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Staatsbürgei! gemäß Artikel 133 der Reichsverfassung wahrnehmen zu lassen. Das aber Wohl könne kaum in der Absicht des Herrn Reichsinnenministers liegen.

Nie Revolution in Bolivien.

Buenos Aires, 27. Juni. (Havas. Funk« spruch.) Nach einer Meldung aus La Paz hat die Armee die Regierung gestürzt. Präsident Silos habe das Land verlassen. Dem Sturz der Regierung durch das Heer soll ein erbitterter Stampf vorausgegangen sein. La Paz sei isoliert, und es sei jeden Augenblick zu erwarten, daß die Haupt- stadt in die (Gewalt der Revolutionäre fallen werde. Der Oberbefehlshaber der bolivianischen Armee, General Kundt, habe sich an die Grenzgarnisonen um Hilfe gewandt. Zwei Regimenter haben sich an­geblich geweigert, gegen die Rebellen zu kämp­fen. Außenminister Medina habe in der argen­tinischen Gesandtschaft Zuflucht gesucht.

31t La Paz sollen die Truppen, erregt über die angebliche Äiedermehelung der Zivilbevölkerung durch die Polizei, diese und die Anhänger des Präsidenten Silos angegriffen und sie in die Flucht geschlagen haben. Zahlreick« Personen wurden getötet oder verwundet. Die revolutio­nären Truppen haben beschlossen, eine v o r - läufigeRegierung einzusehen, die sich auS Vertretern aller Parteien zusammenseht und Vor­bereitungen für Neuwahlen treffen wird. Augen­blicklich ist in La Paz alles ruhig.

Aus aller Welt.

Eröffnung des Deutschen Evangelischen Kirchentags.

Der dritte Evangelische Kirchentag, die Ge­samtvertretung der deutschen Landeskirche, wurde in Nürnberg durch vr.O. Kapier als Präsi­dent des Deutschen Evangelischen Kirchenaus­schusses eröffnet. Zum Präsidenten wurde ein­stimmig Graf Vitzthum von Eckstädt, der Präsident der sächsischen Landesshnode, gewählt. Zum Vizepräsidenten wurden 1^. Wolff- Aachen, der Präsident der rheinischen Landes- synode und Psarrer O. Luther-Berlin wie­dergewählt. Am Abend versammelten sich die Kirchentagsmitglieder inmitten einer großen evangelischen Gemeinde in der St. Lorenz-Kirche, in der der Vischos der Hannoverschen Landes­kirche v.Mar ähren« die Festrede hielt.

Islands Tausendjahrfeier.

Auf 3Sland nehmen die eigentlichen Festlich­keiten aus Anlaß der Tausendjahrfeier des Al- ting ihren Anfang. Am frühen Morgen hielten Studenten aus Dänemark/Norwegen, Schwe­den und Finnland, die gleichzeitig eine Tagung in Reykjavik abhalten, ihren Einzug. 3m Lause des Vormittag trafen dann das dänische König«- paar und etwas später der schwedische Kronprinz ein. Nach einem Festessen begaben sich die Gäste nach derThingvalla - 3nsel wo eine Zeltstadt mit 5000 Zelten errichtet worden ist. Als Ver­treter deS Deutschen Reichstages neh­men an den Feierlichkeiten teil der ehemalige württembergische Gesandte Hildenbrand. und die Abg. Berndt und Hofmann, Ludwigshafen. Die Feierlichkeiten auf der Thingvalla-3nsel began­nen mit der Festrede deS evangelischen Bischof- Helgasen. Nach dem Gottesdienst marschierten tausende von Festteilnehmern nach dem Berg auf, Thingvalla, wo da- Atting in uralten

Wirtschastodebatte im Hessischen Landtag.

WHP. Darmstadt, 26.3uni. Nack Eröff­nung der Sitzung beginnt die Spezialdebatte bei Kapitel 75: Ministerium für Arbeit und Wirt­schaft.

Abg. Wesp (Z.) verlangt besseren Schutz der deutschen Automobilindu- st r i e gegen die Einführung ausländischer Auto­mobile. Während sich Amerika durch Hochschuh­zölle abschließe, werde die ungeschützte deutsche Automobilindustrie durch den 3mport nahezu erdrosselt. Zehntausende von Arbeitern werden arbeitslos. Bon allen europäischen Ländern hat Deutschland den niedrigsten Automobilzoll. Ge­rade sogenanntenationale" Kreise kaufen aus­ländische Wagen und machen deutsche Volks­genossen brotlos.

