Ausgabe 
27.8.1930
 
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Zeit nur 2 Mark betragende Preis für Wiesenheu. Der Stand de» Grummetgrase» ist nur auf feuchten Diesen gut. Auf trodenen Diesen ist die Trockenheit diefe» Sommer, trotz der großen Niederschlags­mengen der letzten Wochen stark wachstumshemmend gewesen.

e Groß-Eichen, 26. Aug. Wie bereit« be­richtet, hat der Turnverein Groß-Eichen vom RetchSvermkgenSamt Mainz eine Reit­halle gekauft, die umgebaut hier al« Turn­halle ausgestellt werden soll. Mttglieber de« Turnverem« haben In vierzehntägiger. schwerer Arbeit diese Hall« abgebrochen und verladen. Die Begeisterung, mit der der Hallenbau bei der überwiegenden Mehrheit der hiesigen Be­völkerung ausgenommen wurde zeigte sich in der eifert reu eigen Hilfsbereitschaft fast de« ganzen Tode« Alle Kühren von Station Mücke noch hier und alle Fuhren au« dem Steinbruch« wurden koftenlo« ausgesührt. Ohne Vergütung fertigte da« Ehrenmitglied H o f m a n n den Bau­plan an. stellte Mitglied Mr« 6« feinen Stein­bruch zur Verfügung und halfen alle Mitglieder und viele andere Einwohner unsere« Tode«. So schritt der Bau rüstig voran. Die vergangene Woche zeigte eindrucksvoll, wa« vereinte Mräste leisten können. Trotz de« Orntctoettert waren durchschnittlich dreißig Leute täglich freiwill.g tätig. den gewaltigen Bau auszuschlagen. 2m Sam«tagabend war da« Aufschlagen beendet, und die Mitglieder de« Turnverein« und alle die vielen Leute die geholfen hatten, tonnten ein frohe« Richtfest feiern. Allen, die sich so eifrig und aufopfernd betätigt haben, gebührt herzlicher Dank. Der Spruch, der aus der Fahne des Turnverein« steht, hat sich bei diesem Dau wieder prächtig bewährte .Drohe« Werk ge­deiht nur durch Einigkeit!".

Mrcio Alsfeld.

» Alsfeld, 26. Aug. (Eine verdiente Ehrung wurde dem hiesigen, in allen Kreisen der Be­völkerung hochgeachteteten Sattlermeister Ludwig Kemmer zuteil. Er wurde von der Sattler- Innung in Anerkennung seiner Verdienste, die er sich in langjähriger, treuer Mitarbeit erworben hat, zum Ehrenmitglied ernannt. In einer schlich­ten Feier im Gasthaus ,Lum grünen Baum", zu der sich die Mitglieder der Sattlcrmnung mit Ver­tretern der Handwerkskammer, des Bezirksverban- des, des Ortsgewerbeverein» und der Innungen ein- gesunden hatten, überreichte der Vorsitzende der Sattlerinnung, Sattlermeister Louis D ö l z i n g von Groh-Felda, dem verdienten Kollegen ein Ehren­diplom mit dem Ausdruck des Dankes der Innung und den besten Wünschen für die Zukunft. Syndikus Rohr von der Handwerkskammer-Nebenstelle in Giehen, Gewerbelehrer Rohrbach (Alsfeld) für den Bezirksverband, Glasermeister L e n t h (Alsfeld) für den Ortsgewerbeverein sowie Schmiedemeister Kalkbrenner (Alsfeld) als Mitglied der Hand- Werkskammer schloffen sich den Glückwünfchen der Innung an.

Preußen.

Krci» Wetzlar.

