Ausgabe 
26.4.1930
 
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Brückenschlag in der Deutschnationalen Volkspartei.

Hugenberg selbst gegen Dittaiurpläne. - Weitere Ltnierstützung des Kabinetts Brüning nicht ausgeschlossen.

Dicht ohne Schwierigkeiten ist es gelungen, den Bruch in der Deutschnationalen Partei zu vermeiden und die erlösende Formel zu finden, die eine neue Sezession ver­hindert. Die Heißsporne von rechts haben zwar auf den Bruch hingedrängt, sind aber doch in der Minderheit geblieben, ihre Anregung, daß künf­tighin der Parteiführer die entscheidende Stimme haben sollte, auch wenn die Mehrheit der Frak­tion anderer Meinung sei, ist unter den Tisch ge­fallen: mußte unter den Lisch fallen, weil sie eine Lleberspannung des Führerge- dankens bedeutet und aus dem Meinungs­kampf eine Diktatur macht. Herr Hugen­berg selbst hat sich stark darum bemüht, daß es am Schluß der Auseinandersetzung weder Sieger noch Besiegte gab, so daß wenig­stens die persönlichen Voraussetzungen für ein weiteres Zusammenarbeiten geschaffen sind. Ob auch die sachlichen, das kann erst die Zukunft lehren. Der Widerspruch, der nun schon seit Zahr und Tag in den Damen Hugenberg und Westarp gipfelt, geht so tief ins Grund­sätzliche hinein, daß er bei jeder Frage der praktischen Politik wieder akut' werden kann und akut werden muß. Allerdings werden beide Teile aus denMißverständnissen" der letzten Tage gelernt haben, auch Herr Hugenberg hat sich überzeugt, daß die wirtschaftlichen Bindungen der Deutschnationalen Partei nur gelöst oder über­sehen werden können, wenn gleichzeitig die Partei dezimiert wird. Das wird auch er nicht wollen, vor der äußersten Konsequenz der ParoleBlock oder Brei" schreckt auch er zurück, weil er damit sich und seine Ansichten auf Zähre hinaus zu völliger Einflußlosigkeit verurteilen würde. Er muß also auch weiterhin den wirtschaft­lichen Bedingtheiten bei der Einstellung seiner Politik ein großes Maß von Rück­sicht entgegenbringen und, wenn er seine Frak­tion beieinanderbehalten will, sich darauf ein­stellen, daß der Sturz des Kabinetts Brüning in naher Zukunft für die Deutschnationalen un­möglich ist, weil mit dem Ausscheiden Schieles das ganze Agrarprogramm ein kostspie­liges Experiment wäre, das alle Hoffnungen auf eine Gesundung der Landwirtschaft vernich­ten müßte. Zn irgendeiner Form läßt es sich also kaum vermeiden, daß die Deutschnationalen ä la suite des Kabinetts Brüning stehen. Llnd es wäre die Aufgabe einer geschickten Führung, daraus Vorteile herauszuschlagen, die sich nicht nur im Reich, sondern auch in Preußen bezahlt machen. Bekennt sich Herr Hugenberg zu diesem Programm, dann könnte die Deutschnationale Partei die Erschütterungen der ersten Hälfte des Aprils noch überwinden und wieder zu einer geschlossenen Einheit zufammen- wachsen.

Das Ergebnis.

.Berlin, 25. April. (VDZ.) Der Partei- vorstand der Deutschnationalen ^Volkspartei trat heute um 11 Ähr im Reichstag zu einer stark besuchten Tagung zusam- 'men, nachdem schon von morgens 9 Ähr ab ver­schiedene Gruppensitzungen stattgefunden hatten. Dach Begrüßung durch den Parteivor­sitzenden hielt Dr. Hugenberg ein eingehen­des Referat über die Vorgänge seit der letzten Parteivorstandssihung. Dach dem Referat des Parteivorsitzenden trat man in die Aussprache ein. an der sich u. a. Graf W e st a r p, Exzellenz Wallraf, Ober fahren und Laverenz beteiligten. Die Aussprache wurde durch eine Mittagspause bis 16 Ähr unterbrochen. Am Schluß der Sitzung am Freitagabend wurde mit mehr als vier Fünftel Mehrheit des nahezu vollständig besetzten Vorstandes folgende Entschließung gefaßt:

