Brückenschlag in der Deutschnationalen Volkspartei.
Hugenberg selbst gegen Dittaiurpläne. - Weitere Ltnierstützung des Kabinetts Brüning nicht ausgeschlossen.
Dicht ohne Schwierigkeiten ist es gelungen, den Bruch in der Deutschnationalen Partei zu vermeiden und die erlösende Formel zu finden, die eine neue Sezession verhindert. Die Heißsporne von rechts haben zwar auf den Bruch hingedrängt, sind aber doch in der Minderheit geblieben, ihre Anregung, daß künftighin der Parteiführer die entscheidende Stimme haben sollte, auch wenn die Mehrheit der Fraktion anderer Meinung sei, ist unter den Tisch gefallen: mußte unter den Lisch fallen, weil sie eine Lleberspannung des Führerge- dankens bedeutet und aus dem Meinungskampf eine Diktatur macht. Herr Hugenberg selbst hat sich stark darum bemüht, daß es am Schluß der Auseinandersetzung weder Sieger noch Besiegte gab, so daß wenigstens die persönlichen Voraussetzungen für ein weiteres Zusammenarbeiten geschaffen sind. Ob auch die sachlichen, das kann erst die Zukunft lehren. Der Widerspruch, der nun schon seit Zahr und Tag in den Damen Hugenberg und Westarp gipfelt, geht so tief ins Grundsätzliche hinein, daß er bei jeder Frage der praktischen Politik wieder akut' werden kann und akut werden muß. Allerdings werden beide Teile aus den „Mißverständnissen" der letzten Tage gelernt haben, auch Herr Hugenberg hat sich überzeugt, daß die wirtschaftlichen Bindungen der Deutschnationalen Partei nur gelöst oder übersehen werden können, wenn gleichzeitig die Partei dezimiert wird. Das wird auch er nicht wollen, vor der äußersten Konsequenz der Parole „Block oder Brei" schreckt auch er zurück, weil er damit sich und seine Ansichten auf Zähre hinaus zu völliger Einflußlosigkeit verurteilen würde. Er muß also auch weiterhin den wirtschaftlichen Bedingtheiten bei der Einstellung seiner Politik ein großes Maß von Rücksicht entgegenbringen und, wenn er seine Fraktion beieinanderbehalten will, sich darauf einstellen, daß der Sturz des Kabinetts Brüning in naher Zukunft für die Deutschnationalen unmöglich ist, weil mit dem Ausscheiden Schieles das ganze Agrarprogramm ein kostspieliges Experiment wäre, das alle Hoffnungen auf eine Gesundung der Landwirtschaft vernichten müßte. Zn irgendeiner Form läßt es sich also kaum vermeiden, daß die Deutschnationalen ä la suite des Kabinetts Brüning stehen. Llnd es wäre die Aufgabe einer geschickten Führung, daraus Vorteile herauszuschlagen, die sich nicht nur im Reich, sondern auch in Preußen bezahlt machen. Bekennt sich Herr Hugenberg zu diesem Programm, dann könnte die Deutschnationale Partei die Erschütterungen der ersten Hälfte des Aprils noch überwinden und wieder zu einer geschlossenen Einheit zufammen- wachsen.
Das Ergebnis.
