Ausgabe 
26.6.1930
 
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e er eine

Mrlschastsdeballe im Hessischen Landtag

setzten Gebietes angenommen. Die Regierung ob möge erneut die Abwässer der oberhessischen V

mit Kombinationsgenie und kaltem Willen, ohne Romantik und Rerven.

Hier log der Ansatz zu einer wirklichen Gestalt: ober sie entgleist, weil sie unglaubhaft angelegt ist, zu einer Lustspielmarionette, die gehorsam an den vorschriftsmäßigen Fäden tanzt.

Wenn man so ein internationaler, skrupel­loser Rapoleon ist, dann stiftet man keine Ehen in zweifelhaften Tanzdielen, man reist nicht ohne Grund in der Gegend umher, man ist nicht von heute auf morgen Pleite, man fällt auch nicht vor einer rausgeschmissenen Stenotypistin auf die Knie und man saniert sich nicht so im Hand­umdrehen.

Abg. Lang (3.) fordert stärkere Fürsorge für das Handwerk.

Minister Korell erklärt, er könne der Opposition wohl keinen schlimmeren Streich spie­len, als wenn er morgen nach der Genehmi­gung des Etats das Ministerium auflösen werde. (Zwischenruf: Tun Sie es doch nur!) Ich glaube, so erklärt der Minister, daß eine Preissenkung ohne staatlichen Zwang nicht durchführbar sein wird. Bei den oberhessischen Kraftwerken werden neue Maßnahmen zur Beseitigung der Aebel- stände vorgenommey.

Kro'twerke untersuchen lassen. Wenn Deutsch­land schon Reparationen leisten muß, sollten Frankreich nicht auch noch Arbeitskrä.te ge­liefert Werden.

Abg. Donat (Dem.) wendet sich gegen die geplante Aenderung der Krankenversicherung^Die Arbeitslosenversicherung müsse sich wie jede Pri­vatversicherung s e l b st tragen.

Abg. Kunkel (D.B.) kritisiert die Einschrän­kung -des Wohnungsbaues. Rotwendig sei die Erstellung billiger Wohnungen.

Ein freundlicher, glatter Erfolg im sommer­lichen Kurhaussaal. Der Autor war durch Krank­heit am Erscheinen verhindert. Statt seiner kam Tannert mit dem Ensemble an die Rampe, dankte und versprach, Rößlern ein Telegramm zu schicken, daß die Schlacht gewonnen sei. hth.

Diese Tatbestände sind immerhin so kompli­ziert. daß es nicht ganz leicht ist. die Rosinen herauszupicken. (Die Handlung einfach nacher­zählen ist fast immer langweilig, umständlich. Platz raubend, und sollte nicht in die Aufgabe der Kritik eingeschlossen sein.)

Die Rosinen also: es handelt sich hei diesem Stück um die Geschichte einer großen Pleite, einer gesunden Fusion und zweier Verlobungen. Eine kürzere Formel steht unS heute nacht nicht mehr zu Gebote.

Das Stück wäre besser, wenn e« klarer in der Linienführung und Szenenfolge wäre und wenn es weniger (und dafür wahrscheinlichere) Per­sonen hätte.

Man sieht da also vor allem einen starken Mann unserer geschäftstüchtigen Zeit, einen kleinen Rapoleon der großen Industrie, einen Ge­waltherrscher über wuchtigen Aktienpaketen. Er hot keine Zeit. Sein Geschäft ist sein Gott, und eS duldet keine andern Götte» neben sich. Ain Kerl

Uraufführung in Vad-Aauheim.

Carl Rößler: ,Hch habe keine Zeit...!"

Rößlers Verdienst waren und bleiben Die fünf Frankfurter",... ein Stück mit Herz und Humor und mit Sinn fürS Theater. Dies letztere schloß nicht aus: mit einem Abglanz vom wirklichen Leben; lustspielmäßig natürlich, wie sichs gehört.

