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Nr. 175 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, 29. Juli 1930

Oie Krise in Aegypten.

Don E Mulden.

Aegypten zieht wieder einmal die Aufmerksam­keit der Welt auf sich. Bewaffnete Zusammen- ftöße zwischen Polizei und Demonstranten in den Straßen Kairos und Alexandriens mit Hunderten Toter und Verwundeter, Entsendung zweier briti­scher Kriegsschiffe nach Port-Said. Gerüchte über Oibbünhinfl König Fuads was ist der Grund oll dieser stürmischen Ereignisse? Drei Pro- bleme verleihen der gegenwärtigen Krise in Aegypten ihr charakteristisches Geprägen ein innerpolitisches, ein wirtschaftliches und ein auhen- politifches. Jede- dieser drei Probleme ist an sich schon schwerwiegend und verwickelt genug: so­wohl das. heute gestörte, Derhältnis zwischen König und Parlament als das andauernde Sin­ken der Daumwollpreise und die damit zusammen­hängende Finanzkrise des Staates, ebenso wie die außenpolitische Beziehung zu England. Al­lein das Fatale der ganzen Lage besteht darin, daß alle diese Probleme auch noch inein­andergreifen und fo die Situation, im Augenblick wenigstens, fast bis zur AuswegS- losigkeit erschweren.

Das gilt schon von dem ersten Problem: den Kri.se des Parlamentarismus, die also auch Aegypten in seiner Art kennt, und die den ersten Anstoß zu der ganzen Reihe der jetzigen Konslikte gegeben hat. Gewiß, der Leser wird sich wohl daran erinnern, daß das parla­mentarische Problem bereits einmal vor nicht all- xulanger Feit aus der Tagesordnung in Aegypten stand als Fuad, sicher nicht ohne Unterstützung des damaligen britischen OberkommissarS Lord Lloyd, das Parlament kurzerhand a u f l ö st e und ein Kabinett mit dem Führer derKonsti­tutionell-Liberalen" (die Bezeichnung erscheint In diesem Zusammenhänge als Ironie) Mahmud- Pascha bildete. Man weiß, daß daS inzwischen ersolgte Regime-Wechsel in England selbst auch einen Wechsel des politischen Regimes zur Folge hatte: die Lobour-Regierung setzte Lord Lloyd als Scharfmacher ab, Mahmud-Pascha ging, und die ausgeschriebenen Neuwahlen brachten einen Triumphsieg der , national - ägyptischen ,.Wasd"-Partei mit Ra Has-Pascha an der Spitze.

Trotz dieses Sieges aber brachte Rahas neuer­dings im Parlament einen Gesetzentwurf ein, durch den die Diktatur für immer unmöglich gemacht werden sollte. Warum? Weil er seine Stellung erneut als bedroht empfand. Außen­politisch endeten die in London geführten anglo- ägyptischcn Berhandlungen bekanntlich mit einem Mißerfolg. Run können ja die Wafdisten darauf Hinweisen, daß dies negative Resultat sich des­wegen ergeben Hobe, weil Rahas in den natio­nalen Forderungen gegenüber England (vor allem soweit sie den Suez-Kanal betresfen) unerschütter­lich blieb und das trifft auch tatsächlich zu. Allein für die Gegenpartei die ägyptischen Liberalen bot der Abbruch der Londoner Ber­handlungen willkommenen Stoff, um gegen Ra­has einen innerpolitischen Feldzug zu eröffnen.

Dazu kam noch die überaus bedrohliche finan­zielle Krise. So brachte Rahas, um seine Stellung zu festigen, denn bei der erdrückenden Mehrzahl der Wafdisten im Parlament ergibt fich ja allerdings eine Identität zwischen Parlamentarismus und Rationalpartei in Aegyp­ten, eine Gesetzesvorlage ein. die jeden Regime­wechsel ohne Zustimmung des Parlaments als Hochverrat mit lebenslänglicher Zwangs­arbeit und Geldstrafe bis 200 000 Mark bedroht. Run fühlte sich aber wieder Fuad (und dessen Anhang) in feinen königlichen Prärogativen be­droht und versagte dem Gesetzentwurf von vornherein seine Zustimmung. Die Antwort Rahas' darauf war seine Demission, auf die der König seinerseits mit einer plötzlichen Ver­tagung des Parlaments erwiderte, die den Stein ins Rollen brachte (Marsch der Wafdisten auf das von der Polizei abgesperrte Parlamentsgebäude Ende Juni dieses Jahres).

