Ausgabe 
27.5.1930
 
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0er blaue Engel."

Lichtspielhaus Bahnhofstraße.

DieS ist ber stärkste und selbständigste Tonfilm, den die junge deutsche Produktion bisher ge­schaffen hat. Don allen Klcmgfilmen, wellhe seither hier vorgeführt wurden, ist dies der ein­zige. der künstlerisch vollkommen ernst zu nehmen und zu werten ist. Es steht auf einer Stufe, die die reifsten Schöpfungen der stummen Produktion in den letzten (Zähren innehatten, und welche der Tonfilm bisher noch nicht erreichte...

Wir haben denBlauen Engel" seinerzeit an­läßlich der Berliner Uraufführung bereits ange­zeigt! wir wiederholen kurz die wichtigsten Daten der Produktion. Der Film wurde nach dem RomanProfessor Unrat" von Heinrich Mann unter dessen Mitwirkung von Carl Zuckmayer und Karl Vollmoeller geschrieben. Das Drehbuch stammt von Robert Liebmann. Die Regie führte Iosef von Sternberg. Die Musi! komponierte Felix Holländer. Die Haupt­rollen spielen Emil Iannings und Marlene Dietrich.

Die ganz unmittelbare Wirkung dieses Ton­films beruht auf einem Doppeleindruck. Zunächst: ^r Ton im Film hat hier, zum erstenmal, seine Sensation verloren, seine vordringliche Selbstherr- seinen Reiz an sich; er ist organisch, natürlich und selbstverständlich geworden, in das G^üge des Ganzen einbezogen und über die technische Errungenschaft der Synchronisierung hinaus zu einer inneren Einheit mit dem Bilde verschmolzen. Die Dollständigkeitswut hat «iLX/a nton getraut sich bereits wieder Locher zu lassen und aus Klang und Laut- lostgkeit eine lebendige Modulation von erstaun­licher Wirkungskraft hervorzuholen.

Das andere ist die einsame und überragende Gestaltung des großen Menschendarstellers Ian- nings. der hier, mit seinem ersten Tonfilm, in der elementaren Fülle seines Schauspielertums ganz an die verpflichtende Tradition seiner besten früheren Leistungen wieder anknüpst wie sie demWeg alle- Fleisches' unvergeßlich sind.

Die Handlung ist wohl hinreichend bekannt.

Aus dem Zusammenstoß zweier fremden

Die Deckung des Defizits im Reichshaushalt.

Moldenhauers angebliche Oeckungspläne. - Auch das Notopfer wird erneut diskutiert.

zwei den weißrussischen Kommunisten und ein Mandat den Christlichen Demo­kraten. Der Regierungsblock hatte es vorge- aogcn, in beiden Wahlkreisen keine Kan- oidatenlisten aufzustellen. Er verlor hier­durch vier Sitze im Sejm und vier im Senat. Die Wahlbeteiligung sowohl in Wolhynien als auch im Kreise Lida war gering.

Graf Zeppelin" wieder in pernambuco.

P e r n a m b u c o , 26. Mai. (WTB.) Nach seinem 2500-Meilenslug nach Rio de Janeiro und zurück erschien derGraf Zeppelin" um 8.25 Uhr örtlicher Zeit über Pernambuco. Zwei Flugzeuge der Äero-Postal Co. umkreisten das Luftschiff, während es dem Landungsfelde zusteuerte. Zwanzig Minuten später wurden die Ankertaue abgeworfen. Die Landung verlief glatt. Die um 8.53 Uhr begon­nene Verankerung beanspruchte nur 17 Minuten. Eine begeisterte Riesenmenge umsäumte das Flug- seid. Der Rückflug von Rio de Janeiro erfolgte b e i besserem Wetter als der Hinflug. Mit den Vorbereitungen für den morgigen Weiterflug nach Havanna wurde sofort begonnen. Durch einen plötzlichen Windstoß wurde die Motor- gondel desGraf Zeppelin" so hart auf den Boden aufgestoßen, daß die Gon­delstützen brachen, ähnlich, wie im letzten Jahre in Tokio. Die Stützen konnten jedoch rasch wie­der ausgebessert werden. Die demGraf Zeppelin" zur Beförderung anvertraute P o st aus den verschiedensten Staaten Südamerikas hat ein Gesamtgewicht von über einer Tonne, was einem Markenverkauf von etwa 1 25000 D o l- l a r entspricht. DerGraf Zeppelin" wird morgen zum Weiterflug nach Havanna st arten. Die genaue Stunde des Abflugs wurde noch nicht bekanntgegeben. Das Luftschiff wird in Havanna nur kurzen Aufenthalt zum Zwecke der P r o v i a n t- aufnah me nehmen. Von Havanna aus wird der Graf Zeppelin" über die Bahamas nach L a k e - hurst fliegen. Eckener gedenkt, am 9.Juni wie­der in Deutschland zu sein.