Aber eben dieser Schimmer von Wirklichkeit, der zum guten Lustspiel gehört, ist es, was das neue Stück am wenigsten besitzt; hatte das alte Herz und Humor, so hat das neue Tempo und Witz; aber es macht vom überlieferten Vorrecht seiner Gattung unwahrscheinlich zu sein. mehr Gebrauch, als für eine gute Kritik wün­schenswert wäre.

Dies neue Stück handelt, wovon die meisten Lustspiele handeln: von Geld und Liebe. Richts Reues unter der Sonne und im Rampenlicht. Aebrigens, wie man hört, nach einer Idee vom allzusrüh verstorbenen Sling. An ihn erinnern die heiter eingestreuten Paragraphen des Straf­gesetzbuches. Sonst kann man natürlich nicht wissen, was von Sling, was von Röhler ist; man muß sich an die Tatbestände der drei Akte halten.

Allein bleibt, einsam, unverlobt, unbeweibt: der kleine Rapoleon. Angehört verhallt sein Ruf:Eine Frau, eine Frau!", den der größere Rapoleon vor der Schlacht bei Marengo aus- gestoßen haben soll. Man versteht daS nicht recht und kann auch kein Mitgefühl aufbringen, wenn man bedenkt, wie leicht einem so mächtigen Manna ein so bescheidener Wunsch erfüllt werden könnte. Aber so ist daS Lustspiel. Es begnügt sich damit, daß der Mann ohne Zeit und ohne Frau ge­schäftlich wieder gesund geworden ist. Zwei junge Paar« und «tu prächtige» Konzern! daS ist daS

Das Urteil

Rach der Mittagspause wurde das psychia­trische Gutachten von dem Direktor der Landes­heilanstalt Marburg, Professor Dr. Iahrmär- ker, abgegeben. Der Angeklagte habe in einem Dauer affett gestanden, der ihm die genügende ikberlegung im entscheidenden Moment geraubt habe. Der § 51 StGB, komme nicht in Betracht, jedoch seien wesentliche Wilderungs- gründe anzuführen. Der Vertreter der An­klage, Erster Staatsanwalt Ludwig, ließ die An­klage wegen Mordes mit Lieberlegung fallen und beantragte wegen Totschlags eine Gefäng­nisstrafe von vier Iahren mit Zuerkennung von mildernden Arnständen. Das Schwurgericht er­kannte mit Zuerkennung mildernder Arnstände und Anrechnung der LIntersuchungshaft auf drei Iahre Gefängnis.

Prokurist beim Rapoleon ist ein blutjunges Bürschchen (das kommt sogar in großen Betrieben vor) der hat es mit dem rausgeschmissenen Tippfräulein. Lind er kriegt sie auch. Oder viel­mehr: sie ihn. Rach bewährtem System: sie,ein anständiges Mädchen", benimmt sich solange vor­bei, bis dem jungen Mann die Geduld reißt. So ist das Leben.

Kassel. 25.Juni. (WSN.) Dor dem Schwur­gericht in Kassel begann unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Bachmann die Verhandlung gegen den 22 Jahre alten Polizeiwachimeister Wil­helm Wille aus Frankfurt a. M. Bekanntlich hat Wille am 9. Januar d. I. den Weißbinder Johan- nes Claus in Niedermöllrich erschösse n. Wille erklärt auf die Anklage, die ihm vorsätzliche Tötung vorwirst, daß er seit dem Tode seines Vaters am 5. September 1927, den der junge Heinrich Claus erschossen hatte, nicht mehr von dem Gedanken los­kam, an dem alten Claus Rache zu nehmen. Cr habe mit großer Liebe an seinem Vater gegan­gen, weshalb es ihn außerordentlich erschüttert habe, daß cr den Familienstreitigkeiten bei Claus zum Opfer fallen mußte. Der alte Claus sei genau so schuld wie sein Sohn, weil er geduldet habe daß Waffen im 5) a u f e waren, und weil er sich ge­weigert habe, die Waffen herauszugeben. Er habe immer den Gedanken gehabt, cr müsse an Claus Rache nehmen. Am 3. Januar d. I. hatte er die Polizei in Frankfurt a. M. ohne Urlaub verlassen, inar am 9. Januar nach Kassel gekommen und am Abend nach Niedermöllrich gefahren. Im Hause des Claus hatte er nach diesem gefragt, und als der alte Claus im Türrahmen erschienen war, habe er, Wille, gerufen:Jetzt rechnen wir miteinander ab! Darauf habe er die Pistoleaus der Tasche gezogen, auf die Brust des Claus gezielt und habe geschossen. Nach der Tat hab - große Ruhe empfunden. Er habe gedacht, daß das Geschehene nach dem Gesetz nicht richtig sei, von seinem Standpunkt aus sei es aber richtig gewesen. Nach der Tat begab sich Wille nach Gensungen, wo cr sich dem Oberlandjäger Mayer stellte.