~ Lützellinden, 26. Aug. Sn der jüngsten Sitzung de« Gemeinderat« stand der Haushaltsplan für 1930 zur Beratung. Der Demeinderat befchloh, auf die staatlich« Steuer vom Grundvermögen. sowie auf die De- werbekapital- und Dewerbeertragsteuer einen De- mcindezuschlag von je 250 Prozent zu erbeben. Zur Ausführung von MultivierungSarbeiten, so- totc xur Einrichtung einer Gemeinde kronken- pflegestation soll bei der Landesbank der Rhein- Provinz «in Mredit von 15 400 Mk. ausgenommen werden. Für die Einrichtung einer Mranken- pslegestation wurden 2500 Mk. in den Hau«- fmliSplan eingestellt. Der Haushaltsplan wurde n Einnahme und Ausgabe auf 98 300 Mk. fest- gestellt.

> Wißmar, 26. Aug. Die Erneue­rungsarbeiten im 3 n n c r n unserer Mirche schreiten rüstig voran. BIS zur Fertig­stellung findet der sonntägliche Gottesdienst in einem Schulsaal statt. Mit der Feier des Ernte­dankfestes am 5. Oktober soll nach Wiederherstel- lung der Mirche die Feier ihre« 100jährigen Be­stehen« verbunden werden.

Kreis Biedenkopf.

ö Gladenbach, 26. Aug. Das 7. Kreis» j u g e n b f e ft wurde am Sonntag in Gladenbach veranstaltet. 21m Samstagabend brachten auf dem Sportplatz einheimische und auswärtige Iugendoer- bänbe ihre Tanz-, Sprechchor- und Theaterauffüh­rungen vollendet zur Schau, ebenso klappten die Medizin- und Schwingballspiele vorzüglich. Beson­deren Dank ernteten die Fellingshäuser Naturfreunde mit ihren glänzenden Darbietungen. Auch am folgenden Tage hals diese Gruppe durch Musik und Tanz das Fest verschönern. Eine Turner- Pyramide und ein Höhenfeuer befchloh den ftim- mungsvollen Abend Am frühen Sonntagmorgen begannen die Kreisjugendwettkämpfe der Sportler und Turner beiderlei Geschlechts. Es mür­ben sehr gute Resultat« «rzielt. So lief ber erste Preisträger Böttcher vom SpV Biebenkopf die aut« Zeit von 118 Sekunden die 100-Meter-Strecke. Die ersten drei Plätze belegten folgende: Männ­liche Turner, Jahrgang 0911: 1. Erich Rahlf, Gladenbach: 2. Karl Müller, Biedenkopf; 3. Richard Brühl, Biebenkopf. Jahrgang 1213: 1. Aug. Blo­cher, Wallau. 2. Hrch Runzheimer, Gladenbach: 3. Rich. Schmidt, Rodheim. Jahrgang 1415: 1. Alb. Schneider, Rodheim: 2. Franz Krämer, Robbelm: 3. Rud Striegnitz, Glabenbach. Sportler, Jahr- gang 0911: 1. Erich Böttcher, Biebenkopf: 2. Willi Ruhl, Raunheim: 3. Hrch. Bill, Raunheim. Jahr- gang 1213: 1. Jul. Hahn, Wallau: 2. Dilh. Ramm, Breidenbach. 3. Heinr Rolt«, Biedenkopf. Jahrgang 1415: 1. Willi Weil, Biedenkopf: 2. Rad Heilbach, Wallau: 3. Wilh. Kramer, Fellings­hausen. Jahrgang 1617: 1. Otto Rolte, Sieben- köpf: 2. Wilh. Schmibt, Biedenkopf: 3. Helmut Jä­ger, Biedenkopf. Weiblich« Jugend, Jahr- gang 0911; 1. Pauline Achenbach, Weisenbach: 2. Lina Krämer, Rodhcirn; 3. (Emma Henkel, Weisen­bach. Jahrgang 1213: 1. Frieda Schwarz, Breiden­bach: 2. Emilie Platt, Rodheim: 3. Emma Achen- doch, Weisenbach. Jahrgang 1415: 1. (Erna Achen­bach, Hartenrod: 2. M. Gerbach, Fellingshausen: 3. Frieda Kraft, Hartenrod. Jahrgang 1617: 1. Toni Sturm, Erdhaufen: 2. Emilie Feuring, Biedenkopf: 3. Lina Plack. Weisenbach. Nachmittags fanden 4X100-Meter-Staffelläufe statt, wobei der Turn­verein Biedenkopf mit der guten Zeit von 47,4 Sie­ger blieb. Zweiter Sieger blieb die Mannschaft des Realgymnasiums Biedenkopf mit 49,2 Sekunden. Anschließend wurde ein Handballspiel zwischen Gladenbach und Hartenrod ausgetragen, welches der Platzoerein mit 5:1 (3:1) überlegen ge­wann. Roch größer war die Niederlage der ersten Mannschaft des Rasensportvereins Bottenhom