Landungsvorbereitungen in Havanna und Lakehurst.

Reu York, 27. Mai. (WTB. Funkspruch.) WieTimes" aus Havanna meldet, wird das Lcrrdcs - Observatorium denGraf Zeppelin" während seines Cuba»Fluges mit Wettermeldun­gen versehen. Auf dem Flugplatz finden unter Zuhilfenahme eines etwa drei Meter langen Zeppelinmodells Landungsübungen statt. Man erklärt, die angekündigte Verwendung von Lastwagen für die Verankerung sei untunlich. Die Verwendung von menschlicher Kraft gestatte eine elastischere Handhabung gegen Windstöße. Wie aus Lakehurst (Rew Jersey) berichtet wird, soll bei der für Sonntag erwarteten Zeppe­linlandung der in der letzten Zeit ausprobierte bewegliche Ankermast verwendet wer­den, der die Einbringung des Luftschiffes in die Halle mit erheblich verminderter Landungs­mannschaft ermöglicht.

Oer Kreiheitskampf der Inder Schweres Blutvergießen an ver­schiedenen Orten.

London, 27. Mai. (WTB. Funkspruch.) Rach Meldungen aus Indien ist es dort gestern an verschiedenen Orten zu Blutvergießen gekommen. In Dacca wurden als Opfer der Zusammenstöße 30 Hindus und Mohammedaner ins Krankenhaus gebracht, sechs von ihnen sind dort gestorben. Eine Anzahl von Läden wurde geplündert und in Brand ge­steckt. Es sind Polizeiverstärkungen angeforoert worden, da im Laufe des gestrigen Tages noch dauernd Fälle von Plünderungen und Messer­stechereien zwischen Hindus und Mohammedanern vorkamen. Panzerwagen patroullieren die Stra­ßen ab. Die Unruhen in Bombay wurden, wie es heißt, dadurch veranlaßt, daß ein Mo­hammedaner mit Steinen nach dem Hund eines

Berlin, 27.Mai. (LRB.) Das Reichskabinett wird heule über die Deckung des neu entstandenen Fehlbetrags im Haushaltsplan beraten. Zu decken ist nach den Berechnungen des Finanzministeriums insgesamt ein Betrag von 7 3 7 Millio­nen. 3m Vordergrund stehen, so berichtet dieVoss. Ztg.", folgende Deckungsvorschläge: 210 Millionen als Dreivierteljahrserlrag aus einer Iprozenti- gen B e i l r a g s e r h ö h u n g in der Arbeits­losenversicherung, 90 Millionen aus den in der Arbeitslosenversicherung geplanten Erspar­nissen im Laufe von $ Jahren, 90 Millionen durch die Verlängerung des Kontingents bei der Zigaretten st euer aus fünf Jahre etwa 100 Millionen durch die Erhöhung der Umsatzsteuer um i v. h.» etwa 100 Millionen durch ein Rotopfer der Fe st besoldeten. Durch diese Vorschläge würde ein Betrag von etwa 590 Millionen aufgebracht werden können. Da man die Aufbringung des Restbetrages kaum durch eine weitere Belastung der wirtschaft versuchen kann, soll eventuell ein verkauf von Vorzugs­aktien der Reichsbahngesellschaft im Betrage von etwa 150 Millionen stattsinden.

