Nr. 25 Erstes Blatt
180. Jahrgang
Dienstag, 28. Januar 1930
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Mdholzmonopol und Schwedenanleihe vor dem Reichstag.
Berlin, 27. Jan. (V.D.Z.) Auf der Tagesordnung der Montagssitzung des Reichstags stand die zweite Beratung des Zündwarenmonopolgesetzes.
Aeichsflnanzminister Dr. 31ioloen6auir gibt zunächst einen Ueberblick über die Geschichte der Zündwarenwirtschaft, aus der sich ergibt, daß die Zündholzfabrikanten selbst in dem Monopol ein geeignetes Mittel sehen, um die Zündwarenwirtschaft wieder in geordnete Bahnen zu lenken. In dem Monopol sind die deutschen Wirtschastsinleressen gewahrt, ein ausreichender Einfluß der deutschen Seite sichergesteUt. Der Gewinn der Monopolgesellschaft kommt dem Reiche unmittelbar oder mittelbar zugute.
Aus Gründen der Kassenlage hielt es die Regierung für richtig, für die Borteils, die bei Schaffung des Monopols auch den der schwedischen Seite gehörenden Zündholzfabrikcn in Deutschland zuflossen, eine gewisse Gegenleistung durch Gewährung einer langfristigen Anleihe zu verlangen.
Der Minister erörterte dann die im Haushalts- ausfchuß ausgeworfene Frage, ob wir die Anleihe überhaupt brauchen, und ging dabei auf d i e Kassenlage des (Reichs ein. Er habe bei seinem Amtsantritt das Finanzpr^gramm der (Regierung vorgefunden, das 9 0 0 Millionen Steuersenkung f ü r d i e Wirtschaft vorsah und den 450 - Millionen -Til- g u n g s s o n d s. Der Redner crflärtc, daß beide Verpflichtungen erfüllt werden sollen und müssen, allerdings müsse die Schuldentilgung das Primäre sein. Die Einnahmen an Steuern Heien in den letzten Monaten in einem Maße hinter den Schätzungen zurückgeblieben, daß die ursprüngliche Absicht, das Defizit des Jahres 1928 im Jahre 1929 abzudecken, nicht mehr verwirklicht werden könne. Gerade vom Standpunkt der Wirtschaft aus sei eine endgültige Bereinigung der Etats- und Kassenlage ein dringendes Erfordernis. Der normale Kassenbcdarf des Reichs entstehe dadurch, daß Geldeingang und Gcldausgang sich nicht vollständig anpasfcn lalsen.
Der Kassenbedarf hebe sich Ende Dezember auf 100 Millionen beziffert. Diesem Bedarf standen nur Dcckungsmittel in Höhe von 1370 Millionen gegenüber. Es ergab sich ein Kassenfehl- bctrag von 330 Millionen, der durch einen kurzfristigen Kredit gedeckt werden müßte. Ende März trete zwar der Fehlbetrag 1929 nicht mehr in Erscheinung, da er durch die (Zouna- Ersparnisse ausgeglichen w:rde; dazegen erhöhe sich das Extraordinarium um weitere Darlehen an die Arbeitslosenversicherung, die trotz der Beitragserhöhung seit Sanuar in diesem Jahre 375 Millionen Kredit beanspruchen werde, wovon erst 150 Millionen in den Etat eingestellt seien. Der Kassenbedarf betrage auch Ende März rund 1700 Millionen. An Deckungsmitteln stehen zur Verfügung 1510 Millionen, von denen noch 1010 Millionen konsolidiert werden müssen. Da noch 100 Millionen vorhanden find, ergibt sich zur Tleberwindung des Märzultimos ein Spihenbcdarf von 90 Millionen. zu dessen Deckung die erforderlichen Der- handlungen eingeleitet sind.
Der Finanzminister gab dann noch einen Ausblick auf die Zeit bis Ende September, der aus den Verhandlungen des Haushaltsau schusses bekannt ist und kam zu dem Ergebnis, daß d i e Kre uger-Anleihe zur Konsolidierung der Kassenlage unbedingt erforderlich sei.
Oie Debatte.
