Das mittelrheinische Kreisturnfest in Hanau.
--- 3n Hanau, der alten Turnerstadt am Main, hat am Sonntag des 3 4. mi tt elrhe i- nifche Kreisturnfest mit dem Gauturnfest das Gaues Main-Offenbach-Hanau auf dem Fest- gelände am Wilhelrnsbad» einen vielversprechenden Auftakt begonnen. 3n den 25 Gauen des Kreises, auch in unserem Heimatgau Hessen, treffen zahlreiche Turner und Turnerinnen die letzten Vorbereitungen zur Fahrt nach Hanau, lvv in den Tagen vom 31. Juli bis 4. August das große Turnertreffen außer den vielseitigen Wettkämpfen auch erhebende Gemeinschaftsveranstaltungen bieten wird.
Wie schon kurz mitgeteilt, liegt für die W e t t- kämpfe ein ganz vorzügliches Meldeergebnis vor. Die Zahlen der Kreisturnfeste in G ieh en (im Jahre 1925) und Darmstadt (1927) sind erheblich überschritten. Zu den Mehrkämpfen sind 2642 Teilnehmer gemeldet, darunter 600 Turnerinnen. Linser Heimatgau Hessen entsendet 132 Bewerber zu den Mehrkämpfen, die sich wie folgt verteilen: 12-Kampf-Ober- stufe 12, Zwölfkampf-Unterstufe 42, Zehnkampf der Männer 10, Fünfkampf der Männer 17, Altersturner 23, Siebenkampf-Frauen-Oberstufe 6, Siebenkampf-Frauen-Llnterstufe 13, Bierkampf- Frauen 9. Erfreulich stark ist die Beteiligung der drei Saargaue, die insgesamt über 400 Teilnehmer zu den Mehrkämpfen gemeldet haben.
Das Dereinsriegenturnen derManner weist eine Beteiligung von 2446 Turnern auf. Dazu kommen die Sondervorführungen der Frauen mit rund 800 Teilnehmerinnen. Die Meisterschaftskämpfe im Fechten, Volksturnen, Schwimmen und Spielen werden von 710 Gemeldeten, darunter auch Teilnehmern des Gaues Hessen, beschickt.
Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß ein großer Teil der Mehrkämpfer auch wieder am Riegenturnen teilnimmt, darf man die Gesamtzahl der auf dem Kreisfest wirklich aktiv tätigen Turner und Turnerinnen mit 5000 ansetzen. —d.
Leichtathletik der Sp.-Bg. 1900.
1900s Jugend belegt In Offenbach a. 2TL 5 erste, 4 zweite und 5 dritte Plätze.
ö. Die von der Spielvereinigung 1900 zu den Nationalen Iugendwettkämpfen des Sportvereins 1902 Offenbach a. M. entsandten Vertreter waren dort in einem Maße erfolgreich, das selbst die kühnsten Erwartungen übertraf. Die 1900er bewiesen erneut, daß sie heute in keiner Weise den Iugendkräften der mainischen Grohvereine nachstehen. 3n den Sprintstrecken der Jugendklasse A dokumentierten sie sogar eine ganz klare Lleber- legenheit. Es verdient hier die Tatsache festgehalten zu werden, daß die Teilnehmer des 100- Meter-Errdlaufs KI. A, die durch Vor- und Zwischenläufe festgestellt werden mußten, vier 1900er warenI Nachstehend die Ergebnisse der Wettbewerbe, in denen die Spielvereinigungsleute siegten bzw. Plätze belegten:
Jugendklasse A.
100 Meter: 1. Schickedanz, 1900, 12,1 Sek: 2. Koch, 1900, 12,2 Sek: 3. Heymann, 1900, 12,3 Sek: 4. Felsing, 1900. Bei der guten Form der 1900er war es ein vergebliches Bemühen der etwa '■ 20 übrigen Bewerber, in den Endlauf zu gelan- - gen. Der schlechte Zustand der Bahn ließ leider keine besseren Zeiten zu.
1 500 Meter: 1. Pfannebecker, B. C. 99 Offenbach, 4:34 Min.: 2. Lehmann, S.C. 80 Frankfurt a. M. 4:34,5 Min.: 3. llflootz, 1900, 4:44 Min. Der 1900er hatte einen schweren Stand, lief aber sehr tapfer.
