Ausgabe 
29.1.1930
 
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der Vergangenheit wurzelnd, doch die Brücke z u m N e u e n schlug als militärischer Führer seines Volkes, wie als der bürgerliche Präsident des Deut­schen Reiches, der in wahrhaft konserva- tiverGesinnung seinem Volke dient, dem auch heute alle unsere Grüße und Wünsche gelten, mit der Bitte an den Herrgott, daß er in den kommenden Kämpfen und Krisen Hindenburg feinem Volke noch lang, lang erhalte.

Das Programm der neuen Partei.

Berlin, 28. San. (WTB.) Der der Volks­konservativen Vereinigung nahestehende Politisch- Gewerkschaftliche Zeitungsdienst veröffentlicht einen Aufruf dieser Vereinigung, in dem es u. a. heißt: Weite Kreise bekämpfen das parlamenta­rische System, ohne daß aus solcher Kritik die Kraft zur Bildung neuer Autorität entstanden wäre. Darum bleibt der Ansatz für unsere Ar­beit die Erneuerung des Parteiwesens selbst. Mit solcher Erneuerungsarbeit wollen wir beginnen. Wir stellen das politische Handeln wieder unter die unbedingte Verant­wortung des eigenen Gewissens. Wir wollen in staatspolitischer Gemeinschaft und Auf­gabenteilung mit wesensverwandten Parteien und Gruppen zusammenarbeiten. Wir wer­den in Ehrfurcht vor dem Gewordenen und Wer­denden eintreten für den Schuh der Familie, für die Bewahrung der Kindesseele, für den im Hei- matboden verwurzelten und ihm verbundenen Menschen. Selb st Verwaltung durch die am nächsten Berufenen soll den Staat von der tät­lichen Einmischung in die Rechte und Pflichten der Staatsbürger entlasten. Beschränkung auf lebensnotwendige Maßnahmen soll die Autorität des Staates wiederherstellen, ünfer Staat soll ein wehrhafter Staat werden. Für ihn arbeiten wir auf derGrund- lage der geltenden Verfassung, für deren Fortentwicklung in christlich- konservativem Gei st wir uns einsehen. Um den Einsatz der überall lebendigen, aber noch zer­streuten und politisch heimatlosen Kräfte für diese Ziele zu sichern, haben wir uns mit unseren Freunden zusammengeschlossen zurVolkskonser­vativen Vereinigung" und fordern alle, die unsere Ziele billigen, auf, sich uns anzuschließen. Der Aufruf trägt 450 Unterschriften aus allen Teilen des Reiches und aus allen Devölkerungsschichten.

Oie Volksnationale Reichs- Vereinigung.

Ein Aufruf des Jungdculschen Ordens.

Berlin, 28.Jan. (Tel.-Un.) Der Hochmeister des Jungdeutschen Ordens, Artur Mahraun, wendet sich in einem Aufruf an dieDeutschen Volksgenossen aller Stände, Arbeiter, Bauern, Bür­ger" und fordert auf zum Beitritt zurVolks- nationalen Reichsoereinigung", als deren Ziele u. a. angegeben werden:Die D.R. er­strebt die Bildung einer großen Partei der nationalen Erneuerung. Diese Par­tei soll unabhängig sein von anonymen Finanzgewalten. Durch Klarheit und Offen­heit, auch in der Finanzierung, soll der Man- datschacher unmöglich gemacht werden. Die B.R. fordert von dieser Partei ferner Lockerung des Fraktionszwanges, so daß ehrlich und offen im Parlament zu der jeweiligen Vorlage Stel­lung genommen werden kann, und eine Knebelung der Gewissen unmöglich ist. Die Partei soll der deut­schen Volksgemeinschaft dienen sowie gegen Marxismus, p l u t o k ra t i s ch e Verge­waltigung und antisoziale Gesinnung kämpfen. Die V.R. fordert eine durchgreifende Reichsreform, die an Stelle überhol­ter nde rg re nzen die organische Stammesgliederung sehen, und eine Wahlreform, welche die Wahl wieder zu einer Dertrauenserklärung des Wählers gegenüber der Person des Gewählten machen soll." Der Aufruf «nchält eine große Anzahl von Namensunterschriften von Politikern der verschiedensten Parteien, vom Landbund bis zu den Demokraten.

