nalen Vereinigung, die nun aufs engste zusammenarbeiten werden, sollen sich jetzt i n oen Dien st der neu gegründeten Staatspartei stellen, und erst nach den Wahlen werden beide, Demokratische Partei und Volksnationale Vereinigung, sich formell auf* lösen und in der Deutschen Staatspartei auf* gehen. 3m Wahlkampf werden nur Kandt* Daten der Deutschen Staatspartei «ufgestellt werden, d. h. für die Demokratische Partei und für die Volksnationale Vereinigung wird nicht mehr gesondert kandidiert. Es ist beabsichtigt, die Führung der Deutschen Staatspartei in eine außerparlamentarische und in eine parlamentarische zu trennen. Die außerparlamentarische Führung soll Arthur M a h - raun übertragen werden, im Parlament dagegen werden Dietrich und Koch-Weser in erster Front stehen.
Echo der presse.
Die Gründung der Deutschen Staatspartei findet in der Berliner Presse ein überaus lebhaftes Echo. Geradezu begeistert von der Gründung zeigt sich die „Voss. 31 g.", di« in einer „Stresemanns E r b e^ überschriebenen Besprechung die Behauptung aufstellt, wenn Gustav Stresemann nicht vorzeitig dahingerafft worden wäre, bann hätte auch sein Name unter dem Aufruf der Deutschen Staatspartei gestanden. Das Programm der Staatspartei sei im wesentlichen das seine. Ihm war das Wichtigste die Anerkennung des Primats des Staates, dem sich die wirtschaftlichen und materiellen Interessen der einzelnen Stände unterzuordnen haben. Die Deutsche Staatspartei dachte er sich als die große republikanische Mitte, die zwischen rechts und links den Ausgleich schaffen sollte. Dieses Ideal sei durch die Deutsche Staats- Partei, wie sie sich heute repräsentiert, noch nicht erreicht: rvenn die Deutsche Staatspartei das werde und bleibe, was sie verspreche, könne aus dem Beginnen einmal auch die Vollendung werden.
Auch von der „DAZ." wird die Neugründung freundlich ausgenommen. Handelte cs sich nur um eine Galvanisierung der Demokratischen Partei unter anderem Namen, schreibt das Blatt, so würde das Ergebnis ein baldiges völliges Fiasko sein. Der Gründungsaufruf spricht nicht dafür. Wir sehen in ihm vielmehr mancherlei Anhaltspunkte, die in eine andere Richtung deuten, nach der liberalen Partei hin, die ein erwünschtes Gegengewicht gegen den auf der rechten Seite vollzogenen konserva- tioen Zusammenschluß bieten kann.
Skeptischer äußert sich das ..B. T.", das feststellt, daß die neue Partei bisher weder eine breite noch eine sichere Grundlage hat. 3m besten Falle muß man das neue Gebilde als unfertig betrachten. Das ist an sich kein Fehler. Gs ser aber zu wünschen gewesen, daß der Entstehungs- Prozeß wenigstens ohne erkennbare Reibungen mit den benachbarten Gruppen geblieben wäre. — Die „Deutsche Tageszeitung" bewertet die Reugründung als einen Rettungsanker für die Demokratische Partei, die sich nicht mehr anders helfen könne, während der „Lokalanzeiger" darin die endgültige Auflösung der Demokratischen Partei noch vor dem Wahlkampf sieht, dem sie sich nicht mehr gewachsen fühle. Als das Bemerkenswerteste an der neuen Partei ist, stellt das Blatt fest, daßi es, bei Lichte besehen, ganz die alte sei. — Dera „3 u n g de u t s ch e" erklärt: Wir würden verbrecherisch handeln, wenn wir in dieser Stunde eine mögliche Sammlungsbewegung, die sich mit unserer Hilfe bilden könnte, zunichte machen würden. Alle Versuche, eine Sammlungsbewegung unter der Führung der allen Parteien herbeizuführen, sind gescheitert. Die Vorbedingungen einer Sammlungsbewegung, die Erfolg haben soll, ist die Verbindung mit neuen Kräften, die den alten Parteien nicht zur Verfügung stehen. — Die „Kölnische Zeitung" bedauert, daß es offenbar nicht möglich gewesen sei, schon für die erste Kundgebung namhafte Führer der Deutschen Volkspartei zu gewinnen, weist aber daraufhin, daß der Aufruf ausdrücklich erkläre, daß er „seinen Kreis noch in keiner Weise für g eschlossen" halte. Das Blatt spricht die Hoffnung aus, daß die „erste Verärgerung bald einer vernünf- ti gen Ueberlegung weichen wird", und
Beschlüsse des 13. Deutschen Studententags.
