nr 97 Erstes Blatt
180. Jahrgang
Samstag, 26. April 1930
Eriche,vlläglich.autzer Sonntags unb Feiertags.
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Die Illustrierte Viehener Familienblätter
Heimat im Bild Die Scholle monatiBc)ng$prct$:
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Icil Ernst Dlurnschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.
Hindenburg fünf Jahre Reichspräsident.
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von solcher
Die Vereidigung vor dem Reichstag. Rechts neben Hindenburg Reichstagspräfident Lobe.
damals, die Wahl Hindenburgs würde, den Sieg der Kapitalkonzerne, der Man-
nden, danken mit
wir und wünschen dem deutschen Volke, daß cs sich noch lange der starken sittlichen Kraft eines Hin« denburg erfreuen kann, dann wird es auch in Zukunft nicht an Männern fehlen, die bereit sind, dem Volke und dem Staate zu dienen, wie es der Mann getan hat, der sich den Ehrentitel „Vater des Vaterlandes" längst erworben hat.
Tage und unserer Wirtschaft besondere Leistungen fordert, er gilt allen Volksgenossen außerhalb des Deutschen Reiches, die mit uns durch die große deutsche Kulturgeincinschaft unlöslich verbunden sind. Er gilt besonders den Alten und Kranken, die voll Sorge einem trüben Lebensabend entgegensetzen und er gilt endlich unserer Hoffnung: unserer deut» scheu fugend!
ahlsieg gearbeitet und gekämpft haben, heute dem großen Führer für seine Pflichterfüllung, für sein edles Vorbild. Hoffen
Hindenburgs erste Kundgebung an sein Volk.
Am Tage der Uebernahme des Reichspräsidenten« amtes, am 12. M a i 19 2 5, erließ Reichspräsident von Hindenburg eine A n t r i t t s b o t s ch a f t an das deutsche Volk, die in ihrer Eindring«
des Reiches zu wahren unb gegen jedermann Gerechtigkeit zu üben. <Jn dieser feierlich-ernsten Stunde rufe ich das ganze deutsche Volk zur Mitarbeit auf.
2Hcin Amt und mein Streben gehört nicht einem einzelnen Stande, nicht einer Konfession, nicht einer Partei, sondern dem gesamten, durch harte Schicksalsschläge verbundenen deutschen Volk mit allen seinen Gliedern.
Glückwünsche der Berliner Presse.
Berlin, 26. April. (Eigene ERB.-Meldung.^ Am heutigen 26. April sind fünf Jahre verflossen, . seit Generalfeldmarschall v. Hindenburg zum Präsidenten der Deutschen Republik gewählt wurde. Die Mehrzahl der Berliner Blätter nimmt dieses Jubiläum zum Anlaß, einen Rück« b l itf auf die Amtstätigkeit Hindenburgs als Reichspräsident zu werfen.
„Hindenburg hat sich," so heißt es in der „(8 c r • mania", „in fünf inhaltsschweren Jahren bewährt als der feste Hort deutscher Staatsgesinnung und einer oufwärtsführenden deutschen Politik. In einer Zeit, die so überaus reich war an scharfen politischen Kämpfen und parteiischen Auseinandersetzungen, war er immer wieder der Mahner zur sachlichen Arbeit und zur sachlichen Ein, gung. Wir hoffen inständig, daß ihn die Kraft nicht verläßt und ihm der Mut nicht schwindet, sein hohes Amt in diesem Geiste weiter zu führen."
„Ungebeugt vom Alter steht," so schreibt die „D. A. Z.", „der 82jährige auf seinem Posten, unberührt von der Gegnerschast der Linken und den leider häufig gewordenen Angriffen der äußersten Rechten. Einem Manne wie Hindenburg gegenüber ist Byzantinismus nicht am Platze, wohl aber etwas anderes, was auch auf der Rechten leider vielfach oerlorengegangen ist: Ehrfurcht und Vertrauen "
Der „Berliner Lokalanzeiger" erklärt: In der 5jährigen Amtsperiode hat Hindenburg fein Amt mit vorbildlicher Pflichttreue geführt und stets das Wohl des Ganzen im Auge behalten. Auch das Amt des Reichspräsidenten ist nicht der politischen Kampflinie entrückt, und auch die Handlungen des Reichspräsidenten sind der Kritik unterworfen. Aber über allen politischen Streit hinweg ist die Tatsache, einen Mann von solchem ehrlichen, unbestechlichen Wollen, von solchen reinen lauteren Absichten und
geschichtlichen Größe an der Spitze des Reiches zu sehen, von unschätzbarem Werte.