.Berlin, 25. April. (VDZ.) Der Partei- vorstand der Deutschnationalen ^Volkspartei trat heute um 11 Ähr im Reichstag zu einer stark besuchten Tagung zusam- 'men, nachdem schon von morgens 9 Ähr ab verschiedene Gruppensitzungen stattgefunden hatten. Dach Begrüßung durch den Parteivorsitzenden hielt Dr. Hugenberg ein eingehendes Referat über die Vorgänge seit der letzten Parteivorstandssihung. Dach dem Referat des Parteivorsitzenden trat man in die Aussprache ein. an der sich u. a. Graf W e st a r p, Exzellenz Wallraf, Ober fahren und Laverenz beteiligten. Die Aussprache wurde durch eine Mittagspause bis 16 Ähr unterbrochen. Am Schluß der Sitzung am Freitagabend wurde mit mehr als vier Fünftel Mehrheit des nahezu vollständig besetzten Vorstandes folgende Entschließung gefaßt:
„Der Parteivorstand spricht dem Parteiführer Dr. hugenberg und dem Vorsitzenden der Reichstagsfraktion Dr. Oberfohren seinen Dank für unbeirrtes Festhalten an den auf dem Kasseler Parteitag un in der Vorstandssihung vom 8. April aufgestellten Zielen und Richtlinien aus. Er hält es für selbstverständlich, daß sie die Führung von Partei und Fraktion keinesfalls vor Ablauf der Dahlzeit aufgeben. Ihrer Führung und dem geschloffenen Eintreten der Reichstagsfraktion für die Agrargesetze ist es 311311- schreiben, daß deren Vorlage und Annahme entgegen widerstrebenden Teilen der Regierungsmehrheit noch vor Ostern durchgesetzt wurde. Mik diesen Rotstandsmahnahmen sind jedoch die Voraussetzungen für eine Rettung der Landwirtschaft noch nicht erfüllt. Wit dem Parteivorsihenden ist der P a r t e i v 0 r st a n d der Auffassung, daß eine endgültige Behebung der Rotlage der Landwirtschaft wie der Wirtschaft überhaupt viel t i e f e r g r e i - fende und zum Teil anders geartete Maßnahmen erfordert. Die vom Kabinett verkündete Kontinuität der Handelspolitik (polnischer Handelsvertrag, Genfer Vereinbarungen ufro.) steht einer wirklichen Sanierung der wirtschaft ebenso im Wege, wie die Fortdauer der marxistischen vorherr- ichast in Preußen. Der Zustand, daß die Voll- strcckungsmaßnahmen dec öffentlichen hassen, insbesondere aber auch dec Preußenkasse, den Landwirt von Haus und Hof vertreiben, ist Selbstmord am eigenen Volk und muh vor allem anderen beseitigt werden. Wir stehen in Opposition gegen dieser Kabinett, das zur Fort- führung der bisherigen Tributs- und handelsvertragspolitik entschlossen ist und das auf dem Wege über Preußen immer noch mit der Sozialdemo, krakle verknüpft ist. wir können keinerlei Wil- verantworkung für seine Politik übernehmen. Diese Oppositionsstellung und die gegebene Lage verlangt unbedingte Zusammenarbeit von Par- kel und Fraktion und geschlossenes Auftreten bei den entscheidenden Parlamentsobstimmungen. Der Parteivorstand bedauert, daß lm Gegensatz zu der einmütigen und erfolgt reichen Haltung der Reichstagsfraktion am 3. und 10- April eine Mehrheit der Reichslagsfraktion in den Steuerabstimmungen vom 12. und 14. April, veranlaßt durch die verständliche und berechtigte
Sorge um die Rot der Landwirtschaft, anders als die Führung gestimmt hat. Die ver. koppelung der Agrarmahnahmen mit der Bewilligung der durch die Mihwirtschaft der Grohen Koalition erforderlich gewordenen neuen Steuern war sachlich nicht begründet. Die Regierung war. auch wenn sie bei den Stcuergesetzen in der Minderheit blieb, durch ihre Erklärung und das Wort des Reichspräsidenten an die Hilfsmohnahmen für die Landwirtschaft gebunden.
Rach den Satzungen legt der Pa r t e i v 0 r st a n d die Richtlinien für die politische Gesa m l h a l l u n g der Partei fest. Line Anker- stühung des Kabinekks Brüning, sowie die Mitübernahme der Verantwortung für seine Maßnahmen entspricht der oben festgelegten Ge- samshaltung der Partei nicht. Es bleibt dem Entschlüsse der Partei- und Fraklionsfüh- r u n g überlassen, in besonderen Ausnahme f ä l l e n eine abweichende Stellungnahme zuzulassen."
Kundgebung zum Reichsschulgesetz.
Der Parteivorstand der Deutschnationalen Volkspartei faßte ferner zur Frage des Reichsschulgesetzes einstimmig folgende Entschließung:
„Der Parteivorstand erhebt den bestimmtesten Einspruch gegen die Erklärung des dem Zentrum angehörigen Reichsinnenministers Wirth im Vildungsausschuß des Reichstags, mit der sich Herr Wirth auf denselben ablehnenden Standpunkt gegen den Schulgesetzantrag der deutschnationalen Reichstags- f r a k t i 0 n, wie sein sozialdemokratischer Vorgänger S e v e r i n g stellte. Der Parteivorstand sieht darin einen Beweis dafür, daß die Regierung Brüning aus Rücksicht auf die Sozialdemokratie nicht daran denkt, die Hand zum endlichen Zustandekommen eines Reichsschulgesetzes, wie es die christliche Bevölkerung aufs dringlichste fordert, zu geben. Um so mehr erwartet er von den parlamentarischen Fraktionen, daß sie nichts unterlassen, um die Znangriffnahme der Beratung des Schulgesehantrages zu erzwingen, und darüber hinaus sowohl im Reichstag, als auch in den Landtagen nach allen Richtungen im Sinne großzügiger christlicher und deutscher Kulturpolitik tätig werden." Einzelheiten aus -er Sitzung.