In der Vollversammlung des 13. Deutschen Studententages sand ein Antrag einstimmig Annabme, in dem die sofortige Einführung eines &r- beitsdienstjahres für sämtliche gesunden Männer im Alter von 19 Jahren verlangt wird. Die Arbeitsdienstpflichtigen sollen neben einhalbtägiger Arbeit wehrsportlich geübt und in politischen und kulturellen Fragen unterrichtet werden. Ein Antrag, her u. a. besagt, daß der Deutsche Studententag die Lohnherabsetzung bei den Mansfelder Arbeitern zum Anlaß nehme, um aufs schärfste dagegen zu protestieren, daß das arbeitende deutsche Volk in seiner Lebensführung auf einen durchaus ungesunden und unwürdigen Zustand herabaesetzt und damit der Raub an heut- scker Volkskraft und Einkommen durch den sog. Poungplan ermöglicht werde, wurde an den Rechts- ausschuß und den Sozialpolitischen Ausschuß ver- wiesen. Ein Antrag, der u. a. besagt, daß die deutsche Studentenschaft die Aufgabe einer Hochschulreform darin sähe, die Unabhängigkeit der Hochschule vom zeitgebundenen Geschehen durch weitgehende Autonomie zu sichern und ihren Charakter als wissenschaftliche Anstalt gegen den Zustrom von Ungeeigneten zu wahren. Die deutsche Studentenschaft lehne alle Bestrebungen ab, die die Freiheit der Lehre und des Lernenden einzudämmen geeignet seien. Zu diesem Antrag wurde ein Zusatzantrag eingebracht, der die Auslese aus der Studentenschaft betrifft und folgende Leitsätze aufstellt: Die Auslese auf den Hochschulen solle unabhängig von Besitz und Parteizugehörigkeit gemacht werden. Ferner solle nicht nur nach Intelligenz, sondern unter stärkster Berücksichtigung des Persönlichkeitswertes in bezug auf das deutsche Volk, dem zu dienen die einzige Aufgabe aller Volksgenossen sei, ausgewählt werden. Als grundlegender Maßstab sei
hierbei anzusehen: Dienstbereitschaft für die Nation, die ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche und soziale Stellung in jedem Volksgenossen den Bluts- und Arbeitsbruder seh«, Berantwortungsgefühl und Energie, d. h. zusammengefaßt die Grundlage aller der Fähigkeiten, die man von einem Führer des deutschen Volkes neben einem gründlichen Wissen fordern müsse.'In einem weiteren Antrag begrüßt der Studententag di« Schaffung von Lehr st eilen für soziale Anthropologie an deutschen Hochschulen und beglückwünscht das thüringische Staatsministerium dazu, in dieser Hinsicht den ersten Schritt vorwärts aetan zu haben.
3n den späten Abendstunden faßte das Plenum des Deutschen Studententages dann noch folgende Entschließung:
„Die Deutsche Studentenschaft hat in den letzten 3ahren den Kampf um die staatliche Anerkennung zahlreicher Ginzelstudentenschaften führen müssen. Die preußische Studentenschaft verzichtete yierbei zugunsten ihrer Zugehörigkeit zur Deutschen Studentenschaft, insbesondere zu der Koalition mit den anslandsdeut- schen Studentenschaften auf die aus dem Dtu- dentenrecht sich ergebenden Vorteile. Der Deutsche Studententag in Breslau erwartet vom preußischen Staatsministerium, daß es auf Grund der in Deutsch-Oesterreich getroffenen Regelung und in Befolgung der von ihm auf der Stralsunder Hochschul-Länderkonferenz selbst ausgestellten Grundsätze den vreuhischen Studentenschaften unter Wahrung ihrer Zugehörigkeit zur Deutschen Studentenschaft die staatliche Anerkennung wie der gibt, um es auf diese Weise auch den preußischen Studentenschaften wieder zu Ermöglichen, in amtlicher Organisation an den Ausgaben von Staat und Volk mitzuwirken."
