Ausgabe 
29.1.1930
 
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Aus der Provinzialhauptstavt.

Gießen, den 29. Januar 1930.

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Wenn nicht seit dem entscheidenden Gebürts- tag so doch mindestens seit Weihnachten und dem neuen Wandkalender hat srch rm Hause der Sechsjährigen die Kurve nach der Dichtung ABC verschärft. Hoffnungen umspielen die langsam aufbrechende Menschenknospe, und in berechtig, tem Stolz hat der Großvater es sich nicht neh. inen lassen, einen feinen Schulranzen unter den Christbaum zu legen. Brauchübungen mit diesem neuen Weggenossen sind sicherlich gut, nützlich unb possierlich-, aber bei der Ausrüstung, so wichtig sie auch sonst im Leben bei jeder neuen Betätigung ist, bleibt es nicht. Man unternimmt es, auch in den Kern der Sache vorzustoßen. Leten. Rechnen und Schreiben ziehen als unaus­weichliche Forderung des Tages langsam, aber sicher herauf, und man möchte schon einmal sehen, wie sich Hans und Liefet dabei anstellen. Gelegenheiten ergeben sich ja im Familienkreis auf mancherlei Weise. Uni) doch sind solche Ein­führungen in die Geheimnisse des ABE. eher schädlich als fördernd. Gewiß lernen die Kinder im ersten Schuljahr mit den Grundlagen im Lesen, Rechnen und Schreiben viel, sehr viel, aber sie kommen leichter und sicherer dazu unter der Führung des geübten Lehrers. Denn fürs erste ist die Spannung des Kindes noch nicht ver­braucht. und zum andern ist Umlernen immer schwerer als Lernen. Schließlich aber ist aller Anfangsunterricht, sei es auf welchem Gebiete, schwer, trotzdem oder vielleicht grade weil er sich mit dem Einfachen beschäftigt und damit die Grundlagen legt auf Jahre hinaus.

Aehnlich ist es nach der erziehlichen Seite. Auch hier wird der Lehrer nicht selten vorweg­genommen:Warte nur, wenn du in die Schule kommst I" ruft manche Mutter, wenn sie mit ihrem Dreikäsehoch nicht recht fertig werden kann. Damit aber wird eine Spannung in das kindliche Innenleben gelegt, die das notwendige Ver­trauensverhältnis zum Lehrer vielfach stark gc- sährdet und auch nicht immer durch die große Brezel beseitigt wird, die der Lehrer am ersten Schultag mit nach Hause geben kann.Weis' mer emol dein Stecke!" preßte ein Kleiner unter würgenden Tränen hervor, bis es dem Lehrer noch Tagen nur mühsam gelang, durch beruht» gende Erklärungen eine beiderseits erträgliche Lage zu schaffen.

Unvorbereitet und unbefangen gelingt der an sich doch mit Stolz empfundene Schritt in die Schule am besten. Dabei bleibt immer noch genug, was das Elternhaus an körperlichen, geistigen und erziehlichen Werten in die Zusammenarbeit mit der Schule einbringen kann. R. B.

