros, ob ich nicht so gut sein möchte, sie beim Haustor hinauszulassen, sie hätten bis jetzt an der Bilanz gearbeitet und feinen Schlüssel. „Ja bitte! Warten Sie!" sagte ich, schlüpfte in eine Joppe, ging hinunter und ließ sie also aus dem Haus. Am andern Tag in der Frühe weckte mich ein aufgeregtes Gerede der Gipsformatoren. Ich horchte genauer urh erfuhr dadurch daß in dcr vergangnen Nacht in das Büro cingebrochen worben war. Dreihundert
Mark, viele Brief- und Jnvalidenmarken hatten die Diebe erwischt und — ich hatte ihnen arglos das Haustor aufgeschlossen. Es läßt sich denken, daß ich seit dieser Zeit vorsichtiger war, wenngleich die Gipsformatoren ihr Büro kurz darauf in ihre Wohnung verlegten und von da ab eigentlich aus ihren Werkstätten und im Hof nichts mehr zu holen war.
In jener windigen Oktobernacht vorigen Jahres nun hörte ich auf einmal ein sehr verdächtiges, ratterndes Geräusch, das sich unregelmäßig wiederholte. Kurzerhand nahm ich die Zuglampe, ging ans offene Fenster und leuchtete hinab in den verlassenen Hof. Da plötzlich flog etwas großes Schwarzes kaum meterhoch über mich weg durch die dunkle Luft. Flog, gab einen seltsamen schwirrenden Laut von sich und — ffft — war es weg. In meiner Bestürzung wußte ich mir nicht gleich zu helfen, zitterte auch leicht und jetzt, als ich endlich imstande war, in die Richtung zu leuchten, in welche das grausige Ding geflogen war, sah ich nichts mehr, hörte aber wiederum das Rattern. Es war fast so, als steige jemand ganz hinten kratzend über die mannshohe Mauer. Ich besann mich kurz, dachte hin und her, rief etliche Male in das Dunkel, suchte mit meiner Lampe herum — still war es wieder, nichts entdeckte ich.
Ich überlegte: „Eine Katze kann es nicht gewesen sein. Die fliegt doch nicht. Für einen Vogel war das Ding viel zu groß ... Und ein Mensch? ... Dummes Zeug! Unsinn... Du hast dich geirrt, bist überreizt ..." Trotzdem, ich konnte mir doch nicht aus- reden, daß ich wirklich etwas gesehen hatte, fand keine einleuckstende Erklärung und — weiß Gott — cs lief mir auf einmal falt über den Rücken hinunter, ich schloß hastig das Fenster und schlug den Vorhang vor.
„Quatsch! Blödsinn!" schimpfte ich mich schließlich selber, ging abermals an die Schreibmaschine und arbeitete mit Gewalt weiter. Nach einer Weile war ich wieder ganz ruhig, nach etlichen Stunden hatte ich die Sache vergessen. Draußen heulte jetzt der Wind viel stürmischer. Ich nahm wie gewöhnlich meine Briefe und wollte sie zum Brieffasten bringen. Während ich über die Stiege hinunter ging, fiel mir auf einmal wieder das schwarze Ding ein und da stieg mir ein leichtes Gruseln auf. Ich trat aus der Ture des Atelierhauses Der Mond stand halb bir' r ben Wolken unb entfd;älte sich fanafam. Der Wind blies heftig, ich ging mit schnellen, großen
Schritten auf das Tor des Mittelhauses zu, dessen einer Flügel weit offen stand und da — entsetzlich — hörte ich plötzlich hinter mir wieder dieses Schwirren in der Luft, drehte mich jäh um, schaute auf und sah abermals das schwarze, grausige Ding bireft auf mich zufliegen. Ich jagte mit einem wilden <satz hinter den Torflügel, faustete mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, meine Hände und blieb starr in meinem Versteck stehen. Mein Herz stockte und schlug alsdann wie trommelnd, ich zitterte wie Espenlaub und wagte kaum zu atmen. Das Schwirren kam näher, — ss-ss-sss! tat es, einen harten Schlag an die Außenwand des Torflügels hörte ich, bann ratterte es kratzenb unb war still. Ich ftanb wie gelähmt unb konnte keinen Laut herausbringen, keine Bewegung machen. Meine Briefe waren mir aus ber Hanb gefallen, ich spürte Eisigkeit in allen meinen ©liebem unb brauchte eine gute Weile bis zur nächsten Ueberlegung. Ich horchte unb horchte. Still, grausig still war es. Ich ermannte mich enb- lich und schob mich ganz leise an ben Ranb bes Torflügels, bog meinen Kopf über bie Kante unb — was glauben Sie, was ich sah? Ein aufgespannter Regenschirm lag auf bem Boben unb schaukelte leicht hin unb her.