dies könne nur zum Anschluß an die eingeleitete Bewegung führen. Die Hauptsache sei, daß ein Anfang gemacht worden sei, und daß nun alle, die auf diesem Weg eine Gesundung der Parteiverhältnisse erhofften, ihre ganze Kraft einsetzten, damit die Deutsche Staatspartei wirklich das Sammelbecken der staatsbürgerlichen Mitte werden könne.
Gchule und Arbeitslosigkeit. Ein Vorschlag au? Verlängerung der Pflicht- schulzcit zur Entlastung deö Arveitsmartts.
3m Rahmen der zahlreichen Vorschläge über die Lösung des Arbeitsiosenproblems wird augenblicklich auch ein Vorschlag besonders eifrig diskutiert, der darauf hinausläuft, eine verlängerte Schulzeit einzuführen. Dieser Gedanke, der in erster Linie von Handwerks* kammerkreisen ventiliert toj-rb, empfiehlt eine Verlängerung der Schulzeit um ein 3ahr bis zum 15. Lebensjahr, bei späterem Beginn der Schulpflicht mit 7 statt 6 Fahren. Es wird weiter vorgeschlagen, an die Pflichtschul* zeit bis zum 15. Lebensjahr ein Pflichtfort* bildungs- oder P f lichtberufsschul- j a h r anzufügen, so daß der Schüler erst mit 16 statt heute mit 14 Lebensjahren in eine Be* schästigung treten kann. Die dadurch herbeigeführte Entlastung des Arbeitsmarktes dürfte sich auf etwa 1,2 Millionen Personen belaufen, so daß also theoretisch gesehen dle Arbeitslosigkeit um einen wesentlichen Teil beseitigt werden könnte.
Selbstverständlich mühte mit einer solchen Reform gleichzeitig auch eine Schulreform durchgeführt werden. Die hierfür notwendigen Mittel und Aufwendungen werden jedoch die erzielten Ersparnisse in keiner Weise beeinträchtigen. Dem Plane stehen aber andere wichtigere, insbesondere sozialpolitische Bedenken gegenüber. Die Rotlage, die die meisten Eltern zwingt, ihre Kinder möglich st schnell aus Erwerb auszuschicken, wird durch die Einführung eines Pflichtberussschuljahres und durch die Verlängerung der Schulzeit noch weiter vergrößert. Wenn also solche Familien nicht mehr die
Möglichkeit haben, ihre Kinder nach Beendigung des 14. Lebensjahres ins Erwerbsleben treten zu lassen, sie also zwei 3ahre länger in der häuslichen Gemeinschaft unterhalten werden müssen, dann geht die Entlastung des Arbeitsmarktes auf Kosten der ärmeren Dolks- kreise, denen der Verdienst für ein oder zwei Arbeitsjahre ihrer Kinder entzogen wird. Es wird also vorerst eine sehr eingehende und genaue Prüfung dieser neuen Vorschläge notwendig sein, bevor man ihre Realisierung in Erwägung zieht.
^Reform der Krüppelfürsorge.
Berlin, 28.3uli. (Priv.-Tel.) Zwischen der Deutschen Orthopädischen Gesellschaft und den leitenden Stellen der Gesundheits- und Schulbehörden haben in der letzten Zeit ausführliche Verhandlungen stattgefunden, um dem Problem der Bekämpfung der Krüppelfürsorge, insbesondere bei Schulkindern, näherzutreten. Es sind eine Reihe von Vereinbarungen getroffen worden, die eine engere Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Orthopädischen Gesellschaft und den Gesundheits- und Schulbehörden vorsehen. Diese Zusammenarbeit sieht eine systematische Durchdringung der Schulen mit den Erfordernissen einer wirksamen Bekämpfung und Behandlung der Krüppelerkrankungen vor. Es haben sich nämlich im letzten 3ahrzehnt eine Reihe von Llnzuträglichkeiten herausgestellt, die insbesondere bei der Behandlung und bei der Erziehung verkrüppelter Kinder in Erscheinung traten. Die Zusammenarbeit sieht ferner einen wirksamen Einsluh auf die Krankenkassen vor, deren Behandlungsmethoden ebenfalls in zahlreichen Fällen zu wünschen übrig ließen.