Das Rotopfer der Fe st besoldeten ist geplant in Form eines 1 Oprozentigen Z u- schlags zur Lohn st euer unter Freilassung aller Lohnsteuerpflichtigen, die der Arbeitslosenver­sicherung unterliegen. Die Erhebung wurde gleich­zeitig mit dem Abzug der Lohnsteuer erfolgen. Bei den Steuerpflichtigen, die ein kombiniertes Einkom­men aus Lohn und anderen Arbeitseinkommen ha­ben, würde nur der lohnsteuerpflichtige Teil des Einkommens dem Rotopfer unterliegen. Lin Teil der Deckungsvorlagen soll die Form des Er­mächtigungsgesetzes erhalten, das der Re­gierung die Vollmacht gibt, Steuererhöhung in dem

patrouillierenden Polizeibeamten warf. Als der Polizist den Täter verhaften wollte, kamen andere Mohammedaner ihrem Glaubensgenossen zu Hilfe, was wiederum weitere Schutzleute an Ort und Stelle brachte. Da die Menge schließlich aus 6000 Personen gestiegen war, sah sich die Polizei genötigt, eine Anzahl von Revolverschüssen ab­zugeben. Ferner wird berichtet: Das Llntadi- lager der Freiwilligen bei dem Salzlager von DHarasan a wurde von der Polizei zerstört. Als die Polizisten mit ihrem Auto­bus davonfuhren, setzten sich die Freiwilligen in Reihen zu dreien und vieren in den Weg und mußten gewaltsam beiseite geschleppt werden, bevor die Bahn frei war.

In Rangoon kam es zu stundenlangen hef­tigen Straßenkämpfen zwischen strei­kenden Hafenarbeitern und Streik­brechern, die aus anderen Gegenden von den Arbeitgebern herbeigeholt worden waren. Be­rittene Polizei, die die Menge auseinander­treiben wollte, wurde mit Steinen be­worfen, wobei es mehrere Verletzte gab. Der Verkehr mußte eingestellt werden. Sämtliche Lä­den wurden geschlossen. Viele Omnibusse wur­den von der Menge beschädigt und Häuser mit Steinen beworfen.

Bei einem Zusammenstoß in Gujergarhi ist ein Polizist getötet worden. 3n Vabala haben 83 Freiwillige am Montäg einen weiteren Angriff auf das dortige Salzlager unternommen. 53 von ihnen wurden verhaftet. In der Rähe von Ahmedabad wurde eine Menge Freiwilliger bei der Rückkehr von einem Angriff auf das dortige Salzlager von berittener Polizei aufgehalten und zur Rückgabe des erbeuteten Salzes aufgefordert. Bei dem darauf entstan­denen Kampf wurden hundert Personen verletzt, vier davon schwer. In Bombay ist die Lage so ernst, daß die Einführung desKriegs- zustandes erwogen wird.

ihr zweckmäßig erscheinenden Zeitpunkt vorzuneh­men. Sobald die Vorschläge des Reichsfinanzmini­sters vom Kabinett genehmigt sind, wird eine Füh­lungnahme mit den Regierungsparteien stattsinden. Im Kabinett sollen die zur Deckung des Defizits erforderlichen Gesetzentwürfe noch vor Pfingsten ver­abschiedet werden. Im Reichstag werden sie nach der Pfingstpause zur Beratung kommen.

Auch am Reichstag soll gespart werden.

Statt auf lttttüv Stimmen erst auf 80 000 ein Reichstagsabgeordneler?