Butzbach, 26. Aug Auf Veranlassung des Landwirtschastsamt» Butzdach und der Krelsstellen Friedberg und Giehen des Verbandes der hessischen landwirtschaftlichen Genassenschaften sand am Sonn­tag hier eine Versammlung von Landwir - t«n statt, die von etwa 350 Landwirten au» 30 Ge­meinden der engeren und weiteren Umgegend besucht war. Zweck der Versammlung war die Beratung von Möglichkeiten zur Schaffung einer genos­senschaftlichen Viehoerwertung, durch die dem Landwirt die Erzielung befferer Preise beim Absatz seine» Vieh» ermöglicht werden soll. Der­artige Diehoerwertungsgenossenschasten arbeiten be­reit» in zahlreichen Gegenden Deutschland» zur Zu- friedenheit ihrer bäuerlichen Mitglieder, seit einiger Zeit auch in Oberhessen und hier u. a. in dem be­nachbarten Oppershofen.

Zu der Dedammlung waren Vertreter der Land­wirtschaftsämter Cid) und Friedberg, vom Lond- wirtschaftskammerausichuh für Oderhesfen Herr Büxler und Landtagsabgeordneter Fenchel (Oberhörgern) erschienen. Die Versammlung wurde von Landwirtschaftsrat Dr. Dienst (Butzbach) ge­leitet ber in seiner Eröffnungsansprache bas Ziel der genossenschaftlichen Diehoerwerlung kurz erläu­terte und der Dedammlung empfahl, entsprechend dem Vorgehen ber Oppershofener Landwirte eine Diehverwertungs-Genossenschaft zu gründen, diese aber auf eine breitere Basis zu stellen.

Hierauf behandelten Landwirtschaftslehrer F r e s ch von ber Zentralaenossenschaft in Darmftabt unb Diplomlandwirt Haack von der Raiffeisenorgani- sation in Giehen in längeren Darlegungen die Auf­gaben unb Ziel« einer Viehverweriungsgenosien- schast unter gebütjrenber Derücftichtigung der bevech- ligten bäuerlichen Interesten. Sie betonten, bah ec sich bei einer solchen Genossenschaft um die richtige Absatzregelung für di« landwirtschaftlichen Produkte auf dem Gebiete der Diehwirtfchaft handele mit dem Ziele, dem einzelnen Landwirt einen angemeffene- ren, höheren Preis als heute ju sichern, ohne da­durch den Verbraucher irgendwie höher zu belasten. Zu didem Zwecke fei es erforderlich, hinsichtlich des Diehabfatzes durch den Zufammenfchluh in einer

Viehverwertungsgenostenschaft Einfluh auf bl« Preisbildung zu gewinnen. Man muffe dem Bauer einen höheren Erlös für lein Vieh verschaf­fen, jedoch soll« deswegen der Konsument mch» mehr bezahlen, al» bisher. Die nota>enbig ber Züsow- menschtuh ber Bauern zur (Einflußnahme auf die Preisbildung fei, gehe daraus beroor, dah gegen­wärtig nur etwa 30 o H. de» Viebangebot» zu den Viehmärkten gelangen unb dort den Notierungen unterliegen, dadurch aber der Ausschlag für die übrigen 70 v H de» Siebangebot», die fern von den Markten gehandelt werden, gegeben werde Um eine Diehoerwertungsgenostenschast lebensfähig zu ma­chen und auch gegen sog Kampspreise de» Vieh- handel» zu sichern, sei die (Einführung der Lieser- pflicht der Mitglieder gegenüber der Genofsenschast erforderlich. Die Genostenschaft werde ihrem Mit- glieb auch rasche Ablieferung de» Verkaufpreises gewährleisten.

