Ausgabe 
27.3.1930
 
Einzelbild herunterladen

inif[en lassen, die notwendig gewesen wäre, um jetzt die volle Autorität und Einigkeit gegen­über den Fraktionen anzusetzen. Der Eindruck ver­stärke sich, daß es jetzt zu spät sei, wenn eine Verständigung nicht gelinge, seien die Tage der Re­gierung gezählt. DieD o s s i s che Z e i t u n g" allein bezeichnet die politischen Wettervussichten als auf- heiternd.

Oer Haushalt der Arbeits­losenversicherung.

Berlin, 26. Mörz. (WTD.) Der Verwal- tungSrat der Reichsanstalt für Arbeitsvermitt­lung und Arbeitslosenversicherung verabschiedete den Haushalt der Reichsanstalt für dos Rech­nungsjahr 1930. Die Einnahmen aus den Beiträgen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer wurden aus der Grundlage der gesetzlichen Be- stimrnungen auf 9 2 0 Millionen Mark festgesetzt. 3m Hinblick auf die schwebenden Verhandlungen der gesetzgebenden Körperschaften wurde mitgeteilt, daß die Erhebung eines Bei­tragssatzes von 3,5 Prozent für das ganze Rech­nungsjahr einen Beitragseingang von etwa 1015 Millionen Mark, von 3,75 Prozent einen Bei­tragseingang von 1087 Millionen Mk. und von 4 Prozent einen Beitragseingang von 1160 Mil­lionen Mar! bedeuten würde.

Bei der Aufstellung der Ausgaben ging man von der Annahme aus, daß im Durch­schnitt für das Rechnungsjahr 1930 mit 1 200 000 Hauptunterstuhungsemp- fängern zu rechnen sei, doch war sich der Ver­waltungsrat darüber klar, daß angesichts der Lage des Arbeitsmarktes unter Umständen eine Erhöhung dieser Durchschnittsziffer ins Auge gefaßt werden müsse.

Bei dieser Durchschnittsziffer ergeben sich Ge­samtausgaben von rund 1266 Mil­lionen Mark. Da Einnahmen und Ausgaben bei der zu erwartenden hohen Zahl von Arbeits­losen nicht zum Ausgleich kommen, mußte auch für das Jahr 1930 die Inanspruch, nähme von Reichsmitteln zur Deckung des Fehlbetrages in Aussicht genommen werden.

Der Gesamthoushalt erhöht sich sowohl aus der Einnahme- wie aus der Ausgabeseite um rund 243 Millionen Mark durchlaufender Wittel, die im Reichshaushalt für die Krisenfür- sorge und zu Darlehen für d ie wert- schaffende A r b e i t s l o s e n f ür s o r g e vorgesehen sind. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Ausbau des Prüfungsdienstes zugewandt, von dem man sich neben der Er­zielung finanzieller Ersparnisse im Laufe der Zeit auch eine wesentliche Vereinfachung des Verwaltungsbetriebes der Lan­desarbeitsämter und Arbeitsämter verspricht.

Oie Schwierigkeiten der Reichsbahn.

Wie gespart werden soll.

Berlin, 26. März. (CNB. Eigene Meldung.) Zu dem Kommunique des Verwaltungsrates der Reichsbahngesellschaft von gestern abend wird der Reichsbahn in Kommentaren der Vorschlag gemacht, die yereinkommenden Anleihen zur Deckung des Defizits zu verwenden. Wie wir hierzu aus Reichs- bcchnkreisen erfahren, ist es aber ganz unmög­lich, laufende Ausgaben durch einmal hercinko in mendes Geld zu decken, lieber die Maßnahmen zur Deckung des Defizits in perso­neller Hinsicht erfahren mir, daß die Reichsbahn im Frühjahr diejenigen Betriebsarbeiter, die bei dem mangelnden Verkehr nicht beschäftigt werden können, zu Zeitarbeitern machen will, daß sic also zu diesem Termin keine Zeit­arbeiter ein st eilen wird. Die Zahl dieser Mitarbeiter beträgt jährlich über 40 000. Es sind Leute, die nicht das ganze Jahr hindurch beschäftigt werden können, sondern nur in den Hauptverkehrs­zeiten im Sommer Anstellung finden. Ferner ist vorgesehen, auch die Arbeiter in den Werkstätten in die Stellung von Zeitarbeitern zu bringen, do naturgemäß infolge des gering gewor­denen Verkehrs auch die Arbeit für diese sonst fest­angestellten Arbeiter sich vermindert hat. Es besteht hier die Schwierigkeit, daß diese Maßnahme in der Hauptsache gelernte Arbeiter betrifft, wie Schlos­ser, Maschinenbauer und ähnliche Berufe, die even­tuell ihrer Herabsetzung Widerstand entgegenstellen. Das wurde dann die Reichsbahn zu Entlassungen zwingen. Der. Oberbau kann infolge der man­gelnden Einnahmen nicht in dem vorgesehe­nen Maße a u s g e b'e s s c r t werden. Die vor­gesehenen Neubauten müssen finanziert werden durch Hereinnahme von neu e in Kapital. Die Neichsbahn hofft, durch die 250 Millionen Mark, die aus der Anleihe hereinkommen, in die Lage ver­setzt zu werden, die Neubauten durchzuführen.