Oie Wahltakiik der Konservativen.
Berlin. 28. Juli. Die Verhandlungen, die in den letzten Tagen zwischen dem Landvolk und den Konservativen gepflogen wurden, scheinen insofern positiv zu verlaufen, als einer L i st e n o erbt n d u n g zwischen beiden Parteigruppen nichts mehr im Wege steht. Nach den bisherigen Dispositionen ist geplant, daß beide Parteigruppen als 10a und 10b auf der Reichsliste figurieren. An der Spitze wird das TriumoiratSchiele — Ire«
Vom Kommen und Gehen der Opern.
Von Artur Holde.
Eine begeisterte Dame sagte einstmals zu D r a h m s nach einer Au>sührung: „Meister, dieses neue Werk ist wirklich unsterblich/ Brahms erwiderte mit feinem, ironischem Lächeln: „Ja, ja, es lommt nur darauf an, wie lange die Unsterblichkeit dauert." Die Relativität in der Existenz aller von Menschengeist geschaffenen Dinge wird hier klug und bescheiden anerkannt. Auch am Geniewerk nagt eben die unendliche Zeit, und schon die Kunstleistung, die nicht mehr unmittelbar zu den Menschen spricht, gilt uns als dem Tode versallen. Aus ihm gibt es eine Wiedererweckung nur in seltenen Fällen. Hat ein Kunstwerk, das neu dargestellt werden muß, und das deshalb, im Gegensatz etwa zur Architektur, seinen Platz immer wieder zu erobern hat, ein Menschenalter erfolgreich überdauert, so besitzt es schon ein wenig von der Eigenschaft, die Brahms so hübsch als „relative Unsterblichkeit" charakterisiert. Ueber einen größeren Zeitraum, als eine Generation noch nach dem Tode mit feiner Leistung zu wirken, wie wenigen Künstlern wird dieses Gnadengeschenk des Schicksals zuteil! Aber das Weltgeschehen ist weise und bedachtsam: vieles muh eben schnell wieder verschwinden, damit das Größte genug Raum hat, und damit zugleich Platz für das Reue frei wird. Diesem Gesetz sind auch die Großmeister der Musik unterworfen.
Mit belonderer Rigorosität nimmt die Oper, wie überhaupt das Theater, denAusleleprozeh vor. Was kein ausgeprägtes Gesicht hat, versinkt schnell wieder snö Dunkle. Es wartet so vieles auf Erweckung zum Bühnenleben, daß es sich selten verlohnt, langwierige und zweifelhafte Experimente zu machen. Selbst über die künstlerisch gewiß berechtigten Versuche, Hugo Wolfs „Corregidor", den „Barbier von Bagdad" von Cornelius, neuerdings, mit noch größeren Grfolgschancen, Händels Opernwerk der Bühne zurückzugewinnen, ging das Publikum bald hinweg. Es findet nicht mehr die innere Brücke zu dieser .inaktuellen" Kunst.
Das Bild vom Erscheinen der Oper hat sich in der Gegenwart geändert, da die Bereitwilligkeit der Bühnenleiter, das Werk auch eines unbekannten Autors herauszubringen, gestiegen ist. Ehrgeizig bemü- hen sich die Operntheater selbst der Mittelstädte, Uraufführungsstätten zu werden, ohne Furcht vor der
Gefahr wochenlanger, unfruchtbarer Arbeit. Reue Probleme schrecken nicht ab, sondern sie reizen die Unternehmungslust einer vorurteilsloseren Generation von Theaterleuten. Diese Bereitwilligkeit hat aber im Gefolge, daß das neue Bühnenwerk - ein Zustand, der sich ja auch bei den Reuerscheinungen auf dem Büchermarkt herausgebildet hat - von der „Saison" abhängig ist. Hat es nicht sofort eingeschlagen, dann ist das Schicksal meistens besiegelt, denn zu getoiffen- haster Revision des einmal gefällten Urteils nimmt man sich nicht die Zeit.