An d-.e beiden Dorirä« schloß sich eine längere Aussprache an, an der sich zahlreich« Lanbwiv-e beteiligten und in der noch einige Auskünfte über den Aufbau der empfohlenen Bezirk«-Diehver- wertungsgenossenschast gewünscht wurden. £?ani" ? t c n ft iTuhbat' und

Diplomlandwirt Haack (Dietzen! gaben die er­betenen Erläuterungen unb erklärten, dah die Genossenschaft ihren DeschäflSsitz in Butzbach haben solle Alle Landwirte der Umgegend könn­ten sich mit geringem Geschäftsanteil und mit kleiner Hastsumme al« Einzelmitglieder der Ge- aossenschaft anschließen.

Schließlich wurden von der Dedammlung Dertrauensleutc bestimmt, die bei den Land­wirten in den in Betracht kommenden 30 Orten für den Gedanken der genossenschaftlichen Dieh- verwertung werben sollen. Ein ©tatutenenttnud soll dabei für die Besprechungen mit den OrtS- einwohnern die Grundlage bieten. Ende Sep­tember soll in Butzbach eine neue Dedammlung staltfinden. in der zur Gründung einer Be- zirkSgenossenschaft für Diehverwertung geschritten werden soll.

Bezirks - Vichverweckiiigsgenoffenschast Butzbach

gegen di« edte von Gladenbach, da sie beim Fußball den 6 Toren Gladenbachs nicht ein einziges ent- gegenstellen konnte. Den Beschluß des schön ver­laufenen Jugenbfestes bildeten die beachtenswerten Ceiftungcn-ber Musterriege von Weidenhaufen am Barren, Reck unb Pferd.

Kirche unb Schule.

Kreis Schotten.

)' Gebern, 25. Aug. Am Samstag tagte hier die Lehrerschaft de« Bezirks Gedern, um über verschiedene wichtige Organisation«- und Schulfragen zu beraten. Zweck« Sinsparun- gen an den Fortbildungsschulen de« Bezirks im Winterhalbjahr 1930 31 einigte man sich auf verschiedene Zusammenlegungen, die dem MrciSschulamt unterbreitet werden sollen. Am 9. und 11. September wird anläßlich derStudien- fahrt der Pädagogikstudenten aus Darmstadt je ein Heimatabend veranstaltet werden. Musikalische Darbietungen, Mundartvor- ttäge usw. werden einen heimatgeschichtlichen Dortrag von Lehrer Sauer, Ober-Lai«, um­rahmen. M. a. wurde dann nochmal« kurz über die am kommenden Donnerstag hier stattfindenden Reichsjugendwettkämpfe gesprochen. Während sich vor zwei Fahren etwa 90 Teilneh­mer gemeldet hatten, waren es 1929 schon 125. Sn diesem Sahre stieg die Zahl auf 205 Wett­kämpfer, die sich in 9 Riegen um daS Hindenburg- Diplom oder um die Urkunde des ReichSaus- schufseS für Leibesübungen bewerben.