So folgerichtig nun dieser ganze Hergang äußerlich sein mag, das Bedenkliche ist beiderseits die Unterschiebung geheimer Motive für die

äußeren Entscheidungen, die uns ja da- gegen­seitige Mißtrauen und den Grad der gegenseitigen Erbitterung in Aegypten anzeigt. Von ägyptisch- nationalistischer Seite wird die Behauptung aus­gestellt. Fuad hätte aus die Entlassung von RahaS nur deswegen hingewirkt, um durch ein neues Beamtenkabinett einen Ausgleich mit England zu erzielen. Seiten- der Gegner von Rahas' aber wird behauptet, dieser habe einfach vor der Finanzkrise Reißaus ge­nommen.

Diese Finanzkrise grenzt allerdings hart an einen Bankerott. Als Rahas ans Ruder kam. verfügte die ägyptische Staatskasse über einen Reservesonds von rund 40 Millionen ägyptische Pfund. Heute schätzt man die Kassenmittel der Regierung auf kaum 2 Millionen Pfund. Die beiden Kanäle, die das Geld in fo katastrophaler

der Europäer in Aegypten. Allein ist e- nicht kennzeichnend, daßManchester Guardian" schon am 2 7. Juni sMacdonaldS Erklärung erfolgte erst am 16. Juli) betonte,der ver- fasfungswidrige Zustand in Aegypten könne leicht zu Unruhen Anlaß geben, die die Regierung nötigen könnten, zugunsten von König Fuad zu intervenieren"? Ist diese Erklärung nicht charakteristisch für das Gefühl engsten Zusammen­hangs mit Aegypten, gleichgültig, ob eine Regie­rung Baldwin oder die eines Macdvnald am Ruder ist? WaS bedeutet demgegenüber die sen­sationelle Erklärung derTimes" bereits am Tage der Ernennung Sidhis: daß dessen Ausgabe die sei, der Wiederkehr eines Kabinetts Rahas' vorzubeugen. Zweifellos kommt darin die real­politische Einsicht zum Ausdruck, daß der ägyp­tische Rationalismus eine Kraft ist. die aus die

Vom 19. Deutschen Bundesschießen in Köln: Ein berittenes Trompeterkorps in Schützen- tracht im Feftzug.

Weise weggeschwemmt haben, sind: erstens die Stützung der ägyptischen Landwirt­schaft, die infolge des Sinkens der Baumwoll- Preise in dringender Rotlage ift; zweitens der Rückkauf der ägyptischen Anleihen. Den Ausweg aus dieser finanziellen Bedrängnis könnte nur die Hilfe eines Auslandstaates bieten. Und so mündet auch hier, auf finanziellem Ge­biete, das Problem tn das Verhältnis zu England ein. Denn auch in dem Falle, tot? England sich zu einer solchen Hilfe nicht bereit finden sollte, würde doch, sagen wir Amerika, die Sicherheitsgarantie einer Anleihe für Aegyp­ten vor allem in der Bereinigung des anglo- ägyptischen Problems erblicken.