Abg. Dr. Hertz (Soz.) erklärt, auch in der sozialdemokratischen Fraktion sei das Zündwarenmonopol mit gemischten Gefühlen ausgenommen worden. Die Zustimmung dazu sei nur darauf zurückzufüh- rcn, daß es sich um das Teilstück des großzügigen Sanierungswerks für Kasse und Etat des Reiches handele. Die Oeffentlichkeit sollte den Mitteilungen über die ernste Lage der Finanzen mehr Aufmerksamkeit schenken, denn daraus ergibt sich die wichtige Erkenntnis, daß im Jahre 1930 von Steuersenkungen irgendwelcher Art nicht die Rede sein kann, sondern daß im Gegenteil die Erschließung neuer Steuerquellen notwendig werden kann.
Abg. Mentzel (Dnl.) meint, nicht der Schutz der deutschen Zündholzindustrie, sondern die Finanznot und die versprochene Kreuger-Anleihe sei für die Regierung die Triebfeder zur Einbringung der Vorlage gewesen. Angesichts der großen Vorteile, die das Monopol dem Schwedentrust gibt, kann man die Bedingungen der Kreuger-Anleihe n i ch t ü b e r- maßig günstig nennen. Für die deutsche Zünd- Holzindustrie hatte man besser als durch ein Monopol sorgen können d u r ch Z ö l l e u n d E i n f u h r- s per re gegen die russische Konkurrenz. Der Redner wendet sich dann gegen eine Dorzugsbehand- lung der genossenschaftlichen Zündholzproduktion und beantragt die Streichung der entsprechenden Bestimmungen. Die Deutschnationalen würden das Gesetz a b l e h n e n.
Abg. Dr. Köhler (Ztr.): ilebermäfiig günstig sind Kreugers Bedingungen nicht. Besonders unsympathisch wirkt die Steuerfreiheit. Wir müssen uns wohl oder übel damit abfinden. weil wir ohne eine Anleihe die Finanzen nicht sanieren können. Wir haben gegen das Monopol große Bedenken, aber eine wesentliche Verbcs- fetung ist immerhin erreicht worden in der Richtung, daß den Wünschen des Handels entspre
chend die Rechte der Konsumvereinsbetriebe beschränkt wurden. Die noch weiter gehenden Wünsche des Zentrums scheiterten an dem Widerstand des Reichsfinanzministers. Mit Rücksicht auf die schwierige Finanzlage wird das Zentrum dennoch der Vorlage z u st i m m e n.
Abg. Dr. Pfeffer (D. V.) erklärt die Zustimmung seiner Freunde zu der Vorlage in der Ausschuhfassung. Das sei ein Opfer der wirtschaftlichen Aeberzeugung. Grundsätzlich fei die Volkspartei gegen Monopole. Hier werde aber die deutsche Zündwarenindustrie geschützt gegen die weitere Verdrängung durch die Auslandkonkur- renz. Mit Zöllen und Einfuhrsperre wäre dieser Schuh nicht zu erreichen gewesen. Für die Volkspartei sei an der Regierungsvorlage unerträglich gewesen die Ausnahmestellung, die den Konsumvereinen zum Schaden des freien Handels cingeräumt war. Im Ausschuß seien diese Bestimmungen aber wesentlich verbessert worden. 3n der jetzigen Fassung sei das Gesetz für die Dolkspartei annehmbar.
Abg (Bortman n (W.-P.) erklärt, die Vorlage verletze den Verfassungsgrundsah der Gleichberechtigung, weil die Konsumvereine dem Einzelhandel gegenüber bevorrechtigt würden. Demnach könne die Vorlage
nur mit Zweidrittel-Mehrheit Gesetz werden. Der Redner beantragt, den in der „Edek a“ zusammengeschlossenen Einkaufsgenossenschaften des Einzelhandels ähnlicheVergünstigungen einzuräumen wie den Konsumgenossenschaften.
Abg. Fischbeck (Dem.): Bei Annahme des Antrages der Wirtschaftspartei würde die angeblich verfassungswidrige Sonderstellung auch auf die „Edeka" ausgedehnt werden. Gegenüber den Bestimmungen des Sperrgesehes bedeutet die Ausschußfassung der Monopolvorlage eine Verbesserung zugunsten des Einzelhandels.