Kreis Alsfeld.

ch Otterbach, 26. Aug. Am vorigen Sonntag würbe bas von den Gemeinden Otterbach unb JRülfcnrob gemeinsam erbaute Schulhaus, Halbwegs zwischen den beiden Orten gelegen, feier- lich eingeweiht. Dorausgingen kurze Abschiedsfeiern an ben alten Schulhäusern in den beiben Orten, bei benen Lehrer ftonrab die Abschiebsreden hielt. Dor dem neuen Schulhaus versammelte sich eine nach Hunberten zählenbe Volksmenge aus den bei­den Orten und der Umgegend. Nach Chordlgefang hielt Pfarrer Matthäus aus Ehringshausen eine Ansprache. Im Anschluß an einen Chorgesang der Gesangvereine von Rülfenrod und Ehringshausen hieß Bürgermeister Förster (Rülfenrod) die Fest- Dtrfammlung willkommen. Anschließend hielt Krei»- schulrat Rausch (Alsfeld) die Weiherede, in der er vor allem den Sinn und Zoeck der neuen Schule darlegte. Der Redner bankte allen, bie in verstand- nievoller Weise an dem Zustandekommen des schönen unb vorbildlich eingerichteten Schulhausbaues be­schließend, beratend und werktätig mitgewirkt haben. Hierauf gab der Vertreter ber Baubehörde einen Bericht über bie Sauarbeiten, wobei er hervorhob, baß die Baukosten um etwa 3000 Mark hinter der veranschlagten Summe von 42 000 Mark Zurück­bleiben werden. Weitere Ansprachen hielten dann Regierungsrat Strack namens des Kreisamtes Alsfeld und Bürgermeister Loch (Otterbach). So- dann fand eine eingehende Besichtigung der Schule statt. Während einer Pause in der anschließenden geselligen Feier hielt, nach einem Vortrag der bei­ßen Gesangvereine, Lehrer Dollinger (Alsfeld) als Vorsitzender des Krcislchreroereins Alsfeld eine Ansprache, in der er bie beiden Gemeinden namens der Lehrerschaft zu diesem mustergültigen Schulhaus- bau beglückwünschte.

Kreis Wetzlar.

3 Groß-Rechtenbach, 26. Aug. Am Sonn­tag feierte bie hiesig« .Kirchengemeinde ihr dies- jähriges M i s s i o n «f e st. 3m Festgottesdienst hielt Pfarrer Donnert (Reiskirchen) die Fcst- prebigt. Rachmittags fanb eine Rachfeier statt, in ber ber Ort-geistliche, Pfarrer Harth Mlein-Rechtenbach. bie Begrüßungsansprache hielt. Missionar Zeige von ber Rheinischen MissionSgesellschast berichtete über seine 21jährige Tätigkeit in Afrika. Sn ber zweiten Ansprache erzählte Pfarrer Donnert ^Reiskirchen) über feine langjährige Missionsarbeit auf ber Snfel Sumatra. DaS Schlußwort sprach Pfarrer Harth (Mlein-Rechtenbach >. Das Fest würbe durch die Posaunenchöre von Hochelheim, Wei- denhaulen unb Groh-Rechtenbach unter Leitung von Fritz Loh (Groß-Rechtenbach- vedchönt.

Berliner Börse.

Berlin, 27. Aug. (DTB. Funkspruch.) Der glatte Verlauf ber Uftimoliquibation allein genügte anscheinend al» Anregung nicht, denn bas Geschäft

war auch im heutigen Frühverkehr wieder sehr klein unb bie Tendenz war weiter abwartend. Der Order­eingang bei den Banken war bisher minimal und auch Anregungen besonderer Art fehlten. Am De- visenmarkt hörte man London gegen Paris 123,75, London gegen Spanien 45,50 zu 45,70, London S Mailand 92,98, London gegen Buenos 40,55, in gegen Kobel 4,8690 zu 4,8694, London gegen Berlin 20,39, Kobel gegen Berlin 4,1875 zu 4,1877.

Sstidiensahrt nach Oberschlesien.

Seit vier Sohren veranstaltet daS S t o a ts- wissenschaftlich« Seminar ber Uni versitätGietzen unter ber Leitung von Pro­fessor Dr. Günther am Ende bes Sommerseme- flcr6 Stubienfahrten. beren Zweck ist, die Studierenden der WirtschastSwissenscha'ten prak­tisch in daS Wirtschaftsleben einzuführen. Die Wertschätzung, beten sich bleie Studienreisen bei ber Studentenschaft erfreuen, geht auS ber ver­hältnismäßig großen Beteiligung an ihnen klar bervor. Er bolumentiert sich weiterhin dadurch, voß immer mehr Universitäten solche Stubien­fahrten einführen.