Berlin, 25. April. ERB. (Eigene Meldung.) Die heutigen Beratungen des deutsch- nationalen Parteivorstandes waren naturgemäß vertraulich. Immerhin läßt sich aus dem, was in Gelprächen mit den Teilnehmern durchgesickert ist, etwa folgendes Bild gewinnen: Bereits heute vormittag nahm die Aussprache ziemlich scharfe Formen an. und tzwar durch einen Antrag des Abgeordneten S t e 1 n h 0 f f (Potsdam), der das Ziel hatte, die R eich8 t a g s fr akti 0 n dem Parteivorstande zu unterstellen. Das würde bedeutet haben, daß die Fraktion in allen Fällen so hätte stimmen müssen, wie der Vorsitzende Dr. Hugenberg verlangte.
Dr. hugenberg erkannte aber wohl, dah diese Dikkakurentfchliehung zweifellos zum Bruch geführt haben würde. Er lehnte sie deshalb von sich aus ab und verhinderte damit, dah sich überhaupt erst eine Debatte über sie entwickeln konnte.
Trotzdem spitzte sich die Aussprache zeitweise erheblich zu. Auf der einen Seite stand die Gruppe um die Abgeordneten Dr. H u g e n» berg, Oberfohren und Freytagh-Lo- ringhoven, auf der anderen der agrarisch eingestellte Flügel der Partei einschließlich der Gruppe um den Abgeordneten W e st a r p. Besonders lebhafte Formen nahmen die Auseinandersetzungen während der Rede des Grafen W e st a r p an, der seinen Standpunkt. eingehend begründete und dabei von der Gruppe Freytagh-Loringhoven durch Zurufe unterbrochen wurde, aus die er sehr scharf reagierte. Schließlich gelang es aber nach der Einlegung von zwei Pausen doch, mit der Entschließung, die der Oeffentlichkeit übergeben wurde, eine Brücke zu bauen. Die Entschließung geht von dem Wahlkreis Ostpreußen aus und wurde nach geringfügigen Aenderungen
mit viecfünftelmehrheit angenommen.
Sie spiegelt die Diskussion bis zu einem gewissen Grade wieder. Dabei ist besonders der Passus von Interesse, in dem es für selbstverständlich erklärt wird, dah Parteiführer und Fraktionsvorsitzender die Führung keinesfalls vor Ablauf der Wahlzeit aufgeben. Diese Stelle wird dahin ausgelegt, daß im Parteivorstand allgemein der Wunsch herrscht, zu vermeiden, daß die Partei mit einem Bruch in den Wahlkampf hineingehen könnte. Das Ergebnis der Sitzung ist also, daß der Bruch vermieden worden ist. Zn deutschnationalen Kreisen wird allerdings auch Wert auf die Feststellung gelegt, dah die Aussprache noch keine Klärung gebracht hat. Der weitere Verlauf der Dinge hängt auch davon ab, was nun die Fraktion tut, die sich in der zweiten Hälfte der nächsten Woche mit der heutigen Sitzung beschäftigen wird. Zm Parteivorstand war sie nur durch den Fraktionsvorstand und einige fatzungs- gemah hinzugewählte Abgeordnete vertreten.
Für die allgemeine parlamenkarische Lage ist noch bemerkenswert, dah die Parkeivorskands- sitzung es der deutschnakionalen Fraktion nicht unmöglich gemacht hat, dem Reichsetat zur Annahme zu verhelfen.
Die Entschließung betont die Opposition gegen das Kabinett Brüning, sie sieht im Schlußsatz ?ber ausdrücklich eine abweichende Stellungnahme in besonderen Ausnahmefällen vor. Dazu wird von deutschnationaler Seite auch noch darauf hingewiesen, dah die Fraktion sogar bei Kabinetten der Grohen Koalition bereits für den Etat gestimmt habe. Die kommenden EtatSbe- catunge« dcS Reichstags pich bekanntlich auch
noch mit dem O st Programm verbunden. Zn parlamentarischen Kreisen hat sich unter diesen Umständen der Eindruck verstärkt, daß die bevorstehenden Reichstagsberatungen keine ernsthafte Krise bringen werden.