Doch soweit ist es noch nicht. Gegenwärtig steht mit im Vordergrund dieunmittelbareBe- Ziehung zu England. Denn obwohl Eng­land den geschilderten Verfassungskonflikt als innerägyptischen bezeichnet, und seine Reutrali- tät in Aussicht gestellt hat, fo sind doch die beiden nach Port-Said von Macdvnald entsandten Kriegsschiffe, milde gesagt, ein sehr greifbares Fragezeichen hinter dieser Neutralität, das selbst den Protest Sidhi-Paschas, des Rachfolgers Rahas' im Ministerrat, hervorrief. Die Ent­sendung der Kriegsschiffe motivierte Macdvnald dadurch, daß bei den Unruhen zwei hervor­ragende Ausländer (ein italienischer Konsul und ein britischer Kommandant) zu Schaden gekommen sind. Damit hat er wieder einen Punkt auf- gerührt, der bereits in den Verhandlungen zwi­schen Chamberlain und Sarwat-Pascha ein Stein des Anstoßes für Aegypten war: den Schutz

Dauer aus dem Staatsleben nicht auszufchalten ist. Wohl aber auch die geheime Hoffnung, daß die ereignisreiche Zwischenzeit einen Druck aus­üben mag, der den intransigenten Rahas zu größererVerhandlungsfähigkeit" auch in außen­politischer Hinsicht wandeln werde. Ob diese Hoffnung berechtigt ist, kann erst die Zukunft aber vielleicht schon die nächste Zukunft er­weisen.

Oie bedrängte Justiz

Seit vielen Jahren geht das nun: Ue6erall erwachsen der deutschen Justiz Scharen von Hel­fern, die mit Allheilmitteln kommen und ihre Quacksalberrezepte zur Anwendung bringen möch­ten, ohne wirkliche Hilfe zu bringen. Es wird herumkuriert an einer angeblich kranken Rechts­pflege, aber da die Ansichten über Ursachen und Symptome der vermeintlichen Iustizkrise so weit auseinander gehen, ergibt sich als Resultat nur eine groteske Verzerrung des reinen Rechtsgedankens, der unbeeinflußt von politischem Geschehen und persönlicher Empsindelei die klare Linie dessen einhält, was Recht in seiner höch­sten Auffassung zu bedeuten hat. Es wurden in der Rachkriegszeit sehr viele Vorwürfe gegen das Gesetz als Ausdruck des Dolkswillens er­hoben, es mehrten sich aber auch die vorwurfs­vollen Stimmen gegen die Hüter der Rechts­pflege, gegen unsere Richter. Den einen sind sie zu hart in der Anwendung des vorgeschriebenen Rechts, den anderen scheinen sie zu nachgiebig, und ganz krasse Hüter des Gesetzes wollen sogar

Wilhelm Teil im Kölner Festzug. mit Klein- Walther, der den durchschossenen Apfel trägt.

Voreingenommenheit und Parteilichkeit bei ein­zelnen Richtern wahrgenommen haben. Eine be­schämende Angelegenheit der Kritik unserer Tage, die nicht davor zurückschreckt, persönliche Belei­digungen da auszuteilen, wo eS sich doch um die Sache handelt.

Es ist nicht so. daß alles von unS als gut hin­genommen wird, waS besteht! wir denken nicht daran, von Verbesserungen Abstand zu nehmen, die dem Rechtsempfinden des deutschen Volke» notwendig erscheinen. Aber die vielen Kritiker und freiwilligen Helfer der Justiz sind von ihren vermeintlichen Ideen so besessen, daß sie in ihrer Kampsesweise alles einseitig Herausstellen, was geeignet ist, erst eine wirkliche Iustizkrise heraufzubeschwören. Seit nahezu drei Jahrzehn­ten ist eine Gruppe von juristischen Sachkennern, getragen von der Absicht, den Rechtsgedanken mit den Anschauungen unserer Tage zu vereinen und auszugleichen, an der Arbeit, das neue deutsche Strafgesetzbuch zum Gesetz wer­den zu lassen! als eine erste Stufe zu der großen Reform, die auch unser gesamtes bür­gerliches Recht dem Gerechtigkeitsempfinden unserer und zukünftiger Generationen eingliedern will. Parlamente und Parlamentarier sind am Werke gewesen, um die große Ausgabe zu sör- dern. Aber dieselben angeblich so eifrigen Herren Reformatoren der Justiz ließen ihre Ar­beit fallen, als wäre sie unbedeutend und klein, als der Reichstag auf gc 1*0 ft wurde. Das notwendige Ueberleltungsgesetz konnte nicht mehr geschaffen werden. Diese Verantwortungs­losigkeit milder kann man die Untätigkeit der Gesehesmacher nicht bezeichnen wird sich aus­drücken in einer doppelten Arbeitsbelastung für die nächsten Jahre, jede Gesetzeserkenntnis muh noch einmal durchgearbeitet werden. Derweilen aber blüht unter dem Eindruck der herrschenden Unsicherheit in unserem bedrängten Iustizwesen das schematische Recht, das au Urteilen kommt, die von großen Teilen unserer Volksgemein­schaft nicht verstanden werden. Die Beispiele lie­gen so dicht am Wege, daß man sie hier gar nicht aufzuzählen braucht.