SnS Ruhrgebiet, an bie Saar, nach Hamburg führten bie bisherigen Fahrten. Sn diesem Sabre wurde daS Ziel weiter gesteckt: diesmal sollte Oberschlesien eingehend studiert werden. Din weiter Weg: von Giehen biS in bie Süds stecke des Reiches. AuS allen Begrüßungsansprachen der verschiedenen HandelSkammersYndici, ber Leiter großer industrieller Werke klang immer toieber bie Genugtuung unb die aufrichtige Freude, dah westdeutsche Studenten den Weg nach dem Osten gefunden hätten. So war unb dos wurde in der schlesischen Presse auch immer wieder betont diese Studienfahrt mehr alS eine industriell- wirtschaftliche: sie war von politischem Wert, sie wareine nationale Tat" wie eS ein füh­rende« schlesische« Blatt ausgedrückt hot.

Aber auch in ihrem Ausgobenkreis war bie Exkursion wertvoll und anregend. Aus ber Fülle ber Besichtigungen des von Professor Günther mit vorbildlichem Geschick zusammengestellten Pro­gramms kann nur wenige« hervorgeyoben werden. Heber Dresden wo die Teilnehmer die HygieneauSstellung besichtigten ging die Fahrt nach D re «lau. Sn den Räumen bet Han- belSkammer hielt Dr. Hermann Fteymarck einen ausoezcichneten Dortrag über bie Probleme ber schlesischen Wirtschaft, bie besonders notleidet infolge der ungünstigen Marktlage und bet ver­worrenen Grenzziehung. Die verschiedenen Sn- buftrietoerfe, die im Laufe bet folgenden Tage besichtigt wurden, illustrierten die Worte Dr. Fteymarck« eindringlich: sowohl in der Waggon­fabrik Linke-Hoffmann-Busch. wie in ben Wedt­anlagen Eaesar Wollheim lagen große Teile de« Betriebs still. Sn Oppeln, der Hauptstadt der Provinz Oberschlesien, wurden die Teilneh­mer der Studienfahrt durch Landgerichtsrat von Stoephasius und Syndikus Dr. Dia­mant mit bet speziellen Lage ObetschlefienS ver­traut gemacht. Die beiben Dorträge bilbeten den Wegweiser für bie Besichtigungen ber folgenden Tage, die über Groschwow'tz (Portland- Zementsabrik). Reiße, Reu stabt (Leinen- weberei) in das Herz des oberschlesischen Mohlen- reviets. nach Gleiwiy, Hindenburg unb Beuthen führten. Auch hier bas unedreuliche, schmerzlich« Cßilb der nur halbbeschäftigten Werke, stillgelegte Schächte und Hochöfen nur ein einziger Hochofen in ganz Deutsch-Oberichlesien ist noch in Betrieb, große, leerstehende Fabrik­hallen unb auf den Straßen bie Massen arbeits­loser Menschen. Der tiefste Eindruck wat aber für alle Teilnehmer und das darf gesagt werden, ohne den Wert, den die Besichtigungen der Delbrückschächte. ber Bleischarley-Grube, des Oberichlesischrn Elektrizitätswerkes unb der Don- nerSmarckhütte hatten, zu schmälern ber. den die Grenzsahrt hinterließ. Man kann die Sin^cßjeilen vollkommen irrsinniger Grenzziehung nicht beschreiben. Aber das drängt sich jedem objektiven Beobachter sofort auf: eine Revi­sion dieser Grenze ift unabweislich.