Der Parteivorstand spricht dem Parteiführer Dr. hugenberg und dem Vorsitzenden der Reichs­tagsfraktion Dr. Oberfohren seinen Dank für unbeirrtes Festhalten an den auf dem Kasseler Par­teitag un in der Vorstandssihung vom 8. April auf­gestellten Zielen und Richtlinien aus. Er hält es für selbstverständlich, daß sie die Führung von Partei und Fraktion keinesfalls vor Ablauf der Dahlzeit aufgeben. Ihrer Führung und dem geschloffenen Eintreten der Reichs­tagsfraktion für die Agrargesetze ist es 311311- schreiben, daß deren Vorlage und Annahme ent­gegen widerstrebenden Teilen der Regierungsmehr­heit noch vor Ostern durchgesetzt wurde. Mik diesen Rotstandsmahnahmen sind jedoch die Voraussetzun­gen für eine Rettung der Landwirtschaft noch nicht erfüllt. Wit dem Parteivorsihenden ist der P a r t e i v 0 r st a n d der Auffassung, daß eine end­gültige Behebung der Rotlage der Landwirtschaft wie der Wirtschaft überhaupt viel t i e f e r g r e i - fende und zum Teil anders geartete Maßnahmen erfordert. Die vom Kabinett ver­kündete Kontinuität der Handelspolitik (polnischer Handelsvertrag, Genfer Vereinbarungen ufro.) steht einer wirklichen Sanierung der wirtschaft ebenso im Wege, wie die Fortdauer der marxistischen vorherr- ichast in Preußen. Der Zustand, daß die Voll- strcckungsmaßnahmen dec öffentlichen hassen, ins­besondere aber auch dec Preußenkasse, den Land­wirt von Haus und Hof vertreiben, ist Selbstmord am eigenen Volk und muh vor allem anderen be­seitigt werden. Wir stehen in Opposition gegen dieser Kabinett, das zur Fort- führung der bisherigen Tributs- und handelsvertragspolitik entschlossen ist und das auf dem Wege über Preu­ßen immer noch mit der Sozialdemo, krakle verknüpft ist. wir können keinerlei Wil- verantworkung für seine Politik übernehmen. Diese Oppositionsstellung und die gegebene Lage verlangt unbedingte Zusammenarbeit von Par- kel und Fraktion und geschlossenes Auftreten bei den entscheidenden Parlaments­obstimmungen. Der Parteivorstand bedauert, daß lm Gegensatz zu der einmütigen und erfolgt reichen Haltung der Reichstagsfraktion am 3. und 10- April eine Mehrheit der Reichslagsfraktion in den Steuerabstimmungen vom 12. und 14. April, veranlaßt durch die verständliche und berechtigte

Sorge um die Rot der Landwirtschaft, anders als die Führung gestimmt hat. Die ver. koppelung der Agrarmahnahmen mit der Be­willigung der durch die Mihwirtschaft der Grohen Koalition erforderlich gewordenen neuen Steuern war sachlich nicht begründet. Die Regie­rung war. auch wenn sie bei den Stcuergesetzen in der Minderheit blieb, durch ihre Erklärung und das Wort des Reichspräsidenten an die Hilfsmohnahmen für die Landwirtschaft gebunden.

Rach den Satzungen legt der Pa r t e i v 0 r st a n d die Richtlinien für die politische Ge­sa m l h a l l u n g der Partei fest. Line Anker- stühung des Kabinekks Brüning, sowie die Mitübernahme der Verantwortung für seine Maßnahmen entspricht der oben festgelegten Ge- samshaltung der Partei nicht. Es bleibt dem Ent­schlüsse der Partei- und Fraklionsfüh- r u n g überlassen, in besonderen Ausnah­me f ä l l e n eine abweichende Stellung­nahme zuzulassen."

Kundgebung zum Reichsschul­gesetz.

Der Parteivorstand der Deutschnationalen Volkspartei faßte ferner zur Frage des Reichs­schulgesetzes einstimmig folgende Ent­schließung:

Der Parteivorstand erhebt den bestimmtesten Einspruch gegen die Erklärung des dem Zen­trum angehörigen Reichsinnenministers Wirth im Vildungsausschuß des Reichstags, mit der sich Herr Wirth auf denselben ablehnenden Standpunkt gegen den Schulgesetzantrag der deutschnationalen Reichstags- f r a k t i 0 n, wie sein sozialdemokratischer Vor­gänger S e v e r i n g stellte. Der Parteivorstand sieht darin einen Beweis dafür, daß die Re­gierung Brüning aus Rücksicht auf die Sozialdemokratie nicht daran denkt, die Hand zum endlichen Zustandekommen eines Reichsschulgesetzes, wie es die christliche Bevölkerung aufs dringlichste fordert, zu geben. Um so mehr erwartet er von den parlamentari­schen Fraktionen, daß sie nichts unterlassen, um die Znangriffnahme der Beratung des Schulgesehantrages zu erzwingen, und darüber hinaus sowohl im Reichstag, als auch in den Landtagen nach allen Richtungen im Sinne großzügiger christlicher und deutscher Kulturpolitik tätig werden." Einzelheiten aus -er Sitzung.

