Ausgabe 
26.6.1930
 
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Nr. 147 Erstes Blatt

180. Jahrgang

Donnerstag, 26. Juni (930

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Einigung im Reichskabinett über bas Delkungspwgramm.

Der Reichskanzler berichtet dem Reichspräsidenten. Erst am Freitag Bekanntgabe der Vorschläge.

Berlin. 25. Juni. (XU.) Das Reichskabinett trat am Mittwoch gegen 19 Uhr zusammen, hebet die Beratungen, die bis 23 Uhr dauerten, wurde folgende amtliche Mitteilung ausgegeben:

Die Aussprache des Reichskabinelts über die ge- famtpolitische Lage wurde Mittwoch abend unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning wie be­reit» gestern in Aussicht genommen zu Ende geführt. Die Beratungen führten zu völliger Einigung über die 3 u ergreifenden finanzpolitischen Mahnahmen. Reichs­kanzler Dr. Brüning wird im Lause des morgigen Donnerstages dem Herrn Reichspräsidenten hierüber Vortrag halten. Rach seiner Rückkehr ist am Freitag die Bekanntgabe der Be­schlüsse der Reichsregierung zu erwarten."

wie die Telegraphen-Union in Ergänzung der amtlichen Mitteilung über die Kabinettssihung vom Mittwoch erfährt, hat das Kabinett in Aussicht ge­nommen, die Deckungsoorlagen am Samstag an den Reichsrat gehen zu lassen. Die Regie­rung ist entschlossen, zur Durchsetzung ihrer Vorlagen alle v e r f a s s u n g s m ä h i g e n Mittel in Anspruch zu nehmen. Man muh daraus schlichen, dah der Reichskanzler am Donnerstag den Reichspräsidenten ersuchen wird, ihm unter Um­ständen die Anwendung des Artikels 4 8 der Reichsverfassung zu ermöglichen, fall» etwa bei dem zu erwartenden Widerstande im Reichsrat und Reichstag das in Aussicht ge­nommene Ermächtigungsgesetz nicht be­willigt wird.

Heber den Inhalt des Finanzprogramms wird strengstes Stillschweigen gewahrt, bis der Reichs­präsident unterrichtet worden ist. 3n politischen Krei­sen gilt es aber als wahrscheinlich, daß das Kabinett sich auf ein R 0 t 0 pfer von 2,5 Prozent ge­einigt hat. Ob auch die Privatangestellten in dieser höhe einbezogen werden, oder ob es bei dem zu­letzt bekannt gewordenen Vorschlag eines äprozen- tigen Zuschlages auf die höheren Einkünfte der Richtbeamlen bleibt, ist angesichts der Vertraulichkeit der Beschlüsse nicht sestzustellen. Die Betonung der völligen Einmütigkeit in dem Bericht über die Ka- binettssihung läht darauf schliehen, dah auch Reichs- minifler Lurtius dem Ergebnis im wesentlichen jugeftimml hat. Jn politischen Kreisen glaubt man aber, dah in bestimmten Punkten eine gewisse Annäherung an die Forderungen der Deut­schen Volkspartei und der Wirtschafts- Partei gefunden worden ist. wie sich die Frak­tionen dieser beiden Parteien zu den Vorlagen stellen, läht sich aber erst erkennen, wenn die Be­schlüsse de» Kabinetts bekanntgegeben worden sind.

Völlige Einigung?

Minister Lurtius und die Deutsche Bolkspartci.

Berlin, 26. Juni. Tel.-Un. (Funkspruch.) Die der Volkspartei nahestehende ,.D. *21. Z." be­zeichnet die Mitteilung über dievöllige Eini­gung" im Kabinett als eine äleberraschung. Zunächst stehe sie in unvereinbarem Widerspruch zu der Mitteilung der Deutschen^ Volkspartei, dah sie auf ihren eigenen Dorschlägen beharre. Die Reichstagsfraktion der D. D. P. habe den Reichsaußenminister Dr. Eurtius von dieser Stellungnahme ausdrücklich in Kenntnis gesetzt. Man nehme auch an, dah sich Dr. Eurtius im Sinne seiner Fraktion verhalten habe. Die end­gültige Entscheidung über ihre gesamte Stel­lungnahme zu dem Deckungsprogramm und zu der künftigen Politik des Kabinetts wolle die D. D. P. am Freitag treffen, sobald sich offi­ziell herausgestellt habe, wie weit das Kabinett ihre Forderungen b e r ü ck s i ch t i g t oder Mahrcgeln ins Äuge gefaßt habe, die von der Deutschen Volkspartei nicht mitgemacht werden könnten. Für den letzten Fall seien alle Kon­sequenzen ins Auge gefaßt worden. Parlamentarische Gerüchte, die davon gesprochen hätten, dah der Parteiführer Dr. Scholz dem Reichspräsidenten in einem längeren Schreiben die Beweggründe zu der jetzigen Haltung der Deutschen Volkspartei unterbreitet habe, wür­den von unterrichteter Seite nicht bestätigt.

