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Vornan von Hans Friedrich.

Airheber-Rechts!-utz durch Jkrlag Oskar Meister. Werdau L Sa.

16 Fortsetzung. Nachdruck verboten

.Hat Herr Gutenberg nicht hinterlassen, wohin er gegangen ist?"

»Freili auf den Grieskofel auffi"

Mute begriff nicht.

Olbec da waren wir doch erst vorgestern!"

@r hat doch sei Börsen da droben verloren."

Hetzt dämmerte es. Mutes Hände machten ein paar fahrige Bewegungen, glitten an ihrem Körper auf und nieder. Ganz wirr war ihr im Kopfe. Gedanken muhten sich erst ordnen. Llnd ihr Herz klopfte unsinnig in der Brust.

Heinz Gutenberg auf dem Grieskofel und während der Nacht nicht zurück! Wie sagte Gstrein? Er habe die Börse verloren?

Ah, nun sucht er sie unter Lebensgefahr! So leichtsinnig konnte auch nur derHerr Schrift­setzer" sein! Vielleicht nein, sicher war er verunglückt!

Um Gottes willen" Wie von einem Lanzen­stich fühlte sich das Mädchen von diesem schlim­men Gedanken durchdrungen.

Der Tiroler Bergbauer und Sommerfrischen­wirt blieb ruhig und besonnen.

Da feit Sie nix da müssen wir auffi. den« Herrn suchen. Bo is Zeit."

Mute starrte auf den Sprecher.

..Sa, wir müssen sofort aufbrechen. Keine Minute dürfen wir verlieren." Sie griff schon zu ihrem Lodenmantel, stopfte etwas Eßbares in die Taschen. Hede ihrer Bewegungen war überhastet und von namenloser Angst diktiert.

Und dann kam wieder Ratlosigkeit über sie.

Wir zwei allein im Hochgebirge werden wir es schaffen?" Hn ihren Augen flackerte Be­sorgnis.

Gstrein deutete mit der Hand über die Schulter.

Seil und Proviant hab i außen, und wir nehm' den Haimracher mit droben von der Alp, der kennt sich aus am Grieskofel."

Das war Mute recht. Vorläufig wollte sie nicht den ganzen Ort alarmieren. Vielleicht stand es nicht schlimm um Gutenberg, und dann wäre es ihm sicherlich fatal gewesen, der Gegenstand allgemeiner Fragerei und des Bedauerns zu sein. Sie kannte ihn als sehr feinfühlig.

Los ging es. Hinauf zur Haimrachalp. Was tat es, daß die Sonne heute wieder sengend herniederstach, daß der Schweiß aus allen Poren drang? Durst, höllischer Durst quälte Mute schon im Hochwalde. Richt daran denken! Aus­

harren? Die ersten paar hundert Meter waren Kinderspiel.

Wir brauchen nur genau denselben Weg zu gehen, den wir vorgestern verfolgten, dann müssen wir auf Gutenberg stoßen", versicherte das Mädchen.

Gstrein nickte zustimmend.

Heut san S' mei Führer."

Hn dem braun verwetterten Alm- und Wirts­haus Haimrach wurde ein eiliger Hmbih ein­genommen. Dann ging es weiter. Man hatte Glück, der Bcrgbauer und Hochgebirgsführer war anwesend und sofort zum Anstieg bereit.

Die Sonne stand schon im Zenit, als die drei das Trümmerfeld unterhalb der riesigen 'Fels­formationen erreichten. Die Almmatten mit dem weidenden Vieh lagen tief unter ihnen.

Doch dafür hatte man heute kein Auge. Diese Tour war keinem freien Willen entsprungen. Hartes Must zwang die Teilnehmer dazu. Und die heilige Pflicht, einem bedrängten Menschen in Bergnot zu Hilfe zu eilen.

Daß er mir nichts von dem Verlust gesagt hat!" wunderte sich Mute während des Anstiegs im Geiste immer wieder. Wie herzlich gern hätte sie ihm etwas geborgt!

Aber Dann kam sie von selbst auf den Ge­danken: Heinz wollte sie nicht um finanzielle Hilfe angehen. Dazu war er zu stolz. Wie töricht von ihm!

Don Zeit zu Zeit blieben die Bergführer stehen und suchten das Gelände mit ihren Gläsern ab.

Nichts?" fragte Mute.

Rix ..wurde ihr regelmäßig zur Antwort.

Weiter hinauf, höher, nahe heran an die Dreitausendmeter-Grenze. Links und rechts schwarz gähnende Tiefe und grausig gezackte Felsen. Nirgends ein Lebewesen.

Wir sind hier am Grat herauf." Mute wies mit gestrecktem Arm auf die schmale Schneide eines Felsrückens.

Ohne Führer?" fragte Gstrein.

Das Mädchen bestätigte es. Die beiden Män­ner sahen sich an. Sie hatten ihre eigenen Ge­danken. Zweifellos war es äußerst leichtsinnig gewesen, den Weg über den gefährlichen Ostgrat zu nehmen.

Vorsichtshalber wurde- nun die Malerin an das Seil genommen. Der Haimracher ging voran, Gstrein folgte als letzter. Schritt um Schritt ging man Dem Berg zuleibe. Langsam aber sicher wurde der Grieswfel von den erfahrenen Be­zwingern erobert.

Und immer wieder Halt. Mute legte als erste die Hände trichterförmig an den Mund, rief den Namen Des Vermißten in alle Schluchten und Kare.

Das Echo antwortete. Der Gesuchte blieb weiterhin verborgen und unsichtbar.

Mute verlor fast alle Hoffnung. Run waren sie fünfzig Meter unterhalb des Felsengipfels und immer noch keine Spur von Gutenberg!