Hüttendirektor Or. Zanhen t-

Infolge eines Herzschlages ist am Sonntagfrüh in Lollar der frühere Hüttendirektor der Bu- derusschen Eisenwerke, Dr.-Jng. e. h. Georg I a n h e n, im 82. Lebensjahre plötzlich verstor­ben. Der Verewigte war 28 Jahre lang in den Buderusschen Eisenwerken an hervorragender Stelle tätig, und zwar zunächst als Drtriebschef, dann als Betriebsdirektor und schließlich Hütten­direktor und zugleich Vorstandsmitglied der ihm in erster Linie anvertrauten Sophienhütte.^ In seinen Stellungen hat er sich um die Aufwärts­entwicklung der Buderusschen Eisenwerke hohe Verdienste erworben, aber auch für die deutsche Volkswirtschaft wirkte er auf dem Gebiete des Eisenhüttenwesens erinnert sei hier an seine bemerkenswerte Erfindung der Luftgrcrnulation von Hochofenschlacke segensvoll. Seine Arbeit wurde von der Praxis durch Verleihung der Carl-Lueg-Medaille durch den Verein deutscher Eisenhüttenleute im Jahre 1919 und von der Wissenschaft im Jahre 1923 durch die Ernen­nung Janhens zum Dr.-Jng. e. h. ehrenhalber der Bergakademie Clausthal anerkannt. Während seiner langjährigen Tätigkeit erwarb sich der Heimgegangene die hohe Wertschätzung und Ach­tung seiner Vorgesetzten, Mitarbeiter und Unter­gebenen, insbesondere war es ihm auch vergönnt, sich durch sein vornehmes und gerechtes Denken und Handeln das Vertrauen und die Zuneigung der Angestellten und Arbeiter zu sichern. Am 30. Juni 1916 trat er nach einem arbeits- und erfolgreichen Leben in den Ruhestand, den er zunächst in Gießen verlebte. Später verlegte er feinen Wohnsitz nach Lollar in die Familie seines ältesten Sohnes, des heutigen Direktors der Main-Weser-Hütte in Lollar, und ließ von hier aus sein starkes Interesse noch immer der Weiter­entwickelung der Buderusschen Werke zuteil wer­den. Durch seine hervorragenden Eigenschaften als Mensch und als Wirtschaftsführer wird der Heimgegangene weiten Kreisen in ehrendem Ge­dächtnis bleiben.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater:Du wirst mich heiraten" 20 bis 22 30 Uhr. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Char­lie Chaplin inThe Pilgrim" (Der Pilger) und in Feine Leute". Astoria-Lichtspiele:Zirkus Trom- boli" undRivalen in Alaska".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige PremiereDu wirft mich heiraten" beginnt um 20 Uhr. Morgen, Donnerstag, einmaliges Gastspiel Paul Wegener in AndrejewsDer Gedanke". Wegener hat in Südamerika erst jüngst in dieser Rolle triumphale Erfolge erlebt. Freitag. 31. Ja­nuar, erste Wiederholung vonDu wirst mich heiraten!". Sonntag. 2. Februar, zum letzten MaleKatharina Knie", zu ermäßigten Preisen. Dienstag, 4. Februar, zum letzten MaleDie lustige Witwe", Operettengastspiele Frankfurt am Main. Mittwoch. 5. Februar.Kyrih-Pyrih".

BühnenmaskenballGagita". Man schreibt uns: Für den diesjährigen Bühnenmasken­ballGagita" stehen viele Tombolagewinne zur Verfügung. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht das Kabarett. Mehrere Tanzkapellen konzertieren.

Ein Lehrfilm für Kraftfahrer und Autobesitzer wird am Sonntagvormittag im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, vorgeführt. Näheres in der heutigen Anzeige.

** Steuern bezahlen! Die Gießener Stadt­kasse veröffentlicht im heutigen Anzeigenteil eine öffentliche Mahnung zur Bezahlung der Steuern und Gebühren bis spätestens zum 6. Februar. Auf die Bekanntmachung sei besonders hingewiesen.

** Von der Studentenschaft. Wie uns mitgeteilt wird, finden nach Beschluß des engeren Ausschusses der Studentenschaft von gestern die Mahlen zum allgemeinen Studentenausschuß (Astawahlen) am 12. Februar statt. Reben der

grohdeutschen Liste werden die Rationalsozialisten und die Republikaner Kandidaten aufstellen.

** Die oorbe st eilten Karten zum W e - g e n c r - G a st s p i e l. Die Stadttheaterintendanz weist im heutigen Anzeigenteil darauf hin, daß die vorbestellten Karten zu dem Wegener-GastspielDer Gedanke" bis Donnerstag, mittags 12 Uhr, abgeholt ein müssen, andernfalls ein Anspruch daraus nicht mehr erhoben werden kann. Auswärtige Besteller können ihre Karten noch eine halbe Stunde vor der Vorstellung in Empfang nehmen.

* D i e Schüleranmeldungen an den hiesigen höheren Lehranstalten. Wir verweisen die interessierten Eltern aus die im heu­tigen Anzeigenteil enthaltene Bekanntmachung der Direktionen des hiesigen Gymnasiums, Realgymna- iums, der Oberrealschule und der Studienanstalt über den Termin der 'Anmeldung der im kommenden Schuljahr neu aufzunehmenden Schüler und Schüle­rinnen.