Weitsprung: 1. Steuerwald, V. f. D. Gießen, 6,26 Meter: 2. Witte, F. Sp. D. Frankfurt, 6,24 Meter: 3. Heymann, 1900, 6,02 Meter. Der
Wirble ins Leben!
Vornan von Anna Fink.
Llrheber-Nechtsschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau, S.-A
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Was? — Auch noch leid tun? Geschieht ihm ganz recht!" so hatte Bernhard Much gesagt, und wie hatte er es gesagt. So hart, ohne jedes Mitgefühl. Es fror sie geradezu.
Sie glaubte das erstemal in vollem Umfang die Kälte zu erkennen, die sich hinter dieser übergroßen Korrektheit ihres Mannes versteckte. Sie schlug die Hände vor das Gesicht. Wie war ihr Mann beschaffen, fragte sie sich das erstemal. Lind sie merkte, wie fern er ihr war, als sei er nur ein Schemen und nicht ein Mensch von Fleisch und Blut. Es war eine Leere, und ihr Gehirn schmerzte, wenn sie nur daran dachte. Sie fühlte sich hilflos wie noch nie in ihrem Leben.
Waren alle Männer so wie er?
Barbara hatte Zeiten, zu denen sie viel und wahllos las. Lind die gedankenlose Phrase, daß Mann und Frau sich feindlich gegenüberstehen müssen, fiel ihr wieder ein. Sie muhte an Reginald denken. Bei ihm fühlte sie sich wohl und geborgen.
Barbara kam nicht weiter mit ihren Unter» fuchungen. Eine plötzliche Erschöpfung kam über sie. Sie ließ sich auf das Bett fallen und versank in einen tiefen Schlaf.
Der Arzt hatte eine Pflegerin mitgebracht. „Frau Barbara eignet sich wenig dazu", meinte er gutmütig lächelnd. „Cs ist schon besser für Sie, Herr Much." Der Kranke erhob weiter keinen Einspruch dagegen.
Die Pflegerin hieß Schwester Irene. Sie war kein ganz junges Mädchen mehr, und ihr Körper hatte schon etwas volle Formen angenommen. Der Arzt rühmte sie als sehr geschickt und vorsichtig, und sie hatte auch in ihren Bewegungen etwas katzenhaft Geschmeidiges.
Sie begann sofort eine unhörbare, aber intensive Tätigkeit im Zimmer zu entfalten. Reginald sah eine Weile mit untergeschlagenen Armen zu und sagte dann unvermittelt: „Herr Much, ich möchte Ihnen jetzt nicht länger zur Last fallen. Meine Hilfe ist überflüssig geworden." Dabei verbeugte er sich leicht gegen Schwester Irene, was diese mit einem leichten Erröten quittierte.
Turnen, Gpori und Spiel.
sehr talentierte Heymann ist in dieser Disziplin noch stark verbesserungsfähig.
Kugelstoßen: 1. Luh, D. f. D. Gießen, 13 Meter: 2. Wihel. Eintracht Frankfurt, 12,45 Meter: 3. Felsing, 1900, 12,21 Meter. Die 1900er hatten ihren besten Werfer, Will, nicht zur Stelle. Felsing überraschte.
4X 100-Meter-Staffel: 1. Spielvgg. 1900 Gießen (Koch II., Felsing, Heymann, Schickedanz) 48,5 Sek: 2. D. S. C. 99 Offenbach 50,5 Sek, 3. FußbaNsportv. Frankfurt 21 Sek. Mit etwa 20 Meter Vorsprung konnte 1900s ausgezeichnete Viererstaffel vor dem Wanderpreisverteidiger B. S. C. 99 Offenbach durchs Ziel gehen. Die wenig schnelle Dahn druckt sich auch hier wiederum in den Zeiten aus.
Jugendklasse B.
100 Meter: 1. Guthardt, 1900, 12,3 Sek: 2. v. Carben, F.-Sp. V. Frankfurt, 12,3 Sek: 3. Rodriguez, 1900, 12,6 Sek. Ein Drust-an-Drust- Kampf bis ans Ziel, den Guthirdt mit Handbreite vor dem sieggewohnten Frankfurter für sich entscheiden konnte.