DieB ö r s e n - Z e i t u n g stellt fest, dah angesichts der Angaben, dah auch das neue Programm ein Aotopser der Beamten sowie einen fünfprozentigen Einkommensteuerzuschlag für alle Einkommen über 8400 Mk. vorsehe, die Frage an Bedeutung gewinne, wie sich der volks­parteiliche Reichsaußenminister Dr. Eurtius in der Kabinettssihung verhalten habe. Entweder sei es nicht richtig, dah im Kabinett völlige Einigung erzielt worden sei oder aber Dr. Eur­tius habe den strikten Weisungen seiner Fraktion nicht entsprochen. 3m letzteren Falle dürfte ein ernster Konflikt zwischen Dr. Eurtius und seiner Reichstagsfraktion zu er­warten fein. Aach dem gleichen Blatt hat außer Bredt auch Groener an der Parlaments- sihung nicht tcilgenommen. Die ..DAZ." will erfahren haben, dah dem Reichskanzler Brü­ning von führender Zentrumsseite nahegelegt Worden fei, sich auf keine weiteren parlamen­

tarischen Verhandlungen mehr einzulafsen, son­dern nunmehr auf sofortige Durchfüh­rung des Aotopfers auf dem Wege des Ermächtigungsgesetzes zu bringen. Aach einer Aeuherung desB. T." über die Frage der Anwendung des Artikels 48 liegen die Dinge in bezug auf den Reichsminister Diet- t i ch ähnlich wie bei Eurtius. Wir würden es nicht begreifen können, so sagt das demokratische Blatt, wenn der demokratische Reichswirtschafts- miniffet Dietrich unter diesen Umständen nämlich unter Anwendung der Aotmahnahme des Artikels 48 zur Liebern ahme des Reichsfinanz­ministeriums bereit wäre. Herr Dietrich müßte sich bewußt fein, daß er sich als Repräsentant eines Deckungsprogramms, das auf Grund des Artikels 48 durchgefetzt werden soll, in den Kreisen aller wirklichen Demokraten für die Zukunft unmöglich machen würde.

Die Forderungen der Wirtschastspariei.

2tariere Ltreichungen am Etat

Berlin, 25. Juni. (VDZ.) Die Reichstagsfrak- tion der Wirtschaftspartei hat dem Reichskanzlei Brüning in einem Schreiben ihre Stellungnahme

zur Frage der finanziellen Sanierung mitgeteilt. Bor allem verlangt die Wirtfchaftspartei eine Senkung der Ausgaben weit über bie bisher bekannt geworbenen Strei« chungspläne hinaus. Sie fordert in diesem Zusammenhänge unbedingt eine Kürzung der Beamtengehälter, wobei sie betont, baß sie bie unoerschleierte Gehaltskürzung dem Wege über ein Notopfer vorziehen würbe. Gleichzeitig wirb ein Gesetz verlangt, bas den Ländern und Gemeinden die Pflicht auferlegt, die Gehalts- höhe und die Klassifizierung ihrer Beamten den Verhältnissen der Reichsbeamten anzupassen. In der Höhe der so erzielten Ersparnisfe sollen die Ueberroeifungen an die Länder ge kürzt werden. Weiter wird verlangt eine reiche- gesetzliche Begrenzung der Real- ft e u e r n. Die Gemeinden sollen das Recht erhal­ten, entweder eine Kops st euer zu erheben oder die Betriebe in öffentlicher Hand zu besteuern. Bei Erfüllung dieser Forderungen würde die Wirtschaftspartei bereit sein, eine g e - ringe Erhöhung der Einkommen st e u e r in den höheren Einkommen stufen zu bewilligen; dagegen wird die in dem Dietrichschen Programm enthaltene Verzehr st euer von dev Wirtschaftspartei unbedingt abgelehnt.

DasKreuz des Südens" überquert den Ozean.

Geglückter Transatlantikflug in ost-westlicher Dichtung in 32 Stunden.

Reuy 0 rk, 25. Juni. (2DIB.) Das von dem australischen Flieger Kingsford-Smikh ge­führte FlugzeugSouthern Croß hat heute früh um 5.21 Uhr (11.21 MEZ.) die Hafenstadt Harbour Grace auf Neufundland überflogen. Damit ist die Ueberfliegung des Rordatlantik von Osten nach Westen zum zweiten Male ^geglückt.