AuS dem Gebiet der obedchlesischen Mohle führte bie Reise über bie Hafenanlagen in M o - sel-Oberhafen (nebst Besichtigung der Röte­tet Zellulose- und Papierfabrik) nach Rati- bor, der letzten deutschen Stadt, bie einge­klemmt zwischen Polen unb bie Tschechei im äußersten Südosten Deutschland« schwer um ihre wirtschaftliche Existenz zu ringen hat. Der muster­gültige Betrieb der Hückelschen Hutfabrik und

der Elektrvbenlabrik SiemenS-Planiawerie schloß bi« Reih« ber besichtigten deutschen Werk« ab.

llcbcran wurden bi« Teilnehmer mit herzlicher Gastfreundschaft ausgenommen, unb immer wie- ber wurde in Red« und Gegenrede auf bie poli­tisch-nationale Bedeutung neben der wirtschaft­lich-wissenschaftlichen der Stubiensahrt hin- gewiesen

lieber Prag und Greiz, wo bie Papier­fabrik Otto Günther be'icht.gt wurde, kehrten die Teilnehmer nach Deutschland zurück Dvrher je­doch wurde ein Besuch abgestattet einem der Größten und modernsten europäischen Betriebe:

rr Rresenschuhsabrik von Thomas Bata in 3Hn (Mähren» Sowohl technisch, wie organisatorisch bietet dieser Betrieb so viel Reue« unb Außer­ordentliches. baß seine Besichtigung für alle Teil­nehmer wissenschaftlich von höchster Bedeutung war.

Die ganze Fahri mutz, bank ihrer vorzüglichen Organisation durch Pros. Günther, in allen Teilen als wohlgelungen bezeichnet werden

Oie Bergwacht im Vogelsberg.

!! Schotten. 25. Aug Auf Anregung der Bergwachtabteilung des Rhein-Main-Gaue« zu Frankfurt a. M. wurde aus der D H E. - H a u p t- versammlung in Mainz bie Bergwacht im Doael«berg neu geregelt. Sn Schot­te n hat die Bergwacht für den Dogeisberg ihren Sitz. Rach den Beschlüssen der Hauptversamm­lung in Mainz wählte d?r Zweigverein Schotten in seiner jüngsten Monatsveriammlung Oberreal- lchrer Buß zum Obmann ber Bergwacht. Räch- sten Samstagabenb soll nun hier im .Heil 'Hau«" eine Besprechung über bie Bergwachtsache mit ben Vertretern des Gaue« ftattfinben. Die Berg­wacht soll bem Ratur - und Heirnatscdutz dienen. Sm Winter übernimmt sie unentgeltlich an Sonn- unb Feiertagen für d.e winlersport- liebende Allgemeinheit den vorbeugenden Sani­tätsdienst. Sie tritt bei Massenunfällen unb zur glatten Abwicklung de« sportlichen Derkehr« in Täftgkeit. Wer heute bie Alpenwelt besucht, ist angenehm überrascht, wie häufig seltener ge­worbene Alpenpflanzen wieder au sehen sind. Dies ist mit ein große« Derbienst Der Bergwacht, die sich nachhaltig für die Durchführung der Schuhbestimmungen einseht. Gin Ausruf ber Hess. Forstverwaltung an Die Wanderve reine um Schonung bc« Walde« beweist, baß cfl auf diesem Gebiete noch sehr viel au tun gibt Wenn bie Mißstände, bie in bem Erlasse Erwäh­nung finden, in unserem Wandergebiete auch nicht in besondere Erscheinung treten, so muh doch mit allem Rachdruck darauf hingewiesen werden, daß für ben Pflanzenschutz etwa« DurchgreifenbeS geschehen muß. Denn ber Rennet bemerkt, daß auch im DogelSberg Pflanzen mit montanem Charakter allzu sehr gesucht sind. Die botanische Abteilung unsere« Zweigverein« vom DHT. stellte vor kurzem bie echte GamS- wurz (Doronicum montöna) in der Rähe von Schotten fest, aber ihren Standort werben wir nicht verraten, wenn ihre Lebensdauer nicht zu kurz fein soll.

Oie Unruhen in den Opel« werken vor Gericht.