Böß will zurückireien.

Ein Schreiben

des Berliner Oberbürgermeisters

Berlin, 28. Jan. (WB.) Beim Vorsteher der Berliner Stadtverordnetenversammlung ist ein Brief eingegangen, in dem es heißt:Die schwierigen sachlichen und persönlichen Verhältnisse, in welche die Stadt Berlin geraten ist, haben in der Oeffentlich- keit vielfach das Verlangen nach einer schleuni­gen Lösung der Oberbürgermeister- frage laut werden lassen. Wann das auf meinen Antrag gegen mich eingeleitete Disziplinar­verfahren abgeschlossen sein wird, läßt sich nicht übersehen. Selbstverständlich vermag ich nicht darauf zu verzichten, dieses Verfahren solange durchgeführt zu sehen, bis jeder Schatten von meiner Ehre ent­fernt ist. Ich bin mir bewußt daß auch nach dem von mir erwarteten günstigen Ausgang des Diszipli­narverfahrens dieWiederaufnahmemeiner Tätigkeit im Hiniblick auf die ungeheuerlichen Angriffe, denen ich wehrlos als Abwesender ausge­setzt war, käu m möglich sein wird. Ich erkläre mich deshalb bereit, vor dem Abschluß des Diszipli­narverfahrens und vor dem Ende meiner laufenden Amtsperiode in den Ruhe st and zu treten. Natürlich ist die Voraussetzung hierfür die Auf- rechterhaltuna meiner wohlerworbe­nen Rechte auf Ruhegehalt. Diese Rechte kann ich um so weniger preisgeben, als ich nach 35jähriger Tätigkeit im Staats, und Stadtdienst ohne Vermögen und mit geschwächter Gesundheit aus meinem Amte scheide.

(gez.) Böß, Oberbürgermeister.

Das Verbot deutscher Gebete in Südtirol.

Berlin, 28. San. (Privat.) Sn einer Mel­dung aus Innsbruck heißt es, in Südtirol sei den Kindern bei den Leichenbegängnissen das B e t e n i n deutscher Sprache verboten. Hierüber liegen den zuständigen Stellen Rach- richten noch nicht vor. Es ist aber durchaus möglich, daß die Meldung zutrifft, da der Unterricht nur in italienischer Sprache erteilt wird und den Kindern daher eine solche Vor­schrift leicht erteilt worden sein kann. Weiter sollen die deutschen Snschriften auf Grabsteinen geändert werden und durch solche in italienischer Sprache ersetzt werden müssen. Davon ist cm zuständiger Stelle nichts bekannt. Man weih hier nur, daß neue Grab-

Wirrwarr um die Große Koalition in Preußen.

Festgefahren.

Von unserer Berliner Redaktion.

Diesmal, so versicherten die Wissenden, sollte die Reubildung der Koalition in Preußen sehr rasch über die Bühne gehen, ehe die Parteien zur Besinnung gekommen wären, sollte eigentlich das neue Kabinett schon stehen. Daraus aber ist auch jetzt wieder nichts geworden. Cs ist sicher­lich richtig, daß bei dem starken gegenseitigen Mißtrauen der Parteien derartige Verhandlun­gen nur ganz inoffiziell sogar an den Fraktionen vorbeigeführt werden können. Denn wenn erst einmal etwas durchsickert, türmen sich von allen Seiten die sachlichen und persönlichen Schwierig­keiten, aus Bedenken und Eitelkeit geboren, riesen- hoch auf. Der Start, den der Ministerpräsident genommen hat, war ja auch richtig, aber r hat es nicht verhindern können, daß sehr sch,.ll an der demokratischen Seite, die ja die Hauptopfer zu bringen hat, Rebenluft entstand und nun die Begleitmusik der öffentlichen Meinung ein- sehte. Die Demokraten haben die schwache Stelle der Crweiterungspläne sehr schnell er­kannt und eigentlich nach allen Seiten mit ver­güteten P'ellrn geschossen. Sie haben der Volks­partei einen Stein in den Weg gelegt, indem sie dem Minister ohne Portefeuille das Gehalt strichen: sie haben der Sozialdemokratie ein Dein gestellt, indem sie einen katholischen Dissidenten als Kultusminister ablehnken, nach­dem die Sntereffen des Katholizismus durch einen eigenen Staatssekretär des Zentrums inner­halb des Kultusministeriums mehr als hin­reichend vertreten waren. Das Ergebnis dieser geschickten Taktik ist nun, daß im Augenblick eigentlich von der Dolkspartei niemand mehr redet, sondern daß Zentrum und Sozial­demokraten sich in die Haare geraten sind. Die Sozialdemokraten haben sich wirllich ehrlich Mühe gegeben, das Kultusministerium zu ver- ldienen. Sie haben dem Zentrum dafür das Konkordat bewilligt, und der sozialdemokra­tische Anwärter König ist seit Monaten auf den großen Augenblick vertröstet worden, wo er in das Amt einziehen sollte. Seht ist ihm das von den Demokraten aus evangelischen Paritäts­gründen zerschlagen worden, denen das Zentrum sofort zustimmte.