** Aus der evang. Petrusgemeinde. Man schreibt üns: Die Zustände beim Gottes­dienst in der Elisabeth-Kleinkinderschule werden immer unhaltbarer. Immer wieder kommt es vor, daß Leute den Saal verlassen müssen, weil es ihnen in dem überfüllten Raum schlecht wird: und an den Festtagen haben wiederholt Kirchen­besucher vor dem Eingang kehrtgemacht, weil sie keinen Platz mehr fanden. Die möglichst bal­dige Erbauung eines Gemeindehauses mit einem würdigen gottesdienstlichen Raum ist deshalb eine zwingende Rotwendiakeit. Die Kirchenge­meinde hat dafür in dankenswerter Weise den Platz neben der Kleinkinderschule erworben, aber der Gesamt-Kirchenvorstand hat aus Mangel an Mitteln die Inangriffnahme des Baues bis auf weiteres zurückgestellt. Es ist deshalb not­wendig, daß Mittel zusammengebracht werden, die für den Dau verwandt werden können. Ein Anfang ist ja bereits gemacht. Der Derkaufstag des Frauenvereins im vorigen Herbst hat einen sehr schönen Erfolg gehabt, durch freiwillige Gaben sind einige Gelder zusammengekommen, außerdem sind in den Voranschlägen der Kirche für 1928 und 1929 Mittel vorgesehen, die füt den Bau zu verwenden sind. Aber das alles reicht noch nicht. Der Kirchenvorstand der Petrus- gemeinde hat deshalb beschlossen, einen Ge­meindehaus-Bauverein zu gründen, dessen Mitglieder sich zu monatlichen oder viertel­jährlichen Beiträgen in beliebiger Höhe ver- * pflichten. Zur Mitgliedschaft in diesem Dauverein werden in erster Linie die Glieder der Petrus- gemeinde aufgefordert, die ja das erste Interesse an der baldigen Herstellung würdiger Räume für Gottesdienst und Gemeindearbeit haben; und es werden deshalb in den nächsten Wochen Mit­glieder des Frauenvereins in der Gemeinde he rum gehen, um für den Dauverein zu werben. Aber auch die Glieder anderer Gemeinden, die die Rot der Petrusgemeinde kennen und mit- helfen wollen, ihr zu steuern, werden gebeten, sich dem Dauverein anzuschließen. Anmeldungen zur Mitgliedschaft, sowie freiwillige Gaben für das Gemeindehaus der Petrusgemeinde nehmen der Pfarrer dieser Gemeinde, Lic. Waas, Gnauthstr. 17, und die Mitglieder des Kirchen­vorstandes, der Gemeindevertretung und des Frauenvereins der Petrusgemeinde entgegen.

,e Die Heimatvereinigung Schis - fenberg hatte am Montagabend die Dürger- meifter der Umgegend, sowie die hiesigen Ge­sang-, Musik-, Sport-, Militär- und Wander- vereine zu einer Besprechung über die am 6. Juli stattsindende 800-Jahrftier des Schifsenbergs in das Hotel Köhler eingeladen. Zunächst fand eine Vorbesprechung mit den erschienenen Bürger­meistern von Großen-Linden, Klein-Linden, Leihgestern und Watzenborn-Steinberg statt, wö­bet Herr G g. Heß (Leihgestern) Erläuterungen über das geplante Festspiel gab, bei welchem auch eine weitgehende Mitwirkung der Vereine aus der Umgegend vorgesehen ist. Sämtliche Bürgermeister erklärten sich grundsätzlich zur Mit­arbeit bereit und versprachen, auf eine weit­gehende Beteiligung sowohl bei dem geplanten Festspiel, wie auch bei dem Fest selbst hinzu- wirlen. Rachdem inzwischen die Vertreter der eingeladenen hiesigen Vereine erschienen waren, besprach der Vorsitzende der Heimatvereinigung Schisfenberg, Forstrat R i e o l a u s, kurz den Zweck der Zusammenkunft und gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch die Gießener Vereine sich in weitgehendem Maße zur Verfügung stellen. In der eingehenden Aussprache wurde von allen Rednern die prinzipielle Zustimmung zu den Ausführungen des Vorsitzenden zum Ausdruck gebracht. Von der Bildung von Ausschüssen wurde vorerst noch abgesehen, doch sollen die Ver­eine geeignete Persönlichkeiten namhaft machen. Zum Schluß wurde noch zur weitgehenden Förde­rung der Bestrebungen der Heimatvereinigung ausgefordert und gleichzeifg angeregt, zu Werbe­zwecken demnächst einen Heimatabend hier zu veranstalten.