Abg. Reddenried (Ehr.-Rat. Bp.) lehnt die Vorlage ab. Das Zündwarenmonopol gebe die deutsche Zündhvlzindustrie dem Auslandkapital frei, es verletze auch die Reich ^Verfassung durch die ungleiche Behandlung von Einzelhandel und Konsumvereinen und sei ein weiterer Schritt zur Sozialisierung und Vernichtung der freien Wirtschaft.
Angenommen wird der Antrag der Regierungsparteien auf Streichung der zehnprozen- tigen Preiserhöhung für Exportware. Mit dieser Aenderung wird die Ausschußfassung der Vorlage unter Ablehnung aller übrigen Aenderungs- anträge in zweiter Beratung angenommen.
Oie Beamten zn den Sparpla'nen der hessischen Negierung.
Die Stellung des Hessischen Deamtenbundes.
D a r m ff a b t, 27. 3an. (IDB.) Die Leitung des hessischen Beamtenbunbes hat an bas Gefamtmini- sterium unb bie Abgeordneten des Landtags eine Einga b e gerichtet, in der bie Bereitwillig, feit ausgesprochen wirb, an bet Gesunbung dec hessischen S t a a t s f i n a n z en aktiv mitzuarbeiten. In der Eingabe wirb bie Heraufsetzung der Altersbien st grenze der Beamten a b g e l e h n t, weil badurch zwar der Staatskasse eine einmalige En Haftung gebracht werbe, bie Heraufsetzung ber Pensionsgrenze sich aber nach unken in einem Abbau von A n - Wärtern auf Iahre hinaus auswirken würbe, wodurch viele Familien mit minberjährigen Kindern in große wirtschaftliche Rot geraten würben. Ein schematischer Abbau oon Beamten unb Beamtenanwärtern namentlich in Schule unb Polizei wirb abgelehnt, biesofortigeEinführungeines numerus clausus, also einer Beschränkung ber Anwärter aus ben tatsächlichen B ebar f, wirb gebilligt. Zum Schluß wirb der Erwartung Ausdruck gegeben, daß bie geplanten Sparmaßnahmen nicht auf betn Rücken ber sozial schwachen Beamtenschichten unb Anwärter aus-
getragen werben möge. Es müsse mit gutem Beispiel burch Sparmaßnahmen oben unb an ben zentralen Verwaltungsstellen vorangegangen werben.
Eine Entschließung der sozialdemokratischen Beamten. WER. Darmstadt, 27. Jan. (WTB.) Die Landeskonferenz der sozialdemokratischen Beamten Hessens nahm gestern zu den Sparplänen der (Regierung Stellung. Rach einem Referat des Landtagsabgeordneten Schulrat Storck und nach sehr lebhafter Debatte wurde folgende Entschließung angenommen: Die Landeskonferenz der sozialdemokratischen Beamten Hessens bittet die Landtagsfraktion, an der Vereinfachung der Staatsverwaltung und Sanierung der Staatsfinanzen mitzuarbeiten. Die Heraufsetzung der Dien st alters grenze wird abgelehnt. Ehe ein schematischer Personalabbau erfolgt und ein Abbau an notwendigen kulturellen und sozialen Aufgaben vorgenommen wird, sind die höheren Gehälter und Pensionen herabzusehen. Die Versammlung glaubt, daß sich damit auch die beamtenpolitisch notwendige Verringerung der Spanne zwischen den Gehältern der verschiedenen Deamtengruppen erzielen läßt.
Schwierige KoMoiMechani>l»ngen in Preußen.
Demokraten und Zentrum lehnen den Sozialdemokraten König als Kultusminister ab. — Um das zweite Ministerportefeuille für die Volkspartei.