Berlin, 27. Mai. (ERB.) Wie der Demo­kratische Zeitungsdienst erfährt, ist im Reichs­finanzministerium ein vorläufiger Referenten­entwurf für das Ausgabensenkungsgeseh fertig­gestellt. Der Entwurf wird in der nächsten Zeit vom Kabinett beraten werden. Er sieht sehr einschneidende Maßnahmen im Hinblick auf den Behördenabbau und auf beamten­rechtlichem Gebiet vor. Weiter wird in dem Ge­setz auch der Vorschlag gemacht, die Zahl der Reichstagsabgeordneten zu vermin­dern, und zwar soll das geschehen durch eine Aenderung des Wahlgesetzes. Das bis­herige Wahlgesetz bestimmt, daß auf 60 000 Stim­men ein Abgeordneter entfällt. Rach dem Vor­schläge des Reichsfinanzministeriums soll erst auf 8 0 0 0 0 Stimmen ein Abg eordne- ter entfallen. Das würde bedeuten, daß nach den Ziffern der Reichstagswahl vom 20. Mai 1928 der Reichstag nicht 490, sondern, wenn die zersplitterten Parteien mitgerechnet werden, nur 384 Abgeordnete zählen würde. Es würde also eine Ersparnis von mehr als 100 Abgeord­neten bringen.

öer hessische Etat vor dem Landtag.

Präsident Delp eröffnet die Sitzung um 10.30 il^r zur Weiterberatung der Steuerkapitel. Abg. Dr. Leuchtgens (Lod.) tritt für eine Sen­kung der Ausgaben ein, weil mit einem Eingang der Steuersollsätze nicht zu rechnen sei. Bei dem bevorstehenden inneren Finanzausgleich mühten die Landgemeinden mehr be­rücksichtigt werden. Die Stadt Offenbach habe ihre Ausgaben derart gesteigert, daß sie zeitweilig ihren Kredit verloren gehabt habe. Bevor Gemeinden als notleidende bezeichnet wür­den, sei eine Rachprüfung ihrer Haus­haltsführung und die Ausschöpfung der Steuerquellen notwendig. Die Rot­lage des Baumarktes sei eine Folge der verkehrten Dau- und Lohnpolitik, die den Daukostenindex auf über 200 getrieben habe.

Abg. Lux (Soz.) hält die Lage keinesfalls für trostlos. Vor einem übertriebenen Abbau der Personalausgaben müsse er1 warnen. Auf die Hälfte des deutschen Volksvermögens ein Rotopfer von 2,5 v. H. erbringe eine Ein­nahme von 900 Millionen, womit alle Schulden Reich, Ländern und Gemeinden und das Ar­beitslosenproblem in befriedigender Weise ge­löst werden könne. Die freien Berufe soll­ten auch in die kommunale Gewerbe- ft e u e r e i n b e 3 o g e n werden. In Hessen habe man bei der Gebäude st euer den niedrigsten Steuersatz. Während z. B. Preußen 48 Pfennig pro 100 Mark erhebe,. verlange man in Hessen nur 12 Pfennig. Hier sei eine Erhöhung möglich, ebenso wie bei der Grund­steuer, der Gewerbesteuer und der Sondergebäudesteuer. Mit Steuerab­baumahnahmen könne die Wirtschaft nicht in Gang gebracht werden. Die öffentlichen Körper-

Welten der engen, tugendstrengen, geordneten Bürgerlichkeit und des hemmungslosen, ungeord­neten und unbedenklichen Komödiantentums entwickelt sich die Tragödie eines einsamen, un­geliebten und unbeholfenen Menschen, der aus der jähen Verwirrung und Lleberrumpelung sei­nes Gefühls, seiner Begriffe und seiner für un­umstößlich gehaltenen Anschauungen keinen Aus­weg mehr findet, nicht mehr zurück in seine ab­geschlossene, befriedete Bürgerlichkeit... der in der neuen und fremden Welt jeglichen Halt und jegliche Würde seines Amtes und seiner Persön­lichkeit verliert und Schritt um Schritt den bitte­ren Weg alles Fleisches gehen muh bis zum Wahnsinn und zu einem mitleidig erlösenden Tode.