** Vorträge über Hölderlin und N o - valis. Am zweiten Vortragsabend erweiterte wie man uns berichtet Lic. Robert Goebel die Betrachtungen über Hölderlins Sch.ckfalsauffassung dadurch, daß er den Inhalt des FragmentsEmpe- dokles" besonders berücksichtigte. Empedokles ist für Hölderlin der zum Eigenselbst erwachte Mensch, der sich damit auch von Natur und Göttern entfernt hat. Ein Fluch legt sich auf seine Seele und seine Ver­bannung ist nur die äußere Bestätigung für seine Lage. Diesen Zustand anerkannt aber Empe- rokles als selbstverschuldet und wohlverdient. Da­durch gewinnt er eine neue innere Sicherheit und ahnt, daß durch das freiwillig vollzogene Opfer sei­nes Vöefens eine sinnvolle Erfüllung seines tragi­schen Menschenschicksals gefunden wird. Dies leitete unmittelbar über zu einem Ausblick auf die innerste Sehnsucht Hölderlins nach einem umfassenden Chri­stentum, das ein erlösendes Wort zu sagen vermöchte über den religiös-christlichen Sinn von Natur und Erde. Zn einem ganz weiten und freien Sinn geht Hölderlins Sehnsucht aufdie neue Kirche".

Ein Mantekdieb gefaßt. Ein junger Gelegenheitsarbeiter aus einem Orte des Dill- kreises, der wegen Schwindeleien und Diebstahls schon mit dem Gericht Bekanntschaft machte, stahl kürzlich hier im Katholischen Vereinshaus einen neuen Lieberzieher. Den polizeilichen Ermittelun­gen gelang es, den Dieb ausfindig zu machen und ihn jetzt zu verhaften. Im Gefängnis in Herborn teertet er nun auf seine erneute gerichtliche Ver­urteilung.

Die Vereinigung der M aler - und Weihbindermeister zu Gießen veranstaltet, wie man uns mitteilt, für ihre Mit­glieder einen Kursus für Freihandmalerei, be­sonders in der Modlertechnik. Es ist erstaunlich, mit welch' einfachen Mitteln und großer Ge­schwindigkeit der Leiter des Kursus, Herr G rö­sch o p p aus Wattenscheid, geschmackvolle Orna­mente, stilisierte Blumen und Pfanzen entwirft

und große Flächen ohne Schablonen freihändig i bemalt. Für die Dereinigungsmitglieder ist der Kursus sehr wertvoll, denn er befreit die Maler I von allen Schablonen und Hilfsmethoden.

Die diesjährigen Fünfziger hatten sich dieser Tage im Saale des Restaurants Faulstich Bahnhofstraße, zu ihrer Dereinsgrün- düng zusammengefunden, nachdem man sich in I einer Besprechung am 28. Dezember des alten Jahres über diese Vereinigung schlüssig geworden war. In der Gründungsversammlung mit über 100 Teilnehmern wurde vor allem die Spitze des Vereins, der Vorstand und die Ausschüsse, gewählt und der ganzen Idee, wie feit 1865 in Gießen üblich, den fünfzigsten Geburtstag mit den gleichaltrigen Ortseinwohnem festlich zu be­gehen, das feste Gesüge gegeben. Der Leitgedanke der -diesjährigen Altersvereinigung 1880 1830 soll I außerdem noch sein: einmal die althergebrachte Tradition aufrcchtzuerhalten und we'terzuführen, dann aber auch gerade weil es in der heutigen stürmischen Zeit nirgends durchzubrechen scheint ohne Ansehung der Person, des Standes und der Anschauungen, man sich gegenseitig näherstehen tbill. Das Ganze soll den Charakter echt bürger­lichen Gemeinsinns und der Rächstenliebe tragen. Bedrängten und Rotleidenden aus dem Jahrgang soll geholfen werden, nur müssen alle Alters- genossen den Weg zu der Vereinigung finden, d. h. sie brauchen nur dem Vorsitzemden, Glaser­meister Marx oder dem Schatzmeister Willy Muhl ihren Willen zum Beitritt zum Ausdruck zu bringen. Von 200 Fünfzigern des Jahrgangs 1880/1930 gehören bis heute 125 der Vereini­gung an.