Kapitän Kingsford Smith

Da» FlugzeugSouthern Croß ist zur Ergänzung seine» Brennstoffe» auf dem Flugfeld von Harbour Grace gelandet. Die Landung gestaltete sich sehr schwierig, da über der Stadt und dem Landungs­platz ein dichter Rebel lag. Das Flugzeug mußte längere Zelt über der Stadt kreisen und Kingssord-Smith bat in einem Funkspruch die Lei­tung des Flugplatzes, ein Flugzeug über die Rebel­schicht zu senden, das ihm den weg weisen könne. Der Funkspruch wurde van der Radiostation des Polytechnikums in South Darmouth im Staate Massachusetts ausgefangen und telephonisch nach Harbour Grace übermittelt. Jnzwischen war die Southern Lroß jedoch um 5.53 Uhr früh (11.53 Uhr MEZ.) glücklich gelandet. Kapitän

Kingsford-Smith erklärte, daß er bei seinem Fluge über den Ozean ungeheure Schwierig­keiten überwinden mußte, hinter Cap Race sei er derart schwerem Regen begegnet, daß er die Orientierung oollftänbig verloren habe, als der Kompaß versagte. Jm Morgengrauen hätte er sich wegen der schwindenden Brenn ft offooriäte entschlossen, notzulanden. Er unterstrich insbesondere, daß er ohne Funk­anlage völlig hilflos gewesen wäre.

Der Führer derSouthern Croß und seine drei Begleiter haben aber den Iransozeanflug g u t überstanden und befinden sich wohlauf.

Die Transozeanflieger werden nach Versorgung des Flugzeuges mit Betriebsstoff ihren Flug nach Reu york morgen bei Tagesanbruch fort- fchen. Das Flugzeug hatte auf dem ganzen Fluge ideales Wetter, bis es sich Reufundland näherte. Cs hatte bei der Landung nur noch für vier Flugstunden Betrieb» ft off.

Damit hat nun also der Australier Kingsford Smith seiner erfolgreichen Hebcrquerung des Pazifischen Ozeans von San Franzisko nach Australien eine zweite fliegerische Glanzleistung folgen lassen, er hat mit seinem bewährtenÄreut des Südens" die Strecke Jrland-Aeufundland, also 3500 Kilo­meter, in 31 Stunden und 28 Minuten in raschem Flua bezwungen. Damit ist die Flugzeit Hermann Kohls mit seiner .Bremen" um rund zehn Stunden unterboten worden, aber Köhl flog in einer sehr stürmischen, fast winterlichen Jahreszeit, er hatte über dem Ozean sehr erheb­liche Schwierigkeiten zu überwinden, konnte auch wegen des Fehlens von Funkanlagen Aebelbänken uno Stürmen nicht aus dem Wege gehen, wäh­rend Kingsford Smith in jeder Beziehung we­sentlich bessere Flugbedingungen vorsand. Den­noch ist seine Lieberquerung ein ebenso schöner Erfolg wie der Ost-West-Flug Hermann Köhls. Gerade in Deutschland, das vor mehr als \toev Jahren mit fieberhafter Spannung den Flug der .Bremen" verfolgte, weiß man die Lei­stung des .Kreuz des Südens" zu schätzen und zu würdigen. Angesichts dieser zweiten Ozean- überquerung vom europäischen zum amerikani­schen Festland, der wesentlich gefahrvolleren Flug­richtung. Drängt sich wieder die Frage auf, ob das Flugzeug überhaupt Aussicht hat, jemals in

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Kingsford Smiths Route hält sich etwas südlich von d.. derBremen", die vor zwei Jahren als erste den Flug bewältigte. Lindbergh hatte seinen West-Ost-Flug weiter südlich geführt, während der(3raf Zeppelin wegen seines großen Brennstoffvorrats die gerade Luftlinie wählen konnte.

den Dienst der Ozeanflüge gestellt werden zu können. Dorweg läßt sich daraus jedenfalls schon die eine Antwort geben, daß auch die dreimoto­rigen Apparate für Flüge dieser Art nicht die genügende Sicherheit bieten. ES müssen schon stärkere Flugmaschinen angesetzt wer­den. And da richtet sich unser Augenmerk auf das Riesenflugzeug Do X, das sich ebenfalls zu einem Amerikaslug rüstet und das nach allen oießeeigen Beobachtungen in seiner Leistungs­fähigkeit an ein Luftschiff großen Ausmaßes viel­leicht heranreichen dürste.