Abg.Reu ter (Soz.) verspricht sich von einem Zollschuh keine Hilfe, denn die Absahkrise liege in der verminderten deutschen Kaufkraft.

Abg. Wolf, Effolderbach (Ldbd.) fordert zu Kapitel 83: Bodenverbesserung, Senkung der Feldbereinigungskosten, Vereinfachung der Ar­beitsvorschriften und des Dteinsahes, Zinsfuß von höchstens 5 Prozent für Feldbcreinigungs- kredite.

Abg. Dr. Niep o th (D. Vp.) fordert Zusam­menlegung deS gesamten Vermessungswesens in einem Ministerium. Gin teuerer Unfug seinen die kleinen Ortsvermessungen. Die Kosten der Kultur­bauämter müßten getrennt werden nach Material- beschasfungskosten und Beaufsichtigung der Ar­beiten.

Minister K v re l l: Feldbereinigungen wollen wir nach Möglichkeit weiterführen. Zahlreiche Anregungen decken sich mit den Absichten der Landwirtschaftsabteilung und sind oder werden noch durchgesührt.

Abg. Weck le r (Z.) wünscht, daß nur Projekte mit gesicherter Rente durchgesührt werden, denen ein möglichst langer Rückzahlungsplan unterlegt werden müsse.

Abg. Maurer (Soz.) stimmt einem Teil der Landoundan träge zu. Es dürfte nicht zugelassen werden, daß Siedler, die seit 3ahren Waldland gerodet haben, dann auf Waldwiesen gesetzt werden.

Abg. Guß mann (Ldbd.) wendet sich gegen den zunehmenden Konsum au 8 ländischer Agrarerzeugnisse, die zu Schleuderprei­sen abgesetzt werden.

Abg. Späth (Zentr.) ersucht, zusammen mit der Reichsregicrung die ungesunde Preisspanne zwischen Erzeuger- und Verbraucher­preisen abzubauen und die Derbraucherschaft gegen die Preispolitik der Syiidikate und Kartelle zu schützen.

Ministerialdirektor Rößler stellt fest, daß in Zukunft der Flaschenmilchhandel kon- zelsionspflichtig sein wird. Die Milchkon­trolle wird überwiegend in staatlichen oder tommu- nqlen Instituten vorgenommen.

Minister Karell erwidert den Abg. Dr. W-r- jper (NS.) und Dr. Wolf (VRP.), daß gegen die Beschäftigung deutscher Arbeiter z. B. in Frankreich bann nichts einzuwenden sei, wenn ihnen anständige Lohn- und Sozialbedingungen gesichert sind.

Schluß gegen 17 Uhr.

Die Ankurbelung der Wirtschaft durch Preis- und Lohnsenkung.

Eine Erklärung der Arbeitgeberverbände.

Berlin. 26.3unt. (WTB.) Der Reichs­verband der Deutschen 3 ndustrie und die Vereinigung der Deutschen Ar­beitgeberverbände veröffentlichen zu den Besprechungen zwischen den Vertretern der Ge­werkschaften und der Unternehmer eine Erklä­rung, in der es heißt: Die deutschen Unternehmer dec Schlüsselindustrien und der verarbeitenden 3nduslrien in vollerUebereinstimmung habenden ehrlichen Willen, gemeinsam mit den Ge­werkschaften für das deutsche Volk einen Weg aus den gegenwärtigen Schwierigkeiten zu finden. Es entspricht weder dem Ernst der Lage, noch dem Geiste, in dem bisher die Verhandlun­gen geführt wurden, wenn nunmehr der Allge­meine Deutsche Gewerkschaftsbund (sieheVor­wärts" Morgenausgabe vom 26.3uni 1930) den Versuch unternimmt, in einzelnen von der Wirt­schaftskrise ausgelösten Vorgängen im Lande einen Grund zum Abbruch der Ver­handlungen zu sehen, und wenn er gleich­zeitig Mitteilungen über Einzelheiten der Be­sprechungen macht, die ein schiefes Bild vom Gange der Verhandlungen geben. Trotzdem würden sich die Unternehmer, angesichts des so tiefen Ernstes der Lage, über den sie sich völlig klar sind, einer Anregung der Gewerk­schaften, die unmittelbaren Verhandlungen wie­derauszunehmen, nicht versagen.

