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Herrn Dr. Schlierbach zur Krankenkasfenpraxrs zu erreichen. Nachdem sich noch verschiedene Red­ner in ähnlichem Sinne ausgesprochen hatten, wobei auch zum Ausdruck kam, dah die Kassen in den Städten nicht so engherzig handeln wür­den, ferner die Mitglieder, sowie auch die Kasse kehr viel Geld sparen könnten, da Weg- und Dahnkosten nach Großcn-Buseck Wegfällen wür­den, wurde eine Entschließung einstimmig ange­nommen, die besagt, dah die Versicherten obiger Gemeinden, die eine Gesamteinwohnerschaft von rund 4000 Personen besitzen, die sofortige Zu­lassung des Herrn Dr. med. Schlierbach als Kassenarzt verlangen. Die Entschließung soll dem Dersicherungsamt Gießen übermittelt werden, und es wäre zu hoffen, dah dem Wunsche Rechnung getragen wird. Eine persönliche Angelegenheit, die noch behandelt wurde, soll im Hessischen Landtag zur Sprache gebracht werden.

§ Daubringcn, 26. Juli. Die Provin­zialstraße nach Mainzlar, die erst im ver­gangenen Jahre eine umfangreiche Erneuerung erfuhr, wird gegenwärtig zwecks verstärkter Halt­barkeit geteert. Es handelt sich um eine Teerart, die außerordentlich rasch trocknet und sofort ab­bindet, so dah der Durchgangsverkehr keinerlei Hemmnisse erleidet. Dieselbe Oberslächenbehand- lung erfährt im Anschluß daran die Provinzial- strahe durch das mittlere Lumdatal bis nach Treis. Der ungemein starke Durchgangsver­kehr an Krafträdern und Autos, infolge der Um­leitung LollarDaubringenGießen, der nun fast über einen Monat anhält, hat unsere Dorf st raße und die Gießener Straße in einen derart schlechten Zustand verseht, dah selbst bei gemäßigter Geschwindigkeit alle Fahrzeuge jeder­zeit in Gefahr schweben, verunglücken zu können. In den letzten Tagen brach an zwei die Straße passierenden Autos je eine Achse, so dah die Kraftwagen abgeschleppt werden muhten. Die Provinzialstrahenverwaltung wird nicht umhin können, nach Schluß des Llmleitungsverkehrs auch die obengenannte Straße einer durchgreifenden Erneuerung zu unterziehen.

-o- O b e r - V e s s i n g e n , 28. Juli. Welch' gewaltiger Verkehr gestern die Straße Lich Laubach anläßlich des RennensRund um Schotten" belastete, zeigen nachstehende Zahlen: Von nachmittags 2.30 bis 6.30 41hr fuhren an unserem Dorfe, von Schotten kom­mend, nach genauer Zählung 590 Motor­räder vorüber. Vorher hatte aber schon eine ganze Anzahl die Straße passiert. Die jungen Leute, die von 4 bis 6.30 Mr die vorübereilen­den Fahrräder und Autos genau zählten, stellten von ersteren 350 und letzteren 82 fest. Zieht man die verschiedenen Zugangsstrahen nach Schotten in Betracht, so kann man sich un­gefähr ein Bild davon machen, wie groß die Zahl der Fahrzeuge gewesen ist, die in Schotten sich ansammelten, zumal die obengenannte Straße doch wohl diejenige ist, die den geringsten Ver­kehr nach Schotten aufzuweisen hatte.

Dritter Gießener Ferienkurs.

Im weiteren Verlaufe des Dritten Gie­ßener Ferienkurses sprach Professor Dr. M o m b e r t über das Thema

Kultur und Wirtschaft".

Der Redner sagte u. a.: Kultur und Wirtschaft bedingen sich in mancher Hinsicht, in anderer können sie starke Gegensätze enthalten. Das erste ist der Fall, wenn man an die Kultur im mate­riellen oder objektiven Sinne denkt, das letztere, wenn man diejenige im subjektiven oder gei­stigen Sinne im Auge hat. Die Wirtschaft ist nicht Selbstzweck. Sie hat vielmehr die Auf­gabe, die Mittel für andere, höhere Zwecke zu schaffen. Die Entwicklung ging jedoch dahin, daß die Wirtschaft über die Aufgabe, Dienerin des Menschen zu sein, hinausgewachsen und zu seiner Herrin geworden ist, und damit der Kultur gefährlich werden kann. Es handelt sich hierbei vor allem darum, dah derjenige, der heute im Wirtschaftsleben steht, immer mehr bei seinem Handeln zwangsläufigen Einflüssen unterliegt, oder darum, dah das Vordringen der Maschine den Menschen immer mehr zu ihrem Diener herabdrückt, dah damit die Zer­legung der Arbeit in immer mehr mechanische und geistlose Teilprozesse zunimmt und so die Arbeitsfreude und das Interesse an der Arbeit zurückgeht. Die Wirtschaft, die der Bedarfs­deckung des Menschen dienen soll, macht sich immer selbständiger: diese Aufgabe der Bedarfs­deckung tritt immer mehr hinter anderen Mo­tiven, namentlich hinter dem Erwerbsstreben, zu­rück. Wer ein Glied der heutigen Wirtschaft ist, muh sich deren Zwang unterwerfen, mag auch sein so bedingtes Handeln durchaus im Wider­spruch mit dem stehen, was der Mensch selbst innerlich für richtig und gut empfindet. In diesem Gegensatz liegt heute der wichtigste Zu­sammenhang von Kultur und Wirtschaft, dessen Problematik gerade in neuerer Zeit uns besonders zum Bewußtsein gekommen ist. Damit hängt es zusammen, dah gerade in den letzten Jahren diese Seite der wirtschaftlichen Entwick­lung einer besonders, scharfen Kritik von den verschiedensten Seiten unterworfen worden ist. Freilich darf man über dieser negativen Seite unserer wirtschaftlichen Entwicklung auch nicht ihre positiven Leistungen außer acht lassen: die Tatsache nämlich, daß sie mit der Schaffung so gewaltiger wirtschaftlicher Energien die Voraus­setzung dafür war, dah Volkszahl und Lebens­haltung in einem Ausmaße ansteigen konnten, wie niemals zuvor in der Vergangenheit. Bei allen Reformvorschlägen der heutigen Art der Wirt­schaft gegenüber darf man die Frage nicht ver­nachlässigen, ob es möglich ist, ihre Bedeutung in unserem Leben zurückzudrängen, ohne daß dabei diese positiven Leistungen der Wirtschaft für uns Menschen eine Einbuße erfahren.