WSR. Darmstadt, 26. Aug. Heute wurde im Prozeß wegen der II nru ben in ben Opelwerk en vor dem Erweiterten DezirkS- fchäffengericht in her Zeugenvernehmung fortgefahren. Zunächst wurde weiter der Zeuge Dernauer vernommen. SS entwickelte sich eine lebhafte Aussprache, bie sich über zweieinhalb Stunben hinauszog. Dernauer äußerte sich über bie Entlohnung in den Opelwerken.

Darauf wurde bet Zeuge Dr. Wolf vernom­men, der Leitet ber Groß-Gerauer Polizei. Dr. Wolf wurde an dem Unru&ctag um 9.15 Ühr von Rüssel-Heim dringend ongerufen. Als er mit feinen Leuten dort ankam, wurde er mit Pfui­rufen empfangen. Er fei aber ungehindert durch die Menge in daS Verwaltungsgebäude hinein- gekommen. Dor dem Gebäude fei mächtig ge­johlt worden. Die Mampfleitung verhandelte und forderte von der Polizei, sie möge da« Feld räumen. Der Angeklagte Mauer habe erklärt: »Setzt haben wir hier die Macht, und wir geben nicht nach." (Mauer ist deshalb auch wegen ver­suchter RÖtigung angeflagl.) ES sei erklärt wor­den, wenn die Mampfleitung nicht innerhalb 20 Minuten wieder auS dem Gebäude heraus­komme, werde man sie herausholerr. Der Zeuge hat von Gewalttätigkeiten nichts gesehen. Sr schätzt die Dedammlung auf etwa 500 Personen. Der Polizei wurde kein Widerstand geleistet, ausgenommen zwei Leute. ES sei ihm mitgeteilt worden, daß es zu Gewalttätigkeiten gekom­men sei, daß Werkssremde eingebrunaen seien, und er habe sich infolgedessen verpflichtet ge­fühlt, eiiuugreifen.

Rach iym wurde der l.Dorsihende de« Be­triebsrat«, Reviol, vernommen. Sr selbst wurde am 12. Februar von einem Mann mit einem offenstehenden Messer angegriffen, doch hinderten besonnene Arbeiter den Mairn vor Tätlichkeiten. Et habe im Sanuar mit ber Di­rektion über Einzelzulagen verhandelt, soweit sie im Rahmen des Tarifs möglich waren. Det- trauensleute hätten chm an dem Unruhen tag mitgeteilt, dah man versuche, Leute auS den Be­trieben herauszuholen. Zwischen 10 und 10.30 Uhr sei er nach Mainz gefahren,zum Schutz seiner eigenen Person', wie er sagt. Die Firma: Opel sei seiner Ansicht nach im Recht gewesen, alS sie die beiden Betriebsräte auf Grund ber Gewerbeordnung entlieh

Als nächster Zeuge wurde der Werkmeister Tischler von der Fahrradmontage vernom­men. Er sagte aus, daß mehrere Leute in seine Abteilung eingedrungen seien: als Führer habe er ben Abg. Sumps erkannt. Es seien auch bet ihm bie Maschinen abgestellt worden.

Sn der Rachmitagsverhandlung wurden noch etwa 18 Arbeiter der Opelwerke al« Zeugen ver­nommen. Wesentlich Reues konnten sie nicht auSsagen. Hm 4 Hfjr wurde die Verhandlung auf Mittwochvormittag vertagt. Es wird In ber Zeugenvernehmung fortgefahren, doch erwartet man keine wesentlich neuen Aussagey mehr.

Schweres Motorradunglück.

Ein Toter, eine Schweroerlehle.

WSR. Mainz, 26. Aug. Gestern nachmittag veriuchte der Maufmaim Walter Mirs ch auS Berlin, der hier zu Besuch weilte, mit seinem Leichtmotorrad auf ber Mainzer Straße in Mainz-Finthen noch vor dem in eine Seiten* straße einbiegenben Lastauto der Stroh Hülsen- fahrt! Han« Hanselmann tn Finthen vorbei-