800 Meter: 1.Hohlbein, Fuhb.-Spv. Frankfurt, 2:15,2; 2. Daumstieger, 1900, 2:16 ; 3. Keller, Ver. ehem. Domschüler Frankfurt, 2: 20. Der veranlagte Spielvereinigungsmann hatte diesmal einen der besten Frankfurter Iugendmittelstreckler gegen sich, sein Endspurt war aber durch etwas zu frühes Antreten nicht mehr kraftvoll genug, um an dem Fuhballsportverein-Mann vorber- gehen zu können.
Wertsprung: 1. Rodriguez, 1900, 5,69 Meter; 2. Lippert, 1900, 5,61; 3. Hohlbein, Fuß- ballspv. Frankfurt, 5,60. Für die ll-Iugend recht ansprechende Leistungen.
4xl00-Meter-Staffel: 1. Spielvgg. 1900 Gießen (Fritzges, Rodriguez, Guthardt, Lippert) 51 Sek; 2. D. I. K. Offenbach 51,4; 3. Fuh- ballspv. Frankfurt 59. 1900s Vertreter waren sowohl auf der Strecke, wie beim Wechseln gut und gewannen sicher vor den Iugendkraftleuten.
Jugendklasse C.
Ballweitwurf: 1. Schmidt, B. C. Oberrad, 73,50 Meter; 2. Herbert, 1900, 66,20 Meter; 3. Schuhmacher, D. ehem. Domschüler Frankfurt, 62,50. Hier war Massenbeteiligung. Herbert eroberte sich mit respektabler ßeiftimg einen schönen zweiten Platz.
V.f.B. Leichtathletik.
Zu den am Sonntag durchgeführten Iugend- Wettkämpfen des Sp. D. 1902 Offenbach konnte der D. f. D. Gießen nicht in der gemeldeten starken Besetzung an treten. So fehlte Der talentierte B-Jugendliche Schäfer, ferner Simon und Stroh, aus der S-Klasse Happ und Mattern. Die 4xl00-Meter°B-Klasse konnte deshalb nicht gelaufen werden. Trotzdem errang der V. f. D. durch feine A-Jugendlichen O. Luh und H. G. Steuerwald zwei „erste" Siege. Luh vollbrachte mit seinem Kugelstoß von genau 13 Meter die beste Tagesleistung. Nachstehend die Ergebnisse der D. f. Der:
Klasse A, Weitsprung: 1. H. G. Steuerwald, V. f. D, 6,26 Meter; 2. Witte, F. Sp. V. Frankfurt, 6,24 Meter; 3. Heymann, Sp. Vg. 1900 Gießen, 6,02 Meter. Steuerwald sprang beim dritten Sprung in der Entscheidung 6,33 Meter mit leichtem Liebertreten. Seine Technik wurde allgemein bewundert.
Klasse A, Kugelstoßen: 1. O. Luh, V. f. D., 13 Meter; 2. Witzel, Eintracht Frankfurt, 12,45 Meter: 3. Heymann, Sp. Vg. 1900 Gießen, 12,21 Meter. Luh, der jüngste unter den Teilnehmern, hat eine gute Technik und ist seinen älteren und stärkeren Konkurrenten überlegen. Die Leistung wurde ohne Stoßbalken erzielt.
Ferner ist noch die gute Leistung des bekannten V. f. Ders M o h l im Schleuderballwerfen von 56,40 Meter, mit der er bei dem Sportfest der A. T. V. Rheinfranken siegte, zu erwähnen. Das Kugelstoßen gewann Mohl ebenfalls mit 12,51 Meter.
Handball im T. V. Heuchelheim.
To. Heuchelheim Jgd. — To. Wetzlar Jgd. 1:6.
To. Heuchelheim I. — To. Wetzlar II. 4:1.
Heuchelheim weilte am Sonntag mit zwei Mannschaften beim Tv. Wetzlar. Die Iugend- lichen konnten gegen die technisch bessere und körperlich etwas überlegenere Iugend des Gastgebers wenig ausrichten und mutzten sich mit obigem Resultat geschlagen bekennen.