Berlin, 25. Iuni. (D. D. Z.) In der Mitt­wochsitzung des Reichstages wurde der Haus­halt des Reichsernährungsministeriums nach wei­terer Aussprache, in der die große Spanne zwi­schen Erzeuger- und Verbraucherpreisen bemän­gelt und die Herabminderung des Einfuhrüber­schusses an ausländischen Lebensmitteln gefor­dert wurde, angenommen. Der kommunistische Mihtraucnsantrag gegen Minister Schiele wurde gegen die Antragsteller abgelehnt.

Es folgte die zweite Beratung des Haus­halts des Auswärtigen Amts. Hierzu lag ein Mißtrauensantrag der Deutschnatwna- len gegen den Reichsaußenminister Dr. Curtius vor. Der Ausschuhberichterstatter Abg. von Freytagh-Loringhoven (Dntl.) teilt mit, daß der Ausschuß am Etatl85000Mk. gestrichen habe und daß der Minister sich verpflichtet habe, darüber hinaus 4 8 0 0 0 0 M k. im Per­sonaletat z u ersparen.

ReichSauhenminister Dr. Curtius

Rapoleons schlimmste Konkurrenz, sein giftigster Gegner, sein intimster Feind, hat eine Tochter; die ist, wie man sich die Millionärstöchter (in Lustspielen) nachgerade vorzustellen gewöhnt hat: sie geht ebenfalls in obskure Lokale, sie hat das dringende Bedürfnis, sich und andere zu kompromittieren, sie macht sich an die Kon- "kurrenz ran und verlobt sich wahrhaftig mit dem schönen, armen Gigolo aus der Tanzdiele. Der war österreichischer Offizier,als es noch hell war", und hört auf den romantischen Iean Paul-Ramen Wunsiedel.

Besorgnis haben zu müßen, als am Lande. Denn die schwimmenden Ozeanriesen, die in unseren Ta­gen den Verkehr zwischen den Erdteilen vermitteln, tragen auch in ihrer medizinischen Einrichtung allen Eventualitäten sorgfältigst Rechnung, und während derewige Schiffsarzt" vergangener Zeiten in nicht eben erfreulicher Erinnerung lebt, lastet auf dem Dordmediziner eines modernen Ozeandampfers nicht geringere Verantwortung als auf seinen vielbeschäf­tigten Kollegen am Lande. Er muß gewtstermahen Facharzt für alle Krankheiten sein, denn er kann ja seine Patienten nicht einfach zum nächsten Spezia­listen oder in die chirurgische Klinik schicken, sondern einzig und allein von seinem Können und seinen Entschlüßen hängt das ärztliche Wohl der Hunderte oder gar tausende ihm anvertrauten Mannschaften und Passagiere ab. So muh er über ein den Durch­schnitt überragendes, universelles ärztliches Wißen verfügen, muß in der Unfallchirurgie bewandert fein, muh besonders gut mit Infektionskrankheiten und ihrer Bekämpfung vertraut sein, die bei dem engen Zusammenleben an Bord unter Umständen eine höchst gefährliche Rolle spielen können. Gr muh auch mit Tropenkrankheiten und ihrer sachgemäßen Be­handlung Bescheid wißen, muß Frühgeburten und Geburten versorgen, Blinddarmentzündungen und Brüche operieren und tausend weitere ärztliche Ver­richtungen ausüben können, für die dem Kollegen an Land Spezialisten und Krankenhäuser zur Ver­fügung stehen.