Berlin, 27. Ian. (VDZ.) Die demokratische Fraktion teilte als Ergebnis ihrer Sitzung offiziell folgendes Ergebnis mit: Die Fraktion der Deutschen Demokratischen Partei hält heute wie bisher die Wiederher st ellung der Großen Koalition für erwünscht. Sie ist bereit, hierfür Opfer Zu bringen, glaubt aber, daß ihr nicht zuge- mutet werden kann, a 11 e in solche Opfer zu bringen. Die Bestellung eines 217 i n l ft e r s ohne Portefeuille widerspricht dem Gedanken der BcrroaUungsreform und der Rotwendigkeit äußer- ster Sparsamkeit auch in allen Einzelausgaben. Ein Arbeitsgebiet für den neu zu bestellenden Minister ist kaum zu finden. Die Fraktion wäre damit einverstanden, wenn sich ein im Amt befindlicher Reichsminister bereit erklären sollte, gleichzeitig das Amt eines preußischen Staatsmini st ers zu übernehmen. Bei der Besetzung des Kultusmini st eriums muß auf öle Stimmung der evangelischen Bevölkerung Rücksicht genommen werden, weil der derzeitige Staatssekretär dem katholischen Bekenntnis angehört. Die Fraktion bittet den Herrn Ministerpräsidenten, weitere Verhandlungen, die nach der Verfassung ausschließlich in seiner Befugnis liegen können, nach diesen Gesichtspunkten zu führen.
In einer Sitzung des Interfraktionellen Ausschusses beim Ministerpräsidenten erklärte Abg. h e i I - mann (So;.), für die Sozialdemokratie komme eine Große Koalition ohne den Abg. König als Kultusminister und zugleich dritten sozialdemokra- kischen Minister überhaupt nicht in Frage. Dem schloß sich auch der Ministerpräsident Braun an. Der Abgeordnete Heß (Zentr.) betonte, nach der veröffentlichten Stellungnahme der Demokraten sehe er keine Möglichkeit mehr, für die Kan
didatur Königs einzukreten, weil man jetzt keine Beunruhigung in der evangelischen Bevölkerung herbeiführen wolle. Leitend sei für diese Stellung des Zentrums der Gedanke, daß beredj- tigteWünschedesevangelischenvolks- fettes Berücksichtigung verdienten. Da die Dünsche des Zentrums durch einen katholischen Staatssekretär ihre Vertretung fänden, müsse man Parität üben. Das Zentrum könne auf die Forderung, einen Ministersih aufzugeben, nicht eingehen.
Auch die Frage desMinistersohnePorte- f e u i 11 e wurde eingehend besprochen. Rachdem die Demokraten in einer Entschließung aus Sparsamkeitsgründen sich gegen diesen Plan geäußert hakten, erklärte Abg. Heitmann (Soz.), daß nur ein Fachminister, nämlich der Handelsminister, für die Deutsche Volksparkei gegeben werden könne, andererseits die Deutsche volkspartei aber zwei Minister haben wolle, bleibe für die Herstellung der Großen Koalition überhaupt nur die Möglichkeit eines Ministers ohne Portefeuille, wobei man später noch über die Einzelheiten, Etatisierung usw. reden könne.
Ministerpräsident Braun empfing gegen Abend die Abg. Schwarzhaupt und Dr. Böhm von der Deutschen Volksparkei, um ihnen über den bisherigen Stand der Verhandlungen zur Bildung der Großen Koalition in Preußen Mitteilung zu machen. Der Ministerpräsident meinte, daß der frühere Gedanke, das Staatsmini st erium ohne Portefeuille mit einem volksparteilichen Reichsministerium in Verbindung zu bringen, wegen der großen Uebedaffung des Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer wohl nicht mehr in Frage kommen könne. Rachdem die Demokraten konfessionelle Bedenken wegen der Umbesetzung des Kultusministeriums vorgebracht hätten,
sei die ohnehin schwierige politische Lage weiter- hin erschwert worden. Er machte der Deutschen Volkspartei das Angebot, den Handelsminister zu stellen und ein Ministerium ohne Portefeuille so zu übernehmen, daß dieser Posten wegen der schwierigen Finanzlage des Staates nicht mit Gehalt ausgestattet werde. Dabei könne es sich ja nur um ein Provisorium handeln, etwa bis zu den nächsten Dahlen, nach denen wahrscheinlich leichter eine Große Koalition Zustandekommen würde. Lr lege Dert darauf, daß in späte st ens zwei bis drei Dochen ein verhand- lungsbefchluh erreicht werde. Lr glaube, daß mit Zentrum und Demokraten trotz der Ausein^ anderfehungen im Interfraktionellen Ausschuß über die Frage der Besetzung des Kultusministeriums eine Verständigung möglich sei, und betonte, daß die Sozialdemokraten allerdings ein Recht auf die Besetzung dieses Postens hätten.