Die Erste war mit wenig Siegesaussichten nach Wetzlar gefahren, mutzte sie doch für rechten Verteidiger, Mittelläufer und Rechtsautzen Ersatz einstellen, der sich allerdings gut einspielte. Schon bei Halbzeit lautete das Ergebnis 2:0 für Heuchelheim. Rach Seitenwechsel kam der Gastgeber zunächst etwas mehr auf, errang auch sein Ehrentor, konnte aber trotzdem richt verhindern, daß Die Gäste noch zu zwei weiteren Toren tarnen. Der Schiedsrichter leitete yat.
Handball im T. B. Großen-Buseck.
Großen-Vuseck I. — Butzbach I. 8:1 (2:1).
Arn Sonntag trafen sich beide Mannschaften zu einem Freundschaftsspiel in Großen-Buseck. Dutzbach stellte eine äußerst schnelle Mannschaft, die sich jedoch gegen die körperlich stärkeren Dusecker nicht durchsetzen konnte. Durch einen Zufallstreffer tarnen die Gäste zu ihrem einzigen Tor.
Handball im T. V. Großen Linden.
Tv. Lölbe I. — Tv. GrohenLinden I. 6:3 (5:2).
Mit diesem Resultat mußten sich die Großen-Lin- dener in Cölbe geschlagen bekennen. Cölbe war in der ersten Halbzeit überlegen, was auch aus dem Halbzeitergebnis heroorgeht. Rach der Pause war Großen-Linden nicht nur gleichwertig, sondern zeitweise stark überlegen, trotzdem konnten sie nür noch einen Treffer erzielen. Erst kurz vor Schluß kam Cölbe nochmals zu einem Tor.
Handball in Allendorf.
To. Allendorf (Lahn) I — Tv. Krofdorf I 4:0 (3:0).
Die Mannschaften trafen sich am vergangenen Sonntag zu einem Gesellschaftsspiel in Krofdorf. Allendorfs Mannschaft, die bis dahin nur wenige Spiele ausgetragen hat, war Dem Gegner wäh- rend des ganzen Spiels weit überlegen. Bei etwas besserem Zusammenspiel hätte Der Sieg noch Diel höher ausfallen tonnen. Durch Diesen Sieg haben die Allendörfer abermals bewiesen, daß sie ein nicht zu unterschätzender Gegner sind.
Arbeiter-Tum- und Sportbund.
Gießen I. — Wetzlar I. 7:2.
Nicht Naunheim, wie irrtümlicherweise in der Vorschau berichtet wurde, sondern Wetzlar war am vergangenen Sonntag auf dem Trieb zu Gast. Beide Mannschaften stellten sich komplett dem Unparteiischen. Bereits bis Halbzeit konnte der schußfreudige Sturm Gießens fünfmal erfolgreich sein, während es bei Wetzlar zu keinem Erfolge reichte. Halbzeit 5:0. Nach Seitenwechsel kam Wetzlar mehr auf und konnte zwei Tore aufholen, dem aber Gießen zwei weitere Tore entgegensetzte.
Gießen Ib. — Wetzlar IL 1:0.
Zwei gleichwertige Mannschaften lieferten sich hier ein flottes, spannendes Spiel, in dem Gießen mit viel Glück das einzige Tor des Spieles erzielen konnte, während den vom Pech verfolgten Gästen der verdiente Erfolg versagt blieb.
Wieseck I. — GrohenLinden I. 4:3.
In Wieseck' trugen diese Mannschaften ein rückständiges Serienspiel aus. Bereits kurz nach Spielbeginn ging Wieseck in Führung, dem nach kurzer Zeit das zweite Tor folgte. Da der linke Verteidiger der Einheimischen vorübergehend ausschied, gelang es den Gästen, ein Tor aufzuholen. Kurz vor Halbzeit gelang es den Einheimischen, das Resultat auf 3:1 zu stellen. Nach Seitenwechsel war Wieseck wieder vollständig vertreten, mußte aber
„Deshalb werden Sie gestatten, daß ich Ihr gastliches Haus verlasse."
Bernhard Much schwieg eine Weile. Dann sagte er bestimmt: „Ich möchte gern noch etwas mit Ihnen sprechen, aber diese Llnterredung greift mich noch zu sehr an. Bitte, bleiben Sie noch ein paar Tage in meinem Hause, wenn Sie mir persönlich einen Gefallen tun wollen."