Herr Heilmann hat nun die schwierige Auf­gabe, seiner Fraktion das plausibel zu machen; woht verstanden, wenn er will, vorläufig will

er aber noch nicht. Er will, daß Herr König Kultusminister wird, und das will nun wieder das Zentrum nicht. Die Volkspartei aber ist mit dem mageren Angebot eines Fachressorts und eines Ministers ohne Portefeuille und ohne Por­temonnaie sehr wenig zufrieden, wenn sie auch grundsätzlich an ihrer Bereitwilligkeit zum Ein­tritt in die Regierung festhält. Der Minister­präsident Braun hat also vorläufig nach allen Seiten Unzufriedenheit geweckt, und er wäre ge­wiß schon froh, wenn er aus dieser unerfreu­lichen Zwickmühle heraus wäre. Wir würden uns deshalb nicht Wundern, falls er die Lust sehr rasch wieder verliert und in wenigen Tagen schon den Versuch der Umbildung für gescheitert erklärt, nur um wenigstens den Bestand der augenblicklichen Koalition zu retten. Was allerdings schwierig wird in dem Augen­blick, wo die Demokraten agressiv werden und nach dem württembergischen Muster m i t der Volkspartei eine Arbeitsge­meinschaft schließen, die sich zu gemein­samem Handeln verpflichtet. Denn dann sind Zen­trum und Sozialdemokraten auf diese Arbeits­gemeinschaft angewiesen.

Lim die Kandidatur Königs.

Geben die Sozialdemokraten nach?

Berlin, 28. Jan. (v.D.Z.) Die sozialdemokra­tische Landlagsfraktion hielt eine Sitzung ab, die im Zeichen einer außerordentlich starken Ent­rüstung über das verhalten der Demokratischen Partei stand. Die Fraktion billigte das bisherige vorgehen des Ministerpräsidenten Otto Braun und beauftragte ihn, die Verhandlungen in dem bis­herigen Sinne weite rzuführen. Mini­sterpräsident Otto Braun dürfte die nächste Aus­sprache mit den Fraktionsführern wahrscheinlich am Mittwoch haben. Rach anderen Meldungen soll im Verlaufe der Besprechungen zwischen der Volks­partei und den Sozialdemokraten gewisse Wen­dung zum Besseren eingetreten sein. Von sozialdemokratischer Seite wurde, laut Börsenkurier, erklärt, daß man an der Person des Abge­ordneten König für den Posten des Kultus­ministers nicht f e st h a 11 e. Man denkt jetzt an einen evange tischen Universitätspro­fessor, der der Sozialdemokratischen Partei angehörte.

steininschriften in deutscher Sprache der Geneh­migung unterliegen, die allerdings in kei­nem Falle erteilt wird.

Kein Abbau -er Beamien- gehälier in Hessen.

Eine Erklärung des Staatspräsidenten.

Darmstadt, 28. Jan (ÖIB.) Jn der Oeffent- tichkeit ist wiederholt behauptet worden, daß in dem sogenannten Sosort-Programm der Re­gierung unter bat Sparmaßnahmen auch eine schematische prozentuale Kürzung der Beamtengehätter enthalten sei. Die Vertre­ter der hessischen Beamtengewerkschasten nahmen deshalb Gelegenheit, beim hessischen Staatspräsidenten vorstellig zu werden. Der Staatspräsident erklärte, daß eine Gehaltskür­zung nicht mehr in Frage kommen könne, da sie selbst nicht mit Zweidrittelmehrheit vom Land­tag beschlossen werden kann. Gehallsänderungen könnten nurdurcheinReichsbesoldu ngs- g e s e h veranlaßt werden.