Taten für Mittwoch, 30. Juli.

Sonnenaufgang 4.20 Uhr, Sonnenuntergang! 19.52 Uhr. Mondaufgang 10.25 Uhr, Mond- untergang 22.03 Uhr.

1838: der Politiker Eugen Richter In Düffel­dorf geboren; 1898: Fürst Otto von Bismarck in Friedrichsruh gestorben! 1914: Mobil­machung in Rußland.

Auf her pirsch.

Bon Egon v. Kapherr.

Schön durchwärmt ist all der Boden um die düsteren Niederwälder, in denen noch immer Mulmgeruch und feuchte Kuhle herrscht, als wäre Schncpfcnzeit und nicht der Bock schon rot. Besorgt hört der Jäger das harsche Moos unter seinen Füßen knirschen: ein Fünkchen, ein achtlos fortge- worfenes Zündholz und die Heiden brennen wie Zunder. Aber es duftet prächtig nach Harz, aller­hand Falter gaukeln über blumige Wiesen und der Kuckuck kann sich gar nicht genug tun mit Rufen und Gekicher. Buntspechte klettern munter an Brau­wipfeln, der große Schwarzspecht läßt seinen Schrattruf klingen und hämmert gar kräftig am Mulmstock, Hohltauber rufen, Ringeltauben heulen und von der Secwiese schallt das zornige Pfeifen der wachsamen Kronschnepfen, die den Weih ver­folgen und die plärrende, raubsüchtige Nebelkrähe. Hitzdunst liegt über dem Heidekraut, Ameisen laufen, munter jagen grün und braun schillernde Lauf­käfer, Libellen schnurren und dicke Hummeln, und auf dem Waldwege buddeln rotschwarze Totenkäfer einen jüngst verstorbenen Maulwurf ein. Bussarde kreisen und pfeifen, der Pirol flötet sanft, und Fin­ken lassen ihr schmetterndes Schlagen hören.

Ich gehe ganz langsam den Weg am Schlage hin­unter, komme in die Schonung, sehe dem Ameisen­löwen zu, der tückisch im Trichter lauert und Sand­körnchen nach harmlosen Ameisen wirst, freue mich über die kupserglönzende Blindschleiche, die sich auf oem Heidewege sonnt, und komme endlich an den Eichhorst, wo die Tauber rucksen und mit den Schwingen klatschen und wo der Häher unflätig über den Sperber schimpft, der gerade durch die Wipfel strolcht, um nach Kleinvögeln zu spähen. Zit­ternd leuchten die Sonnenstrahlen durch das flüsternde Laub.

Endlich habe ich einen großen Kahlschlag erreicht, auf dem der neue Förster nicht nur militärisch auf- gerichtete Kiefernrcihen gepflanzt hat, sondern auch allerlei Laubholz. Ich setze mich auf einen alten Stumpf, rauche vorsichtig mein Iägerpfeifchen an und bin ganz Ohr und Auge, denn es ist allerhand los um mich herum, und die Dogelstimmen haben sich zu einer hübschen Adendsymphonie vereint. Die Sonne steht schon tief, die Schallen sind lang ge­

worden und die Stämme der Föhren glühen im sinkenden Schein. Immer blauer und schattiger wird die Welt ringsum, aber auch immer musikalischer. Drosseln flöten, eine Amsel fällt ein, ein Fink schlägt noch, das Plärren und Pfeifen der Nachtschwalbe tönt und das dünne Zwitschern der Meisen.