Die Reedereien der großen Uberseelinien unter­stützen den Schiffsarzt nach allen Kräften in seinem schwierigen und umfaßenden Beruf. Sie stellen ihm Assistenten, Heildiener und Krankenschwestern, alle« modernste ärztliche Rüstzeug, neuzeitlich zusammen­gestellte komplette Operationsausrüstungen, eine reichhaltige Apotheke, Höhensonne, Langwellstrahl­apparate, Licht- und sonstige Bäder, auf den neue­sten Luxusschiffen sogar schon komplette Röntgen- einrichtungen zur Verfügung. Und während man früher vielfach den bisweilen durchaus berechtigten Einwand hören konnte, der Schiffarzt könne doch nichtauf der Höhe" bleiben, da er ja durch den fehlenden Konnex mit der Wissenschaft am Lande die Gelegenheit entbehre, sich weiter zu bilden, ge­hen heute die großen Reedereien dazu über, die Ärzte ihrer Ubersee-Paßagierschiffe nach einer ge­wißen Fahrzeit für einige Monate nach einer Uni­versitätsklinik zu beurlauben, damit die seefahrenden Iünger Aeskulaps dort ihre Kenntniße auffrischen und daS inzwischen von der Wissenschaft neu Ent­deckte hinzulernen können. Dr, G. V«

aus sachlichen und finanziellen Gründen gerecht­fertigt sei. Das hätten auch die Ausführungen des Ministers nicht widerlegt. Der Wirtschaft dürften für staatliche und soziale Ausgaben nicht mehr Mittel entzogen werden, als aus der Rente möglich fei, weil sonst die Sozialfürsorge sich selbst ihre Basis untergrabe, Erfreulicherweise ist jetzt zum erstenmal ausgesprochen worden, daß wir mit einer starren Rominal-Lohnpolitik nicht mehr durchkommen. Der steigende Ausfuhr be­ruhte zum großen Teil auf Zwangsverkäufen angesichts der gesunkenen inneren Kaufkraft. Durch Senkung der Preise und Löhne wer­den wir unsere Konkurrenzfähigkeit verbessern. In der sozialen Versicherung sollten wir das Moment des persönlichen Interesses stärker ein­schalten. Die Auswüchse in der Arbeitslosenver­sicherung seien doch nicht so vereinzelt, wie es der Minister darstellte. Die Rettung Deutschlands ist eine Frage der Zusammenfassung aller Kräfte ohne Parteipolitik und ohne Interessenpolitik.

Abg. Dr. Werner (Rats.) fordert Verringe­rung der Zahl der Ministerien. Gerade rechts orientierte Reichsregierungen haben sich des be-

feiner Gründung auf sich genommen haben.

Sin großer Teil unserer künftigen politischen Aufgaben ist im Osten zu suchen. Erhebliche Beunruhigung haben in der Oesfentlichkeit die deutsch-volnis che n G r e n z z wischen­fälle hervorgerufen. Mit Entschiedenheit müssen gewisse Auslandstimmen zurückgewiesen werden, daß solche Zwischenfälle von deutscher Seite systematisch provoziert würden, um die Aufmerk­samkeit auf die Grenzverhaltnisse im Osten hin- zulenken. Wir haben es nicht nötig, solche Mittel anzuwenden, um Grenzverhältnisse zu beleuch­ten, über die sich jeder Verständige längst im klaren sein muß. Der Minister verteidigt dann den Handelsvertrag mit Polen und sucht die Bedenken hinsichtlich der Schweine- und Kohleneinfuhr zu zerstreuen.

Die Aussprache.