Eine Entschließung der Zentrumsbeamten.

Darmstadt, 28. San. (WTD.) Der Beamten­beirat der Hessischen Zentrumspartei hat zu dem Sparprogramm folgende Entschlie­ßung gefaßt: Der Deamtenbeirat der Hessischen Zentrumspartei stimmt, um das Land Hessen in seinen Finanzen zu sanieren, einem allge­meinen Sparprogramm z u. Er ist be­reit, Vorschläge für ein solches Programm der Zentrumsfraktion des Landtags zu unterbrei­ten. Ganz besonderer Wert wird darauf gelegt, daß die Aufgaben bei der hessischen Volksschule nicht geschmälert und ebenso die Sicherheitsorgane des hessi­schen Staates, soweit diese im Staatsinteresse als notwendig betrachtet werden, nach der per­sonellen Seite hin erhalten bleiben. Zu beachten ist, daß die sich ergebenden Härten nicht in erster Linie auf die Schultern der sozial schwachen Schichten gelegt werden. Sn einem Sparprogramm ist in erster Linie eine Ver­waltungsreform mit einem gesunden, mo­dernen Organisationsaufbau der Staatsverwal­tung ins Auge zu fassen.

Aus aller Wett.

Der Untergang derMonte Cervantes".

Das MotorschiffMonte Sarmiento" ist im Hafen von Ushuaia eingetroffen und hat sofort damit begonnen, Passagiere und Besatzung ihres untergegangenen Schwestersch'.fsesMonte Cervan­tes" an Bord zu nehmen.

Zwei Berliner auf der Charlesinsel aufgefunden.

Don der Eugene Macdonald-Expedition, die einige Snseln in der Rähe des Aequa- tors erforscht, liegt ein Funkbericht vor, wo­nach sie auf der zur Gruppe der Galapagos gehörenden Charles - Snsel zwei ^Berliner, Dr. Ritte und Frau, auffanden. Das Ehepaar strandete vor fünf Monaten bei der ge­nannten Snsel. Die Macdonald-Cxpedition ver­proviantierte das Ehepaar für die Dauer eines Sahres.

Schwierige Rettung Schiffbrüchiger bei Biarritz.

Der englische DampferKn e p wor th" (6000 Tonnen), der vor Biarritz auf einen Fel- s e n a u f g e l a u f e n i st, ist infolge des herrschen- den Sturmes auseinandergebrochen. Die 21 Mann starke Besatzung sowie zwei an Bord be- stndliche Frauen haben sich auf das Vorderteil des Schiffes gefluchtet. Nach zwölfstündigen Bemühun- gen ist es gelungen, mit den Schiffbrüchigen eine Kabeloerbindung herzustellen. Mit Hilfe einer an diesem Kabel entlang laufenden Ret.»

tun asb oje konnten bereits einige Schiffbrüchige das Land erreichen. Der erste Gerettete teilte mit, daß sein Bruder über Bord gespült worden sei. Die Bemühungen zur Rettung der Schiffbrüchigen sind zunächst unterbrochen worden dadurch, daß das Kabel, auf dem die Rettungsboje lief, sich an den Küstenfelsen scheuerte und zerriß. Bis dahin hatte man acht Mann von 23 noch an Bord befindlichen an Land geholt. 20 000 Personen befanden sich am Strand und verfolgten die Rettungsarbeiten. Um 19 Uhr setzte man die Bemühungen fort und hofft, im Laufe der Nacht noch die an Bord befindlichen 15 Mann zu retten. Das Schiff selbst muß als ver­loren angesehen werden, ebenso die Ladung.

Die SammlungBrüder In Rot.