„Gewiß, gern stehe ich Ihnen zu Diensten", gab Reginald freundlich zurück.
„Ruhen auch Sie jetzt etwas, Herr Contius", bat Much, und Reginald zog sich in sein Zimmer zurück. —
Es war ein grauer, trüber Regentag. Barbara hatte ihrer Zofe geklingelt, als sie gegen Mittag erwachte, und durch sie sagen lassen, sie fühle sich zu müde und angegriffen, um zum Essen erscheinen zu können.
Much schlief. Die Pflegerin sah am Fenster und wickelte Binden. Im Hause war tiefe Ruhe.
Reginald hatte sich auf dem Diwan ausgestreckt. Er war recht müde, und die Augen fielen ihm zu.
Er hatte vielleicht eine Stunde fest geschlafen, als es leise und zaghaft an die Tür klopfte. Er wurde im Schlaf unruhig, richtete sich halb auf und horchte. Da hörte er wieder ein leises Klopfen, und auf fein „Herein" wurde die Tür geöffnet Barbara Much stand auf der Schwelle.
„Komm herein", sagte Reginald und sprang auf. Doch bestürzt trat er zurück. Wie sah Barbara aus! Tiefe dunkle Ringe lagen um ihre Augen, ihr Haar war wirr, ihre Wangen waren ganz blaß.
„3a, ja, Barbara — was ist denn schon wieder passiert?" fragte er unruhig.
Sie preßte beide Hände auf die Brust. „Reginald, ich kann nicht mehr, ich kann wirklich nicht mehr", rief sie ganz gequält und fing hilflos an zu schluchzen.
„Was hast du denn, Barbara? Run sag es mir doch. Komm, setz dich hin." Er zog sie neben sich auf den Diwan. „Red dir einmal alles vom Herzen herunter, was dich drückt." Seine Stimme hatte einen warmen, brüderlichen Klang. „Wir find doch alte Kameraden. Richt wahr, Bärbel?"
Sie nickte nur unter Tränen, zu sprechen vermochte sie nicht. Reginald kam eine Ahnung, weshalb Barbara so außer sich war. Aber er wollte ihr Zeit lassen.
„Ich glaube, Du hast dich ein wenig übernommen, Barbara. Es ist seit gestern so viel geschehen, und im Grunde bist Du wohl bislang
immer von allen Harten verschont geblieben. Willst Du nicht auch lieber noch etwas ruhen?" redete er ihr zu.
Doch Barbara schüttelte heftig den Kopf. „Ich habe mich ausruhen wollen, aber es geht nicht. Ich glaube, Reginald, ich fange an, zum ersten Male etwas nachzudenken, aber es geht schwer — ich finde mich nicht zurecht. — Hilf mir doch dabei", bat sie kindlich, ganz wie vor vielen Iahren, wenn sie von dem Kameraden und Spielgefährten etwas wollte.
Lind dann kam wieder das Schluchzen über sie. Sie legte Den Kops auf Reginalds Knie und brachte mühsam heraus: „Ich bin ja so furchtbar einsam. Keinen Menschen habe ich, Reginald!"
„Ich habe es mir gedacht, Bärbel", sagte Reginald in seiner ruhigen Art und strich ihr beruhigend über Die Haare.
Eine Weile weinte sie, dann richtete sie sicht auf und trocknete ihre Augen.
„Das tut gut, sich einmal ausweinen", meinte sie. „Es geht mir schon ein bißcben besser. Bernhard kann es nicht ausstehen. Ich solle mich nicht' so gehen lassen, sagt er mir immer.
„Das ist Unfug", fuhr Reginald empört auf. „Gerade das hat Der Mensch zuweilen nötig, daß er sich ganz fallen läßt."
„So, du meinst das auch?" sagte Barbara freudig erstaunt. „Siehst Du, alle haben immer von mir verlangt, ich müsse mich mehr beherrschen. Ach, Reginald, ich bin in Die Ehe mit Bernhard so hineingerutscht — und jetzt inerte ich erst, wie fern er mir steht, und was Das Schlimmste ist: Ich hasse ihn, ich kann ihn nicht mehr ertragen. Er ist kalt und gefühllos, Das weiß ich seit heute morgen. Ich mag nichts mehr mit ihm zu tun haben. Aber ich weiß mir keinen Rat, was ich machen soll. ReginalD."