Berliner Preffestimmen.
Berlin, 26. April. (TL. Funkspruch.) Die „Deutsche Zeitung" schreibt zu der Entschließung des Parteivorstandes der D. R. V. P., die Entschließung sei eine scharfe Absage der berufenen Vertreter der DRDP. und der Bewegung an diejenigen Abgeordneten, die den klaren Richtlinien der Partei und dem Willen der Führung zuwidergehandelt hätten. Der Parteivorstand habe sich mit dieser Entschließung, die mit mehr als Vierfünftel-Mehrheit gefaßt worden sei, zugleich mit größtem Rachdruck und ohne Einschränkung hinter den Parteivorsihenden Hugenberg und den Fraktionsvorsihenden Oberfohren gestellt und ihre Maßnahmen im Kampfe der letzten Wochen in allen Punkten gebilligt. Es sei gewiß kein Zufall, dah die Entschließung des Parteivorstandes einem Vorschläge der Vertreter der Provinz Ostpreußen entstamme, die ja unter den Agrar- und Ostnöten am stärksten leide. Am wesentlichsten erscheint der „Deutschen Zeitung", dah nach den Erfahrungen der letzten Wochen die Gesamthaltung auch für die Fraktion schärfer als bisher festgelegt sei. Das gelte vor allem für die im letzten Satze der Entschließung getroffene ein
Paris, 26. April. (WTD.) Der Vorsitzende des zur Zeit in Paris tagenden Ausschusses zur Regelung der Ost re parationen gab heute über den Stand dieser Verhandlungen eine Grllärung ab. Loucheur führte nach einem Bericht der Havas-Agentur aus: Der Ausschuß ist schließlich zu einer Verständigung gelangt, die in eine Präambel und vier Abkommen zerfällt. Die Präambel erinnert an die tatsächliche Lage und regelt die Reparationszahlungen.
Abkommen 1 regelt endgültig die ungarischen Reparationen. Ungarn hat danach Zahreszahlungen in Höhe von 13 Millionen Goldkronen in der Zeit von 1944 bis 1969 zu leisten. Die Zahreszahlungen zwischen 1930 und 1943 werden endgültig auf 10,5 Millionen Goldkronen festgesetzt. Zm Austausch dafür wird die allgemeine Hypothek, die die Reparationskom- missivn auf die Einkünfte Ungarns hatte, aufgehoben. Vorgesehen ist jedoch der Fall, daß Ungarn seine Einkünfte verpfändet. Zn diesem Falle behalten die interessierten Mächte ein Pfand.
Die Abkommen 2 und 3 betreffen die Regelung der Agrarreform, also die Beschwerden der Ungarn, die durch die Agrarreform Rumäniens, der T sch e ch 0 s l 0 w a ke iund Südslawiens betroffen wurden. Alle bereits eingeleiteten und noch einzuleitenden Prozesse fölten durch ein neues Verfahren geregelt werden, nämlich durch die Schaffung eines Agrar- f o n d s A in Höhe von 220 bis 240 Millionen Goldkronen. Diesen Fonds bringen Frankreich, Großbritannien und Ztalien auf. Cs tragen dazu bei die Tschechoslowakei 40 Millionen, Süd- slawien 25 Millionen und Rumänien 13 bis 14 Millionen. Das Abkommen regelt außerdem die Frage der Vermögen der Er- Herzöge und zwar in Form einer Bestätigung der Enteignung, die im Vertrage von Trianon vorgenommen worden ist. Auherdem werden die Fragen geregelt, die die religiösen und akademischen Einrichtungen betreffen.
Das Abkommen 4 sieht die Schaffung eines Fonds 6 in Höhe von 100 Millionen Goldkronen vor, die lediglich von Frankreich, Ztalien und Großbritannien zu gleichen Teilen eingeschossen werden, um den Ländern der Kleinen Entente bei der Begleichung der ungarischen Ansprüche zu helfen. Dieses Kapital kann durch Einsparung im Agrarfonds A oder durch höhere Einschüsse der Zeichyungsmächte erhöht werden.