Berlin, 25. April. ERB. (Eigene Mel­dung.) Die heutigen Beratungen des deutsch- nationalen Parteivorstandes waren naturgemäß vertraulich. Immerhin läßt sich aus dem, was in Gelprächen mit den Teilnehmern durchgesickert ist, etwa folgendes Bild gewinnen: Bereits heute vormittag nahm die Aus­sprache ziemlich scharfe Formen an. und tzwar durch einen Antrag des Abgeordneten S t e 1 n h 0 f f (Potsdam), der das Ziel hatte, die R eich8 t a g s fr akti 0 n dem Parteivor­stande zu unterstellen. Das würde bedeu­tet haben, daß die Fraktion in allen Fällen so hätte stimmen müssen, wie der Vorsitzende Dr. Hugenberg verlangte.

Dr. hugenberg erkannte aber wohl, dah diese Dikkakurentfchliehung zweifellos zum Bruch ge­führt haben würde. Er lehnte sie deshalb von sich aus ab und verhinderte damit, dah sich überhaupt erst eine Debatte über sie entwickeln konnte.

Trotzdem spitzte sich die Aussprache zeitweise erheblich zu. Auf der einen Seite stand die Gruppe um die Abgeordneten Dr. H u g e n» berg, Oberfohren und Freytagh-Lo- ringhoven, auf der anderen der agrarisch eingestellte Flügel der Partei einschließ­lich der Gruppe um den Abgeordneten W e st a r p. Besonders lebhafte Formen nah­men die Auseinandersetzungen während der Rede des Grafen W e st a r p an, der seinen Stand­punkt. eingehend begründete und dabei von der Gruppe Freytagh-Loringhoven durch Zurufe un­terbrochen wurde, aus die er sehr scharf reagierte. Schließlich gelang es aber nach der Einlegung von zwei Pausen doch, mit der Entschließung, die der Oeffentlichkeit übergeben wurde, eine Brücke zu bauen. Die Entschließung geht von dem Wahlkreis Ostpreußen aus und wurde nach geringfügigen Aenderungen

mit viecfünftelmehrheit angenommen.

Sie spiegelt die Diskussion bis zu einem ge­wissen Grade wieder. Dabei ist besonders der Passus von Interesse, in dem es für selbstver­ständlich erklärt wird, dah Parteiführer und Fraktionsvorsitzender die Führung keinesfalls vor Ablauf der Wahlzeit aufgeben. Diese Stelle wird dahin ausgelegt, daß im Parteivorstand allgemein der Wunsch herrscht, zu vermei­den, daß die Partei mit einem Bruch in den Wahlkampf hineingehen könnte. Das Ergebnis der Sitzung ist also, daß der Bruch vermieden worden ist. Zn deutschnationalen Krei­sen wird allerdings auch Wert auf die Fest­stellung gelegt, dah die Aussprache noch keine Klärung gebracht hat. Der weitere Verlauf der Dinge hängt auch davon ab, was nun die Fraktion tut, die sich in der zweiten Hälfte der nächsten Woche mit der heutigen Sitzung be­schäftigen wird. Zm Parteivorstand war sie nur durch den Fraktionsvorstand und einige fatzungs- gemah hinzugewählte Abgeordnete vertreten.

Für die allgemeine parlamenkarische Lage ist noch bemerkenswert, dah die Parkeivorskands- sitzung es der deutschnakionalen Fraktion nicht unmöglich gemacht hat, dem Reichsetat zur Annahme zu verhelfen.