Weiter hielt Professor Dr. Messer Vor­lesungen über:

Pädagogische Probleme der Gegenwart".

Der Vortragende behandelte dabei folgende Gebiete: 1. Pädagogik und Philos o- phie: Die in der Herbartschen Schule herr­schende Auffassung des Verhältnisses von Philo­sophie und Pädagogik. Die Bekämpfung dieser Auffassung. Die Forderung der Autonomie der Pädagogik. Das relative Recht dieser Forderung. Ihr Versagen hinsichtlich des Erziehungsziels. Weltanschauung und Erziehungsziel. Die Auf­gabe der Philosophie, insbesondere der Wert­philosophie bezüglich dieses Problems. 2. Auf- bau des Bildungswesens: A. Der Streit um das Reichsschulgeseh. Die Gründe für~ die Konsessionalisierung des Schulwesens. (Die päpst­liche Enzyklika.) Die Gründe gegen die Konfes­sionsschule. B. Das Derechtigungswesen. Die äkeberfüllung der höheren Schulen und der Hoch­schulen. Ursachen und voraussichtliche Wirkungen. C. Das Volkshochschulwesen. Wandlungen in seiner Zielsetzung. Allgemeines über Vorbildung und Fortbildung. 3. Der Geist unserer Er­ziehung: Die Forderung der Verfassung. Die Verwirklichung dieser Forderung. Die Kernfrage der staatsbürgerlichen Erziehung: Erziehung zu allgemeiner Staatsgesinnung oder für die be­stehende Staatsform. Die Haltung der Jugend und die dadurch sich ergebende pädagogische Aufgabe. *

Privatdozent Dr. Gerber sprach in Verbin­dung mit praktischen Demonstrationen über:

Die Wege der neuen Tonkunst".

Die große Stilwandlung, die sich in der moder­nen Musik der beiden letzten Jahrzehnte voll­zogen hat, ist durch die Entwicklung der roman­tischen und impressionistischen Tonkunst des 19. Jahrhunderts bedingt. Deren charakteristische Merkmale sind: 1. Weitung und Sprengung der klassischen Formenwelt (Bruckner, Mahler): 2. Verdrängung des rein musikalischen Gestaltungs- Prinzips durch die formbildende Kraft eines Programms" (Sins. Dichtung: Derlioz, Liszt, R. Strauß): 3. Vorherrschaft des Literarischen im allgemeinen (R. Wagner, H. Wolf, R. Strauß); 4. Auflösung der klassischen Tonalität mit dem Endstadium der Atonalität (franz. Impressionis­mus, M. Reger). Der Wendepunkt und gleich­zeitige Beginn der eigentlichen Musikrevolution wird gekennzeichnet durch die Werke Arnold Schönbergs feit 1909. Sein Tonsatz ist atonal, antiharmonisch, linear-melodisch, seine Ton­sprache inliterarisch, fein Gestaltungsideal ex­pressionistisch. Eine Reaktion gegen den über­spitzten Individualismus Schönbergs erfolgte in den Rachkriegsjahren mit dem elementaren Durchbruch der musikalischen Substanzen (Klang

und Rhythmus). Eindringen exotischer Element« (Jazz), Parodie der klassisch-romantischen Musik. Die Hauptvertreter sind: Stravinski, Hindemith. Bela Bartok, Krenek. Die gewollte Primitivität dieser Musik wird etwa seit 1923 durch ein Streben zurneuen Sachlichkeit" gemildert. Ato­nalität und lineare Polyphonie, die Haupt­errungenschaften der modernen Musik, werden zu neuen Gestaltungen gebunden, wobei der An­schluß an die mittelalterliche und barocke Ton­kunst sichtbar zutage tritt. Die jüngsten Be­strebungen (namentlich Hindemiths im Verein mit der musikalischen Jugendbewegung- beziehen sich auf die Popularisierung der modernen Ton­sprache.

Kirche unö Schule.

WSR. Bad-Rauheim, 28.Juli. Der in der hiesigen katholischen Kirche befind­liche Hochaltar, von der Künstlerhand des Professors Schnell in Ravensburg geschaffen, hat jetzt in harmonischer Ergänzung einen vom gleichenKünstler hergestelltenMuttergottes­altar erhalten. Dieser Altar ist der Stif­tung eines holländischen Kurgastes zu danken. Seine Weihe erfolgte ^ynter großen Anteilnahme der Kirchengemeinde, sowie zahl­reicher Kurgäste.

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