Die Entwicklung der Wirtschaftslage, vor allem aber die durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufene Not, macht es den in der Wirtschaft Tätigen zur Pflicht, praktifche Wege zu einer Erleichterung der Lage zu geben und zu beschreiten. Voraussetzung für eine Gesundung ist eine Umkehr auf den Gebieten der Finanz-, Wirts chafts- und Sozialpolitik.

Eine einheitliche und sichere Gestaltung der öffentlichen Finanzpolitik und eine vollständige Ordnung der öffentlichen Finanzen kann nur

erreicht werden, wenn eine Anpassung der öffentlichen Ausgaben an diejenigen Einnahmen herbeigeführt wird, die eine notleidende Wirt­schaft und eine notleidende Bevölkerung auf­zubringen imstande sind.

Der für die Belebung der Wirtschaft unbedingt er­forderliche Preisabbau verlangt die Sen­kung der Selb st ko st en der Produktion und der Ko st en der Güterverteilung. Die Senkung der Selbstkosten kann nur erzielt werden, wenn jeder einzelne ihrer Faktoren auf ein Maß zurückgeführt wird, das der inneren deutschen Fi- nanzkraft und den Forderungen einer richtigen Wirtschaftsführung entspricht. Das Ziel würde nicht erreicht, wenn hiermit aus die Dauer ein Unter- konsuin verbunden wäre. Vielmehr muß erstrebt werden, durch Senkung der Selbstkosten und der Preise den Konsum auf normale Höhe zu bringen und in der Folge zu steigern.

Die Notwendigkeit der Selbstkostensenkung erfor­dert eine entsprechende Anpassung der Per­sonalausgaben für alle in der Privatwirt­schaft tätigen Personen, die leitenden Persönlich- feiten eingeschlossen, an unsere wirtschaftliche Not­loge.

Auch in der Sozialversicherung, deren Aufrecht­erhaltung grundsätzlich notwendig ist, muh in der praktischen Handhabung der Versicherung jede mihbräuchliche Ausnutzung verhindert, und es müssen die verwattungskosten auf ein Min­destmaß zurückgeschraubt werden.

Auch hier sind durchgreifende Aenderungen der be­stehenden Gesetzgebung unerläßlich. Nur durch eine entschlossene Umkehr kann eine weitere Verschlimme­rung der Lage unseres Landes verhindert und das schwere Problem der Arbeitslosigkeit einer Lösung zugeführt werden.

Oie Ermordung des Frankfurierpolizeiwachimeisters Kem

Oer Schwerverbrecher Hoyer vor den Geschworenen. Oer Staatsanwalt beantragt die Todesstrafe. - Oas Gericht erkennt auf 15 Jahre Zuchthaus.

Oie Vernehmung des Angeklagten.

WSN. Frankfurt a. M., 25. 3uni. Vor den Geschworenen steht in schwarzem Anzug ein schwarzhaariger mittelgroßer Mann, der in fast eintöniger Rede zweieinhalb Stunden lang seinen Lebensgang schildert. Es ist der des Mordes und unbefugten Waffenbesitzes angeklagte 34jährige Schlosser Hermann Hoyer. Die Aus­führungen des Angeklagten lassen keinen Zweifel, daß er oft mit bitterer Not zu kämpfen hatte. 3n Wermelskirchen beteiligte er sich an einem Raubanfall auf die Sparkasse, wobei den Tätern 38 000 Mark in die Hand fielen. Hoyer hat etwa 10 Vorstrafen, darunter auch Zucht­haus. Zweimal schon ist Hoyer aus Straf­anstalten ausgebrochen.

Nie Tat.