Da sehe ich auch schon die alte Ricke, die schon im vorigen Jahre ohne Kitze zog, ein Schmalreh ist auch da und weiterhin ein Spießböckchen. Auf der Wiese, die durch das Stangenholz schimmert, er­kenne ich einen mausenden Fuchs. Wie ein schräger, rötlicher Strich steht er regungslos da und paßt auf nur seine buschige Lunte zuckt. Hopp! Jetzt ist er vorn ganz hoch, springt zu so daß nun fein Hinterteil hochfahrt und feine Lunte weht hat die Maus, hält sich nicht weiter auf, trabt fort. Lustiger Kerl. Wahrscheinlich kommt er vom Busch­hügel drüben, hat dort fein Iunggesellenheim im kleinen Notbau. Jetzt ist er im Dickicht der Schonung man hört die Drosseln schimpfen. Eine Maul- wurfsgrille plärrt, ein Reh schmält irgendwo in der alten Heide, mit weitschwingenden Flügelschlage kreuzt der Waldkautz über der Blänke.

Jetzt sehe ich den Ziegenmelkern zu, den Nacht- schwalben, die platt, kaum sichtbar, auf dem schrägen Stamm sitzen, sich dann erheben, klatschenden Flügelschlages mich umkreisen, ihrkruitt, truitt" hören lassen und ihr surrendes Spinnen. Im Grase zeigt sich nur das Altreh, jetzt dort auch noch ein zweiter roter Fleck. Der Gabelbock ift's, ein älterer Herr, der eigentlich längst fortmußte. Den guten Böcken hier schenke ich gern das Leben bis nach der Hauptbrunst. Mögen sie sich und ihre Kraft gut vererben. Aber diesen alten Burschen hätte ich gern weggeputzt: nur kümmerlich ist das dünne, lange Gehörn eit jeher. Ein schlecht veranlagter Bock ist es, der sich nicht weitervererben darf, denn nichts vererbt ich so sicher wie gute oder schlechte Ge­hörne. Da ist der Dreijährige mit den dicken, hohen Sechserstangen auf der Flußwiese doch ein anderer Bursche! Der wird mal, wenn alles gut geht, kapital und so in fünf, sechs Jahren kann ihn die Kugel holen nicht eher. Aber dieser Kröpel ...? Deut­lich erkenne ich ihn jetzt, den Gabler. Sein Kopf hat viel graues Haar, sein Hals ist dick, ständig wirst er auf und verhasst. Ein Erfahrener also, ein Alter.

Der letzte Abendstrahl verglimmt. Nachtstimmen kreischen, Schattengetier huscht im Walde. Bald habe ich kein Licht mehr es gilt zu handeln.

Wie unangenehm die Schnaken und Mücken

schwirren, krabbeln, stechen ... Jetzt bin ich an der Ecke des Stangenholzes der Wind steht gut. Aber der mißtrauische Bursche da drüben hat schon wieder den Kopf hoch, äugt nach mir hin. Wie er windet, wie er den Kopf dreht, nickende Bewegungen macht... Jetzt wird er flüchtig, stürmt mitten auf den J)au, äugt stark gespannt nach dem Heidewege hin. Also war es etwas anderes, was ihn störte ... Richtig: da kommt auch schon ein Weid mit Kiepe und Kord daher. Wohl eine Marktgängerin, die nun heim- wärts schnürt. Der Bock ist beruhigt, äst, wirft wie­der einmal auf, zieht ruhig weiter auf den Hau.

Nun kann's gehen vielleicht. Heber Korn und Visier ift's nicht mehr zu machen. Darum setze ich das Fernrohr auf schaue durch, streiche an die Kiefer, stecke den Schneller ein täng! Der Schuß ist draußen ... Einen Riesenfahrer hat er gemacht, der Bock, rast im Halbkreise ist im Kraut ver­schwunden. Hat ihn schon!