Abg. Dr. Breitscheid (Soz.) gibt gleich- salls seiner Genugtuung über die bevorstehende Rheinlandbesreiung Ausdruck. Deutschland brauche jetzt nicht mehr zu fragen, welchen Ein­fluß feine Schritte auf die Besetzung ausüben. Trotzdem dürfe in der grundsätzlichen Außen­politik Deutschlands keine Aenderung eintreten. Kein (Staat habe mehr Interesse am europäi­schen Frieden als Deutschland. Der Redner tritt dann für größere Sparsamkeit im äuße­ren Dienste ein. Die Repräsentation werde oft übertrieben.

Abg. Frhr. v. Freytagh - Loringhoven (DN.) erklärt, wenn man unsere Gcsamtvertrctun- gen mit denen Englands vergleiche, so koste die Ver­tretung in der Schweiz uns 661000, England da- gegen nur 336 000 Mk. Auch die vom Auswärtigen Amt angekündigte Denkschrift werde die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß Deutschland mit alleiniger Ausnahme von Nordamerika in der gan­zen Welt die größten Ausgaben habe. In Europa bilde sich immer deutlicher eine Front der Revisionisten und der Antirevisionisten. Es bestehe die Gefahr, daß wir uns in das Lager der letzteren abdrängen lassen. Hier sei vielleicht unsere letzte Chance, aber seine Partei habe nicht das Vertrauen zum Minister Curtius, daß er sie nutzen werde. Deshalb und wegen der verschwenderischen Wirt­schaft des Auswärtigen Amtes bringe sie einen M ißtrauensantrag ein.

Abg Ulihka (Zen.) betont, daß Deutschland das Zusammenwirken mit allen Völkern brauche, um die Weltwirtschaftskrise zu überwinden. Unter diesem Gesichtspunkt seh« seine Partei auch das Memorandum Briands. Ein engerer Zusammen­schluß der Völker Europas wäre nur zu begrüßen. ' Man könne nicht von vornherein diese Vor­schläge ablehnen. Mit Mißtrauen müsse man allerdings der Auslegung gegenübertreten, die Briand seinem Memorandum kürzlich in Genf gegeben habe. Aie Grenzzwischenfälle mit Polen' seinen bedauerlich, kämen aber nicht auf das Schuldkonto Deutschlands. Deutschland wolle seine Ostgrenze nicht mit Gewalt ändern. Es erwarte die Aenderung von der künftigen Entwicklung.

Abg. l). Mumm (Dnl. A.-G.) begründet die Interpellation, die sich gegen die russischen Christenverfol gungen richtet. Es han­dele sich hier nicht um die Angelegenheit eines einzelnen Landes, sondern um eine Rot der gesamten Christenheit. Wie man dereinst die Stimme gegen die armenischen Greuel erhoben habe, müsse man jetzt auch Front gegen die Greuel in Rußland machen.

Oie Blutrache des Schutzpolizisten

Die Tat von Niedermöllrich. - Oer Angeklagte Wille zu drei Zähren Gefängnis verurteilt.

Deutschlands neue Außenpolitik.

Außenminister Curtius vertritt den Etat vor dem Reichstag. **

Endergebnis, über dem sich mit einer hübschen Theatergeste der Vorhang schließt.

*

Es wurde sehr sauber und sehr animiert ge­spielt. Der Autor darf sich für die unter schwierigen Verhältnissen tadellose Aufführung Sanner 18 bedanken. Die Regie hat mit einem sprühenden Tempo dem Neuen Werk über manche Untiefen hinweggeholsen und vor allem den (besten) ersten Akt zu einem amüsanten und höchst wirksamen Schaustück entwickelt, das dem gut­besetzten und beif allssreudigen Hause sichtlich Ver­gnügen bereitete.

Die wichtigste Rolle den Dörsennapoleon gab Herr Hais, der in großer Form war und die ihm sicher sehr liegende Aufgabe so aus­gezeichnet bewältigt, daß die literarische Figur wirklich stellenweise ein wenig menschliche Um­risse bekam und jedenfalls an manchen Klippen mit Glück vorbeigesteuert wurde.