Die Texte der Abkommen 1, 2 und 4 sind bereits gebilligt und brauchen nur noch Überarbeitet zu werden. Der Text des Abkommens 3 wird morgen noch zur Diskussion gestellt. Von 22 Artikeln dieses Abkommens 3 hat man sich übrigens .bereits über 19 geeinigt.
Loucheur sprach die Hoffnung aus, daß die Abkommen morgen nachmittag unterzeichnet werden können. Er ging außerdem auf die Optantenfrage ein, die die Hauptschwierigkeit bei den Verhandlungen gebildet habe. Um eine Regelung zu erreichen, hätten Frankreich, Großbritannien und Italien sich zu einem weiteren Opfer bereit erklärt und außer der von ihnen bereits verfprochenen Zahlung in Höhe von 3 Millionen jährlich, weitere Zahlungen In Höhe von 1,5 Millionen Goldkronen pro Zahr versprochen.
Rüstungsfanatiker Boncour über die Abrüstungsfrage.
Paris, 26. April. (WTD. Funkspruch.)Das „Journal" hat Paul Boncour die Frage vorgelegt, ob der Friede durch die Londoner Verhandlungen gestärkt worden sei. Paul Boncour erklärte, was die Beziehungen Englands, Amerikas und Zapans zueinander betreffe, so könne man die Frage mit j a beantworten. Was Europa anlange, so sei es nicht sicher. Es sei auch nicht sicher, ob die Arbeiten des Völkerbundes dadurch erleichtert werden würden. Angesichts der Widerstände der europäischen Machte gegen eine Abrüstung auf militärischem und wirtschaftlichem Gebiet könne man sich nicht wundern, daß die Vereinigten Staaten zögern, dem verblendeten Europa Hilfe zu leisten. Der Kellvggpakt habe einen Wert gehabt gegenüber einer Macht, die außerhalb des Völkerbundes stehe, er bedeute nichts ge * genüber Sanktionen, die sich bereits durch oas Völkerbunds st atut als gebunden hätte« ansehen müsse«. .Gegenüber allen Wider-
deutige Feststellung, wonach in besonderen Fällen die Entscheidung des Partei- und Frak- tionsvorsitzenden maßgebend sei. Diese Klärung der Derantwortungsfrage im Sinne der Führung sei notwendig gewesen. Sie stärke die Stellung Hugenbergs gegenüber der Fraktion.
Die „Deutsche T a g e s z e i t u n g"'vermag in dem Ergebnis der Parteivorstandssitzung keine wirkliche und durchgreifende Klärung dec Verhältnisse in dec deutschnationalen Partei und Fraktion, insbesondere auch keine Klärung in dem Verhältnis Hwiscl t Partei und Landwirtschaft zu erblicken. Der Parteivorstand habe sich damit begnügt, der Fraktionsmehrheit ihr Eintreten für die Interessen der, Landwirtschaft nicht als Verdienst, sondern lediglich als mildernden Umstand anzurechnen. Er habe nicht ein Wort der Anerkennung für die erfolgreiche Arbeit des Ministers Schiele gefunden. Das eine wie das andere werde draußen in den Kreisen des um die nackte Existenz ringenden Landvotts schwerlich besonderes Verständnis finden. Wenn auch der offene Bruch zwischen Parteiführung und Fraktionsmehrheit vermieden worden sei, so hänge doch die weitere Entwicklung an der Frage, wie weit die von der Minderheit der Fraktion verfolgte Intransigenz einer beweglicheren Taktik einer viel klareren Auffassung von den Aufgaben und Wirkungsmöglichkeiten einer verantwortungsbewußten Opposition Platz mache. Die Probe darauf könne schon sehr bald heranreifen.
In der „D. A.Z." wird gesagt: Es ist anzuneh- nehmen, daß die Mehrheit der Fraktion, die sich ja schon vor der Tagung des Parteivorstandes unter Führung des Grafen Westarp zu bestimmten Schritten zusammengefunden hatte, in Kürze weitere Entscheidungen darüber fällt, wie sie sich zu der Ent« schließung des Parteivorstandes verhält. In unterrichteten Kreisen wird die Situation sehr ernst beurteilt: die Hoffnungen auf eine wirkliche Verstau- digung sind wesentlich zurückgegangen.
ständen", so fuhr Paul Boncour fort, „tft immerhin
ein kompakter Block vorhanden, der weih, was er will: Frankreich, Polen, die kleine Entente.