Nach einer kurzen Pause läßt sich Hoyer über die Tat aus. Er schildert, wie Schulle zuerst von dem ermordeten Polizeiwachtmeister Kern an- gehalten wurde, und wie Kern dann aufforderte, daß sie beide nach dem Revier mitgehen sollten. Hoyer will dem Beamten gesagt haben: Ach Herr Wachtmeister, das hat doch alles keinen Zweck, lassen Sie uns doch laufen." Hoyer will aber die Absicht gehabt haben, zur Wache mitzugehen: 3ch bat nochmals, daß er mich laufen läßt.Los, vorwärts, kommen Sie her und weisen Sie sich aus", sagte der Wachtmeister. 3ch sah, wie er Schulle am Aermel faßte und dann mir zurief: Sie kommen auch mit, lassen Sie 3hren Kollegen nicht im Stich 3ch habe dann die Pistole gezogen und wollte die Papiere wiederhaben. 3ch rief ihm zu: Hände hoch, Herr Wachtmeister, es passiert 3hnen gar nichts. Lassen Sie uns lausen, indem ich dies sagte, sprang Schulle den Wachtmeister an. Un­mittelbar darauf bekam Schulle einen Stoß. 3ch hatte das bestimmte Gefühl, daß der Beamte die Pistole schon in der Hand hatte und da habe ich abgedrückt." Hoyer will die Waffe so ge­halten haben, daß die Mündung unmittelbar oberhalb des Oberschenkels deutete. Danach mühte die Schußrichtung von oben nach unten gegangen sein, aber der Einschuß liegt nur um einen Zenti­meter höher als der Ausschuß. Hoyer will ge­sehen haben, daß Kern sich nach dem Schuß wieder erhob.3n dem Moment, wo der Beamte wieder hochsprang, hatte ich wirklich ein freudiges Gefühl, daß mein Schuß nicht die Folgen hatte. Daß der Schuß so in die Höhe ging, kann ich mir heute noch nicht denken.

Der Hauptbelastungszeuge.

Der Angeklagte Georg ist oft und schwer vor­bestraft, will aber von den schweren Vorstrafen des Hoyer keine Kenntnis gehabt haben. Georg tut so, als habe er erst bei dem zweiten Besuch der Angeklagten erfahren, daß Hoyer auf einen Polizei beamten geschossen habe. Er bestreitet ins­besondere, daß er die beiden Besucher in eines der oberen Stockwerke mit dem Bemerken ge­

wiesen habe:Geht da hinauf, da findet euch kein Schwein." Der Hauptbelastungszeuge Her­bert Schulle erklärt u. a.: Es ist richtig, daß ich zunächst gesagt habe, Hoher habe erst dann nach der Pistole gegriffen, als Kern sich an der Pistolentasche zu schaffen machte. Diese Aeuhe^ rung habe ich deswegen getan, um Hoyer zu schützen. 3n Wirklichkeit hat Hoyer nach der Waffe gegriffen, als Kern noch nicht nach der Pistolentasche gegriffen hatte. DaS habe ich deut­lich gesehen, nicht etwa geschlossen. Kern hat erst dann nach Der Pistolentasche gegriffen, als Hoyer Hände hoch" gerufen hat. 3n diesem Augenblick war diePistole des Hoyer bereits auf die Brust des Kern gerichtet. Schulle bekundet bann, daß Kern, nachdem er getroffen worden war, zusammensank, sich wieder erhob und mit erhobenen Händen sortgelaufen sei. Nach der Tat habe er Hoyer gefragt, warum er geschossen habe, und Hoyer habe gesagt: ,3ch hätte den Beamten nicht geschossen, wenn er nicht nach der Pistole gegriffen hätte. 3ch lasse mich nicht fest­nehmen, ich habe es satt, ich habe schon einmal fast zehn 3ahre abgemacht, ich kriege dann noch einmal zehn 3ahre, das halte ich nicht aus."

Nie Sachverständigen.

Med.-Rat Dr. Kohl erklärt u. a.: Der Vater des Hoyer war ein starker Trinker mit jähzorniger Ein­stellung, so daß es in der Familie sehr häufig zu Konflikten kam. Hoyer ist ein etwas erblich be­lüfteter, sehr reizbarer, draufgängerischer Mensch. Für die strafbaren Handlungen ist er verant­wortlich. Hoyer habe mit lieberlegung gehandelt. Schulle ist unehelich geboren, war in Fürsorgeerziehung und ist mittelmäßiger Schüler gewesen. Den Eindruck eines pathologischen Schwind­lers mache Schulle nicht, aber es ist ihm auch nicht alles zu glauben, was er sagt. Aus dem Gutachten Prof. Dr. Popps ergibt sich, daß der Angeklagte eine Armeepistole Modell 08 mit Neun-Millimeter- Kaliber-Munition benutzte. Der Schuß ging ziem­lich horizontal. Die Angabe des Hoyer, daß er auf den Oberschenkel bleit und der Schuß zufällig so hochging, Ist nicht glaubwürdig. Er hat also zweifellos als Ziel den Oberkörper und nicht den Oberschenkel genommen. Der Schuß konnte nicht ohne weiteres abgehen, denn der Abzug ist normal.