Trude Heß stattete die Sekretärin mit großem Temperament und großer Toilette aus; We- sener als sympathischer Liebhaber; Arzdorf als armer Gigolo, lieb und fesch und treuherzig- wienerisch; Ritter in einer sehr drolligen Charge; Marianne Mewes gab elegant und schmissig den extravaganten Konkurren^goldfisch. Von den übrigen wären noch Hub, Iüng- ling, Koch und Volck zu nennen.

Die Zeugenvernehmung

beginnt mit dem Kaufmann Levy aus Feldberg, bei dem der Angeklagte in Stellung war. Er stellte ihm als braven, gewissenhaften, pflicht­eifrigen Mann das beste Zeugnis aus. Der An­geklagte sei lediglich etwas verträumt und schwer­mütig gewesen. Bürgermeister Gunkel aus Riedermöllrich hebt besonders hervor, daß drei­mal zu dem Oberlandjäger Wille, dem von Claus erschossenen Vater des Angeklagten, ge-

Darmstadt, 25. Juni. Vizepräsident Blank eröffnet die Sitzung. In der Fortsetzung der Bera­tung des Etats des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft spricht Abg. Weber (Soz.). Je voll- kommener die technische Einrichtung der Werke werde, desto weniger menschliche Kräfte würden benötigt. Es bestehe keine Starrheit in der Lohn- festfetzung und einer dadurch bedingten Preishöhe. Durch di« Ansicht des früheren Reichspräsidenten, daß der Wohnungsbau nicht zu den werbenden .Anlagen, für die Auslandskapital genehmigt werde, 'gehöre, haben wir heute eine 50prozentige Arbeits- Glasigkeit auf dem Baumarkt. Leider stimmten viele Arbeitgeber heute den unsozialen Ansichten Pro- -fessor Horneffers zu. Ein Preisabbau dürfe nicht auf Kosten der Arbeitnehmerschaft gehen, wie dies jetzt von den Jndustrieverbänden versucht werde.

Abg. Dr. M ü l (e r (Landb.) erklärt: Heute fließen 25 v.H. des gesamten Volksvermögens in die öffentlichen Kassen. An dem Rückgänge des Wohnungsbaues sei gleichermaßen der Baustoff­wucher wie der übersteigerte Dauarbeiterlohn schuld. Jetzt endlich werde der Index der Agrarstoffe den übrigen Kennziffern für Jndustrieerzeugnisse ange­glichen. Die Spanne zwischen Roggenpreis und La- denpreis für Roggenbrot weise die ungeheuerliche Steigerung von 109 o. H. auf, was einer Sabotie- rung des angestrebten Roggenmehrverbrauchs gleich- komme. Der Dreijahresplan der Koalitions- Parteien wird mit 45 gegen 13 Stimmen angenom­men. Dagegen stimmen Landbund und sechs Volks­parteiler. Die Aenderung des Finanz aus- gleichgesetzes mit der Schaffung des Ausgleichs­

bedauert zunächst die Ablehnung der Umwandlung der Gesandtschaften in den ABC-Staaten in Bot- schäften. Der Minister betont die Sparsamkeitspolitik des Auswärtigen Amtes und stellt fest, daß sich der Personalbestand des Amtes von 1330 Köpfen im Jahre 1923 auf 698 im Jahre 1930 vermindert habe. Gegenüber 1914 sei der Personalbestand nur um 111 Köpfen größer. Der Minister geht dann zur Außenpolitik über. An die Spitze stellt er die bevorstehende Rheinlandräumung. Er wolle heute nicht davon sprechen, ob eine andere Politik mit dem gleichen oder einem besseren Erfolg mög­lich gewesen wäre, sondern der Befreiung als eines Ereigniffes unserer nationalen Geschichte gedenken, das aller Herzen mit größter Freude erfüllt und den Anlaß gibt, allen Deutschen das Gefühl unzcr- trennlichcr Zusammengehörigkeit zum Bewußtsein zu bringen. Der Minister dankt der rheinischen Be­völkerung und gedenkt gleichzeitig des Ministers Dr. Stresemann, mit dessen Namen die deutsche Geschichte der letzten Jahre unlöslich verbunden sei.