Er betrachtete sie sinnend. „So lasse dich von ihm scheiden, wenn du meinst, es nicht mehr ertragen zu können", riet er.
„Er hat früher einmal bei einer anderen Gelegenheit gesagt, daß er nie in eine Scheidung eintoilligen würde, des Skandales und Geredes wegen. Er ist so korrekt, und außerdem liebt er mich ja", fügte sie bitter hinzu. „Und was sollte aus meinen Eltern werden, für Die er sorgt?" sagte Barbara verzweifelt. „Das ist es ja eben, weshalb ich nicht ein noch aus weiß. Was soll ich nur machen, Reginald?"
Er schüttelte den Kopf.
„Bärbel, du hast ein ungestümes Temperament. Es ist schwer, zu raten. Das liegt alles recht schwierig und läßt sich nicht mit ein paar Worten,
nach kurzer Zeit abermals mit nur zehn Mann den Rest des Spieles bestreiten. Ein schlecht abgewehr« ter Eckball brachte den Gästen den zweiten Erfolg. Kurz darauf konnte der linke Verteidiger der Gäste in starker Bedrängnis den Ball nur ins eigene Tor lenken. Aus einem Gedränge gelang es dann Gro- ßcn-Linden, sein drittes Tor zu erzielen. Dabei blieb es bis zum Schluß.
Wieseck 3. Jgd. — Staufenberg 3gb., 0:5.
Vorher hatte die 3. Jugend Wiesecks die Jugend Staufenbergs zum Gegner. Hier mußten sich die kleinen Einheimischen durch die körperlich überlegenen Gäste eine 5:0-Niederlage gefallen lassen.
Wieseck 2. Jgd. — Grohen Linden Jgd. 1:0.
Im Spiel Wieseck 2. Jugend gegen Großen-Lin- den Jugend konnten die Einheimischen mit einem knappen 1:0°Siege das Feld als Sieger verlassen.
Waldgirmes I. — Wieseck Ib. 1:2.
Wieseck Ib war zu einem Freundschaftsspiel in Waldgirmes. Die Gäste, die sich mit ErsÄtz dem Unparteiischen stellten mußten sich vorerst stark gegen die forschen Angriffe der Einheimischen wehren. Allmählich kam dann Wieseck mehr zur Geltung und konnte bei Schluß mit einem knappen 2:1-Siege das Feld verlassen.
Oer Stand des Europarundflugs.
WTB. Berlin, 28. Juli. Ueber Den Stand Des Europarundflugs, wie er sich nach heute abend vorliegenden Meldungen Darstellt, ist zu berichten: Von Den 60 in Berlin gestarteten Ma- schinen befinDen sich noch 35 auf Der Rundflug- ftrecke. 16 sinD in Berlin gelanget, neun mußten ausscheiDen. Die 35 Maschinen verteilen sich zur Zeit auf folgende Landeplähe: Danzig: Oster- kamp, von Massenbach, Rotz und Peschke. Königsberg: Lusser, Röder, Risticz.Wcrrschau: Krüger, Richele. Breslau: Freiherr von Frey- berg, von Köppen, von Waldau, Döhning, Siedel, Dr. King, die Polen Gedgowd und Wieckowski. W i e.n: Stein, von Gravenreuth, Benz, der Pole Lewcniski. München: Dabinski (Polen). Bern: (Startverbot und Neutralisation) der Schweizer Kolp. Lausanne: Pierroz. Aimes: Dud- zinski (Polen). In Spanien: Herzog d'Estre- mera (Spanien), Muslewfki (Polen), Orlinski (Polen), Maus (Belgien), Cornez (Frankreich), de Mac Mahun (Frankreich), Zierko (Polen), Freiherr von Düngern.
Amtsgericht Gießen.