Zuerst glotzte ich völlig oerbummt, bann wollte id) laut auflachen, spürte aber ob des erlittenen Schreckens eine solche Mattigkeit, baß ich nicht einmal mehr bas konnte.
Rubin bringt Glück.
Don Hans Mebau.
i.
Blakusch hat einen kleinen Iuwelierladen in Berlin SO. Schandir hat früher auch mal einen Iuwelierladen gehabt. Ietzt hat er ihn nicht mehr.
„5)ören mal", kommt Schandir zu Blakusch, „ich hab mir ein Horoskop stellen lassen. Das ist eine fabelhafte Sache."
„So?" sagt Blakusch.
„Rur ziemlich teuer", fährt Schandir fort. »Ich habe meine letzten zwanzig Mark dafür bezahlen müssen."
„Hm", nickt Blakusch.
..Der Astrologe ha', miv zum Schluß gesagt", kratzte sich Schandir den Kopf, .mein Glücks-
kristaU wäre Rubin. Einen Rubin müßte ich stets bei mir tragen. Das brächte Glück."
„Aberglaube, Unfug!“ murmelt Blakusch.
„Sagen Sie das nicht!" hebt Schandir den Finger. „Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich unsere Schulweisheit nichts träumen läßt. TIebrigens: haben Sie nicht einen kleinen roten Rubin in Ihrem Laden? Wir könnten dann am besten die Probe aufs Exempel machen."
Blakusch guckt Schandir an. „"Natürlich", sagt er, „natürlich habe ich Rubine in meinem Laden. Aber Ihre letzten zwanzig Mark haben Sie doch dem Astrologen gegeben."
„Allerdings", nickt Schandir. „Aber Sie könnten mir den Stein schließlich leihen!? Oder ich vezahle ipn später."
Blakusch überlegt, seufzt und gibt Schandir einen schön geschliffenen blutroten Rubin.
II.
„Hören Sie mal", sagt Blakusch. „wie ist es eigentlich mit dem Rubin? Hat er Ihnen G.ück gebracht?"
„Aber natürlich", strahlt Schandir, „der Astrologe hat recht behalten. Der Rubin hat mir sehr, sehr viel Glück gebracht."
„Wieso denn?" fragt Blakusch.
„Die Sache war so", erzählt Schandir. „Der Gerichtsvollzieher will mir meinen Sommermantel pfänden, und den letzten Schrank, und das Grammophon." „Haben Sie sonst nichts?" fragt er. —
„Rur diesen Rubin", sage ich und zeigte ihm den Stein.
„Aber Menschenskind", ruft der Gerichtsvollzieher, „warum haben Sie das nicht gleich gesagt", und er kratzt die Siegel von Schrank, Grammophon und Mantel.
„Tlnd dann?" fragt Blakusch.
„ilnö dann", fährt Schandir fort, „dann ist der Rubin versteigert worden, und der Gerichtsvollzieher hat mir noch fünfundsechzig Mark in bar ausbezahlt."
„3a, aber", stottert Blakusch, „Sie haben ben Stein doch noch gar nicht bezahlt!"
„Das ist ja eben", sagt Schandir, und ein Leuchten geht über fein Gesicht, „das ist ja eben das Glück."