Ein neuer Skandal in Berlin

Perlusle der 'Berliner Ltadtvcrwaliunq im lÄrnndstückshanbcl

Berlin. 26. März. <WTB.) Im Preußischen Landtag beschäftigt man sich in einem Ausschuß mit der Hntersuchung Gebrüder Sklarek und hat in Verbindung damit beschlossen, auch die An- und Verkäufe von G r u n b ft ü d c n durch die Stadt, die B. V. G. und andere Ge­sellschaften zu untersuchen und die Angriffe, die öffentlich gegen einzelne Personen erhoben wor- den sind, au prüfen. Der Magistrat Berlin hat ebenfalls Ermittlungen angeordnet, um Klarheit : i schaffet: über die erhobenen Angriffe gegen frühere und jetzige Mitglieder der städtischen Verwaltung. Der Kreis der Personen. d>ie bis­her angegriffen worden sind, ist sehr um­fangreich. Es handelt sich im wesentlichen um die Anläufe in Düppel, in Britz, Biesdorf, Io- baanisthai. Kladow, von Gelände an der Lands­berger Allee usw. sowie im Süden um Ankäufe in Schöneberg, Heberlassung von Gelände an städtische Baugesellschaften und um den Erwerb von Gütern, bei denen einzelne Perso­nen sehr viel verdient haben sollen. Auch die Gründung der städtischen Gesellschaft Be­rolina und die Anläufe von Grundstücken am Alcrandervlatz. in der Königstrahe usw. werden untersucht. QBic bei der Hntcrfudjung in Sachen Sklarct werden auch hier Personen mitverdäch- 'igt. die vermutlich nicht belastet sind. Fest steht 'doch schon, daß die Stadt bei mehreren Ge­ästen crfocblid) überfror teilt worden ist.

Mussolini unb Südtirol.

Innsbruck, 26. März. (TU.) Wie aus Sud^ tirol berichtet wird, hat der auf Anordnung Musso­linis von der Verbannung auf den Continischen Inseln befreite Dr. Julius (Ei euer, der mit

DerKultusetatim hessischen Jinanzausschuß

Darmstadt, 26.^. (WHP.) Der Finanz- ausschuß setzte die Etatsberatung bei Kapitel 62 (S tudienanstalten, Frauenschulen, nicht­staatliche Realschulen und höhere Bürger­schulen fort. Das Kapitel sieht 521 806 Mk. Aus­gaben vor und wurde gegen eine Stimme ge­nehmigt. Der sozialdemokratische Antrag, wegen der Staatszuschüsse für die nichtstaatlichen Real­schulen und bürgerlichen Schulen wird bis zur Beratung des Spargutachtens zurückgestellt.

Kapitel 62a (gewerbliche und kaufmän­nische Hnterrichtsan st alten) schließt mit 79164 Mk. Einnahmen und 552 942 Mk. Aus­gaben. Der Landbundantrag, die gewerblichen und kaufmännischen Hnterrichtsanstalten im Iahre 1930 zu ent staatlichen und den betreffenden Handwerks- oder Industrie- und Handelskam­mern zu überweisen, wird der Regierung als Material überwiesen. Von volksparteilicher Seite wurden jedoch Bedenken angesichts der gegen­wärtigen wirtschaftlichen Lage des Gewerbe­standes nicht unterdrückt. Die Regierung erklärte, daß bereits Besprechungen mit den Fachorgani- sationen über eine Beteiligung an den Hnter- richtsanstalten im Gange seien. Bei der Bespre­chung der Technika in Dingen und Friedberg erklärt der Regierungsvertreter, daß die Regie­rung allen Bestrebungen, die die Belange der beiden Institute durch Neuregelungen in den Rachbarländern gefährden könnten, entgegentreten werde, da es sich um bewährte und für die Sih- aeineinden außerordentlich wichtige Einrichtungei: handele. Ein sozialdemokratischer Antrag auf 11m- gruppierurrg in den oberen Beamtenstellen wird der Regierung als Material überwiesen. Das Kapitel selbst findet Annahme.