Die AugSburgerKonsessionSseier

Die Anteilnahme der katholischen Bevölkerung.

Augsburg, 25. Juni. (WTD.) Zum Gedächt­nis an die vor 400 Jahren auf dem Reichstag zu Augsburg erfolgte Ucbergabe der Augsbur- gischen Konfession versammelten sich heute in der Barfüßerkirche zu Augsburg die Führer der deutschen evangelischen Kirchen gemeinsam mit den Abgesandten des ausländischen Protestantis­mus zu einer feierlichen Erneuerung des Be­kenntnisses von Augsburg. Präsident D. Kapler entbot der Festversammlung den Gruß deS Deut­schen Evangelischen KirchenbundeS, dessen Ab­gesandte hierher gekommen seien zum Gedächtnis dessen, was der Gesamtprotestantismus nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt der Glaubensart Luthers und der Augsburger Kon­fession verdanke. Geheimrat Professor D r Rendth 0 ff (Leipzig) würdigte die Augsvur- gische Konfession als Die Botschaft der deutschen Reformation. Aach der Festrede traten

die Vertreter protestantischer Kirchen de» 2tu»(anbe»

vor und bekräftigten in feierlicher Form daS Augsburger Bekenntnis. Die schwedische Kirche war durch Domprobst Professor D. Dr. Dngve Drilioth (Lund) vertreten, die eng­lischen Freikirchen durch Rev. Alerander Ramsah (London), der etwa 19 Millionen Christen umfassende amerikanische Kirchenbund durch Rev. Henry Leiper sAeuhork), der fran­zösische Protestantismus durch Pastor Brunnarius (Paris), die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Ungarn durch Baron Albert von Radvanszky (Budapest). 3m Auftrage der Gesamtkommission überreichte dann Pastor Dr. Lihmann (Berlin) dem Präsidenten des Deutsch-Evangelischen Kirchenausschusses die zu dem Jubiläum vorbereitete AeuauSgabe der reformatorischen Bekenntnisschrist. Vizepräsident und Domprediger D. Burghardt (Berlin) verlas zum Schluß die Hauptartikel der Augsburgischen Konfession. Die zahlreich versammelte Gemeinde bekräftigte dieses Bekenntnis durch den Gesang des LiedesEin feste Burg ist unser Gott".

Die Stadt Augsburg veranstaltete im Goldenen Saal des Rathauses für die Mitglieder der KirchenbundeSorgane einen feierlichen De- grüßungsakt. Der erste Bürgermeister Dr. Bohl hieß die Erschienenen herzlich willkommen. ES komme ihm als katholischen Bürger­meister nicht zu, den Glaubensinhalt der Kon­fession vom Standpunkt der katholischen Kon­fession aus zu betrachten. Für den Bürger­meister der Stadt Augsburg, auf deren Boden diese- Glaubensbekenntnis verkündet worden sei und Wurzel geschlagen habe, für den Deutschen, der sein Vaterland über alles liebe, könne eS nur einen Standpunkt geben:

Dir haben es als Fügung göttlicher Vorsehung zu belrachken, daß sie uns Im Glauben getrennt hat, und wir haben dafür zu sorgen, daß wir über diese Glaubenstrennung hinaus nicht selbst uns noch trennen im christlichen Verständnis und der christlichen Liebe für einander und der Liebe für unser gemeinsames deutsches Heimat­land."

Augsburg habe aus dem zermürbenden Glau­benskampf seiner bewegten Geschichte die Er­kenntnis der Fruchtlosigkeit solcher Kämpfe ge­schöpft und habe sich zu einer Stadt von tra­ditioneller Toleranz entwickelt. Er sei als Bürgermeister stolz darauf, daß die Augsburger Bürgerschaft in ihrer Gesamtheit volles Ver­ständnis für diese evangelische Feier bewiesen habe. Das Beispiel ungeteilter Freude berech­tige ihn zu dem Wunsch, daß hiervon ein Strahl der Versöhnung, des Verständnisses und der christlichen Liebe unter den Konsessionen über Deutschland leuchten möge. Im Rainen des Evangelischen Kirchenbundes und ferner Gäste erwiderte Geheimrat von Pechmann mit Worten herzlichsten Dankes, besonders auch an die katholische Bevölkerung der Stadt und ihren Bürgermeister, der in so wohl­tuender Weise es verstanden habe, der großen Feier gerecht zu werden. Er schloß mit dem Wunsch: Wöge es gelingen, die Zwietracht, die gegenwärtig im deutschen Vaterlande herrscht, durch Kräfte des Himmels und Kräfte der Liebe zu beseitigen.