Es gibt kein Land, das auch nur annähernd so viele Opernbühnen auszuweisen hat wie Deutschland, und nirgend kann man natürlich mit den Uraufführungsziffern Deutschlands Schritt halten. Daher ist Deutschland jetzt, im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten, entscheidend für den Weg einer Oper geworden. Die anderen .Musikländer haben überwiegend nur ein einziges Operntheater, das als Uraufsüh- rungsstätte in Betracht kommt: mit Paris, Wien, Mailand, Reuhork, Moskau, Petersburg, Prag und Brünn sind schon so ziemlich alle wichtigen Bühnen genannt. In Deutschland hingegen verteilt sich diese verantwortungsvolle Pionierarbeit auf mehrere Dutzend Institute.
Aus dem Schaffen der Großmeister früherer Jahrhunderte hat die Opernbühne der Gegenwart, abgesehen von Mozart, besten Machtstellung ungemindert ist, meistens jeweils nur ein oder zwei Werke auf dem Repertoire gehalten. Von ihnen müsten sich manche wie Gluck, den zugebilligten Raum nach einer gewissen Zeitspanne immer wieder (bann aller- bings siegreich) erkämpfen. Mühelos noch behaupten sich aus bem 19. Iahrhunbert Beethoven,Weber, Lortzing, Ricolai, Rossini, Offenbach, Bizet, während Meyerbeers Weltruhm fast ganz verblaßt ist.
Kein Opemfpielplan bes 20. Iahrhunberts ist jedoch ohne zwei Schöpfer denkbar: ohne Wagner und Verdi. Das Schaffen Wagners vom „Holländer" ab, allerdings mit steigender Bevorzugung des „Tristan" und vor allem der „Meistersinger" bildet einen Hauptteil jedes, wenn auch noch so modern angelegten Spielplans. Diese Machtposition wirb jetzt stark von ben Kernstücken im Opernwerk Derbis umstritten. Aller verkleinemben Einschätzung zum Trotz hat Puccini bisher noch nichts an Popularität ein- gebüht, besten „Boheme", „Butterfly", „Tosca", „Gianni Schicchi" mit an erster Stelle stehen. Unb ebensowenig hat sich zum alten Eisen, wie es manche Fortschrittler so gern möchten, Richarb Strauß werfen lasten, besten Weltgeltung ungeschwächt burch „Sa
lome", „Elektra", „Rosenkavalier" unb neuerbings besonders burch „Ariabne" fortbesteht unb wohl noch um Generationen bleiben wirb. Die Werke, bie ihm ben Rang streitig machen können, sinb, wie uns jebe Spielzeit belehrt, sehr rat.
Von seinen bebeutenben Zeitgenosten: Humperdinck, Schillings, Psihner, d'Albert, Schreker . von den italienischen Veristen hat sich wiederum meistens nur ein Werk im Spielplan gehalten. Der im Opernwesen seltene Vorgang einer Renaistance zeigt sich erfreulich bei Mussorgsky, besten herrlicher „Boris Godounow" ben Auftrieb hervoriief.
Die ber jüngsten Generation günstige Tenbenz, bie auch auf bas große Theaterpublikum übergegriffen hat, bokumentiert sich in ber Häufigkeit von Uraufführungen, schlagenber noch in Aufführungsziffern, wie man sie früher nicht gekannt hat. K r e n e k s „Jonny spielt auf“ hielt ben wohl jemals erreichten Rekorb mit 421 Vorstellungen in einer Saison. Auch Hin- bemiths „Carbillac", ber begreiflicherweise nicht entfernt so „zugkräftig" ist, machte noch einen refpek- tablen Weg. 'Selben stehen natürlich viele bemer- kenswerteSchöpfungen begabter Tonseher gegenüber, bie sich mühsam über wenige, oft nur eine einzige Bühne geschleppt haben, ohne bah man oft genau fagen kann, woran bas Versagen lag.