Ohne Debatte wird Kapitel 63 (Fortbil­dung der Lehrer an Volks- und höheren Schulen) mit 45 000 Mk. Ausgaben gebilligt. Bei Kapitel 64 (Jugendpflege) mit 70 200 Mk. Ausgaben für Jugendpflege. Jugend­bewegung und Förderung der Leibesübungen wird der Landbundantrag, der die Regierung.

ermächtigen will, 15 000 Wk. mehr ausgeben zu können, zurückgezogen. Es bleibt also für die Leibesübungen bei diesem Betrag. Kapitel 65 (Volksbildung) mit 33 865 Mk. Ausgaben wird einstimmig genehmigt. Ein Streichungs­antrag des Landbundes wird zurückgezogen. Der Ausschußvorsihende gab dabei der Anerkennung für die erfolgreiche Arbeit des Leiters der Zen­tralstelle für Volksbildung und Jugendfürsorge Ausdruck. - Bei Kapitel 66 (Förderung der Kunst) mit 43 500 Wk. Ausgaben wurde ein sozialdemokratischer Antrag, dem Hessi­schen Künstlertheater einen weiteren Be­trag von 5000 Wk. zu gewähren, abgelehnt. Die Regierung wird ausgefordert, ihren Antrag, für die Arbeit des bekannten Erfinders Jörg Wager in der Studiengesellschaft für elektro- akustische Musik in Darmstadt 5000 Mk. bereit­zustellen, in einer besonderen Vorlage einzu­reichen. Das Kapitel selbst findet Genehmigung.

Der Ausschuß beginnt dann noch mit der Be­ratung des Kapitels 67

tfnroerfiföf Gießen.

Das Kapitel schließt in Einnahmen mit 2 567 121 Mark und in Ausgaben mit 5 475 946 Mark (761 000 Mark mehr als im Vorjahre). Im An­schluß an einen Landbundantray, zusammen mit dem Lehrkörper der Universität über Einspa­rungen zu verhandeln, erklärt der Staatspräsi­dent, daß er eine weitere Ausgaben­senkung für außerordentlich schwie- r i g halte und daß unter dieser außerdem die Universität oder einzelne Aufgabenkreise not* leiden würden. Er glaube auch nicht, daß im einzelnen noch Senkungsvorschläge gemacht Nor­den könnten. Eine Ausgabenverminderung könne höchstens durch die Aufhebung einzelner Fakul­täten ermöglicht werden. Zur Zeit seien Ver­handlungen im Gange, um das Reich an un­serem vorbildlichen Landwirtschaft­lichen Institut in Gießen zu interessieren.

Severing verteidigt den Propaganda­feldzug gegen das Volksbegehren.

Nachtragsdebatte im Reichstag.

Berlin, 26. März. (V. D. Z.) Im Reichstag steht zur Beratung der R a ch t r a g s e t a t für 1929.

Abg. Schultz, Bromberg (Dnl.): In diesem Rachtragsetat wird die Rachbewilligung großer Wittel gefordert, die die Regierung ausgegeben hat zur Bekämpfung dcsBolksbcgeh- r e n s. Die Verbindung der fron Steuerzahlern aus allen polifischen Lagern aufgebrachten Mittel für solche Zwecke ist eine offensichtliche Verfassunasverletzung. Wem sind diese Propagandagelder denn zugeflossen? Die Zen­trale für Heimatdrenst soll doch ein un­parteiisches, neutrales Institut sein. Ich mache besonders das Zentrum darauf aufmerksam, daß diese Methode Schule machen kann. Man darf nicht die fron der Gesamtheit aufgebrach­ten Gelder verwenden zum Kampfe der Mehr­heit gegen die Minderheit. Die Katholiken sind eine Minderheit in der deutschen Bevölkerung. Was würde das Zentrum sagen, wenn ein neuer Severing die von der Gesamtheit aufgebrachten Gelder zum Kamps gegen den Katholizismus verwenden würde? Staatliche Einrichtungen dür­fen nicht zum Spielball politischer Parteien gemacht werden. lDeifall rechts, Lachen links.)