Die Männer hielten Kriegsrat. Weiter hinauf zu steigen hatte wenig Zweck, weil Mute ver­sicherte, Daß sie von hier aus südwärts abge­stiegen seien.

Der Sicherheit halber ließ sich Gstrein am Seil in die große Scharte rechts vom Grat hinab. Mute schauderte. Grauenhaft, zu denken, daß ein Mensch Da hinunter stürzte. Schon im Fall mühte er an den vorstehenden Felszacken zer­schellen. Grauenhaft!

Nach einer Stunde tauchte der Bergsteiger wieder auf, kräftig unterstützt von den beiden Zurückgebliebenen. Man konnte ihm das Er­gebnis schon vom Gesicht ablesen.

Keine Spur von ihm."

Gott sei Dank!" atmete Mute auf.

Nun blieb nur noch eine Hoffnung: Den Ver­mißten am Hohen Oed im Lösgebiet zu finden.

Dort is net gefährlich ..." beruhigte der Haimracher die Geängstigte.

Die sah unmutig zur Seite.Das ist aber paradox, wenn's nicht gefährlich ist, wird Guten­berg dort auch nicht verunglückt sein."

Gstrein zuckte die Schultern, meinte tiefsinnig: Mer kann's net wissen ..." Offenbar hatte er schon genug Fälle erlebt, daß ungeübte Touristen auch an scheinbar gefahrlosen Stellen gestrauchelt waren. Was die Einheimischen mitbequemer Reitweg" bezeichneten, barg für den Bewohner der Ebene schon allerhand Schwierigkeiten in sich ...

Der Haimracher stieg als erster abwärts. Die anderen 'folgten stumm in einiger Entfernung. Man mußte jetzt noch vorsichtiger sein als zuvor beim Anstieg.

Mute standen die Tränen in den Augen.

Die letzte Scheibe Brot hatte Heinz Gutenberg schon am Abend verzehrt. Und nun wollte es wieder Abend werden: die Sonne sah der Ab­gestürzte schon lange nicht mehr. Rur die obersten Zacken seines Felsverlietzes zeigten noch einen goldenen Abglanz vom Tagesgestirn.

Von Stunde zu Stunde verlor Gutenberg an Hoffnung auf Rettung. Aus eigener Kraft kam er hier nimmer heraus. Mehr als ein Duhendmal hatte er versucht, den steilen Hang zu erklettern. Vergebens. Zuletzt hatte er sich die Hände blutig gerissen. Da gab er es auf.

Wie er hierher gelangte in den Hungerturm der Natur?

Ach, das war ein Trauerspiel.

Gestern früh hatte er den Verlust seiner Brief­tasche unten in Sölden bemerkt, als er sich etwas Mundvorrat kaufen wollte. Der Schreck, der ihn überfiel, war unbeschreiblich. Seine ganze Reise­

kasse, die Basis, auf die sich feine Studien kn Trrol gründeten, verloren! Und wie hatte er gedarbt Die Tage daher bei jedem Viertel Roten, bei jeder kleinen Sonderleistung, Die er sich zu gönnen beabsichtigte, hatte er mit sich! gefeilscht.

Alle Taschen wurden durchsucht, jedoch ohne Erfolg. Zurück ins Quartier. Alle Kästen auf. Nirgends war die kleine vermißte Safiantasche zu finden. Nun erst kam etwas Besinnung über den Bestürzten.

Auf einem Stuhle sitzend, den Kopf in die Hände gestützt, grübelte er dem Verlust nach. Zug um Zug ging er die jüngste Vergangenheit durch. Und Da wurde ihm die traurige Gewißheit: Gestern ja, nur so konnte es gewesen sein bei der Kletterei auf dem Grieskofel hatte er die Brieftasche mit dem Gelde verloren!

Er erinnerte sich, daß er sich mehrfach Mutes wegen gebückt hatte. Dabei war ihm das Täsch­chen entglitten und lag nun irgendwo auf einer Felskante droben zwischen Himmel und Erde. Ganz einfach, diese Lösung! Und doch nieder­schmetternd.

Das nächste:Hch muß hinauf, muß wenigstens den Versuch machen, mein Eigentum zurück­zuerlangen."

Glücklicherweise hatte er seinem^-Wirt Mit­teilung von dem unangenehmen Vorfall gemacht. Dessen Warnung schlug er leichtfertig in den Wind. Unsinn, hatte er gestern in Mute Han­sens Gesellschaft die Strapazen ertragen, würde- es ihm heute erst recht möglich sein.

Wie von einer unsichtbar über ihm geschwun­genen Peitsche vorwärtsgetrieben, hatte er den Berg genommen. Tatsächlich trieb üjn ein fast unbewußter Zwang hinauf.

Wenn ich das Geld nicht wiederfinde, muß ich von Dr. Berger erneut Vorschuß ansordern. Dann habe ich das zu erwartende Honorar be­reits ausgebraucht, bevor ich nur eine Zeile zu dem damit bezahlten Werk geschrieben habe!" gestand er sich ganz logisch ein.

Nein, das durfte nicht sein! Wie sollte er vor Trude bestehen? Die Gute blieb in der Haupt­sache deswegen daheim, um die Reise nicht un­nötig zu verteuern, und nun mußte ihm das passieren!

Mehr als einmal verhielt er im Anstieg den Schritt und preßte sich in aufkommender Ver­zweiflung die Fäuste an die Stirn.

Aber dann hetzte er weiter, seine Kräfte vor­zeitig vergeudend. Und keinen Blick heute für die Schönheit der Alpenlandschaft: immer die Augen am Boden. Das Geld das Geld '

Die Almhütte lieh er unbeachtet, wollte schon vorüberhasten, da kam ihm ein Gedanke. Nun muhte er doch hinein!

(Fortsetzung folgt.)

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