Die SammlungCBrüber in Rot" zugunsten der aus Rußland ab gew and er ten deutsch stämmigen Dauern hat bisher ein durchaus befriedigendes Ergebnis ge­habt Außer der großen Zuwendung des Herrn Reichspräsidenten in Höhe von 200000 Mark seht sich die Summe der eingegangenen Gelder aus überwiegend kleinen und kleinsten Spenden zusammen, die aus allen Kreisen fließen; namentlich aus Süd­deutschland sind die Eingänge sehr zahl­reich. Die allgemeine öffentliche Sammlung hat bisher rund 300 000 Mk. ergeben. Das Sammlungsergebnis kommt restlos den geflüch­teten deutschen Dauemfamilien zugute. Lieber die Verwendung und Verteilung der Mittel entschei­det ein von den Spihenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege gebildeter besonderer Ausschuß.

Bundeskanzler Schober Ehrendoktor von Wien.

Der akademische Senat der Hnibcrfität Wien hat dem Dundeskanzler Schober das Chrendok- torat der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät verliehen.

Zweiter Kongreß der internationalen Advokaten­vereinigung.

Der zweite Kongreß der internationalen Ver­einigung der Advokaten hat in Paris in An­wesenheit des Sustizministers Lucien Hubert seine Tagung eröffnet. Deutschland ist vertreten durch Dr. Emst Wolf ("Berlin), Sustizrat Mag­nus (Berlin), Dr. Alfred Kaufmann (Ham­burg), Dr. Drucker (Leipzig), Dr.Di tken- ber ger (Leipzig) und SustizratProf.Dr. Ham­me r b a ch (Köln). Auf der Tagesordnung stehen u. a. Bekanntgabe des Ergebnisses der internatio­nalen En q uete über den Advokatenberuf, Schaffung gemischter internationaler Gerichtshöfe für Handelsstreitigkeiten, Kampf gegen Delikte, die dje internationalen Beziehungen hemmen, sowie schließlich die Frage der Schaffung eines Statuts für internationale Vereinigungen und die Organisation einer Pensionskasse für Advokaten.

Aufhebung eines Zuchlhausurleils nach 16 Jahren.

Die Strafkammer Oldenburg hat in der Strafsache gegen Adolf Lehing, Engelbert Schmidt unö Louis Schm idt im Wiederauf- nahmeversahren ohne erneute Hauptverhandlung das Urteil des Schwurgerichts Oldenburg vom 27. Suni 1914 aufgehoben und die Ange­klagten freigesprochen. 71/2 Sahre Strafe haben sie verbüßt. Die Strafkammer hat an­genommen, daß die Angeklagten die Tat nicht begangen habens un) daß sie in fei­ner Weise daran beteiligt gewesen sind. Ferner ist durch Beschluß die Staatskasse verpflichtet worden, den Angeklagten eine Ent­schädigung zu zahlen.

Wo die Millionen der Bramfenbant blieben.

Der Skandal der Bank für Deutsche Beamte hat eine sensationelle Wendung genommen. Cs ist nämlich gelungen, dieHerkunft derBil - der, mit denen die Betrügereien begangen wor­den sind, völlig aufzuklären. Vor allem aber hat die Polizei neue Anhaltspunkte dafür bekommen, wo das von dem Konsortium Piehler-Treumann- v.Buchwald erschwindelte Gelb der De - amtenbanf geblieben ist, eine Feststellung, die namentlich für die geschädigten Kunden der Dank von größtem Snteresse fein dürfte. Auf

der Kriminalpolizei meldete sich ein Zeuge, bet bekundete, daß ein großer Teil der Bilder, die durch die Beamtenbank lombardiert worden sind, durch den Kaufmann Piehler von der Gattin einer hochgestellten Münchener Per­sönlichkeit erworben wurden. Von noch grö­ßerer Bedeutung ist, was die Kriminalpolizei über den Verbleib der Riesenfummen, mit denen die Bilder lombardiert wurden, in Erfahrung bringen konnte. Piehler hat die Gelder in einem von ihm ins Leben gerufenen Verbände, dem Mitteldeutschen Automobilver­band, investiert. Den größten Teil des Bank­kredits aber soll er zur Sanierung eines großen Gutes in der Rähe von Pasewalk benutzt haben.

Ein Lehrer mit drei Schülern ertrunken.