Staatsanwaltschaftsrat Dr. Albrecht bean­tragte gegen Hoyer wegen Mordes und un­befugten Waffenbesitzes dieTodes strafe und ein 3ahr Gefängnis, sowie dauernden Ehrverlust, gegen Georg wegen Begünstigung sechs Monate Gefängnis.

Das Urteil.

Nach etwa vierstündiger Beratung verkündete das Schwurgericht gegen 1 Llhr nachts folgendes Urteil: Hoyer wird wegen Totschlags und verbotenen Waffenbesitzes zu 15 3 ahren Zuchthaus und zehn 3ahren Ehrver­lust verurteilt. Die Waffe wird eingezogen. Der Angeklagte Georg wird wegen Begünsti­gung zu sechs MonatenGefängnis ver­urteilt und der gegen ihn erlassene Haftbefehl auf geh oben.

Zelten feine ersten Sitzungen ab gehalten hat. An der Spitze der Prozession gingen derKönig und die Königin von Dänemark und 3sland, der schwedische Kronprinz, die isländische Regierung, die Mitglieder des Alting und die fremden Regierungsvertreter. Der Präsident des Alting hielt eine feierliche Ansprache, in der er die Geschichte 3slands darlegte und auf den Ursprung des isländischen Staates zu sprechen kam.

Die Rlesenunlerschlagungen beim Deutschen Sängerbund.

Vor dem Schössengerlcht Eharlottenburg be­gann der Prozeß gegen den früheren Bundes- schatzmelster deS Deutschen Sängerbundes.

richtsassessor a. D. Redlin, der beschuldigt wird, während seiner neunjährigen Geschäfts­führung das Vermögen des Deutschen Sänger­bundes um 916 000 Mark geschädigt zu haben. Redlin hat zugegeben, daß er 320 OÖO Mark für seine Briefmarkensammlung verbraucht habe, bann will er in ein Farbenfilmverfahren 250 000 bis 300 000 Mark hineingesteckt haben. Außerdem will er 100 000 Mark angute Freunde" ahne Quittung verborgt haben. Schlleh- lich will er auch 150170 000 Mark zum Le- benSunterhalt für sich und seine Familie ver­braucht haben. Nachdem die .Unterschlagungen entdeckt worden waren, bat Redlin seine über 30 Bände umfassende Briefmarkensammlung und eine Sammlung toertVuUec Trinkgläser. Kür­

zellantassen und Porzellanvasen, seine Beteilt- gungsansprüche an der Farbenfilmerfindung und an ein Filmunternehmen dem Deutschen Sänger­bund abgetreten. Der Wert dieser Abtretungen ist jedoch bisher noch nicht endgültig festgestellt. Der Angeklagte wurde wegen fortgesetzter Un­treue in teilweiser Tateinheit mit Unterschla­gung zu einem 3ahre neun Monaten Gefängnis verurteilt. Der Antrag auf Be­willigung einer Bewährungsfrist wurde vom Ge­richt wegen der schweren Verfehlungen, ins­besondere in Berücksichtigung des groben Vertrauensmißbrauches und der Höhe des angerichteten Schadens abgelehnt.

DasKreuz des Südens" in Neuyork glatt gelandet.

Das FlugzeugSouthern Croß" ist Donnerstag früh 5.05 Uhr ostamerikanischer Zeit (9.05 Uhr vor­mittags MEZ.) in Harbour Grace zütn^Weiterflug nach Neuyork aufgestiegen. DieSouthern Croß" erschien kurz vor 7 Uhr örtlicher Zeit zum ersten Male über dem Flugplatz Roosevelt- fielb, flog dann in großer Höhe weiter in Richtung Neuyork, umkreiste den Stadtteil Manhattan und flog bann in Begleitung von etwa 12 Flugzeugen nach Rooseveltsield zurück, wo die Landung glatt erfolgte. Eine taufenöföpfige Menschen­menge umsäumte das Flugfeld und begrüßte die Flieger mit begeisterten Zurufen.

heuschreckenfchwarm in Niederösterreich.