Die Entschließung betont die Opposition gegen das Kabinett Brüning, sie sieht im Schlußsatz ?ber ausdrücklich eine abweichende Stellungnahme in besonderen Ausnahmefällen vor. Dazu wird von deutschnationaler Seite auch noch darauf hingewiesen, dah die Fraktion sogar bei Kabi­netten der Grohen Koalition bereits für den Etat gestimmt habe. Die kommenden EtatSbe- catunge« dcS Reichstags pich bekanntlich auch

noch mit dem O st Programm verbunden. Zn parlamentarischen Kreisen hat sich unter diesen Umständen der Eindruck verstärkt, daß die bevor­stehenden Reichstagsberatungen keine ernst­hafte Krise bringen werden.

Berliner Preffestimmen.

Berlin, 26. April. (TL. Funkspruch.) Die Deutsche Zeitung" schreibt zu der Ent­schließung des Parteivorstandes der D. R. V. P., die Entschließung sei eine scharfe Absage der berufenen Vertreter der DRDP. und der Bewe­gung an diejenigen Abgeordneten, die den kla­ren Richtlinien der Partei und dem Willen der Führung zuwidergehandelt hätten. Der Par­teivorstand habe sich mit dieser Entschließung, die mit mehr als Vierfünftel-Mehrheit gefaßt worden sei, zugleich mit größtem Rachdruck und ohne Einschränkung hinter den Parteivorsihen­den Hugenberg und den Fraktionsvorsihenden Oberfohren gestellt und ihre Maßnahmen im Kampfe der letzten Wochen in allen Punkten ge­billigt. Es sei gewiß kein Zufall, dah die Ent­schließung des Parteivorstandes einem Vor­schläge der Vertreter der Provinz Ostpreußen entstamme, die ja unter den Agrar- und Ost­nöten am stärksten leide. Am wesentlichsten er­scheint derDeutschen Zeitung", dah nach den Erfahrungen der letzten Wochen die Gesamt­haltung auch für die Fraktion schärfer als bis­her festgelegt sei. Das gelte vor allem für die im letzten Satze der Entschließung getroffene ein­

Paris, 26. April. (WTD.) Der Vorsitzende des zur Zeit in Paris tagenden Ausschusses zur Regelung der Ost re parationen gab heute über den Stand dieser Verhandlungen eine Grllärung ab. Loucheur führte nach einem Bericht der Havas-Agentur aus: Der Ausschuß ist schließlich zu einer Verständi­gung gelangt, die in eine Präambel und vier Abkommen zerfällt. Die Präambel erinnert an die tatsächliche Lage und regelt die Reparations­zahlungen.

Abkommen 1 regelt endgültig die ungari­schen Reparationen. Ungarn hat danach Zahreszahlungen in Höhe von 13 Millionen Goldkronen in der Zeit von 1944 bis 1969 zu leisten. Die Zahreszahlungen zwischen 1930 und 1943 werden endgültig auf 10,5 Millionen Gold­kronen festgesetzt. Zm Austausch dafür wird die allgemeine Hypothek, die die Reparationskom- missivn auf die Einkünfte Ungarns hatte, auf­gehoben. Vorgesehen ist jedoch der Fall, daß Ungarn seine Einkünfte verpfändet. Zn diesem Falle behalten die interessierten Mächte ein Pfand.

Die Abkommen 2 und 3 betreffen die Rege­lung der Agrarreform, also die Beschwer­den der Ungarn, die durch die Agrarreform Rumäniens, der T sch e ch 0 s l 0 w a ke iund Südslawiens betroffen wurden. Alle bereits eingeleiteten und noch einzuleitenden Prozesse fölten durch ein neues Verfahren geregelt wer­den, nämlich durch die Schaffung eines Agrar- f o n d s A in Höhe von 220 bis 240 Millionen Goldkronen. Diesen Fonds bringen Frankreich, Großbritannien und Ztalien auf. Cs tragen da­zu bei die Tschechoslowakei 40 Millionen, Süd- slawien 25 Millionen und Rumänien 13 bis 14 Millionen. Das Abkommen regelt außerdem die Frage der Vermögen der Er- Herzöge und zwar in Form einer Bestätigung der Enteignung, die im Vertrage von Trianon vorgenommen worden ist. Auherdem werden die Fragen geregelt, die die religiösen und akade­mischen Einrichtungen betreffen.

Das Abkommen 4 sieht die Schaffung eines Fonds 6 in Höhe von 100 Millionen Goldkronen vor, die lediglich von Frankreich, Ztalien und Großbritannien zu gleichen Teilen eingeschossen werden, um den Ländern der Kleinen En­tente bei der Begleichung der ungari­schen Ansprüche zu helfen. Dieses Kapital kann durch Einsparung im Agrarfonds A oder durch höhere Einschüsse der Zeichyungsmächte erhöht werden.