Abg. D. Schreiber (Ztr.): Würde einmal von einer Reichsstelle der Kamps gegen reli­giöse Jnstitufionen geführt werden, so würde das Zentrum sich auf das energischste wider­sehen. Abg. Schultz, Bromberg, aber hätte das, was er heute verurteilt, schon vor einigen Jahr­zehnten rügen sollen. Als das Zentrum antämpfte gegen den Ostmarkenfonds, gegen das Enteig­nungsgesetz. das uns heute noch international teuer zu stehen kommt, da Hot uns Abg. Schultz mit seiner Partei nicht unterstützt. Der Etat des Auswärtigen Amtes veranlaßt uns zu der drin­genden Mahnung, daß beim Auswärtigen Amt eine ganz gründliche Reform einsetzt nicht nur formalrechtlich, sondern auch in sozialer Beziehung. Das Auswärtige Amt muß verjüngt werden in einer Weise, die der ®e- samtbevölkerung unseres Reiches entspricht

Tieicfainnenminifter Severing:

Der Anerkennung für den Reichskommissar schließe ich mich an. Auf die Angriffe des Ab­geordneten Schulh-Bromberg habe ' ich zu er­widern, daß wir in der Tat 350 000 Mark aus dem Fonds zum Schutze der Re- publik haben zur Aufklärung der deutschen Öffentlichkeit über den Boung-Plan. Wir hät­ten eine grobe Pflichtverletzung begangen, wenn wir widerspruchslos die Agitation gegen die Politik der Reichsregierung hätten ins Land gehen lassen. Wir haben dabei weder die Deutsch­nationalen, noch die Rationalsozialisten genannt; denn das Volk wußte ja, wer hinter dem törich- ten Doltsbegehren stand. Abg. Schnltz-Brornberg stellt es so dar, als wäre eine solche Verteidi­gung der Regierungspolitik der Beschluß ist ja vorn ganzen Rcichskabinett gefaßt worden im alten Regime nicht möglich gewesen. Bis­marck hat aus Staatsmitteln große Summen ver­wendet zur Bekämpfung von Sozialdemokraten, Freisinnigen und Zentrumsleuten. Aus Staats­mitteln wurden 1884 große Summen verwendet zu Wahlflugblältern gegen die regierungsfeind­lichen Parteien.

Ahg. v. Freß tagh-Lorin ghoven (Du.) meint, die historische Parallele des Ministers Severing gehe schon deshalb völlig fehl, toci.1 die frühere Regierung nicht wie die jetzige eine

feiner Frau nunmehr zurückgelehrt ist, seinen frühe­ren Posten als Gemeindearzt in Steinhaus im Ahrntal m i e d c r a n t r e t c n können. Es wurde ihm auch die frühere Wohnung wieder eingeräumt. Wie es heißt, haben die lokalen f a f z i ft i f ch e n Organisationen der Wiederkehr Dr. (Kieners Schwierigkeiten in den Weg legen wollen. Auf höheren Vefehl mußten sie jedoch davon ab sehen. Die Rückkehr des beliebten Arztes in feine Heimat gestaltete sich zu einem wahren Triumph. Zlig durch das ganze Ahrntal.

aus Parteien zusammengesetzte parlamentarische war. Der Erfolg der Regierungsagitation ist von Minister Dr. Curtius selbst sehr un­günstig beurteilt worden. Dr. Eurfius hat zugegeben, daß die Regierung in der Ver­teidigung des Voungplanes zu weit gegan­gen sei und damit außenpolitischen Schaden angerichtet habe. Wir müssen von der Regierung Aufklärung verlangen über den krassen Wider- spruch. der besteht zwischen den Erklärungen der deutschen Hnterhändler und den Erklärungen, die der französische Ministerpräsi­dent T a r d i e u in der Kammer über die Sank- fionsmöglichkeiten aus dem QZoungplan abgegeben hat. Tardieu hat betont, daß die französi­schen Sanktionsrechte fortbestehen und daß Deutschland zu ihrer Anwendung seine vorgängige und bedingungslose Zustimmung gegeben hat. Auf die Frage eines Abgeordneten, ob auch die Wiederbesehung des Rhein­landes darunter zu verstehet sei, hat Tardieu geantwortet, die Handlungsfreiheit Frankreichs bleibe vollständig erhalten. Hafer erstes Aus- klärungsverlangen ist nicht erfüllt worden. Rach- dem Tardieu jetzt vor der Kammer seine Erklä­rungen wiederholt hat. müssen wir von un­serer Regierung völlige Aufklärung fordern, da­mit das deutsche Volk nicht blind in den Qlbgrund taumelt.