Bei Obereggendorf in der Nähe von Wiener^ Neustadt ließ sich um Mitternacht ein großer Heu« sckreckenschwarm nieder. Der Einbruch der Heu­schrecken hat große Aufregung unter der Bevölke­rung heroorgerufen. Kleinere Schwärme zeigten sich bereits vorgestern. Der Hauptschwarm von Mil­lionen Heuschrecken ließ sich in den gestri­gen Abendstunden auf den Bahngleisen und den an­grenzenden Feldern nieder. Die Züge konnten, selbst nachdem der Bahndamm notdürftig von den Heuschrecken befreit war, meaen der schlüpfrigen Gleise nur sehr langsam fahren, so daß der Zugverkehr große Verspätungen erleidet. Außer der Freiwilligen Feuerwehr von Wiener-Neustadt hat sich die ganze Bevölkerung der Umgebung zusammen mit den Bahnangestellten in der Nacht an Ort und Stelle eingefunden, um die Heuschrecken mit Feuer zu bekämpfen. Auch Beamte der zuständigen Ministerien sind im bedrohten Gelände eingetroffen, um die Leitung der Arbeiten zur Vernichtung der Heuschrecken zu übernehmen. Vormittags fam- meltfn s i ch die Heuschrecken wieder und setzten ihren Weg in der Richtung nach Wiener- Neustadt fort. Es handelt sich übrigens nicht um Wanderheuschrecken, sondern um die gewöhnliche . Art der in Europa heimischen Feldheuschrecke.

Zehnte Generalversammlung des Reichsverbande» Deutscher Hausfrauenvereine in Danzig.

Der Reichsverband Deutscher Hausfrauenver­eine hielt in der Zeit vom 24. 26.3unl seine zehnte Generalversammlung in Danzig ab. Auf dem Gmpfangsabend begrüßte Fräulein Marie Meyer- Danzig ihre Schwestern aus dem Reiche. Die Vorsitzende des Verbandes. Frau Maria 3 e ck e r - Aachen, dankte für den festlichen Empfang und betonte, daß die deutschen Schwestern aus allen Gauen des Reiches zum Osten gekommen feien, um ihre Schicksalsver­bundenheit mit den Schwestern der Stadt Dan­zig auch äußerlich zu bekunden. Staatsrat Dr. Ziehm hielt einen VortragDanzigs Gegen­wart". Der Redner ging vom Versailler Ver­trag aus und beleuchtete das Schicksal Danzigs nach der Abschnürung vom Reich. Auf der Gene­ralversammlung sprach nach Entgegennahme deS Geschäftsberichtes Frau Charlotte Mühsam- W e r t h e r über Derbraucherklagen in ihren volkswirtschastlichen Zusammenhängen.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Der bereits eingeleiteto Witterungsumschlag durch die über Europa herrschenden Störungen dauert fort. Eine vollständige Zyklonensamilie beherrscht vorerst die Wetterlage. Da die ein­zelnen Teilgebilde kein starkes Barometergefälle besitzen, so geht ihr Vorüberzug verhältnismäßig ruhig vor sich, und die Niederschläge fallen an­haltend gleichmäßig. So ging im Laufe des gestri- §en Tages in unserem Bezirk ein Landregen nie« er, der von 8 bis 17 älhr dauerte und 11 mm betrug, lieber dem Kanal sowie dem Nordmeer rücken weitere Kerne heran, welche vorwiegend wolkiges und vielfach regnerisches Wetter vorerst bringen. Die Teniperaturen, die bis jetzt durch das anhaltende Dorüberziehen der Störungen sich wenig geändert haben, halten weiterhin im wesentlichen ihren Wert.

Aussichten für SamStag: Wolkiges und regnerisches Wetter. Temperaturen kaum verändert.

Lufttemperaturen am 26. Juli: mittags 18,2 Grad Celsius, abends 16,7 Grad; am 27. Juni: morgens 18,6 Grad, MaximM» IV. Grgd, MMulA M