Beim Beschreiten der Eisdecke des DorsteicheS in der Rähe der pommerschen Ortschaft W o - b r o to brach der Dorfschullehrer mit seinen Schü­lern ein. Der Lehrer und drei Schüler im Alter von acht bis zehn Sahren sind ertrunken, die übrigen Schüler konnten sich retten. Der Lehrer stand im 48. Lebensjahre und ist Vater von zwei Kindern.

Unerhörte Bedrohung eines Berliner'Gerichts.

Unglaubliche Szenen spielten, sich vor dem Erweiterten Schöffengericht Reu- f o 11 n ab, wo zwei Mitglieder der Berliner Untertoelt, die ein langes Vorstrafenregister ha­ben, über das Gericht Verfielen und ihre im Saale anwesenden Freunde aufforberten, sich an den Ausschreitungen zu beteiligen. An- geklagt waren die beidenGelegenheitsarbeiter'" Lettow und Brauer wegen Betruges und ilr* kundenfälschung. Brauer sprang über die An­geklagtenbank und schlug auf den Vor­sitzenden ein, den er mit der Faust mehrmals ins Gesicht traf, wobei auch der eine Beisitzer etwas abbekam. Der wie rasend tobende Mann wandte sich dann gegen den Justiz- Wachtmeister, der dem Richter zu Hilfe eilte und schlug gemeinsam mit feinem Mitange­klagten Lettow derartig auf den Beamten ein, daß dieser den Gummiknüppel ziehen und Lettow einige Schläge über den Kopf geben mußte. Auf ein Alarmsignal waren inzwischen mehrere Sustizwachtmeister zu Hilfe geeilt. Sie kamen gerade rechtzeitig, da die beiden Ange­klagten ihreimZuhörerraum anwesen­den Freunde aufgehetzt hatten, eben­falls gegen das Gericht vorzugehen. Die Sustizbeamten mußten den Saal räumen, was nur möglich war, indem sie die johlenden Angehörigen der ilntertoelt mit dem Gummiknüppel in Schach hielten. Snzwischen war es auch gelungen, Lettow zu fesseln und in das Unter­suchungsgefängnis zurückzusühren. Auf der Straße rotteten sich die Freunde der beiden Angeklagten nochmals zusammen und versuchten, in das Gericht einzudringen. Erst das Üeberfallkom- m a n d o vermochte die randalierenden Burschen abzudrängen.

Oie Wetterlaqe.

Dienstad, 28. Januar. 1930,/ abds.

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Wettervoraussage.

Der Ausläufer des südlichen Tiefs, welcher sich gestern über Deutschland erstreckte, hat sich zu einer selbständigen Störung entwickelt, die heute morgen über der Ostsee lag. An ihrer Rück­seite hat die kühlere Luft zu Barometeranstieg ge­führt, so daß zurzeit sich keilförmig höherer Druck zwischen das neue atlantische Tief und die Ostsee, sowie die Mittelmeerstörung schiebt. Sn seinem Bereich herrscht bei uns zurzeit ruhiges und vielfach nebeliges Wetter. An der Vorderseite der neuen Störung bringt Warmluft nach dem Festlande vor. Sie wird uns leichten Tempe­raturanstieg bringen und zu nebeligem und wol­kigem Wetter führen. Riederschläge sind zunächst noch nicht oder nur vereinzelt und dann mehr in Form von Sprühregen zu erwarten.

Wettervoraussage für Donners­tag: Etwas milder, meist nebelig und wolkig, Reigung zu leichtem Sprühregen.

W i tter ungsaussichten für Frei- tag: Meist wolkiges, vorübergehend auch auf» heiterndes Wetter, Temperaturen über Rull.

Lufttemperaturen am 28. Januar: mittags 0,6 Grad Celsius, abends0,7 Grad: am 29. Januar: morgens0,9 Grad. Maximum 0,7 Grad, Mini- mum1,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe: am 28. Januar: abends 0,2 Grad; am 29. Ja­nuar: morgens 0,4 Grad Celsius. Sonnenschein- dauer X Stunde.

Amtliche Dinlersporlnachrichteu.

Schwarzwald. Feld berg: Wetter: Klar, minus 3 Grad, 20 Zentimeter Schnee, ge­körnt, Ski- und Rodelmöglichkeit gut.

Alpen. Berchtesgaden: Rebel,0Grad, 4 Zentimeter Schnee, vereist, Sportmöglichkeii nur stellenweise.