Wir werden danach streben müssen, die volle politische Freiheit und Gleichberech­tigung Deutschlands zu erreichen. Wir werden uns mit allen Kräften für eine Evolution der Dinge einsehen, die den natürlichen und unverzichtbaren deutschen Lebensinteressen Genüge verschafft. Bei aUedern werden wir uns stets vor Augen halten, daß wir das höchste Interesse an der Sicherung des Friedens haben. Iede vorherige Festlegung von Einzelheiten verbietet sich gegenüber der künftigen Entwicklung von selbst. Die Saarverhandlungen werden jetzt mit besonderer Intensität geführt. So wenig wir die Volksabstimmung zu scheuen haben, wäre es doch ein erfreuliches Ereignis, wenn diese Frage durch freiwillige Vereinbarung mit Frank­reich geregelt werden könnte. Der Völkerbund steht auch heute nach mehr als zehnjähriger Aktivität noch im Anfang seiner Entwicklung. Der Grundsatz der Gleichberechtigung ist noch nicht im notwendigen Maße zur Geltung gelangt. Die Menge der alljährlich verrichteten Einzel­arbeit kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Kritik an den bisherigen Leistungen deS Völkerbundes auf den Gebieten der Abrüstung, des Minderheitenschutzes und der wirtschaftlichen Abrüstung berechtigt ist. Es ist die Pflicht Deutschlands, die im Völkerbund vereinigten Re­iterungen immer wieder auf die fundamenta^n Verpflichtungen hinzuweisen, die sie bei

schickt worden sei, damit er die Familien- streitigkeiten bei Claus beilege. Der Zeuge selbst hat ihn noch gewarnt, dahin zu gehen; sie sollten ihre Sache allem ausmachen. Der Oberlandjäger Wille habe erwidert, es sei s e i n e P f l i ch t, einzugreifen, da Heinrich Claus ein Gewehr in der Hand habe. Rachdem dieser den heimtückischen Schuß auf den Oberlandsäger Wille abgegeben hatte, was der Angeklagte aus nächster Rähe beobachtete, habe dieser einen wahren Tobsuchtsanfall bekommen. Er sei die ganze Rächt nicht zu beruhigen gewesen; mehrere Leute hätten ihn ständig halten müssen, damit er nicht über den alten Claus herfiel, weil er ihn für schuldig hielt. Rach der Tat war Wille zu dem Landwirt Iustus Wenderoth gekommen. Dieser schildert als Zeuge, wie Wille zitternd mit verzerrtem Gesicht in die Küche eintrat. Er habe ihm gesagt, daß er mit Claus abge­rechnet habe. Rach einer halben Stunde habe Wille sich entfernt, um sich nach Gensungen zum Oberlandjäger zu begeben. Bürgermeister Gunkel bestätigt noch, daß der alte Claus wieder­holt aufgefordert war, die Waffen abzugeben, was er jedoch nicht getan hätte. Richt lange danach sei die Bluttat des Heinrich Claus ge­schehen.

ftoefes aus der 1,25-v. H.-Mineralwassersteuer und dem 1,25-v. H.°Abzua an den Gemeindeanteilen bei der Einkommens-, Körperschafts, und Umsatzsteuer wird mit 40 gegen 18 Stimmen angenommen.

Abg. Scholz (D. V.) vertritt den volkspartei­lichen Antrag, das Ministerium sürAr - beit und Wirtschaft aufzuheben, was

Aestulap an Bord.

Sie gehen nach Äbersee? Dann sehen Sie nur zu, daß Sie unterwegs nicht krank werden!" Diese und ähnliche Wünsche pflegte man früher demjenigen mitzugeben, der eine größere Seereise anzutreten im Begriff war. And diese Wünsche hatten ihre Be­rechtigung. Denn es ist noch nicht so lange her, daß z. B. eine auf hoher See auftretenbe akute Blind­darmentzündung sicheren Tod bedeutete. And heute? Heute kann man sich den großen modernen Aber- feedampfern anvertrauen, ohne vor irgendeiner wäh­rend der Seereise sich einstellenden Erkrankung mehr