Die Texte der Abkommen 1, 2 und 4 sind be­reits gebilligt und brauchen nur noch Überarbeitet zu werden. Der Text des Abkommens 3 wird morgen noch zur Diskussion gestellt. Von 22 Ar­tikeln dieses Abkommens 3 hat man sich übrigens .bereits über 19 geeinigt.

Loucheur sprach die Hoffnung aus, daß die Abkommen morgen nachmittag unterzeichnet wer­den können. Er ging außerdem auf die Op­tantenfrage ein, die die Hauptschwierigkeit bei den Verhandlungen gebildet habe. Um eine Regelung zu erreichen, hätten Frankreich, Groß­britannien und Italien sich zu einem weiteren Opfer bereit erklärt und außer der von ihnen bereits verfprochenen Zahlung in Höhe von 3 Millionen jährlich, weitere Zahlungen In Höhe von 1,5 Millionen Goldkronen pro Zahr ver­sprochen.

Rüstungsfanatiker Boncour über die Abrüstungsfrage.

Paris, 26. April. (WTD. Funkspruch.)Das Journal" hat Paul Boncour die Frage vor­gelegt, ob der Friede durch die Londoner Verhandlungen gestärkt worden sei. Paul Boncour erklärte, was die Beziehungen Eng­lands, Amerikas und Zapans zueinan­der betreffe, so könne man die Frage mit j a beantworten. Was Europa anlange, so sei es nicht sicher. Es sei auch nicht sicher, ob die Arbeiten des Völkerbundes dadurch erleichtert werden würden. Angesichts der Widerstände der europäischen Machte gegen eine Abrüstung auf militärischem und wirtschaftlichem Gebiet könne man sich nicht wundern, daß die Vereinigten Staaten zögern, dem verblendeten Europa Hilfe zu leisten. Der Kellvggpakt habe einen Wert gehabt gegenüber einer Macht, die außerhalb des Völkerbundes stehe, er bedeute nichts ge * genüber Sanktionen, die sich bereits durch oas Völkerbunds st atut als gebunden hätte« ansehen müsse«. .Gegenüber allen Wider-

deutige Feststellung, wonach in besonderen Fäl­len die Entscheidung des Partei- und Frak- tionsvorsitzenden maßgebend sei. Diese Klärung der Derantwortungsfrage im Sinne der Führung sei notwendig gewesen. Sie stärke die Stellung Hugenbergs gegenüber der Fraktion.

DieDeutsche T a g e s z e i t u n g"'vermag in dem Ergebnis der Parteivorstandssitzung keine wirkliche und durchgreifende Klärung dec Verhält­nisse in dec deutschnationalen Partei und Fraktion, insbesondere auch keine Klärung in dem Verhältnis Hwiscl t Partei und Landwirtschaft zu erblicken. Der Parteivorstand habe sich damit begnügt, der Frak­tionsmehrheit ihr Eintreten für die Interessen der, Landwirtschaft nicht als Verdienst, sondern lediglich als mildernden Umstand anzurechnen. Er habe nicht ein Wort der Anerkennung für die erfolgreiche Ar­beit des Ministers Schiele gefunden. Das eine wie das andere werde draußen in den Kreisen des um die nackte Existenz ringenden Landvotts schwerlich besonderes Verständnis finden. Wenn auch der offene Bruch zwischen Parteiführung und Frak­tionsmehrheit vermieden worden sei, so hänge doch die weitere Entwicklung an der Frage, wie weit die von der Minderheit der Fraktion verfolgte In­transigenz einer beweglicheren Taktik einer viel klareren Auffassung von den Aufgaben und Wir­kungsmöglichkeiten einer verantwortungsbewußten Opposition Platz mache. Die Probe darauf könne schon sehr bald heranreifen.

In derD. A.Z." wird gesagt: Es ist anzuneh- nehmen, daß die Mehrheit der Fraktion, die sich ja schon vor der Tagung des Parteivorstandes unter Führung des Grafen Westarp zu bestimmten Schritten zusammengefunden hatte, in Kürze weitere Entscheidungen darüber fällt, wie sie sich zu der Ent« schließung des Parteivorstandes verhält. In unter­richteten Kreisen wird die Situation sehr ernst be­urteilt: die Hoffnungen auf eine wirkliche Verstau- digung sind wesentlich zurückgegangen.

ständen", so fuhr Paul Boncour fort,tft immer­hin

ein kompakter Block vorhanden, der weih, was er will: Frankreich, Polen, die kleine Entente.