Bei Fahrten in der Dunkelheit müssen A u t o 8 beleuchtet sein. Die Vorschrift gilt auch dann, wenn eine Fahrt unterbrochen wird und das Fahrzeug zum Stillstand kommt, mag dieser von kürzerer oder längerer Dauer sein. Don einer Beleuchtung des Autos durch seine eigenen Lampen kann ausnahmsweise abgesehen werden, wenn sich in der Nähe eine andere Lichtquelle befindet, die das Auuto mit hinreichender Beleuchtung versieht. Im Fragefall wurde in der Westanlage nachts zwischen 11 und 12Uhr von einem Polizeibeamten wiederholt ein stehendes, unbeleuchtetes Auto wahrgenommen und der Führer zur Anzeige gebracht. Dieser gab zu, das Auto ohne Beleuchtung dort stehen gelassen zu haben, behauptete aber, die Straßenbeleuchtung habe hinreichendes Licht abgegeben. Dies mag richtig sein. Der Angellagte hatte aber nicht beachtet, daß das Licht gegen 11 Uhr ausgeschaltet wird, so daß mindestens von diesem Zeitpunkt an der Führer mit einer Nichtbeleuchtung des Autos rechnen mußte. Pflicht der Fahrer ist es, in derartigen Fällen sich von Zeit zu Zeit zu überzeugen, ob die Lichtquelle noch vorhanden ist, oder nicht. Die Verkehrsgefährdung war gering, deshalb erhielt Der Angellagte nur eine Geld strafe von 5 Mark.
Drei Studenten begingen in der Liebigstraße in einer Nacht ruhe störenden Lärm durch lautes Singen. Es war dies kein auffallendes Ereignis, und sie gaben Die Ruhestörung auch
abtun. Im Augenblick weih ich auch keine endgültige Lösung. Ob Du genug Energie hast, um von Dir aus einen Strich unter das alles zu machen unD Deiner Wege zu gehen, neu anzufangen, Das weiß ich nicht. Cs ist nicht einfach", schloß er mit einem Seufzer.
„Dazu gehörte wohl auch, Daß ich mir Dem Lebensunterhalt selbst verdiene?" fragte Barbara unD schüttelte sich leicht.
Er sah es unD muhte lächeln. „Unter Umständen kann sich Das schon nötig machen", bestätigte er.
„Hu, Dann wühle ich nicht, wie ich Das anfangen sollte", rief Barbara etwas kläglich.
„Lah es lieber ganz bleiben", riet ReginalD mit leichtem Spott. „Es ist wirllich nicht für jeDermann, am allerwenigsten für eine Frau Barbara Much, Gattin Des reichen Fabrikantem Much."
Barbara tourDe bläh. Spott konnte sie nicht vertragen.
„Und Du wirst schon sehen, Dah ich es fertig) bringe!" rief sie mit blitzenden Augen, stampfte mit Dem Fuß auf und wollte zur Tür hinauseilen. Reginald faßte ihre Hand und hielt sie fest.
„Mach feine Lstunmheiten , bat er. „Verzeih, es ist mein schlimmster Fehler, dah ich immer Dann in Spott verfalle, wenn er am wenigsten angebracht ist. Und ich verspreche dir feierlich: Ich will dir nach besten Kräften helfen, soweit ich, es vermag."
Barbara hatte Tränen in den Augen. Sie sah Reginald an, sah sein offenes lluges Gesicht, seinen herben Mund, und da kam es wie ein Rausch über sie: Sie stürzte auf ihn zu, hing an seinem Hals und kuhte ihn. „Reginald, ich glaube, ich habe dich lieb wie keinen sonst."
Reginald stand wie erstarrt. Das hatte er nicht erwartet. Und er empfand Barbaras Gefühlsausdruck beinahe peinlich.
Er löste behutsam Barbaras Hände von seinem Hals und schob sie von sich fort.
Sie merkte es und stand mit gesenktem Kopfe da.
„Verzeih mir, Barbara", sagte er und holte tief Atem. „Ich hab dich gern, sehr gern, wie einem guten Kameraden."
„Aber du liebst mich nicht", ergänzte sie tonloS, „Ich weih es nicht", gab Reginald Contius zur Antwort.
Nun drehte Barbara Much sich langsam um, ging, ohne Reginald anzusehen, hinaus und drückte leise die Türe hinter sich zu.
(Fortsetzung folgt.)