* Bund für christliche Erziehung in Haus und Schule. Am Freitag sprach, wie man uns berichtet, in der Monatsversamm- lung des Bundes Pfarrer Müller, Gießen, überEpiphaniasgedanken in bezug auf die heu­tige Zeit". Der Johannessaal war voll beseht. Einleitend wurde von dem Redner die Entwick­lung des Epiphaniafestes geschildert und danach in klarer Weise vor Augen geführt, wie mit der Erscheinung Jesus eine neue Kultur von ihm ausgehend einsehte. Der Redner führte dazu wei­ter aus: die Frau gilt bis dahin als Unter­gebene des Mannes, ihres Herrn und Gebieters, und das Kind fand nicht die ihm gebührende Beachtung. Durch Jesus kam wieder die wahre Liebe in die Welt, die die Frau dem Manne gleichstellte, ihm ebenbürtig machte und die dem Kinde zu seinen Rechten verhalf. Wo Jesus' Geist in der Familie wirkt, ist alles wohlbestellt, er bringt Glück ins Haus, Zufriedenheit, die viel vermag, auch Kummer und Sorgen leichter tragen läßt. Das christliche Haus, in dem das Tischgebet, Morgen» und Abend-Andacht, wenn auch in schlichtester Form, und die Kinder- erziehung durch gutes Beispiel und in Jesus Geist gepflegt wird, müsse seinen Einfluß auf die Schule geltend machen. Zuviel Bescheidenheit herrsche leider in der Beziehung, man solle laut fordern, danach schreien, daß christliche Erziehung in der Schule mehr geübt werde, statt Religivns- abbau, der zum Riedergang unseres Volkes bei­trage. Leichtsinn, Anzucht und Verbrechen hätten in unserem deutschen Vaterland in erschrecken­dem Maße zugenommen, die Krankenhäuser, Rerven» und Irrenanstalten zeigten trostlose Bil­der, wohin leichtfertig aus Gefallsucht, Habsucht und Muß geschlossene Chen führen, wie die Kindererziehung sich in solchen Fällen auswirke und Rot wie Elend eine Familie zermürbe. Das Gelübde am Traualtar, Jesus mit aufzu­nehmen, werde von vielen zu bald vergessen, und daraus resultierten die dunklen Gewalten, die abwärts führen. Pflicht ernst gesinnter Christen sei es, hervorzutreten, mit Gleichgesinnten offene Gemeinschaft zu pflegen und in der Gesamtheit durch Vorbild, treues Rachgehen usw. auf die gefährdeten Mitmenschen aller Kreise so einzu­wirken, daß Jesus' Geist wieder bei ihnen Ein­gang finde, und in Familie, Haus und Schule walte züm Ruhen und Segen unseres ganzen Volkes. Der Vorsitzende. Landgcr'.chtsratKn auf), sprach Pfarrer Müller für seine zu Herzen gehenden Ausführungen besten Dank aus, von dem alle Teilnehmer erfüllt waren. Gemeinsame Gesänge und Schlußgebet umrahmten den Vor­trag. $ __________

Amtsgericht Gießen.

* Gießen, 24. Januar 1930.