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Professor Immanuel Rath entdeckt bei einem Schüler seiner Gymnasialklasse das Bild der Tingeltangeldiva Lola Lola, die imBlauen Engel" ein Gastspiel gibt. Er geht selbst in das zweifelhafte Lokal um ein paar Schüler beim verbotenen Besuch zu erwischen, gerät durch allerlei Zufälle, Mißgeschick und eigene Hilf­losigkeit in lächerliche und unmögliche Situa­tionen, verliebt sich sinnlos in die primitiv raffinierte Komödiantin, verliert fein Amt, hei­ratet die Lola und ist damit ihrem trüben und dumpfen Lebensbezirk verschworen und ... ver­loren. Er verläuft sich, kann nicht mehr zurück, er versinkt und versumpft, wird selber zum Komödianten, zum grell geschminkten Clown... Als sie nach Iahren wieder in seine kleine Stadt einkehren, in denBlauen Engel", wird er auf offener Szene mitten in seiner entwürdigen­den, armseligenRümmer" wahnsinnig, bricht heimlich aus, schleppt sich durch die vertrauten Gassen zur Schule zurück und fällt auf dem Katheder in seiner leeren Klasse tot zusammen. Das Glockenspiel der alten Rathausuhr singt ihm zum letztenmal die Melodie seines früheren Lebens...

©er Schauspieler Iannings durchmißt in diesem menschlichen Schauspiel eine unerhörte Skala t>on Ausdrucksmöglichkeiten. Er beherrscht die komischen und die tragischen Töne seiner Gestal­tung mit der gleichen Meisterschaft. Wenn er Vch morgens vor der ersten Stunde den Früh­stückskaffee eingieht, sich mit einem Zuckerwürfel anS Vogelbauer stellt und sich zum Fortgehen fertigmacht, dann ist er ein kleiner friedlicher Bürger wie jener Bankkassierer imWeg alles

Fleisches". Wenn er die Klasse betritt und über die blankgeputzte Brille hinweg die Bankreihen mustert, fühlt man sich in die Schulzeit und die Flegeljahre zurückversetzt und möchte sich hinter einem nicht vorhandenen Vordermann verstecken..

Wenn er die Schuldigen erwischt, ist er ein toben­der Tyrann, vor dessen Macht man zittert..., wenn er sich unversehens in der verlotterten Garderobe der Vorstadtdiva verlaufen hat und den billigen Künsten dieser Lola entwaffnet gegenübersteht, ist er ein hilfloses Kind und alsbald vom schmierigen Direktor devot begrüßt ein in feiner akademischen und männlichen Eitelkeit ge­schmeichelter Ehrengast...

Zuletzt, wenn man ihn, wüst verschminkt, auf die Hintertreppenbühne feiner Vaterstadt schleppt, ist er noch weniger als derletzte Mann" des Unternehmend, ein armer, verirrter und grenzenlos gedemütigter Mensch, dessen dumpfe Verzweiflung noch einmal in einem tierischen Schrei ausbricht, dann kommt das trostlose Ende.

Die Schauspielerin Marlene Dietrich war bis­her wenig beachtet worden; vielleicht hat sie auch nicht die richtige Rolle für ihre eminente Begabung gefunden. Der große Erfolg desBlauen Engels" hat sie mit einem Schlage in die vorderste Reihe I gestellt und ihr einen sehr aussichtsreichen amerika­nischen Vertrag eingebracht; ... hier spielt sie die Tingeltangeldame Lola Lola. Sie macht das mit einer fast primitiven Deutlichkeit und Realistik, die erstaunlich ist. Sie hat eine unbeschreiblich ordinäre Person darzustellen: sie kann es ... und es gelingt ihr dennoch, in ein paar winzigen Augenblicken, ein S echtes, ganz weibliches Gefühl durchbrechen zu

ii. Es wirkt weder sentimental noch unecht, son­dern so natürlich und gegenwärtig, wie wenn sie mit ihrer verdorbenen, harten, blechernen Stimme den eindeutigen Schlager ihres armseligen Lebens singt.