Das „B. T." sagt: Am 12. Mai übernahm Hindenburg, ein 78jähriger Mann, das neue Amt, leistete er im Reichstag in feierlicher Sitzung den Eid aus die Verfassung. In den seither verstossenen Jahren seiner Amtsführung hat er gemäß diesem Eide feinem Handeln die Mahnung zur Einigung vorangestellt.
Die „V o s s. Z t g." erinnert an den Ausruf Hindenburgs bei Uebernahme seiner Kandidatur: „Wenn die Pflicht mir gebietet, auf dem Boden der Verfassung als Reichspräsident zu wirken, so soll es nicht an mir fehlen. Ich reiche jedem Deutschen die Hand, der national denkt, die Würde des deutschen Romens nach innen und außen wahrt und den konfessionellen und sozialen Frieden will." So hat er es sich von Anbeginn vorgenommen. In diesem Geiste hat er fein Amt geführt.
Im „V o r ro ä r t s" wird ausgcführt, daß Hindenburg diejenigen enttäuscht habe, die ihm, dem unpolitischen Soldaten, das höchste politische Amt zuge- schoben hatten. „Denn gegen die Verfassung, die er beschworen hatte, ließ er sich nicht mißbrauchen, auf halsbrecherische Abenteuer ließ er sich nicht ein." Das Scho in der Provinz.
Die Morgenzeitungen der deutschen Provinzpresse bringen, nach Drahtmeldungen von heute früh, gleichfalls herzliche Gedenkartikel aus Anlaß des heutigen Fünfjahrestages der Reichspräfidentschaft Hindenburgs. In den Artikeln wird kurz der Tätigkeit des Reichspräsidenten als Feldmarschall der kaiserlichen Armee des Wellkrieges, vor allem aber feines von hoherstaatsmännischer Klugheit zeugenden Wirkens als Staatschef des Deutschen Reiches gedacht. Dabei werden auch
archiften, der rechtsputschistischen Gruppen bedeute», kurz aller Kräfte, die Deutschland ins Unglück geführt haben. Heute werden auch solche Propheten zugeben, daß sie unrecht gehabt haben. Millionen, die einst d»m Präsidentschaftskandidaten Hindenburg ablehnend gegenüberfta denen, die für seinen Wahlsieg i
Ich vertraue auf den Beistand des ewigen Gottes, der uns auch durch die schwere Notzeit unserer Tage hindurchführen wird, ich vertraue auf die glänzen- den ruhmreich bewährten unsterblichen Lebenskräfte der deutschen Nation, ich vertraue auf den gerade in schwerster Zeit immer wieder gezeigten opferbereiten Lebenswillen unseres Volkes und
ich vertraue endlich auf den großen gnädigen und gerechten Gott, auf daß das deutsche Volk wieder einen würdigen Platz In der Dell einnehmen wird.
Mein erster Gruß gilt allen denen, die unter der Not unserer Zeit besonderes leiden im harten Ringen ums Dasein, er gilt dem ganzen arbeitenden deutschen Volke, von dem die schwere Lage unserer
die hervorragenden Eigenschaften Hindenburgs als Mensch gepriesen und besonders seine Schlichtheit im Umgang mit allen Schichten des Volkes rühmend heroorgehoben. Allgemein wird in den Artikeln dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß es dem hochverdienten greifen Staatsmanns und sorgsamen Führer seines Volkes vergönnt sein möge, in Kraft und Gesundheit weiterhin seines hohen Amtes zu walten.
(Sine Hmdenburg-MedaMe.
2lus Anlaß der fünfjährigen Amtstätigkeit des Reichspräsidenten von Hindenburg wird durch die Preußische Staatsmünze nach dem Entwurf des Bildhauers Oskar Gloeckler eine Medaille „Reichspräsident d o a Hindenburg 1925 bis 1930" geprägt.
lichkeit und Schlichtheit außerordentlich packend wirkte. An diese erste staatsmännische Kundgebung Hindenburgs sich heute zu erinnern nachdem ein holdes Jahrzehnt staatsmännischer Arbeit unseres hochverehrten Reichspräsidenten vorliegt, ist beson- ders unter den gegenwärtigen politischen Verhält- nissen interessant. Die Kundgebung hat folgenden Wortlaut:
An das deutsche Volk.