Ein auswärtiger Viehhändler war des Be­trugs im Diehhandel beschuldigt und wurde dessen auch überführt. Er hatte eine Kuh, über deren Herkunft er wirre Angaben machte, als zugfest verkauft, obwohl et wußte, daß sie durch­aus nicht zugfest war. Der Preis, den er infolge der betrügerischen Zusicherung der Zugfähigkeit der Kuh erzielte, war bedeutend höher als ihr wirklicher Wert, und der Käufer kam zu nicht unerheblichem Schaden. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 10 0 Mark, die an Stelle einer an sich ver­wirkten 20tägigen Gefängnisstrafe trat, da es annahm, der Strafzweck werde im Fragesall auch durch eine Geldstrafe erreicht. In den Oktober­nächten des vergangenen Jahres wurden auf Grundstücken in der Hohleich größere Mengen von Meerrettich gestohlen. Als Täter entpuppte sich ein hiesiger, fast 60 Jahre alter, schon oft vorbestrafter Fuhrmann. Derartige Diebstähle, die unter den obwaltenden Amständen als sog. Felddiebstähle nicht angesehen werden können, häuften sich zur öanalig-.n Ze.t. Der Angeklagte leugnete, wurde aber überfuhrt. Am Tatorte fand sich sein Hut. Zur fraglichen Zeit war er auch mit einem Handwagen, auf dem gebündelter Meerrettich lag, gesehen worden: auch hat er solchen in einer Menge verkauft, die der gestohle­nen Menge entsprach. Richt entsprach diese aber der Menge, die auf seinem eigenen Grundstück gezogen wurde: sie war bedeutend größer. Schließlich war er zur fraglichen Zeit in aller Frühe von einem Polizeibeamten mit einem Spaten gesehen worden. Befragt, was er vor­habe, antwortete er, häusliche Verhältnisse hätten ihn zu einem Morgenspaziergang veranlaßt, den Spaten habe er zu seinem Schuhe mitgenommen. Er erhielt eine Gefängnisstrafe von zwei Wochen. Die nämliche Strafe erhielt der Einwohner eines Rachbarorts und zwar wegen Beleidigung. Diese war derartig schwer, daß sie mit einer Geldstrafe nicht geahndet werden konnte. Er hat einer. Zeugen, der in einer Strafsache zu seinen Angunsten aussagte, in ge­meiner Weise öffentlich des Meineids beschuldigt, indem er zahlreiche tote und weiße Zettel im Ort und dessen Amgegend an allen möglichen Stellen, u. a. an Telegraphenstangen, Maschi­nen u. bgL anklebte, und ihren Inhalt so zu jedermanns Kenntnis brachte. Auch spielte er

auf ehrenrührige Dinge, die in seiner gamihc vorgekommen sein sollen, in versteckter Weise in den Zetteln an. Die Beleidigung war eine öffentliche: deshalb wurde dem Beleidigten auch die Publikationsbefugnis zugesprochen.

* Gießen, 28.Qanuar.

Hausfriedensbruch, Widerstand gegen die Staats­gewalt, Beamtenbeleid.gung in zwei Fällen und Bedrohung mit einem Verbrechen beging in der Nacht zum 11. August vorigen Jahres ein älterer Mann aus Wetzlar im hiesigen Bahnhofs- roartefaal. Die gesamten Vergehen trugen ihm eine Kesamtgefängnisstrafe von einem Monat ein. Das Gericht ließ Milde walten, da der Angeklagte angetrunken war und vom Kriege her neroenleidend und infolgedessen leicht erregbar ist. Doch ist er wegen schwerer Körperverletzung schon vorbestraft. In der fraglichen Nacht wurden die Karten kontrolliert, worüber der Angeklagte sehr ungehalten war. Er beleidigte die diensttuenden Be­amten nicht allein, indem er sieFaulenzer, die nichts zu sagen hätten", nannte, sondern bedrohte auch einen Assistenten, der zu Hilfe gerufen worden war, mit einem offenen Messer und gleichzeitig mit den Worten, jetzt werde mit ihm abgerechnet. Den Wartesaal verließ er trotz Aufforderung nicht und mußte mit Gewalt daraus entfernt werden. Seine Personalien gab er nicht an. Er wurde desl-alb festgenommen und leistete dann dem Polizeibeamten heftigen Widerstand. Auf dem Transport verhielt der Angeklagte sich völlig passiv, so daß er zur Wache teils geschoben, teils gezogen werden mußte. Er erkannte das Urteil an.

Auf der Straße zwischen Londorf und Allcndorf begegneten sich eines Abends ein Auto- und ein Mos torradfahrer. Ersterer hatte seine stark wirkenden Scheinwerfer nicht abgeblendet; der letztere geriet in den Lichtkegel des Autos und wurde stark geblen­det. Er stieg vorsichtshalber ab und rief jenem zu, er solle doch abblenden, aber ohne Erfolg. Das Kennzeichen vermochte er nicht feftjuftellen, da es unbeleuchtet war. Deshalb und wegen Nichtabbien- dens erhielt der Angeklagte eine (Belbftrafe von insgesamt 35 Mark. Mit seinem Einwand, er habe zwar einen Lichtschein gesehen, aber infolge des schlechten Wetters geglaubt, daß er aus einem an der Straße liegenden Garten komme, konnte er nicht gehört werden. Eine Fahrlässigkeit lag frag­los vor.