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Die Regie hat Sternberg, der sich seinerzeit mit demUnterwelt"-Film ausgezeichnet in Deutsch- lanb eingeführt hat. Er arbeitet ebenso großzügig wie feinfühlig; er gibt Atmosphäre, Milieu, Kon­trast und er läßt seine Darsteller sich ausspielen, in­dem er ihnen jebe mögliche Wirkung, ihre Eigenart und ihre Selbständigkeit wahrt, ohne irgendwann den Ueberblick über das komplizierte Gefüge des Ganzen zu verlieren.

schäften müßten die Initiative ergreifen, iml der Arbeitslosigkeit Herr zu werden.

Es werden dann die Abstimmungen über das Kapitel Bad Salzhausen eingeschoben. Dis Ausschußanträge werden vom Plenum gebilligt. Das Knegsblindenheim wird in Zukunft von der Kur- taxe befreit. Außerdem soll beim Reich ein vermehr, ter Zuschuß für die Kriegsblindenfürsorge in hessi- schen Badern, die auch außerhessischen Kriegsopfern zugutekommen, angefordert werden. Die für Bälle vorgesehenen Ausgaben sollen ebenfalls der Kriegs- blindenfürforge zugeführt werden.

Im weiteren Verlauf der Debatte wendet sich Mi- nifterialdirektor Schäfer gegen die Behauptung, die Regierung hätte die Höhe des Anlage- und Be­triebskapitals und des Gewerbeertrages so vor­sichtig geschätzt, um hohe Steuersätze herausrechnen zu können und dadurch,mittelbar eine Steuererhöhung herbeiführen können. Dieser Vorwurf sei unbegründet. Das Anlage- und Betriebsvermögen sei von der Regierung auf rund 688 000 000 Mark geschätzt worden. Die endgültige Veranlagung habe einen Betrag von 693 000 000 Mark ergeben, also nur eine Erhöhung um ? P^z, Der Gewerbeertrag fei auf 168 000 000 Mark ge­schützt worden. Die endgültige Veranlagung stelle sich auf rund 165 000 000 Mark, so daß hier also das Eegebnis sogar hinter der Schätzung zurückgeblieben sei. Bei der Berechnung des Steueraufkommens mußten aber auch die Ausfälle berücksichtigt werden. Diese Ausfälle wurden vom Landesfinanzamt auf 18,5 Prozent geschätzt, also von einer Reichsbehörde, die gewiß kein Interesse an der Schätzung aus finanzpolitischen Gründen hat.

Die Schätzung hat sich zwar als etwas zu hoch erwiesen, so daß das Aufkommen statt 7,2 Millionen Reichsmark rund 7,6 Millionen Reichsmark betragen hat. Die Schätzung des Auf­kommens weicht also vom tatsächlichen Aufkommen um etwa 5,5 v. H. ab. Diese Abweichung ist aber so geringfügig, daß man nur allen Gemeinden und auch dem Lande wünschen kann, daß alle Einnahmen in den Voi»anschlägen gleich genau seien. Man muß dabei berücksichtigen, daß es sich um die erstmalige Veranlagung auf neuer gesetzlicher Grundlage handelt.

Der Redner widerspricht sodann der Ansicht, daß dieErmähigungdesfürdenWoh- nungsbau zur Verfügung gestellten Betrages von 12 Mill, auf 10 Mill, mit den gesetzlichen Bestimmungen nicht im Einklang stehe. Gesetzliche Bedenken könnten jedenfalls dann nicht mehr bestehen, wenn der Betrag, wie es jetzt geschehen sei, auf 10,75 Millionen er­höht werde. Bei der Berechnung des für den Wohnungsbau zu verwendenden Betrages könn­ten nur die Mieten in Betracht gezogen werden, von denen wirklich Steuer bezahlt werde. Hessen habe aus Mitteln der Hauszinssteuer nach einer Reichsstatistik im Rechnungsjahr 1926/27 auf den Kopf der Bevölkerung 7,26 Mark verwendet, wahrend zwei andere größere Länder nur 3,44 Mark und 4,74 Mark für diesen Zweck verwendet hätten. Ein anderes größeres Land habe im laufenden Rechnungsjahr den für den Wohnungs­bau zu verwendenden Betrag um 40 Proz. gekürzt und den Gemeinden eine Verminde­rung um 12 Prozent vorgeschrieben, so daß auch dieses Land nunmehr auf den Kopf der Be­völkerung weniger verwende als Hessen. Der Redner weist ferner darauf hin, daß es nicht zweckmäßig sei, für die Besteuerung des Grund­besitzes die Einheitswerte zugrundezulegen, so­lange noch mit einer neuen gesetzlichen Regelung durch das Reich zu rechnen sei. und solange es nicht möglich sei, eine Steuer­senkung durchzuführen. Es sei zu befürchten, daß eine vorzeitige Aenderung in der ländlichen Be­völkerung noch größere Llnzufriedenheit Hervor­rufen werde.