Das krasse Mißverhältnis zwischen bet riesigen Probuktion unb bem spärlichen Ergebnis ist für alle schaffenb, nachschaffenb oder kritisch Beteiligten nieber« brüdenb. Doch freuen wir uns Wieberum ber Tatsache, baß bie Oper, der von Reunmalklugen in jeder Epoche bie Existenzberechtigung unb bie Zukunft abgebrochen wirb, gerabe jetzt toieber frifche, kräftige Triebe zeigt. Sie geben uns bie Zuversicht, bah auch bie inneren Vorbedingungen zu einer neuen Hochblüte entstehen werben.
Srauettorbeif in Südwestafnla.
Der Frauenbund der Deutschen ft o« l o n i a l g e s e l l s ch a f t vermittelt für weibliche Hilfskräfte nach Südivestasrika Stellungen. Meist werden junge Mädchen gesucht, die sich willig den vorkommenden Arbeiten in Haus, Geflügelzucht und Garten unterwerfen unb die Kenntnisse im Nähen und Kochen besitzen. Die Altersgrenze zur Ausreise beträgt 36 Jahre. Wenn einer Bewerberin burch den Bund eine Stellung In Südwest vermittelt ist, wird ihr, falls sie über eigene Mittel nicht verfügt, zur Ausreise die freie Fahrt 3. Klasse von Hamburg bis zum afrikanischen Hafen gewährt. Zur Frage ber Arbeit-Möglichkeit für deutsche
v i r a n u s — W e sta r p In der gleichen Reihenfolge stehen. In politischen Kreisen nimmt man an, daß beide Gruppen durch diese Verbindung voraussichtlich u n g e s ch w ä ch t aus dem Wahlkampf hervorgehen werden.
Oie Arbeitsvergebung bei der Reichspost.
Berlin, 28. 3uli. (Priv.-Tel.) Die Vergebung der Arbeiten im Rahmen des Arbeits- beschasfungsprogramms seitens der Deutschen Reichspost sind augenblicklich im vollen Gange. 3m Augenblick läßt es sich allerdings noch nicht übersehen, wie im einzelnen die Verteilung der Aufträge vorgenommen worden ist, da diese nicht zentral von Berlin aus, sondern durch die einzelnen Oberpostdirektionen erfolgt. Man geht aber Wohl kaum fehl in der Annahme, daß bis jetzt ein Betrag von 16 0 Millionen an Aufträgen für die in Frage kommende Industrie verteilt worden ist. Auf alle Fälle ist der Betrag wesentlich höher, als er heute verschiedentlich von privater Seite angegeben wurde, wobei mehrfach der Betrag von 100 Millionen genannt worden ist. 3m einzelnen verteilen sich bie Australe der Reichs- Post auf die Schwachstromindustrie, die Waggonbauindustrie, die Automobilindustrie und die Kabelindustrie. Unwesentlich sind die Anteile einiger anderer Industriezweige. Man darf annehmen, daß sich ber Anteil der einzelnen in Betracht kommenden 3ndustrien gleichmäßig verteilt. Wie wir hören, ist es übrigens der Reichs- Post gelungen, eine durchschnittliche Preis- senkungvon lOProzent nach langwierigen Verhandlungen durchzudrücken.
Allgemeine Gchulpsticht in Gowjetrußland.
Moskau, 28.3uli. (WTD.) Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei beschloß die Einführung der allgemeinen Schulpflicht, und zwar von Beginn des Rechnungsjahres 1930/31 ab für Kinder von 8, 9 und 10 Fahren und ab 1931/32 für Kinder von 11 Fahren. Außerdem soll im Rechnungsjahr 1930/31 eine ein» bis zweijährige Schulpflicht für Kinder von 11 bis 15 Fahren eingeführt werden, die die Rationalschule nicht absolviert ha^en. Fn Fndustriestäbten und Arbeitersiedlungen werden auf 1930'31 Pflichtschulen mit siebenjährigem Lehrgang für solche Sowjetbürger eingerichtet, welche die Elementarschule im gleichen Fahre beendet haben. Sämtliche Parteiorganisationen sind, so beftimrr/ das Zentralkomitee, aufzuforbern, die Einführung der allgemeinen Schulpflicht als die w i ch - tigste politische Kampagne der ganzen bevorstehenden Periode zu betrachten.