Hierzu kommen Finnland, die baltischen Staaten, Spanien und Griechenland. Ihr und unser klarer Gedanke hat seinen berechtigten Ausdruck in dem Genfer Protokoll von 1924 gefunden, andernfalls ist nur eine scheinbare, einseitige Abrüstung mög­lich, und Beunruhigung und Mißtrauen bleiben be­stehen. Es genügt nicht, daß man das Abrüstungs- Problem aus London nach Genf verlegt. Es würde Genf nicht verlassen haben, wenn der Völkerbund mit weniger Langlamkeit und mit mehr Entschlossen­heit in Angriff genommen hätte. Der Völker- bund muh auch seineAufgabe erfüllen, die darin besteht, das Völkerbundsstatut lebendig und klar zu gestalten, und dadurch die allgemeine Rüstungsherabsetzung zu ermöglichen. Man braucht kein Problem zu sein, es genügt, die Augen aufzu- halten, um festzustellen, daß

lm Salle eines endgültigen Scheiterns der Ab­rüstungsverhandlungen, oder auch nur im Solle ihrer fortwährenden Vertagung Deutsch­land. das vom sonstigen Zwange befreit ist, sich entschliehen würde, diese Abrüstung abzuwim­meln und nicht mehr allein eine Rüstungsbe­schränkung zu dulden,

die der Versailler Vertrag selbst als die Bedin­gung, aber auch als das V e r s p r e ch e n für eine allgemeine Rüstungsherabsetzung be­zeichnet hat.

polnische Flugzeuge über Ostpreußen.

Königsberg, 25. April. ($11.) Gleichzeitig mit einer Grenzverletzung durch ein polnisches Flugzeug in Deutsch-Eylau sind auch im Rach- barkreis Reidenburg und im Osten Masurens, im Kreise Iohannisburg, polnische Flug­zeuge über deutschem Gebiet erschienen. Von Rorden kommend überflog eine polnische Maschine im Kreis Reidenburg den südlichsten Zipfel zwischen Koslau und Rapierken, um dann in südlicher Richtung zu verschwinden. Zu gleicher Zeit erschien, von Osten kommend, ein polnische- Flugzeug über den Städten Biala und ZohanniS- burg, die etwa 20 Kilometer von der Grenze entfernt liegen, um dann in westlicher Richtung zu verschwinden.

polenfeindschast gegen deutsche Schauspieler.

K a t 10 w i h, 25. April. (T. 11.) Die Te - gernfeer Dauernbühne, die seit sechs Wochen in Ostoberschlesien Gastvorstellungen gibt, wollte am Donnerstagabend in Laurahütte ein Lustspiel aufführen. Während der Vorstel­lung drang eine Bande von etwa 30 polni­schen Aufständischen in den Dorraum des Saales und versuchte die Aufführung zu stören. Zwei Polizeibeamte und einige beherzte Männer traten den Angreifern entgegen und konnten sie zurückdrängen. Die Aufrührer versuchten darauf­hin, gewaltsam die Tür zu sprengen und in den Saal einzudringen. Unter den Zuschauern ent­stand größte Beunruhigung und Erregung. Da die Lage immer bedrohlicher wurde, mußte po­lizeiliche Verstärkung erbeten werden. Die Aufständischen räumten aber auch nach dem Eintreffen weiterer (Beamter nicht das Feld, sondern warteten den Schluß der Vorstellung ab. Die Polizei brachte dann die Schauspieler in Sicherheit. Auch das Publikum wurde, soweit es möglich war, nach Hause begleitet, so bah sich keine weiteren Zwischenfälle ereigneten. Ohne baß tatkräftige Eingreifen der Polizeibeamten wäre es zweifellos zu Blutvergießen gekommen.

Eine weitere Vorstellung, die für Freitagabend in Dich au angesetzt war, ist vom dortigen Ge­meindevorstand im letzten Augenblick ohne Be­gründung verboten worden.

politische Reibereien in Darmstadt.

D a r m st a d t, 25. April. (WER.) Heute abend sollte im Saale desDürgerhofes" der bekannte K0mrnunist Schmidt aus Hamburg, bet früher Rationalsozialist war, sprechen. Die Ra­tionalsozialisten hatten eine starke Ab­ordnung in die Versammlung entsandt, big btsfei

Regelung der Ostreparationen.