Am 26. Aprll 1925 hat mich das deutsche Volk zu seinem Reichspräsidenten gewähll. Am heutigen Tage habe ich das bedeutungsvolle Amt angetreten. Getreu dem von mir geleisteten Eid will ich alle meine Kräfte daran setzen, dem Wohle des Volkes zu dienen, die Verfassung und die Gesetze
Am heutigen 26. April sind fünf Jahre seit dem I unvergeßlichen 26. April 1925 verflossen, der den deutschen Nationalhelden des Wellkriegs, General feldmarschall von Hindenburg, zur Führung des Reiches berief. Die Vorgeschichte dieses Ereignisses ist »och in Erinnerung. Im ersten Wahlgange (29. März) stand Dr. Jarres weit an der Spitze aller Kandidaten, die sich um die Präsidentschaft be- warben. Trotzdem schien der Ausgang des Stichwahl- toges ungewiß. Hauptsächlich auf btc Veranlassung deutschnationaler Kreise erfolgte deshalb für den zweiten Wahlgang ein Kandidatenwechsel. Feldmarschall von Hindenburg wurde von den im Reichsblock vereinigten Parteien aufgestellt, obwohl es damals nicht an Stimmen fehlte, die den Wunsch vertraten, den greifen Helden außerhalb des politischen Kampfes zu halten. Die Parteien der Weimarer Koalition einigten sich auf den Zentrumsabgeordneten und früheren Reichskanzler Marx, daneben blieb die kommunistische Zählkandidatur bestehen. Der geschichtliche Klang des Namens Hindenburg führte den Parteien des Reichsblocks noch eine Million neuer Wähler zu, so daß sein Wahlsieg als eine große und freudige Ueberraschung am 26. April verkündet werden konnte. Arn 12. Mai 1925 leistete der neue Reichspräsident vor dem Reichstage den Eid auf die Verfassung.
Es ist ein weiter, schicksalsvoller Weg gewesen, der den kaiserlichen Heerführer an die Spitze der Re- publit führte. Es ist eine Tragik geworden, daß diejenigen, die denselben Mann vor fünf Jahren gegen seinen Wunsch in die vorderste Reihe der Politik stellten, heute vielfach abseits von ihm stehen. Das mögen Empfindungen und Empfindlichkeiten verständlicher Art sein, aber das Schicksal einer großen Nation geht darüber zur Tagesordnung über. Für die deutsche Entwicklung war und bleibt es von ungeheurer Bedeutung, daß ein Mann von der Größe und der unantastbaren Persönlichkeit Hin- denburgs das Staatsruder ergriff. Damit hat die neue deutsche Staatsform an Ansehen auch in solche» Schichten gewonnen, die ihr bisher feindlich gegenüberftanben. Hindenburg hat durch sein Beispiel bewiesen, daß es möglich ist, in treuer Verehrung dem Alten zugetan zu sein und doch mit starkem Sinn und Verantwortung der neuen Zeit zu dienen. Wort und Sinn der Reichsverfassung hat der zweite deutsche Reichspräsident, über allen politischen und wirtschafllichen Gruppen stehend, ge- wisienhast befolgt. Das weiß im deutschen Volke jeder einzelne, das schafft Vertrauen in einer Zeit der Krisen und der inneren Kämpfe. Reichspräsident v o n H i n d e n b u r g hat sich durch keinerlei parteipolitische Voreingenommenheiten hindern lassen, jeweils das zu tun, was aus der politischen Lage heraus und nach reiflicher Ueberlegung notroen big war. Er hat mit innerer Anteilnahme das Wirken bes verstorbenen Außenministers Dr. S t r e f e m a n n begleitet unb seine Politik bis zuletzt gebilligt und gestützt. Er hat ben Sozialdemokraten Hermann Müller zum Reichskanzler berufen unb bamit seiner Partei bas gleiche Maß von Verantwortung zugeschoben, wie vorher unb nach her bürgerlichen Fraktionen. Er hat noch in ben letzten Wochen mit klarer Ent- schiebenhcit ben Reichstag an seine Aufgaben ermahnen lassen und gleichzeitig bas Kabinett mit allen versassungs- mäfeigen Vollmachten versehen, damit die Staatsaufgaben nicht Not leiden. In allen großen und kleinen Aufgaben und Fragen gleich gewissenhaft, abgeklärt, stets würdig seines hohen Amtes, Der- förpert der fast 83jährige Reichspräsident Hindenburg das deutsche Gewissen. Wie das Volk ihm zum 80. Geburtstage zujubelte, so wird ihn vor allem das Rheinland feiern, wenn er zu feiner Befreiungsfeier in den nächsten Wochen dort erscheint. Diese Fahrt wird ein Symbol dafür fein, daß unser Volk unb seine Führer, ber Präsident an ber Spitze, schwere Jahre hinburch nicht umsonst gearbeitet unb geopfert Haden.
Die Wahl Hindenburgs sollte nach ber Voraussage feiner bamaligen Gegner im Wahlkampfe ber Beginn einer Kata strophenpolitik für Deutschlcmb fein. Der Aufruf ber Sozialdemokratischen Partei vom 11. April 1925 kündete an, daß die Republik in Gefahr, daß der Friede ge fährbet sei, daß eine neue Inflation kommen werde, wenn Hindenburg zum Siege gelangt. Der jetzige preußische Ministerpräsident Otto Braun verkündete