Abg. fr. Lindeiner-Wildau (Ehr.-Rat. QI.-®.): Der Rachtragsetat erhöht alle diejenigen Positionen, von denen im ursprünglichen Etat Abstriche beschlossen waren. Er hebt also die Kontrollarbeit des Reichstages am Etat wieder auf. Die Regierungsagitation gegen das Volksbegehren hat die Grenzen einer Qlufklärungstätigkeit weit überschritten und der inneren Befriedung nicht gedient. Das Rundsunkwesen leidet an einer Heberorga­nisation und wird leider so einseitig beein­flußt, daß sogar ein Zentrumsredner erklärte, unter den Darbietungen des Rundfunks leide die Kindesseele. Angesichts der jähr­lichen Einnahmen von 100 Millio­nen brauchten den Minderbemittelten nicht mehr eine jährliche Gebühr von 24 Mark für die Rundfunkbenutzung abgenommen zu werden. Ist es richtig, daß am 1. Mai alle deutschen Sender anderthalb Stunden für die Hebertragung einer Maifeier reservieren sollen?

Abg. Bernhard (Dem.): Der Abg. von Freytagh-Loringhoven hat nicht erwähnt, daß der französische Ministerpräsident Tardieu sich für seine den deutschen Interessen so abträgliche Auslegung des Poungplanes berufen hat auf den bekannten deutschen Völkerrechtslehrer Abg. von Freytagh-Loringhoven. Ich konnte es ver­stehen, wenn im Kampf um den Poungplan der Abg. fron Freytagh-Loringhoven rücksichtslos sei­nen Standpunkt frertrat. Dafür aber habe ich kein Verständnis, wie er jetzt nach der Ent­scheidung noch in dieser Weife den französischen Standpunkt stützen kann. (Qlbg. Graf von Westarp:Er hat doch Tardieu zitiert!") Ja, mit unverhüllter Genugtuung. (Lauter Wider­spruch rechts.)

Damit schließt die Aussprache. In einer per­sönlichen Bemerkung weist Qlbg. von Frey­tagh-Loringhoven (Du. > den Verdacht zu­rück, das; er mit seinen Ausführungen den fran­zösischen Standpunkt stützen wollte. In der A b ft i m m u n g werden unter Ablehnung von Aenderungsanträgen die Rachträge zum Haus­halt bewilligt.

Aus aller Welt.

(Ein Experiment Marronis.

Das Experiment Marronis, die Lampe n der Elektrotechnischen Ausstellung in Sidney, Australien, von feiner vor Genua liegenden JachtElektra" aus anzuzünden, ist voll­kommen gelungen. Die von derElektra" ausgesandten Wellen wurden in Dorchester aufgefangen und non Grimsby drahtlos

nach Australien übertragen. Sie wurden in Viktoria ausgenommen und nach dem Rathaus fron Sidney weitergeleitet, wo die 3000 elektrischen Lampen hell aufflammten. Mehrere Journalisten traten von Marronis Jacht aus mit Kollegen in Sidney in Verbin­dung

General, Bürgermeister und Ehaufieur als Lebensretter.

lieber die dramatische Rettung einer Lebensmüden aus dem Berliner Landwehrkanal wird folgendes bekannt: Drei Männer haben ihr Leben eingesetzt, um eine Selbstmörderin, die sich von der Liech­te n st e i n - B r Ü ck e im Tiergarten in den Land­wehrkanal stürzte, zu retten: ©eneralleutnant von Stülpnagel, der Äominanbeur der 3. Di­vision und Befehlshaber im Wehrkreis 3, der ehe­malige Lichtenberger Bürgermeister und deutschnationale Reichstagsabyeorbnete Dr. Ma- retzki und der Chauffeur Willy Hahn. General­leutnant von Stülpnagel und Dr. Maretzki, die sich auf dem gewohnten Morgenritt befanden, passierten kurz vor 10 Uhr zu Pferde die Liechtenstein Brücke, als eine junge Frau sich plötzlich über das G e - Länder schwang und in den Fluten versank. Beide Herren sprangen vom Pferd unb stürzten sich ins Wasser. Gleichzeitig war ein dritter Retter, der Chauffeur Willy Hahn, vom Ufer aus ins Wasser gegangen und hatte den Rettungsring mit­genommen. Den drei Männern gelang es, die Selbftt Mörderin zu packen unb ihr den Rettungsring über­zuwerfen. Sie wurde an Land gebracht unb vom Rettungsamt in Pflege genommen.