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Fn Moskau sind jetzt auch Schuhe und Stiefel, die bisher noch im freien Handel erhältlich waren, rationiert worden. Der Rat der Volkskommissare hat eine Verordnung erlassen, nach der nur Fabrikarbeiter und ihre Kinder berechtigt sind, Schuhe zu kaufen, und zwar unter Vorweisung ihrer Lebensmittelkarte. Diese Verordnung bedeutet, daß auf unbestimmte Zeit nur etwa 300 000 von 2,2 Millionen Einwohnern Moskaus Erlaubnis haben, Schuhwerk zu kaufen. Der Preis eines Paar Schuhe beträgt etwa ein Drittel des monatlichen Arbeitslohnes eines Arbeiters.
Aus aller Welt.
Krebsbekämpfung.
Die von verschiedenen Seiten ergangene Anregung zur Gründung eines Reichsausschusses für Krebsbekämpfung hat Veranlassung gegeben, die Angelegenheit in einer vorbereitenden Sitzung im Kaiserin-Friedrich-Haus in Berlin eingehend zu erörtern. Erschienen waren Vertreter von Reichsministerien, Ländern und Provinzen, Landesversicherungsanstalten, älniversitäten, der Aerzteschaft, des Deutschen
Frauen in Südwestafrika äußert sich Frau (Emmi) Höhlbaum, Löhlein, die selbst jahrelang als Farmersfrau in Südwest gelebt hat, wie folgt: Es handelt sich für die Anstellungsmöglichkeiten deut- scher Frauen im ehemaligen deutschen Schutzgebiet Südwestafrika in erster Linie um zwei Arbeitsfelder: das der Stütze der Farmersfrau und das der Wirtschafterin des unverheirateten Farmers. Für ein gedeihliches und befriedigendes Leben und Arbeiten in Südwest dürfte für beide Posten eine gute Gesundheit, frohe Lebenseinstellung, Verständnis und Neigung für das Landleben und im besonderen Tierliebe neben gediegener und wirtschaftlicher Erziehung eines weitherzigen Elternhauses die beste Gewähr bieten. Unter diesen Voraussetzungen wird die „weiße Stütze" der Hausfrau in kurzer Zeit Glied der. Farmersfamilie und als solches handeln und behandelt werden. Unter diesen Voraussetzungen wird die junge Deutsche auch im Umgänge mit den Eingeborenen, die sie in der täglichen Hausarbeit anleiten muß, den rechten, einfachen und doch bestimmten Ton finden, den diese von ihr erwarten. Die beste Vorbildung für eine Stütze wird wohl in den meisten Fällen gutes bürgerliches Kochenlernen und Uebung im Flicken und Nähen sein. Ein Kursus in Kinder- und Säuglingspflege kann ihrem ganzen Wirkungskreise auf einsamer Farm von besonderem Segen werden. Die selbständige Wirtschafterin wird gut tun, sich über das einfache Kochen hinaus mit den verschiedenen Konser- oierungsmethoden, wie Einwecken usw., vertraut zu machen, denn sie wird häufig vor die Aufgabe gestellt werden, an einem einzigen Tage in der heißen Zeit ein großes Jagd- oder Schlachttier restlos zu verarbeiten. In der ganzen nördlichen Hälfte des ehemaligen Schutzgebietes, wo der Farmer hauptsächlich Rindviehzucht betreibt, wird es für sie außerdem von großem Nutzen fein, wenn sie sich schon hier mit der Milchwirtschaft vertraut macht. Die Mitnahme einer Nähmaschine ist ihr dringend zu empfehlen. Neben der praktischen Kleider- und Wäscheausrüstung ist gerade der Wirtschafterin, die viel- leicht mitten in der Einsamkeit in ein recht primitives Haus kommen wird, sehr zu raten, recht viel schmückende Kleinigkeiten, wie Bilder, Kissen, Decken, Lampenschirme usw., mitzubringen, die in geschmack- voller Art drüben nur sehr schwer zu haben sind, und die außerdem in der fremden Umwelt, als von hier mitgebracht, einen Heimatreiz gewinnen, von dessen Stärke man sich vorher gar keine Vorstellung machen kann.