Das Reichsbankstatut.
Neichskabinctt und bürgerliche Parlcicn gegen eine Aenderung.
Berlin, 27. Ian. (V.D.Z.) Im Reichstage hakte Reichskanzler Müller am Montagabend eine Besprechung mit Vertretern der Regierungsparteien über die Aenderungen des Reichsbank- f( a t u t e s im Rahmen des Poungplanes. Die Sozialdemokraten wünschten, daß die durch den Poungplan gegebene Möglichkeit einer Revision des Reichsbankstatutes schon jetzt bei der parlamentarischen Beratung des goungplanes benutzt werden möchte, um den Einfluß der Reichsregierung beider Zusammensetzung des Generalrates der Reichsbank undauchbeider Dahl des R e i ch s b a n k p r ä s i d e n t e n zu üerftärfen. Die anderen in der Regierung vertretenen Parteien dagegen sind in Ueberein- ftimmung mit dem Kabinett der Auf- sassung, daß zum mindesten im gegenroäriigen Augenblick übet den Poungplan hinausgehende Reformen nicht vorgenommen werben sollen. Zu einer Einigung kam es heute nicht. D:e Sozialdemokraten, die auf ihrem abweichenden Standpunkt beharrten, behielten sich ihre endgültige Stellungnahme vor.
Oie parlamentarische Erledigung der ^ounggesetze.
Berlin, 28. Jan. (Priv.-Tel.) 3n der gestrigen Besprechung der Führer der Koalitionsparteien im Reichstag ist man überemgekornmen, daß in dieser Woche die Ausschüsse des Reichsrates die Poung-Gesehentwürfe beraten und am Samstag in einer Plenarsitzung verabschieden sollen. Die Beratung tm (Reichstag soll am 5. und 6. Februar statt- finden. Die nächsten Tage bis zum 14. Februar sollen für di e Ausschüsse freigehalten werden, denen die Vorlagen zugewiesen werden, und am 14. soll die zweite Beratung beginnen, so daß bis zum 20. Februar die Gesetzes- Vorlagen parlamentarisch verabschiedet sein können.
(Schutz der deutschen Eierproduktion.
Gegen die Einfuhr minderwertiger Auslandswarc.
Berlin, 27. Jan. (Priv.-Tel.) Die Veränderungen der Wirtschaftslage und Struktur haben dcm Reichsernährungsministerium vollkommen neuartige Aufgaben gegeben. Das erste deutsche Standardisierungsgesetz, das bie Milchwirtschaft und ihre Rebenprodukte betrifft, steht vor der endgültigen parlamentarischen Erledigung. Aber schon harren weitere Probleme der Lösung. Vor allem hat sich gezeigt, daß auch die bisherigen Maßnahmen für die Verbesserung der Eierproduktion noch nicht ausreichen. 3m Jahr führt Deutschland für etwa 300 Millionen Mark ausländische Eier ein, von denen etwa ein Drittel aus Holland, Dänemark usw. stammen. Die übrigen zwei Drittel, die aus Rußland und anderen ferner liegenden Exportländern, ja sogar aus China kommen, sind aber fast durchweg minderwertiger Qualität und in der Regel weitaus überaltert. Hinzu kommt nun noch, daß z. B. Rußland aus Gründen feiner Devisenpolitik überaus billige und umfangreiche Angebote auf dem deutschen Markt unterbringt und damit ein bedenkliches Svekulations- objekt schafft. Die zuständigen deutschen Stellen haben sich nun, wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, mit diesem Problem schon wiederholt beschäftigt, wobei das Beispiel des Auslandes nicht unbeachtet bl'.eb. Man denkt u. a. daran, alle Auslandeiereiner Abstempelung zu unterwerfen und ebenso alle Kühlhauseier durch einen Stempel kenntlich zu machen, so daß in Zukunst schlechte Aus- landware nicht mehr als deutsche Landeier aus dem Markt erscheinen können. Weiter soll die Abstempelung be - stimmter genossenschaftlicher deutscher Qi>alitätseier noch mehr als bisher ausgebaut und verbessert werden. Daneben spielt auch das Zollproblem eine große Rolle, und es erscheint dringend notwendig, hier eine