Schneefiurm in Ehitago.

Der Verkehr wischen dem Staate Illinois und den Nachbarstaaten ist durch einen schwerenSchnee- st u r m stark behindert worden. Der Blizzard für derte auch drei Todesopfer. Außerdem mur den zahlreiche Straßenpasianten verletzt. Eine Zir­kusmenagerie kam durch das Unwetter in ernste Ungelegenheiten. Da die durch das Unwetter er­schreckten Tiere sich überallhin verkrochen, benötigten sie nicht weniger als 200 Mann zum Ausladen. Die Einwohner der Stadt hatten Mittwochvormittag große Mühe, ihreArbeits stellen zu erreichen, da in den Straßen infolge des schweren Schnee- sturmes der Schnee so hoch lag, wie das Jeit Menschengedenken" nicht zu verzeichnen war. Mit- tags erreichte die Schneedecke annähernd eine Höhe von 50 Zentimeter, und in den Geschäftsvierteln zwischen den hohen Wolkenkratzern häufte er sich stellenweise meterhoch. In den Schulen fiel der Unterricht aus. Während der Nacht hatten wegen der starken Kälte mehr als 1000 Obdachlose Zuflucht in den Polizeistationen gesucht

Eine Falschmünzerei nach fast 2000 Zähren entdeckt.

Vor einigen Tagen fand man in Trier in einem römischen Brunnen, der bei Kanal­arbeiten aufgedeckt wurde, eine ganze Anzahl von Gußformen römischer Denarprä- g u n g c n aus dem Anfang des dritten Jahr­hunderts n. Ehr. Der Fund bestand in etwa 200 Blättchen aus schwarzem, anscheinend ver­branntem Ton, die mit Schutt und Abfall in den Brunnen abgeräumt worden waren. Rach den mitgefundenen Stücken eines Estrichbodens ist on- zunehmen, daß in der Rähe des Fundortes ein römisches Haus gestanden hat, das in der Zeit vor dem Jahre 260 durch den Einfall der Ale- mannen unb die Zerstörung Triers in Schutt unb Asche sank. In mehreren Formen fanden sich noch die Gußstücke vor, die aus Bronze be­standen, während die Prägestöcke zur Herstellung von Denaren, also Silbergeld, verwandt wur­den. Aus dieser Feststellung ergibt sich, daß es sich bei dem Fund aus römischer Zeit um das Handwcrlsgerät von Falschmünzern handelt, zumal um die Zeit, in welche die Fund­stücke weisen, in Trier eine amtlicheMünz- stätte nicht bestand. Man hat eS also mit dem wohl einzigartigen Fall zu tun, daß nach fast 2000 Iahren eine Falschmünzerwerkstatt durch Ausgrabungen einwandfrei entdeckt wurde.

Oie Wetterlage.

shavtr

Ihn:

imtxr

CZjnja;

MitWoch. .März. 1930,7

Qwonenito O ntner. a naib bedeext.a woixio. < bedecit

* Schnee »Graupeln e Nebel K Oewit'^r,©windstille.O'se» ttichte- Os» -nissige' Südsüdwest q MOrmodiC' Nordwest Ole Piene nlegen mn dem winde. Pie bei den Stationen stenenden Zah­ler. geben die Temperatur an. Oie Linien verbinden Orte em .gleiche® eu« Mreresniveau umocrechnete» Luftdruck

Wettervoraussage

Die nördliche Störung, welche ostwärts nach Polen weitergezogen ist, verursacht durch den Zu­strom kühler Luft über Deutschland veränderliches Wetter mit vereinzelten Niederschlägen. Der hohe Druck irn Südwestcn, der noch seine gestrige Lape und Stärke behauptet, hat seinen Kern mehr keil­förmig über Frankreich ausgebreitet. An der Nord- feite des Hochs kommt es in Verbindung mit der neuen Nordmeerstörung zum Herantransport milder ozeanischer Luft. Sie wird uns wieder mehr Be­wölkung, sowie leichten Temperaturanstieg bringen.

Wettervoraussage für Freitag. Be­wölkt, auch dunstig, bedeckt, wieder etwas milder | unb vereinzelte Niederschläge.

Witterungsaussichten für Samstag. Bewölkung mit Aufheiterung wechselnd, leichter Tempcraturrinfganfl.