, 2lbg. Axt (VRP.) wünscht eine Vereinheit­lichung der Steuergrundlagen. Das projektierte Rotopfer für alle Einkommen findet seine Zu­stimmung.

Abg. Schott (DDP.) verlangt zur Ingang­setzung der Wirtschaft fühlbare Steuer­herabsetzungen, insbesondere der Real st euer n.

Abg. Galm (Kom.) sieht in den Steuerträger reine Machtfragen. Um den Besitz steuerlich zu entlasten, lege man den Massen eine Steuer nach der anderen auf die schwachen Schultern.

Auch die Chargen sind einwandfrei besetzt; zu nennen sind vor allem G e r r o n (Zauberkünstler), Rosa Valetti (Guste), Albers (Mazeppa), W i n te r ft e i n (Schuldirektor), Husza r-P usfy (Wirt) und ein paar fabelhaft sicher umrissene Schü- lertypen (Rolf Müller, Va rno, Balhaus, Klein - Lörk).

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Alles in allem: eine große und wertvolle Lei­stung, technisch und künstlerisch; die erste, wirklich und auf der ganzen Linie gewonnene Schlacht der deutschen Tonfilmproduktion; die erste ganz unge­zwungene und deshalb überzeugende Verschmelzung der neuen Errungenschaften mit der Spielkultur und Regiekunst der Spitzenleistungen des stummen Films.r

Kunst und Wissenschaft.

Zehnjähriges Bestehen des Universilälsbundes Marburg e. V.

Der Aniverfitätsbund Marburg e. V. rüstet sich, sein zehnjähriges Bestehen festlich zu be­gehen. In schwerster Zeit erstanden, hat er inzwischen nicht nur seine Existenssähigkeit, son­dern zugleich' seine Leistungsfähigkeit erwiesen. Dank seiner schon seit zwei Iahren die Zahl von 3000 überschreitenden Mitgliederzahl hat der Bund von 1924 bis 1929 eine Summe von 74 500 Mk. den ihm vorgezeichneten Aufgaben der Unterstützung von Forschung und Lehre widmen können. Mit einem Vermögen von 180 000 Mk. tritt der Bund in sein zweites Iahrzehnt ein. Eine bedeutende Leistung im ersten Iahrzehnt war die Schöpfung des Iubiläumskunstinstituts, das der Llniversität bei ihrer Vierhundertjahr­feier 1927 übergeben werden konnte. Einschließlich des von der Stadt Marburg gespendeten großen Bauplatzes konnten beinahe Mill Mark für den Bau gesammelt werden. Heute bietet der Bau neben unschätzbaren Sammlungen, unter denen die hessi­schen Altertümer, die kunstgeschichtlichen Photo­graphien sowie die religionskundliche Sammlung voranstehen, neun wissenschaftlichen Instituten und Seminaren Unterkunft. Dank seinem Bestehen ist . , 9 gegründete neue preußische Forschungs­

institut für Kunstgeschichte nach Marburg gelegt und in engste räumliche, personale und sachliche Verdin- düng mit dem kunstgeschichtlichen Universitätsinstitut gebracht worden. Die Feier des 10jährigen Bc^ stehens findet am 14. und 15. Juni 1930 statt,