Wie ich herankomme, ist er verendet, der alte Bock. Mit smaragdgrünen Lichtern liegt er da, roter Schaum quillt ihm aus Aeser und kleinrundem Loch in der Flanke. Doch nicht so übel, wie ich dachte, das Gehörn: grabe zwar und steil, enggestellt und nur Gabeln, aber leidlich geperlt und gar nicht so dünn. Diesmal war's sicher kein Fehlgriff: das Ge­biß weist auf höheres Alter, der dicke Hals, der graue Kopf, das fahle Rot der Flanken bestätigen den Bock von neun bis zehn Wintern. Ruhig breche ich den Bock auf, ständig gestört von den blutsaugen­den Mücken, von kribbelnden Schnaken. Kruitt, kruitt machen die Nachtschwalben über mir und der Kauz greint

Jetzt habe ich den Bock gut verschränkt im Ruck­sack, buckele ihn auf und marschiere. Heber Wur­zeln stolpere ich, durch dunklen Fichtenwald muß ich tappen. Doch endlich bin ich an der Auwiese und schon auf dem Wege, der zum Dorf führt. Lichter blinken schon drüben. Hundeblaff tönt herüber. Es geht sich doppelt leicht mit solcher Last auf dem Rücken.

später Reichtum.

Als ein Deutsch-Amerikaner George B. Zirnple- man im Jahre 1878 ein Stück wüsten Landes für noch nicht 500 Mark in Texas erwarb, da ahnte er nicht, daß er damit eine Anlage schuf, die der Witwe eines feiner Enkel ein Riesenvermögen einbringen sollte. Das Gelände

von 350 Hektar Ausdehnung konnte weder für Ackerbauzwecke noch zur Viehzucht verwendet werden und lag jahrzehntelang völlig ungenutzt da. Zimpleman zahlte aber sein ganzes Leben hindurch die Abgaben, und als er vor einigen. Jahren starb, ging das Land unverschuldet an feine Erben über. Schließlich kam eine Frau, Torberg nach dem Tode ihres Mannes, des Enkels von Zimpleman, in den Besitz des Ter­rains und überließ es einer Gesellschaft, um dort nach Petroleum zu bohren. Es war nämlich in der Rachbarschaft dies kostbare 0el gesunden worden. Sie erhielt einen Dollar für 40 Ar, und ihr wurde ein Achtel der etwaigen Gewinne zugesichert. Dies geschah 1925. 47 Jahre hat das Land brach gelegen, nun wurde es umzäunt, und die Bohrlöcher ergaben tatsächlich einen sehr reichen Petroleumgehalt. Frau Torberg erhält jetzt riesige Einnahmen aus diesem Stück Wüste.

Pädagogik.

Von Hans Uiebau.

.Vater, es ist fo schönes Wetter draußen. Darf ich zum Sportplatz gehen?"

Herr Schobaum guckt von der Zeitung auf. .Rein, mein Iun-e", sagt er dann,mach nur erst deine Schularbeiten."

Peter macht feine Schularbeiten.

.Vater", fragt er, .die Mehrzahl Doncheval?"

Chevaux brummt Herr Schobaum und liest weiter. Fünf Minuten lang.

.Vater", fragt Peter weiter,a-s-bin Klammer zum Quadrat, wie heißt noch die Formel?"

Herr Schobaum legt die Zeitung auf den Tisch» a*4- 2ab b2, sagt er und nimmt die Zeitung von neuem.

.Vater" kaut Peter am Federhalter,Fe CI 2 + CI = Fe CI 3, ist das die richtige Formel für die Rückbildung Ferrochlorid?"

Herr Schobaum läßt die Zeitung sinken. .Wie?" fragt er.

.Ist Fc CI 2 + CI = Fe CI 3 die Gleichung für die Rückbildung von Ferrochlorid?"

Herr Schobaum guckt einen Augenblick aus dem Fenster. .Merkwürdig", sagt er dann, .es ist doch das schönste Wetter draußen: warum gehst du eigentlich nicht auf den Sportplatz?"

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