Hierzu kommen Finnland, die baltischen Staaten, Spanien und Griechenland. Ihr und unser klarer Gedanke hat seinen berechtigten Ausdruck in dem Genfer Protokoll von 1924 gefunden, andernfalls ist nur eine scheinbare, einseitige Abrüstung möglich, und Beunruhigung und Mißtrauen bleiben bestehen. Es genügt nicht, daß man das Abrüstungs- Problem aus London nach Genf verlegt. Es würde Genf nicht verlassen haben, wenn der Völkerbund mit weniger Langlamkeit und mit mehr Entschlossenheit in Angriff genommen hätte. Der Völker- bund muh auch seineAufgabe erfüllen, die darin besteht, das Völkerbundsstatut lebendig und klar zu gestalten, und dadurch die allgemeine Rüstungsherabsetzung zu ermöglichen. Man braucht kein Problem zu sein, es genügt, die Augen aufzu- halten, um festzustellen, daß
lm Salle eines endgültigen Scheiterns der Abrüstungsverhandlungen, oder auch nur im Solle ihrer fortwährenden Vertagung Deutschland. das vom sonstigen Zwange befreit ist, sich entschliehen würde, diese Abrüstung abzuwimmeln und nicht mehr allein eine Rüstungsbeschränkung zu dulden,
die der Versailler Vertrag selbst als die Bedingung, aber auch als das V e r s p r e ch e n für eine allgemeine Rüstungsherabsetzung bezeichnet hat.
polnische Flugzeuge über Ostpreußen.
Königsberg, 25. April. ($11.) Gleichzeitig mit einer Grenzverletzung durch ein polnisches Flugzeug in Deutsch-Eylau sind auch im Rach- barkreis Reidenburg und im Osten Masurens, im Kreise Iohannisburg, polnische Flugzeuge über deutschem Gebiet erschienen. Von Rorden kommend überflog eine polnische Maschine im Kreis Reidenburg den südlichsten Zipfel zwischen Koslau und Rapierken, um dann in südlicher Richtung zu verschwinden. Zu gleicher Zeit erschien, von Osten kommend, ein polnische- Flugzeug über den Städten Biala und ZohanniS- burg, die etwa 20 Kilometer von der Grenze entfernt liegen, um dann in westlicher Richtung zu verschwinden.
polenfeindschast gegen deutsche Schauspieler.
K a t 10 w i h, 25. April. (T. 11.) Die Te - gernfeer Dauernbühne, die seit sechs Wochen in Ostoberschlesien Gastvorstellungen gibt, wollte am Donnerstagabend in Laurahütte ein Lustspiel aufführen. Während der Vorstellung drang eine Bande von etwa 30 polnischen Aufständischen in den Dorraum des Saales und versuchte die Aufführung zu stören. Zwei Polizeibeamte und einige beherzte Männer traten den Angreifern entgegen und konnten sie zurückdrängen. Die Aufrührer versuchten daraufhin, gewaltsam die Tür zu sprengen und in den Saal einzudringen. Unter den Zuschauern entstand größte Beunruhigung und Erregung. Da die Lage immer bedrohlicher wurde, mußte polizeiliche Verstärkung erbeten werden. Die Aufständischen räumten aber auch nach dem Eintreffen weiterer (Beamter nicht das Feld, sondern warteten den Schluß der Vorstellung ab. Die Polizei brachte dann die Schauspieler in Sicherheit. Auch das Publikum wurde, soweit es möglich war, nach Hause begleitet, so bah sich keine weiteren Zwischenfälle ereigneten. Ohne baß tatkräftige Eingreifen der Polizeibeamten wäre es zweifellos zu Blutvergießen gekommen.
Eine weitere Vorstellung, die für Freitagabend in Dich au angesetzt war, ist vom dortigen Gemeindevorstand im letzten Augenblick ohne Begründung verboten worden.
politische Reibereien in Darmstadt.
D a r m st a d t, 25. April. (WER.) Heute abend sollte im Saale des „Dürgerhofes" der bekannte K0mrnunist Schmidt aus Hamburg, bet früher Rationalsozialist war, sprechen. Die Rationalsozialisten hatten eine starke Abordnung in die Versammlung entsandt, big btsfei
Regelung der Ostreparationen.