Strafkammer Gießen.

Gießen, 28. Jan. Ein Kraftwagensührer wollte am 5. September v. I. abends gegen 8 Ahr in Bad-Rauheim von der Frank­furter Straße in die Lindenstraße einbiegen. Gr fuhr vorschriftswidrig auf der Mitte der Straße und schnitt unvorschriftsmäßig die Straßenkreu­zung. Daher kam es. daß ein ihm entgegenkom­mender Motorradfahrer auf das Auto a u f f u h r und an den schweren Verletzungen alsbald v e r st a r b. Das Schöffengericht erkannte auf 6WochenGefängnis. Die lediglich eine Geldstrafe bezweckende Berufung des Angeklagten hatte Erfolg. Es lag eine ganze Reihe von Strafmilderungsgründen vor: insbesondere kam in Betracht, daß der Motorradfahrer im wesent­lichen den Anfall durch sein sehr schnelles Fahren selbst verschuldet hatte. Die Strafkammer wan- , beite daher die Gefängnisstrafe in eine Geld­strafe von 4 2 0 M k. um.

Im Frühjahr 1929 hatten mehrere Studierende des Technikums in Friedberg dort junge Strahen- bäume umgeknickt. Laternen eingeworfen und Ver­kehrsschilder beschädigt. Das Amtsgericht hatte gegen sie wegen der Rachbeschädigung der Bäume auf Gefängnisstrafen von 2 5 Wo­chen und im übrigen auf erhebliche Geld­strafen erkannt. Die Strafkammer bestätigte das Urteil Auch sie hielt das Amknicken der Bäumen für eine so rohe und gemeine Hand­lungsweise, daß eine Geldstrafe zur Sühne nicht aus reiche.

Kunst und Wissenschaft.

Lyrik im Rundfunk.

Die Schlesische Funkstunde, Breslau, hat Anton Schnack beauftragt, eine HörfolgeGedichte angeboten, eine lyrische Zeitung" zu schreiben. Die Ocnbung erfolgt am 17. Februar auf den Sendern Breslau und Leipzig.

Aus dem Amtsverkündiguugsblait.

* Das Am tsverkündigungsblatt Rr. 6 vom 21. Januar enthält: Die Einfuhr von Papageien und Sittichen. Die Einfuhr von ge­trocknetem Fleisch. Die Wahlen zum Pro- vinziallag. Die Wahl des Kreisausschusses. Durchführung der Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht. Die Ablieferung von Leichen. Sommerserien 1930. Feldbereinigung Har­bach und Großen-Linden. Dienstnachrichten.

* Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 7 vom 24. Januar enthält: Obstbau. Faselwesen. Kriegergräbersürsorge 1931. Heimatdienst-Abonne­ment.

* * Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 8 vom 28. Januar enthält: Die Wahlen der Mitglieder und Stellvertreter des Provinzial- ausschufses. Fcl^bercinigung Lauter. Dienst­nachrichten.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung)

Krofdorfer Straße, Gießen. Mangels anderwei­tiger schriftlicher Vereinbarung lief die Pachtzeit mit Ende des Jahres 1929 ab, da nach §566 des Bür­gerlichen Gesetzbuchs (BGB.) nur ein Mietvertrag über ein Grundstück, der für länger als ein Jahr aeschlossen ist, der schriftlichen Form bedarf. § 583 BGB. wonach der Pächter eines landwirt­schaftlichen Grundstückes nicht ohne die Erlaubnis des Verpächters Aenderungen in der wirtschaftlichen Bestimmung des Grundstücks vornehmen darf, die auf die Art derBewirtschaftungüberdie Pachtzeit hinaus von Einfluß ist (z. B. Um­wandlung einer Wiese in Ackerland), schlägt hier nicht ein, ebensowenig § 592 BGB., da dieser nur von den Früchten handelt, die noch vor dem Ende, des Pachtjahres zu trennen sind und für die Ersatz von Kosten stattfinden müßte. Es besteht unseres Dafürhaltens im Fragefalle zwar kein Rechtsan­spruch des bisherigen Pächters; vielleicht findet aber doch eine Einigung aus Billigkeitsgründen statt. Heber die Höhe eines etwaigen Ersatzes ver­mögen wir kein Urteil abzugeben.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.